15 Minuten Stadt Deutschland: Prinzip und Bedeutung einfach erklärt

Eine lebendige städtebauliche Szene zum Thema 15 Minuten Stadt Deutschland
Zwei Personen spazieren einen Gehweg entlang – ein alltägliches Bild urbaner Bewegung. Foto: jurienh / Unsplash

Wer in einer Stadt alle wichtigen Ziele des Alltags zu Fuß oder mit dem Fahrrad in etwa einer Viertelstunde erreichen kann, lebt in einer Stadt, die nicht nur effizienter, sondern auch gerechter, klimaresilienter und lebenswerter ist. Das Konzept der 15 Minuten Stadt hat in den vergangenen Jahren eine bemerkenswerte Karriere von der urbanistischen Theorie zur stadtplanerischen Leitidee gemacht. Für Deutschland, mit seinen heterogenen Stadtstrukturen, seiner föderalen Planungskultur und seinen sehr unterschiedlichen Siedlungstypen, stellt das Prinzip sowohl eine Einladung als auch eine ernsthafte Herausforderung dar.

  • Was die 15 Minuten Stadt bedeutet und woher das Konzept stammt
  • Welche planungstheoretischen Grundlagen und historischen Vorläufer dahinterstecken
  • Wie das Konzept auf deutsche Stadtstrukturen und Planungsinstrumente übertragen werden kann
  • Welche Rolle Nutzungsmischung, Dichte und Mobilität im Konzept spielen
  • Wie Freiräume, Grüninfrastruktur und öffentlicher Raum das Konzept tragen
  • Welche Stadttypen und Quartiere besonders geeignet oder besonders herausfordernd sind
  • Welche Kritik und Grenzen das Konzept hat und wie die Fachdiskussion damit umgeht
  • Was das Konzept für Landschaftsarchitektur, Freiraumplanung und Stadtentwicklung in Deutschland konkret bedeutet

Was die 15 Minuten Stadt ist: Definition und Kernprinzip

Die 15 Minuten Stadt, im englischsprachigen Raum als „15-minute city“ bekannt, ist ein stadtplanerisches Leitbild, das darauf abzielt, die wichtigsten Funktionen des täglichen Lebens für alle Bewohner innerhalb eines Radius erreichbar zu machen, der zu Fuß oder mit dem Fahrrad in etwa fünfzehn Minuten bewältigt werden kann. Zu diesen Grundfunktionen zählen Wohnen, Arbeiten, Versorgung mit Gütern des täglichen Bedarfs, Bildung, Gesundheitsversorgung, Freizeit und Erholung sowie soziale Teilhabe. Das Konzept ist kein starres Planungsmodell mit festen Kennziffern, sondern ein normatives Leitbild, das Prioritäten in der Stadtentwicklung setzen soll.

Geprägt wurde der Begriff maßgeblich durch den franko-kolumbianischen Urbanisten Carlos Moreno, der das Konzept im Kontext der Stadtentwicklung von Paris weiterentwickelt und popularisiert hat. Moreno beschreibt sechs soziale Grundfunktionen, die eine Stadt ihren Bewohnern in unmittelbarer Nähe bieten soll: Leben, Arbeiten, Versorgen, Pflegen, Lernen und Erholen. Diese Funktionen sollen nicht mehr durch lange Pendelwege getrennt sein, sondern sich räumlich überlagern und ergänzen. Das Konzept knüpft dabei an ältere urbanistische Traditionen an, die Nutzungsmischung und kurze Wege als Qualitätsmerkmal städtischen Lebens verstehen.

Für die 15 Minuten Stadt Deutschland ist entscheidend, dass das Konzept nicht einfach aus dem Pariser Kontext übernommen werden kann. Paris ist eine der am dichtesten besiedelten Großstädte Europas, mit einer historisch gewachsenen Blockstruktur und einem sehr engmaschigen Versorgungsnetz. Deutsche Städte hingegen sind in ihrer Mehrzahl durch Kriegszerstörung, Wiederaufbau, Suburbanisierung und funktionale Entmischung geprägt. Das Leitbild muss deshalb für deutsche Verhältnisse übersetzt, angepasst und kritisch bewertet werden.

Historische Vorläufer und planungstheoretische Wurzeln

Das Prinzip kurzer Wege ist in der Stadtplanungstheorie keineswegs neu. Bereits die Gartenstadtbewegung, die Ende des 19. Jahrhunderts von Ebenezer Howard in England initiiert wurde, propagierte eine Stadtstruktur, in der Wohnen, Arbeiten und Erholung räumlich nah beieinanderliegen und durch Grünflächen miteinander verbunden sind. Howards Modell zielte auf eine Überwindung der Trennung von Stadt und Land und auf eine menschlich überschaubare Siedlungsgröße. Obwohl die Gartenstadt letztlich oft zur suburbanen Wohnform ohne echte Arbeitsstätten degenerierte, enthielt das Grundprinzip bereits den Kern dessen, was heute als 15 Minuten Stadt diskutiert wird.

In der Nachkriegsmoderne setzte sich dagegen das Gegenteil durch. Die Charta von Athen, das Leitdokument des modernen Städtebaus aus dem Umfeld von Le Corbusier und dem CIAM, propagierte die funktionale Trennung der Stadt in Wohnen, Arbeiten, Erholung und Verkehr. Diese Zonierung wurde in der Bundesrepublik durch das Baunutzungsrecht institutionalisiert, das in der Baunutzungsverordnung (BauNVO) bis heute die Grundlage für die Ausweisung von Nutzungsarten in Bebauungsplänen bildet. Reine Wohngebiete, Gewerbegebiete und Industriegebiete wurden räumlich getrennt, was lange Wege und Autoabhängigkeit strukturell erzwang.

Die Kritik an dieser funktionalen Entmischung begann bereits in den 1960er Jahren. Jane Jacobs formulierte in ihrem einflussreichen Werk „The Death and Life of Great American Cities“ eine Gegenthese: Lebendige Städte entstehen durch Nutzungsmischung, kurze Blöcke, unterschiedliche Gebäudealter und hohe Bevölkerungsdichte. Diese Überlegungen fanden in der europäischen Stadtplanung ab den 1980er Jahren zunehmend Gehör und mündeten in Konzepten wie der europäischen Stadt, der kompakten Stadt und schließlich in der Idee der 15 Minuten Stadt. Das Konzept ist also weniger eine Revolution als eine Verdichtung und Aktualisierung eines langen Diskurses über die richtige Maßstäblichkeit des städtischen Lebens.

Nutzungsmischung, Dichte und Mobilität: Die drei Säulen des Konzepts

Die 15 Minuten Stadt steht auf drei eng miteinander verknüpften Säulen: Nutzungsmischung, angemessene Dichte und ein Mobilitätssystem, das aktive Fortbewegung bevorzugt. Nutzungsmischung bedeutet, dass Wohnen, Arbeiten, Einkaufen, Bildung und Freizeit nicht in getrennten Zonen, sondern in räumlicher Nähe und idealerweise im selben Quartier oder sogar im selben Gebäude stattfinden. Im deutschen Planungsrecht ist diese Mischung in bestimmten Gebietstypen der BauNVO bereits vorgesehen, etwa in Mischgebieten (MI) und urbanen Gebieten (MU), die mit der Novelle der BauNVO im Jahr 2017 eingeführt wurden. Das urbane Gebiet erlaubt eine besonders intensive Nutzungsmischung und höhere Lärmpegel, was es zum planungsrechtlichen Instrument der Wahl für 15-Minuten-Quartiere macht.

Dichte ist eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung. Erst ab einer bestimmten Bevölkerungsdichte lässt sich eine ausreichende Nachfrage für Nahversorgungsangebote, Bildungseinrichtungen und Kulturangebote in fußläufiger Entfernung aufrechterhalten. Zu geringe Dichte macht Nahversorgung betriebswirtschaftlich unrentabel und erzwingt Autoabhängigkeit. Zu hohe Dichte ohne ausreichende Freiräume, Grünflächen und soziale Infrastruktur erzeugt dagegen Überlastung und Qualitätsverlust. Die 15 Minuten Stadt sucht deshalb eine Balance zwischen kompakter Bebauung und ausreichend öffentlichem Raum, die in der Fachliteratur oft als „dichte Vielfalt“ beschrieben wird.

Das Mobilitätssystem ist der dritte Schlüsselfaktor. Die Viertelstunde als Maßstab ist nur dann realistisch, wenn Fußwege und Radwege sicher, attraktiv und direkt sind. In vielen deutschen Städten sind Fußgänger und Radfahrer strukturell benachteiligt: Kreuzungen sind auf den Autoverkehr ausgerichtet, Gehwege werden zugeparkt, Radwege enden abrupt oder sind von schlechter Qualität. Die Umsetzung der 15 Minuten Stadt erfordert deshalb eine systematische Umgestaltung des Straßenraums zugunsten aktiver Mobilität, was in Deutschland unter dem Begriff Verkehrswende diskutiert wird. Superblocks, wie sie in Barcelona erprobt wurden, oder temporäre Straßensperrungen für den Autoverkehr sind Instrumente, die auch in deutschen Städten zunehmend diskutiert und erprobt werden.

Freiräume und Grüninfrastruktur als tragende Elemente

Ein Aspekt, der in der öffentlichen Debatte über die 15 Minuten Stadt oft unterbelichtet bleibt, ist die Bedeutung von Freiräumen und Grüninfrastruktur. Erholung und Naturerlebnis gehören zu den Grundfunktionen, die das Konzept für alle Bewohner in fußläufiger Entfernung sichern will. Stadtparks, Stadtplätze, Spielflächen, Kleingärten, Sportanlagen und naturnahe Grünflächen sind keine Luxusgüter, sondern Grundbestandteile einer funktionierenden Quartiersstruktur. Für die Landschaftsarchitektur und Freiraumplanung bedeutet das Konzept eine Aufwertung ihrer Rolle: Grünflächen werden nicht mehr als Restflächen zwischen Bebauung betrachtet, sondern als strukturierende Elemente des Quartiers.

Grüninfrastruktur im Sinne der 15 Minuten Stadt erfüllt mehrere Funktionen gleichzeitig. Sie bietet Erholungsraum, fördert Biodiversität, reguliert das Stadtklima durch Verdunstungskühlung und Beschattung, hält Regenwasser zurück und verbessert die Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum. Gerade vor dem Hintergrund des Klimawandels, der in deutschen Städten zu häufigeren Hitzewellen, Starkregenereignissen und Trockenperioden führt, gewinnt diese Multifunktionalität an Gewicht. Das Konzept der blaugrünen Infrastruktur, also die Verbindung von Grünflächen mit Wasserrückhaltung und Regenwassermanagement, ist ein zentrales Instrument klimaresilienter Stadtentwicklung und zugleich ein Baustein der 15 Minuten Stadt.

Die gerechte Verteilung von Grünflächen ist dabei eine eigenständige Herausforderung. In vielen deutschen Städten sind grüne Freiräume ungleich verteilt: Wohlhabendere Quartiere verfügen über mehr und qualitativ hochwertigere Grünflächen als einkommensschwache Stadtteile. Das Leitbild der 15 Minuten Stadt schließt deshalb eine sozialräumliche Dimension ein: Grünversorgung soll nicht nur insgesamt ausreichend sein, sondern für alle Bevölkerungsgruppen in fußläufiger Entfernung zur Verfügung stehen. Richtwerte wie der GALK-Richtwert für wohnungsnahe Grünflächen oder die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation zu Grünflächenversorgung in Städten bieten hier Orientierung, sind aber rechtlich nicht verbindlich.

15 Minuten Stadt Deutschland: Stadttypen, Herausforderungen und Übertragbarkeit

Die Frage, wie das Konzept der 15 Minuten Stadt auf Deutschland übertragen werden kann, ist nicht pauschal zu beantworten. Deutschland ist ein Land mit sehr unterschiedlichen Stadttypen: Großstädte wie Berlin, Hamburg, München, Köln oder Frankfurt weisen in ihren gründerzeitlichen Kernquartieren bereits Strukturen auf, die dem Leitbild nahekommen. Dichte Bebauung, kleinteilige Nutzungsmischung, ein engmaschiges Nahversorgungsnetz und ein gut ausgebauter öffentlicher Nahverkehr sind in diesen Quartieren vorhanden. Die Herausforderung liegt hier weniger im Aufbau neuer Strukturen als in der Sicherung und Verbesserung bestehender Qualitäten sowie in der Umgestaltung des Straßenraums.

Mittelstädte und Kleinstädte stehen vor anderen Problemen. Hier hat der Strukturwandel im Einzelhandel, der Rückzug von Banken, Post und anderen Nahversorgern aus der Fläche sowie die Verlagerung von Arbeitsplätzen in Gewerbegebiete an der Peripherie dazu geführt, dass die Voraussetzungen für eine 15-Minuten-Versorgung in vielen Innenstädten erodiert sind. Leerstände in Innenstadtlagen, fehlende Bildungseinrichtungen im Quartier und mangelnde Freizeitinfrastruktur sind strukturelle Defizite, die durch Planung allein nicht kurzfristig behoben werden können. Hier braucht es Investitionen, Förderprogramme und eine aktive Ansiedlungspolitik.

Suburbane Siedlungen und Einfamilienhausgebiete aus der Nachkriegszeit stellen die größte Herausforderung dar. Diese Gebiete wurden explizit für das Auto geplant, ihre Dichte ist zu gering für rentable Nahversorgung, und ihre monofunktionale Struktur lässt sich nur durch tiefgreifende Umstrukturierung verändern. Nachverdichtung, also die Ergänzung bestehender Bebauung durch zusätzliche Wohneinheiten und Nutzungen, ist ein möglicher Weg, erfordert aber politischen Willen, planungsrechtliche Instrumente und die Bereitschaft der Eigentümer. Das Konzept der 15 Minuten Stadt kann hier als Zielbild dienen, das die Richtung vorgibt, auch wenn der Weg lang ist.

Kritik, Grenzen und offene Fragen

Das Konzept der 15 Minuten Stadt ist nicht ohne Kritik geblieben, und ein Teil dieser Kritik ist fachlich berechtigt. Ein zentraler Einwand betrifft die Frage der Erreichbarkeit: Nicht alle Funktionen lassen sich sinnvoll dezentralisieren. Spezialisierte Krankenhäuser, Universitäten, überregionale Kultureinrichtungen oder bestimmte Arbeitsplätze werden immer eine gewisse Pendelbereitschaft erfordern. Das Konzept behauptet nicht, dass alle Wege kurz sein sollen, sondern dass die Alltagsfunktionen in der Nähe verfügbar sein sollen. Diese Unterscheidung ist wichtig, wird aber in populären Darstellungen oft verwischt.

Ein weiterer Einwand betrifft die Gefahr der sozialen Schließung. Wenn attraktive, gut versorgte 15-Minuten-Quartiere entstehen, steigen dort die Bodenpreise und Mieten, was einkommensschwache Bevölkerungsgruppen verdrängt. Gentrifizierung ist ein reales Risiko, das durch das Konzept selbst nicht gelöst wird. Stadtplanung, die das Leitbild der 15 Minuten Stadt ernst nimmt, muss deshalb Instrumente der sozialen Wohnraumversorgung, Mietpreisbremse, kommunale Bodenpolitik und gemeinschaftliche Eigentumsmodelle mitdenken. Das Konzept ist kein Selbstläufer für soziale Gerechtigkeit.

Schließlich gibt es methodische Fragen: Was genau bedeutet „fünfzehn Minuten“? Für wen? Zu Fuß oder mit dem Fahrrad? Für einen gesunden Erwachsenen oder für ältere Menschen, Kinder und Menschen mit Behinderungen? Die Erreichbarkeit eines Quartiers ist keine einheitliche Größe, sondern variiert stark je nach Mobilität, Alter und körperlicher Verfassung der Bewohner. Eine inklusive Interpretation des Konzepts muss diese Differenzierungen berücksichtigen und Barrierefreiheit als Grundbedingung verstehen, nicht als Zusatzanforderung.

Bedeutung für Landschaftsarchitektur und Freiraumplanung

Für die Landschaftsarchitektur und Freiraumplanung in Deutschland bietet das Konzept der 15 Minuten Stadt eine konzeptionelle Grundlage, die die Bedeutung des öffentlichen Raums und der Grüninfrastruktur in der Stadtentwicklung stärkt. Wenn Erholung, Naturerlebnis und soziale Begegnung als Grundfunktionen des Alltags anerkannt werden, die in fußläufiger Entfernung verfügbar sein müssen, dann sind Parks, Plätze, Spielflächen und Grünverbindungen keine optionalen Ergänzungen, sondern strukturelle Notwendigkeiten. Das verändert die Argumentationsgrundlage für Freiraumplanung in politischen und planerischen Prozessen.

Konkret bedeutet das für die Praxis: Freiraumplanung muss stärker als bisher in Quartierskonzepte integriert werden, die Nutzungsmischung, Mobilität und Grünversorgung gemeinsam denken. Grünverbindungen, die Quartiere miteinander verbinden und gleichzeitig Klimafunktionen erfüllen, sind Schlüsselelemente einer 15-Minuten-Stadtstruktur. Die Qualität des Fußwegenetzes, die Aufenthaltsqualität von Straßenräumen und die Verteilung von Grünflächen sind Planungsaufgaben, die Landschaftsarchitekten in enger Zusammenarbeit mit Stadtplanern, Verkehrsplanern und Sozialwissenschaftlern bearbeiten müssen.

Das Konzept der 15 Minuten Stadt Deutschland ist letztlich ein Aufruf zu einer integrierten Stadtentwicklung, die Sektorgrenzen überwindet. Es fordert, Mobilität, Nutzung, Soziales und Freiraum nicht getrennt zu planen, sondern als zusammenhängendes System zu verstehen. Für eine Planungskultur, die in Deutschland traditionell stark in Fachbereiche und Zuständigkeiten gegliedert ist, ist das eine strukturelle Herausforderung, die über einzelne Projekte hinausgeht und eine veränderte Planungskultur erfordert.

Das Leitbild und seine Zukunft in der deutschen Stadtentwicklung

Die 15 Minuten Stadt ist kein Patentrezept, das auf jede deutsche Stadt gleichermaßen angewendet werden kann. Sie ist ein Leitbild, das Prioritäten setzt und Richtungen vorgibt: weg von der autogerechten, funktional getrennten Stadt, hin zu einer Stadt der kurzen Wege, der Nutzungsmischung und der fußläufigen Erreichbarkeit. Dieser Richtungswechsel ist in der deutschen Stadtentwicklung bereits spürbar, in der Novelle der BauNVO, in kommunalen Klimaschutzkonzepten, in Förderprogrammen für Innenstadtentwicklung und in einer wachsenden Zahl von Quartiersprojekten, die explizit auf kurze Wege und Nutzungsmischung setzen.

Die Umsetzung erfordert Geduld und einen langen Atem. Stadtstrukturen sind träge Systeme, die sich nicht durch einen Masterplan verändern lassen. Jede Baulücke, die mit gemischter Nutzung geschlossen wird, jede Straße, die für Fußgänger und Radfahrer attraktiver gestaltet wird, jede Grünfläche, die in einem unterversorgten Quartier entsteht, ist ein kleiner Schritt in Richtung des Leitbilds. Diese inkrementelle Logik ist keine Schwäche des Konzepts, sondern eine realistische Einschätzung der Bedingungen, unter denen Stadtentwicklung stattfindet.

Was das Konzept der 15 Minuten Stadt für Deutschland letztlich leistet, ist eine Neubewertung von Nähe als Qualitätsmerkmal. In einer Planungskultur, die lange Zeit Mobilität mit Freiheit gleichgesetzt und Erreichbarkeit mit Schnelligkeit gemessen hat, setzt das Leitbild einen anderen Maßstab: nicht wie weit man fahren kann, sondern wie viel man zu Fuß erreicht. Das ist eine Verschiebung, die weit über Stadtplanung hinausgeht und grundlegende Fragen darüber aufwirft, wie wir städtisches Leben verstehen und organisieren wollen.

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COVID-19 mit Hilfe von Daten zu bekämpfen. Wie das funktioniert
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Google Mobility Report: eine Fülle an anonymisierten Daten

Die sogenannten „Community Mobility Reports“ von Google sollen Aufschluss darüber geben, wie sich das Mobilitätsverhalten in Städten als Reaktion auf die Maßnahmen zur Bekämpfung von COVID-19 verändert hat. Wie Google versucht, COVID-19 mit Hilfe von Daten zu stoppen, lesen Sie hier.

Google ist zweifelsohne eine der wichtigsten Datenquellen der Welt. Angesichts der Tatsache, dass Städte und Gemeinden auf der ganzen Welt immer noch auf die COVID-19-Pandemie reagieren, hat das Unternehmen beschlossen, Big Data zu Mobilitätsmustern zu teilen.

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Laut Gesundheitsexpert*innen könnten Googles Erkenntnisse zum Mobilitätsverhalten von Stadtbewohner*innen, die normalerweise für Produkte wie Google Maps verwendet werden, bei der Identifizierung geeigneter Anti-Covid-Maßnahmen nützlich sein.

Ende Januar 2022 kündigte Google an, dass es sogenannte „Google Mobility Reports“ für jedes Land bereitstellen wird. Diese Berichte „sollen Aufschluss darüber geben, was sich als Reaktion auf die Maßnahmen zur Bekämpfung von COVID-19 verändert hat. [Sie] stellen Mobilitätstrends im Laufe der Zeit nach geografischen Gesichtspunkten dar, und zwar für verschiedene Orte wie Einzelhandel und Freizeit, Lebensmittelgeschäfte und Apotheken, Parks, Bahnhöfe, Arbeitsstätten und Wohngebiete“, so das Unternehmen.

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Die Berichte der Google Mobility Reports sind nur für einen begrenzten Zeitraum verfügbar und können nach Ländern gefiltert werden.

Google beabsichtigt, Analysen darüber zu unterstützen, wie wirksam es war, Mobilität zu reduzieren um COVID-19 einzudämmen. Das Unternehmen möchte die Auswirkungen veränderter Mobilitätsverhaltensweisen aufzeigen und aktualisiert den Datensatz regelmäßig.

Google Mobility Report: Wie lässt sich Mobilität messen?

Die Messung von Mobilität ist kein leichtes Unterfangen, aber Google ist bestens aufgestellt, um dieses Vorhaben zu unterstützen. Die Datensätze des Unternehmens zeigen die täglichen Besucher*innenzahlen an bestimmten Orten wie Bahnhöfen, Parks sowie Lebensmittelgeschäften. Diese Besucher*innenzahlen kann Google mit jedem anderen Tag vergleichen, um Veränderungen zu erkennen, die während der COVID-19-Pandemie aufgetreten sein könnten.

Die Ausgangsbasis für diese Analyse ist der normale Wert für jeweils „diesen Wochentag“, gemessen als Mittelwert für die Zeit zwischen dem 3. Januar und dem 6. Februar 2020. Es ist wichtig, genau „diesen Wochentag“ zu messen, da sich die Mobilitätsmuster zwischen Wochentagen und Wochenendtagen stark unterscheiden.

Die Google Mobility Reports sind als PDF-Dateien verfügbar (eine pro Land). Die wohltätige Organisation Our World in Data hat die Mobilitätsberichte in interaktive Diagramme umgewandelt, die unter einer Creative-Commons-Lizenz verwendet werden können.

Diese interaktiven Diagramme helfen, Mobilitätsveränderungen im Laufe der Zeit und die möglichen Auswirkungen der COVID-19-Maßnahmen zu erkennen. Laut Google ist es wichtig, Orte aufgrund lokaler Unterschiede nicht zwischen Regionen oder Ländern zu vergleichen.

Andere Faktoren wie saisonale Unterschiede, andere Ereignisse als COVID-19 und die Besonderheiten der Pandemie erläutern die Google-Mobilitätsberichte nicht näher.

Veränderung der Besucher*innenzahlen

Die Google Mobility Reports konzentrieren sich auf die Anzahl der Besucher*innen an bestimmten Orten, um die Mobilität zu messen. Während andere Indizes die Anzahl der Fahrzeuge oder der Züge verwenden, hilft die Messung von Besuchszahlen dabei, das tatsächliche Verhalten von Menschen zu zeigen.

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Google erklärt genau, wie die Daten zu lesen sind. So ist beispielsweise die Kategorie „Wohnen“ die einzige, die die Dauer und nicht die Anzahl der Besucher*innen misst. Daher sollte diese Kategorie nicht mit den anderen Kategorien in den Google-Mobilitätsberichten verglichen werden. Gleichzeitig sind die Veränderungen in der Kategorie „Wohnen“ eher gering, da die Menschen wahrscheinlich immer viel Zeit zu Hause verbringen.

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In den anderen Kategorien sind relevante Veränderungen eher zu erwarten. Die Kategorie „Parks und Freiflächen“ ist jedoch stark wetter- und urlaubsabhängig, weshalb hier große Ausschläge bei den Besuchszahlen zu verzeichnen sind.

Google Mobility Report: sechs verschiedene Kategorien

Einzelhandel und Freizeit

Die Kategorie „Einzelhandel und Freizeit“ zeigt die Trends für Restaurants, Cafés, Einkaufszentren, Themenparks, Museen, Bibliotheken und Kinos. Sie gibt an, wie viele Personen diese Orte im gleitenden 7-Tage-Durchschnitt im Vergleich zum Ausgangswert von Anfang 2020 nutzen.

Lebensmittelläden und Apotheken

„Lebensmittelgeschäfte und Apotheken“ ist eine Kategorie, die Orte wie Lebensmittelmärkte, Lebensmittellager, Bauernmärkte, Lebensmittelspezialgeschäfte, Drogerien und Apotheken umfasst. Die interaktiven Datensätze auf Our World in Data zeigen eine farbcodierte Weltkarte mit Mobilitätstrends für diese Kategorie.

Haltestellen der öffentlichen Verkehrsmittel

Diese Kategorie zeigt die Mobilitätstrends für öffentliche Verkehrsknotenpunkte wie U-Bahn-, Bus- und Bahnhöfe. Sie konzentriert sich auf den Transit von Besucher*innen an diesen Orten. Da davon ausgegangen wird, dass die meisten von ihnen mit öffentlichen Verkehrsmitteln reisen, zeigt dieser Abschnitt der Google Mobility Reports wichtige Daten zur Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel während der COVID-19-Pandemie.

Parks und Freiflächen

Die Kategorie „Parks“ umfasst Orte wie lokale und nationale Parks, öffentliche Strände, Jachthäfen, Hundeparks, Plätze und öffentliche Gärten. Neben Grünflächen sind hier auch Wasserflächen und öffentliche Plätze enthalten. Hier sind laut Google einige „dramatische Ausschläge“ in Bezug auf das Mobilitätsverhalten während COVID-19 zu erwarten.

Arbeitsstätten

Die Kategorie „Arbeitsstätten“ gibt an, wie sich die Anzahl der Besucher*innen von Arbeitsstätten im Vergleich zu den Basistagen im Januar und Februar 2020 verändert hat. Diese Besuche können mit der Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel zum Erreichen des Arbeitsplatzes in Beziehung gesetzt werden.

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Zeit zu Hause

Schließlich zeigen die Google Mobility Reports Mobilitätstrends für die Wohnorte. Diese Kategorie misst die Dauer und nicht die Anzahl der Besuche, weshalb man sie nicht ohne weiteres mit den anderen Kategorien verglichen kann.

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