Die 15-Minuten-Stadt in der Praxis – was kommt nach dem Hype?

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Luftaufnahme einer modernen Schweizer Stadt von Ivan Louis, mit Fokus auf nachhaltige Stadtplanung und grüner Umgebung.

“Die 15-Minuten-Stadt” – kaum ein urbanistisches Konzept hat in den letzten Jahren für so viel Euphorie, so viele Debatten und so viel Missverständnis gesorgt. Doch was bleibt übrig, wenn der Hype verraucht und die Umsetzung auf den harten Boden der Realität trifft? Zeit für einen schonungslosen Blick hinter die Schlagworte: Wie viel Substanz steckt hinter der Idee, und was kommt nach dem medialen Wirbel?

  • Die Entstehung und Grundidee der 15-Minuten-Stadt – und warum sie Städtebauer begeistert
  • Herausforderungen und Erfolgsfaktoren bei der praktischen Umsetzung in Deutschland, Österreich und der Schweiz
  • Internationale Vorbilder: Von Paris bis Utrecht – und was wir daraus wirklich lernen können
  • Konflikte, Kritik und Grenzen des Konzepts: Für wen funktioniert die 15-Minuten-Stadt (nicht)?
  • Die Rolle von Digitalisierung, Governance und Beteiligung in der neuen Stadtstruktur
  • Wie sich die 15-Minuten-Stadt mit Klimaresilienz, sozialer Gerechtigkeit und Mobilitätswende verzahnt
  • Die Zukunft nach dem Hype: Weiterentwicklung, Anpassung und der Blick auf die Post-15-Minuten-Stadt

Die 15-Minuten-Stadt: Vom urbanen Versprechen zur Realität – und zurück?

Wer Stadtplanung in den letzten Jahren auch nur am Rande verfolgt hat, ist an ihr nicht vorbeigekommen: die 15-Minuten-Stadt. Ein Konzept, das so griffig ist wie ein Werbeslogan, so verheißungsvoll wie ein urbanistisches Allheilmittel – und doch vielschichtiger, als es auf den ersten Blick scheint. Die Grundidee ist denkbar einfach: Alle wichtigen Einrichtungen des täglichen Lebens – Arbeit, Bildung, Einkaufen, Gesundheit, Freizeit – sollen in maximal 15 Minuten zu Fuß oder mit dem Rad erreichbar sein. Die Stadt der kurzen Wege, das Quartier als Mikrokosmos. Klingt nach einer Revolution, ist aber eigentlich eine Rückkehr zu alten Mustern, die das Zeitalter der autogerechten Stadt verdrängt hat.

Was der französische Stadtforscher Carlos Moreno in Paris als politisches Leitbild in den Diskurs geworfen hat, war schnell viel mehr als eine hübsche Vision. Bürgermeisterin Anne Hidalgo griff die Idee auf, propagierte sie als Gegenentwurf zu Verkehrsinfarkt, Klimakrise und sozialer Segregation. Die Medien waren begeistert, die Planer ebenso. Doch wie so oft, wenn ein Konzept zum globalen Buzzword wird, folgte auf den Hype die Ernüchterung. Denn zwischen Leitbild und Umsetzung klafft eine Lücke, die größer ist als der Pariser Boulevard Périphérique.

Warum elektrisiert die 15-Minuten-Stadt dennoch Kommunen von München bis Zürich? Es ist die Sehnsucht nach einem Stadtleben, das weniger von Stau und Stress, mehr von Begegnung und Nahversorgung geprägt ist. Die Vision, städtischen Raum wieder menschlich, bunt und lebenswert zu machen. Und nicht zuletzt: Das Versprechen, mit einer strukturellen Veränderung gleich mehrere Krisen auf einmal zu entschärfen – Klimaanpassung, Mobilitätswende, soziale Integration. Doch der Weg dorthin ist komplexer, als es der Slogan verspricht.

Die eigentliche Herausforderung beginnt nämlich dort, wo die 15-Minuten-Stadt auf den Flickenteppich bestehender Stadtstrukturen trifft. In deutschen Städten sind gewachsene Quartiere, heterogene Bebauung und soziale Ungleichheiten die Regel, nicht die Ausnahme. Der Umbau zur 15-Minuten-Stadt ist kein Sprint, sondern ein Marathon mit überraschenden Hürden – und mitunter auch Sackgassen. Wer die Realität ignoriert, handelt sich schnell Frustration und Widerstand ein.

Dennoch: Das Konzept hat die Debatte über städtische Lebensqualität und nachhaltige Entwicklung neu befeuert. Es zwingt dazu, die Stadt wieder aus der Perspektive der Nutzenden zu betrachten – und nicht nur als Verkehrsmaschine oder Investitionsobjekt. Das ist der eigentliche Wert der 15-Minuten-Stadt: Sie ist Katalysator und Testfall für eine neue, radikal lokale Urbanität.

Praxischeck: Wie gelingt die 15-Minuten-Stadt – und wo scheitert sie?

Die große Frage bleibt: Wie viel 15-Minuten-Stadt steckt tatsächlich im deutschen, österreichischen oder Schweizer Alltag? Die Antwort ist so vielschichtig wie die Städte selbst. In den urbanen Zentren mit hoher Dichte, gemischter Nutzung und einer Tradition des öffentlichen Raums – also in klassischen Gründerzeitquartieren von Berlin, Wien oder Zürich – sind die Voraussetzungen ideal. Hier gibt es Bäcker, Kitas, Parks, Cafés und Arztpraxen oft tatsächlich in Laufweite.

Doch schon wenige Kilometer weiter zeigt sich das Problem: In suburbanen Lagen, Einfamilienhausgebieten, Trabantenstädten oder gar in den Peripherien der Großstädte bleibt von der 15-Minuten-Stadt wenig außer einer hübschen Idee. Hier dominiert das Auto, die Infrastruktur ist ausgedünnt, soziale und funktionale Vielfalt fehlen. Der Umbau zu einer Stadt der kurzen Wege bedeutet hier nicht nur neue Mobilitätskonzepte, sondern vor allem: Nachverdichtung, Funktionsmischung, teils massive städtebauliche Eingriffe. Das erzeugt Zielkonflikte, nicht zuletzt beim Thema Akzeptanz in der Bevölkerung.

Hinzu kommen die strukturellen Herausforderungen: Wer soll die neuen Nahversorger betreiben, wenn die Kaufkraft fehlt? Wie lässt sich sozialer Wohnungsbau mit attraktiven Freiräumen und lebendigen Erdgeschosszonen kombinieren? Welche Rolle spielen Immobilienpreise, Nutzungskonkurrenzen und die Angst vor Gentrifizierung? Die 15-Minuten-Stadt ist keine Blaupause, die sich einfach über jede Stadt legen lässt. Sie ist ein Prozess, der Anpassung, Dialog und auch Mut zum Experiment verlangt.

Ein weiteres Problem: Die administrative Fragmentierung. In Deutschland, Österreich und der Schweiz sind Planungshoheit, Finanzen und Kompetenzen zwischen Kommunen, Bezirken, Ländern und Bund aufgeteilt. Das macht integrierte Stadtentwicklung nicht leichter – und die Umsetzung eines so komplexen Leitbilds wie der 15-Minuten-Stadt zu einer Koordinationsaufgabe ersten Ranges. Ohne neue Governance-Strukturen, ressortübergreifende Zusammenarbeit und eine klare politische Priorität bleibt die Idee Stückwerk.

Trotzdem zeigen viele Städte, dass sich Teilaspekte der 15-Minuten-Stadt erfolgreich umsetzen lassen – wenn auch oft unter anderen Namen. Die Förderung von Quartierszentren, autofreien Zonen, sozial durchmischten Wohnprojekten oder flexiblen Arbeitsorten sind Beispiele, wie das Prinzip in die Praxis übersetzt wird. Entscheidend ist dabei: Die 15-Minuten-Stadt ist kein starrer Masterplan, sondern ein Werkzeugkasten, aus dem sich – je nach Kontext – individuelle Lösungen entwickeln lassen. Wer auf starre Dogmen setzt, wird scheitern. Wer offen für pragmatische, lokale Antworten ist, hat die Chance auf nachhaltigen Erfolg.

Internationale Vorbilder: Zwischen Pariser Pioniergeist und niederländischer Nüchternheit

Wenn es um die 15-Minuten-Stadt geht, führt kein Weg am Pariser Beispiel vorbei. Mit viel politischem Willen, einer charismatischen Bürgermeisterin und einer beispiellosen PR-Maschinerie wurde das Konzept zur internationalen Blaupause stilisiert. Paris setzte auf die radikale Umwidmung von Straßenraum, massive Investitionen in Rad- und Fußwege, die Förderung lokaler Geschäfte und die Reaktivierung von Nachbarschaften. Doch trotz aller Fortschritte zeigt sich auch hier: Der Umbau ist eine Daueraufgabe – und stößt an Grenzen, etwa bei den Mietpreisen oder der sozialen Durchmischung.

Weniger spektakulär, aber mindestens genauso relevant ist der Blick nach Utrecht. Die niederländische Stadt setzt seit Jahrzehnten auf die konsequente Förderung des Radverkehrs, kompakte Quartiere und eine Mischung aus Wohnen, Arbeiten und Freizeit. Hier ist die 15-Minuten-Stadt kein PR-Produkt, sondern gelebte Realität – allerdings als Ergebnis langer Planungstraditionen, engagierter Beteiligung und konsequenter Umsetzung.

Auch in Wien, Zürich oder Kopenhagen finden sich Ansätze, die dem Prinzip der 15-Minuten-Stadt nahekommen. Die Wiener “Supergrätzl” oder die Zürcher “Quartierzentren” zeigen, wie multifunktionale Nachbarschaften funktionieren können – vorausgesetzt, es gibt politische Rückendeckung und eine aktive Zivilgesellschaft. Diese Beispiele machen deutlich: Die 15-Minuten-Stadt ist kein französisches Monopol, sondern ein flexibles Leitbild, das sich an lokale Gegebenheiten anpassen lässt.

Allerdings sind auch die internationalen Vorbilder kein Allheilmittel. Paris kämpft mit Gentrifizierung und Verdrängung, Kopenhagen mit explodierenden Grundstückspreisen, Utrecht mit dem Spagat zwischen Wachstum und Lebensqualität. Die 15-Minuten-Stadt ist also kein Garant für soziale Gerechtigkeit oder ökologische Perfektion. Sie ist ein Rahmen, der je nach Kontext sehr unterschiedliche Ergebnisse produziert – und immer wieder nachjustiert werden muss.

Die eigentliche Lektion aus dem internationalen Vergleich ist daher nicht die blinde Übernahme eines Modells, sondern die Fähigkeit, Prinzipien anzupassen, Fehler zu korrigieren und Erfolge zu skalieren. Erfolgreich ist, wer die 15-Minuten-Stadt als Prozess begreift, der Offenheit, Lernbereitschaft und Mut zur Veränderung verlangt.

Digitale Werkzeuge, Beteiligung und Governance: Die unterschätzten Schlüssel

Wer die 15-Minuten-Stadt auf die baulich-räumliche Ebene reduziert, verpasst die eigentlichen Stellschrauben des Erfolgs. Es sind nicht nur neue Häuser, Straßen oder Plätze, die das Quartier der Zukunft prägen, sondern vor allem smarte Steuerung, transparente Entscheidungsprozesse und ein neues Verständnis von Beteiligung. Digitale Plattformen, Urban Digital Twins und Echtzeitdaten eröffnen ganz neue Möglichkeiten, Bedarfe zu analysieren, Szenarien durchzuspielen und Bürger auf Augenhöhe einzubinden.

Gerade in der Transformation bestehender Stadtteile sind digitale Werkzeuge unverzichtbar – etwa um Nahversorgungsdichte, Erreichbarkeit oder Nutzungslücken im Bestand präzise zu visualisieren. So können Planer gezielt neue Angebote schaffen, bestehende Infrastruktur stärken oder Mobilität neu organisieren. Doch Technik allein reicht nicht. Es braucht neue Governance-Modelle, die ressortübergreifendes Arbeiten, kooperative Steuerung und flexible Finanzierung ermöglichen. Sonst bleibt die 15-Minuten-Stadt ein Papiertiger.

Ein entscheidender Faktor ist die Beteiligung. Erfolgreiche Beispiele wie das Wiener “Grätzl-Management” oder die partizipativen Quartiersentwicklungen in Zürich zeigen: Ohne die Einbindung der Anwohner bleibt die Transformation oberflächlich. Die Akzeptanz steigt, wenn Menschen mitgestalten können – sei es bei der Planung neuer Grünflächen, der Auswahl von Nahversorgern oder der Umgestaltung des Straßenraums. Digitale Beteiligungsplattformen, Open-Data-Initiativen und lokale Foren können diese Prozesse erheblich beschleunigen und vertiefen.

Doch auch hier lauern Risiken. Wer Beteiligung als Feigenblatt missversteht, riskiert Frustration und Widerstand. Wer auf intransparente Algorithmen, kommerzielle Plattformen oder geschlossene Entscheidungszirkel setzt, verspielt das Vertrauen der Bevölkerung. Die 15-Minuten-Stadt verlangt nach einer Governance, die transparent, nachvollziehbar und offen für Konflikte ist. Nur so kann sie zum Motor für eine wirklich nachhaltige Stadtentwicklung werden.

Das Ziel muss sein, die 15-Minuten-Stadt als soziales und digitales Ökosystem zu begreifen, das laufend angepasst und weiterentwickelt wird. Sie ist kein statisches Modell, sondern eine dynamische Prozessarchitektur – mit all ihren Unwägbarkeiten, aber auch mit enormem Potenzial für Innovation und Lebensqualität.

Was kommt nach dem Hype? Die Zukunft der 15-Minuten-Stadt

Die 15-Minuten-Stadt steht heute an einem Scheideweg. Der mediale Hype ist vorbei, die Erwartungen sind entzaubert – was bleibt, ist die Realität harter Arbeit, kluger Kompromisse und kontinuierlicher Weiterentwicklung. Die große Frage lautet: Wie kann das Prinzip langfristig bestehen, jenseits von Slogans und Pressemitteilungen?

Die Antwort liegt in der Anpassungsfähigkeit. Die 15-Minuten-Stadt wird sich weiterentwickeln, neue Schwerpunkte setzen und sich an unterschiedliche städtische Kontexte anpassen müssen. Die nächste Generation dieses Leitbilds wird stärker auf Resilienz, soziale Gerechtigkeit und Klimaanpassung setzen. Sie wird nicht nur auf räumliche Nähe, sondern auch auf digitale Vernetzung und flexible Nutzungen bauen – Stichwort Hybridisierung von Funktionen, temporäre Räume und adaptive Infrastrukturen.

Gleichzeitig werden die kritischen Stimmen lauter: Was passiert mit den Menschen, die aus den attraktiven Quartieren verdrängt werden? Wie lassen sich Flächenkonkurrenzen, Nutzungskonflikte und die wachsende soziale Spaltung in den Griff bekommen? Die 15-Minuten-Stadt wird sich an ihrer Fähigkeit messen lassen müssen, auch für vulnerable Gruppen, für Kinder, Alte, Migranten oder Menschen mit wenig Einkommen Lösungen zu bieten. Sonst ist sie nicht mehr als ein elitärer Marketing-Gag.

Ein weiteres Zukunftsthema ist die Integration in die regionale Perspektive. Die 15-Minuten-Stadt kann nicht isoliert gedacht werden – sie braucht Anbindung an den öffentlichen Verkehr, Verknüpfung mit Umlandgemeinden, eine Steuerung von Pendlerströmen und eine neue Balance zwischen Zentrum und Peripherie. Nur so wird sie zum Baustein einer nachhaltigen, polyzentrischen Stadtregion.

Am Ende bleibt: Die 15-Minuten-Stadt ist kein Selbstzweck, sondern ein Werkzeug. Sie zwingt uns, Stadtentwicklung neu zu denken – lokaler, partizipativer, flexibler. Wer sich darauf einlässt, kann die Stadt von morgen gestalten. Wer am Status quo festhält, wird von der Realität überholt. Die Zeit nach dem Hype ist die Zeit der echten Innovation.

Fazit: Die 15-Minuten-Stadt als Prüfstein urbaner Transformation

Die 15-Minuten-Stadt hat den urbanen Diskurs wachgerüttelt, Erwartungen geschürt und Debatten entfacht. Sie ist zum Prüfstein geworden, wie ernst es Städte mit nachhaltiger, sozial gerechter und lebenswerter Entwicklung meinen. Dabei zeigt sich: Das Konzept ist weder Allheilmittel noch leere Phrase. Es ist ein dynamischer Prozess, der Mut zur Veränderung, Durchhaltevermögen und echte Beteiligung verlangt.

Die wichtigsten Lektionen? Die 15-Minuten-Stadt funktioniert nicht als starre Blaupause, sondern als flexibler Werkzeugkasten. Ihr Erfolg hängt von lokaler Anpassung, kluger Governance und der Fähigkeit ab, Konflikte produktiv zu lösen. Internationale Vorbilder liefern Inspiration, aber keine Rezepte. Digitalisierung, smarte Daten und neue Beteiligungsformate sind unverzichtbar – aber immer nur so gut wie die Menschen, die sie nutzen.

Nach dem Hype beginnt die echte Arbeit. Die 15-Minuten-Stadt bleibt ein Leitbild, das Orientierung gibt, aber immer wieder neu interpretiert werden muss. Wer sie als Einladung zum Experiment begreift, kann die Stadt zum besseren Ort machen – für alle, nicht nur für wenige. Und vielleicht ist das die wichtigste Einsicht: Die Zukunft der Stadt entsteht nicht im Slogan, sondern im Alltag. Zeit, sie gemeinsam zu gestalten.

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Frankfurt Mertonviertel – Wettbewerb entschieden

Das neue grüne Herz im Mertonviertel. Copyright: Teleinternetcafe, Treibhaus und c/o Zukunft
Das neue grüne Herz im Mertonviertel. Copyright: Teleinternetcafe Architektur und Urbanismus mit Treibhaus Landschaftsarchitekten und c/o Zukunft Stadtplanung und Stadtentwicklung

Die Sieger*innen des städtebaulichen und freiraumplanerischen Ideenwettbewerbs stehen fest. Am 21. Oktober wählte das Preisgericht einstimmig den Entwurf von Teleinternetcafe Architektur und Urbanismus mit Treibhaus Landschaftsarchitekten und c/o Zukunft Stadtplanung und Stadtentwicklung.

Ideenwettbewerb „Mertonviertel / Nördlich Lurgiallee“

Der Ideenwettbewerb zur Zukunft des Mertonviertels in Frankfurt ist entschieden: In seiner Sitzung am 21. Oktober vergab das Preisgericht den ersten Preis einstimmig an den Entwurf der Bürogemeinschaft Teleinternetcafé Architektur und Urbanismus aus Berlin. Auch Treibhaus Landschaftsarchitektur aus Hamburg und c/o Zukunft – Stadtplanung und Stadtentwicklung aus Hamburg gehören zum Gewinnerteam.

Laut der Jury steht der Büro- und Gewerbestandort Mertonviertel im Norden von Frankfurt vor strukturellen Herausforderungen und großen Veränderungen. Der Abbruch des ehemaligen Lurgihauses hat ein großes Potenzial für eine städtebauliche Neuordnung geschaffen. Für den Wettbewerb suchte Planungsdezernent Mike Josef nach Vorschlägen, die die Themen Wohnen, Arbeiten, Bildung, Versorgung, Lebensqualität und Umwelt kombinierten.

Der Siegervorschlag bietet „die beste Lösung für ein vielfältiges und Identifikation stiftendes Quartier nördlich der Lurgiallee“, so Josef. „Durch diese Neuentwicklung wird es auch einen positiven Impuls für das gesamte Mertonviertel als attraktiven und lebendigen Arbeits- und Wohnstandort geben.“

Der Wettbewerb wurde vom Stadtplanungsamt Frankfurt am Main ausgelobt. Die AGB Frankfurt Holding und die gsp Städtebau sind darüber hinaus wesentliche Stakeholder. Die Geschäftsführer beider Institutionen erklärten, dass sie ein neues, urbanes, durchmischtes Stadtquartier mit hoher Lebens- und Aufenthaltsqualität anstreben.

Eine neue Grüne Mitte – Lovely Lurgi

Der Entwurf der Sieger*innen trägt den Titel „Lovely Lurgi – Ein neues Herz für das Mertonviertel“. Er überzeugte die Jury durch die Entwicklung des eigentlichen Baugrundstückes aus den Strukturen und Konzeptvorschlägen für das Viertel. Im Herzen der neuen Entwicklung entsteht ein großzügiger grüner Freiraum, der viele Nutzungsmöglichkeiten und außerdem eine hohe Identitätskraft bietet.

„Lovely Lurgi“ im Mertonviertel sieht eine neue Quartiersmitte vor, die von urbanen Gebäuden umgeben wird. Der grüne Mittelpunkt sowie andere Elemente des Projektes folgen zudem dem „Schwammstadtprinzip“, indem sie vielfältige Regenrückhalte- und Bewirtschaftungsflächen sowie Raum für Bäume mit echtem Bodenanschluss bieten.

Übrigens: Mehr über die Schwammstadt lesen Sie in der November 2021 Sonderausgabe der G+L.

Weitere Besonderheiten des neuen Quartiers sind die räumliche Zonierung mit ausgeprägter Nutzungsmischung sowie die kleinteilige Gestaltung des Stadtraums. Zudem gibt es Platz für eine neue Grundschule. Zu den geplanten Gebäuden gehören darüber hinaus Gewerbeflächen, Einzelhandel, gastronomische Angebote und zwei Kindertagesstätten. Somit soll es gelingen, zwischen dem bestehenden und dem neuen Quartier zu vermitteln.

Die Bürogemeinschaft Teleinternetcafé Architektur und Urbanismus, Treibhaus Landschaftsarchitektur und c/o Zukunft erarbeiteten eine Rahmenplan für das Mertonviertel sowie ein städtebauliches Konzept für das Bebauungsplanverfahren Mertonviertel / Nördlich Lurgiallee. Dabei handelt es sich um eine rund acht Hektar große Fläche. Künftig sollen hier etwa 900 Wohneinheiten nahe der U-Bahn-Station Riedwiesen/Mertonviertel und der Einkaufsgalerie „Merton’s Passage“ entstehen.

Der Plan für das neue Lurgi-Areal im Mertonviertel. Visualisierung: Teleinternetcafe Architektur und Urbanismus mit Treibhaus Landschaftsarchitekten und c/o Zukunft Stadtplanung und Stadtentwicklung
Der Plan für das neue Lurgi-Areal im Mertonviertel. Visualisierung: Teleinternetcafe Architektur und Urbanismus mit Treibhaus Landschaftsarchitekten und c/o Zukunft Stadtplanung und Stadtentwicklung

Die Preisverleihung

Die Jury war in diesen nichtoffenen städtebaulichen, freiraumplanerischen Ideenwettbewerb auf der Suche nach mutigen Ideen für die Zukunft des Mertonviertels inklusive eines stimmigen Konzeptes für das Gelände des ehemaligen Lurgihauses. Der Wettbewerb bestand dabei aus zwei Bearbeitungsphasen. Ursprünglich hatten sich zwölf qualifizierte Bewerbergemeinschaften aus Stadtplaner*innen sowie Städtebauarchitekt*innen beworben. Davon wählte die Jury am 21. Juli vier Arbeiten für die weitere Bearbeitung aus.

In der zweiten Preisgerichtssitzung am 21. Oktober vergab das Preisgericht neben dem ersten Platz auch drei dritte Preise. Diese gingen gleichrangig an die Bewerbergemeinschaften Karl Richter Architekten BDA, Frankfurt, mit KuBus Freiraumplanung, Wetzlar, Machleidt Städtebau und Stadtplanung, Berlin mit SINAI Gesellschaft von Landschaftsarchitekten, Berlin sowie Stefan Forster, Frankfurt, mit nsp landschaftsarchitekten stadtplaner PartGmbB schonhoff schadzek depenbrock, Hannover.

Zur Jury gehörten renommierte Architekt*innen, Stadtplaner*innen und Landschaftsarchitekt*innen sowie Vertreter*innen der Stadt Frankfurt. Auch die Eigentümerin des Grundstücks des ehemaligen Lurgihauses, Sachverständige und Vertreter*innen politischer Fraktionen waren vertreten. Bis zum 3. November wurden die Wettbewerbsbeiträge im Atrium des Frankfurter Planungsdezernates ausgestellt.

Mit dem neuen Entwurf soll das Frankfurt Mertonviertel wieder belebt werden. Visualisierung: Teleinternetcafe Architektur und Urbanismus mit Treibhaus Landschaftsarchitekten und c/o Zukunft Stadtplanung und Stadtentwicklung
Mit dem neuen Entwurf soll das Frankfurt Mertonviertel wieder belebt werden. Visualisierung: Teleinternetcafe Architektur und Urbanismus mit Treibhaus Landschaftsarchitekten und c/o Zukunft Stadtplanung und Stadtentwicklung

Über das Frankfurt Mertonviertel

Das Mertonviertel ist ein Büro- und Wohnquartier im Norden von Frankfurt am Main. Es erhielt seinen Namen in Erinnerung an Wilhelm Merton, Gründer der Metallgesellschaft sowie des Instituts für Gemeinwohl. Dieses war ein Vorläufer der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Das Viertel ist recht neu. Es entstand ab Mitte der 1980er Jahre auf einem Gebiet von etwa 60 Hektar Größe, das bis zum Jahr 1982 zu den Industrieanlagen der früheren Vereinigten Deutschen Metallwerke gehörte. Das Erdreich im Mertonviertel war stark durch Kohlenwasserstoffe sowie Schwermetalle belastet und musste in einem aufwändigen Verfahren gereinigt werden. Dafür gab es eine eigens errichtete Entgiftungsanlage, die parallel zu den Bauarbeiten bis in die frühen 2000er Jahre vor Ort war.

Lurgihaus und Hundertwasser-Kindertagesstätte

Das Lurgihaus war schließlich lange das dominante Gebäude des Quartiers in Frankfurt-Heddernheim. Es entstand im Jahr 1987 als erster Neubau des Mertonviertels. Mit einer Bürofläche von fast 90 000 Quadratmetern gehörte es damals zu den größten Bürogebäuden Deutschlands. Es bestand aus einem viereckigen Hauptgebäude mit sieben stark gegliederten Nebengebäuden. Ursprünglich war es das Hauptquartier der Lurgi AG, einem Unternehmen für Großanlagenbau, und nahm über die Jahre auch weitere Mietparteien auf. 2014 verließ Lurgi das Bürogebäude. Weiteres Gebäude im Mertonviertel ist die Hundertwasser-Kindertagesstätte mit ihrer weithin sichtbaren Kuppel, Bürogebäude und Wohnhäuser. Zeitweise gab es 5 000 Arbeitsplätze in diesem Viertel. In den letzten Jahren nahm die Anzahl an Arbeitsplätzen und Bewohner*innen ab, aber mit dem neuen Entwurf soll das Mertonviertel wieder belebt werden.

Mehr Planung aus der bevölkerungsreichsten Stadt Hessen gibt es mit einem Megaprojekt, das in etwa zehn Jahren fertig sein könnte, hier: Fernbahntunnel Frankfurt.

Easy Going mit der EasyBettung

Abbildung: iStock

Die neue EasyLay-Technologie (ELT) von tubag revolutioniert das Verlegen von Platten und Pflastersteinen.

Wer kennt es nicht: Die Wartezeit, bis ein Produkt fertig zum Verarbeiten ist, frisst oft viele Kapazitäten. So ist es auch in den Abläufen beim Verlegen von Pflaster- und Plattenbelägen in Systembauweise. Doch tubag, die Premiummarke der Sievert SE für den Garten-, Landschafts- und Straßenbau, hat dagegen Abhilfe geschaffen – mit dem ersten drainfähigen Bettungsmörtel überhaupt: der EasyBettung.

Die neue EasyLay-Technologie (ELT) von tubag basiert auf einer neu entwickelten Mörtel- und Bindemittelrezeptur, die nicht angemischt werden muss.  „Weil auf das bisher übliche Anmischen verzichtet werden kann, fällt ein kompletter Arbeitsgang weg. Somit werden die Arbeitsabläufe bedeutend effizienter und die Flächenleistung pro Mitarbeiter steigt an. Das bietet den Unternehmen neue Möglichkeiten bei der Planung, Kalkulation und vor allem auch der Ausführung ihrer Aufträge“, sagt Georg Zimmermann, Produktmanager für Garten-, Landschafts- und Straßenbau bei der Sievert SE. Zur Verdeutlichung: Die Ruhezeit nach dem Wässern des Belages beträgt 36 Stunden. Das bedeutet, dass nicht einmal zwei Tage nach der Erstellung der Flächen die Fugen mit den üblichen Fugenmörteln aus dem tubag-Programm geschlossen werden können.

Die gesamte Anwendung des neuen Produkts ist denkbar einfach. Die EasyBettung wird auf die vorbereitete ungebundene Tragschicht gegeben und nach der höhengerechten Ausnivellierung kurz mit Hilfe eines Wasser-Sprühnebels aktiviert. Um den Haftverbund zwischen Belag und Bettungsmörtel zu optimieren, werden die Platten oder Pflastersteine beim Verlegen an der Unterseite mit der tubag Haftschlämme TNH flex versehen. Das geschieht entweder über die Zahnkelle oder den Vorgang des Eintauchens. Nach dem hammerfesten Einbringen der Platten oder Steine wird der Belag komplett satt gewässert. „Die neuartige EasyLay-Bindemitteltechnologie verfügt über spezielle Leichtzuschläge, die das Saugverhalten so begünstigen, dass die EasyBettung komplett über das Wasser aktiviert wird, das über die Fugen eintritt“, erklärt Endrit Imeri, Entwicklungstechniker Mineralische Mörtelsysteme bei der Sievert Baustoffe. Worauf zu achten ist: Die Fugen müssen dabei mindestens fünf Millimeter breit sein, beim Verlegen von Platten darf die kurze Kantenlänge höchstens 80 Zentimeter betragen.

Welche Vorteile die EasyBettung außerdem hat? Nicht nur zeitlich, auch wirtschaftlich zahlt sich die Verwendung des tubag-Produktes aus: Gegenüber konventionellen Bettungsmörteln punktet die EasyBettung reaktiv mit einem ca. 25 Prozent niedrigeren Materialverbrauch. Alle weiteren Informationen zur Innovation Easy Bettung finden Sie unter www.tubag.de