Disruption antizipieren – adaptive Stadtentwicklung als Strategie

Mehrere Wolkenkratzer ragen in den Himmel – visuelles Sinnbild für adaptive Stadtentwicklung und disruptive Urbanität.
Wie digitale Intelligenz und Flexibilität urbane Disruption antizipieren. Foto von Samson auf Unsplash.

Adaptive Stadtentwicklung klingt zunächst wie ein weiteres Buzzword aus dem Werkzeugkasten der Innovationsberater. Doch wer Disruptionen in der Stadtplanung wirklich antizipieren will, muss sich von der Illusion einer planbaren, linearen Urbanität verabschieden. Der Schlüssel? Flexibilität, digitale Intelligenz – und ein radikal neues Selbstverständnis der Stadt als lernendes System. Willkommen in der Ära der adaptiven Stadtentwicklung, in der Veränderung nicht als Bedrohung, sondern als strategische Ressource begriffen wird.

  • Definition und Entstehung des Konzepts „adaptive Stadtentwicklung“ im Spannungsfeld von Disruption und Urbanisierung
  • Warum klassische Planungsinstrumente an ihre Grenzen stoßen und wie adaptive Ansätze darauf reagieren
  • Die Rolle digitaler Tools und Urban Digital Twins als Beschleuniger von Flexibilität und Resilienz
  • Praxisbeispiele aus Deutschland, Österreich und der Schweiz: Von dynamischen Flächennutzungen bis zur klimaresilienten Quartiersentwicklung
  • Wie Governance, Beteiligung und Datensouveränität zur Basis moderner Stadtentwicklung werden
  • Risiken und Herausforderungen: Von algorithmischer Verzerrung bis zu kulturellen Widerständen in Verwaltung und Politik
  • Chancen für Planer, Landschaftsarchitekten und Städte: Neue Rollen, Kompetenzen und Wertschöpfungsketten
  • Ausblick: Warum die adaptive Stadt nicht nur auf Disruption reagiert, sondern sie produktiv nutzt

Adaptive Stadtentwicklung: Warum unsere Städte mehr als Planung brauchen

Die Geschichte der Stadt ist eine Geschichte der Disruptionen. Ob Feuer, Flut, Krieg oder technologischer Wandel – immer wieder wurden urbane Räume vor Herausforderungen gestellt, die bestehende Strukturen infrage stellten. Doch während frühere Generationen auf Katastrophen meist mit Wiederaufbau und Rekonstruktion reagierten, stellt sich heute eine neue Frage: Wie können Städte nicht nur auf Disruptionen reagieren, sondern sie antizipieren – ja, vielleicht sogar zu ihrem Vorteil nutzen? Hier setzt die adaptive Stadtentwicklung an.

Im Kern bedeutet adaptive Stadtentwicklung, Urbanität als offenen, dynamischen Prozess zu begreifen. Die klassische Planung, die auf festen Zeitachsen, starren Flächennutzungen und langwierigen Genehmigungsverfahren basiert, gerät angesichts beschleunigter Transformationsprozesse zunehmend unter Druck. Klimawandel, Digitalisierung, Migration, Mobilitätswandel und nicht zuletzt Pandemien zeigen: Die Herausforderungen sind nicht nur vielschichtig, sie verändern sich ständig und sind oft kaum vorhersehbar.

Adaptive Stadtentwicklung versteht sich deshalb als Strategie, die bewusst mit Unsicherheit arbeitet. Sie setzt auf Flexibilität, auf das Lernen aus Fehlern und auf die Fähigkeit, sich kontinuierlich neu zu justieren. Das bedeutet nicht, dass Planung obsolet wird – im Gegenteil. Vielmehr verschiebt sich der Fokus: Weg von der reinen Kontrolle und Steuerung, hin zur Prozessarchitektur, die Veränderungen frühzeitig erkennt und produktiv integriert.

Das verlangt den Akteuren einiges ab. Planer, Architekten und Verwaltungen müssen sich von der Idee verabschieden, alle Eventualitäten im Voraus abbilden zu können. Stattdessen rückt die Fähigkeit in den Vordergrund, mit Unsicherheit umzugehen und auf Basis von Echtzeitdaten und Szenarien Entscheidungen zu treffen. Adaptive Stadtentwicklung ist damit ein Paradigmenwechsel – und zugleich ein Bekenntnis zur Offenheit gegenüber dem Unerwarteten.

Besonders deutlich wird dieser Wandel beim Blick auf aktuelle Megatrends. Die Klimakrise zwingt Städte dazu, ihre Infrastruktur permanent zu überdenken. Digitale Technologien machen es möglich, Veränderungen nicht nur zu beobachten, sondern in Simulationen zu testen. Und wachsende Anforderungen an Bürgerbeteiligung fordern neue Formen des Dialogs und der Transparenz. All das macht deutlich: Wer auf Disruptionen wartet, wird von ihnen überrollt. Wer sie antizipiert, kann sie gestalten.

Damit adaptive Stadtentwicklung mehr als ein Schlagwort bleibt, braucht es jedoch nicht nur neue Methoden, sondern auch ein neues Mindset. Städte müssen bereit sein, Fehler zuzulassen, zu lernen und sich weiterzuentwickeln. Sie müssen sich als lernende Systeme verstehen, die Innovation nicht als Ausnahme, sondern als Normalität begreifen. Erst dann wird aus Disruption eine Ressource – und aus Stadtentwicklung eine dauerhafte Strategie der Anpassung.

Disruption erkennen: Die Grenzen klassischer Stadtplanung

Die Werkzeuge der klassischen Stadtplanung sind über Jahrzehnte gewachsen, vielfach erprobt und oft auch erfolgreich. Dennoch stoßen sie heute an ihre Grenzen. Bebauungspläne mit Zeithorizonten von 15 bis 20 Jahren, starre Nutzungszuweisungen, langatmige Genehmigungsverfahren – all das wirkt in einer Welt, in der sich Stadtquartiere in wenigen Jahren grundlegend verändern können, zunehmend wie eine Anachronismus.

Disruptionen machen nicht an Verwaltungsgrenzen halt. Sie sind oft systemisch, wirken auf vielen Ebenen gleichzeitig und entziehen sich einfachen Ursache-Wirkung-Mechanismen. Ein Beispiel: Die Digitalisierung des Einzelhandels verändert nicht nur Einkaufsstraßen, sondern auch Logistik, Verkehr und soziale Interaktionen. Der Klimawandel erfordert nicht nur neue Grünflächen, sondern auch veränderte Bauweisen, Infrastrukturen und Mobilitätskonzepte. Und Pandemien wie COVID-19 zeigen, wie schnell sich Anforderungen an den öffentlichen Raum verschieben können.

In solchen Kontexten geraten klassische Planungsinstrumente ins Hintertreffen. Sie sind oft zu langsam, zu schwerfällig und zu wenig anschlussfähig an neue Datenquellen. Zudem fehlt es häufig an Mechanismen, um auf unerwartete Entwicklungen flexibel zu reagieren. Während die Welt um sie herum in Echtzeit mutiert, bleibt die Planung im Rhythmus von Verwaltungsvorschriften und Planfeststellungsverfahren gefangen.

Das Ergebnis ist eine wachsende Diskrepanz zwischen Plan und Realität. Projekte werden überholt, bevor sie realisiert sind. Flächen bleiben ungenutzt, weil sie für Nutzungen reserviert sind, die längst nicht mehr gefragt sind. Infrastrukturprojekte scheitern an veränderten Anforderungen. All das kostet nicht nur Zeit und Geld, sondern auch gesellschaftliches Vertrauen in die Leistungsfähigkeit der Stadtentwicklung.

Genau an diesem Punkt setzt die adaptive Stadtentwicklung an. Sie erkennt an, dass Planung nie vollständig determinierbar ist. Sie nutzt Unsicherheit als Ausgangspunkt für Innovation und setzt auf iterative Prozesse. Statt einmaliger Festlegungen stehen kontinuierliche Anpassung und Evaluation im Vordergrund. Das erfordert neue Kompetenzen, neue Tools und vor allem: die Bereitschaft, Planung als Experiment zu begreifen.

Wer Disruptionen antizipieren will, muss lernen, sie zu lesen. Dazu braucht es Daten, Sensorik, Simulationen – aber auch eine Kultur des Zuhörens und des Beobachtens. Adaptive Stadtentwicklung beginnt dort, wo klassische Planung aufhört: an der Schnittstelle von Wissen, Intuition und Mut zur Veränderung.

Digitale Zwillinge, Echtzeitdaten und Szenarien: Werkzeuge der adaptiven Stadt

Der technologische Fortschritt hat der adaptiven Stadtentwicklung neue Werkzeuge in die Hand gegeben, die noch vor wenigen Jahren Science-Fiction waren. An vorderster Front stehen Urban Digital Twins – digitale Abbilder der Stadt, die in Echtzeit mit Daten aus unterschiedlichsten Quellen gefüttert werden. Sensorik, Geoinformation, Verkehrsströme, Wetterdaten, Energieverbrauch, soziale Medien: All diese Datenströme verschmelzen zu einem lebendigen Stadtmodell, das nicht nur visualisiert, sondern auch simuliert und prognostiziert.

Der Clou dabei: Digitale Zwillinge ermöglichen das Durchspielen unterschiedlichster Szenarien, bevor Entscheidungen getroffen werden. Wie verändern sich Verkehrsflüsse, wenn eine neue Brücke gebaut wird? Welche Auswirkungen hat die Umwandlung eines Gewerbegebiets in ein Wohnquartier auf das Mikroklima? Wie resilient ist eine Nachbarschaft gegenüber Starkregenereignissen? Solche Fragen lassen sich heute nicht mehr nur in dicken Gutachten beantworten, sondern in dynamischen, datengetriebenen Modellen, die sofort Rückmeldung geben.

Doch Urban Digital Twins sind mehr als nur technische Spielereien. Sie markieren den Übergang von der Planung zur Prozessarchitektur. Planung wird damit zum lernenden System, das sich ständig selbst überprüft, neue Informationen integriert und seine Annahmen iterativ anpasst. Für Planer, Architekten und Verwaltungen bedeutet das: Sie müssen sich mit Datenkompetenz, Simulationstechnologien und digitalen Plattformen vertraut machen. Die Zukunft der Stadt entsteht nicht mehr nur auf Papier, sondern im Dialog zwischen Mensch und Maschine.

Gerade im deutschsprachigen Raum wird das Potenzial digitaler Zwillinge langsam erkannt. Städte wie Wien, Zürich und Hamburg experimentieren mit Urban Digital Twins für unterschiedliche Anwendungsbereiche: von der klimaresilienten Quartiersentwicklung über die Optimierung von Verkehrsflüssen bis hin zu partizipativen Planungsprozessen. Dabei zeigt sich: Der Nutzen digitaler Werkzeuge hängt entscheidend davon ab, wie offen und zugänglich sie gestaltet werden. Wer die Kontrolle über Daten und Plattformen allein den Softwareanbietern überlässt, riskiert Abhängigkeiten und Intransparenz.

Umso wichtiger ist es, Governance, Datensouveränität und Beteiligung von Anfang an mitzudenken. Adaptive Stadtentwicklung bedeutet nicht nur, schnell auf Disruptionen zu reagieren, sondern auch, die Spielregeln für den Umgang mit Daten und Algorithmen demokratisch auszuhandeln. Nur so wird aus digitaler Intelligenz ein Motor für Resilienz, Innovation und gesellschaftlichen Mehrwert.

Die neue Rolle der Akteure ist damit klar: Sie werden zu Kuratoren einer urbanen Datenlandschaft, in der Simulation, Beteiligung und flexible Anpassung zur Grundlage einer zukunftsfähigen Stadt werden. Wer diese Transformation meistert, wird nicht nur widerstandsfähig gegen Disruptionen – sondern macht sie zum Ausgangspunkt für kreative und nachhaltige Stadtentwicklung.

Praxis und Perspektiven: Adaptive Stadtentwicklung im DACH-Raum

Der deutschsprachige Raum hat sich in den vergangenen Jahren immer stärker der Herausforderung gestellt, adaptive Stadtentwicklung in die Praxis zu überführen. Dabei zeigen sich große Unterschiede in Tempo, Innovationsoffenheit und Rahmenbedingungen. Während Städte wie Zürich, Wien oder München mit Pilotprojekten vorangehen, bleiben viele Kommunen zögerlich – nicht selten gebremst durch rechtliche Unsicherheiten, mangelnde Ressourcen und kulturelle Vorbehalte.

Ein Paradebeispiel liefert Wien. Die österreichische Hauptstadt nutzt digitale Zwillinge nicht nur für die klassische Stadtplanung, sondern integriert sie in die Steuerung von Infrastruktur, Energie und Mobilität. In Neubauquartieren werden Klimadaten, Mobilitätsströme und soziale Interaktionen in Echtzeit ausgewertet und fließen direkt in die Gestaltung von Freiflächen, Gebäuden und Verkehrswegen ein. Das Ergebnis ist eine dynamische Quartiersentwicklung, die sich flexibel an wechselnde Anforderungen anpasst – von Hitzewellen bis zu Veränderungen im Mobilitätsverhalten.

Auch in Deutschland gibt es Bewegung. Hamburg setzt im Rahmen seiner Digitalstrategie auf Urban Data Platforms, die als Basis für adaptive Anwendungen dienen. Erste Quartiere werden als Reallabore genutzt, um flexible Flächennutzungen, temporäre Architektur und partizipative Planungsprozesse zu erproben. Ulm testet digitale Zwillinge für das Katastrophenmanagement, während München mit dynamischen Bebauungsplänen experimentiert, die sich an veränderte Bedarfe anpassen lassen.

Doch der Weg zur umfassenden adaptiven Stadtentwicklung ist steinig. Technische Hürden, Datenschutz, fehlende Schnittstellen zwischen Verwaltungsebenen und nicht zuletzt ein gewisser Innovationsskeptizismus bremsen die Dynamik. Viele Planer und Entscheidungsträger tun sich schwer, Kontrolle abzugeben und auf iterative Prozesse zu setzen. Auch die Frage, wem die Daten gehören und wer über deren Nutzung entscheidet, ist vielerorts noch ungelöst – mit weitreichenden Folgen für die Akzeptanz adaptiver Ansätze.

Dennoch wächst das Bewusstsein, dass klassische Planung an ihre Grenzen stößt. Die Notwendigkeit, auf Disruptionen vorbereitet zu sein, wird angesichts von Extremwetterereignissen, rapide wechselnden Mobilitätstrends oder neuen Wohnformen immer offensichtlicher. Adaptive Stadtentwicklung wird damit nicht zum Allheilmittel, wohl aber zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor für Städte, die auch in Zukunft lebenswert, resilient und innovativ bleiben wollen.

Die Perspektiven sind ermutigend: Wer den Mut hat, neue Tools, Beteiligungsformate und Governance-Modelle zu erproben, wird mit einer Stadt belohnt, die nicht nur auf Veränderungen reagiert, sondern sie aktiv gestaltet. Adaptive Stadtentwicklung ist damit weniger eine Option als eine Notwendigkeit – und eine Einladung, Disruption als Chance zu begreifen.

Risiken, Chancen und das neue Selbstverständnis der Stadt

So verheißungsvoll adaptive Stadtentwicklung auch klingt: Sie ist kein Selbstläufer. Im Gegenteil – der Übergang von statischer zu dynamischer Planung birgt erhebliche Risiken. Eine der größten Gefahren liegt in der Kommerzialisierung städtischer Datenmodelle. Wenn digitale Zwillinge von privaten Anbietern kontrolliert werden, drohen Abhängigkeiten, Black Boxes und ein Verlust an demokratischer Kontrolle. Auch algorithmische Verzerrungen, die zu technokratischen oder sozial unausgewogenen Entscheidungen führen, sind ein reales Problem, das nicht unterschätzt werden darf.

Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass die neuen Werkzeuge als Ersatz für Beteiligung und Transparenz missverstanden werden. Ein digitaler Zwilling, der ohne Offenheit und Nachvollziehbarkeit eingesetzt wird, kann schnell zum Herrschaftsinstrument weniger werden. Adaptive Stadtentwicklung muss deshalb immer auch eine Frage der Governance sein: Wer entscheidet, wer partizipiert, wer profitiert? Nur wenn diese Fragen klar beantwortet werden, kann die adaptive Stadt ihr Potenzial entfalten.

Doch gerade in der Verbindung von digitaler Intelligenz und partizipativer Governance liegt eine enorme Chance. Adaptive Stadtentwicklung eröffnet die Möglichkeit, Bürger, Wirtschaft und Verwaltung in einen kontinuierlichen Dialog zu bringen. Entscheidungsprozesse werden transparenter, Szenarien nachvollziehbarer, Innovationen schneller testbar. Wer es schafft, Disruptionen nicht als Bedrohung, sondern als kreative Ressource zu begreifen, kann damit neue Formen der Resilienz und sozialen Kohäsion entwickeln.

Für Planer, Landschaftsarchitekten und Entscheidungsträger bedeutet das ein neues Selbstverständnis. Sie werden zu Moderatoren eines urbanen Lernprozesses, der sich nie abschließt, sondern ständig weiterentwickelt. Neue Kompetenzen werden erforderlich: Datenverständnis, Moderationsfähigkeit, Innovationsbereitschaft. Die adaptive Stadt ist kein fertiges Produkt, sondern ein Prozess, der Offenheit und Gestaltungswillen voraussetzt.

Die Zukunft der Stadt ist damit nicht linear, sondern zyklisch. Sie entsteht im Zusammenspiel von Planung, Betrieb, Rückkopplung und Anpassung. Adaptive Stadtentwicklung bietet das Rüstzeug, Disruptionen nicht nur zu antizipieren, sondern produktiv zu nutzen. Wer sich darauf einlässt, wird erleben, dass die Stadt nie fertig ist – aber immer bereit für das, was kommt.

So wird die adaptive Stadt zum Labor für eine neue Urbanität: widerstandsfähig, flexibel, kreativ und offen für Wandel. Sie ist weniger die Antwort auf Disruption – als vielmehr der Beginn einer neuen, dauerhaft lernenden Stadtgesellschaft.

Fazit: Disruption antizipieren – die adaptive Stadt als Zukunftsstrategie

Adaptive Stadtentwicklung ist weit mehr als ein Methodenbaukasten gegen das Unvorhersehbare. Sie ist ein Paradigmenwechsel, der Städte zu lernenden Systemen macht – offen, experimentierfreudig und widerstandsfähig. Wer Disruption nicht nur fürchtet, sondern sie als strategische Ressource begreift, kann aus Unsicherheit Innovation schöpfen und Urbanität neu denken. Klassische Planung bleibt wichtig, doch erst in Verbindung mit digitalen Tools, partizipativen Prozessen und einer Kultur des Lernens entsteht eine Stadt, die dem Wandel nicht hinterherläuft, sondern ihn gestaltet.

Die Herausforderungen sind enorm: Technische, rechtliche und kulturelle Hürden müssen genommen, neue Kompetenzen entwickelt und Governance-Fragen geklärt werden. Doch die Chancen sind größer denn je. Wer heute auf adaptive Stadtentwicklung setzt, verschafft sich einen Vorsprung – nicht nur im Umgang mit Disruptionen, sondern auch im Wettbewerb um Lebensqualität, Innovation und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Die adaptive Stadt ist damit keine ferne Vision, sondern eine Einladung, Urbanität als offenen Prozess zu begreifen. Und genau darin liegt ihre größte Stärke.

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Frankfurt Mertonviertel – Wettbewerb entschieden

Das neue grüne Herz im Mertonviertel. Copyright: Teleinternetcafe, Treibhaus und c/o Zukunft
Das neue grüne Herz im Mertonviertel. Copyright: Teleinternetcafe Architektur und Urbanismus mit Treibhaus Landschaftsarchitekten und c/o Zukunft Stadtplanung und Stadtentwicklung

Die Sieger*innen des städtebaulichen und freiraumplanerischen Ideenwettbewerbs stehen fest. Am 21. Oktober wählte das Preisgericht einstimmig den Entwurf von Teleinternetcafe Architektur und Urbanismus mit Treibhaus Landschaftsarchitekten und c/o Zukunft Stadtplanung und Stadtentwicklung.

Ideenwettbewerb „Mertonviertel / Nördlich Lurgiallee“

Der Ideenwettbewerb zur Zukunft des Mertonviertels in Frankfurt ist entschieden: In seiner Sitzung am 21. Oktober vergab das Preisgericht den ersten Preis einstimmig an den Entwurf der Bürogemeinschaft Teleinternetcafé Architektur und Urbanismus aus Berlin. Auch Treibhaus Landschaftsarchitektur aus Hamburg und c/o Zukunft – Stadtplanung und Stadtentwicklung aus Hamburg gehören zum Gewinnerteam.

Laut der Jury steht der Büro- und Gewerbestandort Mertonviertel im Norden von Frankfurt vor strukturellen Herausforderungen und großen Veränderungen. Der Abbruch des ehemaligen Lurgihauses hat ein großes Potenzial für eine städtebauliche Neuordnung geschaffen. Für den Wettbewerb suchte Planungsdezernent Mike Josef nach Vorschlägen, die die Themen Wohnen, Arbeiten, Bildung, Versorgung, Lebensqualität und Umwelt kombinierten.

Der Siegervorschlag bietet „die beste Lösung für ein vielfältiges und Identifikation stiftendes Quartier nördlich der Lurgiallee“, so Josef. „Durch diese Neuentwicklung wird es auch einen positiven Impuls für das gesamte Mertonviertel als attraktiven und lebendigen Arbeits- und Wohnstandort geben.“

Der Wettbewerb wurde vom Stadtplanungsamt Frankfurt am Main ausgelobt. Die AGB Frankfurt Holding und die gsp Städtebau sind darüber hinaus wesentliche Stakeholder. Die Geschäftsführer beider Institutionen erklärten, dass sie ein neues, urbanes, durchmischtes Stadtquartier mit hoher Lebens- und Aufenthaltsqualität anstreben.

Eine neue Grüne Mitte – Lovely Lurgi

Der Entwurf der Sieger*innen trägt den Titel „Lovely Lurgi – Ein neues Herz für das Mertonviertel“. Er überzeugte die Jury durch die Entwicklung des eigentlichen Baugrundstückes aus den Strukturen und Konzeptvorschlägen für das Viertel. Im Herzen der neuen Entwicklung entsteht ein großzügiger grüner Freiraum, der viele Nutzungsmöglichkeiten und außerdem eine hohe Identitätskraft bietet.

„Lovely Lurgi“ im Mertonviertel sieht eine neue Quartiersmitte vor, die von urbanen Gebäuden umgeben wird. Der grüne Mittelpunkt sowie andere Elemente des Projektes folgen zudem dem „Schwammstadtprinzip“, indem sie vielfältige Regenrückhalte- und Bewirtschaftungsflächen sowie Raum für Bäume mit echtem Bodenanschluss bieten.

Übrigens: Mehr über die Schwammstadt lesen Sie in der November 2021 Sonderausgabe der G+L.

Weitere Besonderheiten des neuen Quartiers sind die räumliche Zonierung mit ausgeprägter Nutzungsmischung sowie die kleinteilige Gestaltung des Stadtraums. Zudem gibt es Platz für eine neue Grundschule. Zu den geplanten Gebäuden gehören darüber hinaus Gewerbeflächen, Einzelhandel, gastronomische Angebote und zwei Kindertagesstätten. Somit soll es gelingen, zwischen dem bestehenden und dem neuen Quartier zu vermitteln.

Die Bürogemeinschaft Teleinternetcafé Architektur und Urbanismus, Treibhaus Landschaftsarchitektur und c/o Zukunft erarbeiteten eine Rahmenplan für das Mertonviertel sowie ein städtebauliches Konzept für das Bebauungsplanverfahren Mertonviertel / Nördlich Lurgiallee. Dabei handelt es sich um eine rund acht Hektar große Fläche. Künftig sollen hier etwa 900 Wohneinheiten nahe der U-Bahn-Station Riedwiesen/Mertonviertel und der Einkaufsgalerie „Merton’s Passage“ entstehen.

Der Plan für das neue Lurgi-Areal im Mertonviertel. Visualisierung: Teleinternetcafe Architektur und Urbanismus mit Treibhaus Landschaftsarchitekten und c/o Zukunft Stadtplanung und Stadtentwicklung
Der Plan für das neue Lurgi-Areal im Mertonviertel. Visualisierung: Teleinternetcafe Architektur und Urbanismus mit Treibhaus Landschaftsarchitekten und c/o Zukunft Stadtplanung und Stadtentwicklung

Die Preisverleihung

Die Jury war in diesen nichtoffenen städtebaulichen, freiraumplanerischen Ideenwettbewerb auf der Suche nach mutigen Ideen für die Zukunft des Mertonviertels inklusive eines stimmigen Konzeptes für das Gelände des ehemaligen Lurgihauses. Der Wettbewerb bestand dabei aus zwei Bearbeitungsphasen. Ursprünglich hatten sich zwölf qualifizierte Bewerbergemeinschaften aus Stadtplaner*innen sowie Städtebauarchitekt*innen beworben. Davon wählte die Jury am 21. Juli vier Arbeiten für die weitere Bearbeitung aus.

In der zweiten Preisgerichtssitzung am 21. Oktober vergab das Preisgericht neben dem ersten Platz auch drei dritte Preise. Diese gingen gleichrangig an die Bewerbergemeinschaften Karl Richter Architekten BDA, Frankfurt, mit KuBus Freiraumplanung, Wetzlar, Machleidt Städtebau und Stadtplanung, Berlin mit SINAI Gesellschaft von Landschaftsarchitekten, Berlin sowie Stefan Forster, Frankfurt, mit nsp landschaftsarchitekten stadtplaner PartGmbB schonhoff schadzek depenbrock, Hannover.

Zur Jury gehörten renommierte Architekt*innen, Stadtplaner*innen und Landschaftsarchitekt*innen sowie Vertreter*innen der Stadt Frankfurt. Auch die Eigentümerin des Grundstücks des ehemaligen Lurgihauses, Sachverständige und Vertreter*innen politischer Fraktionen waren vertreten. Bis zum 3. November wurden die Wettbewerbsbeiträge im Atrium des Frankfurter Planungsdezernates ausgestellt.

Mit dem neuen Entwurf soll das Frankfurt Mertonviertel wieder belebt werden. Visualisierung: Teleinternetcafe Architektur und Urbanismus mit Treibhaus Landschaftsarchitekten und c/o Zukunft Stadtplanung und Stadtentwicklung
Mit dem neuen Entwurf soll das Frankfurt Mertonviertel wieder belebt werden. Visualisierung: Teleinternetcafe Architektur und Urbanismus mit Treibhaus Landschaftsarchitekten und c/o Zukunft Stadtplanung und Stadtentwicklung

Über das Frankfurt Mertonviertel

Das Mertonviertel ist ein Büro- und Wohnquartier im Norden von Frankfurt am Main. Es erhielt seinen Namen in Erinnerung an Wilhelm Merton, Gründer der Metallgesellschaft sowie des Instituts für Gemeinwohl. Dieses war ein Vorläufer der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Das Viertel ist recht neu. Es entstand ab Mitte der 1980er Jahre auf einem Gebiet von etwa 60 Hektar Größe, das bis zum Jahr 1982 zu den Industrieanlagen der früheren Vereinigten Deutschen Metallwerke gehörte. Das Erdreich im Mertonviertel war stark durch Kohlenwasserstoffe sowie Schwermetalle belastet und musste in einem aufwändigen Verfahren gereinigt werden. Dafür gab es eine eigens errichtete Entgiftungsanlage, die parallel zu den Bauarbeiten bis in die frühen 2000er Jahre vor Ort war.

Lurgihaus und Hundertwasser-Kindertagesstätte

Das Lurgihaus war schließlich lange das dominante Gebäude des Quartiers in Frankfurt-Heddernheim. Es entstand im Jahr 1987 als erster Neubau des Mertonviertels. Mit einer Bürofläche von fast 90 000 Quadratmetern gehörte es damals zu den größten Bürogebäuden Deutschlands. Es bestand aus einem viereckigen Hauptgebäude mit sieben stark gegliederten Nebengebäuden. Ursprünglich war es das Hauptquartier der Lurgi AG, einem Unternehmen für Großanlagenbau, und nahm über die Jahre auch weitere Mietparteien auf. 2014 verließ Lurgi das Bürogebäude. Weiteres Gebäude im Mertonviertel ist die Hundertwasser-Kindertagesstätte mit ihrer weithin sichtbaren Kuppel, Bürogebäude und Wohnhäuser. Zeitweise gab es 5 000 Arbeitsplätze in diesem Viertel. In den letzten Jahren nahm die Anzahl an Arbeitsplätzen und Bewohner*innen ab, aber mit dem neuen Entwurf soll das Mertonviertel wieder belebt werden.

Mehr Planung aus der bevölkerungsreichsten Stadt Hessen gibt es mit einem Megaprojekt, das in etwa zehn Jahren fertig sein könnte, hier: Fernbahntunnel Frankfurt.

Easy Going mit der EasyBettung

Abbildung: iStock

Die neue EasyLay-Technologie (ELT) von tubag revolutioniert das Verlegen von Platten und Pflastersteinen.

Wer kennt es nicht: Die Wartezeit, bis ein Produkt fertig zum Verarbeiten ist, frisst oft viele Kapazitäten. So ist es auch in den Abläufen beim Verlegen von Pflaster- und Plattenbelägen in Systembauweise. Doch tubag, die Premiummarke der Sievert SE für den Garten-, Landschafts- und Straßenbau, hat dagegen Abhilfe geschaffen – mit dem ersten drainfähigen Bettungsmörtel überhaupt: der EasyBettung.

Die neue EasyLay-Technologie (ELT) von tubag basiert auf einer neu entwickelten Mörtel- und Bindemittelrezeptur, die nicht angemischt werden muss.  „Weil auf das bisher übliche Anmischen verzichtet werden kann, fällt ein kompletter Arbeitsgang weg. Somit werden die Arbeitsabläufe bedeutend effizienter und die Flächenleistung pro Mitarbeiter steigt an. Das bietet den Unternehmen neue Möglichkeiten bei der Planung, Kalkulation und vor allem auch der Ausführung ihrer Aufträge“, sagt Georg Zimmermann, Produktmanager für Garten-, Landschafts- und Straßenbau bei der Sievert SE. Zur Verdeutlichung: Die Ruhezeit nach dem Wässern des Belages beträgt 36 Stunden. Das bedeutet, dass nicht einmal zwei Tage nach der Erstellung der Flächen die Fugen mit den üblichen Fugenmörteln aus dem tubag-Programm geschlossen werden können.

Die gesamte Anwendung des neuen Produkts ist denkbar einfach. Die EasyBettung wird auf die vorbereitete ungebundene Tragschicht gegeben und nach der höhengerechten Ausnivellierung kurz mit Hilfe eines Wasser-Sprühnebels aktiviert. Um den Haftverbund zwischen Belag und Bettungsmörtel zu optimieren, werden die Platten oder Pflastersteine beim Verlegen an der Unterseite mit der tubag Haftschlämme TNH flex versehen. Das geschieht entweder über die Zahnkelle oder den Vorgang des Eintauchens. Nach dem hammerfesten Einbringen der Platten oder Steine wird der Belag komplett satt gewässert. „Die neuartige EasyLay-Bindemitteltechnologie verfügt über spezielle Leichtzuschläge, die das Saugverhalten so begünstigen, dass die EasyBettung komplett über das Wasser aktiviert wird, das über die Fugen eintritt“, erklärt Endrit Imeri, Entwicklungstechniker Mineralische Mörtelsysteme bei der Sievert Baustoffe. Worauf zu achten ist: Die Fugen müssen dabei mindestens fünf Millimeter breit sein, beim Verlegen von Platten darf die kurze Kantenlänge höchstens 80 Zentimeter betragen.

Welche Vorteile die EasyBettung außerdem hat? Nicht nur zeitlich, auch wirtschaftlich zahlt sich die Verwendung des tubag-Produktes aus: Gegenüber konventionellen Bettungsmörteln punktet die EasyBettung reaktiv mit einem ca. 25 Prozent niedrigeren Materialverbrauch. Alle weiteren Informationen zur Innovation Easy Bettung finden Sie unter www.tubag.de