Entwicklung statt Expansion – was afrikanische Städte zur Zukunft der Urbanistik beitragen

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Bunte Häuserzeile am Inn mit Alpen im Hintergrund, fotografiert von Wolfgang Weiser.

Während in Europa noch von Smart Cities geträumt wird, entfalten afrikanische Städte längst eine kreative Dynamik, die klassische Urbanistik herausfordert. Sie wachsen nicht durch Expansion ins Umland, sondern durch Entwicklung nach innen – und zeigen, was urbane Zukunft wirklich bedeutet. Warum wir von Lagos, Addis Abeba oder Kigali mehr lernen können als von jeder Masterplan-Konferenz? Willkommen bei der urbanen Disruption!

  • Warum das Wachstum afrikanischer Städte die Zukunft der Urbanistik definiert
  • Wie Entwicklung statt Expansion zu innovativen städtischen Lösungen führt
  • Welche Rolle informelle Urbanität, Resilienz und Kreativität im städtischen Alltag spielen
  • Wie afrikanische Städte mit knappen Ressourcen nachhaltige Lebensräume schaffen
  • Warum europäische Planer von afrikanischen Städten lernen sollten
  • Wie neue Governance-Strukturen und partizipative Modelle vor Ort funktionieren
  • Welche Chancen und Risiken in der Digitalisierung und Urban-Tech-Entwicklung liegen
  • Wie das Paradigma der „Stadt der kurzen Wege“ in afrikanischen Metropolen neu interpretiert wird
  • Welche Impulse für Stadtplanung, Landschaftsarchitektur und nachhaltige Entwicklung daraus entstehen

Stadtwachstum ohne Ende – Afrikas urbane Revolution

Wer sich mit Urbanistik beschäftigt, kommt an der Entwicklung afrikanischer Städte nicht vorbei. Während Europa und Nordamerika bereits weitgehend urbanisiert sind und Asien seine Megastädte weiter ausbaut, erlebt Afrika eine regelrechte urbane Explosion. Laut den Vereinten Nationen wird sich die Stadtbevölkerung des Kontinents bis 2050 verdoppeln. Städte wie Lagos, Kinshasa oder Kairo wachsen jährlich um mehrere Hunderttausend Menschen. Doch anders als in Europa oder China bedeutet Wachstum hier selten Expansion in die Fläche. Die Infrastruktur hinkt dem Bevölkerungszuwachs meist hinterher, Bauland ist knapp, und formelle Stadtentwicklungspläne existieren oft nur auf dem Papier. Was also tun, wenn der Platz ausgeht und die Ressourcen begrenzt sind?

Die Antwort ist so pragmatisch wie kreativ: Entwicklung statt Expansion. Afrikanische Städte wachsen nach innen, verdichten sich, nutzen bestehende Flächen mehrfach und setzen auf informelle Lösungen. Statt immer neue Vorstadtsiedlungen auf der grünen Wiese zu errichten, entstehen urbane Quartiere, die sich kontinuierlich transformieren. Märkte, Werkstätten, Wohnräume und Freiräume existieren nebeneinander – oft auf engstem Raum, oft improvisiert, aber immer lebendig. Diese Dynamik ist kein Zeichen von Scheitern, sondern von enormer Anpassungsfähigkeit. Sie zeigt, wie Urbanität in Echtzeit entsteht und wie Lebensräume unter widrigen Bedingungen resilient bleiben.

Natürlich bringt diese Entwicklung auch massive Herausforderungen mit sich: Überlastete Infrastrukturen, mangelnde Versorgungssysteme, fehlende Grünflächen und soziale Spannungen sind an der Tagesordnung. Doch sie erzwingt auch eine neue Form des städtischen Denkens. Hier sind Improvisation, Flexibilität und die Fähigkeit, mit Unsicherheiten umzugehen, keine Defizite, sondern Qualitäten. Wo europäische Planer noch an Normen und Standardverfahren festhalten, entstehen in afrikanischen Städten Lösungen, die sich ständig anpassen und erneuern. Diese urbane Revolution ist kein exotischer Sonderfall, sondern ein Labor für die Zukunft der Stadtentwicklung weltweit.

Ein entscheidender Faktor ist die Rolle der informellen Urbanität. Während informelle Siedlungen in Europa meist als Problemzone gelten, sind sie in afrikanischen Städten oft der Motor für Innovation und soziale Integration. Hier entstehen nicht nur neue Wohnformen, sondern auch Netzwerke, Dienstleistungen und Mikroökonomien, die das urbane Gefüge resilienter machen. Die Fähigkeit, mit wenig viel zu erreichen, ist zum Markenzeichen afrikanischer Urbanistik geworden.

Der Blick auf die afrikanische Stadtentwicklung zeigt: Expansion ins Umland ist keine Lösung für das urbane Jahrhundert. Entwicklung nach innen, die Nutzung und Transformation bestehender Ressourcen, die Einbindung informeller Strukturen und die Förderung sozialer Innovationen sind die entscheidenden Erfolgsfaktoren. Wer die Zukunft der Urbanistik verstehen will, sollte also nicht nach Dubai oder Shanghai schauen, sondern nach Lagos, Nairobi oder Addis Abeba.

Innovation aus der Not – urbane Resilienz und Kreativität

Was europäische Städte als Mangel empfinden würden, verwandeln afrikanische Städte in Treiber für Innovation. Das beginnt bei der alltäglichen Versorgung: Wo Stromausfälle an der Tagesordnung sind, entstehen dezentrale Solaranlagen, Mikrogrids und mobile Speicherlösungen. Wo das öffentliche Verkehrsnetz überfordert ist, wachsen neue Mobilitätsformen: Motorradtaxis, Sammeltaxen, Fahrradverleihsysteme und Fußwegnetzwerke prägen das Bild. Wer in Accra oder Kampala unterwegs ist, erlebt eine Stadt, die sich permanent neu erfindet – weil sie es muss.

Diese Kreativität zeigt sich auch in der Flächennutzung. Multifunktionale Räume sind keine Ausnahme, sondern Standard. Ein Markt kann tagsüber als Handelsplatz dienen und abends als Begegnungsort oder Veranstaltungsfläche. Werkstätten werden zu Lernorten, Hinterhöfe zu Gemeinschaftsgärten, Brachen zu Spielplätzen. Die Stadt wird zum Labor, in dem ständig neue Nutzungen entstehen und erprobt werden. Diese Flexibilität ist ein Schlüssel für Resilienz – und ein Gegenentwurf zu den starren Zonenplänen vieler europäischer Städte.

Ein weiteres Beispiel für urbane Resilienz ist das Wassermanagement. In Städten wie Nairobi oder Dakar sind zentrale Systeme oft überlastet oder unzuverlässig. Die Antwort: dezentrale Wasserspeicher, Regenwassernutzung, innovative Klärsysteme und die Rückgewinnung von Grauwasser. Gemeinschaften organisieren sich, um Infrastruktur selbst aufzubauen und zu warten – oft unterstützt durch lokale Start-ups oder NGOs. Das Ergebnis sind Systeme, die nicht nur nachhaltig, sondern auch sozial eingebettet sind.

Auch im Bereich der digitalen Innovation setzen afrikanische Städte Maßstäbe. Mobile Payment, digitale Stadtplattformen und Apps für Mobilität, Energie oder Müllentsorgung werden in Windeseile adaptiert. In Kigali etwa funktioniert die Müllabfuhr per App – ein Modell, das selbst Smart Cities im globalen Norden alt aussehen lässt. Die Digitalisierung wird nicht als Selbstzweck betrieben, sondern löst konkrete Probleme vor Ort. Sie ist pragmatisch, nutzerorientiert und inklusiv – und damit ein Vorbild für digitale Transformation in der Stadtentwicklung.

Die Innovationskraft afrikanischer Städte ist untrennbar mit ihrer sozialen Struktur verbunden. Netzwerke, Nachbarschaften und lokale Initiativen übernehmen Aufgaben, die andernorts der Staat erfüllt. Partizipation findet nicht in Workshops statt, sondern im Alltag. Diese Form der Selbstorganisation ist ein zentraler Baustein urbaner Resilienz – und ein Plädoyer für eine Stadtplanung, die auf die Kompetenzen der Menschen vor Ort setzt, statt alles durchzuplanen.

Governance, Partizipation und neue Stadtmodelle

Die Steuerung rasant wachsender Städte ist eine Mammutaufgabe – besonders, wenn klassische Governance-Strukturen an ihre Grenzen stoßen. Afrikanische Städte reagieren darauf mit hybriden Modellen: Staatliche Akteure, lokale Verwaltungen, Community-Based Organizations und private Unternehmen arbeiten oft eng zusammen. Entscheidungsprozesse sind selten linear, sondern verlaufen vielfach parallel und dezentral. Das klingt chaotisch, ist aber oft erstaunlich effektiv. Denn es erlaubt, schnell auf Veränderungen zu reagieren und lokale Bedürfnisse einzubinden.

Partizipation ist in afrikanischen Städten kein Luxus, sondern Notwendigkeit. Wer die Bevölkerung bei Planung und Umsetzung urbaner Projekte nicht einbezieht, scheitert meist an der Lebensrealität vor Ort. Erfolgreiche Stadtentwicklungsprojekte setzen daher auf partizipative Ansätze, die lokale Akteure einbinden, Wissen nutzen und Entscheidungsprozesse transparent machen. Ein Beispiel ist das Slum-Upgrading in Kapstadt: Anwohner gestalten die Umwandlung informeller Siedlungen mit, entwickeln eigene Pläne und setzen diese gemeinsam mit Behörden um. Das Ergebnis sind Quartiere, die nicht nur besser ausgestattet, sondern auch sozial stabiler sind.

Auch neue Stadtmodelle entstehen, die klassische Urbanistik herausfordern. Kigali oder Addis Abeba etwa setzen auf die Entwicklung kompakter, gemischt genutzter Stadtteile mit kurzen Wegen – ein Ansatz, der der europäischen Idee der „Stadt der kurzen Wege“ ähnelt, aber unter völlig anderen Bedingungen umgesetzt wird. Hier entstehen urbane Räume, die Wohnen, Arbeiten, Handel und Erholung verbinden und so die Lebensqualität in dicht besiedelten Gebieten verbessern.

Ein weiterer Trend ist die Digitalisierung der Verwaltung. In Städten wie Nairobi oder Accra werden städtische Dienstleistungen zunehmend über digitale Plattformen organisiert. Bürger können Bauanträge online stellen, Müllabfuhr per App ordern oder Wasserzähler digital verwalten. Diese Digitalisierung fördert Transparenz, Effizienz und Bürgernähe – und setzt Maßstäbe für E-Governance weltweit.

Das Zusammenspiel aus Governance-Innovation, Partizipation und neuen Stadtmodellen macht afrikanische Städte zu Experimentierfeldern für die Urbanistik der Zukunft. Sie zeigen, dass Entwicklung nicht nur von oben nach unten funktionieren muss, sondern gerade durch die Einbindung lokaler Kompetenzen und Initiativen erfolgreich sein kann. Für europäische Städte, in denen Beteiligung oft zur reinen Formalie verkommt, liegt hier eine wichtige Lektion.

Nachhaltigkeit, Landschaft und die Neuinterpretation der Stadt

Nachhaltigkeit ist in afrikanischen Städten kein abstraktes Ziel, sondern alltägliche Notwendigkeit. Der Umgang mit knappen Ressourcen erzwingt innovative Lösungen im Bereich Energie, Mobilität und Freiraumgestaltung. Viele Städte setzen auf dezentrale, erneuerbare Energiesysteme, weil das zentrale Netz schlicht nicht ausreicht. Solaranlagen auf Dächern, kleine Windkraftwerke oder Biogasanlagen sind weit verbreitet und werden oft von lokalen Unternehmen oder Kooperativen betrieben.

Auch die Gestaltung von Freiräumen folgt eigenen Regeln. Parks, Gemeinschaftsgärten, urbane Landwirtschaft und multifunktionale Plätze entstehen dort, wo Platz ist – oft auf Brachflächen, in Hinterhöfen oder entlang von Verkehrsachsen. Diese grünen Inseln sind nicht nur Erholungsräume, sondern spielen eine wichtige Rolle für das Mikroklima, die Biodiversität und die soziale Integration. Dabei werden traditionelle Landschaftselemente, wie Schatten spendende Bäume oder offene Wasserflächen, mit neuen Nutzungskonzepten kombiniert.

Die Integration von Landschaft und Stadt ist ein zentrales Thema. In Städten wie Dar es Salaam oder Nairobi entstehen Grünzüge, die als Korridore für Mensch und Tier dienen und gleichzeitig den Wasserhaushalt regulieren. Urban Gardening und gemeinschaftliche Landwirtschaft sichern nicht nur die Versorgung mit Lebensmitteln, sondern stärken auch Nachbarschaften und schaffen neue Arbeitsplätze. Die Verbindung von Stadt und Natur ist dabei nie statisch, sondern wird ständig neu ausgehandelt und angepasst.

Ein besonderes Augenmerk verdienen die Ansätze zur Klimaanpassung. Während in Europa aufwändig renaturiert und entsiegelt wird, setzen afrikanische Städte auf pragmatische Lösungen: Begrünung von Dächern und Fassaden, Nutzung von Regenwasser, Schaffung von Schattenstrukturen und Kühlung durch Verdunstung. Diese Maßnahmen sind oft kostengünstig, leicht umsetzbar und werden schnell von der Bevölkerung angenommen. Sie zeigen, dass Klimaschutz und Klimaanpassung auch in ressourcenarmen Kontexten möglich sind – sofern sie an die lokalen Bedingungen angepasst werden.

Die Neuinterpretation der Stadt in Afrika ist eine Einladung, Stadtlandschaften als dynamische, offene Systeme zu verstehen. Statt auf statische Masterpläne zu setzen, wird Stadt als Prozess gedacht – als ständiges Aushandeln, Anpassen und Weiterentwickeln. Für Planer und Landschaftsarchitekten in Europa bietet dieser Ansatz wertvolle Impulse: Weniger Perfektion, mehr Offenheit für das Ungeplante, mehr Vertrauen in die Kreativität der Nutzer und mehr Mut zum Experiment.

Was Europa lernen kann – Ausblick und Chancen für die Urbanistik

Wer heute in Europa über Stadt der Zukunft spricht, sollte den Blick nach Afrika wagen. Die Herausforderungen dort sind extrem – aber genau daraus entstehen Lösungen, die auch für europäische Städte relevant sind. Entwicklung statt Expansion bedeutet, die vorhandenen Ressourcen besser zu nutzen, Flächen multifunktional zu gestalten und informelle Strukturen als Motor für Innovation zu verstehen. Es geht darum, die Stadt nicht als starres Gebilde zu planen, sondern als lebendigen Organismus, der sich ständig wandelt.

Für die Urbanistik in Deutschland, Österreich und der Schweiz heißt das: Mehr Offenheit für neue Formen der Beteiligung, mehr Mut zur Integration informeller Prozesse, mehr Bereitschaft, klassische Planungsinstrumente zu hinterfragen und zu erneuern. Die digitale Transformation kann dabei helfen, neue Beteiligungsformen zu schaffen, Daten nutzbar zu machen und Entscheidungsprozesse transparenter zu gestalten. Doch Digitalisierung ist kein Selbstzweck – sie muss an den Bedürfnissen der Menschen orientiert sein und lokale Kompetenzen stärken.

Auch im Bereich der nachhaltigen Stadtentwicklung gibt es viel zu lernen. Die Fähigkeit, mit knappen Ressourcen innovative Lösungen zu entwickeln, ist in Zeiten von Klimakrise und Flächenknappheit ein entscheidender Wettbewerbsvorteil. Statt immer neue Flächen zu versiegeln, gilt es, die Stadt nach innen zu entwickeln, Bestandsquartiere zu transformieren und multifunktionale Freiräume zu schaffen. Die Praxis in afrikanischen Städten zeigt, dass dies möglich ist – und dass daraus soziale, ökologische und ökonomische Vorteile entstehen.

Schließlich ist die Förderung urbaner Resilienz eine zentrale Aufgabe. Afrikanische Städte zeigen, dass Resilienz nicht durch Kontrolle, sondern durch Flexibilität, Kreativität und die Einbindung vielfältiger Akteure entsteht. Stadtplanung muss lernen, mit Unsicherheiten umzugehen, Vielfalt zuzulassen und Räume für Experimente zu schaffen. Nur so werden Städte fit für die Herausforderungen des urbanen Jahrhunderts.

Die Zukunft der Urbanistik wird nicht in den Planungsbüros Europas entschieden, sondern dort, wo Städte wachsen, sich wandeln und mit immer neuen Herausforderungen konfrontiert sind. Afrikanische Städte sind dabei nicht nur Laboratorien, sondern Vorbilder für eine Urbanistik, die Entwicklung vor Expansion stellt, Kreativität fördert und die Stadt als offenen Prozess begreift. Wer das versteht, ist für die Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte bestens gerüstet.

Fazit: Entwicklung statt Expansion – Afrikas Städte als Vorbild für die globale Urbanistik

Die Urbanistik der Zukunft wird nicht von Masterplänen und Expansionsstrategien geprägt sein, sondern von Entwicklung, Anpassung und Innovation. Afrikanische Städte zeigen eindrucksvoll, wie mit knappen Ressourcen, kreativen Lösungen und starker Beteiligung lebendige, resiliente und nachhaltige urbane Räume entstehen können. Sie setzen auf Entwicklung nach innen, nutzen informelle Strukturen als Ressource und verbinden Stadt und Landschaft auf neue Weise. Für Planer, Architekten und Stadtentwickler in Europa bieten diese Erfahrungen wertvolle Impulse: Weniger Perfektion, mehr Offenheit, mehr Mut zur Transformation. Die Stadt der Zukunft wird nicht gebaut, sondern entwickelt – Tag für Tag, Akteur für Akteur, Problem für Problem. Wer dabei von Afrika lernt, lernt für die Welt.

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Frankfurt Mertonviertel – Wettbewerb entschieden

Das neue grüne Herz im Mertonviertel. Copyright: Teleinternetcafe, Treibhaus und c/o Zukunft
Das neue grüne Herz im Mertonviertel. Copyright: Teleinternetcafe Architektur und Urbanismus mit Treibhaus Landschaftsarchitekten und c/o Zukunft Stadtplanung und Stadtentwicklung

Die Sieger*innen des städtebaulichen und freiraumplanerischen Ideenwettbewerbs stehen fest. Am 21. Oktober wählte das Preisgericht einstimmig den Entwurf von Teleinternetcafe Architektur und Urbanismus mit Treibhaus Landschaftsarchitekten und c/o Zukunft Stadtplanung und Stadtentwicklung.

Ideenwettbewerb „Mertonviertel / Nördlich Lurgiallee“

Der Ideenwettbewerb zur Zukunft des Mertonviertels in Frankfurt ist entschieden: In seiner Sitzung am 21. Oktober vergab das Preisgericht den ersten Preis einstimmig an den Entwurf der Bürogemeinschaft Teleinternetcafé Architektur und Urbanismus aus Berlin. Auch Treibhaus Landschaftsarchitektur aus Hamburg und c/o Zukunft – Stadtplanung und Stadtentwicklung aus Hamburg gehören zum Gewinnerteam.

Laut der Jury steht der Büro- und Gewerbestandort Mertonviertel im Norden von Frankfurt vor strukturellen Herausforderungen und großen Veränderungen. Der Abbruch des ehemaligen Lurgihauses hat ein großes Potenzial für eine städtebauliche Neuordnung geschaffen. Für den Wettbewerb suchte Planungsdezernent Mike Josef nach Vorschlägen, die die Themen Wohnen, Arbeiten, Bildung, Versorgung, Lebensqualität und Umwelt kombinierten.

Der Siegervorschlag bietet „die beste Lösung für ein vielfältiges und Identifikation stiftendes Quartier nördlich der Lurgiallee“, so Josef. „Durch diese Neuentwicklung wird es auch einen positiven Impuls für das gesamte Mertonviertel als attraktiven und lebendigen Arbeits- und Wohnstandort geben.“

Der Wettbewerb wurde vom Stadtplanungsamt Frankfurt am Main ausgelobt. Die AGB Frankfurt Holding und die gsp Städtebau sind darüber hinaus wesentliche Stakeholder. Die Geschäftsführer beider Institutionen erklärten, dass sie ein neues, urbanes, durchmischtes Stadtquartier mit hoher Lebens- und Aufenthaltsqualität anstreben.

Eine neue Grüne Mitte – Lovely Lurgi

Der Entwurf der Sieger*innen trägt den Titel „Lovely Lurgi – Ein neues Herz für das Mertonviertel“. Er überzeugte die Jury durch die Entwicklung des eigentlichen Baugrundstückes aus den Strukturen und Konzeptvorschlägen für das Viertel. Im Herzen der neuen Entwicklung entsteht ein großzügiger grüner Freiraum, der viele Nutzungsmöglichkeiten und außerdem eine hohe Identitätskraft bietet.

„Lovely Lurgi“ im Mertonviertel sieht eine neue Quartiersmitte vor, die von urbanen Gebäuden umgeben wird. Der grüne Mittelpunkt sowie andere Elemente des Projektes folgen zudem dem „Schwammstadtprinzip“, indem sie vielfältige Regenrückhalte- und Bewirtschaftungsflächen sowie Raum für Bäume mit echtem Bodenanschluss bieten.

Übrigens: Mehr über die Schwammstadt lesen Sie in der November 2021 Sonderausgabe der G+L.

Weitere Besonderheiten des neuen Quartiers sind die räumliche Zonierung mit ausgeprägter Nutzungsmischung sowie die kleinteilige Gestaltung des Stadtraums. Zudem gibt es Platz für eine neue Grundschule. Zu den geplanten Gebäuden gehören darüber hinaus Gewerbeflächen, Einzelhandel, gastronomische Angebote und zwei Kindertagesstätten. Somit soll es gelingen, zwischen dem bestehenden und dem neuen Quartier zu vermitteln.

Die Bürogemeinschaft Teleinternetcafé Architektur und Urbanismus, Treibhaus Landschaftsarchitektur und c/o Zukunft erarbeiteten eine Rahmenplan für das Mertonviertel sowie ein städtebauliches Konzept für das Bebauungsplanverfahren Mertonviertel / Nördlich Lurgiallee. Dabei handelt es sich um eine rund acht Hektar große Fläche. Künftig sollen hier etwa 900 Wohneinheiten nahe der U-Bahn-Station Riedwiesen/Mertonviertel und der Einkaufsgalerie „Merton’s Passage“ entstehen.

Der Plan für das neue Lurgi-Areal im Mertonviertel. Visualisierung: Teleinternetcafe Architektur und Urbanismus mit Treibhaus Landschaftsarchitekten und c/o Zukunft Stadtplanung und Stadtentwicklung
Der Plan für das neue Lurgi-Areal im Mertonviertel. Visualisierung: Teleinternetcafe Architektur und Urbanismus mit Treibhaus Landschaftsarchitekten und c/o Zukunft Stadtplanung und Stadtentwicklung

Die Preisverleihung

Die Jury war in diesen nichtoffenen städtebaulichen, freiraumplanerischen Ideenwettbewerb auf der Suche nach mutigen Ideen für die Zukunft des Mertonviertels inklusive eines stimmigen Konzeptes für das Gelände des ehemaligen Lurgihauses. Der Wettbewerb bestand dabei aus zwei Bearbeitungsphasen. Ursprünglich hatten sich zwölf qualifizierte Bewerbergemeinschaften aus Stadtplaner*innen sowie Städtebauarchitekt*innen beworben. Davon wählte die Jury am 21. Juli vier Arbeiten für die weitere Bearbeitung aus.

In der zweiten Preisgerichtssitzung am 21. Oktober vergab das Preisgericht neben dem ersten Platz auch drei dritte Preise. Diese gingen gleichrangig an die Bewerbergemeinschaften Karl Richter Architekten BDA, Frankfurt, mit KuBus Freiraumplanung, Wetzlar, Machleidt Städtebau und Stadtplanung, Berlin mit SINAI Gesellschaft von Landschaftsarchitekten, Berlin sowie Stefan Forster, Frankfurt, mit nsp landschaftsarchitekten stadtplaner PartGmbB schonhoff schadzek depenbrock, Hannover.

Zur Jury gehörten renommierte Architekt*innen, Stadtplaner*innen und Landschaftsarchitekt*innen sowie Vertreter*innen der Stadt Frankfurt. Auch die Eigentümerin des Grundstücks des ehemaligen Lurgihauses, Sachverständige und Vertreter*innen politischer Fraktionen waren vertreten. Bis zum 3. November wurden die Wettbewerbsbeiträge im Atrium des Frankfurter Planungsdezernates ausgestellt.

Mit dem neuen Entwurf soll das Frankfurt Mertonviertel wieder belebt werden. Visualisierung: Teleinternetcafe Architektur und Urbanismus mit Treibhaus Landschaftsarchitekten und c/o Zukunft Stadtplanung und Stadtentwicklung
Mit dem neuen Entwurf soll das Frankfurt Mertonviertel wieder belebt werden. Visualisierung: Teleinternetcafe Architektur und Urbanismus mit Treibhaus Landschaftsarchitekten und c/o Zukunft Stadtplanung und Stadtentwicklung

Über das Frankfurt Mertonviertel

Das Mertonviertel ist ein Büro- und Wohnquartier im Norden von Frankfurt am Main. Es erhielt seinen Namen in Erinnerung an Wilhelm Merton, Gründer der Metallgesellschaft sowie des Instituts für Gemeinwohl. Dieses war ein Vorläufer der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Das Viertel ist recht neu. Es entstand ab Mitte der 1980er Jahre auf einem Gebiet von etwa 60 Hektar Größe, das bis zum Jahr 1982 zu den Industrieanlagen der früheren Vereinigten Deutschen Metallwerke gehörte. Das Erdreich im Mertonviertel war stark durch Kohlenwasserstoffe sowie Schwermetalle belastet und musste in einem aufwändigen Verfahren gereinigt werden. Dafür gab es eine eigens errichtete Entgiftungsanlage, die parallel zu den Bauarbeiten bis in die frühen 2000er Jahre vor Ort war.

Lurgihaus und Hundertwasser-Kindertagesstätte

Das Lurgihaus war schließlich lange das dominante Gebäude des Quartiers in Frankfurt-Heddernheim. Es entstand im Jahr 1987 als erster Neubau des Mertonviertels. Mit einer Bürofläche von fast 90 000 Quadratmetern gehörte es damals zu den größten Bürogebäuden Deutschlands. Es bestand aus einem viereckigen Hauptgebäude mit sieben stark gegliederten Nebengebäuden. Ursprünglich war es das Hauptquartier der Lurgi AG, einem Unternehmen für Großanlagenbau, und nahm über die Jahre auch weitere Mietparteien auf. 2014 verließ Lurgi das Bürogebäude. Weiteres Gebäude im Mertonviertel ist die Hundertwasser-Kindertagesstätte mit ihrer weithin sichtbaren Kuppel, Bürogebäude und Wohnhäuser. Zeitweise gab es 5 000 Arbeitsplätze in diesem Viertel. In den letzten Jahren nahm die Anzahl an Arbeitsplätzen und Bewohner*innen ab, aber mit dem neuen Entwurf soll das Mertonviertel wieder belebt werden.

Mehr Planung aus der bevölkerungsreichsten Stadt Hessen gibt es mit einem Megaprojekt, das in etwa zehn Jahren fertig sein könnte, hier: Fernbahntunnel Frankfurt.

Easy Going mit der EasyBettung

Abbildung: iStock

Die neue EasyLay-Technologie (ELT) von tubag revolutioniert das Verlegen von Platten und Pflastersteinen.

Wer kennt es nicht: Die Wartezeit, bis ein Produkt fertig zum Verarbeiten ist, frisst oft viele Kapazitäten. So ist es auch in den Abläufen beim Verlegen von Pflaster- und Plattenbelägen in Systembauweise. Doch tubag, die Premiummarke der Sievert SE für den Garten-, Landschafts- und Straßenbau, hat dagegen Abhilfe geschaffen – mit dem ersten drainfähigen Bettungsmörtel überhaupt: der EasyBettung.

Die neue EasyLay-Technologie (ELT) von tubag basiert auf einer neu entwickelten Mörtel- und Bindemittelrezeptur, die nicht angemischt werden muss.  „Weil auf das bisher übliche Anmischen verzichtet werden kann, fällt ein kompletter Arbeitsgang weg. Somit werden die Arbeitsabläufe bedeutend effizienter und die Flächenleistung pro Mitarbeiter steigt an. Das bietet den Unternehmen neue Möglichkeiten bei der Planung, Kalkulation und vor allem auch der Ausführung ihrer Aufträge“, sagt Georg Zimmermann, Produktmanager für Garten-, Landschafts- und Straßenbau bei der Sievert SE. Zur Verdeutlichung: Die Ruhezeit nach dem Wässern des Belages beträgt 36 Stunden. Das bedeutet, dass nicht einmal zwei Tage nach der Erstellung der Flächen die Fugen mit den üblichen Fugenmörteln aus dem tubag-Programm geschlossen werden können.

Die gesamte Anwendung des neuen Produkts ist denkbar einfach. Die EasyBettung wird auf die vorbereitete ungebundene Tragschicht gegeben und nach der höhengerechten Ausnivellierung kurz mit Hilfe eines Wasser-Sprühnebels aktiviert. Um den Haftverbund zwischen Belag und Bettungsmörtel zu optimieren, werden die Platten oder Pflastersteine beim Verlegen an der Unterseite mit der tubag Haftschlämme TNH flex versehen. Das geschieht entweder über die Zahnkelle oder den Vorgang des Eintauchens. Nach dem hammerfesten Einbringen der Platten oder Steine wird der Belag komplett satt gewässert. „Die neuartige EasyLay-Bindemitteltechnologie verfügt über spezielle Leichtzuschläge, die das Saugverhalten so begünstigen, dass die EasyBettung komplett über das Wasser aktiviert wird, das über die Fugen eintritt“, erklärt Endrit Imeri, Entwicklungstechniker Mineralische Mörtelsysteme bei der Sievert Baustoffe. Worauf zu achten ist: Die Fugen müssen dabei mindestens fünf Millimeter breit sein, beim Verlegen von Platten darf die kurze Kantenlänge höchstens 80 Zentimeter betragen.

Welche Vorteile die EasyBettung außerdem hat? Nicht nur zeitlich, auch wirtschaftlich zahlt sich die Verwendung des tubag-Produktes aus: Gegenüber konventionellen Bettungsmörteln punktet die EasyBettung reaktiv mit einem ca. 25 Prozent niedrigeren Materialverbrauch. Alle weiteren Informationen zur Innovation Easy Bettung finden Sie unter www.tubag.de