Ahrtal – Mehr als nur ein Schauplatz einer Naturkatastrophe

Das Ahrtal vor dem schlimmen Hochwasser 2021. Credit: Pixabay

Die Flutkatastrophe im Ahrtal im Sommer 2021 war eine der verheerendsten Naturkatastrophen in der jüngeren deutschen Geschichte. Am 14. und 15. Juli verwandelten extreme Starkregenfälle den Fluss Ahr in einen reißenden Strom, der zahlreiche Ortschaften überschwemmte, mehr als 130 Menschenleben forderte und immensen Sachschaden verursachte. Die Tragödie offenbarte nicht nur die Verwundbarkeit der Region, sondern auch strukturelle Defizite im Hochwasserschutz und der Klimaanpassung. Diese Ereignisse markierten einen Wendepunkt in der Diskussion um den Umgang mit Extremwetterereignissen in Deutschland und unterstrichen die Notwendigkeit einer radikalen Neuausrichtung in der Landschaftsarchitektur, Stadtplanung und Politik.

Die Flutkatastrophe: Chronologie und Auswirkungen

In der Nacht zum 15. Juli 2021 brach über das Ahrtal eine gewaltige Naturgewalt herein. Innerhalb von nur 24 Stunden fielen in der Region bis zu 150 Liter Regen pro Quadratmeter – ein Wert, der weit über den sonst üblichen Monatsdurchschnitt hinausging. Das Wasser der Ahr, eines normalerweise gemächlichen Nebenflusses des Rheins, schwoll in kürzester Zeit an, riss Gebäude, Brücken und Straßen mit sich und zerstörte die Lebensgrundlage tausender Menschen.

Verluste und Zerstörung

Die verheerenden Auswirkungen der Flut waren unmittelbar sichtbar: Mehr als 130 Menschen starben, und viele weitere wurden verletzt oder verloren ihre Angehörigen. Tausende Häuser wurden beschädigt oder komplett zerstört, und die Infrastruktur der Region – von Strom- und Wasserversorgung bis hin zu Verkehrswegen – wurde nahezu vollständig lahmgelegt. Der Gesamtschaden wird auf mehr als 30 Milliarden Euro geschätzt.

Emotionale und soziale Folgen

Neben den materiellen Verlusten hinterließ die Katastrophe tiefe seelische Narben. Die Menschen im Ahrtal standen nicht nur vor dem Wiederaufbau ihrer Häuser, sondern auch vor der Herausforderung, ihre Gemeinschaften wiederaufzubauen. Psychologische Belastungen wie Traumata, Unsicherheit und Zukunftsängste prägen die Region bis heute.

Extremwetter und Klimawandel

Die unmittelbare Ursache der Flut war der außergewöhnliche Starkregen, ausgelöst durch ein Tiefdruckgebiet namens „Bernd“. Wissenschaftliche Analysen haben gezeigt, dass derartige Wetterextreme durch den Klimawandel wahrscheinlicher werden. Steigende Temperaturen führen zu einer erhöhten Verdunstung und einer höheren Feuchtigkeitsaufnahme der Atmosphäre, was intensivere Niederschläge zur Folge hat.

Mangelhafte Hochwasserschutzsysteme

Obwohl das Ahrtal als Hochwassergebiet bekannt ist, waren die bestehenden Schutzmaßnahmen nicht auf ein Ereignis dieses Ausmaßes vorbereitet. Pegelmesssysteme und Frühwarnmechanismen versagten in entscheidenden Momenten, was die Evakuierung der betroffenen Gebiete erschwerte. Darüber hinaus hatte die fortschreitende Bebauung von Überschwemmungsflächen die natürliche Retentionskapazität des Flusses stark eingeschränkt.

Strukturelle Herausforderungen der Region

Das Ahrtal ist geographisch und topographisch besonders anfällig für Hochwasser. Enge Täler und steile Hänge begünstigen die schnelle Ansammlung und den Abfluss von Regenwasser. Gleichzeitig hat die intensive Nutzung der Landschaft – sei es durch Landwirtschaft, Infrastruktur oder Siedlungsbau – den natürlichen Wasserhaushalt der Region weiter belastet.

Ein Wendepunkt im Hochwasserschutz

Die Flutkatastrophe 2021 hat in Deutschland eine intensive Diskussion über den Umgang mit Extremwetterereignissen ausgelöst. Experten, Politik und Gesellschaft erkennen zunehmend die Notwendigkeit, sowohl den Hochwasserschutz als auch die Klimaanpassung grundlegend zu überdenken.

Neue Ansätze in der Hochwasserprävention

Traditionelle Schutzmaßnahmen wie Deiche und Dämme allein reichen nicht mehr aus, um extreme Fluten zu verhindern. Stattdessen wird zunehmend auf integrative Ansätze gesetzt, die den natürlichen Wasserkreislauf berücksichtigen. Dazu gehören:

  • Rückhalteflächen: Das Schaffen und Erhalten von Überflutungsgebieten, in denen Wasser bei Hochwasserereignissen zurückgehalten werden kann, um den Abfluss zu verlangsamen.
  • Renaturierung von Flüssen: Die Entfernung von Flussbegradigungen und die Wiederherstellung natürlicher Flussläufe, um die Speicherkapazität der Landschaft zu erhöhen.
  • Blau-grüne Infrastruktur: Die Kombination von Wasser- und Grünflächen in urbanen und ländlichen Gebieten, um Regenwasser zu speichern und die Versickerung zu fördern.

Landschaftsarchitektur und Stadtentwicklung als Schlüssel zur Resilienz

Die Katastrophe hat die Bedeutung einer nachhaltigen Landschafts- und Stadtplanung unterstrichen. Folgende Maßnahmen könnten dazu beitragen, die Resilienz des Ahrtals gegen zukünftige Fluten zu erhöhen:

  1. Flächenentsiegelung und Renaturierung
    Versiegelte Flächen wie Straßen und Parkplätze verhindern die natürliche Versickerung von Regenwasser und tragen so zur Hochwassergefahr bei. Durch die Reduzierung versiegelter Flächen und die Renaturierung von Flussauen kann die Wasseraufnahmefähigkeit des Bodens verbessert werden.
  2. Wassermanagement in urbanen Räumen
    In Städten können Maßnahmen wie Regenrückhaltebecken, begrünte Dächer und durchlässige Pflasterbeläge dazu beitragen, Starkregenereignisse abzufedern. Solche blau-grünen Infrastrukturen fördern die natürliche Wasserzirkulation und reduzieren die Belastung der Kanalisation.
  3. Resiliente Bauweise
    Häuser und Infrastruktur sollten so gestaltet werden, dass sie Hochwasser besser standhalten. Dies umfasst etwa erhöhte Fundamente, wasserabweisende Baumaterialien und modulare Bauweisen, die eine schnelle Reparatur ermöglichen.

Politische und gesellschaftliche Verantwortung

Die Flutkatastrophe war nicht nur eine Natur-, sondern auch eine gesellschaftliche Krise, die auf Versäumnisse in der Politik und Verwaltung hinwies.

Mängel in der Krisenkommunikation
Die unzureichende Warnung der Bevölkerung und die mangelhafte Koordination zwischen verschiedenen Behörden wurden vielfach kritisiert. Der Fall zeigt, wie wichtig es ist, Frühwarnsysteme zu modernisieren und klarere Kommunikationswege zu etablieren.

Gesetzliche Rahmenbedingungen
Eine weitere Herausforderung besteht darin, den Hochwasserschutz rechtlich besser zu verankern. Dazu gehört, Überschwemmungsgebiete konsequenter auszuweisen und Bebauungen in gefährdeten Zonen stärker zu regulieren.

Beteiligung der Zivilgesellschaft
Der Wiederaufbau des Ahrtals hat gezeigt, wie wertvoll das Engagement von Freiwilligen und lokalen Initiativen ist. Um langfristig resilienter zu werden, sollten solche Strukturen gefördert und in Katastrophenschutzpläne integriert werden.

Langfristige Wiederaufbaumaßnahmen im Ahrtal

Die Wiederaufbauarbeiten im Ahrtal konzentrieren sich nicht nur auf die materielle, sondern auch auf die soziale und wirtschaftliche Erholung der Region.

Infrastruktureller Wiederaufbau
Der Fokus liegt auf dem Bau robusterer Verkehrswege, der Reparatur von Brücken und der Verbesserung der Energie- und Wasserversorgung. Dabei werden modernste Standards berücksichtigt, um die Infrastruktur widerstandsfähiger gegen zukünftige Ereignisse zu machen.

Sozialer Wiederaufbau
Die Unterstützung der betroffenen Bevölkerung ist ein zentraler Aspekt des Wiederaufbaus. Neben finanzieller Hilfe werden psychologische Beratungsangebote und Gemeinschaftsprojekte gefördert, um den sozialen Zusammenhalt zu stärken.

Förderung nachhaltiger Entwicklung
Die Flut hat die Chance eröffnet, das Ahrtal nachhaltiger und resilienter zu gestalten. Projekte zur Förderung des Tourismus, der Regionalwirtschaft und der ökologischen Landwirtschaft sind Beispiele für einen zukunftsorientierten Wiederaufbau.

Lehren für die Zukunft

Die Flutkatastrophe im Ahrtal war ein Weckruf, der weit über die Region hinausreicht. Sie hat die Dringlichkeit unterstrichen, sich besser auf die Folgen des Klimawandels vorzubereiten und den Umgang mit Extremereignissen grundlegend zu überdenken.

Ganzheitlicher Ansatz im Hochwasserschutz
Künftige Maßnahmen müssen nicht nur technologische, sondern auch ökologische, soziale und kulturelle Aspekte berücksichtigen. Dies erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

Bildung und Bewusstseinsbildung
Die Sensibilisierung der Bevölkerung für Hochwasserrisiken und die Förderung eines nachhaltigen Umgangs mit natürlichen Ressourcen sind zentrale Aufgaben. Bildungskampagnen und lokale Initiativen können dazu beitragen, das Bewusstsein für die Bedeutung von Klimaschutz und Resilienz zu stärken.

Internationale Perspektive
Die Ereignisse im Ahrtal stehen in einem globalen Kontext. Der Austausch von Wissen und Best Practices auf internationaler Ebene kann dazu beitragen, weltweit von den Erfahrungen zu profitieren und effektive Lösungen zu entwickeln.

Fazit

Die Flutkatastrophe im Ahrtal 2021 war eine Tragödie, die tiefgreifende Spuren hinterlassen hat. Sie hat jedoch auch die Chance eröffnet, die Region nachhaltiger und resilienter zu gestalten und wichtige Lehren für den Umgang mit Extremwetterereignissen zu ziehen. Durch eine Kombination aus technologischem Fortschritt, ökologischer Sensibilität und gesellschaftlichem Engagement kann das Ahrtal nicht nur wiederaufgebaut, sondern auch zu einem Vorbild für zukunftsfähigen Hochwasserschutz werden. Die Katastrophe mahnt uns, die Verantwortung gegenüber unserer Umwelt und künftigen Generationen ernst zu nehmen – eine Herausforderung, die weit über die Grenzen des Ahrtals hinausreicht.

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Etwa 50 Prozent des Quartiers Baumkirchen Mitte bleiben als öffentliche Grünflächen erhalten, die nicht nur Erholung bieten, sondern auch eine ökologische Vernetzung fördern, die für die Tierwelt von großer Bedeutung ist. Foto: Marcus Hassler

Wo Lokomotiven einfuhren, wächst seit 2013 das visionäre Stadtquartier „Baumkirchen Mitte“ in Berg am Laim heran. Hier verschmelzen städtische Lebensräume und Natur zu einem harmonischen Ensemble, das nicht nur Wohnraum und Arbeitsplätze, sondern auch großzügige Grünflächen und ökologische Oasen bietet. Durch die organischen Bauformen und die Liebe zum Detail hat das Areal eine unverwechselbare Identität erhalten – ein Ort, der Vergangenheit und Moderne in spannender Symbiose vereint. Im Folgenden stellt das Büro mahl gebhard konzepte sein Projekt selbst vor. 

Ein neues Stadtquartier mit historischer Prägung

Auf dem 15 Hektar großen Gelände des ehemaligen Bahnbetriebswerkes München 4 in Berg am Laim entsteht seit 2013 das Stadtquartier „Baumkirchen Mitte“. Fast 70 Jahre lang wurden hier Lokomotiven und Güterwaggons rangiert und repariert. Nun bietet das Areal Raum für etwa 1 300 Einwohner*innen, Arbeitsplätze, Einzelhandel und öffentliche Grünflächen. Grundlage für das Bebauungsplanverfahren war ein 2010 von der Landeshauptstadt und CA Immo durchgeführter städtebaulicher und landschaftsplanerischer Ideenwettbewerb, aus dem der Entwurf von Peter Ebner & Friends und von Mahl Gebhard Konzepte siegreich hervor ging. Der Entwurf überzeuge die Jury im besonderen Maße durch eine für das Gebiet neuartige Struktur. Es entstünde eine einheitliche Bebauung, die von ausgedehnten Grünflächen umschlossen wird. Dieser Entwurf, der sich durch mutig, geschwungene Baukörper auszeichnet, die fließende Räume erzeugen war Grundlage für das sich anschließende Bauleitplanverfahren. Die Freiflächen mit ihren integrierten Spielflächen sollen die Anwohner sowie Besucher zum Verweilen und Erholen einladen.

Freiflächengestaltung und ökologische Balance

Die Landschaftsarchitekt*innen von mahl gebhard konzepte (München) achteten bei der Entwicklung des Quartiers auf eine doppelte Innenentwicklung: So ist für das Quartier Baumkirchen Mitte neben den unverwechselbaren, organisch anmutenden Gebäudekörpern, der sehr hohe Grünanteil prägend. Etwa 50 Prozent des Gesamtareals sind bebaut, die restliche Fläche bleibt im Hinblick auf urbanes Grün als öffentliche Grünfläche und ökologische Vorrangfläche erhalten und wird als Landschaftspark gestaltet. Durch den Erhalt der ökologischen Vorrangfläche bleibt, die für München so relevante Kaltluftschneise erhalten und dennoch kann die geforderte städtische Dichte eingehalten werden. Einen weiteren Mehrwert stellen die neu entstandenen Wohnhöfe bzw. Quartiersmitten wie der Mattoneplatz dar. Sie sprechen grundsätzlich die Sprache des Gesamtareals und verstärken die geschwungenen Strukturen.

Integration von Natur und Stadtplanung

Durch sie wurde eine qualitativ wie quantitativ gute Versorgung der Wohngebiete mit öffentlichen Grün- und Freiflächen für die Erholung verwirklicht – insbesondere auch unter dem Gesichtspunkt der Verringerung des Nutzungsdruckes auf die ökologische Vorrangfläche. Bei der Lage der öffentlichen Grünflächen wurde auf gute räumliche Zuordnung und weitere mögliche Aneignungs- und Verknüpfungsmöglichkeiten besonders auch in Richtung des Rosenheimer Bahndamms geachtet. An der übergeordneten Grünstruktur orientierten sich daraufhin die Baukörper. Im Entwurf soll ein Nebeneinander unterschiedlicher Nutzungsräume entstehen, die sich verschränken und überlagern. Die Privatheit der Wohnhöfe soll davon unberührt bleiben.

Bäume als Leitbild

Wiederkehrendes Gestaltungselement ist die waggonartige Reihung von drei bis fünf zu pflanzenden Bäumen, die den genius loci der ehemaligen Nutzung in der neu gebauten Fläche anschaulich machen sollen. Um den jeweiligen Räumen eine eindeutig wahrnehmbare Gestalt zu geben, bestehen die Baumgruppen aus jeweils einer Gattung und Art. Die öffentlichen und privaten Freiflächen erhalten durch die unterschiedliche Pflanzenverwendung (Leitbaumarten, Wuchsklassen) eine jeweils eigenständige Identität. Dabei wurden je 200 Quadratmeter nicht überbaute Grundstücksfläche ein Baum gepflanzt. Auf die entsprechende Mindestüberdeckung der Substratstärke über Tiefgarage ist zu achten. Die Pflanzauswahl in den Höfen enthält mindestens 50 Prozent Bäume zweiter Ordnung.

Der Bestand als „Hot Spot“ der Biodiversität

Pflanzenwuchs auf aktiven Bahnflächen unterliegt permanenter Störungen. Fallen Bahnflächen aus der Nutzung, so regiert die Vegetation relativ rasch darauf. Deshalb sind die stillgelegten Gleisanlagen heute von mosaikartiger Vegetation geprägt und erhalten ihren eigenen Charme durch die offenen Ruderalflächen, die sich mit aufkommenden Birken und rahmenbildenden, älteren Gehölzen abwechseln.

Kurzum: Das Bahnbetriebswerk entwickelte sich durch die Stilllegung zu einer naturnahen Bahnbrache. Humusarme Substrate (z.B. Gleisschotter) speichern kaum Wasser und begünstigen dadurch schüttere Magerrasen. So ist hier ein „Hot Spot“ der Biodiversität entstanden, das dem Areal in Kombination mit der belassenen Gleisanlage eine besondere Identität verleiht. Mehrere geschützte Tier- und Pflanzenarten (48 Rote-Liste-Arten) haben aufgrund der für sie idealen, trockenen und heißen Standortbedingungen und der Mischung aus lückiger, niedriger Vegetation und besonnten Säumen und Gebüschen einen Vorkommensschwerpunkt. Die angrenzenden noch aktiven Bahnanlagen sind darüber hinaus als Ausbreitungsachse und somit für den Biotopverbund bedeutend. Von den in mehreren Kartierungsdurchgängen in den Jahren 2008 und 2009 nachgewiesenen Arten sind die streng geschützte Zauneidechse sowie die besonders geschützte Blauflügelige Ödlandschrecke und die Blauflügelige Sandschrecke von hoher naturschutzfachlicher Bedeutung und daher wertbestimmend. Aber auch kleine Wirbeltiere wie die Zauneidechse können auf der Vorrangfläche beobachtet werden – sie sind streng geschützt (§7 (2) 14, ‎BNatSchG).

Pflege- und Schutzkonzept für die Biodiversität

Die Habitate der Bahnanlagen sind charakteristische Bestandteile der Natur in der Stadt und spielen eine wichtige Rolle für den Artenschutz. Um diesen naturnahen Trockenstandort mit seiner hohen Artenvielfalt zu erhalten, wurde ein Pflege- und Entwicklungskonzept aufgestellt. Die Sukzession führt ohne weitere Pflege zu waldartigen Beständen, weshalb die immer wiederkehrende Zurücknahme des

Gehölzaufwuchses und die Freihaltung geeigneter, besonnter Standorte wichtige Maßnahmen darstellen. Im Bereich der Sukzessionsflächen wird das Totholz belassen, um Insekten und kleinen Wirbeltieren Unterschlupf zu bieten. Die Rohbodenrotation bietet nicht nur Reptilien wie der Zauneidechse einen idealen Standort, um ihre Eier in die sandigen Böden zu legen.

Nachhaltige Stadtentwicklung

Die naturschutzfachlichen Entwicklungsziele für das Untersuchungsgebiet umfassen den Erhalt und die Pflege von Flächen, die als bevorzugte Lebensräume für die Zauneidechse gelten. Ebenso wird der größtmögliche Erhalt von Flächen mit hoher und mittlerer Bedeutung für die Wert bestimmenden Tierarten angestrebt. Weiterhin soll der räumliche Verbund der Flächen zu angrenzenden Lebensräumen gesichert und die Standorte als Teil einer linearen Vernetzungsachse erhalten und optimiert werden. Ein weiteres Ziel ist die Sicherung und Förderung der Populationen der geschützten Arten durch gezielte Pflegemaßnahmen im Bereich der ökologischen Vorrangfläche. Diese Maßnahmen sollen durch ein dynamisches, dreistufiges Pflegekonzept erreicht und langfristig gesichert werden, das sowohl den fachlichen Ansprüchen als auch der pragmatischen Umsetzbarkeit in Bezug auf die Topografie gerecht wird.

Minimaler Eingriff – Monitoring und Erlebnispfad

Die geplante Umsetzung des gesamten Bauvorhabens wurde in 10 Bauabschnitte unterteilt, deren Abfolge sich von Osten (Baumkirchner Straße) nach Westen erstreckt, und somit eine sinnvolle logistische bauliche und nutzungsbezogene Abwicklung in mehreren Schritten mit geringerer Baustellenbelastung bedeutet. Eine besondere Herausforderung stellte die Zugänglichkeit der ökologischen Vorrangfläche dar: Mittels aufwändigen Monitorings und eigens entwickelter Stege konnten naturschutzfachliche Belange eingehalten werden und dennoch von Anwohnern als naturnaher Erholungsraum barrierefrei erschlossen werden. Der enorme Höhenunterschied zwischen Wohnbebauung und ökologischer Vorrangfläche konnte mit Rampen ausgeglichen werden. Der Erlebnispfad im tieferliegende Gleisbereich ist auf der Westseite über Treppen und an der Ostseite durch eine barrierefreie Rampe erreichbar. Der aufgeständerte Weg führt vorbei an der historischen Eisenbahn-Drehscheibe, mit der früher Waggons und Lokomotiven bewegt wurden. Hier ist eine Tribüne entstanden, sodass die Lokdrehscheibe als Freilufttheater dienen kann.

mahl gebhard konzepte

Das Büro mahl·gebhard·konzepte mit Sitz in München wurde 1986 gegründet und 2009 in eine Partnerschaftsgesellschaft mit Andrea Gebhard und Johannes Mahl-Gebhard als Geschäftsführer umfirmiert. 2022 wurden Markus Anzengruber, Johannes Kruck, Annette Pfundheller und Katrin Rismont PartnerInnen des Büros. Seither steht Johannes Mahl-Gebhard als Berater zur Verfügung. mahl·gebhard·konzepte beschäftigt 40 Mitarbeiter*innen aus den Disziplinen der Landschaftsarchitektur, Landschaftsplanung, Umweltökologie, Stadtplanung, Architektur und Urban Design.

In der Nutzung von Ansätzen, Denkweisen oder Methoden verschiedener Fachrichtungen sehen wir nicht nur die Möglichkeit, Planungen an den unterschiedlichen Bedürfnissen unserer Zeit zu orientieren, sondern auch die Chance Ökologie und Ästhetik zukunftsweisend zu verbinden. Langjährige Erfahrung, erworbene Vielseitigkeit, effiziente Arbeitsabläufe, eine klare gestalterische Sprache und realisierbare Visionen helfen uns dabei, das besondere Gesamte zu schaffen.

Landschaftsarchitektur sucht im Spannungsfeld der Planungen von Architektur, Städtebau und Infrastruktur nach neuen räumlichen Aussagen, kulturellen Eigenarten und gestalterischen Perspektiven. Hierbei ist die Rückkopplung von Landschaftsarchitektur mit den gesellschaftlichen Strukturen und zeitgenössischen Kontexten nicht nur notwendig, sondern unerlässlich.

Weiterlesen: In der G+L 09/24 stellen wir 54 Stadtoasen aus fünf Ländern vor. Das Heft ist im Shop erhältlich. Weiter grüne Oasen sind hier zu entdecken.

 Übrigens: Die Internationale Bauausstellung (IBA) der Metropolregion München 2034 sucht nach Ideen für die Mobilität der Zukunft.

 

Ungenutzte Brückenkonstruktionen können im urbanen Umfeld ungeahnte Möglichkeiten bieten. Berühmtestes Vorbild für eine aufgeständerte Nachnutzung ist wohl der New Yorker High Line Park, gelegen auf einer stillgelegten Hochbahntrasse. Eine ähnliche Strategie verfolgt die Stadtverwaltung von Seoul: ein groß angelegtes Stadtentwicklungsprogramm soll die Stadt grüner und für Fußgänger attraktiver gestalten. Herzstück der Planung ist dabei der kürzlich eröffnete Seoullo 7017 Skygarden von MVRDV.

Transformation einer Hochstraße zum Park

Freiräume sind in Seoul ein seltenes Gut. Die Bevölkerungsdichte ist rund viermal so hoch wie in Berlin und das Zentrum ist von versiegelten Verkehrsflächen geprägt. Nach der Umsetzung des städtischen Programms, wurde eine rund einen Kilometer lange Hochstraße vom Verkehr befreit. Die Architekten des niederländischen Büros MVRDV gewannen die Ausschreibung im Jahr 2015 und verwandelten die ehemalige Stadtautobahn in einen attraktiven städtischen Park. Das verästelte, geschwungene Brückenbauwerk stellt damit eine wichtige Fußgängerverbindung im unmittelbaren Umfeld des Hauptbahnhofs dar.

Pflanzenbibliothek aus 24 000 Pflanzen

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