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Tirana experimentiert mit großflächigem autofreien Wohnen

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Luftaufnahme von Bozen am Tag, fotografiert von Etienne Girardet
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Autofreie Quartiere? Tirana wagt, wovon viele deutsche Städte nur träumen. Mit radikalem Pragmatismus und urbaner Kreativität testet die albanische Hauptstadt, was passiert, wenn Autos ausgesperrt werden und der Stadtraum zum Lebensraum wird. Ein urbanes Reallabor, das Staunen lässt – und Fragen aufwirft: Sind großflächig autofreie Wohngebiete der Schlüssel zur nachhaltigen Stadt? Was lernen wir aus Tiranas Experimenten? Und wie viel Mut braucht es für die Verkehrswende wirklich?

  • Überblick über Tiranas großflächige autofreie Wohnprojekte und deren städtebauliche Hintergründe
  • Analyse der gesellschaftlichen, ökologischen und wirtschaftlichen Auswirkungen autofreier Quartiere
  • Einblicke in Planungsprozesse, Governance-Strukturen und Beteiligungsmodelle vor Ort
  • Vergleich mit Ansätzen und Hemmnissen in Deutschland, Österreich und der Schweiz
  • Diskussion der Herausforderungen: Akzeptanz, Mobilität, Infrastruktur und soziale Integration
  • Chancen für nachhaltige Stadtentwicklung und innovative Landschaftsarchitektur
  • Kritische Reflexion: Kommerzialisierung, soziale Gerechtigkeit und Reproduzierbarkeit
  • Fazit mit Handlungsempfehlungen und Ausblick für die deutschsprachige Planungspraxis

Tirana als urbanes Reallabor: Die Geburt autofreier Quartiere

Wer an Tirana denkt, hat selten die Vision einer Vorreiterstadt für nachhaltige Mobilität vor Augen. Jahrzehntelang galt die albanische Hauptstadt als Sinnbild für chaotischen Verkehr, wild wuchernde Bausubstanz und fehlende urbane Steuerung. Doch seit einigen Jahren überrascht Tirana mit einer beispiellosen urbanistischen Kehrtwende. Mitten in einer der am schnellsten wachsenden Städte Europas entstehen Flächen, auf denen Autos keinen Platz mehr haben – und das in einem Ausmaß, das in Berlin, München oder Zürich für kollektives Herzrasen sorgen würde.

Der Motor dieser Transformation ist eine Mischung aus Notwendigkeit, politischem Pragmatismus und visionärem Gestaltungswillen. Während viele westeuropäische Städte im Klein-Klein der Verkehrsberuhigung verharren, setzt Tirana auf radikale Experimente. Ganze Stadtteile werden autofrei konzipiert, temporäre Sperrungen werden schnell zur Dauereinrichtung. Der zentrale Skanderbeg-Platz, einst verstopft von Autos, ist heute ein urbanes Wohnzimmer für Zehntausende. Neue Wohnquartiere wie das „New Bazaar“-Viertel oder der „Lana River“-Korridor entstehen mit explizitem Fokus auf Fußgänger, Radfahrer und öffentliche Räume. Eines ist klar: In Tirana ist die Idee des autofreien Wohnens nicht bloße Vision, sondern gelebte Praxis.

Hinter dieser Dynamik steckt ein urbanes Selbstverständnis, das weit mehr ist als Marketing. Die Stadtverwaltung agiert als Impulsgeberin, die Planungsteams sind international besetzt und bringen frischen Wind ins albanische Stadtgeflecht. Das Ziel ist kein dogmatischer Verzicht, sondern die Rückeroberung des öffentlichen Raums. Die Innenstadt soll wieder zum sozialen und kulturellen Herz werden, nicht zur Abkürzung zwischen Parkhaus und Bürogebäude. Dabei wird bewusst auf temporäre Maßnahmen gesetzt: Pop-up-Fußgängerzonen, mobile Grünanlagen, flexible Möblierung – alles wird ausprobiert, alles kann sich verändern. Die Botschaft an die Bevölkerung: Diese Stadt gehört euch, und sie kann anders aussehen als gestern.

Natürlich ist diese Transformation kein Selbstläufer. Tirana steht vor denselben Herausforderungen wie jede andere europäische Großstadt: Wohnraummangel, soziale Segregation, Verdrängungseffekte, infrastrukturelle Defizite. Doch das Experimentieren mit autofreien Quartieren wird nicht als Allheilmittel verkauft, sondern als Schritt in einem offenen Prozess. Die Stadt begreift sich als Labor, in dem Fehler erlaubt sind und Rückschritte Teil des Lernens. Gerade diese Ehrlichkeit macht Tirana so spannend für Planer und Urbanisten im deutschsprachigen Raum.

Die eigentliche Innovation liegt jedoch nicht im Design einzelner Plätze, sondern in der systemischen Herangehensweise. Autofreie Quartiere werden nicht als Inseln betrachtet, sondern als Netzwerke, die sukzessive wachsen und sich verbinden. Statt auf Verbote zu setzen, wird der öffentliche Raum attraktiv und vielseitig gestaltet. Die Menschen sollen nicht verzichten – sie sollen gewinnen. Und genau darin liegt die Kraft dieses urbanen Experiments.

Städtebau ohne Auto: Neue Räume, neue Konflikte, neue Chancen

Autofreies Wohnen ist weit mehr als die bloße Sperrung von Straßen. Es bedeutet nichts Geringeres als die Neudefinition von Stadtraum, Alltagsmobilität und sozialem Leben. In Tirana zeigt sich, wie tiefgreifend dieser Wandel sein kann – und wie sehr er bestehende Routinen, Gewohnheiten und Machtverhältnisse infrage stellt. Für Planer, Architekten und Landschaftsgestalter eröffnen sich dabei ebenso viele Chancen wie Konfliktfelder.

Beginnen wir mit dem Offensichtlichen: Der Wegfall des Autos als zentrales Mobilitätsmittel verändert die Quartiersstruktur fundamental. Flächen, die früher Parkplätzen, Zufahrten oder Straßenrändern vorbehalten waren, werden zu Spielplätzen, Parks, urbanen Gärten oder Gastronomieflächen. Dieser Zugewinn an öffentlichem Raum ist nicht nur ästhetisch reizvoll, sondern schafft auch neue soziale Schnittstellen. Begegnung, Teilhabe und Nachbarschaft bekommen einen anderen Stellenwert. Die Innenstadt wird zum kollektiven Wohnzimmer – und das nicht als Worthülse, sondern als gelebte Realität.

Doch neue Freiräume bringen auch neue Aushandlungsprozesse mit sich. Wer darf wie viel Raum beanspruchen? Wie werden Nutzungskonflikte moderiert? Wie gelingt der Spagat zwischen Kommerzialisierung und Gemeinwohl? In Tirana setzt man auf ein flexibles, iteratives Management. Temporäre Interventionen dienen als Testballon, auf deren Basis Anpassungen erfolgen. Die Verwaltung tritt als Moderator auf, nicht als Diktator. Diese Offenheit fördert Akzeptanz und reduziert Widerstände, zumindest mittelfristig.

Ein zentrales Thema ist die soziale Gerechtigkeit. Autofreie Quartiere bergen die Gefahr, neue Ausschlüsse zu erzeugen – etwa für ältere Menschen, mobilitätseingeschränkte Gruppen oder wirtschaftlich Schwächere. Tirana begegnet dieser Herausforderung mit gezielten Maßnahmen: barrierefreie Wegeführungen, günstige Carsharing-Angebote für unverzichtbare Fahrten, sozial durchmischte Wohnungsvergaben. Perfekt ist das System nicht, aber es zeigt: Wer den Mut hat, groß zu denken, muss auch groß in sozialer Verantwortung handeln.

Schließlich stellt sich die Frage nach der ökologischen Wirkung. Autofreie Quartiere reduzieren Lärm, verbessern die Luftqualität und fördern das Stadtklima. Sie ermöglichen eine dichtere Begrünung, mehr Versickerungsflächen und Biodiversität. In Tirana sind erste positive Effekte bereits messbar, auch wenn eine grundsätzliche Transformation der gesamten Stadt noch aussteht. Spannend bleibt, wie dauerhaft diese Wirkungen sind – und wie sie sich skalieren lassen. Hier liegt ein enormes Forschungsfeld für Landschaftsarchitektur und urbane Ökologie.

Planen, steuern, überzeugen: Governance und Beteiligung auf Tiranas Art

Autofreie Quartiere entstehen nicht im luftleeren Raum. Sie sind das Ergebnis komplexer Governance-Prozesse, in denen Stadtverwaltung, Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zusammenwirken. Tirana sticht dabei durch eine bemerkenswerte Mischung aus zentraler Steuerung und partizipativer Offenheit hervor. Die Stadtverwaltung agiert als Initiatorin und Ermöglicherin, nicht als alles kontrollierende Instanz. Sie gibt Impulse, setzt Rahmen, ist aber bereit, sich von den Ideen und Bedürfnissen der Bevölkerung überraschen zu lassen.

Ein Herzstück des Erfolgs ist die kontinuierliche Kommunikation. Informationskampagnen, öffentliche Workshops, temporäre Interventionen und digitale Beteiligungstools sorgen dafür, dass die Bevölkerung nicht nur Zuschauer, sondern Mitgestalter ist. Konflikte werden nicht ausgesessen, sondern offen adressiert. Gerade in den ersten Wochen nach der Einführung autofreier Zonen ist das Feedback aus der Nachbarschaft Gold wert. Die Bereitschaft, Maßnahmen zurückzunehmen oder anzupassen, ist in Tirana gelebte Praxis – und das schafft Vertrauen.

Die Governance-Strukturen sind bewusst schlank gehalten. Projektgruppen arbeiten interdisziplinär, Entscheidungswege sind kurz, Verantwortlichkeiten klar definiert. Das beschleunigt die Umsetzung und ermöglicht es, auf neue Herausforderungen flexibel zu reagieren. Während in vielen deutschen Kommunen Planungsprozesse oft in endlosen Abstimmungsschleifen versanden, setzt Tirana auf Trial and Error im besten Sinne. Fehler werden nicht versteckt, sondern als Lernchancen begriffen.

Spannend ist auch die Rolle der internationalen Kooperation. Tirana arbeitet eng mit europäischen Partnerstädten, Urbanisten und NGOs zusammen. Wissenstransfer und gemeinsames Lernen sind ausdrücklich erwünscht. Gleichzeitig behält die Stadt ihre Eigenlogik und passt internationale Vorbilder an lokale Gegebenheiten an. Das Resultat ist ein hybrides Urbanismusmodell, das weder blinder Import noch abgeschottete Sonderlösung ist.

In der Beteiligung zeigt sich eine weitere Stärke: Die Verwaltung versteht, dass Partizipation kein Selbstzweck ist, sondern ein strategisches Werkzeug. Wer die Menschen einbindet, erhöht die Akzeptanz, reduziert Widerstände und gewinnt wertvolle Alltagskompetenz. In Tirana ist die Beteiligung kein Feigenblatt, sondern ein integraler Bestandteil der Planungskultur. Für die deutschsprachige Planungspraxis ein Impuls, Partizipation nicht länger als lästige Pflichtübung, sondern als Chance zur echten Innovation zu begreifen.

Von Tirana lernen: Übertragbarkeit, Grenzen und Perspektiven für Mitteleuropa

Die große Frage bleibt: Lässt sich das Tirana-Modell auf Deutschland, Österreich oder die Schweiz übertragen? Wer die Rahmenbedingungen nüchtern betrachtet, erkennt schnell: Die Ausgangslage ist grundverschieden. Tirana profitiert von einer vergleichsweise jungen, dynamischen Stadtgesellschaft, einem pragmatischen Politikstil und der Fähigkeit, Flächen schnell umzuwidmen. Eigentumsstrukturen sind weniger zersplittert, die Partizipationskultur ist experimentierfreudig, der Veränderungsdruck enorm.

Mitteleuropäische Städte stehen anderen Herausforderungen gegenüber. Der Bestand ist historisch gewachsen, Eigentumsverhältnisse sind komplex, rechtliche Rahmenbedingungen oft starr. Die politische Kultur ist auf Konsens und Risikovermeidung ausgerichtet, was Innovationen erschwert. Hinzu kommt ein hoher Motorisierungsgrad, starke Autolobbys und eine Bevölkerung, die Veränderungen nicht immer als Gewinn, sondern oft als Bedrohung empfindet. Wer hier autofreie Quartiere plant, muss dicke Bretter bohren – und eine Menge Überzeugungsarbeit leisten.

Und dennoch: Tiranas Erfahrungen liefern wertvolle Anstöße für die deutschsprachige Stadtentwicklung. Sie zeigen, dass Mut zu temporären Maßnahmen, flexible Steuerung und echte Beteiligung entscheidende Erfolgsfaktoren sind. Sie machen deutlich, dass Experimente im öffentlichen Raum keine Gefahr, sondern eine Chance sind. Gerade für die Landschaftsarchitektur eröffnen sich neue Spielfelder: temporäre Parks, mobile Begrünung, multifunktionale Freiräume. Auch die Verknüpfung mit nachhaltiger Mobilität – etwa durch Carsharing, E-Bikes oder On-Demand-Shuttles – ist ein Feld, das in Mitteleuropa noch viel zu wenig bespielt wird.

Gleichzeitig mahnt Tirana zur Ehrlichkeit: Nicht alles ist übertragbar, nicht jedes Erfolgsrezept funktioniert eins zu eins. Die Gefahr der Gentrifizierung, der sozialen Spaltung oder der Kommerzialisierung des öffentlichen Raums bleibt bestehen. Wer autofreie Quartiere plant, muss diese Themen im Blick behalten – und soziale Ausgleichsmechanismen von Anfang an mitdenken. Es braucht Mut, aber auch Augenmaß. Sonst droht die Verkehrswende zur neuen Form der Verdrängung zu werden.

Perspektivisch eröffnet das Tirana-Experiment aber vor allem eines: Hoffnung. Hoffnung darauf, dass Stadtentwicklung auch in scheinbar festgefahrenen Systemen neue Wege finden kann. Dass es möglich ist, große Würfe zu wagen, ohne die Bevölkerung zu verlieren. Und dass nachhaltige Mobilität, lebendige Freiräume und soziale Teilhabe keine Gegensätze sind, sondern sich gegenseitig stärken können. Für Planer, Architekten und Entscheider in Deutschland, Österreich und der Schweiz heißt das: Weniger Bedenken, mehr Experimentierfreude. Die Zukunft der Stadt ist offen – und sie beginnt dort, wo wir den Mut haben, das Auto auch mal stehen zu lassen.

Fazit: Autofreie Quartiere – Zwischen Vision, Experiment und Alltag

Das Experiment in Tirana ist mehr als eine kuriose Anekdote aus Südosteuropa. Es ist ein Weckruf für die internationale Stadtentwicklung, der zeigt: Radikale Veränderungen sind möglich, wenn Mut, Pragmatismus und Beteiligung zusammenspielen. Autofreie Quartiere sind kein Allheilmittel – aber sie sind ein kraftvolles Werkzeug, um Städte lebenswerter, gerechter und nachhaltiger zu machen. Sie eröffnen neue Räume für Begegnung, Kreativität und soziale Innovation. Sie stellen alte Gewissheiten infrage und schaffen Platz für neue Ideen.

Für den deutschsprachigen Raum bleibt die Herausforderung, die richtigen Lehren zu ziehen. Nicht jeder Ansatz lässt sich kopieren, nicht jedes Experiment ist ein Vorbild. Aber die Grundprinzipien – temporäre Interventionen, flexible Steuerung, echte Beteiligung und soziale Verantwortung – sind universell. Wer die Verkehrswende ernst meint, muss bereit sein, auch mal Fehler zu machen und daraus zu lernen. Tirana zeigt: Der öffentliche Raum ist das Herz der Stadt. Wer ihn zurückerobert, gewinnt mehr als nur ein paar Quadratmeter – er gewinnt die Zukunft der Urbanität.

Am Ende bleibt festzuhalten: Autofreies Wohnen ist kein Selbstzweck, sondern ein Prozess. Ein Prozess, der Mut erfordert, aber auch Freude macht. Ein Prozess, der Konflikte mit sich bringt, aber noch viel mehr Chancen. Tiranas Experiment ist der Beweis: Städte können sich wandeln, wenn sie wollen. Und vielleicht braucht es manchmal nur einen ersten Schritt – oder einen autofreien Platz – damit aus Vision Wirklichkeit wird.

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Wir sind Fachmedium des Jahres!

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Die Garten + Landschaft ist Fachmedium des Jahres 2017. Das verkündete die Jury auf dem Kongress der Deutschen Fachpresse in Frankfurt am 17. Mai 2017.

Wissen vermitteln, den Horizont erweitern, Perspektiven bieten und Emotionen wecken – mit Tiefgang, einem modernen Layout und dem Anspruch auf Aktualität. Das muss eine gute Fachzeitschrift können. Und wir haben es jetzt schwarz auf weiß: so ein Medium ist die Garten + Landschaft. Gestern wurden wir auf dem Kongress der Deutschen Fachpresse in Frankfurt als beste Fachzeitschrift des Jahres (bis 1 Mio. Umsatz) ausgezeichnet.

Für journalistische Qualität ausgezeichnet

Die Jury war sich einig: „Die Garten + Landschaft versteht es, den Fachzeitschriftenleser auf einer emotionalen Ebene anzusprechen. Der Titel besticht durch ein großzügiges und opulentes Layout, ohne an Sachlichkeit zu verlieren. Typo und Bilder werden vorbildlich eingesetzt“. Sehr gut gefallen haben der Jury auch die strukturierte Leserführung, die vielfältigen Stilformen und die Rubrik „Snapshots“.

Die Garten + Landschaft befindet sich in guter Gesellschaft. Auch die anderen Preisträger überzeugten die Jury von ihrer journalistischen Qualität: Ausgezeichnet wurden unter anderem die Deutsche Apotheker Zeitung, Miss & Mister Handwerk, DeviceMed, Si und die Website Hofheld vom Deutschen Landwirtschaftsverlag.

Zur Hauptjury gehörten Bernd Adam, Geschäftsführer der Deutschen Fachpresse, Wolfgang Beisler, stellvertretender Sprecher der Deutschen Fachpresse und Geschäftsführer des Carl Hanser Verlags, Jörg Dambacher, geschäftsführender Gesellschafter der RTS Rieger Team Werbeagentur, Prof. Dr. Lutz Frühbrodt, Leiter des Studiengangs „Fachjournalismus mit Schwerpunkt Technik“ an der Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt, Stefan Rühling, Vorsitzender der Geschäftsführung der Vogel Business Media und Hans Scheider, Mitgesellschafter der diemedia GmbH.

Hier geht’s zum Probeabo der Garten + Landschaft.

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Disney Dorf – tausend Wohneinheiten mit Micky Maus

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das soll bald in den Disney Storyliving Communities möglich sein. (Foto: Capricorn song / Unsplash)
das soll bald in den Disney Storyliving Communities möglich sein. (Foto: Capricorn song / Unsplash)

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Disney für Erwachsene

Zwei Stunden von Los Angeles entfernt möchte der Disney-Konzern ein erstes Dorf mit tausend Wohneinheiten bauen. Das Micky-Maus Dorf soll dabei den typischen Disneycharme versprühen und junge Menschen, Tourist*innen, aber vor allem auch Senior*innen anziehen. Alles zu dem Projekt – das nur das erste von vielen sein soll – lesen Sie hier.

Im Februar 2022 kündigte Disney „Storyliving“ an: Nachbarschaften oder Communities, die es Fans ermöglichen sollen, „nach neuen Wegen zu suchen, um Disney zu einem größeren Teil ihres Lebens zu machen“. Bei diesen neuen Wohngebieten in ganz Amerika handelt es sich um per Masterplan entworfene Communities, die sich durch „einzigartig gestaltete Räume, einzigartige Annehmlichkeiten und Disneys weltberühmten Service“ auszeichnen werden. Der erste Standort des Disney Dorf wird in Rancho Mirage, Kalifornien, sein. Dies ist der Ort, an dem der Firmengründer Walt Disney einst lebte.

Josh D’Amaro, Leiter von Disneys Abteilung für Parks, Erlebnisse und Produkte, sagte, es sei nur logisch, Nachbarschaften im Stil eines Themenparks zu schaffen: „Seit fast hundert Jahren hat Disney mit seinen Geschichten und Figuren die Herzen der Menschen überall berührt“, sagte er. „Während wir uns auf das nächste Jahrhundert unseres Bestehens vorbereiten, wollen wir neue und aufregende Angebote entwickeln, um die Magie von Disney zu den Menschen zu bringen – indem wir Geschichten in echtes Leben verwandeln.“

Das erste Disney Dorf

Erste Renderings der Storyliving Communities zeigen Orte, die sehr idyllisch und urlaubsähnlich aussehen. Die deutsche Zeitung „Der Spiegel“ hat sie als „ewige Kreuzfahrten“ und „echte Märchenwelten“ beschrieben. Den Bewohner*innen werden zahlreiche Aktivitäten wie Yoga- und Kochkurse sowie ein vielfältiges Wellness-Angebot geboten.

Die Zielgruppe für die Storyliving Communities sind erwachsene Disney-Fans, die eine harmonische Disneyland-Atmosphäre suchen. Diejenigen, die 55 Jahre und älter sind, haben eine starke Bindung zu Disney und blicken auf ältere Filme und erste Besuche in den Disneyland-Parks zurück. Der erste Park eröffnete im Juli 1955 in Anaheim, Kalifornien. Im Oktober 1971 folgte Disney World in Bay Lake, Orlando.

Im Jahr 1996 gründete die Walt Disney Company die Stadt Celebration in Florida, eine Nachbarschaft im Osceola County. Celebration zeichnet sich durch begehbare Straßen, zahlreiche Parks in der Nachbarschaft, günstige Einkaufsmöglichkeiten und traditionelle Wohnformen aus. Sie ist ein Beispiel für den „New Urbanism“, der zeigt, wie die Häuser früher aussahen. Die Stadt befindet sich zwar nicht auf dem Disney-Resort selbst, liegt aber in der Nähe des Parks. Die ersten Häuser wurden von Disneyland-Fans bei einer Tombola gewonnen. Heute befinden sich die Grundstücke von Celebration jedoch alle in Privatbesitz.

Erster Spatenstich im April 2022

Disneys erste Storyliving Community in Rancho Mirage wird den Namen Cotino tragen. Der erste Spatenstich fürs Disney Dorf ist für den 26. April 2022 im Rahmen einer privaten Zeremonie geplant. Das Gelände wird derzeit planiert, was bis zu zwölf Monate dauern kann.

Cotino soll eine Wohnsiedlung, eine 24 Hektar große, schwimmfähige Lagune und ein Resort-Hotel umfassen. Die Wohnmöglichkeiten werden voraussichtlich aus Anwesen, Eigentumswohnungen und Einfamilienhäusern bestehen. Sie sind um eine große Oase mit künstlichen Stränden angeordnet. Die Storyliving Community wird als Gemeindeverband organisiert sein, der von Disney-Mitarbeiter*innen geleitet wird. In der Storyliving Community sollen das ganze Jahr über Veranstaltungen und Unterhaltungsprogramme zum Thema Disney stattfinden.

Gabe Codding, Stadtsprecher von Rancho Mirage, sagte, dass es noch keine Baugenehmigung für Cotino gibt. Dies bedeutet, dass der Bau lange dauern könnte. Der Bebauungsplan für das Grundstück ist zwar bereits genehmigt, doch muss die Gemeinde noch ein Antrags- und Genehmigungsverfahren durchlaufen. Dazu gehören Präsentationen vor dem Architectural Review Board der Stadt, der Planungskommission und dem Stadtrat. Dabei müssen sowohl die Meinungen der Öffentlichkeit als auch die von Fachleuten vorgebrachten Überlegungen und Fragen berücksichtigt werden.

Disney kündigt an, überall in den Vereinigten Staaten Storyliving Communities zu errichten. Es wird jedoch noch einige Jahre dauern, bis die ersten Märchendörfer, das erste Disney Dorf bewohnbar ist – Micky Maus muss sich also noch ein wenig gedulden.

Kritische Stimmen

In den Vereinigten Staaten von Amerika wird häufig beklagt, dass Disney „alles besitzt“, von Fernsehsendern über Filmproduktionsfirmen bis hin zu Zeitungen. Sogar GoPro ist teilweise im Besitz des Unternehmens. Mehr als 210 000 Menschen arbeiten bei dem Unternehmen, das sich nicht mehr im Besitz der Disney-Familie befindet. Stattdessen ist der größte Aktionär die Vanguard Group Inc.

Als Titan in der Welt der Vergnügungsparks, des Fernsehens und der Filme ist Disney nun dabei, sich in die Entwicklung von Wohnvierteln zu versuchen. Dies hat in den sozialen Medien viel Kritik hervorgerufen, die Storyliving als „Gated Community für Disney-Erwachsene“ bezeichnet. Die Idee, dass ein Unternehmen eine Stadt besitzt, ist selbst in den Vereinigten Staaten ungewöhnlich.

Gleichzeitig steht Disney in der Kritik, seine Mitarbeiter*innen unterbezahlt zu haben, was Twitter-Nutzer*innen dazu veranlasst hat, Dinge zu tweeten wie „Irgendwie krank, dass Disney Wohnungen für die Reichen baut, während ein guter Prozentsatz seiner Mitarbeiter obdachlos ist und in ihren Autos lebt, aber das ist eben der Maus-Kapitalismus“. Gleichzeitig hat Disney Pläne für den Bau von 1 300 bezahlbaren Wohnungen in der Nähe des Themenparks in Orlando angekündigt.

Zu einem etwas anderen Park in der kalifornischen Großstadt, können Sie hier etwas lesen.

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