Autonome Lieferroboter in der Citylogistik – Chancen und Konflikte

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Ein Yandex-Lieferroboter rollt autonom eine städtische Straße entlang. Foto von Christine Androsova.

Autonome Lieferroboter sind längst keine futuristische Spielerei mehr – sie rollen testweise durch deutsche Innenstädte, polarisieren Passanten und stellen Stadtplaner vor neue Herausforderungen. Sind sie die nachhaltige Lösung für das steigende Paketaufkommen oder eher rollende Stolpersteine im urbanen Gefüge? Wer genau hinschaut, erkennt: Zwischen Effizienzversprechen, rechtlichen Grauzonen und der Frage nach städtischer Aufenthaltsqualität liegt ein Feld voller Chancen – und Konflikte, die nach klugen Antworten verlangen.

  • Autonome Lieferroboter als neue Akteure der Citylogistik: Definition, Funktionsweise und technologische Grundlagen
  • Potenziale für nachhaltige und emissionsarme urbane Logistik: Umwelt, Verkehrsfluss, Lebensqualität
  • Konfliktfelder im Stadtraum: Nutzungskonkurrenz, Sicherheit, Akzeptanz und regulatorische Fragen
  • Praxisbeispiele aus Deutschland, Europa und internationaler Vergleich: Was funktioniert, was nicht?
  • Rechtlicher Rahmen, Zuständigkeiten und die Rolle der Kommunen
  • Wechselwirkungen mit Stadtgestaltung, öffentlichem Raum und Fußgängerverkehr
  • Chancen für innovative Mobilitätskonzepte und Smart City Strategien
  • Risiken von Kommerzialisierung, sozialer Selektion und digitaler Spaltung
  • Empfehlungen für Stadtplaner, Landschaftsarchitekten und kommunale Entscheider
  • Fazit: Autonome Lieferroboter als Prüfstein und Katalysator für die Stadt der Zukunft

Autonome Lieferroboter: Technik, Versprechen und Status quo

Kaum ein Thema polarisiert die urbane Logistik aktuell so sehr wie autonome Lieferroboter. Die kleinen, meist kastenförmigen Fahrzeuge mit sechs Rädern, Sensoren und Kameras sind in Mitteleuropa noch selten, doch ihre Präsenz wächst kontinuierlich. Technisch betrachtet handelt es sich um elektrisch betriebene, vielfach KI-basierte Fahrzeuge, die selbstständig Pakete oder Lebensmittel auf der sogenannten letzten Meile transportieren. Sie sind mit GPS, Lidar, Ultraschallsensorik und einer Vielzahl von Kameras ausgestattet, um sich durch den dichten, oft unübersichtlichen Stadtraum zu navigieren – meist mit einer Geschwindigkeit zwischen vier und acht Stundenkilometern.

Das Versprechen ist verlockend: Liefervolumen und -frequenz steigen seit Jahren, klassische Transporter verstopfen Straßen, verursachen Emissionen und werden zunehmend als Störfaktor empfunden. Autonome Lieferroboter sollen diese Problematik entschärfen, indem sie emissionsfrei, leise und platzsparend agieren. Sie können rund um die Uhr fahren, lassen sich theoretisch bedarfsgerecht einsetzen und sind besonders für die immer kleinteiligere, zeitkritische Versorgung in dichten Stadtquartieren geeignet. Der Status quo ist dennoch von Pilotprojekten geprägt: In Hamburg und Berlin rollen vereinzelt Starship-Roboter, in Frankfurt testet die Deutsche Post autonome Zustellfahrzeuge, und in anderen europäischen Städten wie Tallinn oder Zürich sind Roboter bereits fester Bestandteil des Stadtbilds.

Doch die Technologie ist nicht frei von Kinderkrankheiten. Navigation im komplexen, ständig wechselnden Stadtraum, das Umgehen von Hindernissen, Interaktion mit Menschen, Wetterbedingungen und technische Ausfälle stellen Entwickler und Betreiber vor immense Herausforderungen. Hinzu kommt: Die Akzeptanz in der Bevölkerung ist keineswegs selbstverständlich. Viele Passanten begegnen den rollenden Robotern mit Skepsis oder sogar Ablehnung – sei es aus Sorge um Sicherheit, Datenschutz oder schlicht aus Unverständnis gegenüber dem Sinn solcher Innovationen.

Fachleute betonen zudem, dass autonome Lieferroboter nicht isoliert betrachtet werden dürfen. Sie sind Teil eines vielschichtigen Transformationsprozesses der urbanen Logistik, der Plattformökonomie, Digitalisierung, Nachhaltigkeit und neue Mobilitätsformen miteinander verknüpft. Ihr Erfolg – oder Misserfolg – hängt maßgeblich vom Zusammenspiel mit anderen Akteuren und Systemen ab: städtische Infrastruktur, Verkehrsplanung, Einzelhandel, Wohnquartiere und nicht zuletzt die Gesetzgebung.

Der aktuelle Stand ist damit ein Zwischenfazit: Die Technik ist marktreif, die Pilotprojekte liefern wertvolle Erkenntnisse, doch der flächendeckende Rollout stockt – weil offene Fragen zu Nutzung, Regulierung und gesellschaftlicher Akzeptanz weiter dominieren. Genau hier beginnt die eigentliche Arbeit für Stadtplaner und Entscheidungsträger.

Chancen für die nachhaltige Citylogistik: Potenziale und Wirkungen

Autonome Lieferroboter werden von ihren Verfechtern als Hoffnungsträger für die urbane Logistikwende gehandelt. Sie versprechen nicht weniger als eine Entkopplung von Lieferaufkommen und motorisiertem Individualverkehr. Ihre elektrische Antriebsweise prädestiniert sie für den Einsatz in emissionsarmen oder autofreien Zonen, was wiederum zur Verbesserung der Luftqualität und zur Reduzierung von Lärm beiträgt. Gerade in dicht bebauten Innenstädten könnten sie helfen, den nach wie vor beträchtlichen Anteil der Logistik am städtischen CO2-Ausstoß deutlich zu senken.

Auch für die Lebensqualität im öffentlichen Raum ergeben sich Perspektiven. Weniger Lieferwagen bedeuten mehr Platz für Fußgänger, Radfahrer und die Gestaltung urbaner Aufenthaltsräume. Lieferroboter sind klein und wendig, können auf Gehwegen, Radwegen oder eigens ausgewiesenen Logistikspuren operieren und beanspruchen vergleichsweise wenig Fläche. Dies eröffnet neue Spielräume für die Umnutzung von Straßenraum – etwa zugunsten von Grünflächen, Spielbereichen oder Außengastronomie.

Ein weiteres Potenzial liegt in der Flexibilisierung der Versorgung. Autonome Roboter können bedarfsorientiert gesteuert werden, etwa zur Nachtzeit, in verkehrsarmen Randstunden oder für die Belieferung von Menschen mit eingeschränkter Mobilität. Für den Einzelhandel entsteht die Chance, neue Services wie Same-Day- oder sogar Same-Hour-Delivery anzubieten, die bislang nur mit erheblichem Personal- und Fahrzeugaufwand zu realisieren waren. Gerade für die Nahversorgung in Quartieren mit älterer oder weniger mobiler Bevölkerung bieten sich neue Möglichkeiten.

Die Digitalisierung der Citylogistik durch autonome Lieferroboter eröffnet zudem Schnittstellen zu Smart City Anwendungen. Intelligente Steuerung, Echtzeitdaten, Logistikplattformen und die Integration in bestehende Mobilitätskonzepte ermöglichen es Städten, Lieferverkehre gezielt zu lenken, Engpässe zu vermeiden und den Ressourcenverbrauch zu optimieren. In der Theorie lassen sich so die Effekte von Lieferverkehr auf Umwelt, Infrastruktur und soziale Dynamik besser steuern als mit klassischen Methoden.

All diese Chancen sind allerdings kein Selbstläufer. Sie greifen nur, wenn Städte den Einsatz autonomer Lieferroboter aktiv gestalten – durch Regulierung, Flächenmanagement, technische Standards und begleitende Kommunikation. Ohne diesen Rahmen droht die Technik, ihre Potenziale zu verspielen oder neue Probleme zu schaffen. Stadtplaner und Landschaftsarchitekten sind deshalb gefordert, frühzeitig an der Entwicklung mitzuwirken und die Schnittstellen zwischen Technologie, Raum und Gesellschaft mitzugestalten.

Konflikte und Herausforderungen im öffentlichen Raum

So verheißungsvoll die Potenziale klingen, so zahlreich sind die Konfliktlinien, die autonome Lieferroboter im Stadtraum aufreißen. Ein zentrales Problem ist die Nutzungskonkurrenz auf Gehwegen und anderen Flächen. Gerade in dicht besiedelten Innenstädten, wo der Raum ohnehin knapp bemessen ist, treffen die neuen Akteure auf Fußgänger, Radfahrer, Menschen mit Kinderwagen oder Rollatoren – und das nicht immer konfliktfrei. Die Geschwindigkeit der Roboter ist zwar niedrig, doch ihre Präsenz kann als störend oder gar gefährlich empfunden werden, insbesondere von Kindern, älteren Menschen oder Menschen mit Sehbehinderung.

Darüber hinaus stellt sich die Frage nach der Verkehrssicherheit. Wer trägt die Verantwortung bei Unfällen? Welche Standards müssen Roboter erfüllen, um sicher im öffentlichen Raum zu navigieren? Bislang gibt es in Deutschland keine bundeseinheitliche Regelung, die den Einsatz von Lieferrobotern auf Gehwegen oder Straßen abschließend regelt. Kommunen müssen sich mit Einzelfallgenehmigungen, Pilotprojekten und rechtlichen Grauzonen behelfen. Das erzeugt Unsicherheit – und bremst die flächendeckende Einführung.

Auch die städtebauliche Qualität steht auf dem Prüfstand. Werden öffentliche Räume zunehmend von gewerblichen Robotern besetzt, droht eine Kommerzialisierung des Stadtraums, die mit dem Leitbild der gemeinwohlorientierten Stadtgestaltung nur schwer vereinbar ist. Es besteht die Gefahr, dass die Interessen der Logistikunternehmen gegenüber denen der Stadtgesellschaft überwiegen, wenn keine klaren Regeln für Aufenthaltsqualität und Nutzungsvielfalt formuliert werden.

Nicht zuletzt ist die soziale Dimension zu bedenken. Autonome Lieferroboter könnten bestehende Ungleichheiten im Zugang zu urbanen Dienstleistungen verstärken, wenn sie vorrangig in zahlungskräftigen Vierteln oder für bestimmte Kundengruppen eingesetzt werden. Auch technikferne oder digital abgehängte Bevölkerungsgruppen könnten von den neuen Angeboten ausgeschlossen bleiben. Die Frage nach sozialer Gerechtigkeit und Teilhabe stellt sich somit mit neuer Dringlichkeit.

Schließlich dürfen die Auswirkungen auf Arbeitsplätze und lokale Wirtschaft nicht übersehen werden. Während die Automatisierung in der Logistikbranche Effizienzgewinne verspricht, könnten klassische Zustellerjobs unter Druck geraten. Für viele Städte stellt sich daher die Aufgabe, die Einführung neuer Technologien sozialverträglich zu gestalten und mögliche Verdrängungseffekte abzufedern.

Regulierung, Governance und die Rolle der Stadtplanung

In der Praxis zeigt sich: Die Einführung autonomer Lieferroboter ist weniger eine technische als vielmehr eine Governance-Herausforderung. Der rechtliche Rahmen ist in Deutschland und vielen europäischen Ländern bislang fragmentiert, mit zahlreichen offenen Fragen. Dürfen Roboter auf Gehwegen fahren? Wer haftet bei Sach- oder Personenschäden? Welche Daten dürfen erhoben und verarbeitet werden? Die Antworten unterscheiden sich von Kommune zu Kommune, oft sogar von Quartier zu Quartier.

Städte stehen damit vor der Aufgabe, eigene Leitlinien und Regelungen zu entwickeln, die den lokalen Kontext berücksichtigen und zugleich Innovationsspielräume offenhalten. Das Spektrum reicht von der Ausweisung spezieller Lieferzonen und Logistikspuren über die Einführung von Betriebserlaubnissen bis hin zu Auflagen für Umweltverträglichkeit, Sicherheit und Datenmanagement. Internationale Beispiele zeigen, dass ein klarer regulatorischer Rahmen die Einführung erleichtert und das Vertrauen der Stadtgesellschaft stärkt – etwa in Estland, wo autonome Lieferroboter bereits seit 2017 rechtlich als Fußgänger gelten und entsprechend behandelt werden.

Die Rolle der Stadtplanung ist dabei zentral. Sie muss nicht nur die räumlichen Voraussetzungen für einen sicheren und effizienten Betrieb schaffen, sondern auch die Integration in bestehende Mobilitäts- und Logistikkonzepte steuern. Das erfordert eine enge Abstimmung mit Verkehrsplanung, Digitalisierung, Umwelt- und Sozialpolitik. Landschaftsarchitekten können dabei helfen, innovative Lösungen für die Gestaltung des öffentlichen Raums zu entwickeln, die Nutzungskonflikte minimieren und Aufenthaltsqualität sichern.

Gleichzeitig sind Transparenz und Partizipation unverzichtbar. Die Einführung autonomer Lieferroboter sollte von einer offenen Debatte über Ziele, Risiken und Gestaltungsmöglichkeiten begleitet werden. Nur so lässt sich vermeiden, dass Technikfolgen im Nachhinein mühsam korrigiert werden müssen. Kommunale Beteiligungsformate, digitale Dialoge und Testfelder können helfen, Akzeptanz zu schaffen und lokale Expertise in die Entwicklung einzubinden.

Schließlich ist auch die Frage der Datenhoheit relevant. Autonome Roboter generieren und verarbeiten enorme Mengen an Bewegungs-, Nutzungs- und Standortdaten. Wer diese Daten kontrolliert, hat erheblichen Einfluss auf die weitere Entwicklung der Logistik, die städtische Infrastruktur und die Privatsphäre der Stadtbewohner. Kommunen sollten daher frühzeitig Regelungen zur Datennutzung, -speicherung und -weitergabe entwickeln, um Missbrauch und Monopolisierung zu verhindern.

Fazit: Lieferroboter als Lackmustest für die urbane Transformation

Die Diskussion um autonome Lieferroboter ist weit mehr als ein technisches Nischenthema. Sie wirkt wie ein Brennglas auf zentrale Fragen der Stadtentwicklung: Wem gehört der öffentliche Raum? Wie gelingt nachhaltige, sozial gerechte Logistik? Wie lassen sich Innovation, Lebensqualität und Gemeinwohl miteinander in Einklang bringen? Die Antworten werden nicht von Algorithmen oder Konzernen geliefert, sondern müssen im Zusammenspiel von Stadtgesellschaft, Politik und Planung gefunden werden.

Autonome Lieferroboter sind kein Allheilmittel für die Herausforderungen der urbanen Logistik, aber sie bieten die Chance, bestehende Strukturen zu hinterfragen und neue Lösungen zu erproben. Sie können helfen, Lieferverkehre zu entflechten, den Straßenraum zu entlasten und nachhaltige Mobilitätskonzepte voranzutreiben – vorausgesetzt, ihre Einführung wird klug gesteuert, partizipativ begleitet und in ein ganzheitliches Stadtentwicklungskonzept eingebettet.

Für Planer, Stadtverwaltungen und Landschaftsarchitekten heißt das: Nicht abwarten, sondern gestalten. Die Erfahrung aus bisherigen Pilotprojekten zeigt, dass technische Innovationen dann akzeptiert werden, wenn sie Teil eines transparenten, gemeinwohlorientierten Prozesses sind. Wer den Wandel proaktiv angeht, kann nicht nur Konflikte entschärfen, sondern die Stadt als Labor für zukunftsfähige Logistik und Aufenthaltsqualität stärken.

Gleichzeitig bleibt Wachsamkeit geboten. Die Risiken der Kommerzialisierung, sozialen Selektion und Datenmonopolisierung sind real und verlangen nach klaren Leitplanken. Autonome Lieferroboter sind Prüfstein und Katalysator zugleich: Sie zeigen, wie offen, lernfähig und mutig unsere Städte wirklich sind. Die Transformation der Citylogistik ist kein Selbstläufer – sie braucht Haltung, Kompetenz und den Willen zum Dialog. Nur dann wird aus der Vision einer nachhaltigen, lebenswerten Stadt Wirklichkeit.

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Domberg Freising: Neugestaltung von Latz + Partner

Ein gepflasterter Hof, an den Rändern von Häusern umgeben, im Zentrum ein Brunnen; auf dem Platz stehen viele Menschen. Im bayerischen Freising gestaltete das Büro Latz + Partner die Freianlagen auf dem Domberg neu. Im Zentrum des neu gestalteten Domplatzes findet sich nun wieder ein Brunnen. Foto: Latz + Partner
Im bayerischen Freising gestaltete das Büro Latz + Partner die Freianlagen auf dem Domberg neu. Im Zentrum des neu gestalteten Domplatzes findet sich nun wieder ein Brunnen. Foto: Latz + Partner

Im bayerischen Freising gestaltet das Büro Latz + Partner die Freianlagen auf dem Domberg neu. Mit Domplatz und Domhof wurde im Frühling 2024 der erste Bauabschnitt eröffnet. Im Interview zum Projekt erläutern Iris Dupper und Tilman Latz von Latz + Partner, was ihr Projekt ausmacht, welche Ansprüche heutzutage an den Domplatz gestellt werden und wie sie die Anlagen auf dem Domberg Freising inklusiver gestalteten.

Ein einzigartiger Resonanzraum

Redaktion G+L: Im Mai dieses Jahres eröffneten Sie den ersten Bauabschnitt Ihres Projektes auf dem Freisinger Domberg: Domplatz und Domhof, beide jeweils neu gestaltet beziehungsweise weiterentwickelt. Was zeichnet das Projekt aus?

Iris Dupper und Tilman Latz: Das Durchschreiten der Torbögen zu den neuen Freiräumen auf dem Domberg wird durch die Umgestaltungen zu einem besonderen Moment: Mit seiner durchgehenden, hellen Oberfläche erscheint der Domplatz wie eine Augenweide zwischen den umliegenden Fassaden von Dom, Marstall, Residenz, St.-Johannes-Kapelle und den Toren zum Belvedere. Locker verteilte Bänke markieren die Platzränder und erlauben heute lockeren Aufenthalt. Ein Brunnen erhebt sich in der Mitte, Wasser fällt aus größerer Höhe aus einem Füllhorn. Sanft plätscherndes Wasser erfüllt den Raum und untermalt die alltäglichen Geräusche von Passanten, Besuchenden, Musikschule und Kirchenveranstaltungen.

Man erlebt nun den Dom neben Dombrunnen und Residenz, zwischen den hohen Domtürmen, Otto von Freising im Grünen und dem schweifenden Ausblick über die flussbegleitenden Isar- und Moosachauen bis hin zum Alpenrand. Es ist ein einzigartiger Resonanzraum entstanden, der zum Verweilen einlädt. In diesem kommt man zur Ruhe, bevor man weiter in den Dom oder den Marstall geht.

Seit 2022 bearbeitet das Büro Latz + Partner im Auftrag des Erzbischöflichen Ordinariats München am Domberg in Freising den Domplatz, Belvedere, Domhof, Kreuzgarten, Flächen in der Residenz, am Neubau des Kardinal-Döpfner-Hauses, dem Anger und am Diözesanmuseum. Plan: Latz + Partner
Seit 2022 bearbeitet das Büro Latz + Partner im Auftrag des Erzbischöflichen Ordinariats München am Domberg in Freising den Domplatz, Belvedere, Domhof, Kreuzgarten, Flächen in der Residenz, am Neubau des Kardinal-Döpfner-Hauses, dem Anger und am Diözesanmuseum. Plan: Latz + Partner

Zentraler Brunnen am Domberg Freising wiedererrichtet

Wie sind sie zu der Gestaltung der zentralen Freiräume auf dem gekommen?

Drei Entscheidungen waren wesentlich:

Zunächst lässt sich eine konsequent kontextuelle Sprache auf den Domplatz und Domhof mit angemessener Materialität und Formensprache ein. Sie unterstreicht die räumlichen Gegebenheiten, wie unterschiedliche Baustile, Dimensionen und Materialität der begrenzenden Fassaden. Beide Räume haben mit diesem Ansatz eine jeweils in sich stimmige Einheit ausgebildet. Gleichzeitig trägt diese zur neuen Vielfalt von Räumen auf dem Domberg bei. Diese Vielfalt entspricht dem historisch überlieferten Bestand an Bauten und Baustilen.

Dann wurde von einer grob gekiesten Fläche zu einem gepflasterten, fein strukturierten Domplatz gewechselt. Dadurch werden auch die Nutzungsmöglichkeiten zeitlich und qualitativ deutlich erweitert und verbessert. Ein diagonal in Passé gesetztes, helles Pflaster stellt ein zurückhaltendes und gleichzeitig robustes Gleichgewicht zu den Architekturen her. Für das Pflaster kam Wachenzeller Dolomit mit Formaten von 8 x 8 bis 12 x 12 Zentimetern mit fein gekrönter Oberfläche und gespaltenen Seiten zum Einsatz. Es wird von materialgleichen, fächerartig gesetzten Plattenstreifen durchzogen. Diese Streifen führen die asymmetrisch zueinander stehenden Fassaden von Dom und Residenz zusammen. In ihrer Größe abgestufte, halbrunde und runde Fassungen betonen die den Plätzen zugewandten Eingänge und den zentralen Brunnen. Dabei wurden die Hauptakteure – Dom, Residenz und Dombrunnen – repräsentativ in der Fläche herausgearbeitet.

Schließlich erhält der Domplatz über die Wiedererrichtung eines zentral gesetzten Brunnens eine seiner Bedeutung entsprechende, attraktive Mitte zurück.

Im Zentrum des Domplatzes auf dem Domberg in Freising stellten der Bauherr und die Planer*innen den Brunnen mit der historischen Skulptur des „Mohren“ wieder auf. Foto: Latz + Partner
Im Zentrum des Domplatzes auf dem Domberg in Freising stellten der Bauherr und die Planer*innen den Brunnen mit der historischen Skulptur des „Mohren“ wieder auf. Foto: Latz + Partner

Räumliches Gefüge neu wahrnehmbar

Was ist der historische Hintergrund des wieder errichteten Brunnens?

Der neue Brunnen interpretiert die vielen Erscheinungsformen, die diese Wasserstelle bis zu seiner Entfernung in der Säkularisation 1803 hatte: erst Pferdeschwemme, dann barocker Brunnen, aber ab 1857 nur noch ein Pflanzbeet mit einer Skulptur von Otto von Freising. Ein neues Rund aus gespaltenen Flusskieseln fasst einen horizontal eingepassten Sockel. Darauf findet sich der neue Brunnen aus Untersberger Marmor mit einer hohen Säule, an dessen Spitze die historische Figur des „Mohren“ ein Füllhorn als Wasserquelle hält. Die Skulptur ist tatsächlich das Original des Hoheitszeichens des Hochstifts Freising. Gemeinsam mit dem Bauherrn beschlossen wir, den Brunnen wieder auf den Domplatz zu stellen. Die Figur von Otto von Freising von Bildhauer Kaspar Zumbusch sollte in Folge dessen in den stilleren, erstmals grünen Domhof versetzt werden. Von dort blickt er heute auf den Durchgang zum Domplatz und die beiden Domtürme, umgeben von Insekten-umschwärmten, schönen Blumen.

Durch diese Veränderungen entstand eine neue Wahrnehmung der Raumfolgen auf dem Domberg.

Zeitgemäße Gestaltung gefragt

Inwiefern muss ein Domplatz anderen Anforderungen gerecht werden als ein profaner Stadtplatz? Wie zeigt sich das in der Gestaltung am Domberg in Freising?

Historisch standen sowohl bei einem Domplatz als auch bei einem „profanen“ Stadtplatz Repräsentationsmöglichkeiten, Funktionalität und Alltagstauglichkeit gleichermaßen im Vordergrund. Im Detail wies die Symbolik geistlicher und weltlicher Art jedoch oft Unterschiede auf. Kirchliche Auftraggeber formulierten nicht selten einen deutlich höheren Anspruch an gestalterische Setzungen. Zudem beauftragten sie mitunter große Baumeister und Künstler für die Gestaltung öffentlichen Raums.

Heute müssen sich beide in gewisser Weise „neu finden“ und gleichermaßen mit oft überbordenden Rechtsvorschriften und Normen, lokalem Denkmal- und Naturschutz, komplexen technischen Anforderungen auseinandersetzen. Man denke nur an unterirdische Leitungen oder Bauten und zunehmende Herausforderungen des Klimawandels. Eine zunehmende Rolle spielen öffentliche Interessenlagen einer diverseren Freizeitgesellschaft, Platz-Klischees und kurzlebige Moden.

Spezifisch am Domplatz Freising ist die Beauftragung durch einen kulturell hochambitionierten, gleichzeitig verantwortlich handelnden wie gesellschaftlich engagierten, privaten Auftraggeber. Das Erzbischöfliche Ordinariat München (EOM) beauftragte uns 2022 mit der Bearbeitung der öffentlichen Räume auf dem Domberg: Domplatz mit Belvedere, Domhof und Kreuzgarten, Flächen im und um die Residenz, Neubau des Kardinal-Döpfner-Hauses (KDH) und um Diözesanmuseum wie auch langer Anger. Der Domberg ist das geistliche Zentrum der Erzdiözese München und Freising. Es ging der EOM um eine zeitgemäße Gestaltung, die einerseits eine angemessene Antwort auf die komplexe räumliche Situation aus verschiedensten Jahrhunderten anzubieten vermag. Andererseits ging es auch darum, verschiedene öffentliche wie private Nutzungsanforderungen und diffizile Fragen des Denkmalschutzes zu integrieren. Auch die besondere Geschichte des Ortes und Bedeutung für Freising galt es zu berücksichtigen.

Plätze zum Im-Augenblick-Verweilen auf dem Domberg Freising

Worauf mussten Sie bei der Umgestaltung achten und was haben Sie im Zuge Ihres Projektes am Domberg im Freising umgesetzt?

Wichtig waren dem Bauherrn zum einen Sicht- und Wegebeziehungen, vor allem zwischen Residenz und Dom, die zum Beispiel bei Prozessionen wichtig sind. Zum anderen waren Nutzungen für Feste mit Musik, Veranstaltungen und Märkte relevant. Die Lage des Brunnes erklärt sich unter anderem durch die gleichzeitige Bedeutung von direkter Verbindung und Inszenierung solcher Bewegungen. Eine Betonung der Hauptbezugsfassaden aus denkmalpflegerischer Sicht war es am Ende auch, die eine Setzung von Bäumen grundsätzlich problematisch erscheinen ließ. Hinzu kamen schwierige Untergrundverhältnisse, die nachhaltige Baumpflanzungen nicht ermöglichten.

Die Akzentuierung der Haupt- und Nebenakteure in der Fläche forderte eine intensive Auseinandersetzung mit der Topografie und Ausrichtung des Platzes. So entwickelten wir ein regelmäßig-konkave Gestaltung des Platzes, die die Fassaden um den Platz betont und den Brunnen in der Mitte unterstützt. Bei einer deutlich im Gefälle liegenden, unversiegelten Platzfläche – ein wichtiges Nachhaltigkeitsziel – mussten wir daher von einer Punktentwässerung auf eine Linienentwässerung wechseln.
Der zentrale Domplatz, als unter Denkmalschutz stehendes Bodendenkmal und Hauptzugang zum Dom und Residenz, und der Domhof, als Nebeneingang in die Dombibliothek und barrierefreier Zugang zu Sakristei und Kreuzgang, sind zum Start der Bayerischen Landesausstellung am 7. Mai 2024 fertiggestellt worden. Nun gibt es auf dem Domberg Plätze zum Verweilen im Augenblick und ohne Konsumzwang.

Bei der Erstellung des letzten Bauabschnittes wird uns noch die Problematik der zur Parkhauszufahrt führenden Straße beschäftigen, die quer über den oberen Platzbereich verläuft. Deren Integration und die gleichzeitige Sicherung der Platzfläche gegen unkontrolliertes Parken wird aber erst mit Abschluss der Bauarbeiten an der Residenz erfolgen.

Die Skulptur Otto von Freisings, die bislang im Domhof stand, verstzten die Planer*innen im Zuge der Neugestaltung in den Domhof. Foto: Latz + Partner
Die Skulptur Otto von Freisings, die bislang im Domhof stand, verstzten die Planer*innen im Zuge der Neugestaltung in den Domhof. Foto: Latz + Partner

Kleine, aber bedeutsame Schritte

Wer schon einmal auf dem Domberg in Freising war, weiß, dass es dort steil hinauf geht. Ein wichtiger Aspekt Ihres Projektes ist Barrierefreiheit. Wie konnten Sie diese bei der Neugestaltung von Domplatz und Domhof verbessern? Und wo stießen Sie dann doch an Grenzen und warum?

Ein topografisch exponiertes und denkmalgeschütztes Gelände wie der Domberg ermöglicht nur kleine, aber bedeutsame Schritte hin zu einer inklusiv begehbaren Anlage.

Neben der Befestigung von Domhof und Domplatz und weg von einer Rieselfläche sind es vor allem kleine Maßnahmen. Das sind zum Beispiel das Anbringen von Handläufen an allen Treppen, rampenartige Zugänge und ebene Durchwegungen mit maximal 5 Prozent Neigungen in den Einzelflächen. Zur Barrierefreiheit gehören für uns ebenfalls die Bereitstellung öffentlicher Toiletten im Durchgang zum Domhof sowie die Positionierung von ausreichend Bänken zum Ausruhen.

Dennoch wird es auch weiterhin Bereiche geben, die nur über Stufen oder deutlich steilere Rampen erreichbar sein werden, wie zum Beispiel das Erreichen der Domberggasse. Dazu gehört zum einen das Belvedere, dessen Einfriedung nicht verändert werden kann. Auch werden wir keine Rampen in den Anger einfügen, um gegebenenfalls die Erschließung zwischen Domberggasse und den verschiedenen Plätzen zu verbessern. Des Weiteren wirkt der Baumbestand auf das Mikroklima.

Freilich war hierzu die wichtigste Entscheidung der EOM, einen Schrägaufzug auf der Südseite des Domberges anzubringen. Dieser verbindet, gut zwischen Bahnhof und Fußgängerzone gelegen, das allgemeine Stadtniveau direkt mit dem Diözesanmuseum. Tatsächlich kann der Schrägaufzug bereits als weitere Attraktion des Dombergs verstanden werden.

Projektdaten

Auftraggeber: Erzdiözese München und Freising

Konzeption: Latz + Partner Prof. Tilman Latz und Iris Dupper

Projektleitung: Dennis Pytlik, Dörte Dannemann

Mitarbeit: Roland Jakob, Junyue Deng, Vera Margasova

Planung seit 2022, Realisierung BA1 Mai 2024

LPH 6–8: NU Stefan Huber Landschaftsarchitektur

Fläche: circa 1 Hektar

Interviewees

Iris Dupper, Landschaftsarchitektin, ist Partnerin und Geschäftsführerin von Latz + Partner. Zuvor hatte sie Studios Îlot für Landschaftsarchitektur, München, gegründet. 2006 war sie die erste Rompreis-Stipendiatin der Villa Massimo für Landschaftsarchitektur.

Tilman Latz, Landschaftsarchitekt, Architekt und Stadtplaner, ist seit 2011 Inhaber und Chefdesigner von Latz + Partner. Seit 2022 hat er die Professur für Planen und Entwerfen in der Landschaftsarchitektur an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf inne.

 

Anmerkung der Redaktion: Der Begriff des „Mohr“ bzw. des „Freisinger Mohr“, der sich auch im Wappen des Landkreises findet, ist in der Bezeichnung des Brunnens sowie der Berichterstattung zu diesem gängig. Zum Hintergrund des Wappens sowie zur Verwendung des Begriffs findet sich eine Erklärung auf der Webseite des Landkreises Freising.

Andere Quellen schätzen den Begriff kritischer ein, so beispielsweise die Ausführungen des Instituts für Europäische Ethnologie der Humboldt-Universität Berlin zur Umbenennung der „Mohrenstraße“.

Im Zusammenhang mit dem Begriff gibt es immer wieder Debatten um Umbenennungen, wie etwa auch in dem bereits erwähnten Fall der Berliner Straße und gleich benannten U-Bahn-Station „Mohrenstraße“.

 

Weiterlesen: In der Oktoberausgabe 2024 der G+L widmen wir uns Orten des Glaubens. Das Heft ist in unserem Shop erhältlich. Einen ersten Einblick in die Ausgabe gibt Theresa Ramisch in ihrem Editorial.

Hamburger Preis für Grüne Bauten 2025- Jetzt bewerben!

Grüne Architektur für eine lebenswerte Zukunft: Dach- und Fassadenbegrünungen im Fokus des Hamburger Preises für Grüne Bauten 2025. Foto: BUKEA IsadoraTast
Grüne Architektur für eine lebenswerte Zukunft: Dach- und Fassadenbegrünungen im Fokus des Hamburger Preises für Grüne Bauten 2025. Foto: BUKEA IsadoraTast

Hamburg sucht seine schönsten und innovativsten grünen Oasen – auf Dächern, an Fassaden und in Innenräumen. Der „Hamburger Preis für Grüne Bauten“ würdigt erneut Projekte, die Architektur mit Natur vereinen und die urbane Lebensqualität revolutionieren.

In Zeiten wachsender Städte und zunehmender Klimabelastungen gewinnt eine alte Idee neue Kraft: die Begrünung von Gebäuden. Ob Dachgärten, vertikale Gärten oder grüne Innenräume – überall, wo Pflanzen auf und an Bauwerken gedeihen, entsteht mehr als bloß ein ästhetischer Mehrwert. Sie schaffen ökologische Rückzugsräume, senken Temperaturen, binden Feinstaub, fördern die Biodiversität – und leisten einen essenziellen Beitrag zur Klimaanpassung urbaner Räume.

Mit dem „Hamburger Preis für Grüne Bauten“ unterstreicht die Freie und Hansestadt Hamburg, wie ernst sie es mit der ökologischen Stadtentwicklung meint. Ausgelobt von der Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA), würdigt der Wettbewerb visionäre Projekte, die Nachhaltigkeit, Design und Funktionalität harmonisch vereinen.

Nachhaltige Architektur mit Vorbildcharakter

Der Wettbewerb ist nicht nur eine Bühne für Gestalter*innen, Planer*innen und Eigentümer*innen, sondern auch ein politisches Statement. Die Initiative ist Teil der Hamburger Gründachstrategie, die sich zum Ziel gesetzt hat, mindestens 70 Prozent der Neubauten mit flach geneigten Dächern sowie geeignete Flachdachsanierungen zu begrünen. Die Botschaft ist eindeutig: Begrünung ist kein freiwilliges Extra mehr – sie ist Notwendigkeit, Verpflichtung und Chance zugleich.

Grüne Bauten stehen exemplarisch für ein neues Verständnis von Stadt. Sie machen urbane Räume lebenswert, wandelbar und resilient. So verwandeln sich ansonsten ungenutzte Dachflächen in grüne Rückzugsorte, während begrünte Fassaden für bessere Luft, angenehmeres Mikroklima und reduzierte Hitzeinseln sorgen. Auch innenarchitektonisch setzt sich der Trend fort: Innenraumbegrünungen steigern nachweislich das Wohlbefinden, senken den Stresspegel und fördern die Konzentration – besonders relevant für Büro- und Bildungseinrichtungen.

Teilnahmebedingungen und Bewertungskriterien

Der „Hamburger Preis für Grüne Bauten“ richtet sich an alle Eigentümer*innen, Mieter*innen sowie Planer*innen aus Hamburg und den angrenzenden Landkreisen, die an einem Begrünungsprojekt beteiligt sind. Ob private Dachterrasse, Bürogebäude mit Fassadengrün oder ein Atrium voller Pflanzen – zugelassen ist jede Fläche, die sich durch eine durchdachte grüne Gestaltung auszeichnet.

Die Teilnahme ist einfach und kostenfrei. Einzureichen sind:

  • ein ausgefüllter Teilnahmebogen,

  • sowie zwei aussagekräftige Fotos der begrünten Fläche.

Einreichungsfrist ist der 24. August 2025, der Startschuss fällt am 23. Mai. Anschließend bewertet eine interdisziplinäre Expert*innenjury die eingegangenen Projekte. Im Mittelpunkt der Beurteilung stehen:

  • der ökologische Nutzen,

  • die Funktionalität für Nutzer:innen,

  • die wirtschaftliche Tragfähigkeit,

  • sowie die gestalterische Qualität des Projekts.

Die Gewinner:innen dürfen sich auf attraktive Geld- und Sachpreise freuen. Darüber hinaus erhalten sie öffentliche Anerkennung: Die prämierten Projekte werden in einer Ausstellung vorgestellt und über Pressekanäle verbreitet – ein wertvoller Multiplikatoreffekt für alle Beteiligten

Warum Grüne Bauten die Stadt der Zukunft prägen

Die Klimakrise zwingt Städte weltweit zum Umdenken – Hamburg nimmt hierbei eine Vorreiterrolle ein. Grüne Architektur ist nicht nur Ausdruck von Umweltbewusstsein, sondern strategischer Teil der Stadtentwicklung. Denn die Folgen des Klimawandels – Hitze, Starkregen, Luftverschmutzung – lassen sich durch intelligente Begrünungskonzepte abmildern.

Besonders in hochverdichteten Vierteln, wo Freiflächen rar sind, liefern begrünte Dächer und Fassaden dringend benötigte Kompensationsflächen. Sie dienen als Wasserspeicher bei Starkregen, reduzieren die Aufheizung im Sommer, und schaffen Lebensraum für Insekten und Vögel – ein Beitrag zur urbanen Biodiversität, der kaum hoch genug bewertet werden kann.

Darüber hinaus eröffnet die Verbindung von Natur und Architektur neue gestalterische Horizonte. Begrünte Gebäude setzen visuelle Akzente, erzeugen emotionale Anziehungskraft und sind ein starkes Symbol für eine nachhaltige Zukunft.

Ein Appell an Stadtgestalter*innen, Eigentümer*innen und Bürger*innen

Der „Hamburger Preis für Grüne Bauten“ ist weit mehr als ein Architekturwettbewerb. Er ist ein Appell an alle, die unsere Städte lebenswerter, gesünder und zukunftsfähiger machen wollen. Die Förderung von Dach- und Fassadenbegrünung ist kein isoliertes Projekt, sondern ein zentraler Baustein auf dem Weg zu einer klimaangepassten Metropole.

Hamburg zeigt mit diesem Wettbewerb, wie ökologische Verantwortung, bürgerliches Engagement und architektonische Kreativität Hand in Hand gehen können. Jeder Quadratmeter zählt – nicht nur fürs Stadtbild, sondern für unser aller Zukunft.

Weitere Informationen, Teilnahmebedingungen und Ausschreibungsunterlagen sind abrufbar unter: www.hamburg.de/go/gruendach