Baukultur und Nachhaltigkeit – gestalterische Qualität in der Resilienzdebatte

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Luftaufnahme einer Stadt mit Fluss von Carrie Borden

Baukultur und Nachhaltigkeit – das klingt nach Sonntagsrede, nach Leitbild und Lagerfeuer der guten Absichten. Doch wer glaubt, dass diese Begriffe in der Resilienzdebatte lediglich als Schmuckwerk dienen, unterschätzt ihren revolutionären Kern: Die Qualität unserer gebauten Umwelt entscheidet darüber, wie anpassungsfähig, lebenswert und zukunftsfähig unsere Städte sind. Wer heute resilient gestalten will, muss Baukultur und Nachhaltigkeit konsequent zusammendenken – und damit die urbane DNA von morgen prägen.

  • Definition und Bedeutung von Baukultur und Nachhaltigkeit in der aktuellen Resilienzdebatte
  • Zusammenspiel von gestalterischer Qualität, nachhaltiger Stadtentwicklung und urbaner Resilienz
  • Analyse von Best Practices aus Deutschland, Österreich und der Schweiz
  • Herausforderungen und Zielkonflikte zwischen Ästhetik, Funktion und Umweltbewusstsein
  • Neue Instrumente und Methoden für nachhaltige, resiliente Planung und Gestaltung
  • Die Rolle von Materialwahl, Nutzungsmischung und partizipativer Gestaltung
  • Kritik an Greenwashing und der Instrumentalisierung von Nachhaltigkeit
  • Impuls zur Weiterentwicklung von Baukultur im Lichte der Klimakrise
  • Plädoyer für einen selbstbewussten, zukunftsgerichteten Gestaltungsanspruch

Baukultur und Nachhaltigkeit – Begriffsklärung und Relevanz im 21. Jahrhundert

Baukultur – dieses Wort umweht ein Hauch von Würde, von Verantwortung und historischer Tiefe. Doch was verbirgt sich hinter diesem oft beschworenen Begriff, wenn der Blick sich vom denkmalgeschützten Altbau zu den Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft richtet? Im Kern bezeichnet Baukultur nichts weniger als die bewusste, qualitätsvolle Gestaltung unserer gebauten Umwelt. Sie umfasst Architektur, Städtebau, Landschaftsarchitektur und das Zusammenspiel von öffentlichen Räumen, Infrastruktur und sozialem Gefüge. Baukultur ist Ausdruck gesellschaftlicher Werte, ein Spiegel des Zeitgeists und ein Instrument der Raumproduktion. Wer sie ernst nimmt, versteht sie nicht als Luxus, sondern als unverzichtbaren Bestandteil nachhaltiger Stadtentwicklung.

Nachhaltigkeit ist inzwischen zum Zauberwort avanciert. In der Diskussion um Klimawandel, Ressourcenknappheit und gesellschaftliche Transformation ist sie allgegenwärtig – und wird doch häufig auf technische Kennzahlen oder Energieeffizienz reduziert. Dabei ist echte Nachhaltigkeit ein weitaus komplexeres Konzept. Sie verlangt, ökologische Verantwortung, wirtschaftliche Tragfähigkeit und soziale Gerechtigkeit miteinander zu verzahnen. In der Stadtentwicklung bedeutet das: Nicht nur das einzelne Gebäude zählt, sondern das Quartier, die Stadtstruktur, die Mobilität, die Freiräume, das Miteinander vor Ort.

Die Resilienzdebatte – also die Suche nach Wegen, Städte gegenüber Klimawandel, Krisen und Unsicherheiten widerstandsfähig zu machen – zwingt uns, Baukultur und Nachhaltigkeit neu zu denken. Es geht nicht mehr um das Entweder-Oder, sondern um ein radikales Sowohl-als-auch. Die Anforderungen an Gestaltung wachsen: Wie kann ein Platz nicht nur schön, sondern auch hitzeresilient sein? Wie wird ein Quartier nicht nur funktional, sondern auch sozial tragfähig und ökologisch robust? Diese Fragen sind keine Kür, sondern die neue Pflicht für Planer, Architekten und Stadtverwaltungen.

Die Verbindung von Baukultur und Nachhaltigkeit ist dabei keine akademische Fingerübung. Sie entscheidet über die Zukunftsfähigkeit unserer Städte. Denn nur Räume, die Identität stiften, Wandel ermöglichen und Ressourcen schonen, sind wirklich resilient. Das verlangt nach neuen Maßstäben für Qualität – weit über die klassische Gestaltungsfrage hinaus.

Gerade im deutschsprachigen Raum, wo Baukultur als Teil des öffentlichen Interesses gilt, kann dieser Anspruch zur Triebfeder einer neuen urbanen Bewegung werden. Es gilt, aus der Komfortzone der etablierten Routinen auszubrechen und die Baukultur als Hebel für nachhaltige Transformation zu begreifen. Wer heute nicht mutig gestaltet, wird von den Krisen der Zukunft eiskalt eingeholt.

Gestalterische Qualität als Schlüssel zur urbanen Resilienz

Die Forderung nach gestalterischer Qualität wird in der Praxis gerne mit Lippenbekenntnissen bedacht, doch spätestens angesichts der Klimakrise zeigt sich: Gestaltung ist keine Nebensache, sondern der entscheidende Hebel für Resilienz. Was heißt das konkret? Ein Platz, der als Hitzewüste funktioniert, ein Quartier, das monofunktional und sozial segregiert bleibt, eine Straße, die den Regen in den Keller leitet – all das sind Zeichen mangelnder Baukultur und fehlender Nachhaltigkeit. Gute Gestaltung dagegen ist robust, adaptiv, multifunktional und identitätsstiftend.

Gestalterische Qualität und Nachhaltigkeit lassen sich nicht voneinander trennen, wenn Resilienz der neue Maßstab ist. Ein nachhaltiges Gebäude, das die Sinne beleidigt oder den Stadtraum verödet, ist kein Gewinn. Umgekehrt hilft die schönste Architektur wenig, wenn sie auf Betonwüsten, versiegelten Flächen und klimaschädlichen Bauweisen gründet. Die Kunst besteht darin, beides zu verbinden: Ästhetik, Funktion und Umweltbewusstsein so zu verschränken, dass zukunftsfähige Räume entstehen.

Ein Schlüssel hierzu liegt in der Integration von Klima- und Umweltaspekten in den Entwurfsprozess. Beispielhaft sind Projekte, die Wasser als Gestaltungselement und Ressource denken, die Grünräume als Teil der urbanen Infrastruktur verstehen, die Fassaden und Dächer als Lebensräume für Flora und Fauna erschließen. Hier zeigt sich, dass gestalterische Qualität weit mehr ist als reine Formensprache – sie ist Haltung, Strategie und Innovationsmotor.

Die Herausforderungen sind enorm. Gestaltungsqualität muss sich heute an neuen Kriterien messen lassen: Klimaanpassung, Biodiversität, soziale Inklusion, Kreislaufwirtschaft. Das verlangt nach neuen Werkzeugen, etwa klimaaktive Materialien, partizipative Entwurfsprozesse und flexible Nutzungskonzepte. Auch digitale Methoden – von parametrischem Design bis zu urbanen digitalen Zwillingen – eröffnen neue Wege, Resilienz und Baukultur zusammenzudenken. Doch Technik ist kein Selbstzweck: Entscheidend bleibt der menschliche Maßstab, das Gespür für den Ort und die Bedürfnisse der Nutzer.

Die Städte Mitteleuropas bieten zahlreiche Best-Practice-Beispiele, die zeigen, wie gestalterische Qualität zur Resilienz beiträgt. Von der klimaaktiven Quartiersentwicklung in Wien über genossenschaftliche Wohnprojekte in Zürich bis zum partizipativen Umbau von Straßenräumen in Berlin: Überall dort, wo Baukultur und Nachhaltigkeit ernst genommen werden, entstehen resiliente, lebenswerte Städte. Es gilt, diesen Anspruch zu verallgemeinern – und die Latte für die gesamte Branche höher zu legen.

Zwischen Ideal und Praxis – Zielkonflikte, Herausforderungen und neue Werkzeuge

Wer den Anspruch erhebt, Baukultur und Nachhaltigkeit in der Resilienzdebatte zu verbinden, trifft in der Praxis auf eine bunte Palette von Zielkonflikten – und auf die harte Realität von Budget, Recht und Gewohnheit. Die Quadratur des Kreises beginnt oft im Kleinen: Wie lässt sich die gestalterische Qualität eines Freiraums sichern, wenn die Anforderungen an Flächenentsiegelung, Regenwasserrückhalt und Biodiversität gleichzeitig steigen und das Budget begrenzt bleibt? Sind innovative Materialien wirklich nachhaltiger, wenn ihre Herstellung ökologisch fragwürdig ist? Wie kann Nutzungsmischung gelingen, wenn Investoren auf maximale Flächenausnutzung pochen?

Die größten Hürden liegen jedoch im System selbst. Planungsrecht, Förderlogik und das berühmte Silodenken in Verwaltungen behindern oft integrierte Lösungen. Noch immer werden Bauprojekte nach dem Motto „schnell, billig, funktional“ abgewickelt – gestalterische Qualität und Nachhaltigkeit werden als Kostenfaktoren betrachtet, nicht als Wertschöpfung. Hinzu kommt die Unsicherheit im Umgang mit neuen Technologien, etwa der Digitalisierung von Planungs- und Beteiligungsprozessen oder dem Einsatz von Building Information Modeling (BIM) und digitalen Zwillingen. Wer hier nur abwartet, verliert den Anschluss.

Doch es gibt auch Hoffnungsschimmer: Immer mehr Städte und Kommunen erkennen, dass innovative Werkzeuge und partizipative Methoden den Weg zu nachhaltiger Baukultur ebnen können. Wettbewerbsverfahren nach neuen Kriterien, kooperative Planungsprozesse, offene Werkstattformate, digitale Beteiligungsplattformen – all das sind Bausteine einer resilienzfähigen Planungskultur. Die Materialwahl wird zunehmend zur strategischen Frage: Holz, Recyclingbeton, nachwachsende Rohstoffe und kreislauffähige Baustoffe gewinnen an Bedeutung, ebenso wie die Integration von urbanem Grün in Bauwerke und Freiräume.

Ein zentraler Punkt ist die Rolle der Nutzer. Partizipation ist nicht länger eine lästige Pflicht, sondern ein Motor für gestalterische Qualität und Nachhaltigkeit. Wer die Menschen vor Ort ernsthaft einbindet, entdeckt kreative Potenziale und ortsspezifische Lösungen, die kein Standardkatalog bieten kann. Erfolgreiche Quartiersprojekte in Basel, Graz oder München zeigen, wie partizipative Gestaltung zu resilienten, identitätsstiftenden Räumen führt – und wie Konflikte produktiv genutzt werden können.

Am Ende steht eine wichtige Erkenntnis: Resilienz ist kein Zustand, sondern ein Prozess. Sie verlangt Flexibilität, Offenheit und die Bereitschaft, Fehler als Lernchancen zu begreifen. Die Verbindung von Baukultur und Nachhaltigkeit ist der Kompass in diesem Wandel – und das beste Mittel gegen die Versuchung, sich mit Greenwashing oder technokratischer Scheinlösung zufriedenzugeben.

Greenwashing, Missverständnisse und die neue Baukultur als Zukunftsaufgabe

Mit dem Siegeszug von Nachhaltigkeit und Resilienz wächst auch die Gefahr der Begriffsvernebelung. Greenwashing ist längst kein Randphänomen mehr, sondern ein strukturelles Problem: Wenn nachhaltige Gestaltung auf ein paar Solarmodule, begrünte Dächer oder den Einsatz von Holz reduziert wird, bleibt die eigentliche Herausforderung unberührt. Die Instrumentalisierung von Nachhaltigkeit für Imagepflege oder Vermarktung unterläuft die Glaubwürdigkeit der gesamten Branche – und konterkariert die Ziele der Resilienzdebatte.

Missverständnisse lauern auch auf semantischer Ebene. Baukultur wird zu oft als nostalgischer Rückgriff auf Traditionen verstanden, Nachhaltigkeit als rein technisches Optimierungsproblem. Doch wahre Baukultur ist zukunftsgerichtet, experimentierfreudig, offen für Innovation und Wandel. Nachhaltigkeit wiederum ist kein Selbstzweck, sondern Voraussetzung für das Überleben urbaner Gesellschaften im 21. Jahrhundert. Die Resilienzdebatte zwingt uns, beide Begriffe radikal neu zu fassen – als integrale Bestandteile eines umfassenden, dynamischen Gestaltungsanspruchs.

Hier liegt die eigentliche Zukunftsaufgabe: Die Weiterentwicklung der Baukultur als Motor nachhaltiger, resilienzfähiger Stadtentwicklung. Das erfordert Mut zur Kontroverse, Bereitschaft zur Selbstkritik und die Fähigkeit, Zielkonflikte produktiv zu bearbeiten. Es geht darum, neue Standards für gestalterische Qualität zu setzen, die nicht beim Oberflächenfinish enden, sondern Klimaanpassung, soziale Integration und ökonomische Tragfähigkeit einschließen. Städte wie Kopenhagen, Zürich oder Freiburg zeigen, dass das gelingen kann – aber auch, dass es einen langen Atem, klare Visionen und eine starke Governance braucht.

Die neue Baukultur ist dabei immer auch ein gesellschaftliches Projekt. Sie lebt von der Vielfalt der Akteure, von der Offenheit für partizipative Prozesse und von der Lust am Experiment. Sie muss sich gegen die Versuchungen von Kommerzialisierung, Monotonie und kurzfristigem Denken behaupten. Und sie braucht einen Diskurs, der über Renderings und Zertifikate hinausgeht – hin zu einem echten Qualitätsversprechen für die Stadt von morgen.

Wer heute den Mut hat, Baukultur und Nachhaltigkeit konsequent zusammenzudenken, wird nicht nur resilientere Städte bauen – sondern auch eine neue urbane Identität stiften. Das ist keine Utopie, sondern eine konkrete, dringende Aufgabe für Planer, Architekten, Stadtverwaltungen und alle, die Verantwortung für unsere gebaute Umwelt tragen.

Fazit: Baukultur und Nachhaltigkeit als Fundament der resilienten Stadt

Die Debatte um Resilienz hat Baukultur und Nachhaltigkeit endgültig ins Zentrum urbaner Entwicklung gerückt. Es reicht nicht mehr, diese Begriffe als Schlagworte oder Feigenblätter zu benutzen. Wer die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts meistern will, muss sie als Leitplanken und Qualitätsmaßstab verstehen – und den Mut aufbringen, sie im Alltag der Planung zu leben. Gestalterische Qualität ist der Schlüssel zur urbanen Resilienz: Sie verbindet Funktionalität, Schönheit, Umweltbewusstsein und soziale Verantwortung zu einem robusten, anpassungsfähigen Ganzen. Die Praxis zeigt, dass Zielkonflikte, Ressourcenknappheit und Systemträgheit keine Ausreden mehr sein dürfen. Neue Werkzeuge, partizipative Methoden und innovative Materialien eröffnen Wege zu einer Baukultur, die tatsächlich nachhaltig ist – und damit zur Zukunftsfähigkeit unserer Städte beiträgt. Doch es braucht Wachsamkeit: Greenwashing und Oberflächlichkeit lauern an jeder Ecke. Die neue Baukultur ist kein Selbstzweck, sondern Fundament einer lebenswerten, resilienten Stadt. Sie verlangt Haltung, Experimentierfreude und Diskursbereitschaft. Wer jetzt handelt, prägt nicht nur Räume, sondern auch das urbane Selbstverständnis von morgen. Und das ist, wenn man ehrlich ist, die eigentliche Königsdisziplin der Stadtplanung.

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Hans-Hollein-Kunstpreis – erstmals für Landschaft und Städtebau

Der Hans-Hollein-Kunstpreis für Architektur ging dieses Jahr an Auböck + Kárász Landscape Architects. Das Büro war unter anderem auch an der Rekonstruktion und Gestaltung der Belvedere-Gärten in Wien beteiligt. Gugerell, CC0, via Wikimedia Commons
Der Hans-Hollein-Kunstpreis für Architektur ging dieses Jahr an Auböck + Kárász Landscape Architects. Das Büro war unter anderem auch an der Rekonstruktion und Gestaltung der Belvedere-Gärten in Wien beteiligt. Foto: Gugerell, CC0, via Wikimedia Commons

Jedes Jahr vergibt das österreichische Bundesministerium für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport (BMKÖS) den Hans-Hollein-Kunstpreis für Architektur. 2023 können sich Auböck + Kárász Landscape Architects über den mit 15.000 Euro dotierten Staatspreis freuen. 

Hochwertige Räume für Mensch und Natur

Ihre Arbeiten reicherten den Städtebau mit ökologischen Fragestellungen an und sorgten so für eine Erweiterung des Gestaltungs- und Handlungshorizonts der Architektur, betont die Jury in der Begründung. Erstmals öffnet sich der Preis in Richtung Gestaltung der Landschaft und Städtebau. Immer wichtiger werde es, gerade im Hinblick auf die Klimakrise, auf die wir zusteuern, qualitativ hochwertige Räume sowohl für den Mensch als auch die Natur zu schaffen und neue Formen des Dialogs zwischen beiden zu ermöglichen. 

Eine umfassende Perspektive

Mehr denn je sei es wichtig, eine umfassende Perspektive einzunehmen, wie Auböck und Kárász es in ihren Arbeiten umsetzen. Bestehende und zukünftige urbane Strukturen profitierten vom projektiven Umgang des Studios mit dem tiefgreifenden historischen Wissen seiner Gründer*innen. Kontinuierlich, so die Jury, engagierten sich Auböck und Kárász für den Umgang mit dem architektonischen und landschaftsarchitektonischen Erbe und trügen gleichzeitig wichtige Impulse zu aktuellen Diskursen in der Lehre oder im Rahmen der ZV – Zentralvereinigung für Architekt:innen bei. 

Hans-Hollein-Kunstpreis: Anerkennung und Wertschätzung

Andrea Mayer, Kunst- und Kulturstaatssekretärin im BMKÖS zeigt sich zufrieden: „Die österreichische Kunst und Kultur ist essentielles Element unserer Gesellschaft. Sie bereichert, regt an und auf und bietet uns einen Spiegel zur eigenen Reflexion. Ohne diese schöpferische Kraft wäre Österreich nicht die Kunstnation, für die unser Land international wahrgenommen wird. Der Österreichische Kunstpreis ist Anerkennung und Wertschätzung der außerordentlichen Leistungen unserer Künstlerinnen und Künstler. Ich gratuliere allen Preisträgerinnen und Preisträgern sehr herzlich.“ 

Hans-Hollein-Kunstpreis für Architektur für Projekte von internationaler Bedeutung

Der österreichische Hans-Hollein-Kunstpreis für Architektur wird seit 2016 jährlich an umfangreiche Projekte von internationaler Bedeutung vergeben. Die Auswahl der Preisträger erfolgt ausschließlich durch eine Expertenjury; es ist nicht möglich, sich für den Preis zu bewerben. 

Das Büro Auböck + Kárász Landscape Architects mit Sitz in Wien wurde von der Landschaftsarchitektin und Hochschulprofessorin Maria Auböck und dem Architekten und Sozialwissenschaftler János Kárász gegründet. Mehr können Sie auf der Webseite des Büros erfahren.

Schon gewusst? Wir haben ein ganzen Heft über Österreich gemacht, denn wenig andere Länder machten in den letzten Jahren mit so vielen, scheinbar sehr guten und mutigen planerischen Impulsen auf sich aufmerksam. Die Städte Graz, Innsbruck, Linz und Wien haben wir hierfür genauer unter die Lupe genommen. Mehr über die Februarausgabe 2022 erfahren Sie im Editorial. 

Der Xiaoxita Forest Park in Yichang, China, verbindet nachhaltige Landschaftsarchitektur mit konsequentem Naturschutz: Alle bestehenden Bäume wurden erhalten und behutsam in die neue Parkgestaltung integriert. Foto: HID via v2com
Der Xiaoxita Forest Park in Yichang, China, verbindet nachhaltige Landschaftsarchitektur mit konsequentem Naturschutz: Alle bestehenden Bäume wurden erhalten und behutsam in die neue Parkgestaltung integriert. Foto: HID via v2com

Mit dem Xiaoxita Forest Park ist in der chinesischen Millionenstadt Yichang ein herausragendes Beispiel für zukunftsweisende Landschaftsarchitektur entstanden. Das vom Planungsbüro HID Landscape Architecture entwickelte Projekt zeigt eindrucksvoll, wie sich ein bestehender Stadtwald durch behutsame Eingriffe ökologisch aufwerten und zugleich als hochwertiger öffentlicher Freiraum neu erschließen lässt. Statt einer umfassenden Neugestaltung stand der respektvolle Umgang mit der vorhandenen Natur im Mittelpunkt – ein Ansatz, der international zunehmend als Vorbild für resiliente Stadtlandschaften gilt.

Stadtwald wird zum nachhaltigen Erholungsraum

Der rund 89 Hektar große Xiaoxita Forest Park liegt im Zentrum des Stadtteils Yiling in Yichang, entlang des Huangbai-Flusses. Über Jahre hinweg litt das Waldgebiet unter unübersichtlichen Wegen, veralteter Infrastruktur und einer zunehmenden Zerschneidung der Landschaft. Ziel der Neugestaltung war es daher, den Wald als wichtige ökologische Grünfläche zu erhalten und gleichzeitig seine Aufenthaltsqualität deutlich zu steigern.

Das Planungsteam folgte dabei konsequent der Leitidee Touching the Earth Lightly“ – die Landschaft sollte möglichst schonend weiterentwickelt werden, ohne ihre natürlichen Strukturen zu beeinträchtigen.

100 Prozent Baumerhalt als Planungsgrundsatz

Ein zentrales Merkmal des Projekts ist der vollständige Erhalt des vorhandenen Baumbestands. Sämtliche heimischen Bäume blieben während der Bauarbeiten erhalten. Neue Wege und Aufenthaltsbereiche wurden ausschließlich in bereits vorhandene Lichtungen integriert, wodurch umfangreiche Erdarbeiten vermieden werden konnten.

Auch bei den verwendeten Materialien setzte das Büro konsequent auf Nachhaltigkeit. Wasserdurchlässige Beläge aus regional gewonnenem Naturstein sowie begrünte Pflasterflächen ermöglichen die natürliche Versickerung von Regenwasser und unterstützen den lokalen Wasserkreislauf.

Renaturierung statt versiegelter Flächen

Ein wesentlicher Bestandteil der Umgestaltung war die ökologische Wiederherstellung zuvor technisch geprägter Bereiche. In enger Abstimmung mit den beteiligten Akteuren wurden ein stillgelegtes Pumpenhaus sowie kaum genutzte Parkplatzflächen zurückgebaut.

Dadurch konnten mehr als 1.200 Quadratmeter versiegelte Fläche wieder in durchlässige Grünflächen umgewandelt werden. Gleichzeitig entstand ein neuer Lebensraumkorridor für Tiere, während sich die Sichtbeziehungen zwischen Stadt und Wald deutlich verbesserten.

Architektur schont Wurzeln und Lebensräume

Auch die neu geschaffenen Bauwerke folgen dem Prinzip minimaler Eingriffe. Besonders markant ist die Mid-Hill Rest Stop, eine erhöhte Aussichtsplattform, die auf schlanken Punktfundamenten ruht. Dadurch werden Bodenverdichtungen vermieden und die empfindlichen Wurzelbereiche der Bäume dauerhaft geschützt.

Von der Plattform eröffnet sich den Besucherinnen und Besuchern ein weiter Blick über die bewaldete Tallandschaft. Selbst die Beleuchtung übernimmt mehrere Funktionen: Die Leuchten wurden zugleich als Nisthilfen für heimische Vogelarten gestaltet und fördern so die Artenvielfalt im Park.

Regionale Natursteine prägen darüber hinaus Wege, Sitzmauern und weitere Gestaltungselemente und stärken die Identität des Ortes.

Ein Park für Natur, Bildung und Gemeinschaft

Heute präsentiert sich der Xiaoxita Forest Park als vielschichtiger Landschaftsraum mit Uferpromenaden, Waldlichtungen und erhöhten Aussichtspunkten. Über 95 Prozent der Vegetation bestehen aus heimischen Pflanzenarten, wodurch die ökologische Qualität des Stadtwaldes langfristig gesichert wird.

Mit mehr als 2.000 Besucherinnen und Besuchern pro Tag erfüllt der Park zugleich wichtige soziale Funktionen. Spaziergänge, Freizeitaktivitäten und Naturerlebnisse finden hier ebenso Platz wie Umweltbildung. Informationstafeln wurden dezent in Natursteinmauern integriert und vermitteln Wissen über Flora, Fauna und ökologische Zusammenhänge, ohne das Landschaftsbild zu beeinträchtigen.

Modellprojekt für resiliente Stadtlandschaften

Der Xiaoxita Forest Park verdeutlicht, dass hochwertige Landschaftsarchitektur nicht zwangsläufig durch spektakuläre Neubauten entsteht. Vielmehr zeigt das Projekt, wie sich vorhandene Naturräume durch sensible Planung, minimale Eingriffe und konsequenten Ressourcenschutz nachhaltig weiterentwickeln lassen.

Mit seinem ganzheitlichen Ansatz verbindet der Park Biodiversität, Klimaanpassung und Aufenthaltsqualität auf beispielhafte Weise. Damit liefert HID Landscape Architecture ein überzeugendes Modell für die Zukunft urbaner Grünräume – eine Landschaft, in der menschliche Nutzung und ökologische Prozesse nicht im Widerspruch stehen, sondern sich gegenseitig stärken.