München soll bis 2040 hitzesicherer werden – mit einem flächendeckenden Netz aus Straßenbäumen. Der BaumEntscheid München sammelt dafür noch bis zum 31. August 2026 Unterschriften. Im Zentrum stehen drei Ziele: mehr Baumkronen im Straßenraum, eine Priorisierung besonders belasteter Hitzequartiere und die frühzeitige Sicherung neuer Baumstandorte.
Auf einen Blick:
- Initiative: BaumEntscheid München
- Rechtsform: BaumEntscheid e.V.
- Gründungsjahr: 2025
- Standort: München
- Kernteam: knapp 30 ehrenamtliche Münchner*innen
- Projektleitung: Joseph Coenen und Stefanie Günther
- Ziel: München bis 2040 hitzesicherer machen
- Instrument: Bürgerbegehren und anschließend Bürgerentscheid
- Aktuelle Phase: Sammlung von Unterschriften
- Sammelfrist: bis 31. August 2026
- Unterschriftenorte: mehr als 80 Orte in München sowie mobile Sammelteams
- Drei Ziele: flächendeckendes Straßenbaumnetz, Priorisierung besonders belasteter Hitzequartiere, frühzeitige Sicherung neuer Baumstandorte
- Ziel für das Straßenbaumnetz: mindestens 30 Prozent Baumkronenüberdeckung an Gemeindestraßen
- Planung neuer Baumstandorte: bis 2035; in Hitzequartieren bis 2030
- Umsetzung: bis 2040
- Ausweichlösung: Wo Straßenbäume nicht möglich sind, sollen gleichwertige Maßnahmen der grün-blauen Infrastruktur im Umkreis von 150 Metern umgesetzt werden
Noch bis 31. August: BaumEntscheid sammelt Unterschriften
München soll mehr Schatten bekommen. Dafür sammelt der BaumEntscheid München derzeit Unterschriften für ein Bürgerbegehren, das die Stadt zu einem verbindlichen Maßnahmenplan für mehr Straßenbäume verpflichten soll. Die Sammelfrist läuft noch bis zum 31. August 2026. Nach Angaben der Initiative sollen insgesamt 40.000 Unterschriften gesammelt werden.
Unterschreiben können Volljährige mit Hauptwohnsitz in München und einem EU-Pass unter folgendem Link: https://www.baumentscheid-muenchen.de/unterschreiben. Die Unterschrift muss auf Papier erfolgen. Möglich ist dies zu Hause, an mehr als 80 Unterschriftenorten in München oder bei mobilen Sammelteams, die im Stadtgebiet unterwegs sind. Auch ehrenamtliche Mitarbeit oder eine finanzielle Unterstützung der Initiative sind möglich.
Die laufende Sammlung bildet die erste Phase des Vorhabens. Nach erfolgreichem Bürgerbegehren soll in einer zweiten Phase ein Bürgerentscheid folgen. Die Initiative will damit verbindliche Vorgaben für die künftige Entwicklung des Straßenbaumbestands schaffen.
Drei Ziele für Münchens Straßenräume
Im Zentrum des Bürgerbegehrens stehen drei konkrete Forderungen. Erstens soll München ein flächendeckendes Straßenbaumnetz aufbauen, das im ausgewachsenen Zustand eine Baumkronenüberdeckung von mindestens 30 Prozent im gesamten gemeindlichen Straßenraum erreicht. Verwendet werden sollen vitale und klimaresiliente Bäume, deren langfristiger Erhalt durch entsprechende Pflege gesichert wird.
Zweitens sollen besonders belastete Hitzequartiere priorisiert werden. Grundlage für ihre Bestimmung sollen die Stadtklimaanalyse Münchens und weitere Kriterien sein. Dazu gehören unter anderem die Bevölkerungsdichte, der Anteil vulnerabler Altersgruppen sowie Straßen mit besonders geringer Baumkronenüberdeckung.
Drittens fordert der BaumEntscheid die frühzeitige Sicherung neuer Baumstandorte. Für das gesamte Stadtgebiet sollen geeignete Standorte bis 2035 identifiziert und planerisch festgelegt werden, in den besonders belasteten Hitzequartieren bereits bis 2030. Flächen für Fuß- und Radverkehr sowie den ÖPNV sollen dabei in der Regel unberührt bleiben. Neue Baumstandorte sollen stattdessen möglichst frühzeitig in Straßen- und Infrastrukturplanungen integriert werden.
Wo ein Straßenbaum nicht gepflanzt werden kann, sieht das Bürgerbegehren gleichwertige Maßnahmen der grün-blauen Infrastruktur im Umkreis von 150 Metern vor.
Straßenbäume als Klimaanpassungsinfrastruktur
Hinter den Forderungen steht die Beobachtung, dass sich Münchens dicht bebaute Stadträume an heißen Tagen zunehmend aufheizen. Während Orte wie die Isar oder der Englische Garten mit ihren großen Baumbeständen als Rückzugsräume dienen, sind viele alltägliche Wege und Aufenthaltsorte deutlich stärker der sommerlichen Hitze ausgesetzt.
Der BaumEntscheid betrachtet Straßenbäume deshalb nicht nur als Element der Freiraumgestaltung, sondern als Teil der städtischen Klimaanpassung. Bäume spenden Schatten und kühlen durch Verdunstung ihre Umgebung. Gleichzeitig können sie zur Luftqualität beitragen und – abhängig vom Standort und den Rahmenbedingungen – weitere Funktionen für den urbanen Wasserhaushalt und die Biodiversität übernehmen.
Damit rückt eine Frage in den Mittelpunkt, die auch für die Landschaftsarchitektur relevant ist: Wie lässt sich der Straßenraum so transformieren, dass er gleichzeitig Mobilitätsraum, Aufenthaltsort und klimaangepasste Infrastruktur sein kann?
20.000 neue Straßenbäume?
Der BaumEntscheid verweist auf einen Stadtratsbeschluss, nach dem München bis 2050 eine Baumkronenüberdeckung von 30 Prozent im Straßenraum anstrebt. Nach Berechnungen der Initiative wären allein innerhalb des Mittleren Rings dafür rund 20.000 neue Straßenbäume erforderlich, davon 12.000 an neuen Standorten.
Die Initiative stellt diesem Bedarf die aktuelle Pflanzleistung gegenüber. Nach ihren Angaben werden derzeit durchschnittlich 660 neue Straßenbäume pro Jahr gepflanzt, wenn die jährlichen Fällungen bereits berücksichtigt sind. Für einen aus ihrer Sicht realistisch planbaren Umsetzungszeitraum zwischen 2030 und 2040 wären dagegen rund 2.000 neue Straßenbäume pro Jahr notwendig.
Die Zahlen sind Teil der Argumentation des BaumEntscheids für verbindlichere Vorgaben und eine beschleunigte Umsetzung. Ziel ist es, die Entwicklung des Straßenbaumbestands stärker mit der kommunalen Klimaanpassung zu verknüpfen.
Priorisieren statt Grün gegen Infrastruktur ausspielen
Dabei fordert die Initiative ausdrücklich keine pauschale Bepflanzung jedes verfügbaren Straßenraums. Stattdessen sollen jene Stadtteile zuerst berücksichtigt werden, in denen die Hitzebelastung besonders hoch ist, Schatten fehlt oder besonders viele vulnerable Bevölkerungsgruppen leben.
Auch bestehende Infrastruktur soll nach den Vorstellungen des BaumEntscheids erhalten bleiben. Fuß- und Radwege sowie der öffentliche Nahverkehr sollen grundsätzlich nicht für neue Baumstandorte weichen. Die Herausforderung besteht damit in einer integrierten Planung, die Baumstandorte frühzeitig mit anderen Anforderungen des Straßenraums koordiniert.
Für Landschaftsarchitektinnen und Stadtplanerinnen ist das vor allem eine Frage des Entwurfs und der Priorisierung: Wo können Bäume langfristig ausreichend Raum für Wurzeln und Kronen erhalten? Welche Straßenräume bieten Transformationspotenzial? Und wie lassen sich Hitzevorsorge, Mobilität und Aufenthaltsqualität zusammen denken?
Überparteilich gegründet
Der BaumEntscheid München wurde 2025 von Joseph Coenen und Stefanie Günther gegründet. Coenen studiert Urbanistik und hat einen Hintergrund in Landschaftsarchitektur; Günther studiert Politics & Technology sowie Psychologie. Beide wollen die Initiative ausdrücklich über Parteigrenzen hinweg positionieren.
Das Kernteam umfasst nach Angaben der Initiative knapp 30 ehrenamtlich engagierte Münchnerinnen. Hinzu kommen weitere Unterstützerinnen und Partnerorganisationen. Die Initiative gibt an, sich in mehr als 100 Gesprächen mit Vertreter*innen aus Wissenschaft, Stadtplanung und Stadtverwaltung über einen realistischen Umsetzungsrahmen ausgetauscht zu haben.
Wie es weitergeht
Aktuell steht zunächst die Unterschriftensammlung im Mittelpunkt. Noch bis zum 31. August 2026 können Münchner*innen das Bürgerbegehren unterstützen. Anschließend soll die zweite Phase mit einer stadtweiten Kampagne beginnen. Im Herbst will der BaumEntscheid über Infostände, Veranstaltungen und weitere Aktionen für die Teilnahme an einem Bürgerentscheid mobilisieren.
Damit wird die Frage nach Münchens Straßenbäumen zu einer kommunalpolitischen Grundsatzfrage: Wie viel Schatten braucht eine Stadt, deren Sommer heißer werden – und wie verbindlich muss Klimaanpassung in der Planung verankert sein?
Wer den BaumEntscheid München unterstützen möchte, kann noch bis zum 31. August unterschreiben, sich ehrenamtlich engagieren oder die Initiative mit einer Spende unterstützen. Informationen zu Unterschriftenorten und Möglichkeiten zur Beteiligung bietet die Website des BaumEntscheids.




















