Etwa 50 Prozent des Quartiers Baumkirchen Mitte bleiben als öffentliche Grünflächen erhalten, die nicht nur Erholung bieten, sondern auch eine ökologische Vernetzung fördern, die für die Tierwelt von großer Bedeutung ist. Foto: Marcus Hassler

Wo Lokomotiven einfuhren, wächst seit 2013 das visionäre Stadtquartier „Baumkirchen Mitte“ in Berg am Laim heran. Hier verschmelzen städtische Lebensräume und Natur zu einem harmonischen Ensemble, das nicht nur Wohnraum und Arbeitsplätze, sondern auch großzügige Grünflächen und ökologische Oasen bietet. Durch die organischen Bauformen und die Liebe zum Detail hat das Areal eine unverwechselbare Identität erhalten – ein Ort, der Vergangenheit und Moderne in spannender Symbiose vereint. Im Folgenden stellt das Büro mahl gebhard konzepte sein Projekt selbst vor. 

Ein neues Stadtquartier mit historischer Prägung

Auf dem 15 Hektar großen Gelände des ehemaligen Bahnbetriebswerkes München 4 in Berg am Laim entsteht seit 2013 das Stadtquartier „Baumkirchen Mitte“. Fast 70 Jahre lang wurden hier Lokomotiven und Güterwaggons rangiert und repariert. Nun bietet das Areal Raum für etwa 1 300 Einwohner*innen, Arbeitsplätze, Einzelhandel und öffentliche Grünflächen. Grundlage für das Bebauungsplanverfahren war ein 2010 von der Landeshauptstadt und CA Immo durchgeführter städtebaulicher und landschaftsplanerischer Ideenwettbewerb, aus dem der Entwurf von Peter Ebner & Friends und von Mahl Gebhard Konzepte siegreich hervor ging. Der Entwurf überzeuge die Jury im besonderen Maße durch eine für das Gebiet neuartige Struktur. Es entstünde eine einheitliche Bebauung, die von ausgedehnten Grünflächen umschlossen wird. Dieser Entwurf, der sich durch mutig, geschwungene Baukörper auszeichnet, die fließende Räume erzeugen war Grundlage für das sich anschließende Bauleitplanverfahren. Die Freiflächen mit ihren integrierten Spielflächen sollen die Anwohner sowie Besucher zum Verweilen und Erholen einladen.

Freiflächengestaltung und ökologische Balance

Die Landschaftsarchitekt*innen von mahl gebhard konzepte (München) achteten bei der Entwicklung des Quartiers auf eine doppelte Innenentwicklung: So ist für das Quartier Baumkirchen Mitte neben den unverwechselbaren, organisch anmutenden Gebäudekörpern, der sehr hohe Grünanteil prägend. Etwa 50 Prozent des Gesamtareals sind bebaut, die restliche Fläche bleibt im Hinblick auf urbanes Grün als öffentliche Grünfläche und ökologische Vorrangfläche erhalten und wird als Landschaftspark gestaltet. Durch den Erhalt der ökologischen Vorrangfläche bleibt, die für München so relevante Kaltluftschneise erhalten und dennoch kann die geforderte städtische Dichte eingehalten werden. Einen weiteren Mehrwert stellen die neu entstandenen Wohnhöfe bzw. Quartiersmitten wie der Mattoneplatz dar. Sie sprechen grundsätzlich die Sprache des Gesamtareals und verstärken die geschwungenen Strukturen.

Integration von Natur und Stadtplanung

Durch sie wurde eine qualitativ wie quantitativ gute Versorgung der Wohngebiete mit öffentlichen Grün- und Freiflächen für die Erholung verwirklicht – insbesondere auch unter dem Gesichtspunkt der Verringerung des Nutzungsdruckes auf die ökologische Vorrangfläche. Bei der Lage der öffentlichen Grünflächen wurde auf gute räumliche Zuordnung und weitere mögliche Aneignungs- und Verknüpfungsmöglichkeiten besonders auch in Richtung des Rosenheimer Bahndamms geachtet. An der übergeordneten Grünstruktur orientierten sich daraufhin die Baukörper. Im Entwurf soll ein Nebeneinander unterschiedlicher Nutzungsräume entstehen, die sich verschränken und überlagern. Die Privatheit der Wohnhöfe soll davon unberührt bleiben.

Bäume als Leitbild

Wiederkehrendes Gestaltungselement ist die waggonartige Reihung von drei bis fünf zu pflanzenden Bäumen, die den genius loci der ehemaligen Nutzung in der neu gebauten Fläche anschaulich machen sollen. Um den jeweiligen Räumen eine eindeutig wahrnehmbare Gestalt zu geben, bestehen die Baumgruppen aus jeweils einer Gattung und Art. Die öffentlichen und privaten Freiflächen erhalten durch die unterschiedliche Pflanzenverwendung (Leitbaumarten, Wuchsklassen) eine jeweils eigenständige Identität. Dabei wurden je 200 Quadratmeter nicht überbaute Grundstücksfläche ein Baum gepflanzt. Auf die entsprechende Mindestüberdeckung der Substratstärke über Tiefgarage ist zu achten. Die Pflanzauswahl in den Höfen enthält mindestens 50 Prozent Bäume zweiter Ordnung.

Der Bestand als „Hot Spot“ der Biodiversität

Pflanzenwuchs auf aktiven Bahnflächen unterliegt permanenter Störungen. Fallen Bahnflächen aus der Nutzung, so regiert die Vegetation relativ rasch darauf. Deshalb sind die stillgelegten Gleisanlagen heute von mosaikartiger Vegetation geprägt und erhalten ihren eigenen Charme durch die offenen Ruderalflächen, die sich mit aufkommenden Birken und rahmenbildenden, älteren Gehölzen abwechseln.

Kurzum: Das Bahnbetriebswerk entwickelte sich durch die Stilllegung zu einer naturnahen Bahnbrache. Humusarme Substrate (z.B. Gleisschotter) speichern kaum Wasser und begünstigen dadurch schüttere Magerrasen. So ist hier ein „Hot Spot“ der Biodiversität entstanden, das dem Areal in Kombination mit der belassenen Gleisanlage eine besondere Identität verleiht. Mehrere geschützte Tier- und Pflanzenarten (48 Rote-Liste-Arten) haben aufgrund der für sie idealen, trockenen und heißen Standortbedingungen und der Mischung aus lückiger, niedriger Vegetation und besonnten Säumen und Gebüschen einen Vorkommensschwerpunkt. Die angrenzenden noch aktiven Bahnanlagen sind darüber hinaus als Ausbreitungsachse und somit für den Biotopverbund bedeutend. Von den in mehreren Kartierungsdurchgängen in den Jahren 2008 und 2009 nachgewiesenen Arten sind die streng geschützte Zauneidechse sowie die besonders geschützte Blauflügelige Ödlandschrecke und die Blauflügelige Sandschrecke von hoher naturschutzfachlicher Bedeutung und daher wertbestimmend. Aber auch kleine Wirbeltiere wie die Zauneidechse können auf der Vorrangfläche beobachtet werden – sie sind streng geschützt (§7 (2) 14, ‎BNatSchG).

Pflege- und Schutzkonzept für die Biodiversität

Die Habitate der Bahnanlagen sind charakteristische Bestandteile der Natur in der Stadt und spielen eine wichtige Rolle für den Artenschutz. Um diesen naturnahen Trockenstandort mit seiner hohen Artenvielfalt zu erhalten, wurde ein Pflege- und Entwicklungskonzept aufgestellt. Die Sukzession führt ohne weitere Pflege zu waldartigen Beständen, weshalb die immer wiederkehrende Zurücknahme des

Gehölzaufwuchses und die Freihaltung geeigneter, besonnter Standorte wichtige Maßnahmen darstellen. Im Bereich der Sukzessionsflächen wird das Totholz belassen, um Insekten und kleinen Wirbeltieren Unterschlupf zu bieten. Die Rohbodenrotation bietet nicht nur Reptilien wie der Zauneidechse einen idealen Standort, um ihre Eier in die sandigen Böden zu legen.

Nachhaltige Stadtentwicklung

Die naturschutzfachlichen Entwicklungsziele für das Untersuchungsgebiet umfassen den Erhalt und die Pflege von Flächen, die als bevorzugte Lebensräume für die Zauneidechse gelten. Ebenso wird der größtmögliche Erhalt von Flächen mit hoher und mittlerer Bedeutung für die Wert bestimmenden Tierarten angestrebt. Weiterhin soll der räumliche Verbund der Flächen zu angrenzenden Lebensräumen gesichert und die Standorte als Teil einer linearen Vernetzungsachse erhalten und optimiert werden. Ein weiteres Ziel ist die Sicherung und Förderung der Populationen der geschützten Arten durch gezielte Pflegemaßnahmen im Bereich der ökologischen Vorrangfläche. Diese Maßnahmen sollen durch ein dynamisches, dreistufiges Pflegekonzept erreicht und langfristig gesichert werden, das sowohl den fachlichen Ansprüchen als auch der pragmatischen Umsetzbarkeit in Bezug auf die Topografie gerecht wird.

Minimaler Eingriff – Monitoring und Erlebnispfad

Die geplante Umsetzung des gesamten Bauvorhabens wurde in 10 Bauabschnitte unterteilt, deren Abfolge sich von Osten (Baumkirchner Straße) nach Westen erstreckt, und somit eine sinnvolle logistische bauliche und nutzungsbezogene Abwicklung in mehreren Schritten mit geringerer Baustellenbelastung bedeutet. Eine besondere Herausforderung stellte die Zugänglichkeit der ökologischen Vorrangfläche dar: Mittels aufwändigen Monitorings und eigens entwickelter Stege konnten naturschutzfachliche Belange eingehalten werden und dennoch von Anwohnern als naturnaher Erholungsraum barrierefrei erschlossen werden. Der enorme Höhenunterschied zwischen Wohnbebauung und ökologischer Vorrangfläche konnte mit Rampen ausgeglichen werden. Der Erlebnispfad im tieferliegende Gleisbereich ist auf der Westseite über Treppen und an der Ostseite durch eine barrierefreie Rampe erreichbar. Der aufgeständerte Weg führt vorbei an der historischen Eisenbahn-Drehscheibe, mit der früher Waggons und Lokomotiven bewegt wurden. Hier ist eine Tribüne entstanden, sodass die Lokdrehscheibe als Freilufttheater dienen kann.

mahl gebhard konzepte

Das Büro mahl·gebhard·konzepte mit Sitz in München wurde 1986 gegründet und 2009 in eine Partnerschaftsgesellschaft mit Andrea Gebhard und Johannes Mahl-Gebhard als Geschäftsführer umfirmiert. 2022 wurden Markus Anzengruber, Johannes Kruck, Annette Pfundheller und Katrin Rismont PartnerInnen des Büros. Seither steht Johannes Mahl-Gebhard als Berater zur Verfügung. mahl·gebhard·konzepte beschäftigt 40 Mitarbeiter*innen aus den Disziplinen der Landschaftsarchitektur, Landschaftsplanung, Umweltökologie, Stadtplanung, Architektur und Urban Design.

In der Nutzung von Ansätzen, Denkweisen oder Methoden verschiedener Fachrichtungen sehen wir nicht nur die Möglichkeit, Planungen an den unterschiedlichen Bedürfnissen unserer Zeit zu orientieren, sondern auch die Chance Ökologie und Ästhetik zukunftsweisend zu verbinden. Langjährige Erfahrung, erworbene Vielseitigkeit, effiziente Arbeitsabläufe, eine klare gestalterische Sprache und realisierbare Visionen helfen uns dabei, das besondere Gesamte zu schaffen.

Landschaftsarchitektur sucht im Spannungsfeld der Planungen von Architektur, Städtebau und Infrastruktur nach neuen räumlichen Aussagen, kulturellen Eigenarten und gestalterischen Perspektiven. Hierbei ist die Rückkopplung von Landschaftsarchitektur mit den gesellschaftlichen Strukturen und zeitgenössischen Kontexten nicht nur notwendig, sondern unerlässlich.

Weiterlesen: In der G+L 09/24 stellen wir 54 Stadtoasen aus fünf Ländern vor. Das Heft ist im Shop erhältlich. Weiter grüne Oasen sind hier zu entdecken.

 Übrigens: Die Internationale Bauausstellung (IBA) der Metropolregion München 2034 sucht nach Ideen für die Mobilität der Zukunft.

 

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Cortenstahl Rost Beschleunigen: Material, Detail und Praxis

Ein Detail von Belag und Freiraummaterial zum Thema Cortenstahl Rost Beschleunigen
Verrostete Metalloberfläche mit starker Korrosionsbildung – ein Zeichen des Verfalls im urbanen Raum. Foto: citylop/Unsplash

Cortenstahl gehört zu den wenigen Materialien im Außenraum, die ihren endgültigen Zustand erst durch Witterung erreichen. Die charakteristische rotbraune Oxidschicht, die sogenannte Patina, ist kein Mangel, sondern das Ziel: Sie bildet eine dichte, selbstschützende Deckschicht, die das darunter liegende Metall vor weiterer Korrosion bewahrt. Wer Cortenstahl rost beschleunigen möchte, greift in diesen natürlichen Prozess ein, um planbare Ergebnisse zu erzielen, Ausblutungen auf angrenzende Materialien zu minimieren und die Schutzwirkung der Patina früher zu aktivieren. Das setzt fundiertes Wissen über Metallurgie, Detailplanung und Anwendungstechnik voraus.

  • Was Cortenstahl metallurgisch auszeichnet und wie die Patina entsteht
  • Warum das gezielte Beschleunigen der Rostbildung planerisch und technisch sinnvoll ist
  • Welche chemischen und mechanischen Methoden zur Beschleunigung eingesetzt werden
  • Welche Detailpunkte im Entwurf über Erfolg oder Misserfolg der Patinabildung entscheiden
  • Wie Ausblutungen auf Beton, Naturstein und Pflaster vermieden werden
  • Welche Normen, Gütebezeichnungen und Produktnormen für Cortenstahl relevant sind
  • Wie die Pflege und Kontrolle der Patina im laufenden Betrieb aussieht
  • Wo Cortenstahl im Außenraum nicht verwendet werden sollte und warum

Was Cortenstahl ist: Werkstoff, Norm und Metallurgie

Cortenstahl ist kein Markenname mehr, sondern ein eingebürgerter Gattungsbegriff für wetterfeste Baustähle, die durch gezielte Legierungszusätze eine schützende Oxidschicht ausbilden. Die normative Bezeichnung lautet wetterfester Baustahl; die europäische Produktnorm EN 10025-5 regelt die Gütegruppen S235J0W, S355J0W und S355J2W sowie weitere Varianten. Der Zusatz „W“ steht für „weathering“, also Bewitterung. Im Sprachgebrauch der Landschaftsarchitektur und des Ingenieurbaus hat sich „Cortenstahl“ als Kurzform etabliert, auch wenn der ursprüngliche Handelsname „COR-TEN“ der US Steel Corporation entstammt.

Die schützende Wirkung beruht auf Legierungselementen wie Kupfer, Chrom, Nickel und Phosphor, die in kleinen Anteilen dem Stahl beigemischt werden. Diese Elemente fördern die Bildung einer amorphen, dichten Oxidschicht, die sich von gewöhnlichem Rost grundlegend unterscheidet. Normaler Rost auf unlegiertem Stahl ist porös, wasseraufnahmefähig und treibt die Korrosion kontinuierlich voran. Die Patina des wetterfesten Stahls hingegen ist kompakt, haftet fest am Grundmaterial und wirkt als Diffusionsbarriere gegen Sauerstoff und Wasser. Dieser Unterschied ist der Kern der Materialphilosophie.

Die Patinabildung setzt voraus, dass das Material regelmäßig dem Wechsel von Befeuchtung und Austrocknung ausgesetzt wird. Dauerhaft nasse oder dauerhaft trockene Bedingungen verhindern die Ausbildung der stabilen Schutzschicht. In sehr feuchten, schlecht belüfteten Einbausituationen, etwa in Bodenkontakt ohne Drainage oder in dauerhaft beschatteten Mulden, kann sich die Patina nicht vollständig schließen, und der Stahl korrodiert weiter als erwartet. Das ist ein wesentlicher Planungshinweis, der in der Praxis häufig unterschätzt wird.

Cortenstahl rost beschleunigen: Warum und wann es sinnvoll ist

Frisch gelieferter Cortenstahl zeigt zunächst eine silbrig-graue, walzfrische Oberfläche oder eine erste, noch ungleichmäßige Anlaufoxidation. Die natürliche Patinabildung dauert je nach Klimazone, Exposition und Bauteilgeometrie zwischen einem und mehreren Jahren. In dieser Übergangsphase ist das Material optisch unfertig, und vor allem: Es blutet aus. Die wasserlöslichen Eisenoxide der frühen Rostphase werden durch Regen abgewaschen und hinterlassen auf angrenzenden Materialien, also auf Betonpflaster, Naturstein, Kies oder Holzdecks, intensiv rotbraune Verfärbungen, die sich kaum entfernen lassen.

Cortenstahl rost beschleunigen dient daher primär zwei Zielen: dem ästhetischen Ziel einer gleichmäßigen, reifen Patina vom ersten Tag der Inbetriebnahme an, und dem technischen Ziel, die Phase intensiver Ausblutung zu verkürzen oder zu verlagern, bevor das Bauteil eingebaut wird. Wer ein Cortenstahl-Pflanzgefäß, eine Stützwand oder ein Fassadenelement bereits mit vorgewitterter Oberfläche liefert, vermeidet Reklamationen und Folgeschäden am Bestand. Für Planer bedeutet das: Die Frage nach der Vorbehandlung gehört in die Ausschreibung und in die Werkplanung, nicht erst in die Abnahme.

Ein weiterer Grund für die gezielte Beschleunigung liegt in der Gleichmäßigkeit. Natürliche Bewitterung erzeugt eine Patina, die von Exposition, Verschmutzung, Wasserführung und Geometrie abhängt. Flächen mit unterschiedlicher Neigung, Verschattung oder Wasserablauf patinieren ungleichmäßig. Wer eine homogene Oberfläche anstrebt, muss entweder lange warten und auf günstige Bedingungen hoffen, oder er beschleunigt den Prozess kontrolliert. Für hochwertige Gestaltungsaufgaben, etwa bei skulpturalen Objekten, Brückengeländern oder Fassadenverkleidungen, ist die kontrollierte Vorbehandlung die professionellere Wahl.

Methoden zur Beschleunigung der Patinabildung: Chemie, Mechanik und Witterung

Die gebräuchlichsten Methoden lassen sich in drei Gruppen einteilen: chemische Behandlung, mechanische Vorbehandlung der Oberfläche und gezielte Exposition unter kontrollierten Witterungsbedingungen. In der Praxis werden diese Methoden häufig kombiniert.

Die chemische Behandlung arbeitet mit sauren Lösungen, die den Oxidationsprozess unmittelbar auslösen. Verdünnte Salzsäure, Phosphorsäure oder spezielle Beizpasten für wetterfeste Stähle werden auf die gereinigte Stahloberfläche aufgetragen, reagieren mit dem Eisen und erzeugen innerhalb von Stunden eine erste Oxidschicht. Anschließend wird die Fläche gründlich mit Wasser abgespült, um Säurereste zu entfernen, die sonst die Patina destabilisieren würden. Mehrere Behandlungszyklen, jeweils mit Trockenphasen dazwischen, bauen die Schicht sukzessive auf. Kommerzielle Produkte für das Cortenstahl rost beschleunigen sind im Fachhandel erhältlich; sie enthalten in der Regel Phosphorsäure in Kombination mit Eisensalzen und Netzmitteln und sind für den handwerklichen Einsatz formuliert.

Die mechanische Vorbehandlung zielt darauf ab, die walzfrische Oberfläche aufzurauen und damit die reaktive Oberfläche zu vergrößern. Strahlen mit Korund oder Stahlgrit, Schleifen oder Bürsten mit Stahlbürsten entfernen die Walzhaut und schaffen eine gleichmäßige, mikroraue Struktur, auf der die Oxidation schneller und gleichmäßiger ansetzt. Wichtig ist, dass dabei kein Fremdstahl in die Oberfläche eingetragen wird, weil unlegierter Stahl als Kontaminant die Patinabildung lokal stört und zu Flecken führt. Werkzeuge und Strahlmittel müssen deshalb ausschließlich für wetterfeste Stähle verwendet und nicht mit anderen Stählen in Kontakt gewesen sein.

Die dritte Methode ist die kontrollierte Freibewitterung vor dem Einbau. Dabei werden die Bauteile auf dem Werksgelände oder auf einer geeigneten Freifläche so gelagert, dass sie intensiver Bewitterung ausgesetzt sind: freistehend, geneigt für guten Wasserablauf, ohne Abdeckung. Regelmäßiges Besprühen mit Wasser, idealerweise leicht gesalzenem Wasser, beschleunigt den Prozess zusätzlich. Diese Methode ist kostengünstig, aber zeitaufwendig und witterungsabhängig. Sie eignet sich gut für große Serien gleichartiger Bauteile, die mit ausreichend Vorlauf gefertigt werden.

Salzlösungen und Essig: Grenzen der Hausmittel

In verschiedenen Quellen kursieren Empfehlungen, Cortenstahl mit Essig, Salzwasser oder Wasserstoffperoxid zu behandeln. Diese Mittel erzeugen tatsächlich eine schnelle Oxidation, die jedoch nicht zwingend der stabilen Patina eines wetterfesten Stahls entspricht. Essig (Essigsäure) kann die Oberfläche angreifen und eine lockere, nicht haftfeste Oxidschicht erzeugen, die beim ersten Regen abgewaschen wird. Salzwasser beschleunigt die Korrosion, kann aber bei ungleichmäßiger Anwendung zu Lochfraß führen, besonders an Schnittkanten und Schweißnähten. Für professionelle Anwendungen im Außenraum sind diese Methoden nicht empfehlenswert. Sie mögen für kleine Objekte im privaten Bereich funktionieren, erfüllen aber nicht die Anforderungen an Gleichmäßigkeit, Haftfestigkeit und Langzeitstabilität, die im Planungskontext gelten.

Detailplanung: Schnittkanten, Schweißnähte, Entwässerung und Einbausituationen

Die Qualität der Patina hängt nicht allein von der Oberflächenbehandlung ab, sondern maßgeblich von der konstruktiven Detailplanung. Schnittkanten, die durch Plasmaschneiden, Laserschneiden oder Sägen entstehen, zeigen eine andere Mikrostruktur als gewalzte Flächen und patinieren zunächst ungleichmäßig. Kanten, die dauerhaft Wasser halten, also nach oben offene Hohlprofile, horizontale Flächen ohne Gefälle oder Taschen in der Geometrie, sind kritische Punkte. Stehendes Wasser verhindert die notwendigen Trocknungsphasen und fördert statt der stabilen Patina eine fortschreitende Lochkorrosion.

Schweißnähte sind besonders sensibel. Die Wärmeeinflusszone verändert das Gefüge des Stahls lokal, und Schweißzusätze müssen zwingend auf den Grundwerkstoff abgestimmt sein. Für wetterfeste Stähle nach EN 10025-5 sind spezifische Schweißzusätze vorgeschrieben, die ebenfalls wetterfeste Eigenschaften aufweisen. Werden Standard-Schweißzusätze verwendet, entstehen an den Nähten Bereiche, die nicht patinieren, sondern weiter korrodieren. Das Ergebnis sind sichtbare, dunkle Streifen entlang der Schweißnähte und ein erhöhtes Korrosionsrisiko an diesen Stellen. Schweißnähte sollten nach dem Fügen geschliffen und entschlackt werden, um Zunderschichten zu entfernen, die die Patinabildung behindern.

Die Entwässerung ist ein zentrales Planungsthema. Cortenstahl-Bauteile müssen so konstruiert sein, dass Regenwasser schnell und vollständig ablaufen kann. Gefälle von mindestens zwei Prozent auf horizontalen Flächen, Tropfkanten an Unterkanten, Entwässerungsöffnungen in Hohlprofilen und ausreichende Abstände zu angrenzenden Materialien sind konstruktive Mindestanforderungen. Besonders kritisch ist der Bodenkontakt: Cortenstahl, der dauerhaft in feuchtem Boden steht, korrodiert ungehindert weiter, weil die Trocknungsphasen fehlen. Die Unterkante von Stützen, Pfosten und Wandelementen muss entweder durch Sockel aus Beton oder Edelstahl vom Boden abgehoben oder durch eine geeignete Beschichtung im Erdbereich geschützt werden. Viele Hersteller empfehlen für den Erdbereich eine Bitumenbeschichtung oder eine Epoxidgrundierung, die den Übergang zur Patina-Zone überbrückt.

Im Bereich von Fugen und Anschlüssen zu anderen Materialien ist besondere Sorgfalt geboten. Cortenstahl darf nicht in direktem Kontakt mit Aluminium, Zink oder verzinkten Bauteilen stehen, da die unterschiedlichen Elektrodenpotenziale zu galvanischer Korrosion führen. Trennlagen aus Kunststoff, Gummi oder beschichteten Blechen sind in solchen Anschlusssituationen zwingend erforderlich. Auch der Kontakt mit Beton ist kritisch, weil der alkalische Zementleim die Patinabildung lokal beeinflusst und Verfärbungen an der Betonoberfläche verursacht.

Ausblutungen vermeiden: Schutz angrenzender Materialien

Die Ausblutung von Eisenoxiden auf angrenzende Materialien ist das häufigste ästhetische Problem beim Einsatz von Cortenstahl im Außenraum. Besonders betroffen sind helle Betonoberflächen, Kalkstein, Sandstein, Kies und Holzdecks. Die rotbraunen Verfärbungen entstehen durch wasserlösliche Eisenverbindungen, die in der frühen Rostphase aus dem Stahl ausgewaschen werden und in die porösen Oberflächen angrenzender Materialien eindringen. Einmal eingedrungen, lassen sich diese Verfärbungen kaum vollständig entfernen; Oxalsäure oder spezielle Rostentferner können die Oberfläche aufhellen, aber selten vollständig reinigen.

Präventive Maßnahmen beginnen beim Entwurf. Cortenstahl-Elemente sollten so positioniert werden, dass das ablaufende Wasser nicht auf empfindliche Materialien trifft. Rinnen, Kiesbetten aus dunklem Basalt oder Schotter, Betonelemente aus Grau- oder Dunkelzuschlag oder Abstandshalter, die das Wasser gezielt ableiten, sind gestalterische und technische Mittel, um die Ausblutungszone zu kontrollieren. Wer Cortenstahl-Pflanzgefäße auf hellem Pflaster aufstellt, muss entweder Untersetzer oder Entwässerungsrinnen vorsehen, oder er nimmt die Verfärbung als gestalterisches Element bewusst in Kauf.

Vorgewitterte oder chemisch vorbehandelte Bauteile bluten deutlich weniger aus als frisch gelieferter Stahl, weil die stabile Patina die Menge der wasserlöslichen Oxide stark reduziert. Das ist ein weiteres, praktisches Argument für das Cortenstahl rost beschleunigen vor dem Einbau: Es schützt nicht nur die Optik des Bauteils selbst, sondern auch die Umgebung. Für Projekte mit hohen Anforderungen an die Sauberkeit angrenzender Materialien, etwa bei Denkmalpflege, Museumsaußenanlagen oder repräsentativen Stadtplätzen, ist die Vorbehandlung keine Option, sondern eine Pflicht.

Pflege, Kontrolle und Langzeitverhalten der Patina

Eine vollständig ausgebildete, stabile Patina auf wetterfestem Stahl ist weitgehend wartungsfrei. Sie regeneriert sich bei mechanischen Beschädigungen selbst, solange die Witterungsbedingungen stimmen. Dennoch erfordert Cortenstahl im Außenraum eine regelmäßige Sichtkontrolle, besonders in den ersten Jahren nach dem Einbau und an konstruktiv kritischen Stellen. Schäden an der Patina, die durch mechanische Einwirkung, Graffiti oder Reinigungsmaßnahmen entstehen, sollten dokumentiert und bei Bedarf durch erneute Behandlung mit geeigneten Mitteln nachgebessert werden.

Graffiti auf Cortenstahl ist ein besonderes Problem, weil aggressive Lösungsmittel die Patina angreifen können. Für die Reinigung empfehlen Fachleute mechanische Methoden wie Niederdruckwaschen oder Bürsten gegenüber chemischen Lösungsmitteln. Schutzanstriche gegen Graffiti sind auf Cortenstahl nur bedingt geeignet, weil sie die Patinabildung behindern und optisch verändern. In vandalismusgefährdeten Bereichen ist die Materialwahl grundsätzlich zu überdenken.

Langfristig, über Jahrzehnte, verändert sich die Patina weiter. Sie wird dunkler, dichter und in ihrer Textur feiner. In städtischen Umgebungen mit Luftverschmutzung kann sich die Patina schneller aufbauen, aber auch ungleichmäßiger werden. In Küstennähe, wo Chloride in der Luft vorhanden sind, ist wetterfester Stahl nur bedingt geeignet: Chloride destabilisieren die Patina und können zu Lochkorrosion führen. Die einschlägigen Normen und Fachinformationen der Stahlinstitute geben Grenzwerte für die Chloridbelastung an, ab denen ein Einsatz nicht mehr empfohlen wird. Für Meeresküsten und chloridbelastete Industriestandorte ist Cortenstahl grundsätzlich ungeeignet.

Cortenstahl im Kontext der Freiraumplanung: Potenzial und Grenzen

Cortenstahl hat sich in der Landschaftsarchitektur und im Ingenieurbau als eigenständige Materialsprache etabliert. Seine Stärken liegen in der Robustheit, der Wartungsarmut nach vollständiger Patinabildung, der gestalterischen Ausdruckskraft der lebendigen Oberfläche und der Fähigkeit, sich in natürliche Materialumgebungen aus Stein, Holz und Vegetation einzufügen. Pflanzgefäße, Stützwände, Brückengeländer, Zaunelemente, Skulpturen, Wegeinfassungen und Fassadenverkleidungen sind typische Anwendungsfelder.

Die Grenzen liegen dort, wo die Voraussetzungen für eine stabile Patinabildung nicht gegeben sind: in dauerhaft feuchten oder dauerhaft trockenen Einbausituationen, in chloridbelasteten Umgebungen, im direkten Erdkontakt ohne Schutzmaßnahmen und in Bereichen, wo Ausblutungen auf empfindliche Materialien nicht toleriert werden können. Wer Cortenstahl rost beschleunigen möchte, um diese Übergangsphase zu verkürzen, handelt planerisch klug, löst aber nicht alle konstruktiven Probleme. Die Detailplanung bleibt entscheidend.

Die professionelle Auseinandersetzung mit wetterfestem Stahl setzt voraus, dass Planer die Werkstoffeigenschaften, die normativen Grundlagen und die handwerklichen Anforderungen kennen. Cortenstahl rost beschleunigen ist kein Trick, sondern ein Teil des Qualitätsmanagements für ein anspruchsvolles Material. Wer diesen Schritt bewusst in die Planung integriert, wer Schnittkanten, Schweißnähte, Entwässerung und Anschlussmaterialien von Anfang an mitdenkt, und wer die Grenzen des Materials kennt und respektiert, erhält ein Baumaterial, das mit der Zeit schöner wird und das seinen Platz im Außenraum mit Würde behauptet.

Seit jeher hat er der Rhein in der trinationalen Agglomeration Basel einen besonderen Stellenwert. Dort, wo die drei Länder Deutschland, Frankreich und Schweiz aufeinandertreffen, ist er mehr als ein Handelsweg: Er ist Park, Schwimmbad und Touristenattraktion. Doch administrative Planungsgrenzen haben nie zugelassen, dass der Rhein als ein verbindendes landschaftliches Element über alle Grenzen hinweg entwickelt wird. Dies möchte die IBA Basel 2020 ändern. Seit 2010 arbeitet sie mit der Projektgruppe Rheinliebe daran, den Rheinabschnitt zwischen Bad Bellingen im Osten und den beiden Rheinfelden im Westen grenzüberschreitend gemeinsam zu transformieren.

Wichtiges Projekt: Rheinuferweg St. Johann
Ein zentrales Projekt der Gruppe Rheinliebe ist der „Rheinuferweg St. Johann Basel“. Aufgrund der Hafennutzung im Basel Stadtteil St. Johann war es bisher nicht möglich, entlang des Rheinufers von Basel ins französische Huningue zu gelangen. Mit dem Rückbau des Hafens ergab sich für die beiden Länder die einmalige Chance, eine länderübergreifende Wegverbindung zu schaffen. Seit April 2016 verbindet der Fuß- und Radweg Frankreich mit der Schweiz.

Mehr zum Projekt Rheinliebe gibt’s hier!

Mehr zur IBA Basel 2020 gibt’s hier!