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„Wir sollten für mehr grüne Freiräume eintreten“

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Schwarz-Weiß-Porträt einer Frau; Julia Pültz ist Commercial Director Central Europe bei Vestre. Foto: Vestre
Julia Pültz ist Commercial Director Central Europe bei Vestre. Foto: Vestre
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Es gibt ein großes Potenzial an Grünflächen im städtischen Raum, das jedoch nicht vollständig genutzt wird. Hier setzt Vestre mit seinen Außenmöbeln an. Im Interview mit Julia Pültz, Commercial Director Central Europe bei Vestre, wird schnell klar, wofür die Stadtmöblierer stehen.

Schaffung nachhaltiger Treffpunkte

Julia Pültz, Klimaanpassung und Klimaschutz sind weltweit zu politischen Schlagwörtern geworden. Wie wichtig sind Ihrer Meinung nach Klimaanpassung und Klimaschutz in der internationalen Politik und in der Stadtverwaltung wirklich? Was ist Ihr Eindruck?

Es ist gut, dass wir anfangen, allgemein über die klimatischen Herausforderungen zu sprechen. Es ist nicht mehr möglich, nicht darüber zu kommunizieren. Sie müssen daher ganz oben auf der politischen Agenda stehen, schon allein aufgrund des öffentlichen Drucks. Die tatsächliche Bedeutung und die damit verbundene Investitionsbereitschaft sind jedoch von Region zu Region sehr unterschiedlich. Einige Städte und Länder haben erhebliche Fortschritte gemacht und nehmen ihre Verpflichtungen ernst, um das 1,5-Grad-Ziel des Pariser Abkommens zu erreichen und eine lebenswerte, an die neuen Bedingungen angepasste Umwelt zu schaffen.

Dazu gehört die Schaffung sozial nachhaltiger Treffpunkte, die sich positiv auf das Stadtklima auswirken, indem sie autofreie Zonen fördern, die Flächenversiegelung verringern und die biologische Vielfalt durch Grünflächen und Bepflanzung unterstützen.

Solche Räume fördern die Gemeinschaft, verbessern die Lebensqualität und tragen zur Klimaresilienz bei. Es ist wichtig, dass politische Entscheidungsträger*innen und Stadtverwaltungen diese ganzheitliche Perspektive einnehmen und aktiv in Projekte investieren, die sowohl ökologische als auch soziale Vorteile bieten.

Sozial nachhaltige Treffpunkte können sich positiv auf das Stadtklima auswirken, beispielsweise indem sie autofreie Zonen fördern. Foto: © Adam Stirling
Sozial nachhaltige Treffpunkte können sich positiv auf das Stadtklima auswirken, beispielsweise indem sie autofreie Zonen fördern. Foto: © Adam Stirling

Suche nach kohlenstoffarmen Lösungen

Welche Projekte und Strategien müssen Politik und Gesellschaft unbedingt angehen, um den Klimawandel in der Stadt tatsächlich zu bekämpfen? Wie würden Sie die Prioritäten setzen?

Das ist eine mutige Frage, Theresa! Was alle meine Punkte gemeinsam haben, ist die Notwendigkeit eines starken politischen Engagements und die Notwendigkeit einer engen Zusammenarbeit zwischen öffentlichen Behörden, der Zivilgesellschaft und dem privaten Sektor. Generell geht es um die Dekarbonisierung und die Suche nach kohlenstoffarmen Lösungen, ein besseres Materialmanagement mit Kreislauflösungen und die Erleichterung der Mobilität mit geringeren Fußabdrücken.

Zum Beispiel:

Energieeffiziente Renovierung von Gebäuden: Energieeffizienzmaßnahmen und die Nutzung erneuerbarer Energien sind heute in der Regel ein fester Bestandteil einer nachhaltigen Stadtplanung. Für mich ist jedoch das Konzept des Urban Mining wesentlich. Wir müssen diesen zusätzlichen Schritt als eine ganz normale Haltung verinnerlichen und Gebäude als Materiallager verstehen. Urban Mining ermöglicht die Gewinnung und Wiederverwendung von Rohstoffen aus bestehenden Gebäuden und städtischer Infrastruktur. Plattformen wie Concular fördern die effiziente Wiederverwendung von Materialien aus Abbruchprojekten.

Förderung grüner Infrastruktur in städtischen Gebieten: Parks, begrünte Dächer und vertikale Gärten tragen erheblich zur Verringerung der städtischen Wärmeinseln und zur Verbesserung der Luftqualität bei. Grüne Infrastruktur erhöht die Artenvielfalt, speichert CO2 und bietet wertvolle Erholungsgebiete für die Bevölkerung. Außerdem fördern sie die soziale Interaktion und das Wohlbefinden der Stadtbewohner.

Nachhaltige Mobilität: Investitionen in den öffentlichen Verkehr, der Ausbau von Radwegen und die Einrichtung von Fußgängerzonen sind für die CO2-Reduzierung von entscheidender Bedeutung. Das Konzept der autofreien Städte/Stadtteile und die Förderung der geteilten Mobilität tragen ebenfalls zur gewünschten Reduzierung des Individualverkehrs bei.

Qualitativ hochwertige Produkte

Der kürzlich veröffentlichte Vestre Impact Report 2023 hat einen konkreten Dekarbonisierungsplan für das Unternehmen definiert. Ihr Ziel ist es, in Zukunft als der nachhaltigste Stadtmöbelhersteller der Welt bekannt zu sein.  Wie weit sind Sie von diesem Ziel entfernt?

Der Impact Report für 2023 zeigt einen Zwischenstand unserer Reise in Richtung Dekarbonisierung und unserer Vestre Vision Zero und beschreibt ehrlich und transparent unseren konkreten und realistischen Plan bis 2030 und darüber hinaus.

Mehr als 98 Prozent unserer Emissionen sind indirekt und liegen außerhalb unserer direkten Kontrolle, aber innerhalb unserer Wertschöpfungskette. Beispiele hierfür sind eingekaufte Rohstoffe und der Transport zu unseren Kunden. Wir haben bei unseren Lieferant*innen und Dienstleister*innen bereits erhebliche Fortschritte erzielt, darunter die Einführung von HVO-Diesel für den Transport, von mit Biogas betriebenen Lkw und die Abnahme der ersten Chargen fossilfreien Stahls. Viele der technologischen Fortschritte wie fossilfreier Stahl (FFS) und die Elektrifizierung des Verkehrs werden in der zweiten Hälfte dieses Jahrzehnts erfolgen. Die andere wichtige Säule des Plans ist unser Übergang zur Kreislaufwirtschaft, Vestre Vision Zero.

Unsere Vision Zero zielt darauf ab, dass alle Vestre-Produkte durch qualitativ hochwertige Herstellung, Wartung, Reparatur und Aufarbeitung ewig halten.

Unsere Bemühungen um Transparenz und Rückverfolgbarkeit sind von entscheidender Bedeutung, und wir sind zuversichtlich, dass wir durch kontinuierliche Innovation und Zusammenarbeit unser ehrgeiziges Ziel erreichen werden.

Als Bevölkerung sollten wir viel entschlossener für grüne Freiräume eintreten, um von der Stadtverwaltung gehört und von der Politik unterstützt zu werden, so Julia Pültz von Vestre im Interview. Foto: Paul Upward
Als Bevölkerung sollten wir viel entschlossener für grüne Freiräume eintreten, um von der Stadtverwaltung gehört und von der Politik unterstützt zu werden, so Julia Pültz von Vestre im Interview. Foto: Paul Upward

Nutzung von Freiräumen rund um die Uhr

Wie kaum ein anderes Unternehmen schafft Vestre durch seine Arbeit wirklich nachhaltige und attraktive Freiräume. Gerade Freiräume stehen mit der fortschreitenden Urbanisierung zunehmend unter Druck. Wo sehen Sie noch Raum für Freiräume in der Stadt der Zukunft? Müssen wir bei der Stadtgestaltung kreativer werden?

Ich denke, wir sollten als Bevölkerung viel entschlossener für grüne Freiräume eintreten, um von der Stadtverwaltung gehört und von der Politik unterstützt zu werden. Das erfordert natürlich ein gewisses Maß an Flexibilität und für manche auch Verzicht oder Umdenken.

Wenn die „neue Mobilität“ konsequent gefördert, umgesetzt und von der Bevölkerung akzeptiert wird, haben unsere Städte ein enormes Potenzial an Grünflächen und Treffpunkten im Freien. Es liegt buchstäblich auf der Straße. Parkplätze und sogar ganze Fahrspuren könnten in grüne Oasen und Radwege verwandelt werden. Darüber hinaus bieten Dächer und Fassaden Platz für städtische Gärten, und ungenutzte Flächen können vorübergehend als Gemeinschaftsgärten oder Veranstaltungsorte genutzt werden.

In Skandinavien ist es auch üblich, Schulhöfe nach Schulschluss als Parks und Treffpunkte für alle Generationen zu nutzen. Diese 24/7-Nutzung spiegelt sich auch in der Pflege und Qualität der Gestaltung dieser Flächen wider. Eine gut durchdachte Zonierung, Bepflanzung und Möblierung schaffen eine bedarfsgerechte Verteilung von Orten zum Teilen/Lernen, Spielen und Ausruhen. Das passt gut zur Mission von Vestre, soziale Treffpunkte zu schaffen. Unser Ziel ist es, eines Tages in der Lage zu sein, den gesellschaftlichen Nettonutzen solcher Treffpunkte in der Nähe aufzuzeigen, sowohl im Hinblick auf die physische als auch auf die psychische Gesundheit.

Der Park vor der Glasfassade unserer Fabrik „The Plus“ in Magnor, Norwegen, ist für alle zugänglich, ebenso wie die Dachterrasse des Gebäudes. Vielleicht ein Impuls für mehr Offenheit und Zugänglichkeit von privaten/betrieblichen Räumen?

Kurzvita

Julia Pültz leitet als Managing Director das Europa-Geschäft von Vestre GmbH und beeinflusst als Mitglied des globalen Impact Councils die strategische Ausrichtung des Unternehmens. Ihre vorherige Rolle als Mitglied der Geschäftsleitung einer internationalen Zeitschrift für Architektur und Baudetail unterstreicht ihre Branchenpräsenz. Mit über 20 Jahren Erfahrung im Marketing und Vertrieb, vornehmlich für Bauprodukte-Hersteller, sowie in strategisch operativer Funktion bei einem SCHÜCO Start-up, bringt sie umfassende Kenntnisse und ein tiefes Verständnis für den großen Impact und die Herausforderungen dieser Branche mit. Ein zentrales Anliegen von Julia Pültz ist die Förderung der Zirkularität von Rohstoffen und die Schaffung integrativer sozialer Treffpunkte, um deren positive Effekte auf Menschen und die Umwelt erlebbar zu machen.

Über Vestre

Vestre glaubt an die Kraft von Treffpunkten im Freien und stehen seit über 75 Jahren für hochwertige, langlebige Außenmöbel. Heute sind sie Norwegens führender Hersteller von Stadtmobiliar.

In ihrem Streben nach Nachhaltigkeit verwendet Vestre Materialien aus der Region und kontrolliert bereits etwa 90 Prozent seiner Wertschöpfungskette. In Magnor, Norwegen steht „The Plus“, die umweltfreundlichste Möbelfabrik der Welt. In Torsby, Schweden befinden sich Vestres Stahlwerk und die Oberflächenbearbeitung.

Vestre hat sich der Entwicklung von Produkten verschrieben, die ein Leben lang halten.
So kann zum Beispiel eine lebenslange Rostschutzgarantie auf Vestres Produkte gegeben werden – ein wichtiger Aspekt der Nachhaltigkeitsphilosophie des Unternehmens.

In Zusammenarbeit mit renommierten Designer*innen geht Vestre immer wieder über die Grenzen von Design, Beständigkeit und Funktionalität hinaus.

Vestre ist ein Möbelunternehmen und doch so vieles mehr: eine Gemeinschaft von Denker*innen, Designer*innen und Umweltschützer*innen.
Mit seinen Innovationen will Vestre andere dazu anregen, Entscheidungen zugunsten der Umwelt zu treffen, denn sie finden: Jede*r kann die Welt verändern – zumindest ein bisschen.

www.vestre.com

Dieses Interview ist Teil der Beat the Heat Initiative, die Vestre supportet. Mehr zu Beat the Heat erfahren Sie hier.

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Zwischen Genehmigung und Gestaltung – wie das Bauordnungsrecht Innovation blockieren kann

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Juristenhammer auf Holz, symbolisch für die rechtlichen Hürden und den Einfluss des Bauordnungsrechts auf Innovationen im Bauwesen.
Rechtliche Rahmenbedingungen als Innovationsbremse in der Stadtplanung. Foto von Sasun-Bughdaryan
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Genehmigungsprozesse in der Stadtplanung – klingt nach trockener Bürokratie, ist aber oft der geheime Showstopper für innovative Stadtgestaltung. Zwischen mutigen Entwürfen und ihrer Realisierung stehen nicht selten Gesetzesparagrafen, Bauordnungen und behördliche Routinen, die Kreativität eher bremsen als beflügeln. Wer wissen will, warum und wie das deutsche Bauordnungsrecht zum Innovationsfilter wird, findet hier fundierte Antworten, fachliche Einordnung und einen optimistischen Blick auf Wege aus dem Paragrafendschungel.

  • Einführung in das Bauordnungsrecht und seine Rolle als Schaltstelle zwischen Genehmigung und Gestaltung urbaner Räume
  • Analyse typischer Konfliktfelder zwischen innovativen Planungsansätzen und rechtlichen Vorgaben
  • Fallstudien und Beispiele aus dem deutschsprachigen Raum, die Hürden und Chancen illustrieren
  • Erörterung der Wechselwirkung zwischen rechtlicher Planungssicherheit und gestalterischer Freiheit
  • Einblick in aktuelle Reformdebatten, Normungsprozesse und internationale Perspektiven
  • Diskussion über die Rolle von Verwaltungskultur, Ermessensspielräumen und Partizipation
  • Strategien für Planer und Kommunen, um Innovationsblockaden zu überwinden
  • Reflexion über den notwendigen Kulturwandel für eine zukunftsorientierte Stadtentwicklung
  • Abschließende Bewertung und Ausblick auf die Evolution von Bauordnungsrecht und Gestaltungsspielräumen

Bauordnungsrecht: Hüter der Ordnung oder Innovationsbremse?

Das deutsche Bauordnungsrecht ist ein Fels in der Brandung der Stadtplanung – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Denn seine zentralen Prinzipien, von der Gefahrenabwehr über die Sicherung von Mindeststandards bis hin zum Schutz des öffentlichen Interesses, sind historisch gewachsen und tief in der DNA unserer Städte verankert. Doch so unverrückbar diese Normen erscheinen mögen, so ambivalent ist ihre Wirkung für die moderne Stadtgestaltung. Während sie einerseits für Verlässlichkeit, Planbarkeit und Gleichbehandlung sorgen, verwandeln sie sich in der Praxis nicht selten in einen undurchdringlichen Dschungel aus Vorschriften, Normen und Auslegungen, der Innovationen erschwert oder sogar verhindert.

Ein Blick auf die Bauordnung eines beliebigen Bundeslandes genügt, um die Komplexität zu erahnen: Von Abstandsflächen über Brandschutzanforderungen und Belichtungsnormen bis hin zu Stellplatzverordnungen und Gestaltungssatzungen reicht das Arsenal bauordnungsrechtlicher Instrumente. Jede dieser Vorschriften verfolgt ein spezifisches Ziel, oft mit guten Gründen. Doch die Summe der Einzelregeln erzeugt ein System, das schwerfällig auf Veränderungen reagiert und den Spielraum für kreative, nachhaltige oder experimentelle Lösungen eng begrenzt.

Gerade im Kontext von Nachverdichtung, Klimaanpassung oder neuer Mobilitätskonzepte stoßen Planer immer wieder an bauordnungsrechtliche Grenzen. Ein grünes Dach? Prima Idee, aber was sagt die Feuerwehr zur Zugänglichkeit bei Brand? Wohnnutzung im Erdgeschoss eines Gewerbebaus? Theoretisch machbar, praktisch aber oft ein Spießrutenlauf durch Nutzungsvorgaben und Lärmschutzauflagen. Die Liste ließe sich beliebig verlängern – und illustriert ein Grunddilemma: Zwischen dem legitimen Bedürfnis nach Schutz und Ordnung und dem Wunsch nach Innovation klafft eine Lücke, die sich selten elegant, sondern meist nur mühsam überbrücken lässt.

Hinzu kommt die föderale Vielfalt: Bauordnungen sind Ländersache, ihre Auslegung liegt bei den Kommunen. Was in München geht, kann in Düsseldorf unmöglich sein – und umgekehrt. Diese Fragmentierung erschwert nicht nur die Verbreitung guter Lösungen, sondern bremst auch Investitionen und Innovationsbereitschaft. Denn wer will schon riskieren, dass ein preisgekröntes Konzept an der Landesgrenze scheitert, weil hier andere Regeln gelten als dort?

All das führt zu einer paradoxen Situation: Während Städte und Gemeinden nach Lösungen für die Transformation ihrer Räume suchen, steht das Bauordnungsrecht oft wie ein Wächter vor dem Tor zur Zukunft – mit dem Schlüssel in der Hand, aber selten der Lust, ihn zu drehen. Wer wirklich gestalten will, muss also nicht nur planen, sondern auch verhandeln, überzeugen und manchmal schlicht Geduld haben.

Innovative Stadtgestaltung: Wunsch trifft Wirklichkeit im Paragrafendschungel

Es gibt sie, die Leuchtturmprojekte, die zeigen, was möglich wäre – wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Doch gerade weil sie so selten sind, lohnt sich der genaue Blick auf die typischen Fallstricke, die das Bauordnungsrecht für innovative Planungen bereithält. Ein klassisches Beispiel sind multifunktionale Gebäude, die Wohnen, Arbeiten und Freizeit unter einem Dach vereinen wollen. Die Idee klingt nach Urbanität par excellence, prallt aber schnell auf Nutzungstrennungen, Stellplatzpflichten und bauliche Richtwerte, die aus einer anderen Epoche zu stammen scheinen.

Oder nehmen wir den Umgang mit neuen Baumaterialien und Bauweisen: Strohballenhäuser, Holzhochhäuser, modulare Systeme – allesamt Technologien, die ökologisch und gestalterisch überzeugen könnten, aber häufig an bauordnungsrechtlichen Vorgaben zerschellen. Brandschutz, statische Nachweise und Zulassungsverfahren sind hier die klassischen Stolpersteine. Wer als Planer etwas Neues wagen will, muss nicht nur entwerfen, sondern auch ein halbes Jurastudium absolvieren oder sich mit Spezialisten für Baurecht verbünden. Das kostet Zeit, Geld und Nerven – und schreckt insbesondere kleine Büros und Kommunen ab, die solche Ressourcen schlicht nicht haben.

Ein weiteres Konfliktfeld ist die bauliche Verdichtung in gewachsenen Stadtquartieren. Hier treffen neue Wohn- oder Mobilitätskonzepte auf bestehende Abstandsflächen, Belichtungsanforderungen oder Lärmschutzvorschriften, die im Zweifel immer den Bestand schützen und Innovationen ausbremsen. Die Folge: Nachverdichtung bleibt oft Stückwerk, experimentelle Konzepte wie Tiny Houses, Co-Housing oder Urban Gardening werden zur Ausnahme, nicht zur Regel.

Besonders knifflig wird es, wenn unterschiedliche Normen kollidieren. Ein Beispiel: Die Förderung von Fassadenbegrünung ist vielerorts politisch gewollt, stößt aber in der Genehmigungspraxis auf Bedenken des Denkmalschutzes oder der Bauaufsicht. Oder: Die Einführung von Mobilitätsstationen im öffentlichen Raum scheitert an unklaren Zuständigkeiten, fehlenden Zulassungen oder schlicht an der Angst, Präzedenzfälle zu schaffen. Die Botschaft: Wer Neues will, muss kämpfen – und häufig auf dem Rechtsweg für jedes Quäntchen Gestaltungsspielraum streiten.

Doch der Innovationsstau ist kein Naturgesetz. Immer wieder gelingen Ausnahmen, weil engagierte Planer, Verwaltungsexperten und Juristen gemeinsam Lösungen suchen, Ermessensspielräume ausloten und neue Wege in der Auslegung der Vorschriften gehen. Diese „kreative Rechtspraxis“ bleibt aber oft ein individueller Kraftakt, der selten zum Standard wird. Die große Herausforderung besteht darin, solche Ansätze zu systematisieren und in die Breite zu tragen – damit Innovation nicht Glückssache bleibt, sondern zur planbaren Option wird.

Rechtliche Planungssicherheit versus gestalterische Freiheit: Ein Spannungsfeld im Wandel

Warum ist das Bauordnungsrecht so schwerfällig? Die Antwort liegt in seiner DNA: Es soll Sicherheit schaffen, Risiken minimieren und gleiche Bedingungen für alle garantieren. Das ist grundsätzlich sinnvoll, führt aber dazu, dass neue Entwicklungen erst dann zugelassen werden, wenn sie vollumfänglich geprüft, genehmigt und normiert sind. Für die klassische Stadtplanung, die in langen Zyklen denkt, war das lange kein Problem. Doch in Zeiten von Klimawandel, Digitalisierung und gesellschaftlichem Wandel ist diese Trägheit zum Hemmschuh geworden.

Planer und Städte stehen zunehmend unter dem Druck, schneller auf Veränderungen zu reagieren, nachhaltige und resiliente Lösungen zu entwickeln und dabei eine Vielzahl von Interessen zu berücksichtigen. Das Bauordnungsrecht aber bleibt oft auf dem Stand der letzten großen Reform, die im Zweifel schon wieder ein Jahrzehnt zurückliegt. Die Folge ist ein Auseinanderdriften von Planungsrealität und Rechtsrahmen – mit allen negativen Konsequenzen für Innovation und Investitionsbereitschaft.

Hinzu kommt, dass die Bauordnungsämter in vielen Kommunen personell und strukturell überfordert sind. Die Bearbeitung neuer, komplexer Anträge dauert oft Monate, weil die Prüfschemata nicht auf Innovationen ausgelegt sind. Für Planer bedeutet das: Unsicherheit, Verzögerungen und das Risiko, dass ein ambitioniertes Konzept am Ende an Formalien scheitert. Gerade in wachsenden Städten oder Transformationsquartieren ist das ein massives Problem, weil hier eigentlich Tempo und Flexibilität gefragt wären.

Doch die Kehrseite der Medaille darf nicht übersehen werden. Rechtliche Planungssicherheit ist für Investoren, Gebäudeeigentümer und die Öffentlichkeit ein hohes Gut. Sie schützt vor Willkür, schafft Vertrauen und verhindert Fehlentwicklungen, die sich später teuer rächen könnten. Der Wunsch nach mehr gestalterischer Freiheit muss also immer mit dem Bedürfnis nach Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Schutz öffentlicher Interessen ausbalanciert werden.

Die spannende Frage lautet daher: Wie lässt sich dieses Spannungsfeld produktiv gestalten? Wie können Normen so weiterentwickelt werden, dass sie Innovation nicht verhindern, sondern befördern – ohne die berechtigten Schutzinteressen aufzugeben? Genau hier setzen aktuelle Reformdebatten an, die von flexibleren Abstandsregelungen über experimentelle Bebauungspläne bis hin zu digitalen Genehmigungsverfahren reichen. Doch der Weg von der guten Idee zur gelebten Praxis ist lang – und führt immer wieder zurück zum Ausgangspunkt: dem Willen, Gestaltungsspielräume auch wirklich zu nutzen.

Neue Wege: Reformdiskussionen, internationale Perspektiven und der Ruf nach Kulturwandel

Die Unzufriedenheit mit dem Status quo ist längst nicht mehr auf Fachkreise beschränkt. Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft fordern gleichermaßen ein Update des Bauordnungsrechts, das den Herausforderungen der Gegenwart gerecht wird. In vielen Bundesländern laufen Reformprozesse, die etwa die Digitalisierung der Bauanträge, die Flexibilisierung von Nutzungsvorgaben oder die Einführung von Experimentierklauseln vorantreiben sollen. Auch auf Bundesebene wird im Zuge der Baugesetzbuch-Novellen immer wieder über eine Harmonisierung der Landesbauordnungen diskutiert – bislang mit überschaubarem Erfolg.

Ein Blick ins Ausland zeigt, dass andere Länder durchaus mutiger agieren. In den Niederlanden etwa ermöglichen sogenannte „Experimentierräume“ befristete Ausnahmen von bestimmten Vorschriften, um innovative Projekte zu erproben. In Dänemark und Schweden setzen Städte auf digitale Planungsplattformen, die Beteiligung, Genehmigung und Monitoring miteinander verzahnen. Und selbst in der Schweiz, wo baurechtliche Strenge zum guten Ton gehört, gibt es Modelle für kooperative Planungsprozesse, die mehr Flexibilität zulassen, ohne die Grundprinzipien aufzugeben.

Was lässt sich daraus lernen? Zunächst, dass das Problem kein deutsches Monopol ist – aber auch, dass Mut zur Veränderung gefragt ist. Denn Reformen des Bauordnungsrechts sind immer ein Balanceakt zwischen Sicherheit und Freiheit. Sie gelingen nur, wenn Verwaltung, Politik und Planer gemeinsam neue Wege denken und bereit sind, gewohnte Routinen zu hinterfragen. Entscheidend ist dabei nicht nur die Änderung von Paragrafen, sondern vor allem ein Kulturwandel in den Köpfen: Weg von einer defensiven Genehmigungspraxis, hin zu einer proaktiven, lösungsorientierten Verwaltungskultur, die Innovation als Chance begreift.

Ein Schlüssel liegt in der Nutzung digitaler Werkzeuge, die Prozesse transparenter, schneller und nachvollziehbarer machen können. Digitale Zwillinge, Open-Source-Plattformen oder automatisierte Prüfroutinen sind kein Allheilmittel, können aber dazu beitragen, Komplexität zu beherrschen und Ermessensspielräume sichtbar zu machen. Gleichzeitig braucht es mehr Qualifizierung, Austausch und Vernetzung zwischen den Akteuren – denn Innovationsblockaden entstehen oft aus Unkenntnis, Unsicherheit oder fehlender Kommunikation.

Die große Hoffnung: Je mehr Beispiele für gelungene Innovationen es gibt, desto größer wird der Druck auf das System, sich zu öffnen. Pilotprojekte, Experimentierräume und neue Allianzen zwischen Verwaltung, Planern und Zivilgesellschaft können als Katalysatoren wirken. Entscheidend ist, dass diese Ansätze nicht im Einzelfall steckenbleiben, sondern systematisch ausgewertet und in die Breite getragen werden. Nur so kann aus dem berühmten deutschen Paragrafendschungel ein kreativer Nährboden für die Stadt der Zukunft werden.

Strategien und Ausblick: Vom Paragrafen zur Planungsfreiheit

Wie können Planer, Städte und Kommunen konkret mit den Herausforderungen des Bauordnungsrechts umgehen? Ein erster Ansatzpunkt ist die frühzeitige und enge Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten – von der ersten Skizze bis zur Baugenehmigung. Je früher innovative Ansätze mit den zuständigen Ämtern abgestimmt werden, desto größer ist die Chance, gemeinsam Lösungen zu finden und Ermessensspielräume intelligent zu nutzen. Hier zahlt sich Erfahrung, Netzwerkarbeit und die Bereitschaft aus, auch ungewöhnliche Wege zu gehen.

Ein zweiter Ansatz ist die gezielte Nutzung von Ausnahmeregelungen, Experimentierklauseln oder Sondergenehmigungen, die in vielen Bauordnungen durchaus vorgesehen sind – aber selten offensiv genutzt werden. Wer den Mut hat, solche Wege zu beschreiten, kann nicht nur für das eigene Projekt neue Maßstäbe setzen, sondern auch Impulse für die Weiterentwicklung des Rechtsrahmens geben.

Auch die Professionalisierung der eigenen Rechtskenntnisse ist ein wichtiger Hebel. Wer als Planer, Architekt oder Stadtentwickler die relevanten Paragrafen nicht nur kennt, sondern auch strategisch zu nutzen weiß, kann Innovationen gezielter voranbringen. Hier helfen Fortbildungen, der Austausch mit Fachjuristen und die Teilnahme an Netzwerken, die Best-Practice-Beispiele teilen und gemeinsam an Lösungen arbeiten.

Kommunen sind zudem gut beraten, den öffentlichen Diskurs über Gestaltungsspielräume zu fördern. Partizipative Verfahren, offene Planungswettbewerbe und transparente Entscheidungsprozesse schaffen Akzeptanz und machen es leichter, im Zweifel auch unkonventionelle Wege zu gehen. Je mehr Bürger, Investoren und Politik in die Diskussion eingebunden sind, desto größer wird der Spielraum für innovative Ansätze.

Schließlich braucht es einen langen Atem – und den Willen, das System von innen heraus zu verändern. Reformen des Bauordnungsrechts sind mühsam, aber unvermeidlich. Sie gelingen nur, wenn Verwaltung, Politik und Fachwelt gemeinsam an einem Strang ziehen und bereit sind, Routinen zu hinterfragen. Der Preis ist hoch, aber der Gewinn noch größer: eine Stadtplanung, die nicht im Paragrafendschungel steckenbleibt, sondern Gestaltungskraft entfaltet – für lebenswerte, resiliente und zukunftsfähige Städte.

Zusammenfassung: Das deutsche Bauordnungsrecht ist beides: Garant für Sicherheit, Ordnung und Transparenz – und zugleich oft der Flaschenhals für innovative Stadtgestaltung. Zwischen Genehmigung und Gestaltung spielt sich ein komplexes Wechselspiel ab, das von föderalen Unterschieden, personellen Engpässen und traditionellen Routinen geprägt ist. Dennoch zeigen viele Beispiele, dass Wandel möglich ist: durch kreative Auslegung, Mut zum Experiment, digitale Werkzeuge und den Willen zum Kulturwandel. Wer als Planer, Kommune oder Verwaltung heute den Dialog sucht, Netzwerke nutzt und Innovation als Chance begreift, kann den Paragrafendschungel nicht nur durchdringen, sondern zu einem fruchtbaren Boden für die Stadt der Zukunft machen. G+L bleibt am Puls – und begleitet die Branche auf diesem spannenden Weg.

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Landesgartenschau Bad Dürrenberg 2024: Salzkristall & Blütenzauber

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Die Installationen der Landesgartenschau Bad Dürrenberg 2024 erinnern an Salz, das jahrhundertelang das wichtigste Exportgut der Stadt in Sachsen-Anhalt war. Copyright: Landesgartenschau 2023 gGmbH
Die Installationen der Landesgartenschau Bad Dürrenberg 2024 erinnern an Salz, das jahrhundertelang das wichtigste Exportgut der Stadt in Sachsen-Anhalt war. Copyright: Landesgartenschau 2023 gGmbH
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In der Solestadt Bad Dürrenberg findet in diesem Jahr die Landesgartenschau statt. Rehwaldt Landschaftsarchitekten haben den Wettbewerb zur Gestaltung des Gartenschaugeländes gewonnen. Mehr über den historischen Kurpark und das Rückgrat der Anlage für die Landesgartenschau Bad Dürrenberg.

Der historische Kurpark von Bad Dürrenberg liegt über dem Saaletal und stellt den Schauplatz der fünften Landesgartenschau von Sachsen-Anhalt dar. Die historische Gradieranlange der Stadt stellt das Rückgrat der Gartenschau dar. Dabei handelt es sich um das längste zusammenhängende und noch funktionsfähige Gradierwerk Europas. Es verwundert nicht, dass die Landesgartenschau Bad Dürrenberg 2024 ganz im Zeichen des Salzes und der Salzgewinnung steht. Zum Beispiel gibt es eine Salzlandschaft, eine Gradenbank, weiße Möbel und heilsamen Sole-Nebel, der das Gelände durchzieht.

Rehwaldt Landschaftsarchitekten aus Dresden haben den Wettbewerb zur Gestaltung des Geländes schon im Jahr 2018 gewonnen. Sie haben den historischen Park und die angrenzenden Saalehänge im Rahmen der Gartenschau zu einem modernen, offenen und einladenden Erholungsraum umgestaltet. Dafür haben sie historische Anlagen saniert und um zeitgenössische Elemente ergänzt. Die Landesgartenschau Bad Dürrenberg ist vom 19. April bis zum 13. Oktober 2024 unter dem Motto „Salzkristall & Blütenzauber“ zugänglich. Tageskarten kosten 19 Euro pro Person.

Auf dem Weg zur grünen Solestadt

Wie viele andere Landesgartenschauen war auch die in Sachsen-Anhalt ursprünglich für 2022 angesetzt. Aufgrund der Pandemie wurde sie jedoch um zwei Jahre verschoben. Die Wettbewerbsgewinner Rehwaldt Landschaftsarchitekten entwickelten den historischen Kurpark für die Landesgartenschau Bad Dürrenberg als vielfältige Anlage weiter. Dabei wollten sie einerseits die historischen Anlagen wieder in Wert setzen und andererseits auch zeitgenössische Gartenräume integrieren.

Die Stadt erhofft sich durch das Großereignis einen positiven Einfluss auf ihr Image. Die Maßnahmen sollten unter anderem dazu beitragen, Bad Dürrenberg als „grüne Solestadt“ zu positionieren und sie als Wohn- und Lebensort zu präsentieren. So soll eine langfristig attraktive Entwicklung möglich sein.

Bad Dürrenberg liegt direkt an der Saale in der geschichtsträchtigen Region Saale-Unstrut. Halle, Leipzig und Naumburg sind die nächsten Großstädte und bieten gute Anbindungen. Salz prägt als „weißes Gold“ bis heute die Geschichte der Solestadt, die ein staatlich anerkannter Erholungsort mit staatlich anerkannter Heilquelle ist.

In der temporären Blumenhalle sind von April bis Oktober 2024 viele prächtige Blüten zu bewundern. Copyright: Landesgartenschau 2023 gGmbH
In der temporären Blumenhalle sind von April bis Oktober 2024 viele prächtige Blüten zu bewundern. Copyright: Landesgartenschau 2023 gGmbH

Imposantes Gradierwerk als Rückgrat der Gartenschau

Das Gelände der Landesgartenschau Bad Dürrenberg erstreckt sich über den historischen Kurpark der Stadt, den Saalehang und bis hinunter zur Flussaue, wo die alte Tradition des Obst- und Weinbaus wiederbelebt wurde. Die Fläche beträgt etwa 15,3 Hektar und Rehwaldt Landschaftsarchitekten stellten das Projekt 2024, rechtzeitig vor Beginn der Gartenschau fertig. Bauherrin war die Solestadt Bad Dürrenberg.

Besuchende können am Platz am Kohlebahntunnel verweilen, der nun zu einem multifunktionalen Stadtplatz geworden ist. Er bietet ein schattiges Gehölzdach, Sitzmöglichkeiten und Gastronomie sowie einen integrierten Informationspunkt zur Geschichte der Kohlebahn.

Von dort ist es nicht weit zum nördlichen Entree am Borlachplatz, der einen großzügigen Auftakt für die Landesgartenschau Bad Dürrenberg bieten soll. Ein Holzdeck bietet Schatten für alle, die am Haupteingang warten. Es folgt eine große Rasenfläche, die den Blick zum Borlachplatz mit seinen grünen und steinernen Zonen eröffnet. Das Gradierwerk dient als gestalterisches Motiv und als Identitätsstifter auf dem Platz. Mit seinen 636 Metern Länge und 12 Metern Höhe ist es ein imposantes Bauwerk, das als Rückgrat für einzelne Teilbereiche dient: Entree, Verbindung zur Rathausvorfläche, Verweilfläche mit Holzdeck und weitere Rasenfläche.

Die historische Gradieranlage von Bad Dürrenberg ist während der Landesgartenschau stets ein Motiv.  Copyright: Landesgartenschau 2023 gGmbH
Die historische Gradieranlage von Bad Dürrenberg ist während der Landesgartenschau stets ein Motiv. Copyright: Landesgartenschau 2023 gGmbH

Historische Kulturlandschaft an der Saale

Der Kurpark ist zu einer vielfältigen Anlage geworden und besitzt nun auch zeitgenössische Gartenräume, die über die Landesgartenschau hinaus wertvoll für die Stadt sein werden. Zugleich haben Rehwaldt Landschaftsarchitekten Wert darauf gelegt, historische Anlagen wie das Palmenhaus zu erhalten. Dort ist ein multifunktionalier Raum entstanden, der als Veranstaltungsort sowie als Präsentationsfläche für besondere Pflanzen dient. Die temporäre Blumenhalle steht während der Gartenschau neben dem sehr beliebten Palmen- und Vogelhaus.

Auch im nördlichen Kurpark sind die historischen Gartenstruktur nach wie vor vorhanden und wurden denkmalgerecht weiterentwickelt. Die wegebegleitenden Rabatten präsentieren verschiedene Pflanzthemen und neben dem Spielplatz gibt es ein Wasserparterre. Dieser hybride Gartenplatz bietet Spiel- und Aufenthaltsmöglichkeiten.

In der Zone der Beamtengärten befinden sich die Themengärten mit integrierter Bühnenanlage. Dieser vielfältige Bereich ist bei der Landesgartenschau Bad Dürrenberg besonders beliebt. Und im Süden des Kurparks gibt es Sitzanlagen sowie das „Gradengrüst“, einen räumlichen Abschluss und Höhepunkt am südlichen Ende des historischen Gradierwerkes, das an die frühere Ausdehnung der Anlage erinnert.

Die Landesgartenschau zieht sich bis zum Saalehang herunter, wo eine historische Kulturlandschaft mit Gutsgärten, neu aufgerebten Weinterrassen und Obsthainen zu sehen ist. Das Café am Amtsberg ist ein neuer Anziehungspunkt. Zudem ist das Wasser dank Bade- und Gondelsteg und Holzstegen entlang des Saaleweges leichter zu erreichen.

Eine neue Wasserfläche wertet den Kurpark auf und bietet Platz für Spiel und Erholung. Copyright: Landesgartenschau 2023 gGmbH
Eine neue Wasserfläche wertet den Kurpark auf und bietet Platz für Spiel und Erholung. Copyright: Landesgartenschau 2023 gGmbH

Solefest und Landesgartenschau in Bad Dürrenberg

Das Preisgericht entschied sich für den Vorschlag von Rehwaldt Landschaftsarchitekten, da sich die Arbeit stark am Vorhandenen orientierte und so die Denkmalpflege wertschätzt. Kurpark und Waldgarten wurden beinahe gänzlich in ihrer Struktur belassen oder behutsam erneuert. Zudem betonte die Jury den großzügigen Eingang, die breite Promenade entlang des Hauptbauwerks, den freien, steinernen Borlachplatz und die Freifläche am Palmenhaus. Der Natur- und Artenschutz am Saalehang war ein weiterer Grund für die Entscheidung.

Noch bis Oktober ist die Landesgartenschau Bad Dürrenberg zu bewundern. Wer mehr über die Geschichte der Solestadt lernen möchte, kann den Borlachturm mit seinem Museum besuchen. Bis 1963 wurde in Bad Dürrenberg noch Salz hergestellt. Jedes Jahr im Juni feiert die Stadt die Erschließung der Solequelle durch Johann Gottfried Borlach im Jahr 1763 – dieses Jahr dürfte es dank der Landesgartenschau ein besonders ausgelassenes Fest werden.

Weiterlesen: Alle Landesgartenschauen 2024 im Überblick.

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