Bebauungsplanverfahren: Prinzip und Bedeutung einfach erklärt

Eine lebendige städtebauliche Szene zum Thema Bebauungsplanverfahren
Detailaufnahme eines Stadtplans – ein unverzichtbares Werkzeug in der Landschaftsplanung. (Foto: vonshnauzer/Unsplash)

Wer Bauvorhaben plant, Grundstücke entwickelt oder Freiflächen gestaltet, stößt unweigerlich auf das Bebauungsplanverfahren: jenes formalisierte Rechtsinstrument, das aus einer planerischen Idee verbindliches Baurecht macht. Es regelt, was wo und wie gebaut werden darf, legt Grünflächen, Verkehrsflächen und Nutzungsarten fest und schützt zugleich öffentliche Interessen sowie die Belange der Betroffenen. Wer das Bebauungsplanverfahren in seinen Prinzipien, Abläufen und Wirkungen versteht, versteht die Grundlogik des deutschen Planungsrechts.

  • Was ein Bebauungsplan ist und welche Rechtswirkung er entfaltet
  • Wie das Bebauungsplanverfahren abläuft: von der Aufstellung bis zum Satzungsbeschluss
  • Welche Beteiligungsschritte vorgeschrieben sind und warum sie planungsrechtlich unverzichtbar sind
  • Welche Festsetzungen ein Bebauungsplan treffen kann und welche Grenzen das Baugesetzbuch setzt
  • Welche vereinfachten und beschleunigten Verfahrensvarianten existieren und wann sie zulässig sind
  • Welche Rolle Umweltprüfung, Eingriffsregelung und Grünordnung im Verfahren spielen
  • Welche typischen Fehler und Fallstricke das Verfahren scheitern lassen können
  • Wie das Bebauungsplanverfahren in die übergeordnete Planungshierarchie eingebettet ist

Was ein Bebauungsplan ist: Definition, Rechtsnatur und Abgrenzung

Der Bebauungsplan ist das schärfste und konkreteste Instrument der kommunalen Bauleitplanung in Deutschland. Er wird von der Gemeinde als Satzung beschlossen und entfaltet damit unmittelbare Rechtswirkung gegenüber jedermann. Das unterscheidet ihn grundlegend vom Flächennutzungsplan, dem vorbereitenden Bauleitplan, der lediglich behördenverbindlich ist und keine direkten Rechte oder Pflichten für Grundstückseigentümer begründet. Der Bebauungsplan hingegen ist der vorbereitende Bauleitplan, aus dem Baurecht unmittelbar abgeleitet werden kann: Er legt parzellenscharf fest, was auf einem Grundstück zulässig ist und was nicht.

Rechtsgrundlage des Bebauungsplanverfahrens ist das Baugesetzbuch (BauGB), ergänzt durch die Baunutzungsverordnung (BauNVO) und die Planzeichenverordnung (PlanZV). Das BauGB regelt den Verfahrensablauf, die Beteiligungspflichten, die möglichen Festsetzungsinhalte und die Rechtswirkungen. Die BauNVO definiert die Baugebietstypen, also etwa Allgemeines Wohngebiet (WA), Mischgebiet (MI) oder Gewerbegebiet (GE), und bestimmt, welche Nutzungen in diesen Gebieten allgemein zulässig, ausnahmsweise zulässig oder unzulässig sind. Die PlanZV schreibt vor, wie die Inhalte eines Bebauungsplans zeichnerisch darzustellen sind, sodass Pläne bundesweit einheitlich lesbar bleiben.

Vom qualifizierten Bebauungsplan, der mindestens Festsetzungen zur Art und zum Maß der baulichen Nutzung, zu den überbaubaren Grundstücksflächen und zu den örtlichen Verkehrsflächen enthält, ist der einfache Bebauungsplan zu unterscheiden. Letzterer trifft nur einzelne Festsetzungen und ergänzt im Übrigen die Zulässigkeit von Vorhaben nach den allgemeinen Regelungen des BauGB. Beide Typen durchlaufen grundsätzlich dasselbe Bebauungsplanverfahren, unterscheiden sich aber in ihren Rechtswirkungen erheblich.

Der Ablauf des Bebauungsplanverfahrens: von der Aufstellung bis zur Rechtskraft

Das Bebauungsplanverfahren folgt einem gesetzlich vorgeschriebenen Ablauf, der durch das BauGB in seinen wesentlichen Schritten verbindlich geregelt ist. Dieser Ablauf dient nicht nur der Rechtssicherheit, sondern stellt sicher, dass alle relevanten Belange, öffentliche wie private, in die Abwägung einbezogen werden. Ein Verfahrensfehler, etwa eine fehlerhafte Bekanntmachung oder eine unvollständige Beteiligung, kann zur Unwirksamkeit des gesamten Plans führen, selbst wenn die inhaltlichen Festsetzungen sachlich einwandfrei sind.

Am Beginn steht der Aufstellungsbeschluss des Gemeinderats oder der zuständigen kommunalen Vertretung. Mit diesem Beschluss erklärt die Gemeinde öffentlich ihren Willen, für einen bestimmten Bereich einen Bebauungsplan aufzustellen. Der Aufstellungsbeschluss ist ortsüblich bekannt zu machen. Er begründet noch kein Baurecht und schafft keine Veränderungssperre, hat aber planerische Vorwirkungen: Ab diesem Zeitpunkt kann die Gemeinde eine Veränderungssperre nach Paragraph 14 BauGB erlassen, um zu verhindern, dass durch Bauvorhaben vollendete Tatsachen geschaffen werden, die der beabsichtigten Planung entgegenstehen.

Es folgt die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit sowie der Behörden und sonstigen Träger öffentlicher Belange. Die Öffentlichkeit ist über die allgemeinen Ziele und Zwecke der Planung zu unterrichten und erhält Gelegenheit zur Äußerung. Behörden und Träger öffentlicher Belange, also etwa Naturschutzbehörden, Straßenbaulastträger, Versorgungsunternehmen oder Denkmalschutzbehörden, werden um ihre Stellungnahmen gebeten und teilen mit, welche Informationen sie für den Umweltbericht benötigen. Diese frühzeitige Phase dient der Problemerkennung und der Scoping-Funktion für die Umweltprüfung.

Nach der Auswertung der frühzeitigen Beteiligung und der Erarbeitung des eigentlichen Planentwurfs einschließlich Begründung und Umweltbericht schließt sich die förmliche Offenlage an. Der Planentwurf liegt für die Dauer von mindestens einem Monat öffentlich aus; jedermann kann Stellungnahmen abgeben. Gleichzeitig werden die Behörden und Träger öffentlicher Belange erneut beteiligt. Alle eingegangenen Stellungnahmen sind von der Gemeinde zu prüfen und in die Abwägung einzustellen. Das Ergebnis der Abwägung ist zu dokumentieren; Stellungnahmen, denen nicht gefolgt wird, sind mit einer nachvollziehbaren Begründung zu bescheiden.

Den Abschluss bildet der Satzungsbeschluss durch das zuständige kommunale Gremium. Anschließend ist der Plan der höheren Verwaltungsbehörde anzuzeigen oder, in bestimmten Fällen, zu genehmigen. Nach der ortsüblichen Bekanntmachung des Satzungsbeschlusses tritt der Bebauungsplan in Kraft und ist damit rechtsverbindlich. Erst ab diesem Zeitpunkt können Bauvorhaben auf Grundlage seiner Festsetzungen genehmigt werden.

Festsetzungen im Bebauungsplan: Was geregelt werden kann und was nicht

Der Bebauungsplan kann nach Paragraph 9 BauGB eine Vielzahl von Festsetzungen treffen, die weit über die reine Nutzungsart hinausgehen. Zu den klassischen Festsetzungen gehören die Art der baulichen Nutzung (Baugebietstyp nach BauNVO), das Maß der baulichen Nutzung (Grundflächenzahl GRZ, Geschossflächenzahl GFZ, Baumassenzahl BMZ, Zahl der Vollgeschosse, Höhe baulicher Anlagen), die Bauweise (offene oder geschlossene Bauweise) sowie die überbaubaren Grundstücksflächen, die durch Baugrenzen und Baulinien definiert werden. Eine Baugrenze darf nicht überschritten werden; eine Baulinie muss hingegen eingehalten werden, das heißt, das Gebäude muss unmittelbar an ihr errichtet werden.

Darüber hinaus können Bebauungspläne Festsetzungen zur Grünordnung treffen: Flächen für die Landschaftspflege, Pflanzgebote für Bäume und Sträucher, Begrünungsanforderungen für Dach- und Fassadenflächen, Festsetzungen zur Erhaltung von Gehölzen oder zur Anlage von Ausgleichsflächen. Diese grünordnerischen Festsetzungen sind das Verbindungsglied zwischen Bebauungsplanverfahren und Eingriffsregelung nach dem Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG). Eingriffe in Natur und Landschaft, die durch den Bebauungsplan vorbereitet werden, sind durch Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen zu kompensieren; die entsprechenden Flächen und Maßnahmen können im Plan selbst oder in einem städtebaulichen Vertrag geregelt werden.

Grenzen der Festsetzungsmöglichkeiten sind durch das Gebot der städtebaulichen Erforderlichkeit gesetzt. Paragraph 1 Absatz 3 BauGB verlangt, dass Bebauungspläne nur aufgestellt werden dürfen, soweit es für die städtebauliche Entwicklung und Ordnung erforderlich ist. Eine Festsetzung, die ausschließlich privaten Interessen dient oder die städtebaulich nicht begründbar ist, ist unwirksam. Ebenso unzulässig ist eine sogenannte Gefälligkeitsplanung, bei der die Gemeinde einen Bebauungsplan allein deshalb aufstellt, um einem bestimmten Investor ein Vorhaben zu ermöglichen, ohne eigenständige städtebauliche Zielsetzung. Die Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts hat diese Grenzen in einer langen Reihe von Urteilen präzisiert.

Grünordnung und Freiraumplanung im Bebauungsplan

Für Landschaftsarchitekten und Freiraumplaner ist das Bebauungsplanverfahren ein zentrales Handlungsfeld. Die grünordnerischen Festsetzungen eines Bebauungsplans sind nicht bloß Beiwerk, sondern können die Qualität des öffentlichen Raums, die ökologische Leistungsfähigkeit eines Quartiers und die Klimaresilienz eines Stadtteils für Jahrzehnte prägen. Festsetzungen zur Dachbegrünung, zur Versickerung von Niederschlagswasser, zur Erhaltung von Bestandsbäumen oder zur Anlage von Grünverbindungen entfalten unmittelbare Rechtswirkung und sind damit verlässlicher als bloße Empfehlungen in informellen Planwerken.

Der Grünordnungsplan, der in manchen Bundesländern als eigenständiges Fachgutachten in das Bebauungsplanverfahren eingebracht wird, liefert die fachliche Grundlage für diese Festsetzungen. Er analysiert den Bestand an Vegetation, Boden, Wasser und Biotopstrukturen, bewertet die Eingriffe durch die geplante Bebauung und leitet daraus Vermeidungs-, Minimierungs- und Ausgleichsmaßnahmen ab. Wo der Grünordnungsplan sorgfältig erarbeitet wird, entstehen Bebauungspläne mit einer ökologischen Substanz, die über die bloße Kompensationsarithmetik hinausgeht.

Vereinfachte und beschleunigte Verfahren: Ausnahmen vom Regelverfahren

Das BauGB kennt neben dem Regelverfahren mehrere vereinfachte und beschleunigte Verfahrensvarianten, die unter bestimmten Voraussetzungen angewendet werden dürfen. Das vereinfachte Verfahren nach Paragraph 13 BauGB ist zulässig, wenn durch die Änderung oder Ergänzung eines Bebauungsplans die Grundzüge der Planung nicht berührt werden und keine Pflicht zur Umweltprüfung besteht. In diesem Fall kann auf die frühzeitige Beteiligung verzichtet werden, und die Offenlagefrist kann verkürzt werden. Das vereinfachte Verfahren ist ein häufig genutztes Instrument für geringfügige Planänderungen, birgt aber das Risiko, dass die Voraussetzungen im Einzelfall nicht sorgfältig genug geprüft werden.

Das beschleunigte Verfahren für Bebauungspläne der Innenentwicklung nach Paragraph 13a BauGB ermöglicht unter bestimmten Flächenschwellenwerten den Verzicht auf die Umweltprüfung und auf die Eingriffsregelung, sofern keine erheblichen Umweltauswirkungen zu erwarten sind und keine FFH-Gebiete oder europäische Vogelschutzgebiete betroffen sind. Dieses Verfahren wurde eingeführt, um die Innenentwicklung gegenüber der Außenentwicklung zu privilegieren und Flächenverbrauch zu reduzieren. Kritiker weisen darauf hin, dass der Verzicht auf die Umweltprüfung auch im Innenbereich ökologische Risiken birgt, insbesondere wenn Grünflächen, Bestandsbäume oder innerstädtische Biotopstrukturen betroffen sind.

Paragraph 13b BauGB, der zeitlich befristet die Möglichkeit eröffnete, Bebauungspläne für Wohnnutzungen am Siedlungsrand ebenfalls im beschleunigten Verfahren aufzustellen, ist nach seiner Befristung ausgelaufen und steht nicht mehr zur Verfügung. Seine kurze Existenz hat in der Fachwelt eine intensive Debatte über das Verhältnis von Wohnraumbedarfsdeckung und Flächenschutz ausgelöst, die bis heute nicht abgeschlossen ist.

Umweltprüfung und Abwägungsgebot: die materiellen Kernpflichten des Verfahrens

Das Bebauungsplanverfahren ist ohne die Umweltprüfung nicht vollständig zu verstehen. Seit der Umsetzung der europäischen Plan-UP-Richtlinie in deutsches Recht ist für alle Bebauungspläne, die nicht im vereinfachten oder beschleunigten Verfahren aufgestellt werden, eine Umweltprüfung durchzuführen. Diese Prüfung mündet in einen Umweltbericht, der als Teil der Begründung dem Bebauungsplan beizufügen ist. Der Umweltbericht beschreibt und bewertet die voraussichtlichen erheblichen Umweltauswirkungen der Planung auf Schutzgüter wie Boden, Wasser, Klima, Luft, biologische Vielfalt, Landschaft und menschliche Gesundheit.

Das Abwägungsgebot nach Paragraph 1 Absatz 7 BauGB ist das zentrale materielle Gebot des gesamten Bebauungsplanverfahrens. Die Gemeinde hat bei der Aufstellung des Bebauungsplans die öffentlichen und privaten Belange gegeneinander und untereinander gerecht abzuwägen. Abwägungsfehler, also das Übersehen von Belangen, ihre fehlerhafte Gewichtung oder ein Abwägungsergebnis, das außer Verhältnis zu den betroffenen Interessen steht, führen zur Unwirksamkeit des Plans. Die Verwaltungsgerichte überprüfen die Abwägung im Rahmen von Normenkontrollverfahren, die von jedermann, der durch den Plan in seinen Rechten verletzt sein könnte, beim Oberverwaltungsgericht beantragt werden können.

Für die Praxis bedeutet das: Eine sorgfältige Dokumentation des gesamten Abwägungsprozesses ist nicht nur rechtlich geboten, sondern auch strategisch klug. Kommunen, die Stellungnahmen aus der Öffentlichkeitsbeteiligung nachvollziehbar würdigen und begründen, warum bestimmten Belangen der Vorrang gegeben wurde, schaffen eine Grundlage, die gerichtlicher Überprüfung standhält. Fehler in der Dokumentation können einen inhaltlich vertretbaren Plan zu Fall bringen.

Typische Fehler und Fallstricke im Bebauungsplanverfahren

Die Praxis zeigt eine Reihe wiederkehrender Fehlerquellen, die Bebauungsplanverfahren in die Unwirksamkeit führen können. Bekanntmachungsfehler gehören dazu: Wird der Aufstellungsbeschluss nicht in der vorgeschriebenen Form ortsüblich bekannt gemacht, oder fehlt in der Bekanntmachung zur Offenlage der Hinweis auf die Möglichkeit, Stellungnahmen abzugeben, kann der gesamte Plan angreifbar werden. Die Anforderungen an die Bekanntmachung variieren je nach Gemeindeordnung des jeweiligen Bundeslandes, was die Materie zusätzlich komplex macht.

Ein weiterer häufiger Fehler liegt in der unvollständigen Ermittlung des Abwägungsmaterials. Wenn ein Gutachten zu Lärm, Altlasten, Artenschutz oder Klimawirkungen fehlt oder methodisch unzureichend ist, kann die Abwägung auf einer falschen Tatsachengrundlage beruhen. Besonders der Artenschutz nach Paragraph 44 BNatSchG hat in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen: Bebauungspläne, die artenschutzrechtliche Verbotstatbestände nicht ausreichend prüfen und bewältigen, scheitern regelmäßig vor den Verwaltungsgerichten.

Schließlich ist die Frage der Planerforderlichkeit immer wieder Gegenstand gerichtlicher Auseinandersetzungen. Wenn eine Gemeinde einen Bebauungsplan aufstellt, der erkennbar auf ein einzelnes Vorhaben zugeschnitten ist, ohne dass eine eigenständige städtebauliche Konzeption erkennbar ist, liegt der Vorwurf der Gefälligkeitsplanung nahe. Ebenso problematisch sind Festsetzungen, die zwar formal auf Paragraph 9 BauGB gestützt werden, aber tatsächlich keine städtebauliche Funktion erfüllen, sondern privatrechtliche Interessen absichern sollen.

Das Bebauungsplanverfahren im System der Planungshierarchie

Der Bebauungsplan steht nicht isoliert, sondern ist in eine mehrstufige Planungshierarchie eingebettet. An der Spitze stehen die Ziele der Raumordnung, festgelegt in Landesentwicklungsprogrammen und Regionalplänen. Diese Ziele sind für die Gemeinden verbindlich; ein Bebauungsplan darf ihnen nicht widersprechen. Darunter liegt der Flächennutzungsplan als vorbereitender Bauleitplan der Gemeinde, der die beabsichtigte Art der Bodennutzung im gesamten Gemeindegebiet in den Grundzügen darstellt. Der Bebauungsplan ist aus dem Flächennutzungsplan zu entwickeln, das heißt, er muss mit dessen Darstellungen grundsätzlich vereinbar sein. Ausnahmen sind möglich, aber begründungspflichtig.

Diese Hierarchie hat für die Planungspraxis erhebliche Konsequenzen. Wer einen Bebauungsplan aufstellen will, der von den Darstellungen des Flächennutzungsplans abweicht, muss entweder den Flächennutzungsplan gleichzeitig ändern (Parallelverfahren) oder nachweisen, dass die Abweichung aus dem Entwicklungsgebot heraus gerechtfertigt ist. Ebenso müssen regionalplanerische Vorranggebiete, etwa für Natur und Landschaft, Landwirtschaft oder Rohstoffabbau, bei der Aufstellung von Bebauungsplänen berücksichtigt werden. Konflikte zwischen kommunaler Planungshoheit und überörtlichen Planungszielen sind in der Praxis keine Seltenheit und erfordern frühzeitige Abstimmung mit den Raumordnungsbehörden.

Informelle Planwerke wie Stadtentwicklungskonzepte, Rahmenpläne oder städtebauliche Entwicklungskonzepte nach Paragraph 1 Absatz 6 Nummer 11 BauGB können als Abwägungsbelange in das Bebauungsplanverfahren einfließen, sind aber nicht rechtsverbindlich. Sie dienen als konzeptionelle Grundlage und können die Begründung eines Bebauungsplans erheblich stärken, wenn sie zeigen, dass die Planung in ein übergeordnetes städtebauliches Konzept eingebettet ist.

Bebauungsplanverfahren als Instrument der Stadtentwicklung: Möglichkeiten und Grenzen

Das Bebauungsplanverfahren ist eines der wirkungsmächtigsten Instrumente, über die Kommunen in Deutschland verfügen, um Stadtentwicklung zu steuern. Es ermöglicht, Wohnquartiere zu planen, Gewerbegebiete auszuweisen, Grün- und Freiflächenstrukturen zu sichern, Klimaanpassungsmaßnahmen rechtlich zu verankern und den öffentlichen Raum qualitativ zu definieren. Kein anderes Instrument verbindet die Konkretheit der Parzelle mit der Verbindlichkeit des Satzungsrechts auf vergleichbare Weise.

Gleichzeitig sind die Grenzen des Instruments nicht zu übersehen. Das Bebauungsplanverfahren ist aufwendig, zeitintensiv und fehleranfällig. Von der Aufstellung bis zur Rechtskraft vergehen in der Praxis häufig mehrere Jahre, in komplexen Fällen noch länger. Die Anforderungen an Umweltprüfung, Artenschutz, Lärmschutz und Abwägungsdokumentation sind in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich gestiegen, was den Verfahrensaufwand erhöht hat. Kommunen mit begrenzten personellen Ressourcen stoßen hier an Kapazitätsgrenzen, die durch externe Fachbüros ausgeglichen werden müssen.

Für Landschaftsarchitekten, Stadtplaner und alle, die an der Gestaltung des Siedlungsraums beteiligt sind, ist das Bebauungsplanverfahren kein bürokratisches Hindernis, sondern ein Gestaltungsraum. Die Qualität eines Bebauungsplans entscheidet darüber, ob ein Quartier in zwanzig Jahren lebenswert, klimaresilient und ökologisch funktionsfähig ist oder nicht. Wer das Verfahren in seinen Prinzipien beherrscht, wer weiß, welche Festsetzungen rechtssicher möglich sind, wie Beteiligung produktiv gestaltet wird und wie Abwägungskonflikte transparent aufgelöst werden, der kann dieses Instrument in seiner vollen Wirkung nutzen. Das Bebauungsplanverfahren ist, bei aller Komplexität, der Ort, an dem Planung zu Recht wird.

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Zwei unterschiedliche, durch eine Bundesstraße voneinander getrennte Areale verbinden, und einen großen See schaffen – die Herausforderungen der Landesgartenschau in Lahr meisterte das Büro club L94 ohne große Hindernisse. Burkhard Wegener führt uns vor Ort durchs Gelände.

Herr Wegener, was war Ihre Motivation, 2011 am Wettbewerb zur Landesgartenschau in Lahr teilzunehmen?
Es war die Auslobung mit der Aufgabe, einen existierenden Park zu überarbeiten und Ackerflächen eine neue Identität zu geben, sie zu einem Park zu entwickeln. Und darüber hinaus: beide Teilbereiche über zwei Bundesstraßen hinweg mit einer Brücke zu verbinden – alles in allem eine komplexe Aufgabe. Zudem hat es in unseren Kalender gepasst …

Haben Sie die Vorgaben im Planungsprogramm als einengend empfunden – etwa den Wunsch nach einem See, neuen Kleingärten und einem Landschaftspark, in den ein bestehendes Pappelwäldchen mit Krähenhabitat integriert werden sollte?
Eigentlich nicht, eher als Herausforderung. Zumal wir viel Freiraum bei der Ideenfindung hatten und angehalten wurden, Neues zu entwickeln, das sich mit Vorhandenem verbinden sollte.

Woran hatten Sie am meisten zu knabbern? Was hat Ihnen die größten Probleme beim Planen und Bauen gemacht?
Das war der See. Er sollte mehrere Hektar groß werden, aber wir konnten ihn nicht – wie anfangs gedacht – durch den Aushub von Boden realisieren. Es stellte sich schnell heraus, dass es Probleme mit dem Grund­wasser gegeben hätte. So kamen wir auf die Idee, den See auf das bestehende Gelände aufzusetzen. Als Landschaftssee konzipiert, ist er nun rund 2,7 Hektar groß, aber nur zwei bis drei Meter tief. Insgesamt haben wir rund 100 000 Kubikmeter Füllboden im Gelände verarbeitet.

Der See wird diagonal von einem Steg gequert, dadurch scheint er zweigeteilt. Hat das eine tiefere Bedeutung?
Ja. Offziell ist der See ein Badesee und braucht dazu eine entsprechend hohe Wasserqualität. Das erreichen wir, indem wir das Wasser umwälzen, über eine Pflanzenkläranlage filtern und fehlendes Wasser über Pumpen aus dem Grundwasser zuführen. Der Steg über den See sitzt wiederum auf einer Mauer auf, die den Badesee vom Landschaftssee trennt und ihn aus einer anderen Perspektive als von den Ufern aus erlebbar macht. Die Ufer sind bewusst unterschiedlich gestaltet: im Badebereich mit einer harten, urbanen Kante samt Badestrand, im Landschaftsteil mit weichen Übergängen, die sich aus der Bepflanzung der Uferbereiche mit Röhricht und Wasserpflanzen ergeben.

Gab es noch andere Themen, die Ihnen beim Entwurf der Landesgartenschau besonders wichtig waren?
Zum Beispiel, dass auf der langen Seite des Sees eine Promenade entstehen sollte. Diese haben wir mit einer einreihigen Allee aus Trauerweiden bepflanzt, deren hängende Zweige wir lieben.

Alle Fotos: Karl H.C. Ludwig.

Sie haben noch nicht das Krähennest angesprochen, das ja auch eine Besonderheit darstellt …
Genau, das war uns auch von Anfang an wichtig. Zwar in etwas anderer Form als es nach dem dafür ausgelobten Wett­bewerb geworden ist, aber wir finden es dennoch gut. Es steht vor dem Pappel­wäldchen, in dem zahlreiche Krähennester zu finden sind, die den Anstoß zur Idee gegeben haben. Konkret liegt es in dem neuen Auenwäldchen, in dem sich Lichtungen, Pfade aus Rindenmulch und Farninseln finden, die die Basis für ökologische Vielfalt und Lebensräume für Pflanzen und Tiere darstellen und zeigen.

Was waren die Maximen und Ziele für die Überarbeitung des Bürgerparks? Der kam in unserer Unterhaltung bislang etwas zu kurz …
Der Bürgerpark liegt direkt am Schul­quartier und wurde von uns konzeptionell als Teil der Stadt interpretiert. Im Gegensatz zum landschaftlichen Seepark ist der Spiel-­ und Sportpark urban gestaltet. Die Konzeptionen für die neuen Gebäude dort – Kita, römisches Streifen­haus und Sporthalle – entwickelten wir in der städtebaulichen Findungsphase zusammen mit dem Architekturbüro Aldinger. Die neue Kita mit der tonnen­förmigen Dachstruktur, die ich mitsamt den Spielbereichen für sehr gelungen halte, markiert den Parkzugang im Osten. Zu einem besonderen gestalterischen Element wurde auch die „via ceramica“, die sich – obwohl sprachlich nicht ganz korrekt – auf die keramischen Funde der Römer in Lahr bezieht.


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Blick über den See.

12 Via Ceramika Image club
Via Ceramica.

08 Seeprromenade01
Seepromenade.

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Blick über den See.

12 Via Ceramika Image club
Via Ceramica.

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Seepromenade.

Das alles klingt nach dem Ergebnis einer guten Zusammenarbeit mit anderen Planern und der Stadt.
Die Zusammenarbeit war – von einzelnen Ausnahmen abgesehen – in der Tat ganz gut. Das gilt sowohl für die Verantwort­lichen der Stadt, als auch für die LGS GmbH und andere Architekten und Planer. Grundsätzlich hätten wir uns gewünscht, dass sich die Ausstellungsbei­träge – vor allem im Seepark – etwas mehr in die Grundkonzeption der Daueranlage eingefügt und einen etwas weniger lauten Auftritt gemacht hätten. Im Kleingartenpark am jetzigen Haupteingang der LGS wurden sie mit dem Landschaftsbau und dessen Gärten deutlich besser in die Grund­struktur der Anlage integriert.

Zum Interviewpartner: Burkhard Wegener ist einer der vier Gründer und Geschäftsführer des Kölner Büros club L94 Landschaftsarchitekten. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Objektplanung und Wettbewerbe. Am FB Architektur der Hochschule Bochum lehrt er als Honorarprofessor.

 

 

Alle Fotos: Karl H.C. Ludwig.

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Die Deutsche Akademie für Städtebau und Landesplanung und die Wüstenrot Stiftung schreiben seit fast 40 Jahren den Deutschen Städtebaupreis aus. Alle zwei Jahre zeichnet der Preis nachhaltige und innovative Gestaltungsvorschläge für den öffentlichen Raum aus. Dieses Jahr ist es wieder soweit.

Architekten, Landschaftsarchitekten und Städteplaner können bis zum 15. April Projekte einreichen, die seit dem 1. Januar 2013 in der Bundesrepublik Deutschland realisiert worden sind. Am 27. September 2018 werden die Wettbewerbsgewinner bekannt gegeben. Den Preisträger erwartet ein Preisgeld von 15 000 Euro und wird in einer Wanderausstellung präsentiert.

Der parallel dazu ausgelobte Sonderpreis widmet sich dem Thema ‚Orte der Bildung und Kultur im städtebaulichen Kontext‘. Im Rahmen des ‚European Year of Cultural Heritage 2018‘ werden Projekte ausgezeichnet die städtebauliche Ensembles zwischen 1949 und 1989 behandeln. Der Sonderpreis ist mit 5 000 Euro dotiert.

Weitere Informationen zu dem Deutschen Städtepreis findet ihre hier.