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Stadtverkehr und Hochhäuser im urbanen Stadtbild, fotografiert von Bin White.

Unsichtbare Bewegungen, sichtbar gemacht: BLE-Technologie revolutioniert die Art, wie wir urbane Räume verstehen, nutzen und planen. Was vor wenigen Jahren noch als technische Spielerei galt, ist längst zum Werkzeug für präzise Echtzeit-Analysen in der Stadtentwicklung geworden. Doch wie funktioniert diese Technologie? Und wie verändert sie unser Verständnis von Bewegungsströmen in Städten wirklich? Willkommen im Zeitalter der dynamischen Stadtplanung, in dem Daten das Unsichtbare an die Oberfläche holen.

  • Grundlagen der BLE-Technologie und ihr Einsatz im urbanen Kontext
  • Wie BLE-basierte Systeme Bewegungsströme erfassen und visualisieren
  • Anwendungsbeispiele aus Deutschland, Österreich und der Schweiz
  • Chancen für Verkehrsplanung, Stadtgestaltung und nachhaltige Mobilität
  • Datenschutz, ethische Fragen und Governance bei BLE-Einsatz
  • Integration von BLE-Daten in Urban Digital Twins und Smart-City-Plattformen
  • Herausforderungen bei der Implementierung und Skalierung
  • Potenzial für Partizipation, Transparenz und bessere Kommunikation
  • Zukunftsperspektiven und technologische Trends

BLE-Technologie: Unsichtbare Sensorik für urbane Bewegungsströme

Bluetooth Low Energy, kurz BLE, ist der stille Star der digitalen Transformation urbaner Räume. Während RFID-Tags und klassische WLAN-Trackinglösungen schon länger für die Erfassung von Bewegungsdaten genutzt werden, bietet BLE eine neue Qualität: energiesparend, flexibel, skalierbar und in der Lage, große Mengen anonymisierter Bewegungsdaten in Echtzeit zu erfassen. Die Grundidee ist ebenso simpel wie brillant: Kleine Beacons – das sind unscheinbare Sender, oft kaum größer als eine Streichholzschachtel – werden an strategisch wichtigen Orten im öffentlichen Raum installiert. Sie senden in kurzen Intervallen Signale aus, die von Smartphones, Wearables oder speziellen Empfängern empfangen werden können. Registriert ein Gerät ein Signal, wird diese Begegnung als Ereignis gespeichert – selbstverständlich unter strengen Datenschutzvorgaben und meist vollständig anonymisiert.

Im Vergleich zu klassischen Video- oder GPS-basierten Systemen besticht BLE durch seine hohe Präzision auf kurzen Distanzen und die Möglichkeit, Bewegungen auch in Innenräumen oder infrastrukturell komplexen Bereichen zuverlässig zu erfassen. Die Technologie benötigt wenig Energie, was Wartungsaufwände minimiert und einen flächendeckenden Einsatz auch im Außenraum wirtschaftlich macht. Dank moderner Mesh-Netzwerke lassen sich mehrere Beacons zu intelligenten Netzwerken verbinden, die Bewegungsströme nicht nur punktuell, sondern über ganze Quartiere oder Verkehrsachsen hinweg nachzeichnen können.

Professionelle Stadtplaner, Verkehrsingenieure und Landschaftsarchitekten profitieren von der detailreichen Datenbasis, die BLE-Systeme schaffen. Sie erkennen damit nicht nur, wie viele Menschen sich an einem Ort aufhalten, sondern können auch Richtungen, Verweildauern, Knotenpunkte und alternative Routen erfassen. Die daraus entstehenden Heatmaps und Bewegungsprofile liefern eine objektive Grundlage für Planungsentscheidungen, die bislang oft auf Schätzungen oder punktuellen Verkehrszählungen basierten. Der Clou: BLE erkennt nicht nur den motorisierten Verkehr, sondern auch Fußgänger, Radfahrer und andere nicht-motorisierte Mobilitätsformen – ein echter Gamechanger für die nachhaltige Stadtentwicklung.

In der Praxis ist die Implementierung von BLE-Systemen erstaunlich unkompliziert. Einmal installiert, arbeiten die Beacons weitgehend autark, senden ihre Signale und liefern Daten an zentrale Plattformen, die diese aggregieren und auswerten. Moderne Softwarelösungen bieten dabei nicht nur Rohdaten, sondern vorgefertigte Analysen: von der Auslastung von Parks und Plätzen über die Nutzung von Radwegen bis hin zu Besucherströmen bei Großveranstaltungen. Für Planer und Entscheider bedeutet das: Weniger Bauchgefühl, mehr Evidenz.

Doch BLE ist nicht nur ein technisches Tool, sondern auch ein Katalysator für neue Formen der Partizipation und Transparenz. Bürger können, wenn sie wollen, selbst entscheiden, ob und wie ihre Bewegungsdaten in anonyme Analysen einfließen. Gleichzeitig bieten offene Schnittstellen die Möglichkeit, BLE-basierte Bewegungsdaten mit anderen urbanen Datensätzen zu kombinieren – etwa mit Wetterdaten, Verkehrszählungen oder Umfragen. So entsteht ein ganzheitliches Bild des urbanen Lebens, das weit über klassische Verkehrsstatistiken hinausgeht.

Die Geschwindigkeit, mit der BLE-Technologie in deutschen, österreichischen und Schweizer Städten Einzug hält, ist beachtlich – auch wenn sie noch nicht flächendeckend angekommen ist. Insbesondere innovative Modellprojekte und Smart-City-Initiativen setzen BLE als Schlüsseltechnologie ein, um urbane Bewegungsströme sichtbar, planbar und gestaltbar zu machen. Wer heute schon BLE in seine Planung integriert, verschafft sich einen entscheidenden Wissensvorsprung – und gestaltet die Stadt von morgen nicht nur effizienter, sondern auch lebenswerter.

Bewegungsströme im digitalen Scheinwerferlicht: Von der Datenerfassung zur Visualisierung

Das Herzstück jeder BLE-basierten Bewegungsanalyse ist die intelligente Verknüpfung von Datenerfassung, Auswertung und Visualisierung. Während die Beacons kontinuierlich Informationen sammeln, sorgt eine ausgeklügelte Softwarearchitektur dafür, dass aus Millionen von Einzelbegegnungen sinnvolle Muster und Erkenntnisse entstehen. Im Kern geht es darum, aus scheinbar chaotischen Bewegungsdaten strukturierte Strömungsbilder zu generieren, die Planern und Entscheidern eine neue, bislang unerreichte Perspektive auf das urbane Geschehen liefern.

Die Datenströme, die BLE-Systeme produzieren, sind enorm – und sie sind in ihrer Rohform alles andere als selbsterklärend. Erst durch die Kombination mit Zeitstempeln, Standortdaten und gegebenenfalls weiteren Kontextinformationen wird aus dem Datenwust ein nachvollziehbares Abbild urbaner Dynamik. Hier kommen moderne Visualisierungstools ins Spiel, die Bewegungsströme als sogenannte Heatmaps, Flussdiagramme oder interaktive 3D-Modelle darstellen. Besonders spannend: Mit Hilfe von Machine Learning lassen sich atypische Muster, Anomalien oder saisonale Veränderungen automatisch erkennen, was die Planungssicherheit weiter erhöht.

Ein Beispiel aus der Praxis: In München wurde BLE-Technologie genutzt, um die Besucherströme im Englischen Garten zu analysieren. Die Ergebnisse zeigten nicht nur, welche Wege zu welchen Tageszeiten besonders stark frequentiert waren, sondern auch, wie sich Wetter, Veranstaltungen oder Baustellen auf die Nutzung des Parks auswirkten. Die gewonnenen Erkenntnisse flossen direkt in die Planung neuer Wegeführungen, Sitzgelegenheiten und Grünstrukturen ein – ein Paradebeispiel für evidenzbasiertes, nutzerzentriertes Design.

Auch in der Verkehrsplanung eröffnen BLE-gestützte Bewegungsanalysen völlig neue Möglichkeiten. Statt punktueller Zählungen an wenigen Stellen erhalten Planer ein kontinuierliches, flächendeckendes Bild der Mobilitätsströme. Besonders in komplexen Verkehrsknoten, an Bahnhöfen oder in Fußgängerzonen lassen sich Engpässe, Konfliktpunkte und Potenziale für Umgestaltungen frühzeitig erkennen. Die Analyse von Verweildauern und Routenpräferenzen hilft zudem, die Aufenthaltsqualität gezielt zu steigern und alternative Mobilitätsangebote besser zu platzieren.

Ein weiteres Highlight: BLE-Daten können in Echtzeit genutzt werden, um adaptive Systeme zu steuern. Intelligente Ampelschaltungen, dynamische Informationsdisplays oder flexible Raumangebote in Parks und öffentlichen Gebäuden sind nur einige Beispiele dafür, wie Bewegungsdaten die Stadt im Hier und Jetzt optimieren. Die Voraussetzung dafür ist allerdings eine enge Verzahnung von BLE-Systemen mit städtischen IT-Infrastrukturen und eine klare Governance, die Verantwortlichkeiten und Datenflüsse regelt.

Schließlich bietet die BLE-basierte Bewegungsanalyse auch für die Bürgerkommunikation enorme Potenziale. Visualisierungen machen abstrakte Planungsprozesse greifbar, fördern Verständnis und Akzeptanz und ermöglichen eine informierte Beteiligung an der Stadtentwicklung. Wer nachvollziehen kann, wie und warum bestimmte Maßnahmen ergriffen werden, ist eher bereit, Veränderungen mitzutragen – ein unschätzbarer Vorteil in Zeiten wachsender Ansprüche an Transparenz und Mitsprache.

Datensouveränität, Ethik und Governance: Der richtige Umgang mit sensiblen Bewegungsdaten

Wo viele Daten fließen, ist auch die Frage nach Datenschutz und Ethik nicht weit. Gerade BLE-basierte Bewegungsanalysen stehen im Spannungsfeld zwischen Innovationspotenzial und berechtigtem Schutzbedürfnis der Stadtbevölkerung. Die gute Nachricht: Moderne BLE-Systeme sind von Anfang an so konzipiert, dass sie den strengen Vorgaben der Datenschutzgrundverordnung entsprechen. Bewegungsdaten werden in der Regel vollständig anonymisiert erhoben, personenbezogene Informationen werden weder erfasst noch gespeichert. Dennoch ist ein verantwortungsvoller Umgang mit diesen Daten unerlässlich – nicht nur aus rechtlichen, sondern auch aus gesellschaftlichen Gründen.

Datensouveränität beginnt bei der technischen Gestaltung der Systeme. So sollten BLE-Beacons standardmäßig keine Rückschlüsse auf individuelle Nutzer zulassen. Statt Geräte-IDs dauerhaft zu speichern, arbeiten viele Systeme mit temporären, zufällig generierten Identifikatoren, die keinen Rückschluss auf einzelne Personen erlauben. Zudem werden sämtliche Bewegungsdaten verschlüsselt übertragen und auf sicheren Servern verarbeitet. Der Zugriff auf Rohdaten ist in der Regel streng reglementiert und erfolgt nur durch autorisierte Stellen – etwa Stadtverwaltungen, Forschungspartner oder zertifizierte Dienstleister.

Doch technische Maßnahmen allein genügen nicht. Transparenz und Aufklärung sind zentrale Bausteine für das Vertrauen in BLE-basierte Bewegungsanalysen. Bürger müssen wissen, welche Daten erhoben werden, zu welchem Zweck und wie lange sie gespeichert bleiben. Informationskampagnen, offene Datenportale und partizipative Entscheidungsprozesse tragen dazu bei, die Akzeptanz neuer Technologien zu erhöhen und Missverständnissen vorzubeugen. Gerade im öffentlichen Raum ist es wichtig, dass niemand das Gefühl hat, überwacht zu werden. Vielmehr geht es darum, gemeinsam an einer besseren, effizienteren und lebenswerteren Stadt zu arbeiten.

Governance-Fragen spielen auch bei der Integration von BLE-Daten in städtische Plattformen und Urban Digital Twins eine zentrale Rolle. Wer entscheidet, welche Daten wie genutzt werden? Wie werden Fehlinterpretationen und algorithmische Verzerrungen vermieden? Und wie lässt sich verhindern, dass sensible Bewegungsdaten kommerziell missbraucht werden? Die Antworten darauf liegen in klaren Verfahrensregeln, offenen Schnittstellen und einer kontinuierlichen Überprüfung der Systeme durch unabhängige Instanzen. Nur so kann sichergestellt werden, dass BLE-Technologie zum Werkzeug für Gemeinwohl und Partizipation wird – und nicht zum Einfallstor für Überwachung oder Diskriminierung.

Ein interessantes Beispiel liefert die Stadt Zürich, die BLE-Daten gezielt für die Verbesserung der Fußgängermobilität nutzt – gleichzeitig aber strenge Datenschutzrichtlinien einhält und Bürger regelmäßig über die Verwendung der Daten informiert. Dieses Zusammenspiel von Innovation und Verantwortung zeigt, dass technische Exzellenz und gesellschaftliche Akzeptanz keine Gegensätze sein müssen, sondern sich gegenseitig bedingen. Wer BLE als Teil einer verantwortungsvollen, dialogorientierten Stadtentwicklung einsetzt, kann das volle Potenzial der Technologie ausschöpfen – ohne die Rechte und Interessen der Stadtbewohner aus dem Blick zu verlieren.

Am Ende steht die Erkenntnis: BLE-Technologie ist nur so gut wie der Rahmen, in dem sie eingesetzt wird. Transparenz, Partizipation und eine klare Governance sind die Schlüssel, um das Vertrauen der Öffentlichkeit zu gewinnen und die Technologie nachhaltig in die Stadtentwicklung zu integrieren. Die großen Chancen, die BLE für die Visualisierung und Steuerung urbaner Bewegungsströme bietet, lassen sich nur dann realisieren, wenn Datenschutz und ethische Standards konsequent gewahrt bleiben. Hier sind nicht nur Techniker, sondern auch Planer, Politiker und die Stadtgesellschaft als Ganzes gefordert.

Von der sensorbasierten Datenflut zum digitalen Zwilling: BLE im Kontext der Smart City

Die Integration von BLE-Technologie in das Ökosystem der Smart City markiert einen entscheidenden Schritt hin zur datengetriebenen, lernenden Stadt. Bewegungsdaten, die von BLE-Systemen generiert werden, sind längst nicht mehr Selbstzweck, sondern werden als wertvoller Input für Urban Digital Twins, Verkehrsmanagementsysteme und partizipative Planungsplattformen genutzt. Damit entsteht ein ganz neues Verständnis von Stadtentwicklung, das auf kontinuierlichem Lernen, flexibler Anpassung und dialogischer Entscheidungsfindung basiert.

Urban Digital Twins, also digitale Abbilder realer Städte, profitieren in besonderem Maße von den detailreichen, aktuellen Bewegungsdaten, die BLE-Systeme liefern. Während klassische Modelle oft statisch sind und auf vereinfachten Annahmen beruhen, ermöglichen BLE-gestützte Digital Twins eine dynamische Echtzeitabbildung der Stadt. Planer können so nicht nur vergangene und aktuelle Bewegungsströme analysieren, sondern auch die Wirkung geplanter Maßnahmen simulieren – etwa die Umgestaltung eines Marktplatzes, die Einführung neuer Radwege oder die temporäre Sperrung von Straßen für Veranstaltungen.

In der Praxis führen diese neuen Möglichkeiten zu einem Paradigmenwechsel in der Stadtplanung. Statt langfristiger, schwerfälliger Masterpläne rückt die iterative, datengestützte Entwicklung in den Vordergrund. Maßnahmen werden ausprobiert, ihre Auswirkungen in Echtzeit beobachtet und bei Bedarf angepasst. BLE-Technologie liefert die nötige Evidenzbasis, um Prozesse transparent, nachvollziehbar und flexibel zu gestalten. Gerade in Zeiten zunehmender Komplexität und Unsicherheit – sei es durch Klimawandel, demografische Veränderungen oder neue Mobilitätsformen – ist diese Agilität ein unschätzbarer Vorteil.

Auch für die Bürgerbeteiligung eröffnen BLE-basierte Digital Twins neue Horizonte. Komplexe Bewegungsströme werden nicht mehr als abstrakte Zahlenkolonnen präsentiert, sondern als interaktive, leicht verständliche Visualisierungen. Bürger können nachvollziehen, wie sich ihre Stadt verändert, welche Maßnahmen wo wirken und wie ihre eigenen Mobilitätsentscheidungen Teil des großen Ganzen sind. Diese neue Transparenz fördert nicht nur das Verständnis, sondern auch die Motivation, an der Gestaltung der Stadt aktiv mitzuwirken.

Natürlich birgt die umfassende Integration von BLE-Daten in Smart-City-Plattformen auch Herausforderungen. Insbesondere die Skalierbarkeit der Systeme, die Interoperabilität mit anderen Sensoriklösungen und die langfristige Wartung der Infrastruktur stellen hohe Anforderungen an Technik und Organisation. Hinzu kommen Fragen der Finanzierung, der rechtlichen Absicherung und der nachhaltigen Einbindung aller relevanten Akteure. Doch die Erfahrungen aus Pilotprojekten in Städten wie Wien, Hamburg oder Basel zeigen: Wo der politische Wille, die technische Kompetenz und die gesellschaftliche Unterstützung zusammenkommen, entwickelt sich BLE-Technologie vom Experiment zur Exzellenz – und schafft die Grundlage für die resiliente, adaptive Stadt von morgen.

Im Zusammenspiel mit anderen digitalen Technologien wird BLE zum Herzstück einer neuen, intelligenten Stadtinfrastruktur. Die Daten, die aus der Bewegung der Menschen im Stadtraum gewonnen werden, fließen in Verkehrsmodelle, Klimaanalysen, Energiemanagementsysteme und vieles mehr ein. So entsteht ein urbanes Ökosystem, das nicht nur effizienter und nachhaltiger funktioniert, sondern auch menschlicher, transparenter und inklusiver wird. Wer heute BLE als integralen Bestandteil der Stadtentwicklung begreift, legt den Grundstein für eine Zukunft, in der Stadtplanung nicht mehr im stillen Kämmerlein, sondern im offenen, datenbasierten Dialog stattfindet.

Fazit: BLE macht die Stadt lesbar – und Planer fit für das 21. Jahrhundert

BLE-Technologie ist weit mehr als ein technisches Gadget für Digitalisierungs-Enthusiasten. Sie ist ein Gamechanger für die Art und Weise, wie wir urbane Räume wahrnehmen, verstehen und gestalten. Durch die präzise, datenschutzkonforme Erfassung und Visualisierung von Bewegungsströmen eröffnet BLE neue Möglichkeiten für evidenzbasierte Planung, adaptive Stadtentwicklung und partizipative Entscheidungsprozesse. Die Technologie bringt Dynamik und Transparenz in die Stadtplanung und schafft damit die Voraussetzungen für resiliente, lebenswerte und zukunftsfähige Städte.

Die Herausforderungen sind dabei nicht zu unterschätzen: Datenschutz, Governance, technische Integration und gesellschaftliche Akzeptanz erfordern einen verantwortungsvollen, dialogorientierten Umgang mit den neuen Möglichkeiten. Doch die Erfahrungen aus Praxisprojekten zeigen, dass BLE-Technologie dort, wo sie klug eingesetzt und transparent kommuniziert wird, auf breite Zustimmung stößt und echte Mehrwerte schafft. Die Verbindung von BLE-Daten mit Urban Digital Twins, Smart-City-Plattformen und partizipativen Tools ist dabei der Schlüssel, um die Potenziale voll auszuschöpfen.

Am Ende steht die Erkenntnis: Wer als Planer, Stadtentwickler oder Landschaftsarchitekt heute auf BLE setzt, gestaltet nicht nur effizienter, sondern auch gerechter, inklusiver und nachhaltiger. Die Stadt wird lesbar, Bewegungsströme werden sichtbar, und Entscheidungen werden nachvollziehbar. BLE ist damit kein vorübergehender Trend, sondern ein fundamentaler Baustein der digitalen Stadtentwicklung – und ein Muss für alle, die auch morgen noch vorne mitspielen wollen.

Stadtplanung in Echtzeit, datenbasiertes Design, intelligente Beteiligung – all das wird mit BLE-Technologie nicht nur möglich, sondern zum neuen Standard. Wer jetzt den Schritt wagt, macht die Stadt fit für das 21. Jahrhundert. Denn eines ist klar: Die Zukunft urbaner Räume gehört denen, die das Unsichtbare sichtbar machen – und daraus die richtigen Schlüsse ziehen.

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KLIMA_X: Ausstellung zur Klimakommunikation

An der MachBar können Besuchende Intiativen und Aktionen kennenlernen, die es in ihrer Stadt gibt. © Museum für Kommunikation Frankfurt, Foto: Stefanie Kösling
© Museum für Kommunikation Frankfurt, Foto: Stefanie Kösling

Wir wissen um die Bedrohung und Herausforderung durch den Klimawandel. Wir wissen auch, was dagegen zu tun ist. Aber warum tun wir es nicht? Die Ausstellung KLIMA_X beschäftigt sich damit, wie Menschen mit Klimafakten umgehen und wie die Klimakommunikation in den letzten fünf Jahren aussah. Bis 27. August 2023 ist KLIMA_X im Museum für Kommunikation in Frankfurt am Main zu sehen. Im Anschluss wandert die Ausstellung ans Museum für Kommunikation Berlin

Ausstellung zur Klimakommunikation 

Die Klimakrise ist keineswegs ein neues Phänomen. So wurde die Thematik seit Beginn der Fridays for future Demonstrationen zwar vermehrt ins öffentliche Bewusstsein gerückt. Doch die Erkenntnis darüber, welche Folgen der menschliche Einfluss für das Erdklima des Planeten haben wird, ist schon seit Mitte des letzten Jahrhunderts wohlbekannt. Trotzdem wurde flächendeckend unverändert am Wachstum festgehalten. Und dies sowohl im politischen Gebaren als auch vielfach im individuellen Verhalten. Die neue Ausstellung KLIMA_X geht nun der spannenden Frage nach, woran das liegt. Wenn sich doch die Mehrheit der aufgeklärten Menschheit bewusst darüber ist, dass sich etwas ändern muss, warum ändert sich dann nichts. Oder zumindest nicht in einer Geschwindigkeit und Relevanz, die angesichts der drohenden Katastrophe angemessen wäre. Es sind genau diese Hintergründe, welche die Ausstellung zur Klimakommunikation nun näher beleuchten will.  

Herzlich willkommen zu KLIMA_X! Treppenaufgang in die Ausstellung © Museum für Kommunikation Frankfurt, Foto: Stefanie Kösling
Herzlich willkommen zu KLIMA_X! Treppenaufgang in die Ausstellung © Museum für Kommunikation Frankfurt, Foto: Stefanie Kösling

Warum tun wir nicht, was wir wissen?

Das Museum für Kommunikation in Frankfurt spricht von einer Last der guten Vorsätze. Als Einzelpersonen hegen wir persönliche Ziele, wie etwa eine Reduktion des Fleischkonsums oder der PKW Nutzung. Dies wäre nicht nur gut für uns als Individuen, sondern gleichzeitig auch fürs Klima. Und doch scheint die Umsetzung dieser Vorsätze ungemein schwierig. Und so inkonsequent wir in der persönlichen Lebensführung sind, so sind es auch das politische Gemeinwesen und die Wirtschaft. Die Veränderung der gewohnten Strukturen stellt sich als große Herausforderung dar. Dabei reagiert jedes Individuum und jede Gemeinschaft ganz unterschiedlich auf Wandel. Die Ausstellung zur Klimakommunikation regt die Besucher*innen dazu an, herauszufinden welche Art von „Veränderungs-Typ“ man selbst ist. Denn der Umgang mit den unleugbaren Klimafakten ist eine vielschichtige Problematik. Welche ein konsequenteres Vorgehen gegen die Klimakrise oft hemmt.

 

An der MachBar können Besuchende Intiativen und Aktionen kennenlernen, die es in ihrer Stadt gibt. © Museum für Kommunikation Frankfurt, Foto: Stefanie Kösling
An der MachBar können Besuchende Intiativen und Aktionen kennenlernen, die es in ihrer Stadt gibt. © Museum für Kommunikation Frankfurt, Foto: Stefanie Kösling

Aufbau der Ausstellung

In sieben Ausstellungsbereichen findet sich zwar somit auch ein Bereich zum Stand der naturwissenschaftlichen Forschung. Vielmehr liegt der Fokus jedoch auf den Reaktionen, die durch jene Forschung provoziert werden. Dabei stellen sich Fragen wie etwa, welche Gefühle durch die Fakten ausgelöst werden? Weiterhin, wie kommunizieren Medien, NGOs oder Unternehmen über die Debatte? KLIMA_X schlägt dabei einen Bogen von historischen Erkenntnisschritte über Kommunikationsmethoden. So findet der Bericht des Club of Rome von 1972 ebenso Erwähnung wie diverse IPCC-Reports. Weiterhin geht die Ausstellung aber beispielsweise auch auf Desinformationsstragien von fossilen Industrien ein. Oder zeigt darüberhinaus die Strategie der Fridays for Future Demonstrationen. Neben den historischen und naturwissenschaftlichen Fakten, bestimmt der emotionale Umgang mit der Klimakrise die Ausstellung.

 

Klimakommunikation und Du

Dazu wird den Besucher*innen im Laufe der Ausstellung auf spielerische Art das eigenen Verhältnis zu Veränderung vermittelt. Diese wählen ein „Klimatier“, dem sie sich während des Ausstellungsbesuches am nächsten fühlen. Etwa ein wütender Gorilla, ein verschrecktes Huhn oder eine tüchtige Biene. Die Tiere versinnbildlichen unterschiedliche Emotionen, die im Angesicht der Klimakrise zu Tage treten. Diese variieren von „verärgert“ über „machtlos“ bis „hoffnungsvoll“. Ein interaktives Netzwerkdiagramm hält die Stimmung der Besucher*innen fest. Weitere Stationen der Ausstellung sind das „Ausreden-Glücksrad“ oder weiterhin der „Anruf in die Zukunft“. Dabei geht es zum Beispiel darum, typische Verzögerungsargumente im Klimadiskurs zu entlarven. Oder darüberhinaus eine mögliche Zukunftsvision zu visualisieren. Neben den interaktiven Teilen werden Beispiele gelungener Umwälzungen gezeigt. Dazu erzählen ausgewählte Menschen in Interviews von ihrer Art eines klimafreundlicheren Lebens.

 

Von der Kluft zwischen Wissen und Handeln

Katja Weber, Kuratorin der Ausstellung, hält die Ausstellung für einen Meilenstein. Ihrer Ansicht nach, sei bei vielen Menschen in Deutschland die Erkenntnis darüber, dass ein ernsthaftes Problem anstehe, bereits Konsens. Weiterhin seien viele dieser Personen bereit, ihren Beitrag zur Reduktion von Treibhausgasen zu lasten. Sie betont aber das verbreitete Problem: „Es gibt einen Gap zwischen Wissen und Handeln. Die Ausstellung versucht diese Leerstelle zu erklären.“ Carel Mohn, Chefredakteur der Seite klimafakten.de – welche die Ausstellung mitkuratiert hat – sieht in der Ausstellung in einem der weltweit wichtigsten Museen für Kommunikation einen Hoffnungsschimmer: „Die Frage der Klimakommunikation ist offenbar in der Mitte der Gesellschaft angekommen.“ Dafür spricht auch das breite Kooperationsbündnis, welches hinter der Ausstellung steht. Neben dem Hessischen Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, wirkten auch die LandesEnergieAgentur Hessen (LEA) und das Umweltamt Frankfurt mit.

Klimakommunikation in Frankfurt und Berlin

Es wäre wünschenswert, wenn die Ausstellung tatsächlich die besprochene Kluft zwischen Wissen und Handel ein Stück weit schließt. Besucher*innen können sich noch bis 27. August 2023 im Museum für Kommunikation in Frankfurt am Main selbst ein Bild machen. Danach wandert die Ausstellung weiter in die Hauptstadt. Durch das Projekt können Inhalte der Klimakommunikation und ein gesteigerter Veränderungswille eine breite Masse erreichen. Damit wir In Zukunft vielleicht häufiger tun, was wir eigentlich schon wissen.

Mehr zu Wirkmöglichkeiten gegen die Klimakrise lesen Sie im Praxishandbuch für Kommunen des Difu zur Klimaresilienz.

Kramer-Areal Überlingen: Zweiphasiger Realisierungswettbewerb entschieden

Das neue Kramer-Areal in Überlingen am Bodensee soll ein modernes Wohnquartier werden. Bildquelle: studio urbanek + BELT (Architektur) und studio boden (Landschaftsarchitektur)
Das neue Kramer-Areal in Überlingen am Bodensee soll ein modernes Wohnquartier werden. Bildquelle: studio urbanek + BELT (Architektur) und studio boden (Landschaftsarchitektur)

Der städtebauliche Wettbewerb zur Entwicklung des Kramer-Areals in Überlingen ist abgeschlossen. Neun Architekturbüros waren im Rennen – gewinnen konnte der Entwurf eines österreichischen Studios, der den Schwerpunkt auf ein Wohnquartier mit vielfältigen Wohnformen legt. Mehr über den Siegerentwurf hier.

„Ein enormes Raumprogramm“

Am 16. November 2023 tagte das Preisgericht in Überlingen und entschied nach einer intensiven, ganztägig andauernden Diskussion, den Entwurf des Stadtplanungsbüros Studio Urbanek für die Neugestaltung des Kramer-Areals zu wählen. Das Studio aus Wien arbeitet mit BELT (Architektur) und studio boden (Landschaftsarchitektur) nun an der Umsetzung des neuen Kramer-Areals. Die Jury war von der sensiblen Rücksichtnahme des Entwurfs auf viele unterschiedliche Wohnformen sowie Grünflächen überzeugt. Unter dem Titel „Die Kramer-Gärten – von Promenaden und Hofplateaus“ setzte sich der Entwurf gegen acht andere Vorschläge durch. Nun soll der Beitrag in die formelle Bauleitplanung überführt werden.

Das Ziel der Stadt Überlingen besteht darin, auf dem ehemaligen Werkareal der Kramer-Werke ein qualitativ hochwertiges Quartier entstehen zu lassen. Die neun finalen Arbeiten wurden bereits im Juli 2023 im Rahmen eines ersten Preisgerichts ausgewählt. Sie würdigen die Überarbeitungshinweise aus erster Runde sowie die Ergebnisse eines Bürgerworkshops. „Das Stadtplanungsbüro Studio Urbanek, Wien hat das gesamte Preisgericht am Ende überzeugt, indem es schafft, auf erstaunlich selbstverständliche Weise ein enormes Raumprogramm auf dem Grundstück zu realisieren.“, so Markus Müller, Vorsitzender des Preisgerichts, Freier Architekt und Stadtplaner sowie Präsident der Architektenkammer Baden-Württemberg aus dem nahe gelegenen Meckenbeuren.

Ansicht der geplanten Gartenpromenade als Teil des Kramer-Areals. Bildquelle: studio urbanek + BELT (Architektur) und studio boden (Landschaftsarchitektur)
Ansicht der geplanten Gartenpromenade als Teil des Kramer-Areals. Bildquelle: studio urbanek + BELT (Architektur) und studio boden (Landschaftsarchitektur)

Bürgerbeteiligung als nächster Schritt

Eigentümerin des Kramer-Areals ist die Wacker Neuson Group, ein international tätiger Unternehmensverbund und Hersteller von Baugeräten und Kompaktmaschinen. Die Gruppe war neben elf Fachpreisrichter*innen und zehn Vertreter*innen der Stadt Überlingen in der Jury vertreten, ebenso wie unabhängige Expert*innen und zwei Vertreter*innen der Bürgerschaft. „Mit dem gestrigen Preisgericht hat ein Realisierungswettbewerb sein Ende gefunden, den wir als Stadt Überlingen in allen Phasen eng begleitet haben. So bin ich nun zuversichtlich und voller Vorfreude, dass wir den geschichtsträchtigen Überlinger Ort „Kramer-Areal“ als eigenständiges, nachhaltiges und qualitativ hochwertiges Quartier schon bald mit neuem Leben füllen werden“, freut sich Oberbürgermeister Jan Zeitler.

Im November und Dezember 2023 wurden die Architekturmodelle aller Finalist*innen im ehemaligen Kramer-Bürogebäude öffentlich ausgestellt. Für das Planungsverfahren sind weitere Anhörungen und Informationsveranstaltungen mit Bürgerbeteiligung geplant.

Um die Identität des Areals zu bewahren, ist eine Bebauung in verschiedenen Maßstäben geplant. Bildquelle: studio urbanek + BELT (Architektur) und studio boden (Landschaftsarchitektur)
Um die Identität des Areals zu bewahren, ist eine Bebauung in verschiedenen Maßstäben geplant. Bildquelle: studio urbanek + BELT (Architektur) und studio boden (Landschaftsarchitektur)

Kramer-Gärten und Gartenpromenade als Verbindungselemente

Das Kramer-Areal in Überlingen ist etwa 5,7 Hektar groß. Seit 1952 gehörte es zum Unternehmen Kramer, das 1925 gegründet wurde. Maschinen wie kleine Motormäher und Traktoren sind die Spezialität von Kramer. Zu ihrer Zeit revolutionierten sie die Landwirtschaft. Heute hat das Unternehmen seinen Sitz in Pfullendorf. Dort gibt es mehr Platz für die Werke.

Seit 2008 ist das Kramer-Areal leer. Das geplante neue Quartier soll Wohnfläche, aber auch Platz für innovative Gewerbe- und Dienstleistungsnutzungen bieten. Es soll Wohnflächen für unterschiedliche Einkommensschichten, Altersgruppen und Haushaltsgrößen bereitstellen und so eine soziale Mischung erreichen.

Das Studio Urbanek plant außerdem die Pflanzung der sogenannten Kramer-Gärten, um die Uferlandschaft des Bodensees mit dem Siedlungsgebiet von Überlingen zu verbinden. Gebäude verschiedener Größen sollen die Identität der Kramer-Werke mit ihrem großen Maßstab erhalten, zugleich aber auch andere Körnungen schaffen und das Areal zur umgebenden Stadtstruktur hin öffnen. Eine neue Gartenpromenade setzt den Fokus auf sanfte Mobilität und stellt das grüne Rückgrat der Kramer-Gärten dar.

Weiterlesen: Im Jahr 2021 fand in Überlingen eine Landesgartenschau statt.