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Cloudbasierte Schnittstellen für interkommunale Zusammenarbeit

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Luftaufnahme einer Schweizer Stadtlandschaft, fotografiert von Ivan Louis
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Cloudbasierte Schnittstellen für interkommunale Zusammenarbeit sind der unsichtbare Motor, der Kommunen in die Zukunft katapultiert. Was einst als technische Spielerei galt, ist heute der Schlüssel zu dynamischeren, effizienteren und resilienteren Städten – vorausgesetzt, man setzt sie richtig ein. Wer glaubt, digitale Vernetzung sei nur etwas für IT-Abteilungen, verpasst die größte Transformation der Stadtplanung seit der Einführung des Flächennutzungsplans.

  • Definition und Bedeutung cloudbasierter Schnittstellen für die Zusammenarbeit zwischen Kommunen
  • Technische Grundlagen: Von APIs über Open Data bis zu interoperablen Plattformen
  • Praktische Anwendungsfelder: Mobilitätsmanagement, Klimaschutz, Krisenreaktion und mehr
  • Aktuelle Herausforderungen: Datenschutz, Governance, Standardisierung und digitale Souveränität
  • Best-Practice-Beispiele aus Deutschland, Österreich und der Schweiz
  • Die Rolle von Urban Data Platforms und offenen Schnittstellen
  • Strategien für nachhaltige Implementierung und langfristige Pflege
  • Risiken, Nebenwirkungen und wie man sie vermeidet
  • Zukunftsausblick: Adaptive Städte und die neue Kultur des Teilens

Cloudbasierte Schnittstellen – das neue Nervensystem urbaner Kooperation

Wer heute Stadtentwicklung gestalten will, braucht mehr als visionäre Entwürfe oder innovative Beteiligungsformate. Er braucht Daten – und zwar nicht nur die eigenen, sondern auch die der Nachbarn. Cloudbasierte Schnittstellen sind das technologische Rückgrat für dieses neue Miteinander. Ihr Zauber liegt darin, dass sie Kommunen, Landkreise, Versorger, Verkehrsbetriebe und sogar private Akteure in Echtzeit miteinander vernetzen. Was bedeutet das konkret? Datenströme fließen nicht mehr in abgeschlossenen Silos, sondern werden auf offenen, flexiblen Plattformen zusammengeführt. Die Cloud als Speicher- und Rechenzentrum sorgt dafür, dass diese Informationen überall und jederzeit verfügbar sind – und zwar unabhängig von lokalen IT-Infrastrukturen.

Die technische Grundlage dafür sind sogenannte Application Programming Interfaces, kurz APIs. Sie dienen als Vermittler zwischen den Systemen unterschiedlicher Städte oder Verwaltungseinheiten. Ob Verkehrsdaten, Umweltsensorik, Energiemanagement oder Katastrophenwarnungen – APIs machen den Austausch so einfach, wie ein Klick auf den Download-Button. Doch APIs allein sind nur die halbe Miete. Erst die Kombination aus offenen Standards, Cloud-Hosting und einer klaren Governance-Architektur sorgt für die notwendige Skalierbarkeit, Sicherheit und Flexibilität.

Auf diesen Grundlagen werden zentrale Herausforderungen der Stadtentwicklung lösbar. Denken wir an den Klimaschutz: Eine Kommune allein kann zwar ihre Emissionen messen, aber ohne Vergleichs- und Kooperationsdaten aus der Region bleiben Maßnahmen oft Stückwerk. Über cloudbasierte Schnittstellen lassen sich Echtzeitdaten zu Luftqualität, Energieverbrauch und Verkehrsaufkommen bündeln und vergleichen – ein unschätzbarer Vorteil für regionale Klimastrategien. Oder nehmen wir das Mobilitätsmanagement: Pendlerströme machen an Stadtgrenzen nicht halt. Cloudbasierte Schnittstellen ermöglichen, dass Verkehrsleitstellen, ÖPNV-Anbieter und Sharing-Dienste ihre Informationen teilen, um Staus, Baustellen oder Notfälle koordiniert zu bewältigen.

Das alles klingt nach Science-Fiction, ist aber längst Alltag in Städten wie Zürich, Wien oder Hamburg. Dort werden Urban Data Platforms aufgebaut, die auf cloudbasierten Schnittstellen beruhen und so zum Knotenpunkt für interkommunale Zusammenarbeit werden. Der Clou: Diese Plattformen sind nicht nur für Experten gedacht, sondern auch für die Zivilgesellschaft, lokale Unternehmen und Forschungseinrichtungen zugänglich. So entsteht ein Ökosystem aus Information, Innovation und Partizipation, das weit über die klassische Verwaltung hinausreicht.

Doch der Weg dahin ist alles andere als trivial. Wer cloudbasierte Schnittstellen erfolgreich implementieren will, braucht mehr als eine schicke IT-Lösung. Es braucht ein Umdenken in der Verwaltungskultur, klare Regeln für Datenhoheit und ein tiefes Verständnis für die technischen, rechtlichen und organisatorischen Implikationen. Nur dann wird aus der Technik ein Werkzeug für bessere Städte – und nicht bloß ein weiteres digitales Feigenblatt.

Technische Fundamente und architektonische Herausforderungen

Die technische Infrastruktur cloudbasierter Schnittstellen ist ein komplexes Geflecht aus Datenbanken, API-Gateways, Authentifizierungsmechanismen und Monitoring-Systemen. Im Zentrum steht die Frage der Interoperabilität: Wie gelingt es, dass verschiedene Kommunen mit unterschiedlichen IT-Systemen, Datenformaten und Sicherheitsstandards reibungslos zusammenarbeiten? Der Schlüssel dazu sind offene Schnittstellenstandards, wie sie etwa das Open Geospatial Consortium (OGC) oder die European Interoperability Frameworks vorgeben. Diese Standards definieren, wie Geodaten, Sensorwerte oder Verwaltungsinformationen strukturiert, übertragen und verarbeitet werden.

Ein weiteres technisches Herzstück ist die Cloud selbst. Sie bietet nicht nur Speicherplatz, sondern auch Rechenleistung – beispielsweise für aufwendige Simulationen, Analysen oder Machine-Learning-Anwendungen im Kontext der Stadtentwicklung. Cloudanbieter wie AWS, Microsoft Azure oder die europäische GAIA-X-Initiative liefern die Infrastruktur, auf der Kommunen eigene Urban Data Hubs aufbauen können. Doch hier lauern auch Risiken: Wer kontrolliert die Daten? Wo werden sie gespeichert? Und wie lässt sich sicherstellen, dass sensible Informationen nicht in falsche Hände geraten?

Die meisten Städte setzen daher auf hybride Architekturen: Ein Teil der Daten bleibt lokal in sogenannten On-Premise-Systemen, während andere Daten über die Cloud geteilt oder temporär verarbeitet werden. Zentral ist dabei das Thema Datenschutz. Die DSGVO schreibt strenge Regeln für die Übertragung und Verarbeitung personenbezogener Daten vor. Deshalb ist es unerlässlich, dass alle Schnittstellen mit modernen Verschlüsselungs-, Pseudonymisierungs- und Zugriffskontrollmechanismen ausgestattet werden. Nur so lassen sich rechtliche Fallstricke vermeiden und das Vertrauen der Bevölkerung sichern.

Neben der Technik steht die Governance im Fokus. Jede Schnittstelle braucht einen klaren Betreiber, definierte Rollen und Verantwortlichkeiten. Wer darf Daten einspeisen, wer darf sie abrufen, wer entscheidet über Updates oder Abschaltungen? Diese Fragen sind nicht trivial, denn sie berühren Machtstrukturen innerhalb und zwischen Kommunen. Erfolgreiche Projekte wie die Urban Data Platform Hamburg oder das Schweizer Smart City Lab zeigen, dass eine transparente, partizipative Governance entscheidend für die Akzeptanz und die nachhaltige Pflege cloudbasierter Schnittstellen ist.

Schließlich ist auch die Dokumentation ein unterschätzter Erfolgsfaktor. APIs und Schnittstellen müssen sauber dokumentiert, versioniert und getestet werden – nicht nur für die eigene IT, sondern auch für alle externen Nutzer und Entwickler. Ohne eine offene, verständliche Dokumentation bleibt jede Schnittstelle ein Closed Shop und verliert schnell an Relevanz. Wer hier investiert, legt den Grundstein für Innovation durch Dritte – ein echter Mehrwert für die Stadtentwicklung.

Interkommunale Praxis: Von der Dateninsel zum urbanen Netzwerk

Die eigentliche Magie cloudbasierter Schnittstellen entfaltet sich in der Praxis – dort, wo kommunale Grenzen plötzlich irrelevant werden und Städte gemeinsam an Lösungen arbeiten. Besonders eindrucksvoll wird das beim Thema Mobilität. In der Metropolregion Rhein-Neckar etwa koordinieren mehrere Städte und Gemeinden ihren Nahverkehr über eine gemeinsame Datenplattform. Über cloudbasierte Schnittstellen werden Fahrplandaten, Störungsmeldungen und Echtzeitpositionen der Fahrzeuge gebündelt. Das Ergebnis: Fahrgäste können lückenlos über Stadtgrenzen hinweg planen, Störungen werden schneller erkannt und Umleitungen automatisiert berechnet. Hier zeigt sich, wie Digitalisierung nicht nur Komfort, sondern auch Effizienzsteigerungen und Ressourcenschonung ermöglicht.

Ein weiteres Paradebeispiel ist das Klimamanagement. Städte wie Freiburg, Basel und Karlsruhe teilen Umweltdaten, z.B. zu Luftqualität, Temperatur, Feinstaub oder CO₂-Belastung, über gemeinsame Schnittstellen. Das erlaubt nicht nur eine bessere Analyse regionaler Trends, sondern auch die Entwicklung abgestimmter Maßnahmenpakete. So kann etwa eine Hitzewelle schneller erkannt und grenzübergreifend bekämpft werden – von der gezielten Bewässerung städtischer Grünflächen bis hin zur Koordination von Warnsystemen für besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen.

Auch im Bereich der Krisenbewältigung sind cloudbasierte Schnittstellen Gold wert. Bei Hochwasserlagen, Waldbränden oder anderen Katastrophenfällen werden Daten aus verschiedenen Behörden, Einsatzkräften und Infrastrukturbetreibern in Echtzeit zusammengeführt. Dadurch entsteht ein umfassendes Lagebild, das schnelle, koordinierte Entscheidungen ermöglicht – und das Leben retten kann. Städte wie Passau oder Dresden haben nach verheerenden Hochwassern gezielt auf den Ausbau solcher Schnittstellen gesetzt und profitieren heute von einer deutlich höheren Resilienz und Reaktionsfähigkeit.

Im Bereich der Stadtentwicklung selbst eröffnen cloudbasierte Schnittstellen neue Formen der Bürgerbeteiligung. Über offene Plattformen können Bürger eigene Daten beisteuern, etwa zur Nutzung von öffentlichen Räumen, Verkehrswegen oder zur Bewertung von Bauprojekten. Kommunen wie Zürich oder Wien experimentieren mit solchen partizipativen Ansätzen, bei denen die Cloud als neutraler Vermittler zwischen Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft fungiert. Das fördert nicht nur Transparenz, sondern auch Innovation und Akzeptanz.

Nicht zu unterschätzen sind schließlich die Synergieeffekte für kleine und mittlere Kommunen. Gerade dort fehlen oft die Ressourcen für eigene Datenplattformen oder komplexe IT-Lösungen. Über cloudbasierte Schnittstellen können sie jedoch an regionalen Netzwerken teilhaben, von Best Practices profitieren und gemeinsam mit größeren Nachbarn Lösungen entwickeln, die alleine unerreichbar wären.

Risiken, Fallstricke und wie man sie souverän meistert

So verheißungsvoll cloudbasierte Schnittstellen auch klingen, sie sind kein Allheilmittel. Wer sich blind auf die Technik verlässt, riskiert neue Abhängigkeiten und unerwünschte Nebenwirkungen. Ein zentrales Risiko ist die sogenannte Vendor Lock-in-Falle: Wenn Schnittstellen eng an proprietäre Cloudanbieter gebunden sind, können Wechsel oder Erweiterungen schnell teuer und kompliziert werden. Um das zu vermeiden, sollten Kommunen konsequent auf offene Standards und modulare Architekturen setzen. Nur so bleibt man flexibel und unabhängig in der Wahl von Anbietern und Technologien.

Datenschutz ist und bleibt eine Achillesferse. Insbesondere bei der Verarbeitung personenbezogener Daten, etwa aus Sensorik, Verkehrsmanagement oder Sozialstatistiken, drohen bei Fehlern empfindliche Strafen und Vertrauensverluste. Deshalb sind Privacy-by-Design-Prinzipien Pflicht: Bereits bei der Konzeption müssen alle Schnittstellen auf Datensparsamkeit, Transparenz und Kontrolle durch die Nutzer ausgelegt werden. Ebenso wichtig ist ein kontinuierliches Monitoring, das Anomalien, Angriffe oder Missbrauch frühzeitig erkennt und Gegenmaßnahmen einleitet.

Ein weiteres Problemfeld ist die Standardisierung. Wenn jede Kommune eigene Schnittstellen bastelt, entsteht ein Flickenteppich inkompatibler Systeme. Hier braucht es überregionale Initiativen, etwa von Landesregierungen, Fachverbänden oder der EU, die einheitliche Rahmenbedingungen und zertifizierte Schnittstellenkataloge vorgeben. Nur so lässt sich die angestrebte Interoperabilität tatsächlich erreichen.

Auch die Governance darf nicht unterschätzt werden. Wer ist verantwortlich, wenn eine Schnittstelle ausfällt, Daten kompromittiert werden oder ein externer Dienstleister pleitegeht? Hier helfen klare Verträge, Service Level Agreements und Notfallpläne, die alle Eventualitäten abdecken. Besonders wichtig ist eine regelmäßige Schulung aller Beteiligten – von der IT über die Fachämter bis hin zu externen Partnern. Denn Technik allein schützt nicht vor Fehlern, sondern nur kompetente Menschen, die sie bedienen.

Schließlich lauert das Risiko der Übertechnisierung. Nicht jede Verwaltungsaufgabe profitiert von cloudbasierten Schnittstellen. Es gilt, sinnvolle Anwendungsfelder sorgfältig auszuwählen und die Technik als Werkzeug, nicht als Selbstzweck zu begreifen. Wer Partizipation, Transparenz und Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt stellt, nutzt die Cloud als Enabler – nicht als Ersatz für menschliche Intelligenz, Kreativität und Verantwortung.

Zukunftsausblick: Die adaptive Stadt als Plattform

Cloudbasierte Schnittstellen markieren erst den Anfang eines tiefgreifenden Wandels im Selbstverständnis urbaner Entwicklung. Die Stadt der Zukunft wird nicht mehr als starres Gebilde betrachtet, sondern als dynamische Plattform, auf der Daten, Dienste und Menschen permanent in Wechselwirkung stehen. In dieser neuen Realität sind kommunale Grenzen fließend, Kooperation der Normalfall und Innovation das Ergebnis eines offenen, geteilten Fundaments.

Städte werden zu lernenden Systemen, die auf Veränderungen in Echtzeit reagieren können. Ob neue Mobilitätsformen, Klimawandel, demografische Verschiebungen oder unvorhersehbare Krisen – mit cloudbasierten Schnittstellen lassen sich schnell Szenarien durchspielen, Ressourcen optimieren und Bürger aktiv einbinden. Die Rolle des Planers wandelt sich vom Einzelkämpfer zum Netzwerker, vom Entwerfer zum Kurator urbaner Datenströme.

Innovation entsteht dabei nicht mehr im Hinterzimmer, sondern im offenen Ökosystem. Start-ups, Forschungseinrichtungen, Bürgerinitiativen und Unternehmen können auf offene Schnittstellen zugreifen, eigene Anwendungen entwickeln und so einen Beitrag zur Stadtentwicklung leisten. Das schafft einen Wettbewerb der Ideen, bei dem am Ende die Stadt und ihre Bewohner profitieren.

Gleichzeitig wächst die Bedeutung digitaler Souveränität. Kommunen müssen lernen, ihre Datenhoheit zu sichern, Abhängigkeiten zu minimieren und den Wert ihrer Informationen selbst zu bestimmen. Das erfordert nicht nur technisches Know-how, sondern auch politische Weitsicht, Mut zur Kooperation und die Bereitschaft, Macht zu teilen. Nur so entstehen wirklich resiliente, adaptive und lebenswerte Städte.

Die Zukunft der interkommunalen Zusammenarbeit ist also nicht digital oder analog, sondern beides – vernetzt, offen, flexibel und menschengemacht. Cloudbasierte Schnittstellen sind das Rückgrat dieser Entwicklung. Wer sie versteht, gestaltet nicht nur die Technik, sondern die Stadt von morgen. Und wer sie ignoriert, wird von der Realität überholt.

Fazit: Cloudbasierte Schnittstellen – das Upgrade für die Stadt der Zukunft

Cloudbasierte Schnittstellen für interkommunale Zusammenarbeit sind weit mehr als ein technisches Detail. Sie sind die Voraussetzung dafür, dass Städte und Gemeinden die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts gemeinsam angehen können – von Klimawandel und Mobilitätswende über Krisenmanagement bis zur Bürgerbeteiligung. Die Technik ist dabei nur das Mittel zum Zweck. Entscheidend sind Offenheit, Kooperation und die Bereitschaft, aus Daten Wissen und aus Wissen Handlung zu machen. Städte, die cloudbasierte Schnittstellen strategisch nutzen, werden zu Plattformen für Innovation, Transparenz und Teilhabe – und machen aus Verwaltung eine Gemeinschaftsaufgabe. Die adaptive, resiliente Stadt beginnt mit einer offenen Schnittstelle. Alles andere bleibt Stückwerk.

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Die Mitte von Berlin bleibt grün

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Die Perspektive zeigt die geplanten Stufen am Ufer der Spree.

1. Preis an Büro RMP Lenzen: Stufen am Ufer der Spree mit Blick auf Dom (Visualisierung: RMP Lenzen)

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Es geht um eine prominente Fläche in Berlins historischer Mitte: Eingespannt zwischen dem neuen Humboldt-Forum und dem Fernsehturm bekommen das Rathaus- und Marx-Engels-Forum eine neue Gestaltung. Das Büro RMP Stephan Lenzen hat den Wettbewerb für die grüne Mitte von Berlin gewonnen.

Dort wo die Wurzeln der Stadt Berlin liegen, wird demnächst nicht wieder gebaut. Die Freifläche von Rathaus- und Marx-Engels-Forum bleiben Grün. Allerdings erhält das Areal eine neue Gestaltung, die in einer Freitreppe zur angrenzenden Spree mündet. Die Berliner Senatsverwaltung hat im Frühjahr zu einem Wettbewerb eingeladen. Nach einer ersten Phase durften die Bürger*innen mitreden. Daraufhin entwickelten insgesamt 21 Landschaftsarchitekturbüros ihre Ideen in der zweiten Phase des Wettbewerbs weiter. Die Landschaftsarchitek*innen vom Büro RMP Stephan Lenzen überzeugten schließlich die Jury. Sie schlugen ein zentrales Band vor, das denkmalgeschützte Bereiche des Rathausforums mit dem Marx-Engels-Forum verbindet. Dieses grüne Band endet in einer großen Treppe am Ufer der Spree. Gegenüber, auf der anderen Seite des Wasser, strahlt die Ostfassade des neuen Humboldt-Forums.

 

Viel Geschichte inmitten von Berlin

 

Früher hiess die Freifläche inmitten des alten Berlins „Park an der Spree“. Als eine der zentralsten Grünflächen im Ortsteil Mitte geht sie auf den Zweiten Weltkrieg zurück. Der hatte das dortige Heilig-Geist-Viertel beschädigt, was schließlich die DDR-Führung veranlasst hat, es abzureißen. Seitdem ist die Fläche zwischen Karl-Liebknecht-Straße im Norden, dem Park am Fernsehturm im Osten, der Rathausstraße im Süden und der Spree im Westen unbebaut. Mittendrin stand lange ein Denkmalensemble, das jedoch beim Bau der U-Bahn an den nordwestlichen Rand rücken musste. Bereits seit den 1990er-Jahren wird über die Zukunft des Marx-Engels-Forums diskutiert. Die Ideen waren vielfältig. Sie reichten vom Wiederaufbau des Heilig-Geist-Viertels bis zur Gestaltung eines Parks am Marx-Engels-Forum. Letztere hat sich schließlich durchgesetzt. 

Wettbewerbsaufgabe Marx-Engels-Forum

Die Gestaltung eines Parks auf dem Marx-Engels-Forum galt es nun, im Rahmen des Ideen- und Realisierungswettbewerb zu konkretisieren. Die Teilnehmer*innen waren gefragt, sich mit dem Gründungsort Berlins, mit den im Boden verborgenen historischen Schichten und der Umgebung auseinanderzusetzen. Am Ende der langen Debatte um die Zukunft dieses Ortes entstanden Bürgerleitlinien zur künftigen Entwicklung des Rathaus- und des Marx-Engels-Forums. Darin heißt es, dass ein Freiraum zu entwerfen ist, der den Dimensionen und der Bedeutung des Standortes gerecht wird und die Identität des Ortes stärkt. Darüber hinaus soll er die bewegte Geschichte erlebbar machen und gleichzeitig vielfältige und intensive Nutzungen ermöglichen. 

In der ersten Phase fragte der Wettbewerb zunächst nach einer Vision und einer Idee für das gesamte Marx-Engels-Forum. Erst die Teilnehmer*innen der zweiten Phase mussten ihre Vision herleiten. Darüber hinaus skizzierten sie im Ideenteil des Wettbewerbs einen Zwischenzustand für das Jahr 2030. In einem dritten Realisierungsteil war dann die konkrete Umsetzung für 2024 aufzuzeigen. Diese stufenweise Herangehensweise geht auf die angestrebte, schrittweise Realisierung des Projekts zurück. Die wird einen langen Zeitraum in Anspruch nehmen. Entsprechend müssen die Ideen auf einer klaren Haltung basieren und viel Flexibilität für die prozesshafte Umsetzung bieten. 

 

Marx-Engels-Forum: überzeugender Entwurf von RMP Lenzen

 

Die Landschaftsarchitekt*innen vom Büro RMP Lenzen lieferten die überzeugendste Lösung für die neue Gestaltung von Rathaus- und Marx-Engels-Forum. Sie entwarfen einen Freiraum, der von einer markanten Figur geprägt ist. Er sieht vor, das Rathaus- und das Marx-Engels-Forum von Bebauung freizuhalten. Der grüne Raum verspricht eine hohe Aufenthaltsqualität mit Flächen zum Flanieren, zum Ausruhen, zum Genießen von spektakulären Aussichten auf Dom, Humboldt-Forum und Fernsehturm. RMP Lenzen bestückt den neuen Raum mit viel Grün und mit vielen schattenspendenden Bäumen. Aber auch Wasser gehört dazu, das zur Kühlung beiträgt sowie Versickerungsflächen, die zu einem künftigen Regenwassermanagement passen. Insgesamt sieht der Beitrag zum Wettbewerb Marx-Engels-Forum einen modernen, klimaresilienten Stadtraum vor, der vielfältige Nutzungen ermöglicht. 

Gut Ding braucht Weile

Mit der Idee, zunächst einen Grünraum im Herzen des alten Berlin anzulegen, bleiben Chancen für nächste Generationen erhalten. Für die nahe Gegenwart hat das Preisgericht empfohlen, die mit dem ersten Preis ausgezeichnete Arbeit von RMP Lenzen zu realisieren. Damit geht eine kontroverse Debatte zu Ende. Wohl kaum ein Ort in Berlin hat mehr Planungen und Diskussionen erlebt als das Marx-Engels-Forum. Aber für den Bausenator steht fest, dass die Stadt Berlin richtig gehandelt hat. Sie hat hier nach dem Fall der Mauer keine überstürzte Planung realisiert. Nun kann vor dem Hintergrund aktueller Planungen für den Alexanderplatz und den Molkenmarkt und unter dem Vorzeichen von Klimaanpassung und Mobilitätswende in Ruhe gestaltet werden.

Sie möchten mehr über Projekte der Hauptstadt erfahren? Wir haben die nächsten Planungsschritte auf dem ehemaligen Flughafenareal Berlin Tegel für Sie zusammengefasst.

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Wettbewerbsübersicht Dezember 2018 (2/2)

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Bewegung und Begegnung. © KCAP GmbH mit Ramboll Studio Dreiseitl

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Kulturquartier Lagarde-Campus, Bamberg – 1. Preis hutterreimann Landschaftsarchitektur GmbH, Berlin, mit Sauerzapfe Architekten, Berlin

Interessiert an aktuellen Wettbewerbsergebnissen der Landschaftsarchitektur, aber kaum Zeit sich diese richtig anzuschauen? In der Wettbewerbsübersicht der G+L informiert Heike Vossen über die spannendsten Wettbewerbsergebnisse im Dezember.

Straßenräume in Wiehl – 1. Preis Lex-Kerfers Landschaftsarchitekten, Bockhorn

Die Konversion der Lagarde-Kaserne soll in Bambergs Osten einen lebendigen, nutzungsgemischten Stadtteil schaffen – mit dem „Kulturquartier Lagarde“ als attraktive Quartiersmitte. Zwei Stadtplätze prägen zukünftig die neue Mitte und sollen mit ihrer frühzeitigen Schaffung einen wichtigen Baustein zur Entwicklung des Quartiers bilden. Der Siegerentwurf sieht zwei Baumhaine vor, welche die beiden Plätze verbinden, aber jedem einzelnen einen eigenen Charakter zugestehen. Der Lagarde-Platz südlich der Reithalle gestaltet sich als grüner Quartiersplatz, der stellvertretend für das gesamte Quartier, seine Transformation, sowie die nachhaltige Neuausrichtung steht. Der Platz ist Endpunkt der Grünverbindung Richtung Ostpark und zugleich urbanes Entrée des Quartiers. Als belebter Gegenpol dazu präsentiert sich der Kulturhof zwischen Reit- und Posthalle: Er ist unprätentiös und flexibel bespielbar, so die Jury. Außerdem bildet der Stadtplatz einen wichtigen Ankerpunkt für die Stadtverbindung zur Innenstadt.

Planungsdialog Hafner in Konstanz – 1. Preis KCAP, Zürich, mit Ramboll Studio Dreiseitl, Überlingen

Ein Transitraum wird zum Aufenthaltsraum, so die Entwurfsintention von Lex-Kerfers Landschaftsarchitekten für das Zentrum von Wiehl. Ihr Siegerentwurf überwindet die starke Trennung des zergliederten Stadtraums und definiert Rathaus- und Hem-Platz als zentralen Platz am Kreuzungspunkt der Stadtachsen. Zukünftig prägt Naturstein das Zentrum – Farbnuancen und Materialwechsel berücksichtigen dabei die historische Differenzierung von Fahrbahn, Fußgängerbereich und Platzfläche. Der durchgehende Belag ermöglicht es, die angrenzenden Flächen anzubinden. Zusätzlich integriert eine breite winkelförmige Freitreppe die Kirche in den Stadtraum. Ein neuer Weg zwischen Rathaus und Kirche verbindet barrierefrei zur südlich gelegenen Wiehlaue. Um den Blick in die Flussaue zu ermöglichen, stellt der Entwurf die Wiehlbrücke frei. Zusätzliche Treppen und Bastionen vergrößern die Kontaktzone zum Fluss. Die neuen Stadtbäume bilden mit auffälliger Blüte und Herbstfärbung einen spannenden Kontrast zur Aue. Prägende Möblierungselemente wie die Baumbänke entwickeln die Planer in Anlehnung an regionaltypische Gestaltungselemente und Materialien.

In Konstanz soll mit rund 2800 Wohneinheiten der neue Stadtteil Hafner entstehen. Das Planungsteam aus KCAP und Ramboll Studio Dreiseitl überzeugte die Jury mit einer prägnanten Entwurfsidee, dem sogenannten „Hafner-Ring“. Zusätzlich zur großen grünen Mitte bildet das grüne Infrastrukturband eine freiraum- und städtebaulich relevante Struktur für den Stadtteil mit seinen zukünftig rund 8000 Bewohnern. Das grüne Band zieht sich mit robusten und multifunktional nutzbaren Erholungs- und Erlebnisräumen im Bogen durch das neue Stadtquartier und verbindet es mit dem historischen Kern Wollmatingen. Das Siegerteam sieht für das rund 60 Hektar große Areal keine strikte Trennung zwischen Wohnen und Gewerbe vor. Stattdessen mischen die Planer die Nutzungen. Das Quartier ist weitgehend autofrei konzipiert und stellt die Lebensqualität in den Vordergrund. Die Jury sieht in dem Entwurf das größte Innovationspotential, um den Stadtteil zukunftsfähig zu gestalten, sowie an Veränderungen der nächsten Jahre anzupassen.

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