Cortenstahl Schnell Rosten: Eigenschaften, Verlegung und Einsatz

Ein Detail von Belag und Freiraummaterial zum Thema Cortenstahl Schnell Rosten
Detailaufnahme eines Baumes – Natur im Fokus. Foto: mariskavereijken / Unsplash

Cortenstahl gehört zu den wenigen Materialien im Außenraum, die ihren Endzustand nicht verbergen, sondern offen zur Schau stellen: eine tiefbraune, strukturierte Oxidschicht, die das Metall vor weiterer Korrosion schützt. Doch genau dieser Prozess, das gezielte und kontrollierte Rosten, ist kein Selbstläufer. Wer Cortenstahl im Freiraum, im Garten- und Landschaftsbau oder in der Stadtgestaltung einsetzt, muss verstehen, wie die Patinierung abläuft, welche Bedingungen sie fördern oder hemmen, und welche planerischen und konstruktiven Fehler dazu führen, dass aus einer edlen Materialoberflächeein dauerhaftes Problem wird.

  • Was Cortenstahl chemisch und metallurgisch ist und wie die schützende Rostschicht entsteht
  • Unter welchen Bedingungen Cortenstahl schnell rostet und eine stabile Patina ausbildet
  • Welche Faktoren die Patinierung hemmen oder zu unkontrollierter Korrosion führen
  • Wie Cortenstahl im Freiraum fachgerecht verlegt und konstruktiv eingebaut wird
  • Welche Anwendungsfelder im Landschaftsbau, Städtebau und der Freiraumplanung typisch sind
  • Was bei der Planung in Bezug auf Rostablauf, Nachbarmaterialien und Entwässerung zu beachten ist
  • Welche Normen, Bezeichnungen und Werkstoffnummern relevant sind
  • Häufige Fehler und Missverständnisse beim Einsatz von Cortenstahl im Außenraum

Was ist Cortenstahl? Werkstoff, Chemie und Normbezeichnung

Cortenstahl ist ein wetterfester Baustahl, der durch gezielte Legierungszusätze aus Kupfer, Chrom, Nickel und Phosphor die Fähigkeit besitzt, unter Witterungseinfluss eine dichte, fest haftende Oxidschicht auszubilden, die das darunterliegende Metall vor weiterer Korrosion schützt. Diese Schicht wird als Patina bezeichnet, gelegentlich auch als Schutzrost. Der Begriff „Cortenstahl“ ist ursprünglich ein Markenname des US-amerikanischen Stahlherstellers United States Steel Corporation und leitet sich von den englischen Begriffen „corrosion resistance“ und „tensile strength“ ab. Im deutschen Sprachraum und in der europäischen Norm ist der Werkstoff unter der Bezeichnung wetterfester Baustahl bekannt, die einschlägige europäische Norm ist EN 10025-5. Typische Werkstoffbezeichnungen sind S235J0W, S355J0WP oder S355J2W, wobei das „W“ im Kürzel für „weathering“ steht.

Der Mechanismus der Patinierung beruht auf einer besonderen Eigenschaft der Legierung: Die Oxidschicht, die sich bei normalem Baustahl porös und hygroskopisch bildet und daher Feuchtigkeit aufnimmt und Korrosion beschleunigt, ist beim wetterfesten Stahl dicht und adhärent. Sie haftet fest auf der Metalloberfläche, ist schwer wasserdurchlässig und hemmt den weiteren Sauerstoff- und Feuchtetransport zum Grundmaterial. In der Praxis bedeutet das: Nach einer Anlaufphase, in der die Oberfläche intensiv rostet und orangebraune Ablaufspuren erzeugt, stabilisiert sich die Schicht und der Materialabtrag sinkt auf ein Minimum. Dieser Zustand gilt als selbstschützend, solange die Randbedingungen stimmen.

Für Landschaftsarchitekten und Freiraumplaner ist es wichtig, Cortenstahl von gewöhnlichem Baustahl und von nichtrostendem Stahl (umgangssprachlich „Edelstahl“) klar zu unterscheiden. Gewöhnlicher Baustahl rostet unkontrolliert und verliert dauerhaft an Querschnitt. Nichtrostender Stahl bildet keine sichtbare Oxidschicht aus. Cortenstahl steht zwischen diesen Polen: Er rostet sichtbar und bewusst, aber in einem kontrollierten, sich selbst begrenzenden Prozess. Diese Eigenschaft macht ihn ästhetisch einzigartig und konstruktiv nutzbar, setzt aber präzises Wissen über seine Verarbeitung und seinen Einbau voraus.

Cortenstahl schnell rosten: Wie die Patinierung abläuft und was sie steuert

Der Prozess, den Planer und Verarbeiter als „Cortenstahl schnell rosten“ beschreiben, bezeichnet die initiale Oxidationsphase, in der die Oberfläche des frisch eingebauten Materials unter Witterungseinfluss eine erste, noch instabile Rostschicht aufbaut. Diese Phase dauert je nach Klimabedingungen, Bauteilgeometrie und Einbausituation zwischen einigen Monaten und mehreren Jahren. Entscheidend für eine schnelle, gleichmäßige und stabile Patinierung ist der regelmäßige Wechsel zwischen Befeuchtung und Austrocknung der Oberfläche. Fachleute sprechen von einem Feucht-Trocken-Wechsel, der die Oxidschicht verdichtet und kristallisiert.

Wenn Cortenstahl dauerhaft nass bleibt, also in stehender Feuchtigkeit liegt oder von Wasser umschlossen ist, kann die Patina nicht aushärten. Die Oxidschicht bleibt weich, löst sich ab und der Stahl korrodiert weiter, ohne den schützenden Zustand zu erreichen. Dasselbe gilt für Bereiche, die dauerhaft im Schatten liegen und kaum austrocknen. Umgekehrt bildet sich in Klimazonen mit ausgeprägten Jahreszeiten, also mit wechselfeuchten Perioden, Regen und Sonneneinstrahlung, eine besonders dichte und gleichmäßige Patina. Das Klima Mitteleuropas ist für diesen Prozess grundsätzlich gut geeignet, sofern die konstruktiven Voraussetzungen stimmen.

Die Geschwindigkeit der Patinierung hängt auch von der Luftqualität ab. In Küstennähe mit salzhaltigem Aerosol oder in stark industriell geprägten Umgebungen mit erhöhten Schwefelverbindungen in der Luft kann die Korrosion aggressiver verlaufen als in ländlichen Lagen. In solchen Umgebungen ist Cortenstahl nur bedingt geeignet oder erfordert eine sorgfältige Prüfung der Langzeitbeständigkeit. Die einschlägige Literatur und die Herstellerempfehlungen unterscheiden in der Regel zwischen verschiedenen Korrosivitätskategorien nach ISO 9223, die von C1 (sehr niedrig, trocken-innen) bis C5 (sehr hoch, industriell oder marin) reichen. Für Außenanwendungen in Mitteleuropa ist typischerweise C3 bis C4 relevant; in C5-Umgebungen sollte der Einsatz von Cortenstahl kritisch hinterfragt werden.

Wer Cortenstahl schnell rosten lassen möchte, um die Anlaufphase mit ihren intensiven Rostablaufspuren zu verkürzen, kann auf verschiedene Methoden zurückgreifen. Eine verbreitete Praxis ist die Vorpatinierung im Werk oder auf der Baustelle durch Behandlung mit verdünnten Säurelösungen oder speziellen Oxidationsmitteln. Diese Verfahren beschleunigen die initiale Oxidation und erzeugen eine erste Schutzschicht, bevor das Material eingebaut wird. Vorpatinierte Cortenstahl-Elemente erzeugen deutlich weniger Rostablauf in der Einbauphase und sind daher besonders dann sinnvoll, wenn benachbarte Materialien wie helle Natursteinbeläge, Betonoberflächen oder Fassadenputz vor Verfärbungen geschützt werden sollen.

Konstruktiver Einbau: Verlegung, Entwässerung und Detailausbildung

Die fachgerechte Verlegung von Cortenstahl im Außenraum ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine dauerhafte und schadensfreie Funktion. Der häufigste Fehler besteht darin, Cortenstahl in direkten Bodenkontakt zu bringen, also Stützen, Einfassungen oder Soleplatten ohne ausreichende Entwässerung in feuchten Boden einzubetten. Im dauerhaft feuchten Erdreich kann die Patina nicht aushärten; der Stahl korrodiert unkontrolliert und verliert über Jahrzehnte erheblich an Querschnitt. Für erdberührte Bereiche empfehlen Hersteller und Fachplaner entweder eine zusätzliche Beschichtung des erdberührten Teils, eine Bitumenbeschichtung oder den Einsatz von nichtrostendem Stahl für die Verankerung.

Bei Beeteinfassungen, Mauerscheiben und Sichtschutzelementen aus Cortenstahl ist die Entwässerungsplanung entscheidend. Wasser darf sich nicht in Falzen, Überlappungen oder Hohlräumen stauen. Konstruktive Details wie Wassernasen, Gefälle auf horizontalen Flächen und ausreichende Abstände zu angrenzenden Materialien verhindern, dass Feuchtigkeit dauerhaft eingeschlossen bleibt. Horizontale Flächen aus Cortenstahl, etwa Abdeckplatten auf Mauerkronen, sollten ein Mindestgefälle von zwei bis drei Prozent aufweisen und seitlich frei abtropfen können, ohne dass das ablaufende Rostwasser auf empfindliche Beläge trifft.

Schweißnähte an Cortenstahl-Konstruktionen erfordern besondere Aufmerksamkeit. Für das Schweißen wetterfester Stähle sind geeignete Schweißzusätze zu verwenden, die in ihrer Zusammensetzung dem Grundwerkstoff entsprechen, damit auch die Nahtzone eine ähnliche Patinierung ausbildet wie das Grundmaterial. Werden konventionelle Schweißzusätze verwendet, entstehen an den Nähten Farbabweichungen in der Patina, die dauerhaft sichtbar bleiben. Schraubenverbindungen sollten aus nichtrostendem Stahl (A2 oder A4) oder aus wetterfestem Stahl ausgeführt werden, um Kontaktkorrosion zwischen unterschiedlichen Metallen zu vermeiden.

Beim Zuschnitt von Cortenstahl-Blechen entsteht an den Schnittkanten frisches, ungeschütztes Metall. Diese Kanten rosten zunächst intensiver als die Flächen und erzeugen mehr Ablauf. Wer die Anlaufphase optisch und materialtechnisch kontrollieren möchte, sollte Schnittkanten wenn möglich entgraten und bei Bedarf vorbehandeln. Gelaserte Kanten sind in der Regel glatter als gesägte oder gebrannte und bilden eine gleichmäßigere Patina aus. Für filigrane Elemente wie Buchstaben, Ornamente oder Gitterstrukturen hat sich das Laserschneiden als bevorzugtes Verfahren etabliert, weil es präzise Konturen und eine gleichmäßige Kantenqualität liefert.

Anwendungsfelder im Freiraum: Von der Beeteinfassung bis zur Stadtmöblierung

Cortenstahl hat sich in der Freiraumplanung und im Landschaftsbau als eines der vielseitigsten Materialien für Strukturelemente, Möblierung und Ausstattung etabliert. Die Bandbreite reicht von kleinteiligen Beeteinfassungen und Pflanzgefäßen über Stützmauern, Treppenanlagen und Brückengeländer bis hin zu Stadtmöbeln, Brunnenanlagen, Skulpturen und Fassadenelementen. Die warme, erdige Farbigkeit der Patina harmoniert mit einer Vielzahl von Pflanzen, Natursteinmaterialien und Holzoberflächen und ist daher sowohl in naturnahen als auch in urban-minimalistischen Gestaltungskontexten einsetzbar.

Im Garten- und Landschaftsbau sind Beeteinfassungen aus Cortenstahl-Flachstahl besonders verbreitet. Sie ermöglichen scharfe, saubere Kanten zwischen Pflanzflächen und Wegen, sind langlebig und wartungsarm und entwickeln mit der Zeit eine Patina, die sich optisch in die Umgebung einfügt. Für solche Einfassungen werden typischerweise Flachstahlbänder mit einer Stärke von drei bis sechs Millimetern verwendet, die in den Boden eingeschlagen oder in Betonköcher eingesetzt werden. Die Materialstärke sollte dem Verwendungszweck angepasst sein: Für kurvenreiche Formen eignen sich dünnere Bänder, die sich leichter biegen lassen; für gerade, belastete Einfassungen sind stärkere Profile vorzuziehen.

Im städtischen Kontext findet Cortenstahl Verwendung in Stadtmöbeln wie Bänken, Fahrradständern, Leuchtenmasten und Abfallbehältern, aber auch in größeren Strukturelementen wie Pergolen, Lärmschutzwänden und Brückengeländern. Die Robustheit des Materials gegenüber mechanischer Beanspruchung und Vandalismus ist dabei ein praktischer Vorteil. Gleichzeitig erfordert die Verwendung im öffentlichen Raum eine sorgfältige Planung der Rostablaufpfade, da Gehwegbeläge, Sitzmöbel und Fassaden durch ablaufendes Oxidationswasser dauerhaft verfärbt werden können. Dieser Aspekt wird in der Planungspraxis häufig unterschätzt und führt zu vermeidbaren Konflikten mit Bauherren und Nutzern.

Für Pflanzgefäße und Hochbeete aus Cortenstahl ist die Innenauskleidung ein wichtiges Detail. Direkter Kontakt zwischen dem Substrat und dem Cortenstahl ist zwar kurzfristig unproblematisch, kann aber langfristig die Patinierung im Inneren beeinflussen und bei dauerhafter Feuchte den Korrosionsfortschritt beschleunigen. Eine Innenauskleidung aus robuster Teichfolie oder Geotextil schützt das Material und verlängert die Lebensdauer des Gefäßes erheblich. Entwässerungsöffnungen am Boden sind in jedem Fall vorzusehen, damit sich kein Stauwasser bildet.

Rostablauf, Verfärbungen und Nachbarmaterialien: Planungsrelevante Risiken

Das größte planungspraktische Problem beim Einsatz von Cortenstahl im Außenraum ist der Rostablauf in der Anlaufphase. Das orangebraune Oxidationswasser, das von frisch eingebautem Cortenstahl abläuft, hinterlässt auf porösen Materialien wie Beton, Naturstein, Klinker und Putz dauerhafte Verfärbungen, die sich kaum oder gar nicht entfernen lassen. Planer müssen deshalb bereits in der Entwurfsphase die Ablaufpfade des Rostwassers analysieren und sicherstellen, dass dieses Wasser entweder auf unkritische Flächen geleitet wird oder durch konstruktive Maßnahmen zurückgehalten wird.

Besonders kritisch sind Situationen, in denen Cortenstahl-Elemente über hellen Natursteinbelägen, weißem Betonpflaster oder Fassadenputz angebracht werden. Selbst geringe Mengen ablaufenden Rostwassers können hier innerhalb weniger Wochen irreversible Flecken erzeugen. Als Gegenmaßnahmen stehen vorpatinierte Elemente, Auffangrinnen aus nichtrostendem Stahl, ausreichende Abstände zwischen Cortenstahl und empfindlichen Flächen sowie die Wahl von Belägen zur Verfügung, die gegenüber Eisenoxid unempfindlich sind, etwa dunkler Basalt, Granit oder pigmentierter Asphalt.

Auch benachbarte Metallbauteile können durch Cortenstahl beeinträchtigt werden. Wenn Rostablauf auf Aluminium, Zink oder verzinkten Stahl trifft, kann es zu galvanischer Korrosion kommen, bei der das unedlere Metall bevorzugt abgebaut wird. Dieser Effekt ist besonders relevant bei Verbindungselementen, Rahmen oder Unterkonstruktionen aus unterschiedlichen Metallen. Die Planung sollte daher konsequent auf Materialtrennung durch Kunststoffdichtungen, Gummipuffer oder ausreichende geometrische Abstände setzen.

Häufige Fehler und Missverständnisse beim Einsatz von Cortenstahl

Ein verbreitetes Missverständnis besteht darin, Cortenstahl als wartungsfreies Material zu betrachten, das nach dem Einbau keinerlei Aufmerksamkeit mehr benötigt. Tatsächlich erfordert der Werkstoff in der Anlaufphase Beobachtung und gegebenenfalls Nacharbeit. Stellen, an denen sich Schmutz, Laub oder organisches Material auf der Oberfläche ansammelt und dauerhaft Feuchtigkeit hält, können zu ungleichmäßiger Patinierung oder zu lokaler Überkorrosion führen. Regelmäßiges Freihalten der Oberflächen von Ablagerungen ist deshalb in den ersten Jahren nach dem Einbau sinnvoll.

Ein weiterer Fehler ist die Verwendung von Cortenstahl in Bereichen mit dauerhafter Wasserbeaufschlagung, etwa als Sohlplatte in Wasserbecken, als Rinnenstein in stark befahrenen Entwässerungsrinnen oder als Bodenbelag in Bereichen mit Staunässe. In solchen Situationen bildet sich keine stabile Patina; der Stahl korrodiert fortlaufend und verliert an Querschnitt. Für Wasserbauwerke und wasserberührte Konstruktionen ist Cortenstahl grundsätzlich ungeeignet, sofern keine zusätzliche Beschichtung aufgebracht wird.

Auch die Annahme, dass Cortenstahl im Innenbereich dieselbe Patina ausbildet wie im Außenbereich, ist falsch. Im Innenraum fehlt der Feucht-Trocken-Wechsel, der die Oxidschicht verdichtet. Die Oberfläche bleibt in einem frühen, instabilen Oxidationszustand und gibt Rostpartikel ab, die Böden, Textilien und angrenzende Materialien verfärben. Für Innenanwendungen wird Cortenstahl daher in der Regel vorpatiniert und anschließend mit einem transparenten Schutzlack oder Wachs versiegelt, um die Oberfläche zu stabilisieren und Abrieb zu verhindern.

Cortenstahl im Kontext nachhaltiger Freiraumgestaltung

Cortenstahl ist ein Material, das in der Freiraumplanung eine besondere Position einnimmt: Es verbindet konstruktive Leistungsfähigkeit mit einer Ästhetik, die auf natürlichen Prozessen beruht. Die Patina ist kein Makel, sondern das Ergebnis einer gezielten Materialwahl, die Langlebigkeit und Wartungsarmut mit einem unverwechselbaren Erscheinungsbild verbindet. Wer Cortenstahl schnell rosten lassen und dauerhaft stabil halten möchte, muss die physikalischen und chemischen Grundlagen dieses Prozesses kennen und in die Planung einbeziehen.

Aus Sicht der Nachhaltigkeit bietet Cortenstahl einige Vorteile: Er benötigt keine Beschichtungen, die regelmäßig erneuert werden müssen, er ist vollständig recyclierbar und seine Lebensdauer übersteigt bei fachgerechtem Einbau die vieler beschichteter Alternativen erheblich. Gleichzeitig ist der Energieaufwand bei der Stahlproduktion hoch, was in einer ganzheitlichen Ökobilanzbetrachtung berücksichtigt werden sollte. Die Entscheidung für Cortenstahl sollte daher auf Situationen beschränkt bleiben, in denen seine spezifischen Eigenschaften tatsächlich genutzt werden, also auf Außenanwendungen mit ausreichendem Feucht-Trocken-Wechsel, auf Konstruktionen ohne dauerhaften Erdkontakt und auf Kontexte, in denen die Patinierung ästhetisch und funktional gewollt ist.

Für Landschaftsarchitekten und Freiraumplaner bedeutet der kompetente Umgang mit Cortenstahl, die Materialwahl nicht allein nach ästhetischen Gesichtspunkten zu treffen, sondern die konstruktiven, klimatischen und kontextuellen Voraussetzungen sorgfältig zu prüfen. Ein gut geplanter und eingebauter Cortenstahl-Entwurf entwickelt sich mit der Zeit und gewinnt an Tiefe und Charakter. Ein schlecht geplanter hingegen erzeugt Rostflecken auf Belägen, Überkorrosion an Verbindungspunkten und Enttäuschung bei Bauherren. Der Unterschied liegt nicht im Material, sondern im Wissen, das hinter seiner Anwendung steht.

Das könnte Sie auch interessieren
Wettbewerbsübersicht März 2020 (1/2)
hochwinkelfotografie-der-stadt-RvCbIQ0S-Lc
Wie Beteiligung neu gedacht werden muss – vom Anhörungsverfahren zur Co-Entwicklung
Blick auf den Naschmarkt in Wien, im Vordergrund eine Kreuzung mit mehreren Autos, dahinter die Stände des Markts, im Hintergrund Häuserzeilen. Foto: Politikaner, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
Tatort Naschmarkt Wien – mehr Schein als sein?
Gärten der Welt – Japan
50 Shades of Green
Neuer Quartiersplatz am Dreilingsweg München. Bildquelle: 1. Preis: MLA +, Berlin mit Lohrengel Landschaft, Berlin
München Dreilingsweg: Neues Quartier
luftaufnahme-einer-stadt-durch-die-ein-fluss-fliesst-GLnZNGNCqj4
Wie man Schrumpfung plant – Instrumente und Szenarien für Stadt-Rückbau
bunte-gebaude-saumen-einen-fluss-mit-bergen-im-hintergrund-W7gR8mtPF04
Boden als Ressource – Planung unter dem Aspekt der Bodengesundheit
hochwinkelfotografie-der-stadt-RvCbIQ0S-Lc
KI‑gestützte Regenwasser‑Prognosen – der Schwammstadt‑Booster?
Ursula Sowa wünscht sich eine IBA Bayern. (Bildnachweis: Bildarchiv Bayerischer Landtag
IBA München? IBA Bayern!

„Viele sagen, der Landschaftspark Wiese sei der schönste Ort in der Region.“

die Vermittlung und die Sensibilisierung im Landschaftspark Wiese. © Saskia Scherer

Die meisten Bewohnerinnen und Bewohner kennen ihn unter dem Namen „Lange Erlen“, andere bezeichnen ihn als das ehemalige Landesgartenschaugelände. Dabei hat dieser Park, der im Basler Rheinknie Deutschland mit der Schweiz verbindet, einen so viel schöneren Namen: Landschaftspark Wiese, nach dem gleichnamigen Fluss, der ihn durchfließt. Das Besondere an dem Park: Er liegt sowohl auf deutschem als auch auf Schweizer Grund. Und er ist Schauplatz der IBA Basel, die sich seit mehr als zehn Jahren erfolgreich für grenzüberschreitende Projekte im Dreiländereck Deutschland-Frankreich-Schweiz engagiert. Wir wollten mehr über diesen Landschaftspark erfahren und haben uns deshalb mit dem Hauptranger Yannick Bucher unterhalten.

Yannick Bucher, gemeinsam mit zwei deutschen Kollegen, arbeiten Sie seit Februar 2019 als Ranger im Landschaftspark Wiese. Wie dürfen wir uns Ihren Job vorstellen?
Die Hauptaufgabe von unserem Rangerdienst ist die Information, die Vermittlung und die Sensibilisierung im Landschaftspark Wiese. Letzteres bedeutet insbesondere, dass wir dafür Sorge tragen, dass die Besucherinnen und Besucher sich im Großen und Ganzen an die Regeln halten. Wir sorgen für ein positives miteinander zwischen Besuchern und Akteurinnen, im Gebiet wird das Trinkwasser der Region gewonnen und Landwirtschaft betrieben. Rangerdienste sind typisch für Nationalparks und auch einigermaßen typisch für Naturschutzgebiete. Eher speziell ist es, dass wir mit dem Landschaftspark Wiese in einem Gebiet tätig sind, das nicht nur reines Naturschutzgebiet ist. Denn hier gibt es auch andere Nutzungen wie Sportanlagen, Tierheime und Schrebergärten.

„Der Rangerdienst ist eine der zentralen Maßnahmen vom IBA Projekt Landschaftspark Wiese.“

Besonders am Rangerdienst im Landschaftspark Wiese ist aber auch, dass er binational aufgestellt ist.
Absolut richtig. Der Landschaftspark an sich ist binational. Da liegt es natürlich nahe, dass auch der dortige Rangerdienst binational aufgestellt ist, dass dieser im ganzen Park unterwegs ist und sich nicht an die Grenzen halten muss. Die Agglomeration Basel ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen und die Freizeitaktivitäten haben sich aufgrund flexiblerer Arbeitszeiten ziemlich verändert. Damit stieg auch der Druck auf die lokalen Naherholungsgebiete. Den Rangerdienst hat man dann vor gut einem Jahr eingeführt, um dem zunehmenden Nutzungsdruck etwas entgegenzusetzen. Deswegen sind wir nicht nur Aufsichtsorgan, sondern haben ebenso auch Vermittlungsaufgaben inne. Und diese sind auch nötig.
Die Corona Pandemie hat den Effekt noch verstärkt: Wir hatten bereits vorher viele Besucherinnen und Besucher im Park. Die Besucherzahlen während des Lockdowns lagen weit über den normalen. Das zeigt, wie wichtig der stadtnahe grüne Erholungsraum für die Region ist.

Das kann ich mir vorstellen. Wie sieht diese Vermittlung, von der Sie gesprochen haben, konkret aus?
Wir bieten Führungen und organisieren auch Infotische. Wir versuchen dafür zu sensibilisieren, was in dem Raum passiert, wie die Trinkwassergewinnung und wie die Landwirtschaft im Park funktionieren. Wir bringen die Themen auf den Tisch, die man als Stadtbewohner wenig erleben kann, und vermitteln diese.

Wie ist der Rangerdienst organisiert?
Insgesamt haben wir drei Auftraggeber: die Stadt Weil am Rhein, die Gemeinde Riehen und den Kanton Basel-Stadt. Ich bin bei der Umweltberatungsfirma „Hintermann & Weber AG“ angestellt, die den Auftrag von der Stadt Basel erhalten hat und meine beiden deutschen Partner sind beim Trinationalen Umweltzentrum (TRUZ) beschäftigt.

Welche Maßnahmen hat man in den vergangenen Jahren im Rahmen der IBA Basel umgesetzt und welche sind noch geplant?
Wir selber, also der Rangerdienst, sind eine der zentralen Maßnahmen vom IBA Projekt Landschaftspark Wiese. Uns gibt es wie gesagt seit einem Jahr. Zudem ist für den Park eine einheitliche Beschilderung geplant, die an den Eingängen über den Park informiert, welche Möglichkeiten zur Erholung bestehen, aber auch, welche Auflagen daran gekoppelt sind: dass man Feuer nur in den Grillstellen machen darf und dass man seinen Müll mitnimmt etc. Die Basic-Regeln eben. Außerdem wird es im Park künftig einen Themenpfad geben, der die Themen Trinkwassergewinnung, Tiere und Pflanzen, aber auch die historische Entwicklung aufzeigt.

Die größte Maßnahme ist aber „Wiese vital“, richtig?
Genau, im Zuge einer Volksinitiative in der Schweiz hat das baselstädtische Stimmvolk beschlossen, auf dem ganzen Abschnitt auf Schweizer Boden den Fluss Wiese zu revitalisieren und zu renaturieren. Der untere Teil ist bereits revitalisiert, für den anderen Teil arbeitet man aktuell ein Bauprojekt aus. Das Ziel: Der Fluss soll wieder natürlicher fließen und mehr Platz haben.

Sie sind jetzt knapp 1,5 Jahre dabei. Was denken Sie, reichen die Bemühungen vor Ort aus, um den Landschaftspark Wiese langfristig vor dem Nutzungsdruck zu schützen?
Den wichtigsten Schritt hat man meiner Meinung nach mit dem Landschaftsrichtplan gemacht. Die Fläche kann nun nicht mehr überbaut werden und darüber bin ich froh. Mit sanften Mitteln ist man nun dran, den Erholungsraum des Parks zu schützen. Mit Beschilderungen, gezielter Information oder auch durch uns, dem Rangerdienst. Ich denke, da sind wir auf einem guten Weg. Das gleiche Feedback erhalten wir auch aus der Bevölkerung. Das Interesse am Gebiet wächst und das, was wir machen, wird geschätzt. Viele Besucher sagen, der Landschaftspark sei der schönste Ort in der Region. Und es kommen auch immer wieder Besucher, die fragen, wie sie helfen können, die etwas für das Gebiet tun wollen. Das alles zusammen stimmt mich sehr optimistisch.

Warum wir eine IBA-Basel-Serie gestartet haben? Das lesen Sie hier.

Sämtliche Beiträge zur IBA Basel 2020 finden Sie hier.

Eine Seilbahn schwebt über die Gärten der Welt in Berlin. (Foto: Thomas Rosenthal)

Eine Seilbahn schwebt über die Gärten der Welt in Berlin. (Foto: Thomas Rosenthal)

Auf kleinstem Raum lassen sich in Berlin-Marzahn die unterschiedlichsten Ansätze der Landschafts- und Gartenarchitektur studieren. Denn die Anlage Gärten der Welt vereint neben klassischen Tourist*innenattraktionen wie eine Seilbahn, Aussichtspunkte und einer Arena für Veranstaltungen noch mehr – nämlich Gartenkunst. Und zwar aus allen Herren Ländern und Kulturen. In verschiedenen Themengärten und Gartenkabinetten können Besucher*innen entsprechend Ansätze und Gestaltungen aus aller Welt betrachten. Hier erfahren Sie, welche Gärten der Welt Ihnen geboten werden.

Gärten der Welt präsentieren internationale Gartenkunst

Früher noch als “Erholungspark Marzahn” bekannt, wurde das Areal an der Ecke Eisenacher Straße und Blumberger Damm anlässlich der IGA 2017 erweitert und umgebaut. Insgesamt 43 Hektar Fläche belegt das Gelände, das heute den Namen “Gärten der Welt” trägt, seitdem.

Die Gärten der Welt bestechen mit vielen Attraktionen für Groß und Klein. Dabei kommen Gartenkunstenthusiast*innen genauso auf ihre Kosten wie Familien mit Kindern und Tourist*innen. So bietet der Park seit dem Umbau zur IGA 2017 inzwischen neun internationale Gartenkabinette, die traditionelle Techniken der Gartengestaltung präsentieren, elf Themengärten, und eine Arena für Veranstaltungen. Dazu kommen Spielplätze, ein Irrgarten und eine Seilbahn, die die Bezirke Marzahn und Hellersdorf miteinander verbinden.

Der Fokus  des Parks liegt aber – wie der Name schon verrät – auf den “Gärten der Welt”. Die Gartenkabinette und Themengärten erlauben es den Besucher*innen dementsprechend, Einblicke in die Gartenkunst verschiedener Kontinente, Epochen und Kulturkreisen zu erhalten. Welche internationalen Gärten im Park zu besichtigen sind, haben wir hier für Sie zusammengefasst.

Die Gärten der Welt – Übersicht

Chinesischer Garten

Als erster Garten der Welt entstand in den 1990er-Jahren der Chinesische Garten. Mit dem “Garten des wiedergewonnenen Mondes” wurde 1994 der größte Chinesische Garten Europas in Berlin erschaffen. Seine Planung begann 1994 im Rahmen einer Städtepartnerschaft zwischen Peking und Berlin als klassischer chinesischer Gelehrtengarten. Die Idee dahinter war auch, die Jahrtausende alte chinesische Gartenkunst in die Gegenwart zu übersetzen. 

Im Zentrum des Gartens sitzt der “Spiegel des Himmels”, ein 4 500 Quadratmeter großer See, an dessen Ufer sich ein Teehaus chinesischer Architektur mit der typisch geschwungenen und spektakulär auskragenden Dachkonstruktion befindet. Als charakteristische Bepflanzung kommen im Garten des wiedergewonnenen Mondes beispielsweise Magnolien, Chrysanthemen oder Bambus zum Einsatz. Übrigens: Der Mond im Namen steht sinnbildlich für die Wiedervereinigung des einst geteilten Berlins.

Größe: 27 000 Quadratmeter, inklusive 5 000 Quadratmetern Teichfläche
Eröffnung: 15. Oktober 2000
Planung: Klassisches Institut für Gartenarchitektur, Peking

Japanischer Garten

Der “Garten des zusammenfließenden Wassers” entsprang der Städtepartnerschaft zwischen Berlin und Tokio. Basierend darauf soll der Garten die Idee eines harmonischen Miteinanders verkörpern. Darum bestimmt diesen Bereich der Gärten der Welt das Leitmotiv Wasser – es symbolisiert das Zusammenfließen von Kulturen und den Verlauf der Geschichte. 

Im Japanischen Garten findet sich demzufolge ein Wassergarten, aber auch ein Zengarten und ein Garten aus Rasenflächen, in denen insgesamt 300 Augengneissteine verteilt sind. Dazu kommt ein Pavillon – der Chaya – in seiner Mitte. 

Entsprechend der Japanischen Kultur, in der Stille eine besondere Bedeutung zukommt, ist auch der Japanische Garten im Park Die Gärten der Welt ein Ort, an dem Besucher*innen zur Ruhe kommen können. Fun Fact: Die Baustelle für den Japanischen Garten gilt als eine der leisesten in der Geschichte der Gärten der Welt.

Größe: 2 700 Quadratmeter
Eröffnung: 30. April 2003
Planung: Prof. Shunmyo Masuno

Balinesischer Garten

Der “Garten der drei Harmonien” entstand im Rahmen einer Städtepartnerschaft zwischen Jakarta und Berlin. Sein Name bezieht sich auf das balinesische Streben, im Einklang mit sich selbst, dem Umfeld und dem Universum zu leben. Auf diese dreifaltige Harmonie ist der Balinesische Garten ausgerichtet.

Dabei handelt es sich auch um den einzigen Garten in den Gärten der Welt, der gänzlich in einer Tropenhalle untergebracht ist. Eine Wohn- und Tempelanlage, in der auch die Berliner Bali-Gemeinde ihre Religion aktiv ausübt, bildet das zentrale Element des Gartens. Dahinter erstreckt sich zudem ein an einen balinesischen Tropenwald angelehnter Garten mit Reisterrassen und Pflanzen wie Schraubenbäumen, Hibiskus, Gardenien, Farnen, Orchideen und den duftgewaltigen Frangipani.

Größe: 2000 Quadratmeter in Leichtbauhalle
Eröffnung: 18. Dezember 2003
Planung: Putu Edy Semara

Orientalischer Garten

Der “Garten der vier Ströme” wurde nach den Gestaltungsprinzipien der traditionellen orientalisch-islamischen Gartenkultur entworfen. Daher verbirgt er sich einer vier Meter hohen Mauer. Damit spielt er mit dem Mythos des Gartens als verborgene Oase. Außerdem hilft die Abgrenzung dabei, das spezielle Klima im Garten aufrecht erhalten zu können.

In der Gartenanlage finden sich typisch orientalische Arkadengänge mit Ornamenten und Mosaiken. Dazu kommt ein viergeteilter Gartenhof mit einem Brunnen in der Mitte. Im Garten befinden sich Zier- und Nutzpflanzen: Granatäpfel, Oliven und Palmen, aber auch Flieder, Oleander und Magnolien.

Größe: 6 100 Quadratmeter
Eröffnung: 7. Juli 2005
Planung: Kamel Louafi, Prof. Mohammed El Faiz

Hier finden Sie weitere Projekte des Garten- und Landschaftsarchitekten Kamel Louafi.

Koreanischer Garten

Der “Seouler Garten” war ein Geschenk der Südkoreanischen Hauptstadt an Berlin. Er entstand nach einem Berlin-Besuch des Oberbürgermeisters von Seoul und war dafür gedacht, die Beziehungen zwischen den Städten zu vertiefen. 

Die Gestaltung des Koreanischen Gartens ist geprägt von Buddhismus, den Lehren von Konfuzius und dem volkstümlichen schamanischen Glauben. Dazu gehört auch das Gleichgewicht zwischen männlichen und weiblichen Kräften in der Natur. Beide werden im Garten mehrfach repräsentiert.

Im Koreanischen Garten finden sich zahlreiche Totempfähle und abstrakte Holzfiguren, die der schamanischen Kulturgeschichte Koreas entspringen. Geplant wurde er von koreanischen Gartenarchitek*innen, die eine koreanische Felslandschaft mit den typischen Kiefern, Fächerahornen, Eichen und Bambussen erschufen. Zentrales Bauwerk ist der “Kye Zeong” (Pavillon am Wasser), in dem sich typisch koreanische Wohnräume besichtigen lassen.

Größe: 4 000 Quadratmeter
Eröffnung: 31. März 2006
Planung: Samsung Everland Inc., Seoul

Irrgarten und Pflasterlabyrinth

Zur Gartenkultur gehören selbstverständlich auch Irrgärten, die ihren Ursprung in der Renaissance haben. Die Irrgartenanlage des britischen Königsschlosses Hampton Court war Vorbild für die Anlage in den Gärten der Welt. Diese wurde mit einer zwei Meter hohen Eibenhecke, bestehend aus über 1 200 Pflanzen, angelegt. Der Weg in das Zentrum des Pflasterlabyrinths dauert etwa zehn Minuten. Dort findet sich auch ein Aussichtsturm, der einen Überblick über das Labyrinth erlaubt.

Zusätzlich zum 3D-Irrgarten gibt es in den Gärten der Welt auch ein zweidimensionales Labyrinth aus Pflastersteinen. Hellgraue Steine markieren den Weg zur Mitte. Insgesamt 11 Umgänge, 28 Kehre und ebenfalls zehn Minuten führen zu dessen Mitte.

Größe: Heckenirrgarten: 2 000 Quadratmeter, Pflasterlabyrinth: 340 Quadratmeter
Eröffnung: 22. Juni 2007
Planung: gruppe F Landschaftsarchitekten, Berlin

Karl-Foerster-Staudengarten

Das 1957 erschienene Buch “Einzug der Gräser und Farne in die Gärten” von Karl Foerster war Inspirationsquelle für diesen Teil der Gärten der Welt.  Der Gärtner, Züchter und Gartenphilosoph prägte die deutsche und die internationale Gartenkultur nachhaltig – einerseits mit seinen Schriften, aber andererseits auch mit der Einführung von Wild- und Kulturstauden.

Stauden sind es deshalb auch, die den Karl-Foerster-Staudengarten dominieren. Zwischen streng geschnittenen Buchsbaumhecken finden sich geometrisch formal angelegte Beete mit Prachtstauden, die von landschaftlich geprägten Teilen des Gartens kontrastiert werden. So spielen anspruchsvolle Pflanzungen und frei gestaltete Naturgärten zusammen.

Abgesehen von einer Pergola befindet sich im Karl-Foerster-Staudengarten im Gegensatz zu den anderen Bereichen in den Gärten der Welt keinen architektonischen Strukturen. Die Farbe der Pergola – blau – geht übrigens auf eine Erwähnung in einem von Foersters Büchern zurück. Dort beschreibt er einen Blauton, den die Gartengestalter*innen in mühseliger Arbeit zu reproduzieren versuchten.

Größe: 3 600 Quadratmeter
Eröffnung: 9. Mai 1987, Neueröffnung am 9. März 2008
Planung: Dr. Johannes Schwarzkopf, Christian Meyer

Italienischer Renaissancegarten

Der “Giardino della Bobolina” ist ein Renaissancegarten, der sich stilistisch an der toskanischen Villengärten des 16. Jahrhunderts orientiert. Er ist der einzige Garten im Ensemble, der eine Epoche widerspiegelt und keine Stilrichtung.

Er basiert auf einer Vierteilung, die sich durch die gesamte Gestaltung zieht. Eine Loggia im ersten, in sich geschlossenen Gartenraum, ist Konzertveranstaltungsort. Von der Loggia aus, gelangen Besucher*innen in den viertgeteilten Hauptgarten mit einem Brunnen in der Mitte.

Eine originale Bobolina-Statue aus dem 16. Jahrhundert befindet sich ebenfalls, eingebettet in Hecken aus Buchs und Eibe, im Zentrum des Gartens. Gestalterische Elemente des Gartens, wie Säulen oder Treppen sind aus hellgrauem Sandstein. Eine Besonderheit ist zudem der “Giardino segreto”, der geheime Garten, den man über eine schmale Natursteintreppe betritt.

Größe: 3 000 Quadratmeter
Eröffnung: 31. Mai 2008
Planung: Levin Monsigny Landschaftsarchitekten, Berlin

Christlicher Garten

Der Christliche Garten ergänzt die Gärten der Welt seit 2011. Er ist dem Kreuzgang eines typischen mittelalterlichen Klostergartens nachempfunden. Den Namen “Raum der Sprache und des Wortes” ist aber vor allem maßgeblich geprägt von einer speziellen Installation. Sie zeigt modern gestaltete Texte aus der Bibel sowie Zitate aus Philosophie und Kultur. Die Texte reflektieren die Beziehung zwischen Mensch und Natur. Außerdem unterstreichen sie den Garten als Sinnbild des christlichen Lebens.

Die Installation besteht aus goldlackierte Metallbuchstaben, die Passagen aus dem Alten und Neuen Testament zitieren. Die daraus entstehenden transparenten Wände bilden den Wandelgang eines Klosters nach. In der Mitte des quadratischen Gartens befindet sich zudem ein Wasserspiel. Dieses steht einerseits für die Quelle des Lebens und andererseits für die verschiedenen Bedeutungen von Wasser im Christentum.

Größe: 1 000 Quadratmeter
Eröffnung: 29. April 2011
Planung: relais Landschaftsarchitekten, Berlin

Englischer Landschaftsgarten

Der Englische Landschaftsgarten darf in den Gärten der Welt natürlich nicht fehlen. Die ersten Parks, die diese Stilrichtung prägten, entstanden schließlich bereits im 18. Jahrhundert. Sie basierten auf der idyllischen Wildnis der Landschaftsmalerei und wichen von den bis anhin verbreiterten strengen Geometrischen Formen ab.

Gärten der Welt – weitere Attraktionen

Im Englischen Garten befindet sich ein typisches englisches Landhaus mit Reeteindeckung, dass von einem Gemüsegarten, Wiesen, Staudenbeeten, einem Rosengarten und Obstbäumen umgeben ist. Er entstand im Rahmen einer Stadtpartnerschaft mit dem englischen Halton und wurde im Rahmen der IGA Berlin 20217 eröffnet.

Das Englische Cottage in der Mitte der Anlage serviert übrigens selbstverständlich eine klassisch Englische Tea Time mit Earl Grey Tee, Gurkensandwiches und Scones.

Größe: 6 000 Quadratmeter
Eröffnung: 19. April 2017
Planung: Austin-Smith:Lord, Manchester

Jüdischer Garten

Der neuste Zugang zu den Gärten der Welt ist der Jüdische Garten, der erst 2021 Eröffnung feierte. In Blickweite zum christlichen Garten entstand seit Ende 2019 ein Themengarten rund um die jüdische Interpretation von Landschaftsarchitektur. Obwohl er als landschaftsarchitektonischer und künstlerischer Beitrag die Darstellung einer Weltreligion bezweckt, verzichtet er bewusst auf die Zurschaustellung von religiösen Schriften und Symbolen.

Stattdessen fokussiert der Jüdische Garten auf Pflanzen und Gewächse mit engem Bezug zur jüdischen Kultur, wie etwa Feigen, Mandeln, Kastanien oder Ulmen. Diese sind bekannt aus Schriften jüdischer und dem Judentum nahestehenden Autor*innen. Das Wegenetz, das durch die Anlage führt, gliedert den Garten, symbolisiert aber auch die Jüdische Diaspora, die über die Welt verstreut ist. Im Garten finden sich zudem gleich zwei skulpturale Pavillons, die einerseits Ruhe, andererseits aber auch Austausch fördern wollen. Darin sind etwa auch Veranstaltungen zur jüdischen Kultur geplant.

Die Allianz Umweltsstiftung, die bereits den Orientalischen Garten und den Christlichen Garten unterstützte, hatte den Jüdischen Garten initiiert. Mehr zu diesem Garten in den Gärten der Welt lesen Sie außerdem hier: Jüdischer Garten.

Fläche: etwa 2 000 Quadratmeter
Eröffnung: 2021
Planung: Manfred Pernice (Bildhauer), Wilfried Kuehn (Architekt) und atelier le balto Landschaftsarchitekten, Berlin

Zusätzlich zu den elf Themengärten gibt es in den Gärten der Welt zahlreiche weitere Attraktionen. Dazu gehört etwa ein Tagungszentrum mit biodiversem Gründach (mehr zum Thema Dachbegrünung finden Sie hier). Außerdem eine Arena, die insgesamt 5 000 Besucher*innen Platz bietet und einem Amphitheater nachempfunden ist. Mit der Seilbahn kann man zudem vom Kienberg über das Wuhletal direkt in die Gärten der Welt schweben und einen spektakulären Ausblick geniessen. Des Weiteren entstand im Rahmen der IGA 2017 im Übrigen auch der Wolkenhain, ein Aussichtsturm, der wie organisch gewachsen aussieht – selbstverständlich barrierefrei zugänglich.

Mehr Informationen zu den Gärten der Welt finden Sie hier.

Für Sie vielleicht auch interessant: Welche Bedeutung hat der Garten im 21. Jahrhundert?