Dachbegrünung Flachdach: Grundlagen, Nutzen und Praxis

Begrünte, klimaangepasste Stadtinfrastruktur zum Thema Dachbegrünung Flachdach
Begrüntes Dach an einem Wohngebäude – ein Beispiel für naturnahe Architektur. Foto: cstembridge / Unsplash

Ein begrüntes Flachdach ist weit mehr als eine ästhetische Geste. Dachbegrünung am Flachdach verbindet Regenwassermanagement, Wärmedämmung, Biodiversitätsförderung und Stadtklimapflege in einer einzigen Konstruktionsschicht, die gleichzeitig das Gebäude schützt und den städtischen Freiraum erweitert. Wer die Grundlagen kennt, versteht, warum diese Technologie in der zeitgenössischen Freiraumplanung und im nachhaltigen Bauen nicht mehr wegzudenken ist.

  • Was Dachbegrünung am Flachdach definiert und wie sie konstruktiv aufgebaut ist
  • Welche Typen es gibt: Extensiv-, Intensiv- und Semintensivbegrünung im Vergleich
  • Welche ökologischen, klimatischen und bauphysikalischen Leistungen begrünte Flachdächer erbringen
  • Welche Normen, Regelwerke und Planungsgrundlagen in Deutschland gelten
  • Wie Substrat, Drainschicht, Wurzelschutz und Abdichtung zusammenwirken
  • Welche Pflanzengesellschaften und Vegetationstypen für welche Anforderungen geeignet sind
  • Welche Fehler bei Planung, Ausführung und Pflege typischerweise auftreten
  • Wie Dachbegrünung in kommunale Planungsinstrumente und Förderprogramme eingebettet ist

Definition und Einordnung: Was ist Dachbegrünung am Flachdach?

Unter Dachbegrünung am Flachdach versteht man den planmäßigen Aufbau einer Vegetationsschicht auf einem geneigungsarmen oder geneigungslosen Dach, das in der Regel eine Neigung von weniger als fünf Grad aufweist. Der Begriff umfasst sowohl die lebende Pflanzendecke als auch alle darunter liegenden Funktionsschichten, die gemeinsam ein abgestimmtes System bilden: Abdichtung, Wurzelschutzschicht, Drainageelement, Filtervlies, Substrat und Vegetation. Dieses Schichtprinzip ist das konstruktive Fundament jeder Dachbegrünung und unterscheidet sie grundlegend von einer einfachen Aufschüttung oder einem ungeplanten Bewuchs.

Historisch reichen begrünte Dächer weit zurück. Skandinavische Grassodendächer, die Hängenden Gärten des Altertums und die Erddeckungen mittelalterlicher Keller zeigen, dass die Idee, Vegetation auf Gebäudeoberflächen zu bringen, keine Erfindung der Moderne ist. Die systematische, technisch normierte Dachbegrünung als Planungsprodukt entstand jedoch erst im 20. Jahrhundert, wesentlich vorangetrieben durch die deutsche Landschaftsarchitektur und Vegetationstechnik. Die Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau, kurz FLL, veröffentlichte erstmals in den 1980er Jahren Richtlinien für die Planung, Ausführung und Pflege von Dachbegrünungen, die bis heute als maßgebliches Regelwerk gelten und regelmäßig aktualisiert werden.

Die Einordnung der Dachbegrünung in den Kontext der Freiraumplanung ist eindeutig: Sie ist eine Form der Grünen Infrastruktur, also ein Element des vernetzten Systems aus naturnahen und naturbasierten Flächen, das Ökosystemleistungen in der Stadt erbringt. Begrünte Flachdächer sind dabei keine Luxusoption, sondern ein funktionales Instrument der Stadtentwicklung, das in Bebauungsplänen festgesetzt, in Gründachkatastern erfasst und durch kommunale Satzungen verbindlich gemacht werden kann.

Konstruktiver Aufbau: Schichten, Materialien und Systemlogik

Der Aufbau einer Dachbegrünung folgt einem klar definierten Schichtprinzip, das von unten nach oben gelesen wird. Die unterste Ebene bildet die Dachabdichtung, die den Gebäudekörper dauerhaft vor eindringendem Wasser schützt. Sie besteht in der Regel aus bituminösen Bahnen, Kunststoffdichtungsbahnen (KDB) oder flüssig aufgetragenen Abdichtungssystemen. Auf diese Abdichtung folgt in vielen Aufbauten eine Wurzelschutzschicht, die verhindert, dass Pflanzenwurzeln die Abdichtung mechanisch oder chemisch schädigen. Alternativ werden wurzelbeständige Abdichtungsmaterialien eingesetzt, die eine separate Schutzlage überflüssig machen. Die Wurzelbeständigkeit muss nach den Vorgaben der FLL-Dachbegrünungsrichtlinie geprüft und zertifiziert sein.

Über dem Wurzelschutz liegt das Drainageelement, dessen Aufgabe es ist, überschüssiges Wasser zügig abzuführen und gleichzeitig eine definierte Wassermenge als Speicherreserve zurückzuhalten. Drainschichten bestehen aus Kunststoffwaben, Schüttmaterialien wie Lava oder Blähton, oder aus kombinierten Drainage-Speicher-Elementen. Die Wahl des Drainageelements beeinflusst maßgeblich, wie viel Regenwasser das Dach zurückhalten kann und wie schnell es abläuft. Auf das Drainageelement folgt ein Filtervlies, das verhindert, dass Feinpartikel aus dem Substrat in die Drainschicht eingeschwemmt werden und diese verstopfen.

Das Substrat ist die entscheidende Wachstumsgrundlage für die Vegetation und unterscheidet sich fundamental von gewöhnlicher Gartenerde. Dachsubstrate sind mineralisch dominiert, leicht, wasserdurchlässig und dennoch in der Lage, ausreichend Wasser und Nährstoffe zu speichern. Sie bestehen typischerweise aus gebrochenen vulkanischen Gesteinen wie Lava, Bims oder Blähton, ergänzt durch organische Anteile. Die FLL-Richtlinie definiert Anforderungen an Korngrößenverteilung, Wasserkapazität, Luftkapazität und Trockenrohdichte. Die Substratstärke variiert je nach Begrünungstyp erheblich: Extensive Begrünungen kommen mit wenigen Zentimetern aus, intensive Begrünungen erfordern Substrattiefen von dreißig Zentimetern und mehr.

Die Gesamtlast des Aufbaus ist ein zentraler Planungsparameter. Jeder Quadratmeter Dachbegrünung bringt im wassergesättigten Zustand ein Gewicht mit sich, das die Tragfähigkeit der Dachkonstruktion nicht überschreiten darf. Für extensive Begrünungen liegen die Flächenlasten in der Regel zwischen fünfzig und hundertfünfzig Kilogramm pro Quadratmeter, für intensive Systeme können sie mehrere hundert Kilogramm pro Quadratmeter erreichen. Die statische Prüfung ist deshalb eine unverzichtbare Voraussetzung jeder Planung, insbesondere bei Bestandsgebäuden.

Extensiv, Semintensiv, Intensiv: Die drei Begrünungstypen im Vergleich

Die Klassifikation der Dachbegrünung in Extensiv-, Semintensiv- und Intensivbegrünung ist in der FLL-Richtlinie verankert und hat sich als Planungsstandard durchgesetzt. Sie beschreibt nicht nur unterschiedliche Vegetationstypen, sondern auch unterschiedliche Anforderungen an Konstruktion, Statik, Pflege und Kosten.

Die Extensivbegrünung ist die flächenmäßig häufigste Form der Dachbegrünung am Flachdach. Sie zeichnet sich durch geringe Substrattiefen von drei bis etwa fünfzehn Zentimetern, niedrige Flächenlasten und einen minimalen Pflegeaufwand aus. Die Vegetation besteht aus trockenheitstoleranten, konkurrenzschwachen Pflanzengesellschaften: Moose, Sedumarten (Fetthenne), Kräuter und Gräser der Trockenrasen und Felsfluren. Diese Pflanzen sind an extreme Standortbedingungen angepasst, überstehen Trockenphasen ohne Bewässerung und besiedeln das Substrat selbstständig. Extensivbegrünungen sind nicht begehbar und werden in der Regel nur ein- bis zweimal jährlich kontrolliert und gepflegt. Ihre Stärke liegt in der Wirtschaftlichkeit, der Robustheit und der Eignung für große Dachflächen mit geringer Tragfähigkeit.

Die Intensivbegrünung entspricht in ihrer Nutzungsqualität einem Dachgarten oder einer Dachterrasse. Substrattiefen von dreißig Zentimetern und mehr ermöglichen den Einsatz von Stauden, Gräsern, Sträuchern und sogar Bäumen. Die Flächengestaltung kann der eines bodengleichen Parks ähneln, mit Wegen, Sitzflächen, Spielbereichen und Wasserelementen. Intensivbegrünungen sind begehbar, erfordern regelmäßige Bewässerung, Düngung und intensive Pflege und setzen eine entsprechend dimensionierte Tragkonstruktion voraus. Sie sind typischerweise auf Tiefgaragen, Gebäudeplattformen und repräsentativen Dächern zu finden, wo die Investition in Nutzungsqualität und Aufenthaltsqualität gerechtfertigt ist.

Die Semintensivbegrünung nimmt eine Mittelstellung ein. Mit Substrattiefen von etwa zehn bis dreißig Zentimetern erlaubt sie eine größere Pflanzenvielfalt als die Extensivbegrünung, ohne den vollen Aufwand einer Intensivbegrünung zu erfordern. Kräuter, Gräser, niedrige Stauden und einzelne Gehölze sind möglich. Der Pflegeaufwand liegt zwischen beiden Extremen. Semintensive Dächer eignen sich besonders dort, wo ökologische Vielfalt und ein differenziertes Erscheinungsbild gewünscht sind, ohne dass das Dach als Nutzungsfläche erschlossen werden soll.

Ökologische und bauphysikalische Leistungen begrünter Flachdächer

Die Leistungen, die eine Dachbegrünung am Flachdach erbringt, lassen sich in mehrere Kategorien gliedern, die sich gegenseitig verstärken. Im Bereich des Regenwassermanagements ist die Wirkung besonders gut belegt. Begrünte Dächer halten Niederschlagswasser zurück, verzögern den Abfluss und reduzieren die Spitzenbelastung der Kanalisation. Extensivbegrünungen können je nach Substrattiefe und Vorfeuchte zwischen vierzig und achtzig Prozent des jährlichen Niederschlags zurückhalten und über Evapotranspiration wieder an die Atmosphäre abgeben. Intensive Systeme mit größeren Substratvolumina können noch höhere Rückhalteleistungen erzielen. In Städten mit überlasteten Mischwasserkanälen ist diese Funktion ein wesentlicher Beitrag zur Schwammstadtstrategie, also dem Konzept, Städte so zu gestalten, dass sie Regenwasser aufnehmen, speichern und verzögert abgeben.

Bauphysikalisch schützt die Begrünung die Dachabdichtung vor den extremen Temperaturschwankungen, denen ein unbegrüntes Flachdach ausgesetzt ist. Auf einem schwarzen Bitumendach können Oberflächentemperaturen im Sommer weit über siebzig Grad Celsius erreichen, während sie im Winter auf unter minus zwanzig Grad fallen können. Diese thermische Wechselbeanspruchung beschleunigt die Alterung der Abdichtung erheblich. Das Substrat und die Vegetation puffern diese Extremtemperaturen: Die Abdichtung unter einer Begrünung arbeitet in einem deutlich engeren Temperaturband, was ihre Lebensdauer nachweislich verlängert. Fachleute sprechen in diesem Zusammenhang von einer Verdoppelung oder sogar Verdreifachung der Abdichtungslebensdauer unter einer Begrünung gegenüber einem unbegrünten Dach.

Im Stadtklima leisten begrünte Flachdächer einen messbaren Beitrag zur Minderung des Wärmeinseleffekts. Versiegelte Stadtoberflächen speichern tagsüber Wärme und geben sie nachts ab, was zu erhöhten Nachttemperaturen in dicht bebauten Quartieren führt. Begrünte Dächer kühlen durch Evapotranspiration aktiv die Umgebungsluft und reflektieren weniger Wärmestrahlung als dunkle Dachmaterialien. Auf Gebäudeebene senkt die Begrünung die sommerlichen Kühllasten, weil die Substratschicht als thermischer Puffer wirkt. Im Winter wirkt sie zusätzlich als Wärmedämmschicht, wenngleich dieser Effekt gegenüber modernen Wärmedämmsystemen quantitativ begrenzt ist.

Für die Biodiversität in der Stadt sind Dachbegrünungen ein zunehmend anerkannter Baustein. Extensivbegrünungen mit heterogenem Substrat, Totholzelementen, Kiesstreifen und wechselfeuchten Mulden schaffen Habitate für spezialisierte Insektenarten, darunter solitäre Wildbienen und Käfer, die in der dichten Stadt kaum andere geeignete Lebensräume finden. Studien aus verschiedenen europäischen Städten belegen, dass gut gestaltete Extensivdächer eine bemerkenswerte Artenvielfalt beherbergen können, sofern die Begrünung nicht als monokulturelle Sedumdecke angelegt wird, sondern als strukturreicher Trockenstandort.

Normen, Regelwerke und Planungsgrundlagen

Das zentrale Regelwerk für die Planung, Ausführung und Pflege von Dachbegrünungen in Deutschland ist die Dachbegrünungsrichtlinie der FLL (Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e.V.). Diese Richtlinie definiert Begriffe, Anforderungen an Materialien und Schichtaufbauten, Prüfverfahren für Substrate und Wurzelschutz sowie Mindestanforderungen an Planung und Ausführung. Sie ist kein Gesetz, aber als anerkannte Regel der Technik in Deutschland rechtlich relevant: Wer von ihr abweicht, muss die Gleichwertigkeit seiner Lösung nachweisen. Planer, Ausführende und Bauherren, die sich an die FLL-Richtlinie halten, bewegen sich auf sicherem Terrain.

Ergänzend zur FLL-Richtlinie sind für die Dachbegrünung am Flachdach weitere Normen und Regelwerke relevant. Die DIN 18531 regelt die Abdichtung von Dächern und enthält Anforderungen an Abdichtungssysteme unter Begrünungen. Die DIN 1986 und die DIN EN 12056 betreffen die Entwässerung von Dächern und sind für die Bemessung von Abläufen und Notüberläufen maßgeblich. Im Bereich des Brandschutzes sind die Landesbauordnungen und die DIN 4102 zu beachten, da Dachbegrünungen je nach Lage und Gebäudeklasse bestimmten Brandschutzanforderungen genügen müssen. Für die Statik gilt die DIN EN 1991 (Eurocode 1) mit den zugehörigen nationalen Anhängen, die Lastannahmen für begrünte Dächer enthält.

Kommunale Planungsinstrumente spielen eine wachsende Rolle. In zahlreichen deutschen Städten verpflichten Bebauungspläne oder Gründachsatzungen Bauherren zur Begrünung von Flachdächern ab einer bestimmten Größe. Förderprogramme von Bund, Ländern und Kommunen, etwa im Rahmen der Bundesförderung für effiziente Gebäude oder kommunaler Klimaanpassungsprogramme, subventionieren die Mehrkosten der Begrünung. Gründachkataster, die in mehreren Großstädten aufgebaut werden, erfassen das vorhandene und potenzielle Begrünungspotenzial und sind Grundlage für stadtweite Klimaanpassungsstrategien.

Pflanzenauswahl und Vegetationsentwicklung: Was auf dem Dach wächst und warum

Die Pflanzenauswahl für die Dachbegrünung am Flachdach folgt einem anderen Prinzip als die Pflanzenplanung im bodengleichen Freiraum. Entscheidend sind Stresstoleranz, Trockenresistenz, Frostverträglichkeit und die Fähigkeit, mit nährstoffarmen, flachgründigen Substraten auszukommen. Das Dach ist ein extremer Standort: Sonneneinstrahlung, Wind, Frost und Trockenheit wechseln in rascher Folge, und die Substrattiefe begrenzt den Wurzelraum streng.

Für die Extensivbegrünung sind Sedum-Arten (Fetthenne) die am häufigsten eingesetzten Pflanzen, weil sie CAM-Stoffwechsel betreiben, also Kohlendioxid nachts aufnehmen und tagsüber bei geschlossenen Stomata verarbeiten, was ihren Wasserverlust extrem reduziert. Arten wie Sedum acre, Sedum album, Sedum reflexum und Sedum spurium sind auf deutschen Extensivdächern weit verbreitet. Allerdings ist eine reine Sedumdecke ökologisch arm und anfällig für Ausfälle bei ungewöhnlich langen Trockenphasen. Artenreichere Extensivbegrünungen kombinieren Sedum mit Kräutern der Trockenrasen wie Thymus serpyllum (Sand-Thymian), Dianthus carthusianorum (Karthäuser-Nelke), Festuca ovina (Schaf-Schwingel) und Allium-Arten. Diese Mischungen sind ökologisch wertvoller, stabiler und optisch ansprechender.

Moose spielen auf Extensivdächern eine unterschätzte Rolle. Sie besiedeln Lücken zwischen anderen Pflanzen, schützen das Substrat vor Erosion und tragen zur Wasserrückhaltung bei. Auf nordexponierten oder beschatteten Dachflächen können Moose dominieren und eine stabile, pflegearme Vegetationsdecke bilden. Auf vollsonnigen Dächern sind sie dagegen eher als Begleitvegetation zu verstehen.

Bei Semintensiv- und Intensivbegrünungen erweitert sich das Pflanzenspektrum erheblich. Gräser wie Festuca, Stipa und Molinia, Stauden aus Trocken- und Wechselfeuchtestandorten, niedrige Gehölze wie Cotoneaster, Spiraea und Potentilla sowie bei ausreichender Substrattiefe auch Sträucher und kleine Bäume kommen in Frage. Die Pflanzenplanung für intensive Dachgärten folgt denselben Grundsätzen wie die Pflanzenplanung im bodengleichen Freiraum, muss aber die besonderen Standortbedingungen des Daches konsequent berücksichtigen: erhöhte Windexposition, begrenzte Substrattiefe, mögliche Hitzestaus und die Notwendigkeit, Wurzelwachstum zu kontrollieren.

Typische Planungs- und Ausführungsfehler

Fehler bei der Dachbegrünung entstehen häufig bereits in der Planungsphase. Ein verbreitetes Problem ist die unzureichende Abstimmung zwischen Dachabdichtung und Begrünungsaufbau. Wenn Abdichtungsplaner und Landschaftsarchitekten nicht frühzeitig zusammenarbeiten, entstehen Systembrüche: eine Abdichtung, die nicht wurzelbeständig ist, fehlende Notüberläufe, falsch dimensionierte Abläufe oder Aufbauhöhen, die mit der Attika nicht kompatibel sind. Die Koordination aller Fachplaner ist deshalb eine Grundvoraussetzung für ein funktionierendes System.

Ein häufiger Ausführungsfehler ist die Verwendung ungeeigneter Substrate. Gartenboden oder Kompost haben auf einem Flachdach nichts zu suchen: Sie sind zu schwer, zu nährstoffreich, neigen zur Verdichtung und verstopfen Drainschichten. Nur geprüfte Dachsubstrate, die den Anforderungen der FLL-Richtlinie entsprechen, gewährleisten langfristig funktionierende Begrünungen. Ebenso kritisch ist die falsche Substratstärke: Zu wenig Substrat führt zu Ausfällen der Vegetation in Trockenphasen, zu viel Substrat belastet die Konstruktion unnötig und kann die Statik überfordern.

Im Bereich der Pflege wird die Dachbegrünung häufig vernachlässigt. Selbst Extensivbegrünungen benötigen regelmäßige Kontrollen: Abläufe müssen freigehalten werden, unerwünschter Gehölzaufwuchs (vor allem Birken und Weiden, die sich auf Dächern spontan ansiedeln) muss entfernt werden, bevor die Wurzeln die Abdichtung gefährden, und Lücken in der Vegetationsdecke sollten nachgebessert werden. Wer glaubt, ein Extensivdach sei nach der Anlage vollständig wartungsfrei, riskiert langfristige Schäden.

Dachbegrünung im Flachdach als Baustein der Stadtentwicklung

Die Dachbegrünung am Flachdach hat sich von einer Nischentechnologie zu einem Standardelement nachhaltiger Stadtentwicklung entwickelt. Ihre Leistungen im Regenwassermanagement, im Stadtklima, im Biodiversitätsschutz und im baulichen Schutz der Abdichtung sind durch Forschung und Praxis gut belegt. Die technischen Grundlagen sind ausgereift, die Regelwerke sind klar, und die Erfahrung aus Jahrzehnten gebauter Praxis steht zur Verfügung.

Was die Dachbegrünung zu einem wirklich wirksamen Instrument macht, ist ihre Skalierbarkeit. Einzelne begrünte Dächer leisten lokal Wertvolles; wenn aber ganze Stadtquartiere systematisch begrünt werden, entstehen messbare Effekte auf Quartiersebene: reduzierte Abflussspitzen, niedrigere Sommertemperaturen, vernetzte Habitate. Genau diese Skalierung ist das Ziel kommunaler Gründachstrategien, die in wachsenden Städten wie Berlin, München, Hamburg oder Wien zunehmend verbindlich werden.

Für Landschaftsarchitekten, Stadtplaner und Gebäudetechniker ist die Dachbegrünung am Flachdach deshalb kein Spezialthema am Rand des Fachdiskurses, sondern ein zentrales Werkzeug der klimaresilienten Stadt. Wer die Konstruktionsprinzipien beherrscht, die ökologischen Leistungen einzuschätzen weiß und die planungsrechtlichen Instrumente kennt, kann mit begrünten Flachdächern einen substanziellen Beitrag zur Zukunftsfähigkeit städtischer Räume leisten. Die Technik ist vorhanden, die Erkenntnisse sind gesichert, und der Bedarf ist größer denn je.

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Wettbewerb am Hollywoodsign

sollen sich die Teilnehmer insbesondere mit der künftigen Lebensweise der Bewohner auseinandersetzen (Bild: Pixabay.com)

Die Hollywood Design Competition sucht unter dem Titel „Hollywood – The last House on Mullholland“ nach einem Haus der Zukunft, welches innovative Technologien und neueste Umweltstandards demonstrieren soll. Das Wohngebäude soll sich direkt unterhalb des berühmten Hollywood-Schriftzuges in Los Angeles befinden und von dieser prominenten Stelle aus zukunftsweisende Impulse aussenden.

Die Herausforderung

Das Gelände befindet sich in einem topografisch schwierigen Terrain und liegt auf einer, steil nach Süden hin, abfallenden Hanglage. Umgeben ist der Standort vom naturnahen Griffith Park, welcher als Hintergrund für die Bebauung fungiert. Das Gebäude selber soll nicht weniger als die Demonstration für künftige Wohnbebauungen sein und muss daher an das moderne und zukünftige Leben angepasst sein. Neben einer nachhaltigen Bauweise unter Nutzung innovativer Technologien, ist insbesondere die künftige Lebensweise der Bewohner zu berücksichtigen.

Die Hollywood Design Competition

Der Wettbewerb wurde von „Arch Out Loud“ und „Last House on Mullholland“, einer Kollaboration verschiedener Akteure rund um den Hollywoodschriftzug, ausgelobt. Der offene Ideenwettbewerb ist sowohl für Architekten, als auch für Studierende und Absolventen angedacht. Die Plätze 1 bis 3 erhalten jeweils 3000, 2000 und 1000 Dollar, wobei sich die beiden Veranstalter noch eigene Anerkennungen vorbehalten. Die Jury besteht aus 16 international bekannten Architekten, wie beispielsweise Thom Mayne von Morphosis oder Tom Kundig von Olson Kundig Architects. Anmeldungen sind noch bis zum 09.02.2017 möglich, für die Abgabe ist der 10.02.2017 vorgesehen.

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