Dachbegrünung Förderung Nrw: Funktion, Vorteile und Umsetzung

Begrünte, klimaangepasste Stadtinfrastruktur zum Thema Dachbegrünung Förderung Nrw
Luftaufnahme einer städtischen Bebauung – ein Blick von oben auf Architektur und Stadtstruktur. Foto: chuttersnap/Unsplash

Nordrhein-Westfalen gehört zu den dicht besiedelten Flächenländern Deutschlands, in denen die Versiegelung von Böden, die Überhitzung urbaner Räume und der Umgang mit Starkregenereignissen zu den drängendsten planerischen Herausforderungen zählen. Dachbegrünung ist in diesem Kontext längst kein ästhetisches Beiwerk mehr, sondern ein technisch ausgereiftes Instrument der Stadtentwicklung. Die Förderung von Dachbegrünung in NRW bündelt dabei ökologische, klimatische und wasserwirtschaftliche Ziele in einem Ansatz, der Eigentümer, Kommunen und Fachplaner gleichermaßen betrifft.

  • Was Dachbegrünung technisch bedeutet und welche Typen unterschieden werden
  • Welche Förderprogramme für Dachbegrünung in NRW existieren und wie sie funktionieren
  • Welche ökologischen, klimatischen und wasserwirtschaftlichen Funktionen begrünte Dächer erfüllen
  • Wie Extensiv- und Intensivbegrünung sich in Aufbau, Pflege und Kosten unterscheiden
  • Welche Planungs- und Konstruktionsanforderungen bei der Umsetzung zu beachten sind
  • Welche Rolle kommunale Satzungen und das Baurecht in NRW spielen
  • Welche typischen Fehler bei Planung, Ausführung und Pflege auftreten
  • Wie Dachbegrünung in eine integrierte Strategie für Klimaanpassung und Schwammstadt eingebettet wird

Dachbegrünung: Definition, Typen und technische Grundlagen

Unter Dachbegrünung versteht man die planmäßige Bepflanzung von Dachflächen mit einem speziell aufgebauten Vegetationssystem, das aus mehreren Funktionsschichten besteht. Der Begriff umfasst sowohl flache und flach geneigte Dächer als auch Schrägdächer bis zu einer bestimmten Neigung sowie Tiefgaragendecken und andere erdüberdeckte Bauteile. Die Fachrichtlinie für Dachbegrünungen der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau (FLL), bekannt als FLL-Dachbegrünungsrichtlinie, ist das maßgebliche Regelwerk im deutschsprachigen Raum. Sie definiert Schichtaufbau, Anforderungen an Substrat, Drainschicht, Filtervlies, Wurzelschutzbahn und Abdichtung und bildet die Grundlage für Planung, Ausschreibung und Abnahme.

Grundsätzlich unterscheidet die Fachpraxis zwei Haupttypen: die Extensivbegrünung und die Intensivbegrünung. Die Extensivbegrünung ist die leichtere, wartungsarme Variante mit einem Substrataufbau von in der Regel drei bis zwölf Zentimetern. Sie wird überwiegend mit trockenheitstoleranten, niedrig wachsenden Pflanzengesellschaften aus Sedum-Arten, Kräutern, Gräsern und Moosen bepflanzt. Das Flächengewicht im wassergesättigten Zustand liegt je nach Aufbau zwischen etwa 60 und 150 Kilogramm pro Quadratmeter. Intensivbegrünungen hingegen entsprechen in ihrem Aufbau einem bodennahen Garten auf dem Dach: Substratdicken von 20 Zentimetern bis zu mehreren Metern ermöglichen Stauden, Sträucher und Bäume. Das Flächengewicht kann dabei mehrere hundert Kilogramm pro Quadratmeter erreichen, was erhebliche statische Anforderungen an die Tragkonstruktion stellt.

Zwischen diesen Polen existiert die sogenannte einfache Intensivbegrünung oder Semi-Intensivbegrünung, die mit Substratdicken von etwa zwölf bis 25 Zentimetern und einem erweiterten Pflanzenspektrum aus Stauden, Gräsern und niedrigen Gehölzen arbeitet. Diese Zwischenkategorie hat sich in der Praxis bewährt, weil sie ökologisch reichhaltigere Lebensräume als reine Extensivbegrünungen bietet, ohne die statischen und kostenseitigen Anforderungen einer vollständigen Intensivbegrünung zu erreichen. Für die Förderung von Dachbegrünung in NRW sind alle drei Typen grundsätzlich förderfähig, wobei die Förderbedingungen je nach Programm und Träger variieren.

Dachbegrünung Förderung NRW: Programme, Träger und Förderwege

Die Förderung von Dachbegrünung in NRW ist nicht monolithisch organisiert, sondern verteilt sich auf mehrere Ebenen: Landesförderung, kommunale Programme und indirekte Anreize über die Abwassergebührenstruktur. Auf Landesebene hat das Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr NRW verschiedene Förderprogramme aufgelegt, die Klimaanpassungsmaßnahmen im Siedlungsbereich unterstützen. Das Programm „Klimaanpassung in Kommunen“ (KliAnK) sowie Förderprogramme im Rahmen der Städtebauförderung ermöglichen es Kommunen, Mittel für Begrünungsmaßnahmen einschließlich Dachbegrünung abzurufen, die dann an Eigentümer weitergegeben werden können.

Auf kommunaler Ebene haben zahlreiche Städte in NRW eigene Förderprogramme für Dachbegrünung entwickelt. Köln, Düsseldorf, Dortmund, Münster und Bielefeld gehören zu den Kommunen, die Zuschüsse für die Anlage begrünter Dächer gewähren, häufig in Form von Festbeträgen pro Quadratmeter begrünter Fläche oder als prozentualer Anteil der Investitionskosten. Die Förderhöhen und Bedingungen unterscheiden sich erheblich: Während manche Kommunen ausschließlich Neuanlagen fördern, beziehen andere auch die Nachrüstung bestehender Flachdächer ein. Einige Programme knüpfen die Förderung an Mindestflächen, an den Nachweis einer fachgerechten Planung oder an die Verwendung bestimmter Substrat- und Pflanzenstandards.

Ein besonders wirksamer indirekter Förderweg ist die Abkopplung von versiegelten Flächen vom Niederschlagswasserkanal, verbunden mit einer reduzierten Niederschlagswassergebühr. In NRW haben viele Kommunen die gesplittete Abwassergebühr eingeführt, bei der die Niederschlagswassergebühr nach der angeschlossenen versiegelten Fläche berechnet wird. Begrünte Dächer gelten in der Regel als teilversiegelte oder vollständig abgekoppelte Flächen, was zu dauerhaften Gebühreneinsparungen führt. Diese jährliche Einsparung verbessert die Wirtschaftlichkeit einer Dachbegrünung über die gesamte Nutzungsdauer erheblich und kann je nach Kommunaltarif und Flächengröße einen substanziellen Beitrag zur Amortisation der Investitionskosten leisten.

Ergänzend zu kommunalen Programmen bietet die NRW.BANK als Förderbank des Landes Nordrhein-Westfalen zinsgünstige Darlehen für Klimaschutz- und Klimaanpassungsmaßnahmen an, unter die Dachbegrünung in bestimmten Konstellationen fällt. Bundesweit wirksam sind zudem KfW-Programme, die energetische Sanierungen und Klimaschutzmaßnahmen fördern, wobei Dachbegrünung als Bestandteil eines Gesamtkonzepts berücksichtigt werden kann. Fachplaner sollten Bauherren stets auf die Kombinierbarkeit verschiedener Förderwege hinweisen, da eine sorgfältige Förderrecherche die Wirtschaftlichkeit eines Projekts deutlich verbessern kann.

Ökologische und klimatische Funktionen begrünter Dächer im urbanen Raum

Die Leistungen, die begrünte Dächer für das Stadtklima und die Biodiversität erbringen, sind vielfältig und wissenschaftlich gut belegt. Im Bereich des Regenwassermanagements verzögern und reduzieren Dachbegrünungen den Abfluss von Niederschlagswasser erheblich. Extensivbegrünungen können je nach Substratdicke und Vorzustand zwischen 40 und 90 Prozent des Jahresniederschlags zurückhalten, bei Starkregenereignissen dämpfen sie den Spitzenabfluss und entlasten damit die kommunale Kanalinfrastruktur. Dieser Effekt ist besonders in dicht bebauten Stadtquartieren von Bedeutung, wo versiegelte Flächen dominieren und die Kanalnetze bei Starkregenereignissen schnell an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen.

Die Verdunstungsleistung begrünter Dächer trägt zur Kühlung der städtischen Umgebungsluft bei. Durch Evapotranspiration, also die kombinierte Verdunstung aus Substrat und Pflanzen, wird der Wärmeinsel-Effekt in Städten gemindert. Unbegrünte Flachdächer aus Bitumen oder Kies können sich an Sommertagen auf Temperaturen von 60 bis 80 Grad Celsius aufheizen und strahlen diese Wärme in die Umgebung ab. Begrünte Dächer bleiben deutlich kühler, weil ein erheblicher Teil der eingestrahlten Energie für die Verdunstung genutzt wird, statt als Wärmestrahlung zurückgegeben zu werden. Für Stadtquartiere, die unter dem Hitzeinsel-Effekt leiden, ist die flächenhafte Einführung von Dachbegrünungen eine der wirksamsten verfügbaren Maßnahmen.

Für die Biodiversität in der Stadt bieten Dachbegrünungen Ersatzlebensräume, die in ihrer ökologischen Qualität stark von der Substratdicke, der Pflanzenauswahl und der Strukturvielfalt abhängen. Einfache Sedum-Monokulturen auf dünnem Substrat sind ökologisch wenig wertvoll. Artenreiche Extensivbegrünungen mit heimischen Kräutern, Gräsern und Wildblumen hingegen können als Trittsteinbiotope für Insekten, insbesondere Wildbienen und Schwebfliegen, wirken. Intensivbegrünungen mit Gehölzen bieten Brutstätten und Nahrungsquellen für Vögel. Die gezielte Planung von Dachbiotopen, die auf die lokale Fauna abgestimmt ist, hat sich in Städten wie Köln und Düsseldorf als sinnvolle Ergänzung zu bodengebundenen Grünflächen erwiesen.

Neben diesen Außenwirkungen verbessert Dachbegrünung auch die Energiebilanz des Gebäudes selbst. Die Substratschicht wirkt als zusätzliche Wärmedämmung, die im Winter Wärmeverluste über das Dach reduziert und im Sommer die Aufheizung der Dachkonstruktion und damit der darunter liegenden Räume dämpft. Die Lebensdauer der Dachabdichtung verlängert sich nachweislich, weil die Begrünung die Abdichtung vor UV-Strahlung, Temperaturwechselbeanspruchung und mechanischen Einwirkungen schützt. Gut geplante und gewartete Dachbegrünungen erreichen Standzeiten von 40 Jahren und mehr, was die Lebenszykluskosten im Vergleich zu konventionellen Flachdächern günstig beeinflusst.

Planung, Konstruktion und Ausführung: Was Fachplaner beachten müssen

Die Planung einer Dachbegrünung beginnt mit der Bestandsaufnahme der tragenden Konstruktion. Die statische Tragfähigkeit des Daches muss für das Flächengewicht der geplanten Begrünung im wassergesättigten Zustand ausreichend sein; bei Bestandsgebäuden erfordert dies eine gutachterliche Prüfung durch einen Tragwerksplaner. Gleichzeitig muss die vorhandene oder neu herzustellende Dachabdichtung wurzelfest sein. Die FLL-Dachbegrünungsrichtlinie definiert Prüfverfahren für die Wurzelfestigkeit von Abdichtungssystemen; nicht jede handelsübliche Bitumenbahn erfüllt diese Anforderung ohne zusätzliche Wurzelschutzschicht.

Der regelkonforme Schichtaufbau einer Dachbegrünung umfasst von unten nach oben: die Dachabdichtung mit Wurzelschutz, eine Schutzschicht, die Drainschicht zur Ableitung überschüssigen Wassers, ein Filtervlies zur Trennung von Drain- und Substratschicht sowie das eigentliche Vegetationssubstrat und die Bepflanzung. Jede Schicht erfüllt eine definierte Funktion; Fehler im Schichtaufbau, etwa das Weglassen des Filtervlieses oder die Verwendung ungeeigneter Substrate, führen mittelfristig zu Verstopfungen, Wurzeleinwuchs in die Abdichtung oder Substratauswascherung. Für die Förderung von Dachbegrünung in NRW verlangen viele Programme den Nachweis eines fachgerechten Aufbaus nach FLL-Richtlinie.

Die Substratauswahl ist ein zentraler Qualitätsfaktor. Dachbegrünungssubstrate unterscheiden sich grundlegend von Gartenerde: Sie müssen leicht, wasserdurchlässig, nährstoffarm und dauerhaft strukturstabil sein. Mineralische Substratkomponenten wie Blähton, Lava, Bims oder Recyclingmaterial aus Ziegeln bilden das Gerüst; organische Anteile werden bewusst niedrig gehalten, um Setzungen und Verdichtungen zu minimieren. Normative Anforderungen an Korngrößenverteilung, Wasserkapazität, Luftvolumen und pH-Wert sind in der FLL-Richtlinie festgelegt. Die Verwendung von Substraten, die diesen Anforderungen nicht entsprechen, ist eine der häufigsten Fehlerquellen bei nicht professionell geplanten Begrünungen.

Entwässerung und Notüberläufe sind sicherheitsrelevante Elemente, die in der Planung besondere Aufmerksamkeit verdienen. Begrünte Dächer müssen auch bei Starkregenereignissen sicher entwässern können; verstopfte Abläufe können zu Überstau und im schlimmsten Fall zu Überlastung der Tragkonstruktion führen. Mindestens zwei voneinander unabhängige Entwässerungspunkte sowie zugängliche Notüberläufe sind bei fachgerechter Planung obligatorisch. Die Zugänglichkeit für Wartung und Inspektion muss bereits in der Planungsphase berücksichtigt werden, was Wegeführung, Absturzsicherung und Lastverteilungsplatten einschließt.

Kommunale Satzungen, Baurecht und Pflicht zur Dachbegrünung in NRW

In Nordrhein-Westfalen können Kommunen über Bebauungspläne und örtliche Bauvorschriften die Anlage von Dachbegrünungen vorschreiben. Rechtsgrundlage ist das Baugesetzbuch (BauGB) in Verbindung mit der Bauordnung NRW (BauO NRW). Paragraf 9 BauGB erlaubt es, in Bebauungsplänen Festsetzungen zur Begrünung von Dachflächen zu treffen. Viele Kommunen in NRW machen von dieser Möglichkeit Gebrauch, insbesondere in Neubaugebieten und bei der Überplanung von Gewerbegebieten mit hohem Versiegelungsanteil.

Städte wie Münster, Köln und Dortmund haben in ihren Bebauungsplänen für neue Wohn- und Gewerbegebiete Dachbegrünung als Festsetzung verankert, teils verbunden mit Mindestanforderungen an Substratdicke und Pflanzenauswahl. Darüber hinaus können kommunale Satzungen auf Grundlage der BauO NRW Anforderungen an Dachbegrünung für bestimmte Gebäudetypen oder Gebiete formulieren. Diese Pflichtbegrünungen sind von freiwilligen geförderten Maßnahmen zu unterscheiden: Bei Pflichtbegrünung entfällt in der Regel die Förderfähigkeit, weil die Maßnahme ohnehin gesetzlich vorgeschrieben ist. Fachplaner müssen daher zu Beginn eines Projekts klären, ob eine Begrünungspflicht besteht oder ob Förderung beantragt werden kann.

Die Niederschlagswasserbeseitigungspflicht und die Anforderungen aus der Wasserrahmenrichtlinie der EU bilden einen weiteren rechtlichen Rahmen. In NRW regelt das Landeswassergesetz (LWG NRW) die Versickerung und Rückhaltung von Niederschlagswasser. Kommunen sind verpflichtet, Niederschlagswasser möglichst dezentral zu bewirtschaften, und können diese Pflicht auf Grundstückseigentümer übertragen. Dachbegrünung ist in diesem Kontext eine anerkannte Maßnahme zur Niederschlagswasserbewirtschaftung, die sowohl Versickerung als auch Verdunstung fördert und damit zur Entlastung der öffentlichen Kanalinfrastruktur beiträgt.

Typische Fehler, Missverständnisse und Qualitätssicherung

Einer der häufigsten Planungsfehler ist die Unterschätzung der statischen Anforderungen, insbesondere bei der Nachrüstung von Bestandsdächern. Wer eine Extensivbegrünung mit 100 Kilogramm pro Quadratmeter auf einem Dach plant, das ursprünglich nur für eine Kiesschüttung mit 50 Kilogramm ausgelegt wurde, riskiert Schäden an der Tragkonstruktion. Eine statische Voruntersuchung ist deshalb keine optionale Vorsichtsmaßnahme, sondern eine Planungsnotwendigkeit.

Ein verbreitetes Missverständnis betrifft die Wartungsfreiheit von Extensivbegrünungen. Zwar ist der Pflegeaufwand im Vergleich zu Intensivbegrünungen gering, aber nicht null. Abflüsse und Notüberläufe müssen regelmäßig kontrolliert und freigehalten werden; unerwünschter Gehölzaufwuchs aus Windansamung muss entfernt werden, bevor Wurzeln in die Abdichtung eindringen. Eine Vernachlässigung dieser Mindestpflege kann innerhalb weniger Jahre zu kostspieligen Schäden führen, die den Nutzen der Begrünung zunichte machen. Förderprogramme in NRW verlangen daher teilweise den Nachweis eines Pflegeplans als Fördervoraussetzung.

Bei der Pflanzenauswahl wird häufig auf standardisierte Sedum-Matten zurückgegriffen, die zwar schnell und einfach zu verlegen sind, aber ökologisch wenig Vielfalt bieten. Für Projekte, die ökologische Qualität anstreben, empfehlen Fachplaner artenreiche Saatgutmischungen aus heimischen Wildkräutern und Gräsern, die standortangepasst sind und langfristig stabilere Pflanzengesellschaften ausbilden. Die Auswahl sollte auf die lokalen Klimabedingungen, die Substratdicke und die Exposition abgestimmt sein; pauschale Standardmischungen ohne Standortbezug sind ein typischer Qualitätsmangel.

Dachbegrünung als Baustein der Schwammstadt-Strategie in NRW

Das Konzept der Schwammstadt beschreibt eine Stadtstruktur, die Niederschlagswasser dezentral aufnimmt, speichert, verdunstet und verlangsamt abgibt, statt es schnell in die Kanalisation abzuleiten. Dachbegrünung ist in diesem Konzept ein zentrales Element, das auf der Ebene des einzelnen Gebäudes ansetzt und in der Summe stadtweite Wirkung entfaltet. Nordrhein-Westfalen hat die Schwammstadt-Strategie in verschiedene Planungsdokumente und Förderprogramme aufgenommen; die Förderung von Dachbegrünung in NRW ist explizit in diesen Kontext eingebettet.

Die Kombination von Dachbegrünung mit weiteren Maßnahmen der Regenwasserbewirtschaftung, etwa Zisternen zur Nutzung des Dachablaufwassers für Bewässerung, Versickerungsmulden auf Freiflächen oder begrünten Fassaden, multipliziert die Wirkung jeder Einzelmaßnahme. Integrierte Planungsansätze, die Dach, Fassade, Freifläche und Straßenraum gemeinsam betrachten, erzielen deutlich bessere Ergebnisse als isolierte Einzelmaßnahmen. Fachplaner, die Dachbegrünung im Kontext eines Gesamtkonzepts für Klimaanpassung und Regenwassermanagement einbetten, können Förderanträge oft überzeugender begründen und höhere Fördersätze erzielen.

Die Qualität der Förderberatung ist in NRW regional sehr unterschiedlich. Kommunen mit eigenen Klimaanpassungsbeauftragten oder Grünflächenämtern, die aktiv beraten, erzielen deutlich höhere Umsetzungsraten als Kommunen, die Förderprogramme lediglich formal anbieten, ohne aktive Beratungsstrukturen. Für Fachplaner, die Bauherren durch den Förderprozess begleiten, ist die Kenntnis der lokalen Ansprechpartner und der aktuellen Programmkonditionen ein wesentlicher Mehrwert. Förderanträge sollten frühzeitig, möglichst vor Baubeginn, gestellt werden, da nachträgliche Förderungen in vielen Programmen ausgeschlossen sind.

Dachbegrünung in NRW: Potenzial, Verantwortung und planerische Konsequenz

Das Potenzial begrünter Dächer in Nordrhein-Westfalen ist erheblich. Schätzungen gehen davon aus, dass ein großer Teil der technisch geeigneten Flachdachflächen in NRW noch unbegrünt ist. Würde auch nur ein substanzieller Anteil dieser Flächen aktiviert, entstünden stadtweite Effekte auf Temperatur, Wasserhaushalt und Biodiversität, die mit anderen Maßnahmen kaum so kosteneffizient zu erreichen wären. Die Förderung von Dachbegrünung in NRW ist in diesem Sinne eine Investition in urbane Infrastruktur, deren Erträge weit über das einzelne Gebäude hinausgehen.

Für Landschaftsarchitekten und Stadtplaner ergibt sich daraus eine klare Verantwortung: Dachbegrünung sollte nicht als Sonderlösung für besonders engagierte Bauherren behandelt werden, sondern als Regelstandard in der Planung von Gebäuden mit geeigneten Dachflächen. Die Kombination aus technischer Reife, belastbarer Förderkulisse, rechtlichen Möglichkeiten und nachgewiesenem ökologischen Nutzen macht Dachbegrünung zu einem der wenigen Instrumente, das gleichzeitig auf mehreren Problemfeldern der Stadtentwicklung wirkt. Wer diese Potenziale in der Planung konsequent nutzt, leistet einen messbaren Beitrag zur Klimaresilienz nordrhein-westfälischer Städte.

Die Qualität der Umsetzung entscheidet dabei über den langfristigen Erfolg. Fachgerechte Planung nach FLL-Richtlinie, sorgfältige Substrat- und Pflanzenauswahl, statische Absicherung und ein realistischer Pflegeplan sind keine bürokratischen Pflichten, sondern Voraussetzungen dafür, dass eine Dachbegrünung über Jahrzehnte ihre Funktion erfüllt. Die Förderung von Dachbegrünung in NRW bietet die finanziellen Anreize; die fachliche Kompetenz der Planer und ausführenden Betriebe entscheidet, ob diese Anreize in dauerhaft wirksame Grüninfrastruktur umgesetzt werden.

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Petra Kahlfeldt im Interview zu der Kritik an ihrer Person

Foto: Sebastian Gabsch
Foto: Sebastian Gabsch

Die Startvoraussetzungen für die neue Berliner Senatsbaudirektorin Petra Kahlfeldt waren von Anfang an schwierig. Bereits im Vorfeld der Ernennung der neuen Berliner Senatsbaudirektorin hatten zahlreiche Architekt*innen öffentlich ein transparentes Verfahren zur Neubesetzung der Position gefordert. Als dann die Berliner SPD die Architektin Petra Kahlfeldt im Dezember 2021 als neue Berliner Senatsbaudirektorin vorstellte, hagelte es Kritik. Allen voran von einer Gruppe von acht Architekt*innen. Wir sprachen im Interview mit Petra Kahlfeldt: was die Kritik mit ihr macht und ob sie zum Dialog mit ihren Kritiker*innen bereit ist.

„Ich bekleide nicht nur ein fachliches, sondern auch ein politisches Amt.“ – Petra Kahlfeldt im Interview

Petra Kahlfeldt, zunächst einmal Glückwunsch zur Ernennung als neue Senatsbaudirektorin. Welche Herausforderungen der Berliner Stadtentwicklung gehen Sie jetzt als erstes an?

Ich freue mich, als Senatsbaudirektorin an der Gestaltung Berlins aktiv mitwirken zu können. Stadtentwicklung ist ein ständiger Prozess und bietet immer wieder neue Möglichkeiten. Im Moment stehen im Fokus der Neubau bezahlbarer Wohnungen Schulneubau und Sanierung der bestehenden Schulen, der Kultur- und Wissenschaftsbauten, die Gestaltung wichtiger Ort, wie der ehemalige Flughafen Tegel, die Qualifizierung des Hermannplatzes oder die Entwicklung des Molkenmarkts als ein dichtes, sozial und funktional gemischtes Quartier in Berlins historischer Mitte, um nur einige zu nennen. Unser Ziel ist, schneller von der Planung zum Bauen zu kommen – das ist eine große Herausforderung, aber notwendig, wenn wir sicherstellen wollen, dass unsere Nachbarschaften und Quartiere lebendig und lebenswert bleiben.

Ihre Ernennung hat nicht nur Jubel in der Architekturszene ausgelöst. Eine Initiative von acht Architekt*innen spricht Ihnen öffentlich die Eignung für das Amt ab, fordert die Zurücknahme Ihrer Benennung, der BDA definiert in einer Stellungnahme die Neubesetzung der Senatsbaudirektion als „intransparent und ohne Vision“. Was macht das mit Ihnen?

Das Amt der Senatsbaudirektorin hat immer Kritikerinnen und Kritiker auf den Plan gerufen, das ist vor allem in Berlin nicht ungewöhnlich. Ungewöhnlich ist jedoch die Heftigkeit der öffentlichen Angriffe, bevor ich überhaupt auch nur eine inhaltliche Entscheidung habe treffen können. Ich bin Senatsbaudirektorin, aber auch Staatssekretärin für Stadtentwicklung, bekleide also nicht nur ein fachliches, sondern auch ein politisches Amt. Das wird immer vergessen, wenn einige Architektinnen und Architekten die Art der Neubesetzung kritisieren. Ich bin jetzt vier Wochen im Amt und übernehme viele, bereits laufenden Projekte. Vieles kann ich prozessual und gestalterisch mittragen, in einigen Projekten werde ich eigene Akzente und neue Impulse setzen.

„Wichtig ist doch, dass auch eine Senatsbaudirektorin nicht im ‘Elfenbeinturm sitzt’.“

Arno Lederer wiederum stellte sich öffentlich gegen die „Diffamierungen“ Ihrer Person. Er forderte den BDA Berlin auf, für einen konstruktiven Dialog einzutreten. Lederer befürwortet aber auch die vorangegangene gemeinsame Forderung der Profession für ein transparentes Verfahren zur Neubesetzung. Petra Kahlfeldt, hätte man das Verfahren Ihrer Meinung nach anders aufbauen sollen?

Arno Lederer hat recht, wir müssen nicht Vergangenes bewerten, sondern gemeinsam Zukünftiges schaffen. Es wird immer Menschen geben, die einer Entscheidung widersprechen, obwohl das Regelwerk zur Besetzung einer Position festgelegt ist. Wichtig ist doch, dass auch eine Senatsbaudirektorin nicht im „Elfenbeinturm sitzt“. Was immer für das Erscheinungsbild unserer Stadt entschieden wird, ist das Ergebnis von Diskussionsprozessen. Deshalb wird auch die Arbeit des Baukollegiums, werden die Begleitkreise und Partizipationsprozesse fortgeführt.

„Meinungsäußerungen und Diskussionen gehören zu einer Demokratie, aber sie dürfen nicht zu persönlichen Angriffen und Diffamierungen führen.“ – Petra Kahlfeldt im Interview

Laut Arno Lederer habe die gemeinsame Forderung nach mehr Transparenz in der Neubesetzung zudem gezeigt, dass die deutsche Architekturszene mit einer Stimme sprechen könne. Von der Seitenlinie betrachtet: Sowohl die gemeinsame Forderung als auch die öffentliche Kritik, die nun folgte, sprechen wiederum dafür, dass Personen der Profession politische Entscheidungen hinterfragen und nicht nur hinnehmen. Über die Art und Weise kann man streiten, aber: Hat das Ganze Ihrer Meinung nach auch etwas Positives im Sinne einer gelebten Demokratie?

Meinungsäußerungen und Diskussionen gehören zu einer Demokratie, aber sie dürfen nicht zu persönlichen Angriffen und Diffamierungen führen. Solange öffentliche Kritik zum Wohl unserer Stadt geäußert wird, setze ich mich gern damit auseinander, auch das gehört zu den Aufgaben einer Senatsbaudirektorin. Nicht nur die Planerinnen und Planer sowie die Architektinnen und Architekten haben unterschiedliche Auffassungen und Interessen; auch die Bürgerinnen und Bürger wollen mit Ihren Meinungen und Bedürfnissen wahrgenommen werden und Gehör finden. Deshalb gibt es in Berlin die gesetzlichen Leitlinien für die Beteiligung der Bevölkerung. Ich werde die bereits gut etablierte Beratungs- und Prozesskultur weiterführen, um möglichst viele Interessen einzubinden.

Petra Kahlfeldt ist bereit für den Dialog mit ihren Kritiker*innen

Wie gehen Sie nun weiter? Werden Sie das Gespräch mit Ihren Kritiker*innen suchen?

Einem konstruktiven Dialog habe ich mich nie verschlossen und natürlich werde ich bei meiner Arbeit auch Kritikerinnen und Kritikern gegenüberstehen. Wenn es um konkrete Projekte geht, bin ich gern zur Diskussion bereit, denn dann geht es um die Sache und nicht mehr um Entscheidungen, die getroffen wurden und feststehen.

Was bisher geschah, haben wir Ihnen in einem Übersichtsartikel zusammengefasst. Hier lesen Sie alles zu der Kritik, aber auch zu der Unterstützung der neuen Berliner Senatsbaudirektorin Petra Kahlfeldt.

Corona und die Städte

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In ihrem Buch analysiert Ingrid Karl, welchen Einfluss die dichten, stets wachsenden Städte auf die Corona-Pandemie und die erodierende Demokratie haben und wie die fortschreitende Globalisierung das Virus begünstigt. Warum der Untertitel “Suche nach einer neuen Normalität” nicht hält was er verspricht, aber wieso das Buch trotzdem absolut lesenswert ist, erklärt Anne Fischer. Eine Buchrezension.

Potenzial zum Klassiker

Worum es geht: Ingrid Krau analysiert, wie dicht bebaute, wachsende Städte die erodierende Demokratie und die Globalisierung den Pandemieverlauf begünstigen. Dabei richtet sie den Blick auf asiatische Megalopolen als wahrscheinlichen Virus-Ursprungsort, auf Urbanität als Lebensform, die dessen Ausbreitung begünstigt, und die Desorientierung vieler Bürger*innen durch soziale Medien, die dafür sorgt, dass im Lockdown giftige Debatten über die politische Entscheidungsgewalt ausbrechen. Im Zentrum ihrer planerischen Überlegungen stehen Städte, die sich, so die Autorin, trotz Klimakrise und daraus folgender Probleme „ihrer früheren Planungsmaxime ‚Licht, Luft und Sonne‘ in erstaunlichem Maß entledigt haben“ – und somit die perfekte Virenumgebung bieten.

Was die Autorin auszeichnet: Die Architektin und Autorin Ingrid Krau lehrte bis 2007 als Professorin für Städtebau und Stadtentwicklung an der TU München. Bereits zu dieser Zeit beschäftigte sie sich mit den Risiken, die extreme Bebauungen mit sich bringen. Krau schreibt vor allem über Städtewachstum und die Folgen fossiler Energiegewinnung.

Das ist die beste Aussage: „Die Vorstellung, wenn jetzt alle zusammen für eine kurze Zeit in den Shutdown gehen, wäre das Virus gebannt, ist ökonomisches Wunschdenken. Es bleibt wegen der Unordnung des Urbanen in den Nischen übersehener Populationen lebendig und tritt an unerwarteter Stelle wieder ans Tageslicht.“

Das erwartet die Leser*innen: Die Unterzeile „Suche nach einer neuen Normalität“ führt Erwartungen in die Irre – denn Krau seziert lediglich den Status quo. Das Buch bietet weniger Anleitung aus dem Schlamassel als präzise Analyse dazu, welchen Anteil der Städtebau an dessen Entstehung trägt. Erst auf den letzten 30 Seiten fordert sie konkrete Maßnahmen für die Zukunft, etwa Bodenfonds für Wohnzwecke, die Be- grenzung von Nachverdichtung, die Erweiterung von Grün- und Durchlüftungsräumen. Sie plädiert für „politischere“ Planung – ohne allerdings der Illusion zu erliegen, es sei einfach, den Boden der Städte „aus seiner Rolle als Spekulationsobjekt internationaler Transaktionen herauszuführen“.

Mehr Klassiker als Trend, weil … Pandemien und ihre verheerenden Auswirkungen auf die Gesellschaft eigentlich genauso wenig neu sind wie planerische Anstrengungen, Antworten auf das Städtewachstum zu finden, die möglichst wenig Luft und Grün opfern – aber, wie Krau es formuliert: „Wachstum und Fortschritt verbinden sich mit Naturvergessenheit.“

Corona und die Städte – das Buch

Haptik: Die Planerin, der Nachhaltigkeit am Herzen liegt, hat sich folgerichtig einen Verlag gesucht, der mit Öko-Anspruch druckt – und auch auf E-Books setzt.

Design: Nicht vom futuristisch-platt geratenen Cover abschrecken lassen.

Lesefluss: Krau kombiniert umfangreiches Wissen mit präziser und geschliffener Sprache, hier und da wiederholt sie sich aber.

Fazit: Krau liefert eher meinungsstarkes Essay als lupenreines Sachbuch und zeigt Zusammenhänge im großen Erzählbogen auf: von historischen Pandemien über Kompaktwohnformen im frühen 20. Jahrhundert, die Nachverdichtung europäischer Metropolen und Lebensbiotope, die sich Menschen und Wildtiere durch zunehmende Urbanisierung teilen müssen, bis hin zur aktuellen Pandemielage, die öffentliche Räume, aber auch das Arbeiten ins Netz verlagert (und so nebenbei den Flächenbedarf verändert) und wohl langfristige Auswirkungen auf städtebauliche Konzepte haben wird. Das macht das Buch zur kurzweiligen Lektüre für Planer*innen.

Corona und die Städte. Suche nach einer neuen Normalität.

Ingrid Krau

120 Seiten
ISBN: 978-3-96238-291-9
Oekom Verlag, 2021

Print 16 Euro, E-Book 12,99 Euro

Mehr zum Thema Planung, Städte und Corona erfahren Sie in hier.