Dachbegrünung Matten: Grundlagen, Nutzen und Praxis

Begrünte, klimaangepasste Stadtinfrastruktur zum Thema Dachbegrünung Matten
Modernes Betongebäude mit braunen und weißen Fassadenelementen – ein Beispiel zeitgenössischer Architektur. Foto: jwvaneck / Unsplash

Dachbegrünung mit Matten gehört zu den technisch ausgereiftesten Methoden, um extensive und intensive Vegetationsflächen auf Gebäudedächern zu etablieren. Das Prinzip ist einfach: Vorgefertigte Substrate- und Vegetationsmatten werden auf dem Dachaufbau verlegt, die Pflanzen sind bereits eingewachsen oder werden unmittelbar nach der Verlegung aktiviert. Was nach einer handwerklichen Vereinfachung klingt, ist in Wirklichkeit das Ergebnis jahrzehntelanger Entwicklung in Substratforschung, Pflanzentechnologie und Dachbauphysik. Dachbegrünung Matten sind heute ein zentrales Werkzeug der Freiraumplanung im urbanen Raum, weil sie schnelle Begrünungserfolge mit dauerhafter ökologischer Wirkung verbinden.

  • Was Dachbegrünung Matten sind, wie sie aufgebaut sind und welche Typen es gibt
  • Welche bauphysikalischen und statischen Voraussetzungen ein Dach erfüllen muss
  • Welchen ökologischen, klimatischen und wasserwirtschaftlichen Nutzen begrünte Dächer mit Matten leisten
  • Wie Dachbegrünung Matten geplant, ausgeschrieben und verlegt werden
  • Welche Pflanzengesellschaften und Substrataufbauten für welche Dachsituationen geeignet sind
  • Wie Pflege und Unterhalt begrünter Mattendächer organisiert werden
  • Welche Fehler bei Planung, Ausführung und Betrieb typischerweise auftreten
  • Wie Dachbegrünung Matten in die übergeordnete Freiraumplanung und Klimaanpassung eingebettet werden

Definition und Aufbau: Was Dachbegrünung Matten technisch ausmacht

Dachbegrünung Matten sind vorgefertigte, flächige Elemente, die Substrat, Wurzelraum und Vegetation in einer transportfähigen Einheit zusammenfassen. Sie unterscheiden sich grundlegend von der klassischen Schüttbegrünung, bei der Drainschicht, Filtervlies und Substrat nacheinander auf dem Dach eingebaut und anschließend bepflanzt oder angesät werden. Bei Matten ist dieser Prozess in der Produktion vorweggenommen: Die Pflanzen wachsen unter kontrollierten Bedingungen in das Substrat ein, bilden ein stabiles Wurzelgeflecht und werden als fertige Vegetationseinheit geliefert. Der Begriff Matte bezeichnet dabei sowohl dünne, rollenförmige Produkte mit wenigen Zentimetern Aufbauhöhe als auch plattenförmige Elemente mit stärkerem Substratanteil.

Der innere Aufbau einer typischen Dachbegrünungsmatte folgt einem mehrschichtigen Prinzip. Die unterste Lage bildet meist ein Trägervlies oder ein Kunststoffgitter, das die strukturelle Stabilität sichert und gleichzeitig als Filterschicht gegenüber dem darunter liegenden Dachaufbau wirkt. Darüber liegt das Substrat, dessen Zusammensetzung nach den Vorgaben der FLL-Dachbegrünungsrichtlinie (Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau) normiert ist: mineralische Bestandteile wie Blähton, Lava, Bims oder Recyclingmaterialien dominieren, organische Anteile sind bewusst gering gehalten, um Setzung, Verdichtung und Nährstoffauswaschung zu minimieren. Die Vegetationsschicht oben besteht je nach Produkt aus Moosen, Sedumarten, Kräutern oder Gräsern, die bereits vor der Lieferung angewachsen sind.

Innerhalb der Produktpalette lassen sich zwei Hauptkategorien unterscheiden. Extensive Dachbegrünung Matten sind auf minimale Aufbauhöhen von zwei bis acht Zentimetern ausgelegt, wiegen im wassergesättigten Zustand zwischen dreißig und achtzig Kilogramm pro Quadratmeter und sind auf Selbstregulation ausgelegt: Die verwendeten Pflanzen, vor allem Sedum-Arten (Fetthenne), Moose und trockenheitstolerante Kräuter, kommen mit wenig Wasser und Nährstoffen aus. Intensive Begrünungsmatten dagegen weisen größere Substratdicken auf, erlauben tiefwurzelnde Stauden, Gräser und Gehölze und erfordern eine entsprechend höhere Tragfähigkeit der Dachkonstruktion sowie regelmäßige Bewässerung und Pflege. In der Praxis dominieren extensive Systeme den Markt, weil sie auf die Mehrzahl der vorhandenen Flachdächer ohne aufwendige statische Ertüchtigung aufgebracht werden können.

Bauphysikalische und statische Grundlagen: Was das Dach leisten muss

Bevor Dachbegrünung Matten überhaupt in Betracht kommen, muss der Dachaufbau auf seine Eignung geprüft werden. Die wichtigste Kenngröße ist die zulässige Flächenlast der Dachkonstruktion, ausgedrückt in Kilonewton pro Quadratmeter (kN/m²). Für extensive Matten mit geringer Substratdicke genügen in der Regel Tragfähigkeiten ab etwa 1,0 bis 1,5 kN/m², was viele bestehende Flachdächer bereits erfüllen. Intensive Systeme mit tiefem Substrat und Gehölzbepflanzung können im wassergesättigten Zustand deutlich höhere Lasten erzeugen und erfordern eine statische Überprüfung durch einen Tragwerksplaner. Die FLL-Dachbegrünungsrichtlinie, die in Deutschland als maßgebliches Regelwerk gilt und regelmäßig aktualisiert wird, gibt detaillierte Hinweise zu Lastannahmen und Mindestanforderungen an den Dachaufbau.

Ebenso entscheidend ist die Qualität der Dachabdichtung. Eine Begrünung erhöht die mechanische und biologische Belastung der Abdichtungsschicht erheblich: Wurzeln können in Risse eindringen, Feuchtigkeit steht dauerhaft an, und Wartungszugang ist eingeschränkt. Deshalb schreibt die FLL-Richtlinie den Einsatz wurzelfester Abdichtungen vor, die entweder bereits wurzelfest sind oder durch eine separate Wurzelschutzschicht ergänzt werden. Bitumenbahnen mit wurzelfester Ausrüstung, Kunststoffdachbahnen aus PVC oder FPO sowie Flüssigabdichtungen mit geprüfter Wurzelfestigkeit sind gebräuchliche Lösungen. Die Prüfung der Wurzelfestigkeit erfolgt nach dem FLL-Prüfverfahren, das eine mehrjährige Exposition gegenüber aggressiven Pflanzenarten vorsieht.

Das Gefälle des Dachs beeinflusst die Wahl des Mattensystems erheblich. Flachdächer mit einem Gefälle bis zu zwei Prozent gelten als nahezu eben und ermöglichen eine gleichmäßige Wasserverteilung im Substrat. Bei Gefällen zwischen zwei und fünf Prozent sind in der Regel keine besonderen Sicherungsmaßnahmen erforderlich. Ab fünf Prozent Gefälle müssen Rückhaltesysteme, Querriegel oder spezielle Mattenverankerungen eingesetzt werden, um ein Abrutschen des Substrats zu verhindern. Bei Steildächern über zwanzig Prozent Neigung sind Dachbegrünung Matten nur mit aufwendigen Spezialverankerungen realisierbar und kommen in der Praxis selten vor.

Ökologischer und klimatischer Nutzen: Was begrünte Mattendächer leisten

Der Nutzen von Dachbegrünung Matten reicht weit über die optische Aufwertung hinaus. In der Stadtplanung und Klimaanpassung sind begrünte Dächer als Instrument der blau-grünen Infrastruktur anerkannt, weil sie mehrere Ökosystemleistungen gleichzeitig erbringen. An erster Stelle steht die Regenwasserrückhaltung: Extensive Begrünungsmatten können je nach Substratdicke und Feuchtevorgeschichte zwischen dreißig und siebzig Prozent des Niederschlags zurückhalten und zeitverzögert verdunsten. Dieser Effekt entlastet die städtische Kanalisation bei Starkregenereignissen erheblich, was in dicht besiedelten Stadtgebieten mit überlasteten Mischwasserkanälen von direktem wasserwirtschaftlichem Wert ist.

Die thermische Wirkung begrünter Dächer auf das Stadtklima ist gut dokumentiert. Durch Evapotranspiration, also die kombinierte Verdunstung aus Substrat und Pflanzentranspiration, kühlen Dachbegrünungen die Umgebungsluft und reduzieren den städtischen Wärmeinseleffekt. Gleichzeitig schützt die Vegetationsschicht die Dachabdichtung vor UV-Strahlung und extremen Temperaturschwankungen, was die Lebensdauer der Abdichtung nachweislich verlängert. Studien aus dem Bereich der Bauphysik belegen, dass die Temperaturamplitude auf einer begrünten Dachfläche im Sommer um vierzig bis sechzig Kelvin geringer ausfällt als auf einer unbegrünten Kiesfläche. Das schont das Material und reduziert thermisch bedingte Rissbildung in der Abdichtung.

Für die Biodiversität in der Stadt sind Dachbegrünung Matten ein zunehmend anerkannter Baustein. Extensive Sedum-Moos-Dachflächen bieten Lebensraum für spezialisierte Insekten, darunter Wildbienen, Laufkäfer und Spinnen, die auf trockene, offene Standorte angewiesen sind. Werden Matten mit einer höheren Pflanzenvielfalt kombiniert, also mit Kräutern, Gräsern und blühenden Stauden, steigt der Wert für Bestäuber erheblich. In der Planung von Biotopverbundsystemen auf Stadtebene können Dachbegrünungen als Trittsteinbiotope fungieren, die isolierte Grünflächen im Stadtgefüge miteinander vernetzen. Dieser Ansatz wird in städtebaulichen Klimaanpassungskonzepten, etwa in Stadtentwicklungsplänen und Grünordnungsplänen, zunehmend berücksichtigt.

Ein weiterer Aspekt ist die Luftqualität. Begrünte Dachflächen binden Feinstaub und Stickstoffverbindungen aus der Luft, wenn auch in geringerem Maß als vertikale Begrünungen oder Straßenbäume. Für einzelne Gebäude ist der Effekt marginal; in der Summe über viele Dachflächen einer Stadt kann er jedoch messbar sein. Schallschutz ist ein weiterer, oft unterschätzter Nebeneffekt: Substrat und Vegetation absorbieren Schallwellen und reduzieren die Schallübertragung durch das Dach, was besonders bei Gebäuden in Fluglärm- oder Industrielärmbereichen relevant sein kann.

Planung, Ausschreibung und Verlegung: Dachbegrünung Matten in der Praxis

Die Planung eines Mattenbegrünungssystems beginnt mit der Bestandsaufnahme des Dachs: Tragfähigkeit, Gefälle, Zustand der Abdichtung, Entwässerungssituation und Zugänglichkeit sind die wesentlichen Parameter. Auf dieser Grundlage wählt der Landschaftsarchitekt oder Fachplaner das geeignete Mattensystem aus. Die Ausschreibung sollte präzise Angaben zur Substratqualität nach FLL, zur Aufbauhöhe, zum Flächengewicht im wassergesättigten Zustand, zur Pflanzenartenzusammensetzung und zum Bedeckungsgrad der Vegetation enthalten. Produktneutrale Ausschreibungen sind möglich, wenn die technischen Anforderungen klar definiert sind; Leitprodukte mit Gleichwertigkeitsvorbehalt sind in der Praxis ebenfalls verbreitet.

Die Verlegung von Dachbegrünung Matten erfordert sorgfältige Vorbereitung. Der Untergrund muss sauber, eben und frei von Schmutz sein. Rollmatten werden quer zur Dachneigung verlegt und an den Stößen überlappend oder stumpf gestoßen, je nach Herstellervorgabe. Plattenförmige Elemente werden versetzt verlegt, ähnlich wie Pflastersteine, um Fugenlinien zu unterbrechen und ein Aufreißen des Vegetationsteppichs zu verhindern. An Dachrändern, Attikaabschlüssen, Dachdurchdringungen und Entwässerungsöffnungen sind Randstreifen aus Kies oder mineralischem Substrat vorzusehen, die als Brandschutzstreifen und Wartungsbereiche dienen. Die Mindestbreite dieser Streifen ist in der FLL-Richtlinie und in den Landesbauordnungen geregelt.

Besondere Sorgfalt erfordert die Anschlussdetailplanung. Übergänge zwischen Begrünungsmatte und aufgehenden Bauteilen wie Aufzugsschächten, Lichtkuppeln oder Dachaufbauten müssen so ausgeführt werden, dass keine Feuchtigkeit hinter die Abdichtung dringen kann und gleichzeitig die Matte nicht auf die Abdichtungsanschlüsse drückt. Hier ist die enge Abstimmung zwischen Dachdecker, Abdichtungsfachbetrieb und Begrünungsunternehmen unerlässlich. Fehler in der Detailausführung sind die häufigste Ursache für spätere Undichtigkeiten, die dann fälschlicherweise der Begrünung selbst zugeschrieben werden.

Pflanzenauswahl und Substrat: Was auf extensiven und intensiven Matten wächst

Die Pflanzenauswahl für Dachbegrünung Matten folgt dem Standortprofil des Dachs: extremer Strahlungsgenuss, Trockenheit, Wind, geringe Substrattiefe und begrenzte Nährstoffversorgung sind die prägenden Faktoren auf einem extensiven Dach. Sedum-Arten dominieren deshalb die meisten Standardprodukte: Sedum acre (Scharfe Fetthenne), Sedum album (Weißer Mauerpfeffer), Sedum reflexum (Tripmadam) und Sedum spurium (Kaukasische Fetthenne) sind robust, selbstregenerierend und tolerieren Austrocknung, weil sie als Sukkulenten Wasser in ihren Blättern speichern. Moose ergänzen das Spektrum, besonders in schattigen oder feuchteren Dachbereichen.

Eine reine Sedum-Monokultur ist ökologisch wenig wertvoll. Fachplaner empfehlen deshalb Mischungen, die neben Sedum auch trockenheitstolerante Kräuter wie Thymus serpyllum (Sand-Thymian), Dianthus deltoides (Heide-Nelke), Hieracium pilosella (Kleines Habichtskraut) oder Festuca ovina (Schaf-Schwingel) enthalten. Diese Artenvielfalt erhöht den Blütenreichtum, verbessert den Wert für Insekten und macht die Dachfläche resilienter gegenüber Extremereignissen, weil unterschiedliche Arten auf Trockenheit, Hitze oder Starkregen unterschiedlich reagieren. Für intensive Matten kommen tiefwurzelnde Stauden wie Salvia nemorosa, Achillea-Arten oder Pennisetum-Gräser in Betracht, sofern die Substratdicke und Bewässerung dies erlauben.

Das Substrat ist das Fundament jeder Dachbegrünung. Es muss gleichzeitig wasserspeichernd und drainagefähig sein, einen stabilen pH-Wert im leicht sauren bis neutralen Bereich halten, frostbeständig sein und darf sich nicht wesentlich setzen oder verdichten. Die FLL-Richtlinie definiert Prüfverfahren und Grenzwerte für Korngrößenverteilung, organischen Anteil, Wasserkapazität und Luftkapazität. Handelsübliche Dachbegrünungssubstrate bestehen typischerweise aus Lava, Blähton, Ziegelsplitt oder Bims, ergänzt durch geringe Anteile organischer Komponenten wie Kompost oder Rindenhumus. Der organische Anteil sollte bei extensiven Substraten unter zwanzig Volumenprozent liegen, um Setzung und übermäßigen Nährstoffeintrag zu vermeiden.

Pflege und Unterhalt: Was begrünte Mattendächer langfristig brauchen

Dachbegrünung Matten werden oft als pflegefrei vermarktet, was einer Vereinfachung entspricht. Richtig ist, dass extensive Systeme einen sehr geringen Pflegeaufwand haben, der sich auf wenige Begehungen pro Jahr beschränkt. Falsch ist die Annahme, dass keinerlei Unterhalt erforderlich sei. Mindestens einmal jährlich sollte eine Fachkraft die Dachfläche begehen und dabei Entwässerungsöffnungen und Notüberläufe auf Verstopfung prüfen, Kiesstreifen von Vegetationseinwuchs freihalten, unerwünschte Gehölzsämlinge entfernen, die Vegetationsdecke auf Lücken und Schäden kontrollieren sowie Anschlüsse und Abdichtungsränder auf Beschädigungen überprüfen.

Besonders kritisch sind Gehölzsämlinge, die sich aus dem Windflug von Birken, Weiden, Eschen oder anderen Pioniergehölzen auf der Dachfläche ansiedeln. Ihre Wurzeln können auch wurzelfeste Abdichtungen langfristig beschädigen, wenn sie nicht rechtzeitig entfernt werden. Dasselbe gilt für Kletterpflanzen, die von Fassaden auf das Dach übergreifen. Die Kontrolle auf Gehölzaufwuchs gehört deshalb zur Standardaufgabe jeder Dachbegrünungspflege.

Düngung ist bei extensiven Systemen nur in Ausnahmefällen erforderlich, etwa wenn die Vegetationsdecke nach einem Extremsommer lückig geworden ist und nachgeholfen werden soll. Wird gedüngt, sind ausschließlich Langzeitdünger mit niedrigem Stickstoffanteil geeignet, weil ein Überangebot an Nährstoffen unerwünschte Hochgräser und Ruderalpflanzen fördert, die die Sedum-Gesellschaft verdrängen. Bewässerung ist bei extensiven Dächern in der Regel nicht vorgesehen; in Trockenperioden können Sedum-Matten vollständig eintrocknen und sich nach dem nächsten Regen aus den überlebenden Pflanzenteilen regenerieren. Dieser Mechanismus ist produktspezifisch und sollte bei der Auswahl des Mattensystems geprüft werden.

Typische Fehler und Missverständnisse bei Dachbegrünung Matten

Der häufigste Planungsfehler ist die unzureichende Berücksichtigung der Entwässerung. Dachbegrünung Matten verlangsamen den Wasserabfluss erheblich, heben ihn aber nicht auf. Wenn Entwässerungsöffnungen zu klein dimensioniert, falsch positioniert oder durch die Matte abgedeckt werden, kann Stauwasser entstehen, das die Abdichtung dauerhaft belastet und die Vegetation schädigt. Die FLL-Richtlinie gibt Mindestabstände zwischen Begrünungsmatte und Entwässerungsöffnung sowie Mindestquerschnitte für die Entwässerung vor, die in der Planung zwingend einzuhalten sind.

Ein weiteres Missverständnis betrifft die Gleichsetzung von Dachbegrünung und Gründach im Sinne einer ökologischen Ausgleichsfläche. Nicht jede Sedum-Matte auf einem Flachdach erfüllt automatisch die Anforderungen, die Bebauungspläne oder Grünordnungspläne an Ausgleichsflächen stellen. Ob eine Dachbegrünung als Ausgleich anerkannt wird, hängt von der Substratdicke, der Pflanzenartenzusammensetzung, der Flächengröße und den spezifischen Festsetzungen des jeweiligen Plans ab. Planer sollten diese Anforderungen frühzeitig mit der zuständigen Behörde abstimmen.

Schließlich wird die Bedeutung der Abnahme nach der Verlegung unterschätzt. Eine ordnungsgemäße Abnahme umfasst die Prüfung der Vegetationsdecke auf Bedeckungsgrad und Artenvielfalt, die Kontrolle der Randausbildung und Anschlüsse sowie eine Dokumentation des Ausgangszustands, die als Referenz für spätere Pflegemaßnahmen und Gewährleistungsansprüche dient. Fehlt diese Dokumentation, sind spätere Auseinandersetzungen über Mängel kaum sachgerecht zu klären.

Dachbegrünung Matten im Kontext der Stadtentwicklung und Klimaanpassung

Dachbegrünung Matten sind kein Selbstzweck. Ihre Stärke entfaltet sich, wenn sie als Teil einer integrierten Strategie zur Klimaanpassung und Freiraumplanung eingesetzt werden. Städte, die Dachbegrünungen im Bebauungsplan vorschreiben oder durch kommunale Förderprogramme unterstützen, erzielen messbare Effekte auf den Wasserhaushalt, die Stadttemperatur und die Biodiversität, die über die Wirkung einzelner Gebäude weit hinausgehen. Städte wie Stuttgart, München und Basel haben Dachbegrünung als Pflichtbestandteil in bestimmten Baugebieten verankert und dabei Erfahrungen gesammelt, die zeigen, dass Qualitätssicherung durch klare technische Anforderungen und Kontrolle entscheidend für den langfristigen Erfolg ist.

Für Landschaftsarchitekten und Stadtplaner sind Dachbegrünung Matten ein Instrument, das in der Freiraumplanung zunehmend selbstverständlich wird, aber weiterhin präzises Fachwissen erfordert. Die Auswahl des richtigen Systems, die Abstimmung mit Tragwerk, Abdichtung und Entwässerung, die Festlegung geeigneter Pflanzengesellschaften und die Organisation des Unterhalts sind Aufgaben, die professionelle Kompetenz verlangen. Wer diese Kompetenz einbringt, schafft Dachflächen, die über Jahrzehnte funktionieren, ökologisch wirksam sind und die Gebäude selbst schützen. Das ist der eigentliche Mehrwert von Dachbegrünung Matten: nicht die schnelle Optik, sondern die dauerhafte, multifunktionale Leistung im Stadtgefüge.

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Schmalkalder Bürger als Bodenbelag-Experte

Die Gestaltung der Innenstadt Schmalkaldens von terra.nova war eins der wichtigsten Naturstein-Projekte der letzten Jahre. In der Fachwerkstadt im Süden Thüringens wurden in den vergangenen zehn Jahren rund 21 000 Quadratmeter Naturstein verlegt. Das Projekt kommt nun zum Abschluss und dank eines übergreifenden Konzepts fügt sich alles zusammen. 


Schmalkalden hat eine bewegte Geschichte. Das sieht Stadtplaner Peter Wich schon, als er sich das erste Mal das Luftbild anschaut: Der historische Stadtkern ist im Mittelalter wild gewachsen. Straßen, Gassen und Gebäude entstanden einfach als Antwort auf den jeweiligen Bedarf. Als die Stadt 2002 über ein Wettbewerbsverfahren die Gestaltung des öffentlichen Raums in der Altstadt ausschreibt, ist dem Gründer von terra.nova Landschaftsarchitektur deshalb schnell klar: Dieses Projekt wird für sein Büro ein besonderes, wenn er es gewinnt.

Und tatsächlich überzeugt sein Ansatz die Wettbewerbs-Jury. Wich greift darin die städtebauliche Entwicklung auf, die er schon auf dem Luftbild gesehen hat. Diese teilt sich in zwei wesentliche Phasen: die Entstehung der Alt- und der Neustadt. Er sieht als Bodenbelag überall Natursteinpflaster vor. Das soll auch Stadtgeschichte sichtbar machen: Das eingesetzte Pflaster in Alt- und Neustadt unterscheidet sich in Farbe und Verbandgestaltung und definiert so die beiden Stadtbereiche. Generell, so Wich, galt es „diese geschichtsträchtige Stadt, die durch ihr Fachwerk schon wahnsinnig reich an Elementen ist, nicht zu überformen, sondern ein ruhiges und zugleich differenziertes Erscheinungsbild zu gestalten.“

Bevor er und sein Team anfangen, ein detailliertes Gestaltungskonzept zu entwickeln, nimmt er sich gemeinsam mit dem Weimarer Planungsbüro PAD Zeit für eine detaillierte Analyse des bestehenden Stadtbodens. Es geht darum, wo in früherer Zeit welche Materialien verlegt wurden – und das verwendete Material möglichst wieder aufzugreifen. Nicht überall ist das leicht zu erkennen. In Schmalkaldens Straßen wurden in der DDR-Zeit teilweise großformatig Kunststeinplatten über bestehendes Pflaster verlegt. Später, der Überfahrbarkeit und besseren Begehbarkeit wegen, asphaltierte man Verkehrsstraßen noch mit Schwarzdecke. Besonders das Wissen eines Schmalkalder Bürgers ist neben den Archiv-Unterlagen wertvoll, erinnert sich Wich: „Der Geologe hatte sich intensiv mit dem Thema Natursteine in der Schmalkalder Altstadt befasst und kannte die petrographische Zuordnung. Er konnte auch sagen, aus welchen Steinbrüchen der Region diese Pflastersteine kamen. Die meisten davon waren leider längst stillgelegt.“

90 Prozent skandinavischer Naturstein

Ausgehend von den historischen Belägen entwickelt terra.nova ein Gesamtbodenkonzept für Schmalkalden. Das Konzept berücksichtigt auch die städtebaulichen Entwicklungsstufen. Abgestimmt mit der Denkmalbehörde und dem Landesverwaltungsamt in Weimar grenzt es mögliche Belags-Materialien farbig und in Sachen Oberflächenbearbeitung ein. „Die Herausforderung bestand darin, Naturstein in passender Farbigkeit zu finden. Der Naturstein muss allerdings den heutigen Anforderungen an Witterungsbeständigkeit und Überfahrbarkeit entsprechen“, so Wich. Diese Anforderung sowie finanzielle Aspekte begründen, dass in der Umsetzung der ersten drei Bauabschnitte zu 90 Prozent skandinavischer Naturstein verbaut wurde, zu geringem Anteil auch chinesischer.

Das Material ähnelt petrographisch und farblich sehr den damals verwendeten, heimischen Basalt-, Diabas-, Sandstein- und Konglomeratgesteinsarten. Ein rötliches Material, bestehend aus ortstypischem Fambacher Buntsandstein, ist beispielsweise sehr witterungsanfällig. Es wurde deshalb durch ein nahezu gleichfarbiges Quarzit-Material aus Skandinavien ersetzt. Die Planer haben aber, betont Wich, wo immer es möglich war, vorhandenes oder von der Stadt eingelagertes Material wiederverwendet. Das machte schon aus ökologischen Gründen Sinn.

Wilder Verband in der Altstadt, geordneter Reihenverband in der Neustadt

Schmalkaldens Altstadtkern, willkürlich entstanden, unregelmäßig und verwinkelt gewachsen, gruppiert sich um die Stadtkirche. Straßen und Plätze mit unterschiedlichen Raumprofilen wechseln sich ab. Dort lässt terra.nova einen Teppich aus einer Mischung braun-rotbrauner Granite und Granodiorite mit gesägt-geflammter Oberfläche in wildem Verband verlegen. Den trapezförmigen Altmarkt hebt Wich dabei als zentralen Ort des öffentlichen Lebens mit einem Rahmen aus feinkörnigen Granit-Natursteinplatten hervor. Rund um die Stadtkirche macht der Belag ein Stück Geschichte Schmalkaldens sichtbar. „Dort liegt heute ein wiedereingebautes Lesepflaster, das wir sortieren und nachbehauen ließen und das bei archäologischen Grabungen entdeckt wurde“, so Wich.

Die Neustadt dagegen, bereits angelegt im regelmäßigem Stadtgrundriss, in geraden Straßen und orthogonaler Gestaltung, bekommt als Belag anthrazitfarbenen Granit und Granodiorit. Die Steine werden in geordnetem Reihenverband verlegt und haben ebenfalls eine gesägt-geflammte Oberfläche. Wich erklärt zum Konzept der Umgestaltung: „Durch die Materialentscheidung und die unterschiedliche Verlegeart in Alt- und Neustadt zeigen wir die unterschiedlichen Epochen, ohne dass Schmalkalden ‚auseinanderfällt‘. Wir wollen nicht eine Epoche in den Vordergrund stellen, sondern eben gerade die heutige Gesamterscheinung einer gewachsenen Stadt zeigen.“ Das Ergebnis wirkt stimmig und wurde mit mehreren Preisen ausgezeichnet, unter anderem mit dem Deutschen Landschaftsarchitekturpreis.

 

terra.nova weitestgehend zufrieden

Aktuell wird in Schmalkalden der fünfte Bauabschnitt umgesetzt: der Schlossberg. „Auch hier verwenden wir das wilde Pflaster, das wir vorgefunden haben, wieder. Es besteht aus Lesepflaster in rötlich bis rotbrauner bis basaltähnlicher Färbung. Verlegt in den Seitenbereichen wurde die historische Schlossauffahrt als Fahr- und Lauffläche mit einem Quarz-Porphyr im Netzverband hergestellt. Die Oberfläche ist eine Mischung aus geflammt und bruchrau um die historische Haptik zu erreichen und gleichzeitig gute Begehbarkeit zu gewährleisten“, erklärt Wich. Der sechste und letzte Bauabschnitt des Wettbewerbs wird sich drei Gassen widmen, die Richtung Neumarkt führen. 
terra.nova ist mit kleineren Einschränkungen zufrieden mit der bisherigen Entwicklung der umgestalteten Areale.

In Schmalkalden hat man jedoch nach der Umgestaltung teilweise ausschließliche Fußgängerbereiche in Verkehrsflächen umgewidmet und Fußgängerzonen aufgelöst. Deshalb kommt es zu lokalen Schäden des Pflasters, das wesentlich intensiver befahren wird als vorgesehen. Es handelt sich um ungebundenes Pflaster – zweimal jährlich wäre deshalb eine Fugenpflege durch Nachsplitten notwendig. Besonders in den Bereichen, die mit Straßenkehrmaschinen gereinigt werden, die nicht quer, sondern nach oben saugen. Um die dort fast bis zur Hälfte geleerten Fugen nicht zusätzlich zu destabilisieren, ist regelmäßige Pflege entscheidend. Leider sei diese ausdrückliche Empfehlung der Planer nicht berücksichtigt worden. „Solch punktuelle Schäden können sich ausweiten. Im Hinblick auf die Langlebigkeit der Bodenbeläge ist es essenziell, Pflegehinweise zu beachten“, so Wich.

Projekt Glücksfall für die Stadt

Mit der enormen Großflächigkeit des Projekts und der etappenweisen Umsetzung nach einem übergeordneten Gestaltungsprinzip ist Schmalkalden ein Glücksfall für die Stadtplanung. Wich wünscht sich derartige Gesamtbodenkonzepte auch für andere Städte. Meist hätten es die Planer mit kleineren Projekten und bereits begonnenen Umgestaltungsmaßnahmen zu tun. Im besten Fall ergäben aber auch viele kleine Flächen ein stimmiges Gesamtbild. Und: „Für ein Stadtbild sind gestalterische Vorgaben sehr gut, die über mehrere Politikperioden gelten.“ In Schmalkalden fügen sich die verwendeten Materialien auch in das Gesamterscheinungsbild der Altstadt ein. Sie orientieren sich am Material der historischen Treppen, Fenster- und Türgewände und Mauern.

In alten Städten ist es oft das Beste, die Historie als Ansatz zu nutzen, findet Wich: „So entsteht ein harmonischer Eindruck, der die Historie respektiert und nicht überformt.“ 
Naturstein als Belag sei dabei erste Wahl, weil sich Herstellung und Bearbeitungsweise 
stark verbessert hätten. Somit sei eine lange Nutzbarkeit gegeben. Auch die umfassenden technischen Richtlinien und die daraus resultierenden, notwendigen Belagsformate und Steindicken tragen dazu laut Wich bei. Vorbei sind die Zeiten, in denen Innenstädte mit Kleinpflaster verlegt und so zu dauernden Wackelkandidaten im Wortsinn wurden. „In Sachen Belag wünschen sich Städte ja eigentlich alle das gleiche: etwas Langlebiges ohne massiven Pflegeaufwand.“

Alle Fotos: Boris Storz

Dieser Beitrag erscheint im Rahmen des Monatsthemas „Textur“ der Märzausgabe 2019 von Garten + Landschaft.

Der Superkilen in Kopenhagen ist gescheitert. Die Bürger in der Gesamtheit nutzen den Platz eher als Durchgangsraum statt zu verweilen, und das obwohl sie in den Planungsprozess durch Partizipation integriert waren – das ergibt eine langjährige Analyse von Studenten der Danish Institute for Study Abroad. Die Planer des Superkilen haben im Laufe des Entwurfs- und Entwicklungsprozesses die Bürger unter anderem gebeten, Artefakte aus ihren Herkunftsländern für den neuen Stadtplatz vorzuschlagen. Eine ganzheitliche Planung mit Co-Creation und Prototypen wäre ein Mittel gewesen, um die Akzeptanz für den Platz zu erhöhen.

Co-Creation

Co-Creation stammt ursprünglich aus der Wirtschaft, die in den 1990er Jahren begann, Konsumenten in den Entwicklungsprozess von Produkten einzubinden. Die Forschungsgruppe Leading Cities definiert Co-Creation in der Stadtentwicklung als „den aktiven Ideens- und Informationsfluss zwischen fünf Sektoren: Regierung, Wirtschaft, Wissenschaft, Non-Profit-Organisationen und Bürgern, die Teilhabe, Engagement und Entwicklung fördert.“

Was ist der Unterschied zu Bürgerbeteiligung? Bürgerbeteiligung ist für Planer ein Mittel um mehr über die Haltungen und Meinungen der Anwohner zu erfahren und neue Ideen zu entwickeln. Sie erhöhen die Akzeptanz für ein Projekt. Die Co-Creation bezieht hingegen von Anfang an die wichtigsten Sektoren der Gesellschaft gleichberechtigt ein.

Sie bietet daher für Bürger und Bürgerorganisationen eine bessere Möglichkeit, wirklich gehört zu werden und mehr Einfluss in Planungsprozesse zu gewinnen. Die Co-Creation betrachtet die Nutzer stärker als proaktive Bürger, denn als Konsumenten, und hat eher die langfristigen kulturellen Veränderungen und die gesamte Gemeinschaft, statt einzelner Benutzergruppen im Blick. Wo die Bürgerbeteiligung die Meinung der Bürger in ein bereits vorgeschriebenes Programm integrieren wollen, hilft Co-Creation den zukünftigen Nutzern, ihre eigenen Entscheidungen zu formen und durchzusetzen. Co-Creation ist im besten Sinne ein endloser Prozess, der Austausch zwischen den Beteiligten findet regelmäßig statt.

Von Co-Creation bringt eine Reihe von Vorteilen mit sich. Die Öffentlichkeit liefert Input und fühlt sich gleichberechtigt, die Bürger fühlen sich ernst genommen. Sie werden ihre Lebensumgebung sehr viel aufmerksamer wahrnehmen. Die Regierung muss im Gegenzug sehr viel stärker auf die Bürger und die anderen Sektoren eingehen und reagieren. Sie spart im Gegenzug allerdings Kosten, denn es wird nur umgesetzt, was tatsächlich gebraucht und genutzt wird, das Risiko eines neuen Projekts ist dementsprechend gering.

Prototypen

In großen Design-Projekten wie dem Superkilen ist es enorm wichtig, die Ideen vorab zu testen, bevor sie ein fester Teil der Landschaft oder Stadt werden. Es ist ein langer Weg von der abstrakten Idee, Analyse und Bürgerbeteiligung bis hin zur konkreten Installation. Der Prototyp sollte als Lernwerkzeug verstanden werden, das im nächsten Schritt optimiert und verändert werden kann. Prototype sind ein demokratischer Weg, mit öffentlichem Raum umzugehen, sie verringern außerdem das Risiko eines gescheiterten Projekts und unnötigen Ausgaben.

Der ganzheitliche Ansatz

Vereint man die Co-Creation mit der Vorgehensweise der Prototypen, wird es leichter, die Potentiale eines Platzes auszuloten. Dieser ganzheitliche Ansatz führt zu nachhaltigeren und lebendigeren Plätzen in der Stadt. Der Superkilen jedoch mit einer Annahme gestartet, Co-Creation und Prototype hätten zu einem anderen Design geführt. Die Nutzer würden den Platz besser annehmen und ihn sich besser zu eigen machen. Vielleicht wäre auch eine kritischere Auseinandersetzung mit der Anfangsidee erreicht worden.

Die aktuelle Analyse des Platzes von Bianca Hermannsen lesen Sie hier.
Robert Schäfer besuchte den Superkilen 2012, direkt nach der Eröffnung. Seine Kritik zum neuen Stadtplatz in Kopenhagen lesen Sie hier.
Wie BIG zusammen mit den Anwohnern in deren Herkunftsländer reist, um Artefakte für den Superkilen auszuwählen, sehen Sie hier im Video.