Datenethik in der Stadtplanung – wer entscheidet über urbane Algorithmen?

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Verkehrsreiches Stadtleben und imposante Hochhäuser in der Innenstadt, fotografiert von Bin White

Smarte Algorithmen entscheiden längst über Verkehrsflüsse, Grünräume und Lebensqualität in unseren Städten – doch wer entscheidet eigentlich über die Algorithmen? Datenethik in der Stadtplanung ist kein Nischenthema mehr, sondern die Schaltzentrale einer neuen urbanen Machtverteilung. Wer hier nur an Datenschutz denkt, hat die eigentliche Debatte verpasst. Willkommen im Dschungel zwischen digitaler Innovation, demokratischer Verantwortung und dem Kampf um die Hoheit über urbane Codes.

  • Definition und Relevanz von Datenethik im Kontext der Stadtplanung
  • Wie Algorithmen urbane Entscheidungsprozesse prägen und beeinflussen
  • Die Rolle von Governance, Transparenz und Verantwortlichkeit bei digitalen Stadtmodellen
  • Risiken von algorithmischer Verzerrung, Black-Box-Systemen und Kommerzialisierung
  • Best-Practice-Beispiele und aktuelle Herausforderungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz
  • Partizipation und demokratische Kontrolle über urbane Daten und Algorithmen
  • Wechselwirkungen zwischen technologischem Fortschritt und ethischen Leitplanken
  • Perspektiven für eine gerechte, nachhaltige und inklusive Stadtentwicklung im Zeitalter der Daten

Datenethik in der Stadtplanung: Warum Algorithmen zur neuen städtischen Macht werden

Die urbane Planung hat sich in den letzten Jahren rasant gewandelt. Was früher mit Kartonmodellen, Flurkarten und viel Bauchgefühl begann, wird heute von gewaltigen Datenströmen und immer raffinierteren Algorithmen gesteuert. Von Verkehrsmanagement bis Flächennutzungsplan, von Klimaanpassung bis Bürgerbeteiligung – überall dort, wo Entscheidungen über das urbane Leben fallen, sind Daten die neue Währung. Doch mit dem Siegeszug der digitalen Stadt entstehen auch neue ethische Fragen: Wer setzt die Parameter für die künstliche Intelligenz, die unsere Städte steuert? Welche Interessen fließen in die Entwicklung von Algorithmen ein? Und wie viel Kontrolle bleibt der Öffentlichkeit, wenn zentrale Planungsaufgaben von Black-Box-Systemen übernommen werden?

Die Datenethik ist längst mehr als ein Schlagwort für Datenschützer. Sie ist zu einem zentralen Bestandteil verantwortungsvoller Stadtentwicklung avanciert. Während Sensoren, Apps und digitale Zwillinge immer mehr Bereiche des urbanen Lebens erfassen, verlagert sich die eigentliche Entscheidungsgewalt von politischen Gremien hin zu den Architekturen der Algorithmen. Wer diese Algorithmen konzipiert, trainiert und überwacht, hält letztlich den Schlüssel zur Stadt der Zukunft in der Hand. Doch Transparenz, Nachvollziehbarkeit und demokratische Legitimation sind dabei alles andere als selbstverständlich.

Stadtplaner stehen damit vor einer doppelten Herausforderung: Einerseits gilt es, das enorme Potenzial datengetriebener Werkzeuge zu nutzen, um komplexe urbane Systeme besser zu verstehen und zu steuern. Andererseits müssen sie sicherstellen, dass diese Systeme nicht zu neuen Machtinstrumenten werden, die sich einer öffentlichen Kontrolle entziehen. Die Frage nach der Datenethik ist im Kern eine Frage nach der Zukunft der städtischen Demokratie – und nach dem Selbstverständnis der Planungsdisziplinen.

Auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist das Thema hochaktuell. Während digitale Zwillinge, Sensorik und KI-gestützte Stadtmodelle in einigen Kommunen bereits eingesetzt werden, fehlt vielerorts noch ein klares ethisches Fundament. Die Diskussionen um Datenschutz, Datensouveränität und algorithmische Fairness stecken oft noch in den Kinderschuhen. Nicht zuletzt, weil der technische Fortschritt der politischen und gesellschaftlichen Reflexion häufig weit voraus ist.

Wer also entscheidet über urbane Algorithmen? Es sind längst nicht mehr nur die Planungsämter oder die Softwareentwickler im Hintergrund. Die Verantwortung liegt bei einer Vielzahl von Akteuren: von den politischen Entscheidungsträgern über die Zivilgesellschaft bis hin zu den Unternehmen, die die technischen Infrastrukturen liefern. Doch solange die ethischen Leitplanken fehlen, bleibt die Verteilung der Macht im digitalen Stadtlabor oft intransparent – ein Zustand, der nicht nur rechtlich, sondern auch gesellschaftlich brisant ist.

Wie Algorithmen Stadt machen: Chancen, Risiken und blinde Flecken

Um zu verstehen, warum Datenethik so entscheidend für die Stadtplanung ist, lohnt sich ein genauer Blick auf die Funktionsweise urbaner Algorithmen. Ob bei der Verkehrslenkung, der Steuerung von Energieflüssen oder der Prognose von Klimarisiken – Algorithmen analysieren riesige Datenmengen, erkennen Muster und treffen auf dieser Basis Entscheidungen, die für Millionen Menschen Konsequenzen haben. Sie priorisieren Ampelschaltungen, berechnen die optimale Lage von Grünflächen, prognostizieren Mietentwicklungen und beeinflussen mitunter sogar, wo neue Wohnquartiere entstehen.

Doch so beeindruckend diese Technologie auch ist, sie ist keineswegs neutral. Jeder Algorithmus ist das Ergebnis zahlloser Vorannahmen, Wertentscheidungen und Zielkonflikte. Welche Daten werden einbezogen, welche bleiben außen vor? Wie werden Zielgrößen wie Lebensqualität, Nachhaltigkeit oder soziale Gerechtigkeit gewichtet? Und wer legt fest, was als „Erfolg“ gilt? Hier beginnt das eigentliche Minenfeld der Datenethik – denn Algorithmen können bestehende Ungleichheiten reproduzieren oder gar verstärken, wenn sie auf verzerrten oder unvollständigen Datensätzen basieren.

Ein klassisches Beispiel: Bei der Analyse von Verkehrsströmen werden häufig nur die Daten von Autofahrern erfasst, während Fußgänger und Radfahrer statistisch unterrepräsentiert sind. Das Ergebnis sind Planungen, die Autofahrer bevorzugen und alternative Mobilitätsformen benachteiligen. Ähnlich verhält es sich bei der Planung von Sozialwohnungen, wenn historische Daten zu Segregationseffekten führen, statt diese zu überwinden. Der Algorithmus ist damit nicht der neutrale Schiedsrichter, sondern oft selbst Teil des Problems.

Die Risiken gehen allerdings noch weiter. Immer mehr Städte setzen auf sogenannte Black-Box-Systeme – komplexe Modelle, deren Entscheidungsfindung für Außenstehende kaum nachvollziehbar ist. Solche Systeme bergen die Gefahr, dass zentrale Planungsentscheidungen automatisiert werden, ohne dass klar ist, wer die Verantwortung trägt oder wie Fehler korrigiert werden können. Die Kommerzialisierung urbaner Daten durch private Anbieter verschärft das Problem zusätzlich: Wer die Kontrolle über die Dateninfrastruktur verliert, verliert auch die Hoheit über die Stadtentwicklung.

Dennoch bietet die Digitalisierung enorme Chancen. Algorithmen können helfen, Planungsprozesse zu beschleunigen, Szenarien besser zu vergleichen und Beteiligungsmöglichkeiten zu erweitern. Voraussetzung ist allerdings, dass sie offen, nachvollziehbar und partizipativ gestaltet werden. Nur so können sie zu Werkzeugen einer gerechteren, nachhaltigeren und inklusiveren Stadt werden – statt zum Spielball ökonomischer oder politischer Interessen.

Governance und Kontrolle: Wer darf entscheiden, wie entschieden wird?

Die Frage nach der Kontrolle über urbane Algorithmen ist letztlich eine Frage der Governance. Wer bestimmt die Regeln, nach denen Algorithmen entwickelt, trainiert und eingesetzt werden? In vielen Kommunen ist diese Verantwortung noch nicht klar geregelt. Oft sind es externe Softwareanbieter, die die technischen Standards vorgeben – während die Verwaltung lediglich die Anwendung überwacht. Das führt zu einer gefährlichen Asymmetrie: Die technische Macht liegt bei wenigen Unternehmen, während die demokratische Kontrolle hinterherhinkt.

Ein weiteres Problem ist die mangelnde Standardisierung. Während einige Städte bereits Leitlinien für den ethischen Umgang mit Daten und Algorithmen entwickeln, fehlt es vielerorts an verbindlichen Normen. Unterschiedliche Datenschutzregeln, uneinheitliche technische Schnittstellen und divergierende Rechtsauffassungen erschweren die Zusammenarbeit – insbesondere über Kommunal- und Ländergrenzen hinweg. Die Folge: Insellösungen, die wenig skalierbar sind und eine Fragmentierung der digitalen Stadtlandschaft begünstigen.

Gleichzeitig wächst der Druck, Algorithmen transparent und nachvollziehbar zu machen. Open-Source-Initiativen, offene Datenplattformen und Bürgerbeteiligung werden oft als Allheilmittel gehandelt – doch auch hier lauern Fallstricke. Denn Transparenz allein reicht nicht aus, wenn die zugrundeliegenden Modelle zu komplex sind, um sie wirklich zu verstehen. Es braucht zusätzliche Mechanismen, um die Verantwortlichkeit sicherzustellen: etwa durch unabhängige Prüfstellen, Ethikräte oder partizipative Gremien, die den Einsatz von Algorithmen überwachen.

In der Praxis zeigt sich, dass Governance keine einmalige Aufgabe ist, sondern ein kontinuierlicher Aushandlungsprozess. Wer heute über die Parameter eines Stadtmodells entscheidet, bestimmt morgen mit, wie Ressourcen verteilt, Risiken gemanagt und Lebensqualität definiert wird. Deshalb ist es essenziell, die Governance-Strukturen so zu gestalten, dass sie flexibel, lernfähig und offen für neue Anforderungen bleiben.

Best-Practice-Beispiele aus Skandinavien, den Niederlanden oder der Schweiz zeigen, dass eine enge Verzahnung von Technik, Recht und Zivilgesellschaft möglich ist. Dort werden urbane Algorithmen nicht nur von oben verordnet, sondern gemeinsam entwickelt – in Reallaboren, Bürgerworkshops und interdisziplinären Teams. Der Weg dorthin ist jedoch steinig und erfordert einen langen Atem, klare politische Ziele und eine solide institutionelle Verankerung.

Partizipation, Transparenz und gerechte Stadt: Wege zur ethischen Stadtplanung

Die offene Gesellschaft lebt vom Mitmachen – und genau hier liegt eine der größten Chancen der digitalen Stadtplanung. Denn Algorithmen müssen nicht in dunklen Serverräumen entstehen, sondern können zum Gegenstand öffentlicher Debatte, Kritik und Mitgestaltung werden. Partizipative Formate, wie sie etwa in Zürich, Wien oder Kopenhagen erprobt werden, setzen genau hier an: Sie holen Bürger, Experten und Verwaltung an einen Tisch, um gemeinsam die Regeln für den Einsatz von Daten und Algorithmen zu entwickeln.

Transparenz ist dabei das zentrale Stichwort. Wer nachvollziehen kann, wie Algorithmen funktionieren, kann sich auch aktiv in die Stadtentwicklung einbringen. Visualisierungen, offene Schnittstellen und verständliche Dokumentationen helfen, aus komplexen technischen Systemen greifbare Werkzeuge für die Praxis zu machen. Auch Bildungsangebote – von der Grundschule bis zur Verwaltung – sind unerlässlich, um die digitale Mündigkeit der Stadtgesellschaft zu stärken.

Doch Transparenz allein reicht nicht. Es braucht auch verbindliche Verfahren, um Fehlentwicklungen zu erkennen und zu korrigieren. Beschwerdemechanismen, unabhängige Prüfstellen und eine klare Zuordnung von Verantwortung sind daher unverzichtbar. Denn nur so lässt sich verhindern, dass Algorithmen zu neuen Instrumenten der Ausgrenzung oder Diskriminierung werden.

Ein weiterer Schlüssel liegt in der Vielfalt der Akteure. Je breiter die gesellschaftliche Basis, desto eher können blinde Flecken, Vorurteile oder Interessenkonflikte identifiziert und ausgeräumt werden. Interdisziplinäre Teams, die Informatik, Stadtplanung, Sozialwissenschaften und Ethik vereinen, sind deshalb mehr als nur ein Nice-to-have – sie sind die Voraussetzung für eine wirklich gerechte und nachhaltige Stadtentwicklung.

Schließlich ist die ethische Stadtplanung auch eine Frage der Haltung. Wer urbane Algorithmen nicht als reine Optimierungswerkzeuge, sondern als gesellschaftliche Gestaltungsaufgabe begreift, öffnet Raum für Innovation, Kritik und neue Ideen. Die digitale Stadt ist kein Selbstläufer – sie entsteht dort, wo Technik, Verantwortung und Gemeinwohl Hand in Hand gehen.

Fazit: Ethik als Kompass für die digitale Stadt

Datenethik in der Stadtplanung ist mehr als ein modisches Schlagwort. Sie ist der unverzichtbare Kompass für alle, die die digitale Transformation der Städte verantwortungsvoll gestalten wollen. Die urbane Zukunft wird nicht nur von technischen Innovationen, sondern vor allem von den Werten, Regeln und Verfahren geprägt, die wir heute aushandeln. Wer über urbane Algorithmen entscheidet, entscheidet über die Lebensqualität, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit der Stadt von morgen.

Die zentrale Aufgabe für Planer, Verwaltungen und Politik besteht darin, die Kontrolle über die digitalen Werkzeuge nicht aus der Hand zu geben, sondern sie als demokratische Ressource zu begreifen. Governance, Transparenz, Partizipation und Bildung sind dafür die Eckpfeiler. Nur wenn es gelingt, die Macht der Algorithmen mit den Prinzipien der offenen Gesellschaft zu verbinden, kann die digitale Stadt ihr volles Potenzial entfalten – als Raum für Innovation, Vielfalt und Zusammenhalt.

Der Weg dorthin ist anspruchsvoll und voller Zielkonflikte. Doch gerade darin liegt die Chance: Datenethik zwingt uns, die grundlegenden Fragen der Stadtentwicklung neu zu stellen – und gemeinsam Antworten zu finden, die nicht nur technisch brillant, sondern auch gesellschaftlich tragfähig sind. Wer jetzt den Mut hat, klare ethische Leitplanken zu setzen, gestaltet nicht nur den Code, sondern auch das Zusammenleben in der Stadt der Zukunft.

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Am 3. und 4. Mai 2018 lädt die Bundesstiftung Baukultur zur nächsten Baukulturwerkstatt nach Karlsruhe ein. Das Thema dieses Mal: „Stadt und Fahrradmobilität“.

 

Städte wie Münster, Berlin oder Karlsruhe haben längst begriffen, dass Rad fahren als Transportmittel immer beliebter wird, und haben deshalb die Fahrradstadt als Leitbild festgelegt. Damit löst es die autogerechte Stadt ab, die viele Städte zurückbauen. Die Fahrradstadt bietet die Chance, neue Infrastrukturkonzepte zu entwickeln.  Diese verbrauchen weniger Fläche und werten die Gestaltung des urbanen Raums auf.

Veranstaltungsprogramm

Die Baukulturwerkstatt in Karlsruhe übermittelt mithilfe von Vorträgen und Beispielprojekten die Chancen, die Fahrradmobilität für die Stadt birgt. Sie beginnt mit einer gemeinsamen Radtour – wahlweise auch einen geführten Spaziergang – am 3. Mai 2018 um 14:30 Uhr. Die darauffolgende Abendveranstaltung findet im Zentrum für Kunst und Medien statt.

Der zweite Veranstaltungstag beginnt mit Diskussionen im Karlsruhe Institute of Technology zu den Themenblocks „Mobilitätskonzepte“, „Mensch und Fahrrad“ und „Fahrradstadt machen“.  Nach dem gemeinsamen Mittagessen endet die Veranstaltung um 15 Uhr.

Das Programm:

Donnerstag, 3. Mai 2018 
14.30 Uhr Stadtspaziergang oder Fahrradtour „Karlsruhe erfahren” durch Karlsruhe
Bitte melden Sie sich verbindlich für die Fahrradtour an. Die Platzanzahl ist begrenzt.

17 Uhr Kolloquium und Empfang
Zentrum für Kunst und Medien (ZKM)
Begrüßung und Vorträge
u. a. mit Prof. Dr. Anke Karmann-Woessner, Leiterin Stadtplanungsamt Stadt Karlsruhe und
Peter Cachola Schmal, Leitender Direktor Deutsches Architekturmuseum

19.30 Uhr Podiumsdiskussion

20.15 Uhr Buffet, Fahrradkultur, Musik

Freitag, 4. Mai 2018
8.30 Uhr Eintreffen
Karlsruher Institut für Technologie (KIT)

9 Uhr Begrüßung und Vorträge
u. a. mit Prof. Markus Neppl, Karlsruher Institut für Technologie

10.30 Uhr Arbeitsräume mit Impulsen und Werkstatttischen
1 Mobilitätskonzepte
2 Mensch und Fahrrad
3 Fahrradstadt machen
u. a. mit Konrad Rothfuchs, ARGUS Stadt und Verkehr

12.45 Uhr Ergebnispodium

13.30 Uhr Baukultur-Tisch: Gespräche beim Mittagessen

15 Uhr Ende der Veranstaltung

Zur kostenlosen Anmeldung geht es hier entlang. 

Landesgartenschau 2026 in Bad Schlema: Wettbewerb entschieden

Die 10. Sächsische Gartenschau soll im Jahr 2026 in Bad Schlema stattfinden. Bildquelle: Kora27, CC BY-SA 4.0 , via Wikimedia Commons
Die 10. Sächsische Gartenschau soll im Jahr 2026 in Bad Schlema stattfinden. Bildquelle: Kora27, CC BY-SA 4.0 , via Wikimedia Commons

Das Dresdener Büro Ulrich Krüger Landschaftsarchitekten hat den Ideenwettbewerb für die Landesgartenschau 2026 in Bad Schlema gewonnen. Damit nehmen die Pläne für die Veranstaltung im Erzgebirgskreis allmählich Gestalt an. Alles zum Siegerentwurf hier.

Bergbau und Blütenpracht

Im Jahr 2026 wird in Bad Schlema im Erzgebirgskreis eine Landesgartenschau stattfinden. Dafür schrieb der Ort einen Ideenwettbewerb zur Gestaltung des Geländes durch. Die Jury kürte nun den Entwurf von Ulrich Krüger Landschaftsarchitekten aus Dresden zum Sieger. Dazu gehörte ein Preisgeld von 47 500 Euro.

Zu der Landesgartenschau werden mehrere Hunderttausend Besucher erwartet. Sie wird sich auf den Kurpark der Stadt konzentrieren. Der Siegerentwurf sieht größere Pflanzeninseln vor, durch die die Besucher*innen spazieren können. So soll sichtbar werden, dass es sich hier um eine beschädigte Landschaft handelt. Denn Bad Schlema und Umgebung leiden nach wie vor unter den Folgen des einstigen Uranbergbaus. Darüber hinaus sind Landschaftsmarken geplant, die an Fördertürme und Schornsteine erinnern sollen, ohne diese zu imitieren.

© heizHaus Architektur.Stradtplanung
© heizHaus Architektur.Stradtplanung

Von Wismutschacht zur Blütenpracht

Nach Torgau im Jahr 2022 ist Bad Schlema Gastgeber der nächsten Landesgartenschau in Sachsen. Das Event steht unter dem Titel „Von Wismutschacht zur Blütenpracht“. Dabei handelt es sich um die zehnte Gartenschau dieser Art in Sachsen. Sie wird eine Fläche von etwa 40 Hektar haben. Neben dem Kurpark als zentralem Punkt soll auch eine neue, grüne Verbindung zwischen Nieder- und Oberschlema entstehen.

 

Neue Freiflächengestaltung bei Landesgartenschau 2026

Für die 10. Sächsische Landesgartenschau wird die Stadt Aue-Bad Schlema im Jahr 2026 Gastgeberin sein. Umweltminister Günther beglückwünschte die Stadt und drückte seine Hoffnung aus, dass eine neue, nachhaltig gestaltete Besucherattraktion entstehen würde. Dies soll der früher vom Uranbergbau geprägten Region guttun und insbesondere Bad Schlema aufwerten. Rekultivierte Industrieflächen wie eine frühere Bahntrasse werden zum Verweilen einladen und eine neue Verbindung zwischen Nieder- und Oberschlema schaffen. Auch ein grünes Klassenzimmer soll entstehen, zu dem diverse Pflanzen und Flächen entstehen.

Die Pläne und Projekte für die Landesgartenschau Bad Schlema knüpfen an die umfangreichen Renaturierungs- und Sanierungsarbeiten an, die bereits stattgefunden haben. Drei Bereiche und Komplexe sollen unter Berücksichtigung der Freiflächengestaltung und des Naturschutzes teilweise saniert sowie weiterentwickelt werden. Der Freistaat Sachsen gewährt für Investitions- und Durchführungsaufgaben der Landesgartenschau einen Gesamtzuschuss von bis zu fünf Millionen Euro.

Sichtbarmachung von Historie

Der Gewinnerentwurf sieht vor, die beiden Kurparkteile West und Ost in Bad Schlema zusammenzuführen. Dafür sind eine neue Wegeführung im Osten und die Verstärkung vorhandener Strukturen im Westen geplant. Gruppenpflanzungen in Form von Hügelgärten sowie die Herstellung von Orientierungspunkten und Landmarken wie der Villa Wilisch sind ebenfalls Teil des Konzepts. Damit möchte das Büro Ulrich Krüger Landschaftsarchitekten Gebäudegrundrisse aus der Geschichte von Bad Schlema nachzeichnen. Diese Flächen werden mit Pflanzen markiert und durch vertikale Objekte lokalisiert. Zudem sind historische Informationen geplant.

Während der Landesgartenschau soll es zwei Zugänge in den Park geben. Zusätzlich sind Angebote im Gießereipark und im Umfeld des Bahnhofs Niederschlema geplant. Die Papierfabrik soll als Camping- und Zeltstandort dienen, um dem hohen Besucheraufkommen gerecht zu werden. Laut der Jury überzeugt die Arbeit des Dresdener Büros mit ihrer Sichtbarmachung der Historie und dem vielfältigen Angebot zwischen dem Naturraum Mulde und der Bergbaufolgelandschaft Bad Schlemas.

Übrigens: Auch anderswo in Sachsen wird die nachhaltige integrierte Stadtentwicklung diskutiert, um benachteiligte Quartiere zu fördern.