Design Thinking für Planungsämter – Innovation durch Perspektivwechsel

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Nachhaltige Stadtentwicklung in der Vogelperspektive: Ein Plaza mit Bäumen und Gebäuden. Foto von Nerea Martí Sesarino.

Design Thinking und Planungsämter – passt das überhaupt zusammen? Wer glaubt, Stadtplanung sei eine rein technokratische Disziplin, hat die Zeichen der Zeit verschlafen. Denn mit Design Thinking hält ein Innovationsansatz Einzug in die Verwaltung, der nicht nur Prozesse und Strukturen, sondern vor allem das Denken radikal verändert. Wo bisher Vorschriften und Hierarchien dominierten, regiert nun der Perspektivwechsel – und mit ihm die Chance auf zukunftsfähige, lebenswerte Städte. Doch wie gelingt der Sprung vom Silodenken zur kreativen Koproduktion? Und was bedeutet das konkret für Planungsämter in Deutschland, Österreich und der Schweiz?

  • Was ist Design Thinking? Grundprinzipien und Relevanz für die Stadtplanung
  • Warum Planungsämter vom Perspektivwechsel profitieren – und wo Fallstricke lauern
  • Praxiseinblicke: Wie Design Thinking in Planungsprozessen angewendet werden kann
  • Beispiele aus DACH-Städten – von der kreativen Bürgerbeteiligung bis zum Verwaltungs-Hackathon
  • Typische Herausforderungen: Hierarchien, Silos, Ressourcenknappheit und die Angst vor Fehlern
  • Vorteile für nachhaltige und resiliente Stadtentwicklung durch iterative Prozesse
  • Die Rolle von Prototypen, interdisziplinären Teams und Nutzerzentrierung
  • Wie Design Thinking die digitale Transformation von Planungsämtern antreiben kann
  • Risiken und Grenzen: Von Feigenblättchen bis Innovations-Overkill
  • Fazit: Warum sich der Mut zur Veränderung für Planungsämter langfristig auszahlt

Design Thinking: Prinzipien, Potenzial und Paradigmenwechsel in der Stadtplanung

Design Thinking ist schon lange mehr als ein Buzzword aus hippen Innovationslaboren. Der Ansatz steht für eine radikale Nutzerzentrierung, für das systematische Hinterfragen bestehender Annahmen und für das kreative Lösen komplexer Probleme in interdisziplinären Teams. Ursprünglich in der Produktentwicklung verortet, hat sich Design Thinking in den letzten Jahren als universelles Innovationswerkzeug etabliert. Doch was macht diesen Ansatz für Planungsämter in Deutschland, Österreich und der Schweiz so spannend? Die Antwort liegt in der Natur urbaner Herausforderungen: Städte sind komplexe Systeme, deren Anforderungen sich ständig verändern. Klimakrise, Wohnungsmangel, Mobilitätswende, Digitalisierung – klassische Planungslogik kommt hier schnell an ihre Grenzen. Statt linearem Abarbeiten von Vorschriften braucht es iterative, flexible und nutzerorientierte Prozesse.

Im Zentrum des Design Thinking steht das tiefe Verständnis für die Bedürfnisse der Nutzer – in der Stadtplanung sind das Bürger, Bewohner, Unternehmen, aber auch Verwaltungspartner. Diese Bedürfnisse werden nicht theoretisch angenommen, sondern aktiv erforscht: durch Interviews, Beobachtungen, Workshops und Co-Creation. Erst wenn die Problemstellung wirklich verstanden ist, beginnt die Suche nach kreativen, oft unkonventionellen Lösungen. Prototypen werden gebaut, getestet, verworfen oder verbessert – bis die Lösung wirklich überzeugt. Für Planungsämter bedeutet das: weniger Schreibtisch, mehr Dialog. Weniger Paragraphen, mehr Experiment.

Der Paradigmenwechsel, den Design Thinking in die Stadtplanung bringt, ist fundamental. Statt starrer Masterpläne und formaler Bürgerbeteiligung rücken offene Prozesse, Fehlerfreundlichkeit und Interdisziplinarität in den Fokus. Und das ist auch dringend nötig: Denn die wachsende Komplexität der Stadtentwicklung lässt sich nicht mehr mit den Werkzeugen von gestern bewältigen. Wer heute noch glaubt, ein Bebauungsplan sei das Allheilmittel, wird von der Realität überholt. Design Thinking liefert das methodische Rüstzeug, um mit Unsicherheit, Widersprüchen und Zielkonflikten produktiv umzugehen. Das verändert nicht nur die Planungsprozesse, sondern auch die Haltung in den Ämtern – und setzt ein Signal für eine neue, lernende Verwaltung.

Natürlich gibt es auch kritische Stimmen. Manche sehen im Design Thinking eine Modeerscheinung, die sich am harten Verwaltungsalltag die Zähne ausbeißt. Doch die Erfolge sprechen eine andere Sprache: Städte, die Design Thinking ernsthaft einsetzen, berichten von erhöhter Akzeptanz, besseren Lösungen und einer neuen Lust am Mitgestalten. Das Prinzip der schnellen Prototypen und iterativen Anpassungen macht auch große, komplexe Projekte handhabbar. Und nicht zuletzt schafft der Ansatz eine neue Verbindung zwischen Verwaltung und Gesellschaft – ein nicht zu unterschätzender Bonus angesichts wachsender Politikverdrossenheit.

Der eigentliche Clou am Design Thinking ist jedoch sein Potenzial, eingefahrene Denkmuster aufzubrechen. Wo früher Abwehrreflexe und Ressortegoismus dominierten, entstehen plötzlich Räume für kreativen Austausch. Und genau das ist es, was zukunftsfähige Städte brauchen: den Mut, Perspektiven zu wechseln, Neues auszuprobieren und gemeinsam zu lernen. Design Thinking ist damit weniger Methode als vielmehr Haltung – und eine Einladung, Stadtplanung neu zu denken.

Perspektivwechsel als Innovationsmotor: Warum Planungsämter Design Thinking brauchen

Planungsämter sind traditionell geprägt von Hierarchien, festen Zuständigkeiten und einem hohen Maß an Formalismus. Innovationsfreude und Experimentierlust lassen sich hier nicht einfach per Dienstanweisung verordnen. Doch gerade in der Verwaltung liegt ein enormes Innovationspotenzial – wenn der Perspektivwechsel gelingt. Design Thinking setzt genau hier an: Der Ansatz fordert dazu auf, die Welt nicht mehr nur aus der eigenen Expertenperspektive zu betrachten, sondern die Sichtweisen der Nutzer radikal einzubeziehen. Für Planungsämter bedeutet das, die Bedürfnisse der Menschen in den Mittelpunkt zu stellen – und nicht die Logik der eigenen Prozesse.

Dieser Perspektivwechsel ist unbequem, aber notwendig. Er zwingt dazu, Annahmen zu hinterfragen, blinde Flecken zu identifizieren und sich auf ungewohnte Methoden einzulassen. Plötzlich werden Bürger nicht mehr als Störfaktor im Beteiligungsverfahren gesehen, sondern als Experten für ihr eigenes Lebensumfeld. Interdisziplinäre Teams nehmen die unterschiedlichen Fachlogiken ernst und schaffen Raum für produktive Reibung. Und Führungskräfte begreifen sich nicht länger als Verwalter von Vorschriften, sondern als Ermöglicher von Innovation.

Die Vorteile eines solchen Perspektivwechsels sind erheblich. Erstens steigt die Qualität der Lösungen: Wer die Realität der Nutzer kennt, entwickelt passgenauere und nachhaltigere Konzepte. Zweitens wächst die Akzeptanz: Lösungen, die gemeinsam erarbeitet werden, stoßen auf weniger Widerstand und lassen sich schneller umsetzen. Drittens wird die Verwaltung selbst lernfähiger: Fehler werden nicht mehr als Makel, sondern als Chance zur Verbesserung gesehen. Das Ergebnis ist eine Kultur des Ausprobierens und Nachbesserns – statt Angst vor dem Scheitern.

Natürlich ist der Weg zum Perspektivwechsel kein Selbstläufer. Es braucht Mut, Routinen zu hinterfragen und neue Methoden zuzulassen. Nicht selten stoßen Design-Thinking-Initiativen auf Skepsis oder gar Widerstand: zu verspielt, zu wenig effizient, zu wenig planbar. Doch wer sich auf den Prozess einlässt, erlebt oft eine überraschende Dynamik. Plötzlich entstehen Lösungen, auf die niemand alleine gekommen wäre. Komplexe Probleme werden handhabbar, weil sie aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet werden. Und nicht zuletzt wächst das Vertrauen in die eigene Gestaltungskraft – sowohl bei den Mitarbeitern als auch bei den Bürgern.

Der Perspektivwechsel ist damit mehr als ein methodischer Trick – er ist der Schlüssel zu einer innovationsfähigen Stadtverwaltung. Design Thinking bietet die Struktur, um diesen Wandel zu begleiten. Es schafft Räume für Kreativität, fördert die Zusammenarbeit über Ressortgrenzen hinweg und gibt den Menschen eine Stimme, die sonst oft überhört werden. Für Planungsämter ist das eine echte Chance – und vielleicht die wichtigste Voraussetzung für zukunftsfähige Stadtentwicklung.

Design Thinking in der Praxis: Methoden, Prototypen und Stolpersteine im Planungsalltag

Wie aber sieht die Umsetzung von Design Thinking in der kommunalen Planungspraxis konkret aus? Zunächst braucht es den Mut, ausgetretene Pfade zu verlassen. Statt klassischer Workshops mit PowerPoint und Tagesordnung stehen beim Design Thinking Phasen wie Verstehen, Beobachten, Synthese, Ideenfindung, Prototyping und Testen im Mittelpunkt. Diese Phasen sind nicht starr, sondern iterativ: Erkenntnisse aus späteren Schritten fließen zurück und verändern das Verständnis des Problems. Für Planungsämter bedeutet das: schnelleres Lernen, flexiblere Anpassungen, bessere Ergebnisse.

In der Praxis starten viele Städte mit Pilotprojekten. Ein Beispiel: In Zürich wurde ein Beteiligungsprozess zur Umgestaltung eines öffentlichen Platzes als Design-Thinking-Labor aufgezogen. Statt Bürger lediglich anzuhören, wurden sie zu Co-Designern gemacht. Gemeinsam mit Planern, Architekten und Verwaltung wurden Bedürfnisse erfasst, Ideen gesammelt, Prototypen aus Pappe und Holz gebaut – und direkt vor Ort getestet. Die Folge: überraschende Lösungen, hohe Akzeptanz und ein neues Verständnis von Beteiligung.

Auch digitale Tools spielen eine zunehmend wichtige Rolle. Interaktive Karten, virtuelle Prototypen oder Online-Dialoge ergänzen den klassischen Beteiligungsmix. In Wien wurde etwa ein Simulationsmodell für die Verkehrsplanung in einem neuen Quartier gemeinsam mit Anwohnern und Mobilitätsexperten erarbeitet. Die Nutzer konnten Szenarien durchspielen, Feedback geben und eigene Vorschläge einbringen. Das Ergebnis war ein Plan, der nicht nur besser funktionierte, sondern auch auf breite Zustimmung stieß.

Natürlich gibt es Stolpersteine. Viele Planungsämter kämpfen mit knappen Ressourcen, fehlender Zeit und mangelnder Erfahrung im Umgang mit agilen Methoden. Hier hilft der Blick auf kleine, überschaubare Projekte: Ein Design-Thinking-Workshop zur Verbesserung der Abläufe im Bauamt, ein Prototyp für eine neue Beteiligungsplattform, ein Experiment mit interdisziplinären Teams bei der Entwicklung eines Grünflächenkonzepts. Entscheidend ist, dass der Prozess ergebnisoffen und lernorientiert bleibt – und dass Fehler als Teil des Weges akzeptiert werden.

Ein oft unterschätzter Erfolgsfaktor ist die Haltung der Führungskräfte. Wenn die Chefetage Design Thinking nur als Feigenblatt für Innovation oder als Pflichtübung betrachtet, scheitert der Ansatz schnell. Erfolgreiche Projekte zeigen: Es braucht Führungskräfte, die den Prozess ernst nehmen, Ressourcen bereitstellen und die Mitarbeiter ermutigen, neue Wege zu gehen. Nur so kann Design Thinking seine volle Wirkung entfalten – und aus der Verwaltung eine lernende, innovative Organisation machen.

Von der Verwaltung zur lernenden Organisation: Chancen und Grenzen von Design Thinking

Design Thinking ist kein Zauberstab, der alle Probleme der Stadtplanung im Handumdrehen löst. Der Ansatz stößt an Grenzen – und das ist auch gut so. Nicht jede Herausforderung eignet sich für kreative Methoden, nicht jede Verwaltung ist bereit für radikale Offenheit. Doch die Chancen überwiegen, wenn Design Thinking ernst genommen wird. Die Verwaltung entwickelt sich von der Befehlsempfängerin zur Mitgestalterin, von der Fehlervermeiderin zur Lernenden, vom Prozessverwalter zum Innovationsmotor.

Gerade in der nachhaltigen Stadtentwicklung entfaltet Design Thinking seine besondere Stärke. Klimaanpassung, Mobilitätswende, soziale Inklusion – all das sind Themen, die keine einfachen Antworten kennen. Hier helfen iterative Prozesse: Prototypen für neue Mobilitätsangebote, Experimente mit grüner Infrastruktur, Testläufe für digitale Bürgerbeteiligung. Fehler sind dabei keine Katastrophe, sondern notwendige Lernschritte auf dem Weg zur besten Lösung.

Ein weiterer Vorteil liegt in der Förderung von Interdisziplinarität. Stadtplanung ist längst kein Spielfeld einzelner Experten mehr. Die Herausforderungen von heute verlangen nach Teams, die Verwaltung, Planung, Technik, Sozialwissenschaft und Zivilgesellschaft zusammenbringen. Design Thinking schafft den methodischen Rahmen dafür – und sorgt dafür, dass alle Stimmen gehört werden. Das Ergebnis sind Lösungen, die tatsächlich funktionieren, weil sie die Komplexität der Stadt ernst nehmen.

Doch es gibt auch Risiken. Design Thinking kann als Feigenblatt für Beteiligung missbraucht werden, ohne echte Veränderungen zu bewirken. Oder es wird zum Selbstzweck, der sich in ewigen Workshops und Post-its verliert, statt Entscheidungen zu produzieren. Wichtig ist daher, den Ansatz nicht dogmatisch zu verstehen, sondern als Werkzeug im Dienst der Sache. Eine gute Verwaltung weiß: Nicht jede Aufgabe braucht einen Design-Thinking-Prozess. Aber bei komplexen, unübersichtlichen Problemen ist der Ansatz oft Gold wert.

Am Ende bleibt die Erkenntnis: Design Thinking ist kein Ersatz für Fachkompetenz, Planungstradition und rechtliche Rahmenbedingungen. Aber es ist ein mächtiges Vehikel, um neue Perspektiven zu eröffnen, Silos aufzubrechen und echte Innovation möglich zu machen. Für Planungsämter, die sich auf den Weg machen, winkt eine neue Rolle: als lernende Organisation, als Ermöglicherin von Stadtentwicklung – und als Gestalterin einer urbanen Zukunft, die ihren Namen verdient.

Fazit: Mut zum Perspektivwechsel – Design Thinking als Schlüssel zu innovativen Planungsämtern

Design Thinking ist mehr als ein Methodenkoffer für kreative Workshops. Es ist ein Mindset, das Planungsämter dazu befähigt, die Herausforderungen moderner Stadtentwicklung mutig, flexibel und nutzerzentriert anzugehen. Die Prinzipien des Perspektivwechsels, der Interdisziplinarität und der iterativen Verbesserung liefern das Werkzeug, um mit Komplexität, Unsicherheit und Zielkonflikten produktiv umzugehen. Wer den Mut hat, eingefahrene Denkmuster zu hinterfragen, neue Methoden zu wagen und Fehler als Lernchance zu begreifen, legt den Grundstein für eine Verwaltung, die nicht nur reagiert, sondern gestaltet.

Natürlich ist der Weg nicht frei von Hindernissen. Ressourcenmangel, Hierarchien, mangelnde Erfahrung und die Angst vor Kontrollverlust sind reale Herausforderungen. Doch die Erfahrungen aus deutschen, österreichischen und Schweizer Städten zeigen: Wo Design Thinking ernsthaft eingesetzt wird, entstehen bessere Lösungen, mehr Akzeptanz und eine neue Lust am Mitgestalten. Die Verwaltung entwickelt sich zur lernenden Organisation – und damit zur treibenden Kraft einer nachhaltigen, resilienten und lebenswerten Stadt.

Am Ende steht eine klare Botschaft: Stadtentwicklung ist kein statisches Puzzle, sondern ein lebendiger Prozess. Design Thinking eröffnet Planungsämtern die Möglichkeit, diesen Prozess aktiv und kreativ zu gestalten. Die Zukunft der Stadt gehört denen, die den Perspektivwechsel wagen – und die Verwaltung von morgen wird nicht mehr an starren Routinen, sondern an der Innovationskraft ihrer Akteure gemessen werden. Wer heute auf Design Thinking setzt, macht den entscheidenden Schritt in Richtung zukunftsfähiger Städte – und beweist, dass Verwaltung mehr kann als nur Verwaltung.

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Eine crossmediale Ausstellung im Besucherzentrum der IGA Berlin ergänzt den Gartenschau-Tag mit kurzweiligen Informationen.

“Please think!” Diese sehr deutliche Botschaft des Landschaftsarchitekten Tom Stuart-Smith (Großbritannien) macht sich auch die Ausstellung im Besucherzentrum der IGA zu eigen, in der die Dokumentation über dessen „Landscape out of nothing“ zu sehen ist. Im Video spricht der Gestalter eines der Gartenkabinette der IGA über seine Ansprüche und die Rolle der Besucher.

Eine crossmediale Ausstellungsskulptur ermöglicht es jedem IGA-Besucher, einen individuellen Parcours zu den historischen und kreativen Entstehungsprozessen der Gärten – von der 1987 eröffneten Berliner Gartenschau bis zur IGA 2017 – zu gestalten. Organisiert auf drei Ebenen, ergänzt diese Skulptur für Groß und Klein das, was man beim IGA-Besuch gesehen hat.

Videos, Fotos, Memotafeln und Originalobjekte dokumentieren den gestalterischen Ansatz, die Entwicklung der gesamten Anlage und auch die Kunst auf der IGA. Gelungen ist die Mischung unterschiedlicher Ausstellungsformen wie zum Beispiel das Video zum chinesischen Mondfest (wieder am 23. September 2017 auf der IGA), die japanischen Bauarbeiterschuhe, das Modell zum „Los Angeles Garden“ des deutschen Künstlers Martin Kaltwasser oder die Künstler- und Planerprofile. Erläuterungen zu religiös und kulturell bedingten Symbolen, die in den Gärten zu finden sind, ergänzen alles gekonnt.

Aus dieser Interaktion ist eine Ausstellung entstanden, die es schafft, Landschaftsarchitektur auf einfache, verständliche Weise und zugleich feinsinnig zu vermitteln. Sie wurde sehr kurzweilig sowohl graphisch als auch inhaltlich von der Berliner Agentur Moniteurs in Zusammenarbeit mit der Berliner Landschaftsarchitektin und Filmemacherin Susanne Isabel Yacoub aufbereitet. Diese Form der Präsentation ist nachahmenswert, bedenkt man die langjährigen Anstrengungen, eine breite Öffentlichkeit für die Profession zu erreichen.

Bedauerlich ist, dass diese kleine, sehr gelungene Ausstellung im Besucherzentrum in unmittelbarer Nachbarschaft zu den kommerziellen Angeboten der IGA ihre Wirkung nicht angemessen entfalten kann, trotz Frontverglasung, die zeitgleich den Ausblick in den Park ermöglicht.

Dr. Isabel Zintl und Dr. Katharina Voigt sind die Gründerinnen und Leiterinnen der Akademie für Raum und Wandel. © Frédéric Henry, 2024

Dr. Isabel Zintl und Dr. Katharina Voigt streben einen Wandel in der Planungspraxis an. Um diesen voranzutreiben, haben die beiden Frauen Anfang des Jahres die Akademie für Raum und Wandel gegründet. Mehr zu den Hintergründen und ihren Visionen für die Zukunft, lesen Sie hier. 

„Aktuell stehen wir vor großen globalen Herausforderungen: Themen der Bauwende sowie gesellschaftliche Veränderungen stellen drängende Fragen für unsere Zukunft und fordern ein verändertes Welt- und Selbstverständnis“, sind sich Dr. Isabel Zintl und Dr. Katharina Voigt einig. Zintl ist studierte Landschaftsarchitektin und Architektin, promovierte zu ‚Vertikalen Freiräumen‘ und arbeitet heute als Nachhaltigkeitsexpertin für strategische Stadt- und Freiraumentwicklung und als Mentorin. Voigt ist Architektin, Choreografin für zeitgenössischen Tanz und beschäftigte sich in ihrer Promotion mit dem Thema ‚Impulse und Dialoge zwischen Architektur und Körper’. Aus dem Bedürfnis, Wandel in der Planungsbranche aktiv zu gestalten, gründeten sie Anfang 2024 die Akademie für Raum und Wandel, die mit dem Herbstprogramm ab September in ihre erste Saison startet. Dabei kollaborieren sie mit einer Vielzahl an Dozent*innen, die in diesem neuen Kontext des Lernens und der Veränderung ihre Expertise teilen.

Zeit für einen Paradigmenwechsel

Trotz ihres starken akademischen Hintergrunds siedeln Zintl und Voigt ihre Plattform jenseits des klassischen Hochschulkontextes an. Dies resultiert laut Voigt aus der Erkenntnis, dass lebenslanges Lernen auch in späteren Lebensphasen essenziell, die Angebote zur Weiterbildung jedoch oft begrenzt und stark getrennt zwischen persönlicher, gesellschaftlicher und beruflicher Entwicklung seien. Im Bewusstsein dieses Defizits machen sich Voigt und Zintl für neue Lehr- und Lernformen, Möglichkeiten der Vernetzung, Austausch auf Augenhöhe und das Eröffnen neuer Themenfelder für die Planungsdisziplinen stark. Die Vision der Akademie für Raum und Wandel ist dabei klar: „Es geht uns um nicht weniger, als um einen grundlegenden Paradigmenwechsel in der Planungspraxis, der Auffassung von Raum und Wandel und dem Gestalten einer wirklich nachhaltigen gebauten Lebenswelt.“

Bei den Summerschools in der Fonte della Luna in Ligurien wird im Garten mit angepackt. © Carolin Kemkes-Günner
Bei den Summerschools in der Fonte della Luna in Ligurien wird im Garten mit angepackt. © Carolin Kemkes-Günner

Nachhaltigkeit in allen Bereichen

Für Zintl resultiert dieser ganzheitliche Ansatz auch aus ihrer jahrelangen Erfahrung als Mutter und Frau in der Baubranche: „Aus meiner Sicht, kann die notwenige »Bauwende« nicht heißen weniger abzureißen und zu betonieren, es geht auch darum zu erkennen, wie wir als Planer:innen arbeiten und leben. Denn wirkliche Nachhaltigkeit betrachtet alle Bereiche, denn auch die eigene Arbeitskraft sollte nachhaltig eingesetzt werden.“ Es sei zu beobachten, dass viele Menschen – vor allem Frauen und Mütter – wegen der Unvereinbarkeit von Privatleben und Beruf die Planungspraxis verließen. Zu viel Stress, Burnout, schlechte Bezahlung oder veraltete Machtstrukturen in den Büros seien einerseits Gründe, aus dem Beruf auszuscheiden. Doch auch moralische Fragen nach der Nachhaltigkeit der eigenen Arbeit beschäftigten heute vermehrt Arbeitnehmer*innen.

Die Akademie fördert den Austausch im digitalen und physischen Raum und will Personen mit unterschiedlichen Hintergründen zusammenbringen.  © Dr. Isabel Zintl
Die Akademie fördert den Austausch im digitalen und physischen Raum und will Personen mit unterschiedlichen Hintergründen zusammenbringen. © Dr. Isabel Zintl

Akademie für Raum und Wandel im digitalen und physischen Raum

In der Aushandlung dieser Herausforderungen und Widersprüche setzt das Angebot der Akademie an. Dabei stehen drei Felder im Mittelpunkt, in denen Zintl und Voigt einen Paradigmenwechsel anstreben: Systeme ganzheitlich statt als Einzellösungen zu betrachten, das Verständnis von Raum und Wandel zu erneuern und das Selbstverständnis von Planer*innen zu hinterfragen. Denn Person und berufliches Wirken sind für Zintl und Voigt eng verzahnt: „Wie kann man menschliche, lebenswerte und nachhaltige Räume planen, wenn diese Absicht und Regel für einen selbst nicht gilt?“

Die Akademie für Raum und Wandel will deshalb vieles anders machen und neu denken. Derzeit passierten der Austausch und die Vermittlung vor allem in Form von Workshops, Seminaren und Ausbildungen als niederschwellige Online-Angebote. Eingeladen sind alle Altersgruppen und Berufssparten der Planungspraxis, entscheidend seien Interesse, nicht eine bestimmte Vorbildung. Auch die Hintergründe der Dozent:innen sind divers. Neben dem digitalen Programm, liegt ein weiterer Fokus auf Summerschools an der Fonte della Luna in der Nähe von Genua.

Die Resonanz auf das Projekt sei schon jetzt groß. Für die Zukunft wünschen sich die Gründerinnen „dass immer mehr Teilnehmer:innen die Einladung annehmen, die Akademie für Raum und Wandel als einen neuartigen Ort  des Lernens und der Veränderung für sich nutzen und nachhaltig Neues schaffen – in der Welt und im eigenen Leben.“

Alle Informationen zur Akademie für Raum und Wandel, zum aktuellen Programm und zur Mitwirkung finden Sie hier.

Weiterlesen: Latz + Partner gestaltete die Freianlagen des Dombergs in Freising neu. Was das Projekt auszeichnet, erklären Iris Dupper und Tilman Latz im Interview.