Digitale Bodeninformationen – Sensorik für urbane Substrate

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Eine stimmungsvolle Stadtansicht mit Gebäudereihe und bewölktem Himmel, aufgenommen von Wolfgang Weiser.

Ein urbaner Untergrund, der in Echtzeit spricht: Digitale Bodeninformationen und Sensorik für urbane Substrate revolutionieren die Landschaftsarchitektur und Stadtplanung. Wer sich auf diese stille Datenrevolution einlässt, entdeckt das immense Potenzial, das unter der Oberfläche unserer Städte schlummert – und lernt, dass der Boden mehr über das urbane Leben weiß, als wir je vermutet hätten.

  • Was sind digitale Bodeninformationen und warum werden sie für die nachhaltige Stadtentwicklung immer wichtiger?
  • Wie funktionieren moderne Sensorsysteme für urbane Substrate, und welche Arten von Daten werden erfasst?
  • Welche konkreten Anwendungsfelder gibt es in der Planung, Pflege und Entwicklung urbaner Räume?
  • Wie verändern digitale Bodeninformationen die Arbeitsweise von Planern, Landschaftsarchitekten und Behörden?
  • Welche technischen, rechtlichen und kulturellen Herausforderungen stehen einer breiten Implementierung im Weg?
  • Wie können Sensorik und Datenintegration dazu beitragen, Städte klimaresilienter und lebenswerter zu machen?
  • Welche Best-Practice-Beispiele gibt es bereits aus Deutschland, Österreich und der Schweiz?
  • Wo liegen die Risiken – von Datenschutz bis zu algorithmischen Verzerrungen?
  • Warum ist die digitale Transformation des Bodens auch eine Herausforderung für das Selbstverständnis der Planungsberufe?

Digitale Bodeninformationen: Der urbane Untergrund als Datenquelle der Zukunft

Der urbane Boden – jahrzehntelang ein trüber Fleck auf den Karten der Planer, bestenfalls als Tragfähigkeit, Schadstoffbelastung oder Versiegelungsgrad vermerkt – rückt ins Zentrum einer neuen, digitalen Aufmerksamkeit. Spätestens mit dem Aufkommen von Smart City-Konzepten und digitaler Stadtentwicklung wird klar: Wer nachhaltige, widerstandsfähige und lebenswerte Städte gestalten will, muss die Komplexität urbaner Substrate verstehen. Doch während in der Vergangenheit Bodenanalysen auf Bohrkernen, Laborprotokollen und punktuellen Messungen beruhten, eröffnet die Digitalisierung jetzt völlig neue Perspektiven. Digitale Bodeninformationen entstehen, wenn Daten aus Sensoren, Satelliten, Drohnen und Geoinformationssystemen zu einem fortlaufenden, hochaufgelösten Abbild der urbanen Erde verschmelzen.

Der Charme digitaler Bodeninformationen liegt nicht nur in ihrer Präzision, sondern vor allem in ihrer Dynamik. Der Boden wird nicht mehr als statische Schicht betrachtet, sondern als aktives System, das auf Klima, Nutzung und Pflege reagiert. Sensorik ermöglicht es, die wichtigsten Eigenschaften – Feuchte, Temperatur, Nährstoffgehalte, Verdichtung, Durchwurzelung, Schadstoffbelastung – kontinuierlich und flächendeckend zu erfassen. Selbst Pilzgeflechte, mikrobielle Aktivität oder der CO₂-Austausch können heute digital überwacht werden. Die gewonnenen Daten fließen in digitale Karten, Modelle und Simulationsumgebungen ein. So entsteht eine neue Grundlage für Planung, Monitoring und Management urbaner Räume.

Die Bedeutung dieser Entwicklung kann kaum überschätzt werden. Urbane Böden sind das Fundament für Biodiversität, Regenwassermanagement, städtische Landwirtschaft, Klimaresilienz und Aufenthaltsqualität. Bisherige Planungsinstrumente konnten diese Komplexität oft nur unzureichend abbilden. Mit digitalen Bodeninformationen erhalten Planer ein Werkzeug, das nicht nur informiert, sondern auch zur Vermeidung von Fehlplanungen und teuren Nachbesserungen beiträgt. Die Möglichkeiten reichen von der frühzeitigen Erkennung von Verdichtungsproblemen über die gezielte Steuerung von Bewässerungssystemen bis hin zur prädiktiven Modellierung städtischer Hitzeinseln.

Doch wie entsteht eigentlich dieser Datenschatz? Die Basis bildet ein Netzwerk aus Sensoren, die direkt im Boden oder an dessen Oberfläche installiert werden. Ergänzt werden sie durch mobile Messsysteme, die etwa von Drohnen getragen werden, sowie durch Fernerkundungsdaten und klassische Bodenproben. Die Kunst liegt in der Integration und Interpretation – denn Rohdaten allein schaffen noch keine Erkenntnis. Algorithmen werten Strömungen, Trends und Abweichungen aus und geben konkrete Handlungsempfehlungen.

Die Entwicklung digitaler Bodeninformationen ist kein Selbstzweck. Sie ist eine Antwort auf die steigenden Anforderungen an urbane Substrate: Immer mehr Menschen, immer dichtere Bebauung, immer extremere Wetterereignisse. Wer den Boden datenbasiert managt, kann Flächen effizienter nutzen, Risiken verringern und die urbane Lebensqualität steigern. Die Frage ist nicht mehr, ob Bodeninformationen digitalisiert werden – sondern wie schnell die Branche diese Möglichkeiten adaptiert.

Sensorik für urbane Substrate: Technologien, Daten und ihre Bedeutung

Sensorik ist das Herzstück der digitalen Transformation urbaner Böden. Was früher mit handbetriebenen Messgeräten, Bohrstöcken und Laborfläschchen begann, ist heute eine High-Tech-Domäne: Miniatursensoren, Cloud-basierte Datenplattformen, Künstliche Intelligenz und Edge Computing bilden das Rückgrat zeitgemäßer Bodenüberwachung. Doch was können diese Systeme eigentlich messen – und wie funktioniert das Zusammenspiel der Technik?

Im Mittelpunkt stehen Bodensensoren, die in verschiedenen Tiefen und an unterschiedlichen Standorten installiert werden. Sie messen kontinuierlich Parameter wie Bodenfeuchte, Temperatur, elektrische Leitfähigkeit, pH-Wert und Sauerstoffgehalt. Moderne Sensoren sind häufig mit Funkmodulen ausgestattet, die Daten in Echtzeit an zentrale Server oder IoT-Plattformen übertragen. So entsteht ein lebendiges, ständig aktualisiertes Bild des Untergrunds. Gerade in Städten, wo die Bodenverhältnisse durch Bauwerke, Leitungen und Verkehrsbelastung besonders heterogen sind, liefern solche Systeme einen unschätzbaren Mehrwert.

Ergänzt wird die stationäre Sensorik durch mobile Messsysteme. Drohnen, autonome Messroboter oder tragbare Scanner können große Flächen schnell und mit hoher Auflösung erfassen. Sie liefern zusätzliche Daten zur Oberflächenstruktur, Bodenbedeckung oder Vegetationsgesundheit. Satellitendaten runden das Bild ab, indem sie großräumige Trends wie Trockenstress oder Verdichtungszonen sichtbar machen. Die eigentliche Kunst besteht jedoch darin, diese heterogenen Datenquellen zu fusionieren und für die jeweilige Anwendung nutzbar zu machen.

Eine weitere Dimension eröffnet sich durch die Integration von Wetterdaten, städtischen Infrastrukturinformationen und historischen Bodenprofilen. So können etwa Bewässerungssysteme so gesteuert werden, dass sie den tatsächlichen Bedarf der Vegetation berücksichtigen und Wasserressourcen schonen. In der Bauleitplanung lassen sich potenzielle Schadstoffbelastungen frühzeitig erkennen und Gegenmaßnahmen einleiten. Selbst in der Grünflächenpflege und beim Urban Gardening bieten Sensorsysteme wertvolle Dienste – etwa indem sie den optimalen Zeitpunkt für die Aussaat oder die Düngung anzeigen.

Die Bedeutung dieser Technologien geht jedoch weit über die reine Datenerfassung hinaus. Sensorik für urbane Substrate wird zum Werkzeug einer neuen, datengetriebenen Planungskultur. Sie macht Unsichtbares sichtbar, gibt der Natur eine digitale Stimme und ermöglicht eine bisher ungeahnte Präzision im Umgang mit urbanen Lebensräumen. Wer als Planer heute noch auf Bauchgefühl und Erfahrungswerte setzt, läuft Gefahr, von der Realität überholt zu werden. Denn die Zukunft der Stadt entsteht im Dialog mit dem Boden – digital, vernetzt und messbar.

Anwendungsfelder und Potenziale: Wie digitale Bodeninformationen Stadtentwicklung revolutionieren

Die Einsatzmöglichkeiten digitaler Bodeninformationen sind so vielfältig wie die urbane Landschaft selbst. Besonders deutlich wird das Potenzial in der klimaresilienten Stadtentwicklung. Urbane Böden spielen eine Schlüsselrolle im Regenwassermanagement, als Speicher- und Filtermedium sowie als Pufferschicht bei Starkregenereignissen. Sensorik ermöglicht es, Überschwemmungsrisiken frühzeitig zu erkennen, die Durchlässigkeit von Flächen zu überwachen und Maßnahmen zur Rückhaltung oder Versickerung gezielt zu steuern. In Kombination mit digitalen Modellen lassen sich Szenarien simulieren, die den Einfluss von Versiegelung, Begrünung oder Bodensanierung auf das lokale Mikroklima abbilden.

Ein weiteres zentrales Feld ist die Biodiversität. Vielfältige, gesunde Böden sind die Grundlage für artenreiche Vegetation und stabile Ökosysteme im urbanen Raum. Sensorik kann helfen, Veränderungen im Bodenleben, Nährstoffhaushalt oder Feuchtehaushalt frühzeitig zu erkennen und gezielte Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen einzuleiten. In der Landschaftsarchitektur eröffnen sich damit neue Möglichkeiten, die Standortbedingungen für Pflanzungen präzise zu analysieren und Projekte auch langfristig erfolgreich zu steuern.

Auch im Bereich der Bauleitplanung und Flächennutzung bieten digitale Bodeninformationen einen entscheidenden Mehrwert. Bei der Entwicklung neuer Quartiere oder Infrastrukturprojekte lassen sich Risiken wie Altlasten, Verdichtung, Setzungen oder Erosionsgefahren schon in der Frühphase erkennen und vermeiden. Das spart nicht nur Kosten, sondern erhöht auch die Planungssicherheit. Digitale Bodeninformationen können so direkt in die Szenarienentwicklung, Umweltprüfung und Genehmigungsverfahren einfließen und machen Planung transparenter und nachvollziehbarer.

Darüber hinaus gewinnen digitale Bodeninformationen für die Pflege und das Management städtischer Grünflächen an Bedeutung. Intelligente Bewässerungssysteme, die sich an Echtzeitdaten orientieren, reduzieren den Wasserverbrauch und helfen, Pflanzen stressfreier durch Hitzeperioden zu bringen. Sensorik unterstützt das Monitoring von Spiel- und Sportplätzen, Parks oder Straßenbäumen – etwa indem sie Verdichtungen erkennt, bevor Schäden sichtbar werden. Im Kontext der Urban Agriculture ermöglichen digitale Bodeninformationen eine ressourcenschonende und ertragreiche Bewirtschaftung auch auf kleinen, innerstädtischen Flächen.

Schließlich leisten digitale Bodeninformationen auch einen Beitrag zur Bürgerbeteiligung und Umweltbildung. Offene Datenplattformen und Visualisierungstools machen den Zustand des Bodens für alle sichtbar und nachvollziehbar. Sie schaffen Transparenz, fördern das Verständnis für komplexe Zusammenhänge und ermöglichen eine neue Form der Mitbestimmung. So wird die digitale Transformation des Bodens auch zu einer gesellschaftlichen Chance – vorausgesetzt, sie wird verantwortungsvoll gestaltet und bleibt kein exklusives Expertenthema.

Herausforderungen, Risiken und Best-Practice: Was die Branche noch bremst und wie Vorreiter den Weg ebnen

So verheißungsvoll die Potenziale digitaler Bodeninformationen sind, so vielfältig sind auch die Herausforderungen, die ihrer breiten Einführung im Weg stehen. Der erste Stolperstein ist die technische Komplexität. Sensorik muss robust, ausfallsicher und wartungsarm sein – gerade im urbanen Umfeld, wo Bauarbeiten, Vandalismus oder elektromagnetische Störungen keine Seltenheit sind. Die Integration und Standardisierung der Daten ist eine weitere Hürde. Unterschiedliche Systeme, herstellerspezifische Schnittstellen und proprietäre Formate erschweren die Zusammenführung und Auswertung der Messwerte. Erst offene Standards und interoperable Plattformen ermöglichen die volle Entfaltung des Potenzials.

Damit eng verbunden ist die Frage des Datenschutzes und der Datensouveränität. Wer darf Bodeninformationen erfassen, speichern und auswerten? Wie werden personenbezogene oder sensible Daten geschützt? Gerade bei der Integration von Sensorik in privat genutzten Flächen, etwa bei Urban Gardening-Projekten oder im Wohnumfeld, sind klare Regelungen und transparente Prozesse unerlässlich. Hier ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Kommunen, Betreibern und der Zivilgesellschaft gefragt.

Nicht zu unterschätzen sind auch die kulturellen Herausforderungen. Die digitale Transformation des Bodens verlangt von Planern, Landschaftsarchitekten und Behörden ein Umdenken. Es reicht nicht, neue Technik zu beschaffen – vielmehr müssen Kompetenzen aufgebaut, Prozesse angepasst und tradierte Routinen hinterfragt werden. Das erfordert Mut, Offenheit und die Bereitschaft, von anderen Disziplinen zu lernen. Gerade in Deutschland, Österreich und der Schweiz, wo Planungskulturen historisch stark von Normen und Erfahrungswissen geprägt sind, ist das oft ein längerer Weg.

Trotz aller Hürden gibt es bereits zahlreiche Best-Practice-Beispiele, die zeigen, wie es gehen kann. In Zürich etwa werden Sensoren im öffentlichen Grün zur Steuerung der Bewässerung genutzt, was Wasserverbrauch und Pflegekosten signifikant senkt. In Wien liefert ein stadtweites Bodenmonitoring-System die Grundlage für gezielte Maßnahmen im Hitzeschutz und zur Förderung der Biodiversität. Und in deutschen Städten wie Frankfurt oder München werden digitale Bodeninformationen in die Entwicklung neuer Wohnquartiere integriert, um Risiken frühzeitig zu adressieren und nachhaltige Lösungen zu entwickeln. Die Erfolgsfaktoren? Ein offenes Mindset, die Zusammenarbeit unterschiedlicher Akteure und der Mut, auch einmal zu experimentieren.

Gleichzeitig zeigen diese Projekte, wo die Reise hingehen kann – und welche Risiken es zu adressieren gilt. Dazu gehören algorithmische Verzerrungen bei der Auswertung, die Gefahr einer Kommerzialisierung sensibler Umweltdaten und die Versuchung, komplexe ökologische Prozesse auf scheinbar einfache Zahlen zu reduzieren. Die Zukunft der digitalen Bodeninformationen liegt daher nicht in der Totalüberwachung des Untergrunds, sondern in einer klugen, verantwortungsvollen Nutzung der Technologie. Sie ist Werkzeug, nicht Selbstzweck – und verlangt nach fachlicher Exzellenz, kritischer Reflexion und gesellschaftlichem Dialog.

Zwischen digitaler Revolution und planungspraktischer Relevanz: Wie digitale Bodeninformationen die Branche verändern

Die fortschreitende Digitalisierung urbaner Substrate ist weit mehr als ein technischer Trend. Sie markiert einen Paradigmenwechsel im Selbstverständnis der planenden Berufe. Wer heute mit digitalen Bodeninformationen arbeitet, verlässt das vertraute Terrain der punktuellen Messung und betritt die Arena permanenter, datengetriebener Beobachtung. Die Planung wird fluider, iterativer, reaktiver. Entscheidungen können nicht mehr allein auf Erfahrungswerten oder subjektiven Einschätzungen fußen, sondern müssen sich an objektiven, dynamischen Daten orientieren.

Für Planer, Landschaftsarchitekten und Behörden bedeutet das eine neue Verantwortung. Sie werden zu Datenmanagern, Vermittlern und Übersetzern zwischen Technik, Natur und Gesellschaft. Der Umgang mit digitalen Bodeninformationen verlangt nicht nur technisches Know-how, sondern auch kommunikative und ethische Kompetenzen. Wie werden Daten verständlich aufbereitet? Wie wird mit Unsicherheiten und Zielkonflikten umgegangen? Wie lassen sich technologische Innovation und soziale Teilhabe miteinander verbinden?

Gleichzeitig eröffnen sich neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit. Die Schnittstellen zwischen Planung, Betrieb, Pflege und Forschung werden durch die Digitalisierung des Bodens durchlässiger. Interdisziplinäre Teams aus Geowissenschaftlern, IT-Experten, Landschaftsarchitekten und Bürgern entwickeln gemeinsam Lösungen, die früher undenkbar gewesen wären. Die Stadt wird zum Labor – und der Boden zum Medium eines neuen, dialogischen Planungsprozesses.

Doch die digitale Revolution des Bodens ist kein Selbstläufer. Sie verlangt kontinuierliche Weiterbildung, Investitionen in Technik und Infrastruktur sowie einen langen Atem bei der Umsetzung. Sie fordert die Bereitschaft, eigene Routinen zu hinterfragen, Fehler zu akzeptieren und aus ihnen zu lernen. Vor allem aber verlangt sie einen offenen Umgang mit Unsicherheit – denn auch die genaueste Messung kann die Komplexität urbaner Böden nie vollständig erfassen. Die Kunst liegt darin, aus vielen Daten kluge, nachhaltige Entscheidungen abzuleiten.

Am Ende steht eine neue, datenbasierte Planungspraxis, die den Boden nicht mehr als blinden Fleck, sondern als aktiven Partner im urbanen System begreift. Wer diesen Wandel gestaltet, statt ihn nur zu beobachten, eröffnet Städte neue Perspektiven für Nachhaltigkeit, Lebensqualität und Resilienz. Und leistet einen Beitrag dazu, dass der urbane Untergrund nicht länger schweigt, sondern mitredet – digital, präzise und zukunftsweisend.

Fazit: Der urbane Boden spricht – und die Zukunft hört zu

Digitale Bodeninformationen und Sensorik für urbane Substrate sind weit mehr als ein weiteres Buzzword der Smart City-Debatte. Sie markieren einen tiefgreifenden Wandel im Umgang mit einem der wichtigsten, aber oft unterschätzten Elemente der Stadt: dem Boden. Wer diese Daten zu lesen, zu deuten und in die Planung zu integrieren versteht, verschafft sich einen entscheidenden Vorsprung auf dem Weg zu klimaresilienten, lebenswerten und nachhaltigen Städten. Die Herausforderungen sind groß – technisch, organisatorisch und kulturell. Doch die Chancen, die sich durch die Digitalisierung des Untergrunds eröffnen, sind es wert, mutig ergriffen zu werden. Am Ende steht eine neue Balance zwischen Technik und Natur, zwischen Planung und Prozess, zwischen Wissen und Handeln. Und das Beste daran: Der urbane Boden beginnt endlich, seine Geschichte zu erzählen – und wir haben die Chance, zuzuhören.

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Die Ausstellung Nordic Urban Spaces in den Nordischen Botschaften Berlin zeigt nordische Architektur und Städtebau. Die Ausstellung ist noch bis zum 28. September zu sehen. 

Wie gutes skandinavisches Design fallen auch die Stadtgestaltungsprojekte der Ausstellung„Nordic Urban Spaces“ in Berlin durch zurückhaltende, markante Formen und pragmatische Ansätze auf. Es sind keine Zweckbauten. Ihre Planer haben die Herausforderung angenommen über den reinen Nutzwert hinaus Mehrwert zu schaffen, sei es gestalterisch, funktional, ökologisch, energetisch oder partizipativ. Ein simples Beispiel dafür ist die 2014 eröffnete „Cykelslangen”, eine 230 Meter lange und vier Meter breite Fahrradrampe. Die schlanke, stählerne Brücke schlängelt sich durch den Kopenhagener Hafen. Die Konstruktion des Kopenhagener Büros Dissing+Weitling architecture ermöglicht Radfahrern den Bereich am Fisketorvet-Einkaufszentrum zügig zu durchqueren, ohne dabei mit den Fußgängern in Konflikt zu geraten. Neben dem Erlebnis die Rampe komplett für sich zu haben, eröffnet sie Radfahrern dabei einen spektakulären Ausblick über den Hafen. Zwischen den modernen Gebäudefassaden und über der Wasserfläche liegt sie als ikonisches Gestaltungselement.

Best-Practice

Wesentlich eindrücklicher als die sparsam beschriebenen Fotos, Pläne und Schemata auf Tafeln vermitteln an eine Wand projizierte Videos die Projektinhalte. Sie erlauben, auch dank Kopfhörer, in die teils sehr atmosphärischen und gut erläuterten Imagevideos einzutauchen. Schade, mehr davon hätte der Ausstellung gutgetan, um die Essenz der Planungen schneller zu erfassen. Als aktuelle Sammlung skandinavischer Best-Practice-Beispiele ist die Projektschau aber unbedingt besuchenswert.

In Kooperation mit dem Institut für Stadt- und Regionalplanung der TU Berlin zeigen die Nordischen Botschaften in Berlin noch bis 28. September 41 Projekte unterschiedlichen Maßstabs: städtebauliche Planungen, Parks und Uferpromenaden, Brücken, öffentliche Gebäude, Wohnungsbau und U-Bahnstationen sind darunter. Aber auch Beispiele für Partizipation und ökologische Initiativen für Erwachsene und Kinder. Gemeinsam haben sie, dass die Konzepte in Norwegen, Schweden, Finnland, Dänemark oder Island großteils schon realisiert wurden oder manche noch umgesetzt werden sollen.

Wichtige Antworten

Wo: Nordische Botschaften, Rauchstraße 1, 10787 Berlin

Wann: 6. Juni bis 28. September 2018, Montag bis Freitag 10–19.00 Uhr, Samstag und Sonntag: 11-16.00 Uhr

 

Der Deutsche Städtebaupreis 2025 sucht nach innovativen, zukunftsweisenden Projekten. Die Bewerbung ist bis zum 30.09.2024 möglich.
Der Deutsche Städtebaupreis 2025 sucht nach innovativen, zukunftsweisenden Projekten. Die Bewerbung ist bis zum 30.09.2024 möglich.

Der mit 25.000 Euro dotierte Deutsche Städtebaupreis dient schon seit 40 Jahren der Förderung einer zukunftsweisenden Planungs- und Stadtbaukultur. Bis zum 30. September können sich Interessierte für den Deutschen Städtebaupreis 2025 bewerben. Das Thema des Sonderpreises 2025: „Umbaukultur in der zirkulären Stadt“.

Der Deutsche Städtebaupreis, ausgelobt von der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung (DASL) und gefördert von der Wüstenrot Stiftung, prämiert städtebauliche Projekte, die sich durch nachhaltige, innovative Beiträge zur Stadtbaukultur auszeichnen. Die Projekte sollen den aktuellen Anforderungen an zeitgemäße Lebensformen Rechnung tragen. Zudem sollen sie Herausforderungen an die Gestaltung des öffentlichen Raums, dem sparsamen Ressourcenverbrauch sowie Verpflichtungen gegenüber der Orts- und Stadtbildpflege gerecht werden.

Als Ideengenerator gilt der begehrte Sonderpreis, der besonders dringliche Handlungsfelder im Städtebau und der Stadtplanung betont. Beim Deutschen Städtebaupreis 2025 lautet das Thema dieses Preises „Umbaukultur in der zirkulären Stadt“. Die Bewerbung ist vom 1. April bis 30. September 2024 möglich.

Das Gesamtkonzept zählt

Der Deutsche Städtebaupreis ist mit insgesamt 25.000 Euro dotiert. Er wird schon seit über 40 Jahren verliehen und soll so eine innovative Planungs- und Stadtbaukultur in Deutschland fördern. Bewerbungen sind ab jetzt bis Ende September unter www.staedtebaupreis.de möglich.

Die Auslobung des Städtebaupreises bietet eine gute Gelegenheit, Projekte einem breiten Publikum zu präsentieren und sich mit Expert*innen und Fachleuten auszutauschen. Die Bekanntgabe der prämierten Projekte erfolgt im Rahmen einer Oscar-inspirierten Preisverleihung im Mai 2025 in der Berliner Akademie der Künste.

Teilnehmende Projekte müssen nach dem 1. Januar 2019 an Orten in der Bundesrepublik Deutschland realisiert worden sein. Dabei dürfen Konzeption und Entwurf weiter zurückliegen. Auch teilrealisierte Projekte können am Deutschen Städtebaupreis 2025 teilnehmen, wobei es möglich sein muss, von den realisierten Abschnitten auf das Gesamtkonzept zu schließen.

Die Bewerbung muss bis zum 30. September 2024 (Datum des Poststempels) eingehen. Teilnehmen können freischaffende und angestellte Stadtplaner*innen, Architekt*innen, Landschaftsarchitekt*innen sowie öffentliche und private Planungsträger*innen. Bewerber*innen müssen ihr Projekt online registrieren und die erforderlichen Unterlagen für die jeweilige Preiskategorie einreichen.

Verkündung des Deutschen Städtebaupreises 2025 im Mai

Die Jury des Deutschen Städtebaupreises 2025 wird die eingereichten Projekte nach ihrer stadtfunktionalen, stadträumlichen, sozialen und architektonischen Qualität bewerten. Zudem blickt sie darauf, inwieweit Projekte ein Gebiet für die dort wohnenden und arbeitenden Menschen verbessern. Siegerprojekte basieren auf integrierten Konzepten und einer beispielhaften Zusammenarbeit zwischen öffentlichen und privaten Akteuren. Auch der Prozess einer gelungenen Kooperation fließt in die Bewertung mit ein.

Die folgenden Preiskategorien gibt es beim Deutschen Städtebaupreis 2025:

  • Deutscher Städtebaupreis: 15.000 Euro
  • Sonderpreis„Umbaukultur in der zirkulären Stadt“: 5.000 Euro
  • Bis zu fünf Auszeichnungen à 1.000 Euro
  • Belobigungen

Die Preisträger*innen, Ausgezeichneten und Belobigten erhalten als Zeichen der besonderen Anerkennung eine Urkunde im Rahmen der Festveranstaltung im Mai 2025. Sowohl die Siegerarbeiten als auch die anderen eingereichten Arbeiten werden im Rahmen einer bundesweiten Wanderausstellung und einer Dokumentation der Öffentlichkeit präsentiert. Die Preise werden in der Regel ungeteilt vergeben.

Mutige Akteur*innen gesucht

Der Sonderpreis des Deutschen Städtebaupreises ist besonders beliebt und hat oft eine impulsgebende Wirkung. Er dient als Ideengenerator und akzentuiert dringliche Handlungsfelder im deutschen Städtebau. Unter dem Titel „Umbaukultur in der zirkulären Stadt“ zeichnet er im Jahr 2025 Stadtbausteine aus, die städtebauliche Wandlungsfähigkeit zeigen und neue Impulse für das Quartier setzen.

Zu oft werden Nutzungen und Infrastrukturen aufgegeben. Sie hinterlassen Stadtbausteine, die auf den ersten Blick „sperrig“ erscheinen. Zugleich beinhalten sie aber auch vielfältige, meist unentdeckte Potenziale für die Umbaukultur in der zirkulären Stadt. Das können zum Beispiel leerstehende Kaufhäuser und Bürokomplexe, ehemalige Parkhäuser, aufgelassene Stadtautobahnen oder Gasthäuser im Dorf sein.

Der Preis fragt, wie durch eine Umbaukultur städtebauliche Impulse entstehen und welchen Beitrag Konzepte leisten können, um Monofunktionalität zu durchbrechen und die Gestaltungsqualität von Quartieren zu verbessern. Besonders wichtig ist, dass das Siegerprojekt das Konzept der zirkulären Stadt konkret umsetzt.

Der Deutsche Städtebaupreis 2025 formuliert den Aufruf für Bewerbungen auf den Sonderpreis wie folgt: „Wir suchen neue Blicke auf die Begabungen von Gebäuden und der gebauten Umwelt, mutige Akteur:innen in den Prozessen des Städtebaus sowie innovative Planungs-, Finanzierungs- und Umsetzungsmodelle. Willkommen sind Projekte, die bereits fertiggestellt oder soweit fortgeschritten sind, dass die zu erwartenden Impulse für das Quartier erkennbar sind.“

Der Sonderpreis sucht nach Vorzeigebeispielen für die Umbaukultur in der zirkulären Stadt. Credit: Josh Power
Der Sonderpreis sucht nach Vorzeigebeispielen für die Umbaukultur in der zirkulären Stadt. Credit: Josh Power

Münchner Werksviertel gewann 2023

Die erste Jurysitzung für den Deutschen Städtebaupreis 2025 wird im November 2024 stattfinden, gefolgt von der Bereisung der Projekte durch die Jury im November und Dezember. Im Januar 2025 folgt eine zweite Jurysitzung und die Entscheidung wird Mitte Februar beim Berlin-Symposium getroffen.

Die Jury des Deutschen Städtebaupreises 2025 setzt sich wie folgt zusammen:

  • Juryvorsitzender: Dipl.-Ing. Tim von Winning, Bürgermeister für Stadtentwicklung, Bau und Umwelt, Ulm
  • Dr. Thomas Drachenberg, Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum
  • Sabine Müller, SMAQ Architektur und Stadt, Berlin
  • Marie-Theres Okresek, bauchplan ).( landschaftsarchitekten und stadtplaner
  • -Ing. Jórunn Ragnarsdóttir, LRO Lederer Ragnarsdóttir Oei, Stuttgart
  • PD Dr. Anja Reichert-Schick, Wüstenrot Stiftung, Ludwigsburg
  • -Ing. Monika Thomas, Präsidentin DASL, Hamburg und Ständiger Gast für den Wissenschaftlichen Beirat
  • Dr. Christina Simon-Philipp, Hochschule für Technik Stuttgart

Der Deutsche Städtebaupreis wird seit 1980 alle zwei Jahre vergeben. Er hat einen ganzheitlichen Anspruch und fordert die Teilnehmenden so heraus, wegweisende, interdisziplinäre und weitsichtige Projekte zu entwickeln, die den Ansprüchen der Gesellschaft entsprechen und diese zugleich formen.

Der letzte Deutsche Städtebaupreis ging im Jahr 2023 nach München und ehrte das Werksviertel, ein Projekt, das auf Grundlage des Bestands ein buntes Nebeneinander unterschiedlicher Nutzungen generiert. Der Ort soll zu allen Tages- und Nachtzeiten belebt werden und hat dabei einen experimentellen Charakter.

Mehr zum Münchner Werksviertel lesen Sie hier.