Digitale Bürgerbeteiligung neu gedacht – von Gamification bis KI-Auswertung

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Schöner Blick auf eine deutsche Stadt mit charakteristischen Gebäuden, fotografiert von Ries Bosch.

Digitale Bürgerbeteiligung galt lange als „nice to have“ – doch die Zeiten des Online-Fragebogens sind vorbei. Heute revolutionieren Gamification und Künstliche Intelligenz die Beteiligungslandschaft: Beteiligungsportale werden zu Erlebnisräumen, Algorithmen entschlüsseln Bürgermeinungen, und die Stadt von morgen entsteht live im Dialog zwischen Verwaltung, Planung und Stadtgesellschaft. Wer hier nur an Like-Buttons denkt, unterschätzt die Wucht dieses Paradigmenwechsels – und verpasst die Chance auf echte, datenbasierte Mitwirkung.

  • Definition und Status quo digitaler Bürgerbeteiligung im deutschsprachigen Raum
  • Innovative Ansätze: Gamification als Treiber für Motivation und Inklusion
  • Künstliche Intelligenz: Von der Auswertung unstrukturierter Daten bis zur Szenario-Entwicklung
  • Praxisbeispiele aus Deutschland, Österreich und der Schweiz
  • Rechtliche, ethische und kulturelle Herausforderungen digitaler Beteiligungsformen
  • Potenzial für transparentere Planung und resilientere Quartiere
  • Risiken von algorithmischer Verzerrung und digitaler Spaltung
  • Best Practices für Kommunen und Planungsbüros
  • Perspektiven: Von vernetzten Plattformen bis zu KI-gestützten Bürgerdialogen
  • Fazit: Warum digitale Beteiligung kein Tool, sondern eine neue Haltung ist

Digitale Bürgerbeteiligung: Von der Online-Petition zur partizipativen Prozessarchitektur

Digitale Bürgerbeteiligung ist längst kein Randphänomen mehr, sondern ein zentrales Element moderner Stadtplanung. Was vor einem Jahrzehnt mit statischen Beteiligungswebseiten, simplen Umfragetools und Online-Petitionen begann, hat sich zu einer hochdynamischen Prozesslandschaft entwickelt, die klassische Beteiligungsformate nicht ersetzt, sondern radikal erweitert. Die Digitalisierung bricht die Grenzen von Zeit und Raum auf: Plötzlich können Anwohner einer geplanten Umgehungsstraße ihre Meinung per Smartphone äußern, können Jugendliche das Design eines neuen Stadtparks in einem Webgame mitgestalten, und können Planungsbüros in Echtzeit auf Feedback reagieren, das in der analogen Welt Monate gedauert hätte.

Doch wie steht es um die reale Akzeptanz digitaler Beteiligung in Deutschland, Österreich und der Schweiz? Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Während in skandinavischen Ländern und den Niederlanden digitale Plattformen wie FixMyStreet oder CitizenLab längst Standard sind, agieren viele deutschsprachige Kommunen noch vorsichtig. Die Gründe sind vielfältig – von Datenschutzbedenken über fehlende Ressourcen bis hin zur Angst, Kontrolle aus der Hand zu geben. Dennoch zeigen jüngste Studien, dass digitale Beteiligung nicht nur die Quantität, sondern auch die Qualität der Mitwirkung steigern kann, sofern sie klug gestaltet und professionell moderiert wird.

Ein zentrales Merkmal der neuen digitalen Beteiligung ist die Verschiebung vom Ereignis zur Prozessarchitektur. Beteiligung wird nicht mehr als einmaliges Event verstanden, sondern als kontinuierlicher, iterativer Dialog zwischen Verwaltung, Planung und Stadtgesellschaft. Plattformen wie CONSUL oder die Open-Source-Tools der Stadt Zürich erlauben es, Vorschläge einzureichen, zu diskutieren, zu bewerten und bis zur Umsetzung nachzuverfolgen. Diese Transparenz schafft Vertrauen – vorausgesetzt, die Rückkopplung funktioniert. Denn nichts ist frustrierender als eine Beteiligung, deren Ergebnisse im digitalen Nirwana verschwinden.

Spannend ist zudem der Wandel der Zielgruppen: Digitale Formate sprechen nicht mehr nur die üblichen Verdächtigen an – also gut vernetzte, informationsaffine Bürger mit viel Zeit –, sondern öffnen Beteiligung auch für bisher marginalisierte Gruppen: junge Menschen, Berufstätige, Zugewanderte. Hierin liegt eine enorme Chance für mehr Vielfalt und Inklusion, aber auch eine Herausforderung an die Barrierefreiheit und Usability der Plattformen.

Doch so verheißungsvoll die Möglichkeiten sind: Die digitale Beteiligung ist kein Selbstläufer. Sie muss mit analogen Formaten verzahnt, rechtlich abgesichert und technisch robust umgesetzt werden. Und sie verlangt nach einer neuen Beteiligungskultur, die Fehler zulässt, Erwartungen steuert und auch mit Kritik professionell umgeht. Wer Beteiligung nur als Pflichtübung betrachtet, wird von der Transparenz und Dynamik der digitalen Tools schnell überrollt.

Gamification: Wie digitale Spielformen die Beteiligung revolutionieren

Gamification – also die Integration spieltypischer Elemente in nicht-spielerische Kontexte – ist das Buzzword der Stunde, wenn es um digitale Bürgerbeteiligung geht. Doch was steckt dahinter? Im Kern geht es um nichts weniger als die radikale Erhöhung von Motivation und Interaktionsrate: Abstimmung wird zum Wettbewerb, Ideensammlung zum Strategiespiel, Kommentarfunktion zum Minigame. Das Ziel: Spaß erzeugen, Hemmschwellen abbauen und Beteiligung zum Erlebnis machen.

Ein Paradebeispiel ist die Plattform „U_CODE“, entwickelt unter Beteiligung der Technischen Universität München. Hier werden Stadtentwicklungsprozesse in digitale Spielewelten übersetzt: Nutzer können Stadtviertel gestalten, Gebäude verschieben, Bäume pflanzen – und erleben dabei in Echtzeit die Auswirkungen ihrer Entscheidungen auf Klima, Verkehr oder Aufenthaltsqualität. Die Ergebnisse fließen direkt in städtebauliche Szenarien ein. Dieser Ansatz spricht vor allem jüngere Zielgruppen an, die mit klassischen Planungswerkzeugen kaum erreichbar sind.

Auch in Wien und Zürich werden Gamification-Elemente gezielt eingesetzt. Auf der Plattform „Mitgestalten Zürich“ etwa können Bürger Punkte sammeln für konstruktive Beiträge, erhalten Badges für besonders kreative Ideen und können im Rahmen von Wettbewerben kleine Preise gewinnen. Das steigert die Beteiligungsquote signifikant – und sorgt oft für überraschend hohe inhaltliche Qualität, da der spielerische Rahmen die Kreativität ankurbelt.

Doch Gamification ist kein Allheilmittel. Kritiker warnen vor einer Banalisierung komplexer Planungsfragen oder einer Manipulation durch Punktesysteme. Wer allerdings auf eine intelligente Balance setzt – also spielerische Elemente einführt, ohne die Ernsthaftigkeit der Themen zu untergraben –, kann Beteiligung nachhaltig aufwerten. Entscheidend ist dabei die Transparenz der Spielregeln: Wer Einfluss nehmen kann, wie Vorschläge gewertet werden und welche realen Konsequenzen die digitalen Spiele haben.

Ein weiterer Vorteil von Gamification ist die niedrigere Einstiegshürde. Während klassische Beteiligungsworkshops oft von einer kleinen, homogenen Gruppe dominiert werden, öffnen digitale Spiele den Zugang für eine breite Stadtgesellschaft. Sie ermöglichen Experimente ohne reale Konsequenzen, fördern das Verständnis für Zielkonflikte und machen den Planungsprozess nachvollziehbar. Richtig eingesetzt, ist Gamification daher weit mehr als ein Gimmick – sie ist ein Katalysator für dialogische, inklusive und kreative Stadtentwicklung.

Künstliche Intelligenz: Von der Datenauswertung zur Szenarioplanung

Künstliche Intelligenz (KI) ist das heimliche Rückgrat der neuen digitalen Beteiligung. Während die Oberfläche freundlich und einladend daherkommt, arbeiten im Hintergrund immer leistungsfähigere Algorithmen, die Daten auswerten, Stimmungen erkennen und sogar neue Planungsoptionen vorschlagen. Doch wie funktioniert das konkret – und wo liegen die Chancen und Risiken?

Beginnen wir mit der Datenauswertung: Moderne Beteiligungsplattformen generieren eine Flut an unstrukturierten Daten – von Freitextkommentaren über Skizzen bis hin zu Fotouploads. Hier kommen Natural Language Processing (NLP) und Bildanalyse-Algorithmen ins Spiel. Sie identifizieren Trends, filtern Schwerpunktthemen und erkennen potenzielle Konflikte. In München wurde beispielsweise eine KI eingesetzt, um Tausende von Bürgerbeiträgen zur Umgestaltung des Isarufers zu clustern und daraus zentrale Handlungsfelder abzuleiten. Das Ergebnis: eine präzisere, repräsentativere Auswertung als mit klassischen Methoden.

Doch KI kann noch mehr: In Hamburg wurde im Rahmen des Projekts „Connected Urban Twins“ ein Algorithmus entwickelt, der auf Basis von Bürgerfeedback automatisiert städtebauliche Szenarien generiert und simuliert. Die Nutzer können so nicht nur ihre Meinung äußern, sondern auch die Auswirkungen ihrer Vorschläge in Echtzeit erleben – etwa Verkehrsverlagerungen, Schallausbreitung oder Klimafolgen. Das eröffnet völlig neue Möglichkeiten der partizipativen Stadtentwicklung.

Ein weiteres Anwendungsfeld ist die automatische Moderation von Beteiligungsplattformen. KI-basierte Systeme erkennen unsachliche Beiträge, Spam oder diskriminierende Inhalte und filtern diese vorab. Das schützt den Dialog, entlastet die Moderatoren und sorgt für eine konstruktive Diskussionskultur. Allerdings ist hier größte Sorgfalt geboten: Algorithmen sind nicht frei von Vorurteilen (Bias), und ihre Entscheidungen müssen transparent und nachvollziehbar bleiben.

Schließlich eröffnet KI auch neue Wege zur Inklusion: Übersetzungsdienste, Spracherkennung und barrierefreie Interfaces machen Beteiligung für Menschen mit unterschiedlichen sprachlichen oder körperlichen Voraussetzungen zugänglich. Gleichzeitig besteht jedoch das Risiko, dass technikferne Gruppen abgehängt werden. Die Herausforderung lautet daher: KI-gestützte Beteiligung muss inklusiv, erklärbar und ethisch verantwortbar gestaltet werden – sonst droht eine digitale Spaltung der Stadtgesellschaft.

Best Practices und Stolpersteine: Was Kommunen und Planer wissen müssen

Die Praxis zeigt: Digitale Bürgerbeteiligung ist ein mächtiges Instrument, aber kein Selbstläufer. Kommunen, Planungsbüros und Landschaftsarchitekten, die auf digitale Beteiligung setzen, müssen eine Vielzahl von Faktoren beachten – von der Auswahl der Plattform über die Moderation bis hin zur Integration in bestehende Planungsprozesse. Ein zentrales Erfolgsrezept ist die Verknüpfung digitaler und analoger Formate. Beteiligungsworkshops, Bürgerversammlungen und Stadtspaziergänge lassen sich durch digitale Tools ergänzen, aber nicht vollständig ersetzen. Wer beide Welten intelligent kombiniert, erreicht die höchste Beteiligungsqualität.

Ein weiteres Erfolgsgeheimnis ist die frühzeitige Einbindung relevanter Akteure. Digitale Beteiligung funktioniert am besten, wenn Verwaltung, Politik, Planung und Stadtgesellschaft von Anfang an gemeinsam an der Plattform arbeiten. In Zürich etwa wird jede neue Beteiligungsplattform in einem iterativen Prozess mit Bürgern, NGOs und Experten entwickelt und laufend evaluiert. So entstehen Tools, die nicht nur technisch, sondern auch sozial und kulturell anschlussfähig sind.

Ein Dauerbrenner bleibt die Frage nach Datenschutz und Datensouveränität. Gerade in Deutschland ist das Misstrauen gegenüber digitalen Plattformen groß – nicht zuletzt wegen der Erfahrungen mit Datenlecks und Überwachung. Erfolgreiche Projekte setzen daher auf Open-Source-Lösungen, transparente Datenschutzrichtlinien und freiwillige Registrierung. In Wien und Hamburg werden Bürgerdaten anonymisiert und getrennt von inhaltlichen Beiträgen gespeichert. Das schafft Vertrauen – und ist rechtlich alternativlos.

Zu den größten Stolpersteinen gehören technische Hürden und mangelnde Barrierefreiheit. Eine Plattform, die auf dem Smartphone nicht funktioniert, ist für viele Nutzer schlicht unsichtbar. Ebenso müssen alle Inhalte in leichter Sprache, mit Vorlesefunktion oder Übersetzungsoptionen verfügbar sein. Nur so lässt sich echte Inklusion erreichen – alles andere ist digitaler Feigenblatt-Aktionismus.

Nicht zuletzt ist die Erwartungssteuerung entscheidend. Beteiligung erzeugt Ansprüche – und Frustration, wenn am Ende nichts passiert. Erfolgreiche Projekte kommunizieren klar, was möglich ist, wann Ergebnisse vorliegen und wie die Beiträge tatsächlich Einfluss nehmen. Rückkopplung und Transparenz sind der Schlüssel – sonst wird aus digitaler Beteiligung schnell digitale Enttäuschung.

Perspektiven: Die Zukunft der digitalen Beteiligung zwischen Plattform, KI und Kulturwandel

Blicken wir nach vorn: Die digitale Bürgerbeteiligung steht erst am Anfang ihrer Entwicklung. Mit dem Siegeszug von Urban Digital Twins, KI-basierten Simulationssystemen und vernetzten Beteiligungsplattformen entstehen neue Möglichkeiten, Beteiligung nicht nur effizienter, sondern auch demokratischer zu gestalten. Städte wie Helsinki oder Rotterdam zeigen, wie Bürgerfeedback in Echtzeit in Planungsprozesse einfließt – von der Verkehrssteuerung bis zur Freiraumgestaltung.

In Deutschland, Österreich und der Schweiz wächst das Interesse an offenen Plattformen, die unterschiedliche Tools – von Umfragen über Visualisierungen bis zu KI-gestützten Szenarien – auf einer gemeinsamen Infrastruktur bündeln. Open Urban Platforms werden so zur digitalen Agora der Stadtgesellschaft. Sie ermöglichen den Brückenschlag zwischen Verwaltung, Planung und Bevölkerung – und eröffnen Räume für kreative, konfliktfreie und inklusive Mitwirkung.

Ein zentrales Zukunftsthema ist die algorithmische Transparenz. Wenn Künstliche Intelligenz künftig über die Gewichtung von Beiträgen, die Auswahl von Szenarien oder sogar über den Zuschnitt von Quartieren entscheidet, muss der Prozess nachvollziehbar und kontrollierbar bleiben. Hier sind neue Governance-Modelle gefragt: Bürgergremien, Ethikräte und offene Schnittstellen können dazu beitragen, Machtasymmetrien zu verhindern und demokratische Kontrolle zu sichern.

Auch die Integration von Gamification wird weiter an Bedeutung gewinnen. Mit neuen Technologien wie Virtual Reality oder Augmented Reality lassen sich Beteiligungsprozesse immersiv gestalten: Bürger können durch virtuelle Quartiere spazieren, Varianten vergleichen und direkt Feedback geben. Das erhöht die Anschaulichkeit, fördert die Identifikation und macht Planung für alle erfahrbar – nicht nur für Experten.

Am Ende aber bleibt die wichtigste Herausforderung der Kulturwandel. Digitale Beteiligung ist kein Tool, das man einmal kauft und abheftet – sie ist ein Prozess, der Offenheit, Lernbereitschaft und Fehlerkultur verlangt. Nur wenn Kommunen, Planungsbüros und die Stadtgesellschaft gemeinsam an diesem Wandel arbeiten, kann das volle Potenzial digitaler Beteiligung gehoben werden. Die Stadt der Zukunft entsteht nicht hinter verschlossenen Türen, sondern im digitalen Dialog – offen, inklusiv und kreativ.

Fazit: Digitale Bürgerbeteiligung als Schlüssel zur resilienten, demokratischen Stadt

Digitale Bürgerbeteiligung neu zu denken, bedeutet mehr als die Einführung neuer Tools oder Plattformen. Es ist ein Paradigmenwechsel in der Planungskultur: von der punktuellen Konsultation zur kontinuierlichen, dialogorientierten Prozessarchitektur. Gamification und Künstliche Intelligenz sind dabei keine Spielereien, sondern zentrale Innovationstreiber, die Beteiligung motivierender, inklusiver und datenbasierter machen. Die Praxis zeigt: Wo digitale Beteiligung professionell gestaltet, transparent moderiert und mit analogen Formaten verzahnt wird, entstehen resilientere Quartiere, bessere Planungen und eine lebendige Stadtgesellschaft. Gleichzeitig sind neue Herausforderungen zu bewältigen – von Datenschutz über algorithmische Verzerrung bis hin zur Gefahr der digitalen Spaltung. Wer diese Risiken ernst nimmt, Offenheit lebt und die Chancen digitaler Beteiligung konsequent nutzt, gestaltet nicht nur die Stadt von morgen, sondern auch eine neue Form urbaner Demokratie. Garten und Landschaft bleibt dabei der Impulsgeber und kritische Begleiter – für alle, die Stadtentwicklung wirklich neu denken wollen.

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Bundespreis Koop.Stadt: 5 Fragen

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Mit dem Bundespreis Koop.Stadt schaffen die Träger*innen der Nationalen Stadtentwicklungspolitik, Bund, Ländern und kommunalen Spitzenverbänden, einen Preis, der herausragende kommunale Beispiele einer Kooperationskultur zwischen Kommune und Zivilgesellschaft ausgezeichnet. Alles was Sie dazu wissen müssen, erfahren Sie im Interview mit den Projektleiter*innen Lisa Schopp und Stephan Willinger.

200 000 Euro Preisgeld für den Bundespreis Koop.Stadt

 

An wen richtet sich der Preis?

Wir suchen Kommunen ab 10 000 Einwohner*innen, die durch ihre Zusammenarbeit mit Stadtmacher*innen zu einer Kooperativen Stadt werden. Planungsbüros, Bürger*innen, Initiativen oder Vereine können Kommunen bei der Bewerbung unterstützen. Die Einreichung der Bewerbung ist jedoch nur durch die Kommune selbst möglich.

Was kann eingereicht werden?

Bewerben können sich die Kommunen mit angestoßenen, laufenden sowie bereits umgesetzten Instrumenten oder Kooperationsprojekten der Stadtentwicklung. Die Auslober*innen suchen konkrete Maßnahmen zur Förderung der Zusammenarbeit und einer aktiven Mitgestaltung durch zivilgesellschaftliche Initiativen, Vereine oder soziokulturelle Akteur*innen. Dazu zählen allgemeine rechtliche, politische und strukturelle Maß­nahmen wie beispielsweise die Einrichtung von runden Tischen, Vermittlerstellen oder Zugang zu Raum für diese Akteur*innen. Aus der Bewerbung soll sich ein Gesamtbild über die Kooperationskultur der Kommune ergeben.

Was ist der Mehrwert der Teilnahme?

Der Preis zeichnet Kommunen für ihre erfolgreiche kooperative Stadtentwicklung aus und trägt auf diese Weise zu Imagegewinn, Motivation und Bindung neuer Kooperationspartner*innen bei. Neben der Auszeichnung selbst und der Einladung zur Preisverleihung im Rahmen des Bundes­kongresses der Nationalen Stadtentwicklungspolitik, der im Mai 2021 in Köln stattfindet, werden die die Preisträger*innen dabei unterstützt, mehr Menschen zu aktiv Handelnden in der Stadtentwicklung zu machen. Die zehn am höchsten bewerteten Bewerber*innen erhalten insgesamt eine Summe von 200 000 Euro Preisgeld zur Umsetzung weiterer Kooperationsprojekte. Die Auszeichnung ist für fünf Jahre gültig. Die eingereichten Best-Practice-Beispiele werden in einer Publikation gesammelt und aufbereitet.

Fachübergreifende Jury

Wie wird bewertet?

Die Jury prämiert Kommunen, die mit klugen Ideen kooperative Stadtentwicklungsprojekte angeschoben und dadurch etwas Neues geschaffen haben. Die Projekte können aus allen Handlungsfeldern kommen, vom Städtebau bis zur Freiraumgestaltung. Bei der Beurteilung werden rechtliche, politische und strukturelle Bausteine der Kooperation beleuchtet. In die Bewertung fließen angestoßene, laufende sowie bereits umgesetzte Instrumente, Leitbilder oder politisch beschlossene Maßnahmen mit ein. Grundsätzlich lässt sich sagen: Je mehr an Kooperation mit verschiedenen Akteurs­gruppen nachgewiesen werden kann und je mehr Handlungsfelder abgedeckt werden, desto besser die Bewertung.

Wie erfolgt die Jurierung?

Nach einer ersten Vorprüfung tritt eine fachübergreifend zusammengesetzte Jury zusammen, die die Beiträge bewertet und die Preisträger*innen auswählt. Die Jury des Bundespreises Kooperative Stadt setzt sich aus den Partner*innen der Nationalen Stadt­entwicklungspolitik zusammen: Ver­treter*innen des Deutschen Städtetags, des Deutschen Städte- und Gemeindebunds und der Länder sowie des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat.

Die Bewerbung ist noch bis zum 10. März 2021 unter www.koop-stadt.de möglich.

Lisa Schopp und Stephan Willinger sind Projektleiter*innen der Nationalen Stadtentwicklungspolitik im Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung. Das Projekt Bundespreis Koop.Stadt wird durchgeführt durch das Bundesinstitut für Bau-, Stadt-, und Raumforschung.

Wider die Tristesse

Mit Bike- und Skateinlagen assoziieren viele kalte, graue, eintönige Betonwüsten. Ralf Maier, Landschaftsarchitekt und ehemaliger BMX-Profi, sprach mit uns darüber, wie aus diesen Anlagen wahre Betonlandschaften werden und was es bei Planung und Materialwahl zu beachten gibt. Derzeit arbeitet die FLL an einer neuen Empfehlung für Planung, Bau und Instandhaltung von Skate- und Bikeanlagen. 

Ziel der Empfehlung ist, die Anforderungen der Rollsportnorm DIN EN 14974 aus dem Jahr 2010 für Planer, ausführende Firmen und Betreiber zu ergänzen und unter Beteiligung der verschiedenen Nutzer- und Interessengruppen sowie der fachlich betroffenen Verbände verschieden Themenbereiche abzudecken, darunter Anforderungen an die Materialien und Vorzeigebeispiele.

Skateboard, BMX-Rad und Mountainbike sind längst keine Trendsportgeräte mehr, sondern in der Mitte der Gesellschaft angekommen, entsprechende Anlagen sind in immer mehr Städten selbstverständlich. Bei der Planung wird aber immer noch viel falsch gemacht, sodass Anlagen oft nicht angenommen werden.

In einem ersten Schritt ist mit Hilfe verschiedener Nutzer- und Interessengruppen der Gelbdruck der FLL entstanden. Das Einspruchsverfahren läuft vom 2. Mai bis zum 1. August.

Weitere Informationen hier

Mehr zu Bike- und Skateinlagen lesen Sie im Interview mit Landschaftsarchitekt Ralf Maier in Garten+Landschaft 07/2016 – Die Rückkehr des Menschen.