Digitale Grünvolumenberechnung für klimafitte Planung

hochwinkelfotografie-der-stadt-RvCbIQ0S-Lc
Hochwinkel-Stadtaufnahme von Markus Spiske mit Canon 5d Mark III und Leica Summicron-R 50mm, die urbane Strukturen in Deutschland detailreich zeigt.

Stellen Sie sich vor: Städte, die sich den Herausforderungen des Klimawandels nicht nur stellen, sondern ihnen mit digitaler Präzision begegnen. Von grünen Oasen in urbanen Hitzeinseln bis zu datengetriebenen Entscheidungen für klimaresiliente Quartiere – die digitale Grünvolumenberechnung hebt Planung, Landschaftsarchitektur und Stadtentwicklung auf ein neues Level. Wer jetzt noch denkt, das sei Zukunftsmusik, verpasst den Anschluss an die wirklich klimagerechte Stadt von morgen.

  • Definition und Bedeutung der digitalen Grünvolumenberechnung für klimarobuste Stadtentwicklung
  • Technologische Grundlagen: Von Punktwolken bis zu KI-gestützter Vegetationsanalyse
  • Praktische Anwendungen in der Planung, Flächennutzung und Simulation von Klimawirkungen
  • Chancen für Stadtklima, Biodiversität, Regenwassermanagement und Lebensqualität
  • Beispiele aus DACH-Städten, die Pionierarbeit leisten
  • Herausforderungen: Datensouveränität, Schnittstellen, Standardisierung und Fachkompetenz
  • Wechselwirkungen mit Bürgerbeteiligung, Governance und digitaler Transformation
  • Risiken: Technokratische Verzerrung, Greenwashing, kommerzielle Abhängigkeiten
  • Empfehlungen für Planungspraxis und kommunale Strategien
  • Schlussbetrachtung: Warum digitale Grünvolumenberechnung kein Gimmick, sondern Fundament der klimagerechten Stadtplanung ist

Was ist digitale Grünvolumenberechnung – und warum ist sie für klimaresiliente Städte entscheidend?

Der Begriff digitale Grünvolumenberechnung klingt zunächst nach einer Nischenspielerei für Landschaftsarchitekten mit Faible für 3D-Modelle. Tatsächlich handelt es sich jedoch um eine Schlüsseltechnologie, die längst dabei ist, das Denken und Handeln in der Stadtentwicklung fundamental zu verändern. Im Kern beschreibt die digitale Grünvolumenberechnung die präzise Erfassung, Quantifizierung und Simulation des dreidimensionalen Vegetationsvolumens im urbanen Raum – und das mit bisher unerreichter Genauigkeit und Aktualität. Im Unterschied zu konventionellen Flächenstatistiken oder Baumkatastern werden hier nicht nur die Standorte von Bäumen, Sträuchern und Grünflächen dokumentiert, sondern deren tatsächliches räumliches Volumen, ihre Durchgrünung und ihr Beitrag zu städtischen Ökosystemleistungen erfasst. Damit wird erstmals messbar, wie viel „grüne Substanz“ eine Stadt wirklich besitzt – und wie sich Veränderungen auf das Mikroklima, die Verdunstungsleistung, die Verschattung oder die Biodiversität auswirken.

Warum das so wichtig ist, erschließt sich auf den zweiten Blick: Der Klimawandel trifft Städte in der DACH-Region mit voller Wucht. Hitzeinseln, Starkregen, Trockenstress und Feinstaubbelastung sind keine akademischen Phänomene mehr, sondern tägliche Herausforderungen für Planer, Verwaltung und Politik. Gerade in verdichteten Quartieren entscheidet das Vorhandensein von Bäumen, Hecken, Fassaden- und Dachbegrünung über Lebensqualität, Gesundheit und Aufenthaltsattraktivität. Doch wie lassen sich diese grünen Ressourcen gezielt planen, erhalten und ausbauen, wenn sie bislang nur grob abgeschätzt werden können? Hier setzt die digitale Grünvolumenberechnung an: Sie liefert die Datenbasis, Szenarien und Entscheidungsgrundlagen, mit denen Städte sich klimasicher und zukunftsfähig aufstellen können.

Dabei wird aus der reinen Flächenbewertung eine volumenorientierte Betrachtung – und das verändert das Verständnis von Stadtgrün grundlegend. Ein dichter, mehrschichtiger Baumbestand leistet für das Stadtklima weit mehr als eine flächengleiche Rasenfläche. Fassadenbegrünung in der dritten Etage beeinflusst die thermische Belastung im Straßenraum erheblich. Und selbst kleine Grüninseln oder gestufte Vegetationsstrukturen können, richtig bewertet, gezielt zur Kühlung und Durchlüftung beitragen. Nur: Ohne digitale Methoden bleibt all das unsichtbar und damit auch ungenutzt.

Die digitale Grünvolumenberechnung ist daher weit mehr als eine Spielerei für Geodaten-Fans. Sie ist die Voraussetzung dafür, dass Städte ihre grünen Infrastrukturen als aktiven Teil der Klimaanpassung steuern und weiterentwickeln können – und zwar mit der gleichen Präzision, mit der Straßen, Leitungen oder Kanäle geplant werden. Wer heute noch glaubt, mit dem grünen Daumen allein sei es getan, wird spätestens bei der nächsten Hitzewelle eines Besseren belehrt.

Damit rückt die digitale Grünvolumenberechnung ins Zentrum jeder ernst gemeinten Klimastrategie: Sie macht aus diffusen Zielsetzungen messbare Parameter, aus groben Schätzungen exakte Steuerungsgrößen und aus gut gemeinten Leitbildern überprüfbare Handlungsoptionen. Und das Beste: Sie bringt endlich Stadtklima, Biodiversität, Aufenthaltsqualität und technische Planung an einen Tisch – oder besser gesagt, in ein einziges, dynamisches Datenmodell.

Technologien und Methoden: Von Laserscanning bis KI – wie das grüne Volumen sichtbar wird

Wer sich mit digitaler Grünvolumenberechnung beschäftigt, taucht tief in die Welt modernster Erfassungs- und Modellierungstechnologien ein. Im Zentrum steht die Generierung von sogenannten Punktwolken, die mithilfe von Airborne Laser Scanning (ALS), Terrestrischem Laserscanning (TLS) oder Fotogrammetrie aus Drohnenbefliegungen erzeugt werden. Diese Punktwolken bestehen aus Millionen bis Milliarden Einzelpunkten, die die dreidimensionale Struktur von Bäumen, Sträuchern, Hecken und sogar Fassadenbegrünungen in bisher unerreichter Präzision abbilden. Kombiniert mit multispektralen Sensoren kann dabei nicht nur die Geometrie, sondern auch die Vitalität der Vegetation analysiert werden.

Doch die Erhebung ist nur der Anfang. Die eigentliche Kunst liegt in der automatisierten Auswertung und Interpretation dieser Datensätze. Hier kommen Verfahren des maschinellen Lernens, Bildverarbeitung und künstliche Intelligenz ins Spiel. Algorithmen erkennen innerhalb der Punktwolke verschiedene Vegetationstypen, unterscheiden Baumarten, berechnen Kronenvolumen, Blattflächenindex und sogar die Verdunstungsleistung. Moderne Softwarelösungen ermöglichen es, diese Daten mit Geoinformationssystemen (GIS) und stadtplanerischen Modellen zu verknüpfen – so entsteht ein digitales Abbild des gesamten Stadtgrüns, das nicht nur statisch, sondern dynamisch gepflegt und fortgeschrieben werden kann.

Ein entscheidender Vorteil: Die zeitnahe Repetition von Befliegungen oder Scans erlaubt die kontinuierliche Aktualisierung des Grünvolumens. So können Auswirkungen von Baumaßnahmen, Sturmschäden, Trockenperioden oder Nachverdichtungen nahezu in Echtzeit bewertet werden. Besonders relevant wird dies bei der Simulation von Klimaszenarien: Hier lässt sich beispielsweise berechnen, wie sich der Verlust eines alten Baumbestands auf die sommerliche Hitzebelastung auswirkt – oder wie viel zusätzliche Kühlleistung eine gezielte Nachpflanzung bringen könnte.

Ein weiteres Feld ist die Integration von Sensordaten aus dem Internet of Things (IoT). Bodensensoren, Wetterstationen oder Feuchtigkeitsmesser liefern zusätzliche Informationen, die mit dem Grünvolumenmodell verschränkt werden können. So entsteht ein datengetriebenes System, das nicht nur das „Was“, sondern auch das „Wie“ und „Warum“ von Veränderungen im Stadtgrün sichtbar macht. Damit eröffnen sich neue Möglichkeiten für die Planung, Wartung und das Monitoring: Von der standortgenauen Bewässerungssteuerung bis zur vorausschauenden Baumpflege.

Die Herausforderung liegt allerdings in der Standardisierung und Interoperabilität dieser Systeme. Unterschiedliche Datenformate, proprietäre Softwarelösungen und mangelnde Schnittstellen erschweren vielerorts noch die Integration in bestehende Planungs- und Verwaltungsprozesse. Hier ist die Branche gefordert, offene Standards und gemeinsame Plattformen zu entwickeln, die einen echten Mehrwert für Planer und Kommunen schaffen – und nicht nur schöne Visualisierungen für den nächsten Nachhaltigkeitsbericht.

Anwendungsfelder und Chancen: Mit digitalem Grünvolumen zur klimagerechten Stadtplanung

Die digitale Grünvolumenberechnung entfaltet ihr Potenzial überall dort, wo komplexe Wechselwirkungen zwischen Vegetation, Stadtklima und Nutzung sichtbar und steuerbar gemacht werden müssen. Ein zentrales Anwendungsfeld ist die zielgerichtete Planung klimaresilienter Quartiere. Hier geht es nicht mehr um die Frage, ob ein paar Bäume gepflanzt werden, sondern um die präzise Modellierung, wie viel Vegetationsvolumen nötig ist, um Hitzelasten zu reduzieren, Frischluftschneisen zu sichern und den Wasserhaushalt stabil zu halten. Moderne Simulationswerkzeuge berechnen, wie sich die Verdunstungsleistung und Verschattung durch unterschiedliche Bepflanzungsvarianten verändern – und machen so aus Grünflächen echte Klimainfrastrukturen.

Ein weiteres zukunftsweisendes Feld ist das Regenwassermanagement. Gerade im Zuge zunehmender Starkregenereignisse kommt es darauf an, wie viel Wasser im städtischen Grüngürtel gespeichert, verzögert abgegeben oder verdunstet werden kann. Die digitale Grünvolumenberechnung ermöglicht es, Retentionspotenziale exakt zu beziffern und gezielt zu steuern. Damit wird das Zusammenspiel von Grünflächen, Versickerungsanlagen und technischer Infrastruktur erstmals ganzheitlich planbar – und das mit messbaren Effekten auf die Überflutungs- und Trockenheitsrisiken in Stadtteilen.

Auch für die Biodiversitätsförderung eröffnen sich neue Möglichkeiten. Die dreidimensionale Erfassung macht sichtbar, wo Lebensräume für Vögel, Insekten oder Kleinsäuger tatsächlich vorhanden sind – und wo Lücken bestehen. So können Maßnahmen zur Erhöhung der Habitatvielfalt gezielt dort ansetzen, wo sie die größte Wirkung entfalten. Für die Planung von Grünverbindungen, Dach- und Fassadenbegrünungen oder urbanen Agrarprojekten liefert das digitale Grünvolumen belastbare Entscheidungsgrundlagen, die weit über traditionelle Kartierungen hinausgehen.

In der Praxis profitieren nicht nur Planer und Landschaftsarchitekten, sondern auch Verwaltung, Politik und Bürger. Öffentlich zugängliche Visualisierungen des Grünvolumens erhöhen die Transparenz von Planungsprozessen und stärken die Akzeptanz für Maßnahmen. Szenariorechnungen ermöglichen es, unterschiedliche Entwicklungsoptionen anschaulich zu vergleichen und so die Beteiligung der Stadtgesellschaft zu fördern. Besonders spannend wird es, wenn Echtzeitdaten in den Planungsprozess einfließen: Dann kann auf Veränderungen, zum Beispiel durch Bauvorhaben, klimatische Extremereignisse oder neue Verkehrsinfrastruktur, flexibel und faktenbasiert reagiert werden.

Last but not least bieten digitale Grünvolumenmodelle die Chance, die Wirkung von Maßnahmen zu evaluieren und kontinuierlich zu optimieren. Statt einmalig erstellter Gutachten entsteht ein lernendes System, das die Wirksamkeit von Pflanzungen, Entsiegelungen oder Nachverdichtungen laufend überprüft. Damit wird die Grünvolumenberechnung zum zentralen Steuerungsinstrument für eine klimagerechte Stadtentwicklung, die nicht bei der Vision stehen bleibt, sondern in messbaren Ergebnissen mündet.

Herausforderungen und Risiken: Zwischen Datenhoheit, Governance und digitalem Greenwashing

So vielversprechend die digitale Grünvolumenberechnung ist, so groß sind auch die Herausforderungen, die mit ihrer Implementierung einhergehen. Ein zentrales Problemfeld ist die Datensouveränität. Wer erhebt, pflegt und kontrolliert die sensiblen Geodaten? Viele Kommunen stehen vor der Wahl, entweder auf kommerzielle Anbieter mit proprietären Plattformen zu setzen – und damit in Abhängigkeit von deren Geschäftsmodellen zu geraten – oder eigene, offene Dateninfrastrukturen aufzubauen, was allerdings Fachkompetenz und Ressourcen erfordert. Gerade im föderalen System der DACH-Region sind Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten oft unklar verteilt, was die Entwicklung gemeinsamer Standards erschwert.

Ein weiteres Risiko liegt in der Komplexität der Systeme. Je ausgefeilter die Modelle, desto schwieriger wird es, ihre Annahmen, Datenquellen und Algorithmen für Laien und selbst für Fachleute transparent zu machen. Hier droht eine Black Box, die Entscheidungen zwar datenbasiert, aber nicht mehr nachvollziehbar trifft. Besonders kritisch wird dies, wenn Simulationen als „objektive“ Entscheidungsgrundlage dienen, ohne dass Unsicherheiten und Interpretationsspielräume offen kommuniziert werden. Es besteht die Gefahr, dass Planung zunehmend technokratisch und entkoppelt von gesellschaftlichen Aushandlungsprozessen erfolgt.

Auch das Thema Greenwashing sollte nicht unterschätzt werden. Hochglanzvisualisierungen des digitalen Grünvolumens können dazu verleiten, Maßnahmen zu beschönigen, die in der Realität wenig zum Stadtklima beitragen. Wer etwa auf dem Papier große Grünvolumen simuliert, aber in der Praxis auf pflegeintensive Monokulturen oder nicht-standortgerechte Bepflanzung setzt, gefährdet die Glaubwürdigkeit des Instruments. Hier sind Fachleute gefragt, die zwischen Modell und Realität vermitteln und für eine konsequente Umsetzung sorgen.

Ein weiteres Problem ist die mangelnde Integration in bestehende Planungs- und Verwaltungsprozesse. Allzu häufig werden digitale Grünvolumenmodelle als Zusatztool betrachtet, das nebenher läuft, statt integraler Bestandteil der Stadtentwicklung zu sein. Die Folge: Doppelte Datenhaltung, widersprüchliche Ergebnisse und Frust bei den Anwendern. Was es braucht, ist eine echte Governance-Struktur, die digitale und analoge Planung verzahnt, Verantwortlichkeiten klar definiert und Schnittstellen zu anderen Fachbereichen schafft.

Schließlich stellt sich die Frage nach der Beteiligung der Stadtgesellschaft. Gerade weil digitale Grünvolumenberechnung neue Möglichkeiten der Transparenz und Teilhabe bietet, droht umso mehr ein Demokratiedefizit, wenn die Modelle nur hinter verschlossenen Türen genutzt werden. Wer die Akzeptanz für klimawirksame Maßnahmen stärken will, muss die Daten offenlegen, verständlich aufbereiten und zur Diskussion stellen. Nur so kann die digitale Transformation der Stadtplanung zu einer Chance für mehr Beteiligung und Innovation werden – und nicht zum Spielball kommerzieller oder technokratischer Interessen.

Perspektiven, Empfehlungen und Fazit: Das Fundament der klimagerechten Stadtplanung

Die digitale Grünvolumenberechnung steht am Beginn einer Entwicklung, die das Selbstverständnis von Stadtplanung und Landschaftsarchitektur nachhaltig verändert. Sie macht sichtbar, was bisher unsichtbar blieb: die räumliche Qualität, Dynamik und Wirksamkeit des urbanen Grüns. Für Planer, Kommunen und Landschaftsarchitekten eröffnet sie neue Horizonte – von der präzisen Analyse bis zur proaktiven Steuerung grüner Infrastrukturen. Wer die digitale Grünvolumenberechnung als integralen Bestandteil der Stadtentwicklung versteht, legt das Fundament für eine klimaresiliente, lebenswerte und zukunftsfähige Stadt.

Entscheidend ist dabei, die Technologie nicht als Selbstzweck zu begreifen. Es geht nicht um immer neue Visualisierungen, sondern um die echte Integration in die täglichen Arbeitsprozesse der Planung, Verwaltung und Pflege. Kommunen sind gut beraten, auf offene Standards, interoperable Plattformen und partnerschaftliche Kooperationen zu setzen. Nur so lassen sich Investitionen langfristig sichern und Abhängigkeiten vermeiden. Gleichzeitig sind Aus- und Weiterbildung unverzichtbar: Ohne digitale Fachkompetenz bleibt das Potenzial der Grünvolumenberechnung ungenutzt.

Für die Planungspraxis empfiehlt es sich, die digitalen Modelle frühzeitig in Projekte einzubinden – von der Bestandsaufnahme über die Szenarioentwicklung bis zur Erfolgskontrolle. Städte, die dies bereits tun, berichten von erheblichen Effizienzgewinnen, besserer Akzeptanz und fundierteren Entscheidungen. Wichtig ist, Unsicherheiten und Grenzen der Modelle offen zu kommunizieren und Raum für Interpretation und Diskussion zu lassen. Nur so bleibt das Instrument glaubwürdig und wirksam.

Auch die Beteiligung der Bürger darf nicht unterschätzt werden. Gerade weil die digitale Grünvolumenberechnung komplexe Zusammenhänge verständlich macht, eignet sie sich ideal, um Planungsprozesse zu öffnen und neue Formen der Mitwirkung zu ermöglichen. Ob in Bürgerdialogen, digitalen Beteiligungsplattformen oder partizipativen Planungswerkstätten – das digitale Modell kann Brücken schlagen zwischen Expertenwissen und Alltagsrealität.

Abschließend lässt sich festhalten: Die digitale Grünvolumenberechnung ist weit mehr als ein technisches Tool. Sie ist ein Paradigmenwechsel, der die klimagerechte Stadtplanung auf eine neue, datenbasierte und partizipative Stufe hebt. Wer jetzt einsteigt, gestaltet nicht nur den Wandel, sondern sichert sich auch einen entscheidenden Standortvorteil im Wettlauf um die klimaresiliente Stadt von morgen. G+L bleibt auch weiterhin die Plattform, auf der diese Entwicklungen kritisch, fachlich fundiert und praxisnah begleitet werden – für alle, die Stadtgrün nicht nur denken, sondern auch digital gestalten wollen.

Das könnte Sie auch interessieren
Spatial-Planning-Matters Cover © vdf Hochschulverlag AG an der ETH Zürich
Spatial Planning Matters! – Buchrezension
Blauer Himmel mit "CO₂" in Wolken als Symbol für kommunale CO₂-Zertifikate und Stadtplanung als Handel.
Kommunale CO₂-Zertifikate – kann Stadtplanung zum Handel werden?
Straße als Galerie
Städte für Morgen 2020
eine-stadtstrasse-voller-verkehr-neben-hohen-gebauden-L7RbsRIG7DQ
Stadtplanung als Schulfach? – Bildungspolitik trifft Baukultur
Morgenstadt Werkstatt
eine-luftaufnahme-einer-stadt-JSRekW1fRfY
Monitoring sozialer Infrastrukturen via Digitalplattform
Pinker Radweg für Auckland
Illustration eines Gehirns mit neuronalen Strukturen – Symbol für künstliche Intelligenz und das Training neuronaler Netze.
Was ist eine Trainings- und Validierungsstrategie bei KI?
Deutschlands größtes Holzgebäude
ADEPT baut Deutschlands größtes Holzgebäude

Neue Konzepte um Friedhöfe zu retten, sind notwendig. Dabei wichtig: Raum, der Trauer ermöglicht. Der Kölner Zukunftskongress „Heilsame Abschiede“ am 25. Oktober 2019 versammelte avantgardistische Referenten aus Soziologie, Psychologie, Philosophie, Theologie – und Landschaftsarchitektur. Die Landschaftsarchitekten Constanze Petrow und Bart Brands stellten Lösungsansätze, Leuchtturmprojekte und Erkenntnisse vor.

Friedhof noch nicht neu erfunden

In einer erzkatholischen Location, dem Tagungszentrum des Erzbistums Köln ging es unter der Moderation des Zukunftsforschers Matthias Horx eher säkular zu bei der Aufarbeitung des Themas „Vom Wandel der Trauerkultur im Zeitalter der Individualität“. Horx, dessen Zukunftsinstitut den Kongress „Heilsame Abschiede“ am 25. Oktober 2019 – der unter ideeller Trägerschaft der Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal e.V. stand – kuratiert hatte, diskutierte mit einem illustren Kreis avantgardistischer Referenten aus Soziologie, Psychologie, Philosophie, Theologie und eben auch Landschaftsarchitektur. Es ging um die Realitäten von Trauern, Friedhof und Abschied nehmen sowie über „die neue Trauer in ihren Aspekten“.

Mit dabei – als Vertreter des Themas aus landschaftsarchitektonischer Sicht: die Landschaftsarchitektin Constanze Petrow und der holländische Landschaftsarchitekt Bart Brands. Die beiden stellten Lösungsansätze, Leuchtturmprojekte und Erkenntnisse aus der Arbeit mit ihren Studenten sowie Ideen für künftige Planungen und Vorgehensweisen vor.

Dass Friedhöfe sich öffnen müssen für neue Konzepte, darüber waren sich alle Teilnehmer einig. Constanze Petrow etwa forderte den gerade auch kulturhistorisch so wertvollen Friedhof zu retten. „Es ist unsere Aufgabe“ so die Professorin für Freiraumplanung an der Hochschule Geisenheim, „hier Neues zu wagen und auszuprobieren. Noch haben wir ihn nicht neu erfunden.“
Wie dies beispielsweise aussehen kann, zeigte Bart Brands mit seiner Revitalisierung des Amsterdamer Friedhofes „De Nieuwe Ooster“, den er wie Barcode-Streifen in Parzellen mit unterschiedlichen Regeln unterteilt hat. Sein Credo lautet: „Alles muss möglich sein, aber nicht alles überall“. Constanze Petrow präsentierte darüber hinaus aktuelle studentische Strategien zur Weiterentwicklung des Friedhofs. Und sie stellte den soeben gestarteten Wettbewerb „Raum für Trauer – Ideen für den Friedhof der Zukunft“ für Nachwuchsplaner vor, im Rahmen dessen geeignete Orte auch als räumliche Situationen auf dem weltgrößten Parkfriedhof in Hamburg-Ohlsdorf gestaltet werden sollen, die individuelle oder gemeinschaftliche Rituale und Handlungen des Abschiednehmens ermöglichen.

Begegnung respektvoll ermöglichen

Petrow hatte in einem Forschungsprojekt herausgefunden, dass sich im Spannungsfeld des Friedhofes zwischen privatem Raum am Grab und dem öffentlichen Raum eine lose Gemeinschaft an formellen und informell genutzten Begegnungsräumen wie etwa den Wasserstellen bildet, die bis heute überhaupt nicht bedient werde. Diese räumlich ungelöste Situation gilt es ihrer Meinung nach zu überwinden um soziales Miteinander zu fördern, beispielsweise mit begegnungsfähig angeordneten Sitzgelegenheiten. Wichtig sei dabei allerdings, die unterschiedlichen emotionalen Zustände der Friedhofsbesucher zu respektieren und in der architektonischen Umsetzung zu berücksichtigen.

Offene Themen

Obgleich der Zukunftskongress bereits thematisch überfrachtet von einem Themenfeld zum nächsten schwappte, fehlten doch wichtige Facetten wie etwa die Sichtweisen der verschiedenen auf dem Friedhof beschäftigten Gewerke sowie der Blick auf die massiv zunehmenden Begräbnisse von Menschen aus anderen Kulturräumen, insbesondere des islamischen Glaubens. Ließen diese – ebenso wie die aus Ost- und Südosteuropa stammenden Christen – ihre Toten früher zu etwa 70 Prozent in der ehemaligen Heimat und nur zu 30 Prozent in Deutschland bestatten, so hat sich dieses Verhältnis mittlerweile umgekehrt.

Natur für ein Naturmuseum ist ähnlich herausfordernd, wie eine Architektur für die Präsentation von Architektur zu entwerfen. Wie stellt man sich also der Aufgabe, eine Landschaftsarchitektur für ein Museum zu schaffen, das zum Ziel hat, die Vielfalt der Naturgeschichte darzustellen und die Zusammenhänge zu erklären? Ein Annäherungsversuch am Beispiel des Parks für das Naturmuseum St. Gallen von Studio Vulkan Landschaftsarchitektur.

Bereits im 2009 ausgelobten Wettbewerb für den Neubau eines Naturmuseums, der von der Arbeitsgemeinschaft Armon Semadeni Architekten GmbH mit Michael Meier, Marius Hug Architekten AG umgesetzt wurde, war die Landschaftsarchitektur Teil des Wettbewerbsbeitrags. Es ist per se ein Paradoxon, Architektur oder in diesem Fall Natur ausstellen zu wollen. Denn was wir als Landschaft wahrnehmen, besteht in Wahrheit aus einer komplexen Überlagerung von verschiedenen Ebenen, sei es die Natur an sich, die funktionale und kulturgeschichtliche Prägung oder die eigene Interpretation. Wo die Einordnung in klare Begrifflichkeiten durch das Fehlen eindeutiger Grenzen im Zusammenwachsen von Stadt und Land schwierig wird, bewegen wir uns zunehmend in einer Übergangsphase zwischen Natur, natürlicher Künstlichkeit und künstlicher Natürlichkeit. Der Standort offenbart ein zusätzliches, typisches Paradoxon der Schweizer Landschaft: Infrastrukturen und Stadtraum verweben sich auf engstem Raum. Somit findet die Bauaufgabe, die Gestaltung eines Parks, direkt über einem Autobahntunnel, umgeben von heterogenem Zwischenstadtraum statt. Wie kann also Natur an einem solchen Ort aussehen? Bestimmt nicht wie ein museumspädagogisch linear verlaufender didaktischer Lehrpfad …

Dialog zwischen den Welten

Als Abschirmung zum gewachsenen Umfeld, aber auch als Synonym zum schnelllebigen Alltag wird eine natürliche Sichtbarriere als eine Art Filterzone zwischen den Welten mit einheimischen Pflanzen – Hainbuchen, Farnen und Stauden – geschaffen. 75 Prozent der Bepflanzung stammt aus heimischen Gewächsen. Für die restlichen 25 Prozent fiel die Wahl zum Beispiel auf exotische Hortensien. Irgendwann könnten die aufgrund des Klimawandels auch in hiesigen Klimazonen heimisch werden. Auch die Nachbarschaft eines Ginkgobaums zu einer Lärche gehört zu den Rätseln der Natur. Die Pfarrkirche St. Maria Neudorf setzt einen städtebaulichen Akzent, auf den sowohl die Architektur als auch die Landschaftsgestaltung Bezug nimmt. Weniger in der Festlegung von Bezugskanten, sondern auf einer philosophischen Ebene: Der Dialog zwischen den zwei Theorien zur Entstehung der Welt wird auf einer poetisch-sakralen und wissenschaftlichen Ebene geführt und funktioniert über Trittsteine, die zugleich als Informationsträger der weltlichen und religiösen Zitate dienen.

Katalysator für die Vorstellungskraft

Unabhängig von der Materialität der Fassade des Naturmuseums wurde auch im zugehörigen Park der Werkstoff Beton eingesetzt. Als artifizielles Produkt steht der Beton in gewolltem Kontrast zu dem für die Ostschweiz bekannten Naturwerkstein Nagelfluh. Die Trittsteine wirken als Katalysator für die Vorstellungskraft. Sie sind mit Artefakten aus der Naturgeschichte bis zu Bearbeitungsspuren von Menschen mit Mustern von Jute, Dränplatten oder Dachlatten versehen. Und noch einmal werden Sehgewohnheiten auf die Probe gestellt: Anstelle elegant an der Fassade von Kirchen oder Sehenswürdigkeiten zu wirken, findet sich der grünliche Ostschweizer Sandstein grob geschottert wieder. Da es keine Wegeführung gibt, ist man frei, sich seinen eigenen Zugang zum Ort, aber auch zur Gedankenwelt zu suchen. Damit schließt sich der Kreis zum Naturmuseum wieder.

Ein Interview mit Lukas Schweingruber vom Studie Vulkan finden Sie in der Dezemberausgabe 2018 der G+L.