Remote Sensing für urbane Biodiversität – digitale Habitatkartierung

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Grüner Streifen zwischen moderner Stadt und majestätisch weißen Bergen – Foto von Daniele Mason.

Die Zukunft der Stadtökologie ist digital, präzise und überraschend lebendig: Remote Sensing revolutioniert die Habitatkartierung und bietet Stadtplanern, Landschaftsarchitekten und Biodiversitätsmanagern einen bisher ungekannte Blick ins urbane Leben. Wer Stadtgrün und Artenvielfalt sichern will, muss heute nicht mehr im Dickicht stehen – sondern im Datenstrom schwimmen. Doch was leisten digitale Methoden wirklich, wo liegen Chancen und Fallstricke, und wie weit ist der deutschsprachige Raum bei der Umsetzung? Willkommen zu einem Deep Dive in die Welt der urbanen Habitatkartierung per Satellit, Drohne und KI – exklusiv bei G+L.

  • Was ist Remote Sensing? Grundlagen, Technologien und Begriffe der Fernerkundung für urbane Ökosysteme.
  • Digitale Habitatkartierung: Methoden, Workflows und Anwendungsfelder im Stadtgrün.
  • Praxisbeispiele aus Deutschland, Österreich und der Schweiz: Wie Fernerkundung die Biodiversitätsplanung verändert.
  • Chancen, Limitationen und typische Fehlerquellen digitaler Habitatkartierung im urbanen Raum.
  • Rechtliche, ethische und datenschutzrechtliche Herausforderungen für Kommunen und Planungsbüros.
  • Innovative Tools: Satelliten, Drohnen, KI-gestützte Analyse und Citizen Science im Zusammenspiel.
  • Potenziale für Klimaresilienz, Grünflächennetzwerke und nachhaltige Stadtentwicklung.
  • Die Zukunft: Wie digitale Biodiversitätsdaten Governance, Partizipation und Planungskultur beeinflussen.

Remote Sensing: Fernerkundung als neuer Standard der urbanen Biodiversitätsplanung

Fernerkundung – im Englischen als Remote Sensing bekannt – ist längst kein Nischenthema für Geografen oder NASA-Ingenieure mehr. Sie ist zur Schlüsseltechnologie der modernen Stadtökologie avanciert. Doch was verbirgt sich eigentlich hinter diesem Begriff? Im Kern geht es um die Gewinnung von Umweltinformationen aus der Distanz, ohne physischen Kontakt mit dem Untersuchungsobjekt. Das klingt zunächst abstrakt, ist aber im Kontext der Stadtplanung höchst konkret: Multispektrale Satellitenbilder, hyperspektrale Drohnenaufnahmen, LiDAR-Scans oder Thermalaufnahmen liefern in Echtzeit Daten über Vegetation, Bodenfeuchte, Versiegelung oder Biotopstrukturen. Diese Technologien sind die neuen Augen der Biodiversitätsplanung – und sehen mehr als jedes menschliche Expertenteam vor Ort je erfassen könnte.

Für urbane Räume bedeutet das eine Revolution. Wo früher jede Habitatkartierung mit Kartenklemmbrett und Bestimmungsbuch begann, steht heute ein datengetriebener, skalierbarer Workflow zur Verfügung. Satelliten wie Sentinel-2, WorldView oder Pleiades liefern hochauflösende Bilder, die Vegetationstypen, Baumarten und sogar die Vitalität einzelner Bäume erkennen lassen. Drohnen schließen die Lücke zum Boden und liefern detailreiche 3D-Modelle von Grünflächen, Dachgärten oder Brachen. Und LiDAR, also Light Detection and Ranging, vermisst in wenigen Minuten ganze Stadtparks – inklusive Unterwuchs, Baumhöhen und Strukturvielfalt. Damit wird Fernerkundung zum unverzichtbaren Werkzeug für Stadtplaner, Landschaftsarchitekten und Biodiversitätsexperten, die den ökologischen Zustand ihrer Stadt verstehen, dokumentieren und steuern wollen.

Doch Fernerkundung ist mehr als Technik. Sie ist ein Paradigmenwechsel in der Planungskultur. Die Fähigkeit, komplexe urbane Ökosysteme großflächig und objektiv zu erfassen, verändert die Arbeitsweise ganzer Disziplinen. Klassische Habitattypen nach Bundesartenschutzverordnung oder Biotopkartierung nach Florenliste? All das lässt sich heute digital abbilden, automatisiert aktualisieren und mit weiteren Daten wie Klima, Lärm oder Mobilität verknüpfen. Der Clou: Die Daten sind oft tagesaktuell, wiederholbar und für den gesamten Stadtraum verfügbar. Das schafft nicht nur Effizienz, sondern vor allem Transparenz und Nachvollziehbarkeit in der Planung.

Natürlich gibt es Limitationen. Nicht jede Art lässt sich aus der Luft erkennen, und die beste Drohne ersetzt kein botanisches Spezialwissen. Aber die Kombination von Fernerkundung und klassischen Methoden eröffnet neue Horizonte. Wo früher einzelne Biotopinseln kartiert wurden, entsteht heute ein digitales, dynamisches Netzwerk urbaner Lebensräume. Damit wird Remote Sensing zur Grundvoraussetzung einer datenbasierten, resilienten Stadtentwicklung – und zum Game Changer für die Biodiversität im 21. Jahrhundert.

Wichtig ist: Wer Fernerkundung nutzen will, muss ihre Prinzipien, Chancen und Grenzen verstehen. Das beginnt bei der Wahl der Sensorik, reicht über die Datenauswertung bis zur Integration in städtische Informationssysteme. Hier entscheidet sich, ob aus Daten wirklich Wissen wird – oder ob das Potenzial von Remote Sensing ungenutzt bleibt. Und genau hier setzt die digitale Habitatkartierung an.

Digitale Habitatkartierung: Methoden, Workflows und neue Möglichkeiten im Stadtgrün

Die digitale Habitatkartierung ist weit mehr als ein nettes Add-on für ambitionierte Planungsbüros. Sie ist der methodische Nukleus einer zeitgemäßen, evidenzbasierten Biodiversitätsplanung im urbanen Raum. Doch wie funktioniert dieser Prozess im Detail? Im Zentrum steht der Workflow, der aus Rohdaten präzise, planungsrelevante Habitatkarten erzeugt. Das beginnt mit der Auswahl geeigneter Datenquellen – je nach Fragestellung kommen Satelliten, Drohnen, Flugzeuge oder bodengestützte Sensoren zum Einsatz. Während Satellitendaten vor allem für großflächige Analysen und Zeitreihen genutzt werden, liefern Drohnen detailgenaue Aufnahmen für spezifische Areale oder Projekte.

Die eigentliche Magie liegt in der Datenverarbeitung. Mithilfe spezialisierter Software werden Rohdaten vorverarbeitet, georeferenziert und mit weiteren Ebenen (zum Beispiel Höhen-, Klima- oder Nutzungsdaten) verschnitten. Klassifikationsalgorithmen – zunehmend auf Basis von Künstlicher Intelligenz – erkennen Vegetationstypen, messen Strukturvielfalt oder identifizieren Biotopgrenzen. Die Qualität dieser digitalen Kartierung hängt maßgeblich von der Datenauflösung, der Sensorik und der eingesetzten Analyseverfahren ab. Hier ist Expertise gefragt: Falsch parametrierte Algorithmen liefern schnell spektakuläre, aber völlig nutzlose Karten. Wer also glaubt, mit ein paar Klicks zur perfekten Habitatkarte zu kommen, wird schnell eines Besseren belehrt.

Ein entscheidender Vorteil der digitalen Methode ist die Aktualisierbarkeit. Wo klassische Kartierungen oft Jahre alt sind, können digitale Habitatkarten in kurzen Intervallen aktualisiert werden – je nach Datenquelle sogar monatlich oder nach jedem größeren Sturmereignis. Das ermöglicht ein Monitoring, das früher undenkbar war: Baumverluste nach Extremwetter, Veränderungen in der Brachennutzung oder die Ausbreitung invasiver Arten werden sichtbar, bevor sie im Stadtbild ins Auge fallen. Damit wird die digitale Kartierung zum Frühwarnsystem für Biodiversitätsverluste und zur Grundlage adaptiver Managementstrategien.

Doch die digitale Habitatkartierung bietet nicht nur Monitoring, sondern auch Planungsintelligenz. Durch die Verknüpfung mit anderen städtischen Geodaten entstehen umfassende Entscheidungsgrundlagen: Wo liegen grüne Korridore für Artenwanderungen? Welche Dächer bieten Potenzial für Biodiversitätsdächer? Wo fehlt die Durchgängigkeit von Grünstrukturen? Moderne Tools erlauben es, Szenarien zu simulieren und Maßnahmen zu priorisieren – vom Trittsteinbiotop bis zum artenreichen Straßenbegleitgrün. Damit wird die digitale Habitatkarte zum strategischen Instrument für Stadtplanung, Klimaanpassung und Freiraumentwicklung.

Die Integration in städtische Informationssysteme, beispielsweise Urban Data Platforms oder kommunale GIS, ist dabei der nächste logische Schritt. Digitale Habitatdaten lassen sich nahtlos mit Klima-, Lärm- oder Mobilitätsdaten verknüpfen und eröffnen neue Möglichkeiten für interdisziplinäre Planung. Wer als Kommune, Planer oder Landschaftsarchitekt hier den Anschluss verpasst, verliert nicht nur an Effizienz, sondern auch an Relevanz im Wettbewerb um lebenswerte, resiliente Städte.

Praxis und Innovation: Wie Fernerkundung die Biodiversitätsplanung in DACH verändert

Die Theorie klingt überzeugend, doch wie sieht die Praxis aus? Deutschland, Österreich und die Schweiz sind längst keine weißen Flecken mehr auf der Landkarte der digitalen Habitatkartierung. Zahlreiche Kommunen, Forschungseinrichtungen und Planungsbüros setzen Fernerkundung gezielt ein, um Biodiversität im Stadtraum zu erfassen, zu schützen und zu fördern. Ein Blick auf die Vorreiter lohnt sich – und zeigt, dass Innovation und kritisches Hinterfragen Hand in Hand gehen müssen.

In München beispielsweise wurde im Rahmen des Projekts „Stadtgrün 2021“ erstmals eine umfassende Habitatkartierung auf Basis von Drohnendaten durchgeführt. Ziel war es, die Vielfalt und Qualität von Stadtbäumen, Wiesen und Hecken im gesamten Stadtgebiet zu erfassen. Die Ergebnisse waren verblüffend: Seltene Artenvorkommen wurden digital sichtbar, bislang unbekannte Brachflächen mit hohem Biodiversitätspotenzial identifiziert und Pflegedefizite punktgenau lokalisiert. Die Stadt nutzt diese Daten nun, um gezielt Fördermaßnahmen zu steuern und die Wirkung von Biodiversitätsprogrammen in Echtzeit zu evaluieren.

Auch Wien setzt auf Fernerkundung: Im Rahmen des Smart-City-Programms werden regelmäßig Satelliten- und Drohnendaten ausgewertet, um die Qualität städtischer Grünzüge und das Mikroklima zu überwachen. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Identifikation von Hitzeinseln und deren Zusammenhang mit Vegetationsstrukturen. Die so gewonnenen Informationen fließen direkt in die Stadtentwicklung ein – von der Quartiersplanung bis zur Gestaltung von Grünachsen. Wien zeigt damit, wie digitale Habitatkartierung nicht nur der Artenvielfalt, sondern auch der Klimaresilienz urbaner Räume dient.

In Zürich wiederum hat das Institut für Landschaft und Freiraum der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ein Projekt zur digitalen Biotopkartierung gestartet. Hier werden Drohnenaufnahmen mit maschinellem Lernen ausgewertet, um die Ausbreitung invasiver Arten und die Dynamik von Grünflächen zu analysieren. Die städtische Verwaltung nutzt diese Daten, um gezielte Maßnahmen gegen Biodiversitätsverluste zu entwickeln und deren Erfolg zu kontrollieren. Bemerkenswert ist die enge Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Verwaltung und Zivilgesellschaft – ein Modell, das auch andernorts Schule machen könnte.

Doch nicht alles glänzt digital: Immer wieder zeigen Projekte, dass technologische Lösungen ihre Grenzen haben. Fehlklassifikationen, mangelnde Bodenwahrheit oder unzureichende Integration in bestehende Planungsprozesse führen zu Frustration. Hier sind Expertise, Geduld und ein kritischer Blick gefragt. Wer digitale Habitatkartierung als Allheilmittel betrachtet, wird enttäuscht werden. Wer sie aber als Baustein einer ganzheitlichen Biodiversitätsstrategie nutzt, verschafft sich einen echten Vorsprung – fachlich, politisch und gesellschaftlich.

Chancen, Herausforderungen und ethische Fragen der digitalen Biodiversitätskartierung

Remote Sensing und digitale Habitatkartierung eröffnen unvergleichliche Chancen für die urbane Biodiversitätsplanung. Präzise, großflächige Daten ermöglichen erstmals ein systematisches, vergleichbares und skalierbares Monitoring städtischer Lebensräume. Das bedeutet: Maßnahmen können evidenzbasiert priorisiert, Ressourcen effizient eingesetzt und Erfolge messbar gemacht werden. Gerade im Wettbewerb um Fördermittel, bei der Entwicklung von Grünflächennetzwerken oder der Etablierung von Biodiversitätszielen sind diese Vorteile unschätzbar.

Doch jeder technologische Fortschritt hat seine Schattenseiten. Datenschutz ist eines der zentralen Themen: Drohnen und hochauflösende Satellitenbilder werfen Fragen nach Privatsphäre, Eigentumsrechten und Transparenz auf. Wer darf die Daten nutzen? Wie werden sie gespeichert, ausgewertet und geteilt? Hier sind Kommunen und Planungsbüros gefordert, klare Regeln und ethische Leitlinien zu entwickeln. Nur so lassen sich Akzeptanz und Vertrauen in die neuen Methoden sichern.

Ein weiteres Problemfeld sind algorithmische Verzerrungen und Fehlklassifikationen. KI-basierte Analysen sind nur so gut wie ihre Trainingsdaten – und können Arten oder Strukturen übersehen, wenn sie nicht ausreichend repräsentiert sind. Die Folge: Falsche Managemententscheidungen, Fehlinvestitionen oder sogar Biodiversitätsverluste. Deshalb gilt: Digitale Habitatkartierung braucht immer eine sorgfältige Validierung durch Experten vor Ort. Die beste Karte ist wertlos, wenn sie die Realität verfehlt.

Auch die Integration in bestehende Planungsprozesse ist eine Herausforderung. Viele Kommunen verfügen noch nicht über die nötige Infrastruktur, die passenden Kompetenzen oder die organisatorischen Strukturen, um digitale Biodiversitätsdaten effizient zu nutzen. Hier sind Investitionen in Aus- und Weiterbildung, interdisziplinäre Teams und offene Datenplattformen gefragt. Wer auf Insellösungen setzt, wird langfristig scheitern.

Schließlich stellt sich die Frage nach der Demokratisierung der Biodiversitätsdaten. Wer entscheidet, welche Lebensräume geschützt, gefördert oder umgestaltet werden? Digitale Karten können Bürgerbeteiligung erleichtern, aber auch Entscheidungsprozesse intransparent machen. Nur wenn die Methoden, Daten und Ergebnisse offen kommuniziert werden, wird digitale Habitatkartierung zu einem Hebel für mehr Teilhabe – und nicht für technokratische Planung im Elfenbeinturm.

Fazit: Digital, datenbasiert und diskussionsfreudig – die Zukunft der urbanen Habitatkartierung

Remote Sensing für urbane Biodiversität ist weder Hype noch bloßer Technologietransfer aus der Raumfahrt. Es ist der neue Goldstandard in der Stadtplanung, Landschaftsarchitektur und ökologischen Strategieentwicklung. Digitale Habitatkartierung ermöglicht, was früher unmöglich schien: ein präzises, aktuelles und großflächiges Bild der urbanen Lebensräume – als Grundlage für fundierte, resiliente und zukunftsfähige Stadtentwicklung.

Doch die Technik ist kein Selbstzweck. Sie verlangt nach Expertise, Augenmaß und kritischer Reflexion. Nur wer digitale Methoden als Ergänzung zu klassischen Kartierungen, als Werkzeug für partizipative Planung und als Grundlage für adaptive Managementmodelle begreift, wird ihr volles Potenzial ausschöpfen. Vor allem aber sind Transparenz, Ethik und Datenschutz keine Randnotizen – sie sind zentrale Pfeiler einer nachhaltigen, demokratischen Biodiversitätsstrategie.

Die deutschsprachigen Städte sind auf einem guten Weg, aber noch nicht am Ziel. Innovation und Skepsis, Begeisterung und Bodenständigkeit müssen sich die Waage halten. Wer jetzt investiert – in Tools, Köpfe und Kulturwandel –, wird zu den Gewinnern der urbanen Transformation gehören. Denn eines ist klar: Die Stadt von morgen ist nicht nur grün, sondern auch digital kartiert, vernetzt und bereit für den nächsten Sprung. Willkommen im Zeitalter der Echtzeit-Stadtökologie – exklusiv bei G+L.

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Das Quartett – Entwurfsstudio „Into the Wild“

Perspektiven: Lautes Plateau, Weite Wiese, Lichter Schatten und Waldgalerie, Grafik: Johanna König
Perspektiven: Lautes Plateau, Weite Wiese, Lichter Schatten und Waldgalerie, Grafik: Johanna König
Der Berliner Volkspark Prenzlauer Berg erscheint wild und robust – und bietet Platz für Aneignung. In ihrem Entwurf möchte Johanna König die vorhandenen Qualitäten des Parks weiterentwickeln. In ihrem Konzept beschreibt sie vier Bereiche für unterschiedliche Nutzungen. Wo neue Treffpunkte entstehen sollen und wo Besucher*innen mit Flora und Fauna in Kontakt kommen, erläutert Sie im Folgenden selbst in ihrer Projektvorstellung. Die Arbeit entstand im Rahmen des Entwurfsstudios „Into the Wild“ an der TU Berlin. Dabei bearbeitete Johanna König von den drei im Studio vorgegebenen, zugespitzten Szenarien die Variante „Human Nature“.

Nicht nur in unserer Septemberausgabe 2023 machen wir Raum für Projekte aus dem Studium. Auch auf unserer Webseite stellen Studierende ihre eigenen Arbeiten selbst vor – zum Beispiel in diesem Beitrag. Die Projekte finden Sie alle auf unserer Themenseite „Studium“ und die Septemberausgabe gibt’s in unserem Shop.

Annäherung

Der Volkspark Prenzlauer Berg überzeugt besonders durch seinen wilden, ungepflegten sowie robusten Charakter. Durch die freien, offenen und scheinbar ungeplanten Flächen bietet er seinen Besucher*innen ungestörte Räume und ausreichend Platz für Aneignung. Diese Qualitäten machen den Park in Berlin einzigartig.

Lageplan, Grafik: Johanna König
Lageplan, Grafik: Johanna König

Vier Intensitäten. Ein Park.

Ziel meines Konzeptes ist es, die vorhandenen Qualitäten des Parks aufzunehmen, weiter zu denken und aus dem Bestand heraus zu entwickeln. Die zukünftigen Nutzungen sollen den Park wieder stärker erlebbar und sichtbar machen. Zudem sollen sie es besonders Kindern und Jugendlichen ermöglichen, den verwilderten und naturnahen Charakter dieses Ortes zu entdecken.

Um im Park dauerhaft Erfahrungsräume für Kinder und Jugendliche zu gewährleisten, muss die bestehende Vegetation geschützt und schonend genutzt werden. Dazu werden aus der bestehenden Vegetation vier Bereiche entwickelt, die sich in ihrer Nutzungsintensität unterscheiden. Der schattige, ruhigere Wald wird ausschließlich extensiv genutzt, während die zwei Plateaus und die neue Wiesenbühne zu bunten und stark frequentierten Treffpunkten im Park werden.

Piktogramm und konzeptioneller Schnitt zu den vier Nutzungsintensitäten im Park, Grafik: Johanna König
Piktogramm und konzeptioneller Schnitt zu den vier Nutzungsintensitäten im Park, Grafik: Johanna König

Der Wald.

Beobachten und Lauschen von Flora und Fauna steht im dichten Waldbereich im Vordergrund. Die Nutzung erfolgt hier ausschließlich auf und entlang der Waldwege, sodass der naturnahe Charakter weiterhin geschützt bleibt. Durch Nischen und Balkone entlang der Wege entsteht eine Waldgalerie, die zu einer Pause zwischen dem Schlendern einlädt, zeitgleich bewusste Blicke in den Wald zulässt und den Besucher*innen die Möglichkeit zur Umweltbildung bietet.

Konzept für die Waldgalerie im schattigen und ruhigen Waldbereich des Parks. Grafik: Johanna König
Konzept für die Waldgalerie im schattigen und ruhigen Waldbereich des Parks. Grafik: Johanna König

Im lichten Schatten.

Hier sind vor allem Kinder und Jugendliche explizit eingeladen, den Wald mit seiner Topografie und seinem verwilderten Unterholz zu erkunden und zu erforschen. Naturnahe Spielelemente aus Holz, Hangrutschen und Baumhäuser zum Klettern machen hier den Charakter der locker baumbestandenen Fläche aus.

Auf der blühenden Wiese.

Die offene Spiel- und Liegewiese lädt zum Sporttreiben, Frisbee- oder Ballspielen sowie zu jeglicher Form der Aneignung ein. Dieser Bereich soll bewusst offen und frei bleiben. Die blühenden Wieseninseln und vereinzelte lockere Gruppen von Sitz- und Liegemöbeln sowie Wiesenschaukeln bieten Möglichkeit zum längeren Verweilen.

Piktogramm zur Raumbildung und Vegetation. Durch die unterschiedliche Intensität der Vegetation, von dichter Gehölzstruktur bis zu Solitärgehölzen, werden die vier Parkbereiche räumlich unterschiedlich ausformuliert. Grafik: Johanna König
Piktogramm zur Raumbildung und Vegetation. Durch die unterschiedliche Intensität der Vegetation, von dichter Gehölzstruktur bis zu Solitärgehölzen, werden die vier Parkbereiche räumlich unterschiedlich ausformuliert. Grafik: Johanna König

Die bunten Plateaus.

Hier entstehen neue Treffpunkte im Park. Das laute Plateau verfügt über eine großzügige Rundbank, die Kommunikation nach innen und Aussicht nach außen vereint. Gemeinsam am Lagerfeuer dürfen hier bis in die Abendstunden Geschichten erzählt werden. Die neue Wiesenbühne gestaltet sich als Tribüne und Bühne zugleich, die frei für Performance, Musik oder Tanz angeeignet werden soll. Das leise Plateau ist ein grünes Klassenzimmer und liegt verborgen auf der Bergspitze, sodass beispielsweise Schulklassen dort ungestört lernen können.

Der Entwurf entstand im Rahmen des Entwurfsstudios „Into the Wild“ an der TU Berlin. Mehr über die Hintergründe des Studios und den Volkspark Prenzlauer Berg lesen Sie hier, und weitere Entwürfe von Studierenden gibt’s hier zu entdecken.

Der Firmensitz der GEFÄSSERIE, umgeben von 6.171 heimischen Pflanzen, wurde mit dem BuGG-Award 2024 für die beste Fassadenbegrünung ausgezeichnet.Quelle: Mobilane
Der Firmensitz der GEFÄSSERIE, umgeben von 6.171 heimischen Pflanzen, wurde mit dem BuGG-Award 2024 für die beste Fassadenbegrünung ausgezeichnet.Quelle: Mobilane

Nachhaltige Architektur und Gebäudebegrünung stehen im Mittelpunkt des BuGG-Award 2024. Zwei herausragende Projekte, der Firmensitz der GEFÄSSERIE und die Innenraumbegrünung im Timberjacks Köln, wurden ausgezeichnet und setzen neue Maßstäbe in der grünen Bauweise.

Der BuGG-Award, verliehen vom Bundesverband GebäudeGrün e.V. (BuGG), zeichnet jährlich die besten Projekte in den Kategorien Dach-, Fassaden- und Innenraumbegrünung aus. 2024 wurden insgesamt 55 Projekte eingereicht, von denen die besten durch eine öffentliche Abstimmung gewählt wurden. Die diesjährigen Gewinner zeigen eindrucksvoll, wie Begrünung die Architektur nachhaltig transformieren kann.

Gewinnerprojekt: Firmensitz der GEFÄSSERIE

Die grünste Fassade 2024

Der neue Firmensitz der GEFÄSSERIE in Fuchsstadt hat die BuGG-Fassadenbegrünung des Jahres 2024 gewonnen. Mit einer beeindruckenden Fläche von 172 m² wandgebundener Begrünung, die 6.171 heimische Pflanzen umfasst, setzt das Projekt neue Maßstäbe. Die Pflanzen sind nicht nur ein ästhetisches Highlight, sondern sie leisten auch einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz und verbessern das Stadtklima erheblich.

Technische Innovation

Das Unternehmen entschied sich für das modulare MobiPanel-System von Mobilane, das die Verwendung vorkultivierter Pflanzkassetten ermöglicht. Diese Kassetten vereinfachen die Installation und Pflege der Begrünung. Ein kapillares Bewässerungssystem sorgt für eine gleichmäßige Versorgung der Pflanzen, wodurch der Pflegeaufwand minimiert wird. Das System überzeugt nicht nur durch seine Funktionalität, sondern auch durch seine umweltfreundliche Struktur.

Dach- und Innenraumbegrünung als Ergänzung

Neben der Fassadenbegrünung wurde das Projekt durch ein 140 m² großes Gründach und 23,5 m² Innenraumbegrünung ergänzt. Diese Maßnahmen tragen zu einer besseren Isolierung des Gebäudes bei und schaffen gleichzeitig ein angenehmes Arbeitsumfeld. Die Kombination aus Dach-, Fassaden- und Innenraumbegrünung zeigt, wie ganzheitliche Nachhaltigkeit in der Architektur umgesetzt werden kann.

Freudige Übergabe des BuGG-Awards 2024 in der Kategorie „BuGG-Fassadenbegrünung des Jahres“: (v.l.n.r.) Kathrin Stein, Annelies Kieboom, Dr. Gunter Mann, Heike Schneider und Achim Eilingsfeld (GEFÄSSERIE).Quelle: Bundesverband GebäudeGrün
Freudige Übergabe des BuGG-Awards 2024 in der Kategorie „BuGG-Fassadenbegrünung des Jahres“: (v.l.n.r.) Kathrin Stein, Annelies Kieboom, Dr. Gunter Mann, Heike Schneider und Achim Eilingsfeld (GEFÄSSERIE).Quelle: Bundesverband GebäudeGrün
Gewinner 2024 in der Kategorie „BuGG-Fassadenbegrünung des Jahres“: Das Betriebsgebäude der GEFÄSSERIE in Fuchsstadt, ausgezeichnet für seine beeindruckende grüne Fassade. Quelle: Mobilane
Gewinner 2024 in der Kategorie „BuGG-Fassadenbegrünung des Jahres“: Das Betriebsgebäude der GEFÄSSERIE in Fuchsstadt, ausgezeichnet für seine beeindruckende grüne Fassade. Quelle: Mobilane

Gewinnerprojekt: Timberjacks Köln

Innenraumbegrünung als Wohlfühlfaktor

Das Timberjacks BBQ-Restaurant in Köln erhielt den Titel „BuGG-Innenraumbegrünung des Jahres 2024“. Die 41 m² große grüne Wand, realisiert durch das LivePanel Indoor System von Mobilane, verbessert das Raumklima und sorgt für ein angenehmes Ambiente.

Technische Herausforderungen gemeistert

Die Integration der Begrünung war komplex, da sie in eine bestehende Architektur mit Treppe und Wanddurchbruch integriert werden musste. Dank des modularen Systems konnten diese Herausforderungen gemeistert werden, ohne die Ästhetik oder Funktionalität der Begrünung zu beeinträchtigen.

Gewinner des BuGG-Award 2024 in der Kategorie „BuGG-Innenraumbegrünung des Jahres“: Die beeindruckende Innenbegrünung im Timberjacks Restaurant Köln. Quelle: Mobilane
Gewinner des BuGG-Award 2024 in der Kategorie „BuGG-Innenraumbegrünung des Jahres“: Die beeindruckende Innenbegrünung im Timberjacks Restaurant Köln. Quelle: Mobilane
Die beeindruckende Innenbegrünung im Timberjacks Restaurant Köln, ausgezeichnet mit dem BuGG-Award 2024, schafft eine grüne Wohlfühlatmosphäre für Gäste. Quelle: Mobilane
Die beeindruckende Innenbegrünung im Timberjacks Restaurant Köln, ausgezeichnet mit dem BuGG-Award 2024, schafft eine grüne Wohlfühlatmosphäre für Gäste. Quelle: Mobilane

Warum der BuGG-Award wichtig ist

Förderung von Nachhaltigkeit

Der BuGG-Award würdigt Projekte, die zeigen, wie Begrünung zur nachhaltigen Stadtentwicklung beitragen kann. Gewinnerprojekte wie die GEFÄSSERIE und das Timberjacks inspirieren Architekten und Stadtplaner, innovative Lösungen umzusetzen.

Öffentliche Aufmerksamkeit für Gebäudebegrünung

Erstmals war die Abstimmung zum BuGG-Award 2024 für die Öffentlichkeit zugänglich. Diese Entscheidung sorgte für breitere Aufmerksamkeit und zeigte, wie wichtig Gebäudebegrünung in der öffentlichen Wahrnehmung geworden ist.

Die Vorteile von Begrünung: Was die Gewinnerprojekte beweisen

Klimaschutz und Energieeffizienz

Gebäudebegrünung reduziert den Energieverbrauch durch natürliche Isolation und senkt die Temperaturen in urbanen Räumen. Dies hilft, den Hitzeinseleffekt in Städten zu bekämpfen.

Ästhetik und Wohlbefinden

Grüne Fassaden und Innenräume steigern die Lebensqualität, indem sie eine beruhigende Atmosphäre schaffen und die Luftqualität verbessern. Projekte wie das Timberjacks zeigen, wie Begrünung das Wohlbefinden von Nutzern steigern kann.

Biodiversität fördern

Begrünte Gebäude schaffen Lebensräume für Insekten, Vögel und andere Tiere. Besonders in städtischen Gebieten fördern sie die Biodiversität und tragen zum ökologischen Gleichgewicht bei.

Der BuGG-Award 2024 als Inspiration für die Zukunf

Die Gewinner des BuGG-Award 2024, der Firmensitz der GEFÄSSERIE und das Timberjacks Köln, sind herausragende Beispiele für die transformative Kraft der Begrünung. Sie zeigen, wie innovative Begrünungslösungen nicht nur die Ästhetik, sondern auch die Funktionalität und Nachhaltigkeit von Gebäuden verbessern können.

Mit Projekten wie diesen setzt der BuGG-Award neue Maßstäbe und inspiriert Architekten, Städteplaner und Unternehmen, Begrünung als festen Bestandteil moderner Architektur zu betrachten. Die Zukunft der Bauweise ist grün – und der BuGG-Award 2024 ist ein Beweis dafür.

 

 

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