Digitale Reallabore – Infrastrukturentwicklung im virtuellen Testfeld

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Belebte Stadtstraße mit starkem Verkehr und hohen Gebäuden, fotografiert von Bin White

Digitale Reallabore sind längst keine Vision mehr: Sie revolutionieren die Infrastrukturentwicklung und verwandeln Städte in lernende Systeme. Wie digitale Zwillinge urbane Prozesse simulieren, Planungsfehler verhindern und völlig neue Formen der Beteiligung ermöglichen, erfahren Sie hier – mit exklusiven Einblicken, die es so nur bei G+L gibt.

  • Definition und Entwicklung digitaler Reallabore: Vom 3D-Modell zum dynamischen Entscheidungstool
  • Funktionsweise, Datenquellen und Integration digitaler Zwillinge für die Infrastrukturentwicklung
  • Pionierprojekte aus Europa und deren Übertragbarkeit auf Deutschland, Österreich und die Schweiz
  • Herausforderungen bei Technik, Governance und Planungskultur: Wo stehen DACH-Städte heute?
  • Chancen und Risiken digitaler Zwillinge für Beteiligung, Transparenz und demokratische Kontrolle
  • Potenziale für Klimaresilienz, Mobilität, Smart City und nachhaltige Quartiersentwicklung
  • Rechtliche und ethische Fragen: Datensouveränität, Algorithmuseinfluss und kommerzielle Interessen
  • Digitale Reallabore als Treiber eines neuen Planungsverständnisses und urbaner Innovationskultur
  • Fazit: Warum der Schritt ins virtuelle Testfeld für die Zukunftsfähigkeit von Städten unumgänglich ist

Urban Digital Twins: Digitale Reallabore als neue Infrastrukturwerkstatt

Bis vor wenigen Jahren galten digitale Stadtmodelle als beeindruckende Visualisierungstools für Präsentationen – hübsch anzusehen, aber im Alltag der Stadtplanung bestenfalls ein Gimmick. Doch die Zeiten von statisch gerenderten Modellen sind vorbei: Mit dem Aufkommen der Urban Digital Twins, also digitalen Zwillingen realer Städte, haben urbane Reallabore eine neue Dimension erreicht. Sie sind heute die Schaltzentralen für Infrastrukturentwicklung im virtuellen Testfeld. Was das bedeutet? Ein digitaler Zwilling ist weit mehr als die Summe seiner 3D-Bauteile. Er ist ein hochdynamisches, vernetztes System, das Echtzeitdaten aus Sensorik, Geoinformation, Mobilitätsströmen und Energieverbrauch aufnimmt, verarbeitet und in komplexen Simulationen zusammenführt.

Diese digitalen Reallabore erlauben es, alle Facetten des urbanen Lebens zu testen, bevor sie in der physischen Welt umgesetzt werden. Das reicht von der Frage, wie sich eine neue Straßenbahntrasse auf das Verkehrsnetz auswirkt, bis hin zur Prognose von Hitzeinseln in wachsenden Stadtquartieren. Die große Stärke: Fehler, die in der Simulation erkannt werden, kosten keine Millionen – und keine Lebensqualität. Die Infrastrukturentwicklung wird so zum iterativen Prozess, der ständig aus sich selbst lernt. Planung, Betrieb und Management von Stadtstrukturen werden nicht mehr getrennt betrachtet, sondern als fließender Datenstrom, in dem Ursachen und Auswirkungen in Echtzeit abgebildet und verstanden werden können.

Für Stadtplaner, Architekten und die Verwaltung bietet das eine bisher unerreichte Kontrolle über komplexe Zusammenhänge. Entscheidungen können evidenzbasiert getroffen und in Sekundenschnelle auf ihre Wirkung geprüft werden. Die Digitalisierung der Infrastrukturentwicklung schafft nicht nur Effizienz, sondern ermöglicht erstmals eine urbane Prozessarchitektur, in der Stakeholder auf Augenhöhe kooperieren. Die Stadt wird zum digitalen, lernenden System – und die Rolle des Planers zum Orchestrator eines vielstimmigen, datengetriebenen Dialogs.

Natürlich sind die Anforderungen an Technik und Organisation enorm. Die Integration unterschiedlichster Datenquellen – von Verkehrsüberwachung und Klimasensorik bis zu sozialen Indikatoren – verlangt nach ausgefeilten Schnittstellen und offenen Plattformen. Interoperabilität ist hier das Zauberwort: Nur wenn verschiedene Systeme reibungslos zusammenarbeiten, kann aus dem digitalen Stadtmodell ein echtes Reallabor werden. Und das ist kein Selbstläufer, wie Beispiele aus der Praxis zeigen.

Doch die Mühe lohnt sich: Digitale Zwillinge eröffnen Städten die Möglichkeit, verschiedene Infrastrukturszenarien durchzuspielen, Risiken frühzeitig zu erkennen und Innovationen im geschützten Rahmen zu erproben. Im besten Fall entsteht so eine ganz neue Innovationskultur – eine, die nicht nur auf technischen Fortschritt setzt, sondern die urbane Gesellschaft als Ganzes mitnimmt und befähigt.

Technologische Grundlagen und Anwendungsfelder: Die DNA der digitalen Zwillinge

Das Herzstück eines jeden digitalen Reallabors ist die technologische Infrastruktur. Hier werden geografische Informationssysteme (GIS), Sensorik, IoT-Plattformen und KI-Algorithmen zu einem Ökosystem verknüpft, das die Stadt in all ihren Dimensionen abbildet. Die ständige Aktualisierung durch Echtzeitdaten unterscheidet den digitalen Zwilling grundlegend von traditionellen, statischen Stadtmodellen. Daten zu Verkehr, Energie, Klima, Boden, Gebäuden, aber auch zu sozialen und wirtschaftlichen Parametern, fließen kontinuierlich ein und machen die Simulationen lebendig und präzise.

Doch wie funktioniert dieser Prozess konkret? Beispiel Mobilität: Sensoren an Ampeln, in Bussen oder an Parkplätzen erfassen Bewegungsdaten und leiten sie an die zentrale Urban Data Platform weiter. Dort werden sie mit bestehenden Stadtmodellen verknüpft, durch Algorithmen ausgewertet und in Echtzeit als Simulation visualisiert. Planer können so etwa den Effekt neuer Fahrradachsen oder Buslinien auf das gesamte Verkehrsnetz simulieren. Auch Klimaresilienz wird messbar: Temperatur- und Feuchtigkeitsdaten von Wetterstationen werden mit Bebauungsstrukturen kombiniert, um Hitzeinseln zu erkennen und Begrünungsmaßnahmen gezielt zu steuern.

Ein weiteres Feld ist das urbane Wassermanagement: Hier werden digitale Zwillinge eingesetzt, um Starkregenereignisse und Überflutungsrisiken zu simulieren. Die Integration von Pegelständen, Kanalnetzmodellen und Wetterprognosen macht es möglich, kritische Punkte frühzeitig zu identifizieren und Notfallmaßnahmen zu optimieren. Ähnlich profitieren Energieversorger, die mit Hilfe digitaler Reallabore den Verbrauch in Quartieren analysieren und so smarte Netze planen können. Auch die Bauleitplanung profitiert: Alternative Entwürfe lassen sich im virtuellen Raum auf ihre Auswirkungen testen – auf Windströmungen, Verschattung oder soziale Infrastruktur.

Die Einsatzmöglichkeiten sind nahezu grenzenlos. Digitale Zwillinge werden zur Plattform für Bürgerbeteiligung, indem sie komplexe Prozesse anschaulich machen und Diskussionen über Planungen auf eine neue Ebene heben. Über offene Schnittstellen können externe Akteure – etwa Start-ups oder wissenschaftliche Institutionen – eigene Daten einspeisen und neue Services entwickeln. So entstehen Innovationsökosysteme, in denen technologische und gesellschaftliche Trends frühzeitig erkannt und umgesetzt werden können.

Allerdings ist der Weg zur funktionsfähigen Plattform steinig. Es gilt, technische Standards zu etablieren, Datensicherheit zu gewährleisten und den Wildwuchs proprietärer Systeme zu vermeiden. Offenheit und Transparenz sind hier keine netten Extras, sondern Grundvoraussetzungen für das Vertrauen aller Beteiligten. Nur so können digitale Zwillinge ihr Potenzial als Reallabore der Infrastrukturentwicklung voll entfalten.

Pioniere und Nachzügler: Europas digitale Städte im Praxistest

Wer sich auf dem internationalen Parkett der digitalen Stadtentwicklung umschaut, findet beeindruckende Vorbilder. Singapur gilt als Vorreiter und hat mit Virtual Singapore ein umfassendes digitales Stadtmodell geschaffen, das alle Aspekte der Infrastrukturentwicklung abbildet – von Verkehrsströmen über Energieflüsse bis zur Bürgerbeteiligung. In Helsinki wurde mit dem Projekt 3D City ein lebendiges Reallabor geschaffen, in dem die Auswirkungen von Neubauten auf Mikroklima, Mobilität und Lebensqualität in Echtzeit simuliert werden. Und Wien nutzt seinen Digitalen Zwilling für die Quartiersentwicklung, Klimaanpassung und die Optimierung von Bauleitplänen.

Das Erfolgsgeheimnis dieser Städte? Sie begreifen Digitalisierung nicht als Selbstzweck, sondern als Instrument für bessere, schnellere und inklusivere Planung. In Zürich etwa werden Verkehrs- und Stadtentwicklungsdaten gekoppelt, um die Auswirkungen neuer Wohngebiete auf Mobilität, Lärm und Emissionen zu simulieren. Rotterdam nutzt digitale Reallabore zur Hochwasservorsorge und zur Steuerung von Grünflächen. Überall dort, wo Verwaltung, Forschung und Wirtschaft kooperieren, entstehen Innovationsräume, in denen Planung und Betrieb Hand in Hand gehen.

Und wie steht es um Deutschland, Österreich und die Schweiz? Hier gibt es zahlreiche Pilotprojekte: Hamburg experimentiert mit Digital Twins für das Hafenmanagement und die Innenstadtentwicklung. München, Ulm oder Köln setzen auf Urban Data Platforms, um Mobilität und Energie zu vernetzen. In der Schweiz arbeitet Städte wie Zürich und Basel an der Integration von Echtzeitdaten in die Stadtentwicklung. Doch der Maßstab bleibt oft fragmentiert: Unterschiedliche Standards, fehlende Schnittstellen und eine zögerliche Verwaltungskultur bremsen die Dynamik.

Ein weiteres Hemmnis ist die Unsicherheit über Verantwortlichkeiten und Datenhoheit. Wer kontrolliert die digitalen Zwillinge? Wer darf Daten einspielen, wer entscheidet über die Algorithmen? Gerade deutsche Städte tun sich schwer, Planungshoheit und Datensouveränität in Einklang zu bringen. Die Angst, mit digitalen Reallaboren Kontrolle und Verantwortung aus der Hand zu geben, ist groß – und verständlich. Doch sie darf nicht dazu führen, dass Innovation ausgebremst wird.

Die Lehre aus den Pionierprojekten ist eindeutig: Wer den Mut hat, offene Plattformen zu schaffen und Innovationen zuzulassen, wird belohnt – mit effizienterer Planung, resilienteren Infrastrukturen und einer Stadtgesellschaft, die sich aktiv einbringt. Es ist Zeit, den Schritt ins digitale Testfeld zu wagen, auch wenn nicht jede Variable von Beginn an kontrollierbar ist.

Transparenz, Teilhabe und Governance: Die Grenzen des digitalen Reallabors

Digitale Zwillinge sind mächtige Werkzeuge – und gerade deshalb keine Selbstläufer. Ihre größte Stärke, die datengetriebene Simulation, birgt im gleichen Atemzug erhebliche Risiken. Wer entscheidet, welche Daten einfließen? Nach welchen Kriterien werden Szenarien berechnet? Und wie werden die Ergebnisse kommuniziert, sodass sie für alle verständlich sind? Ohne klare Governance-Strukturen drohen digitale Reallabore zur Black Box zu werden, deren Entscheidungen undurchschaubar und damit angreifbar bleiben.

Transparenz ist daher das Gebot der Stunde. Nur wenn nachvollziehbar ist, wie Simulationen zustande kommen und welche Annahmen zugrunde liegen, kann das Vertrauen von Verwaltung, Politik und Öffentlichkeit gewonnen werden. Open Urban Platforms, offene Schnittstellen und die Möglichkeit zur externen Überprüfung der Algorithmen sind zentrale Bausteine. Ebenso wichtig ist die Dokumentation aller Datenquellen, Prozesse und Entscheidungswege – ein echter Paradigmenwechsel gegenüber der klassischen Verwaltungskultur.

Auch die Beteiligung der Stadtgesellschaft muss neu gedacht werden. Digitale Reallabore eröffnen hier einzigartige Chancen: Bürger können Simulationen direkt nachvollziehen, Varianten diskutieren und eigene Vorschläge einbringen. Doch diese Beteiligung darf nicht zur Alibiveranstaltung verkommen. Sie muss ernsthaft integriert und mitgestaltet werden. Nur so wird aus dem digitalen Zwilling ein demokratisches Innovationslabor, in dem divergierende Interessen sichtbar und verhandelbar werden.

Gleichzeitig ist Vorsicht geboten: Die Kommerzialisierung von Stadtmodellen, der Einfluss privater Softwareanbieter und die Gefahr algorithmischer Verzerrungen sind reale Risiken. Hier braucht es klare Regeln, unabhängige Kontrollen und eine breite gesellschaftliche Debatte über die Ziele und Grenzen digitaler Stadtentwicklung. Wer die Governance des digitalen Reallabors dem Zufall überlässt, riskiert nicht nur Fehlentscheidungen, sondern auch den Verlust von Vertrauen in Verwaltung und Planung.

Am Ende entscheidet nicht die Technik über den Erfolg digitaler Zwillinge, sondern das Zusammenspiel aus Transparenz, Teilhabe und verantwortungsvoller Steuerung. Nur so wird aus dem virtuellen Testfeld ein Motor für nachhaltige, inklusive und resiliente Städte.

Fazit: Die Zukunft der Infrastruktur entsteht im digitalen Reallabor

Digitale Reallabore, angetrieben durch Urban Digital Twins, markieren eine Zäsur in der Geschichte der Infrastrukturentwicklung. Sie machen aus der Stadt ein lernendes System, in dem Planung, Betrieb und Beteiligung verschmelzen. Die Simulation von Szenarien in Echtzeit ersetzt nicht den klassischen Städtebau – aber sie ergänzt ihn um eine neue, datenbasierte Dimension, die Planungsfehler minimiert und Innovation beschleunigt. Europäische Pioniere zeigen, wie offene Plattformen, klare Governance und gesellschaftliche Teilhabe die Stadtentwicklung revolutionieren können.

Deutschland, Österreich und die Schweiz stehen an der Schwelle zu dieser Transformation. Der Weg ist nicht frei von Hürden: Technische Standards, Datensicherheit, Verantwortlichkeiten und kulturelle Vorbehalte müssen überwunden werden. Doch die Potenziale überwiegen: Smartere Flächennutzung, resilientere Infrastrukturen, mehr Transparenz und Beteiligung – all das ist im digitalen Reallabor möglich. Entscheidend ist der Mut, neue Wege zu gehen und nicht am Alten festzuhalten.

Wer heute in digitale Zwillinge und Reallabore investiert, gestaltet nicht nur die Infrastruktur der Zukunft, sondern auch die Innovationskultur der Stadtgesellschaft. Der Schritt ins virtuelle Testfeld ist kein Selbstzweck – er ist die Basis für nachhaltige, lebenswerte und zukunftsfähige Städte. Die Zeit des Zögerns ist vorbei. Willkommen in der Ära der Echtzeitplanung – und im digitalen Labor der urbanen Zukunft.

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bhm Planungsgesellschaft: Rennbahnpark in Frankfurt am Main

Die Umgestaltung der ehemaligen Rennbahn nutzt den Aushub des Geländes für die Schaffung einer dynamischen Dünenlandschaft, die bewusst der natürlichen Sukzession überlassen wird. © BHM Planungsgesellschaft mbH, N. Benner

Der Frankfurter Rennbahnpark ist ein Paradebeispiel für die moderne Landschaftsarchitektur, die ökologische Nachhaltigkeit mit urbaner Freizeitgestaltung vereint. Inmitten der Stadt wurde eine ehemalige Rennbahn zu einem Park umgestaltet, der nicht nur Erholungsflächen bietet, sondern auch zur Klimaanpassung und Förderung der Biodiversität beiträgt. Der Park wurde so konzipiert, dass er in seiner Struktur sowohl den ökologischen als auch den sozialen Anforderungen gerecht wird und dabei neue, zukunftsfähige Freiräume für die Stadtbevölkerung schafft. Wie der Park diese Herausforderung meistert, stellt das Büro bhm Planungsgesellschaft in der folgenden Projektvorstellung selbst vor.

Oase inmitten der Stadt

Die Landschaftsarchitektur ist heute geforderter denn je, wichtige Beiträge zur Klimaanpassung und ökologischen Funktionsfähigkeit unserer Städte zu leisten. Der Frankfurter Rennbahnpark ist aus dieser Perspektive ein richtungsweisendes Projekt, da hier eine urbane Brache revitalisiert wurde. Angebote für Erholung und Freizeit wurden verknüpft und mit dem Erhalt und der Entwicklung ökologisch wertvoller Flächen und dem urbanen Naturerlebnis kombiniert. So entstand eine ästhetische Einheit mit vielfältigen Freiraumangebote, die das Areal zu einem besonderen Parktypus werden ließen. Zentrale Aspekte des Entwurfes waren Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung, Entwicklung der vorhandenen Biodiversität sowie Klimaresilienz. Die landschaftlichen und ökologischen Qualitäten des Ortes spiegeln sich in einer besonderen Struktur und Gestaltsprache des Parks wider. Mit seiner urban-ökologischen Ausrichtung steht der Rennbahnpark im Zeichen einer nachhaltigen Koexistenz von menschlicher Freizeitgestaltung und ökologisch wertvollem Raum für die Natur.

Park in drei Zonen

Leitidee war, den Raum in drei ablesbare Zonen mit differenzierten Nutzungen zu gliedern: der ruhige Waldsaum, der Bereich der ehemaligen Rennbahnfläche und die große naturnahe Wiesenfläche mit den Magerrasenflächen im Zentrum. Im Band der ehemaligen Rennbahn wurden die nutzungsintensiven Sport- und Spielbereiche mit einer Calisthenics-Anlage, Kinderspielbereiche und Bolzplatz in einer lockeren Struktur von Wiesen und bänderartigen Baumhainen eingebunden, die die Form der Rennbahn aufnehmen. Spielgeräte erinnern aufgrund ihrer Gestaltung an die Geschichte und Nutzung des Ortes. Die Übergänge zur zentralen Fläche wurden durch Modellierungen und einzelne Objekte betont. Diese öffnen Blickpunkte, geben Orientierung und schaffen besondere Orte im Park. Die Modellierungen sind Teil eines nachhaltigen Bodenmanagements. Der Aushub wurde innerhalb des Parks wiederverwendet und beispielsweise zu einer dynamischen Dünenlandschaft im Osten geformt, die bewusst Sukzession zulässt. Eine in die Dünen integrierte Aussichtstreppe erinnert an die historischen Schiedsrichtertürme. Der „Skylineview“ gibt das Panorama auf die Frankfurter Hochhauskulisse frei und dient als Treffpunkt. Eine Treppe mit Sitzstufen am Teich und eine Aussichtsplattform wurden durch ihre Gestaltung zum besonderen Treffpunkt.

Weite als Grundbaustein für Aufenthaltsqualität und Zukunftsfähigkeit

Die Besonderheit des Ortes besteht vor allem in der Weite inmitten des städtischen Umfeldes. Zudem wurden alle Gestaltungsmittel auf die Gegebenheiten vor Ort ausgerichtet. Teilaspekte wurden weiterentwickelt und eine klare Gliederung der Fläche vorgenommen. So bleiben die vorhandenen Qualitäten des Ortes erhalten bzw. wurden zu einem besonderen Park weiterentwickelt. Hierbei stand der Ökologieaspekt, das Naturerlebnis inmitten der Stadt und die Integration von verschiedensten Aktivitätsangeboten wie Calisthenics, Spiel- und Sportmöglichkeiten und Ruhebereichen im Vordergrund der Planung und sorgen seither für Aufenthaltsqualität bzw. stärken die Zukunftsfähigkeit des städtischen Raumes. Der Wert der zentralen Wiesen und Rasenflächen und die daraus resultierende Weite sind dabei ebenso Rückgrat des Entwurfes, wie der umgebende Saum aus dichten Waldbereichen und der Blick auf die Skyline von Frankfurt.

Langfristige Gestaltung mit natürlicher Integration

Neben der Weiterentwicklung der vorhandenen Struktur und der Qualität des Bestandes ergab sich die wesentliche Aufgabe, große Flächen die der Naturentwicklung gewidmet sind, behutsam in ein robustes Parkkonzept zu überführen. Gleichzeitig galt es dem Park ein langfristiges, robustes Raumgerüst zu geben, welches auf den weiten Flächen neue Aufenthaltsqualitäten bietet und die Veränderung zu einem öffentlichen Park ablesbar macht. Der Entwurf erhält dabei die Geschichte des Ortes als Rennbahn, akzentuiert und ergänzt sie durch neue Parkelemente, und schafft so die Neuinterpretation der Fläche als städtische Parkanlage. Die Elemente wurden durch die dominierende Weite des Ortes und ein klar ablesbares Erschließungskonzept verknüpft und gestalterisch eingebunden.

Innovative Pflanzenverwendung, robuste Materialien als Schlüsselfaktoren

Auch das Vegetationskonzept trägt zum Erfolg der Parkanlage bei. Es lässt sich in einfachen Worten beschreiben: Erhalt, Förderung, Nachhaltigkeit, Entwicklung. So blieben der umgebende Gehölzsaum, die ehemalige Rennbahn und die zentrale Wiesenfläche des ehemaligen Golfplatzes räumlich und strukturell bestehen und funktional miteinander verbunden. Für die im Zentrum vorhandenen, ökologisch wertvollen Sandmagerrasen wurden Maßnahmen ergriffen, die den Bestand langfristig sichern. Generell wurde für alle Vegetationsflächen ein detailliertes Pflegemanagement erarbeitet, dass neben sämtlichen Pflanzungen auch auf die Ansaaten eingeht. Ziel dieses Konzeptes ist es, den Park behutsam aus dem Bestand zu entwickeln.

Langfristige Bepflanzung

Die ehemalige Rennbahn wurde zum nutzbaren Parkbereich umgebaut, in dem neben zahlreichen Nutzungsangeboten auch wichtige Erschließungs- und Vegetationselemente ihren Platz fanden. Längliche, die Form der Rennbahn aufnehmende Streifen gliedern die jetzige Rasenfläche. Diese Streifen treten durch blühende, insektenfreundliche Ansaaten und Gehölz- bzw. Stauden- und Gräserpflanzungen in Erscheinung. Durch die bewusste Auswahl von Gehölzen wurde ein differenziertes, sich über mehrere Jahre hinweg entwickelndes Vegetationskonzept umgesetzt, das langfristig eine klare Gliederung der Parkfläche sichert und so Räume für eine Vielzahl an Nutzung schafft. Ergänzt wurden diese Pflanzungen durch Bäume, die die übergeordnete Struktur aufgreifen und dank der Pflanzung in Reihen die Bewegungen der Pferde in den Kurven assoziativ aufnehmen. Bewusst wurden nur standortheimische Baum- und Gehölzarten gewählt, die gleichzeitig auf die Anforderungen des Klimawandels reagieren können.

 

Nachhaltige Materialien

Neben Pflanzungen war auch die Materialauswahl entscheidend. Auch sie lässt sich mit wenigen Schlagworten zusammenfassen: robust, langlebig, regional, nachhaltig. Der prägende Rundweg, der die Form der Rennbahn aufnimmt, wurde als wassergebundene Wegedecke ausgeführt, um so die versiegelte Oberfläche zu minimieren und die Optik eines Parks zu unterstreichen. Der westlich gelegene Skyview, dessen Plattform durch Massivholz- und Natursteinblöcken geprägt ist, lädt zum Verweilen ein und gibt den Blick auf die Skyline von Frankfurt frei. Er ist wahlweise über eine Treppe aus regionalem Sandstein oder einen barrierefreien Weg erreichbar. Die Trainingselemente der Calistehnicsanlage wurden bewusst in Metall ausgeführt. Der notwendige Fallschutzbelag fügt sich aufgrund der Farbgestaltung in den Park ein.  Die Gestaltung des Spielplatzes orientiert sich an der Geschichte der ehemaligen Pferderennbahn. Das EPDM-Spielfeld des Bolzplatzes wird an den langen Seiten von Natursteinelementen gerahmt, die als Sitzmöglichkeiten und als Bande dienen. Neben Naturstein und Holz, welches nochmals in Form von Stelen an den Zugängen des Parks in Erscheinung tritt, kam auch Metall zum Einsatz. Sowohl die Aussichtsplattform im Osten des Areals, als auch das Landschaftsfenster am Teich wurden aus Metall hergestellt. Die Aussichtsplattform ist geprägt durch eine Treppenwange aus Cortenstahl, in die die Silhouette von Rennpferden integriert wurde. Das Landschaftsfenster besticht hingegen durch einen Steg, der sich über den Teich zieht und von großen Metallbögen gerahmt wird.

Innovative Pflegekonzepte

Bei der Auswahl und Konzeption der Materialien bzw. Bepflanzung wurden stets Themen der Pflege und des Unterhalts mitgedacht. Alle Materialien sind langlebig und robust. Die Pflanzungen wurden entsprechend der Anforderungen durch den Klimawandel ausgewählt und ein langfristiges Entwicklungs- und Pflegekonzept erstellt. Der Kernbereich mit den prägenden Sandmagerrasenflächen blieb erhalten und wurde durch rund 7 300 Quadratmeter neuer Sandmagerrasenfläche ergänzt. Um diese sehr wertvollen mageren Standorte langfristig zu erhalten und zu pflegen, wurde ein Beweidungskonzept entwickelt. Fest in die Gestaltung des Parks integrierte Weidezaunpfosten dienen als Fixpunkte für Schafzäune. Die großen Rasenflächen im intensiv genutzten Randbereich wurden durch Wiesen-, Stauden- und Gehölzbänder strukturiert, deren Dimension und Abstand zueinander so gewählt wurde, dass die Flächen problemlos mit Aufsitzmähern gepflegt werden können.

Berücksichtigung demografische Entwicklung und sozialer Aspekte

Soziale Aspekte spielten eine große Rolle bei der Konzeption des Rennbahnparks. Die vielen Freizeitangebote und großzügigen Aufenthaltsbereiche bieten ausreichend Platz zur Zusammenkunft und für sportliche Aktivitäten. Der Aufbau einer Kinderfarm im Norden des Areals dient als zusätzliches Angebot und soll den Kindern und Jugendlichen der angrenzenden Stadtteile als Lernort und Treffpunkt zur Verfügung stehen. Bereits in der Planung wurden sehr viele Nutzergruppen und Akteure (UNB, Grünflächenamt, Calisthenics-Gruppe, Verein der Kinderfarm etc.) in einen intensiven, interdisziplinären und partizipativen Planungsprozess eingebunden. Auch durch eine aktive Bürgerinfo mit eigener Projekthomepage, Kinder- und Jugendbeteiligung und Presseterminen konnte ein breiter Konsens über die Ziele und die besondere Struktur des Parks erreicht werden.

bhmp – Stadt, Landschaft, Denken, Entwerfen.

Die Weiterentwicklung unserer Lebensumwelt stellt eine komplexe Planungsaufgabe dar. Bei bhmp arbeiten wir daher ganz bewusst in interdisziplinären Teams mit engagierten Mitarbeiter*innen unterschiedlicher Fachdisziplinen. So bearbeiten wir Fragestellungen aus mehreren Perspektiven heraus und entwickeln ganzheitliche Lösungsansätze. Dabei ist der intensive Dialog mit unseren Auftraggebern ein zentrales Element unserer Unternehmenskultur. Zentrale Grundlage unserer Arbeit ist ein breit gefächertes und hohes Wissensniveau, auf dessen Grundlage wir auch besondere Aufgaben übernehmen: Übergeordnete Analysen, Gutachten, Projektmanagement führen wir ebenso wie Bürgerbeteiligungsverfahren erfolgreich durch. Über die reine Fachplanung hinaus, können wir damit in der Beratung von Kommunen und Unternehmen, sowie der Projektbegleitung Verantwortung übernehmen. Wir legen Wert auf gute handwerkliche Qualität und die Angemessenheit der Lösung für den Ort und den Kontext der Aufgabe. Bei der Planung und Umsetzung ist für uns Verlässlichkeit selbstverständlich. Auch deshalb können wir auf langjährige und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit unseren zahlreichen gewerblichen und kommunalen Auftraggebern zurückblicken.

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