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Digitale Zwillinge für Pendlerströme im suburbanen Raum

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Panorama: Stadt und grüne Landschaft treffen auf schneebedeckte Berge in der Schweiz. Foto von Daniele Mason.
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Stellen Sie sich vor, Sie könnten den täglichen Pendlerverkehr im suburbanen Raum nicht nur beobachten, sondern in Echtzeit verstehen, vorhersehen und steuern – und das aus der Perspektive eines digitalen Zwillings, der alle Bewegungen, Staus und Potenziale sekundenaktuell abbildet. Was wie ein Zukunftsszenario klingt, ist in Vorzeigestädten längst Realität und verspricht auch für Deutschland, Österreich und die Schweiz völlig neue Möglichkeiten für urbane Planung, Mobilitätsmanagement und nachhaltige Entwicklung. Doch wie funktioniert das im Detail, welche Hürden warten, und warum ist gerade jetzt der perfekte Zeitpunkt, den Sprung in diese digitale Dimension der Stadtplanung zu wagen?

  • Digitale Zwillinge als präzise, dynamische Stadtmodelle: Grundlagen und Funktionsweise
  • Spezieller Fokus: Wie digitale Zwillinge Pendlerströme im suburbanen Raum sichtbar und steuerbar machen
  • Technische und organisatorische Voraussetzungen für erfolgreiche Digital-Twin-Projekte
  • Praxisbeispiele aus Europa und aktuelle Pilotprojekte in Deutschland, Österreich und der Schweiz
  • Analyse der größten Herausforderungen: Datenschutz, Governance, Interoperabilität und Akzeptanz
  • Chancen und Risiken: Demokratisierung der Planung versus algorithmische Verzerrungen
  • Digitale Zwillinge als Treiber für nachhaltige, resiliente und klimafreundliche Mobilitätsplanung
  • Ausblick: Wie Planer, Städte und Regionen von der Integration digitaler Zwillinge profitieren können

Digitale Zwillinge: Das neue Nervensystem für Pendlerströme im suburbanen Raum

Die klassische Vorstellung von Stadtplanung als statischer Entwurf mit langen Planungszyklen und wenig Flexibilität ist spätestens seit dem Siegeszug der Digitalisierung passé. Insbesondere bei der Analyse und Steuerung von Pendlerströmen im suburbanen Raum, also in den oft unterschätzten Zwischenwelten zwischen Stadt und Land, stoßen konventionelle Methoden schnell an ihre Grenzen. Hier setzt das Konzept des digitalen Zwillings an – einer Art lebendiges, digitales Nervensystem, das den Ist-Zustand und die Dynamik urbaner und suburbaner Lebensräume präzise in Daten abbildet.

Digitale Zwillinge sind mehr als 3D-Modelle mit hübscher Optik. Sie sind komplexe, datengestützte Simulationen, die sämtliche relevanten Parameter in Echtzeit erfassen und analysieren. Vom Verkehrsaufkommen auf Ausfallstraßen über die Auslastung von Park&Ride-Anlagen bis hin zu Wetterdaten, Schulferien und Großveranstaltungen: All diese Faktoren fließen in das digitale Abbild ein und ermöglichen so eine bislang unerreichte Transparenz. Gerade im suburbanen Raum, wo täglich Tausende Menschen zwischen Wohnort und Arbeitsplatz pendeln, entsteht so eine wertvolle Datenbasis, die den Alltag von Planern, Verkehrsmanagern und Entscheidern revolutionieren kann.

Der Clou: Digitale Zwillinge sind keine statischen Abbilder, sondern lernende Systeme. Sie können, basierend auf historischen und aktuellen Daten, Prognosen erstellen, Szenarien durchspielen und die Auswirkungen von Maßnahmen – etwa die Einführung neuer Buslinien, veränderte Ampelschaltungen oder temporäre Straßensperrungen – simulieren, bevor diese real umgesetzt werden. Für die Steuerung von Pendlerströmen eröffnet das völlig neue Dimensionen: Engpässe werden frühzeitig erkannt, Alternativrouten können gezielt vorgeschlagen, Anreize für nachhaltige Mobilität geschaffen und die Resilienz des Gesamtsystems gestärkt werden.

Allerdings ist der Weg zum digitalen Zwilling für Pendlerströme kein Selbstläufer. Es braucht ein tiefes Verständnis für die spezifische Dynamik suburbaner Räume, die oft durch Zersiedelung, geringe ÖPNV-Dichte und hohe Abhängigkeit vom Individualverkehr geprägt sind. Gleichzeitig verlangen digitale Zwillinge eine Konsolidierung unterschiedlichster Datenquellen – von Verkehrsdetektoren über Mobilfunkdaten bis hin zu Umweltsensoren und Geoinformationssystemen. Nur wenn diese Daten intelligent verknüpft und nutzbar gemacht werden, entfaltet der digitale Zwilling sein volles Potenzial.

Bemerkenswert ist, dass der Einsatz dieser Technologie nicht nur technologische, sondern vor allem kulturelle und organisatorische Fragen aufwirft. Wer besitzt und verwaltet die Daten? Wie werden Bürger eingebunden und Akzeptanz geschaffen? Welche Rolle spielen etablierte Verwaltungsstrukturen, und wie lassen sich Silos überwinden? Der digitale Zwilling für Pendlerströme ist deshalb immer auch ein Testfall für die Innovationskraft und Flexibilität kommunaler und regionaler Akteure – und ein Gradmesser für die Zukunftsfähigkeit der Stadtplanung insgesamt.

Von der Datensammlung zur Steuerungsintelligenz: So funktionieren digitale Zwillinge in der Praxis

Die technologische Grundlage jedes digitalen Zwillings bildet das Zusammenspiel aus Datenakquise, Datenintegration und intelligenter Analyse. Im Kontext der Pendlerströme im suburbanen Raum bedeutet das: Zunächst müssen möglichst viele relevante Datenquellen erschlossen werden. Dazu gehören klassische Verkehrszählungen, Daten aus intelligenten Ampelsystemen, Echtzeitinformationen von ÖPNV-Betreibern, anonymisierte Bewegungsdaten aus Mobilfunknetzen, Wetterstationen sowie Sensoren, die Luftqualität oder Lärmbelastung messen. All diese Informationen laufen in einer zentralen Plattform zusammen, die als Herzstück des digitalen Zwillings fungiert.

Der eigentliche Mehrwert entsteht aber erst durch die intelligente Verknüpfung und Auswertung dieser Daten. Moderne Systeme nutzen dabei Methoden der künstlichen Intelligenz, maschinelles Lernen und prädiktive Analytik, um komplexe Zusammenhänge zu erkennen und zu interpretieren. Ein Beispiel: Durch die Analyse von Mobilitätsmustern lassen sich Stoßzeiten, Engpässe und Ausweichverhalten von Pendlern exakt bestimmen. Kombiniert man diese Erkenntnisse mit Wetterprognosen oder Baustellenplänen, kann der digitale Zwilling frühzeitig vor drohenden Staus warnen oder Empfehlungen für alternative Routen aussprechen.

Ein entscheidender Vorteil digitaler Zwillinge liegt in ihrer Fähigkeit, „Was-wäre-wenn“-Szenarien durchzuspielen. Planer können auf Knopfdruck simulieren, wie sich etwa eine neue S-Bahn-Verbindung auf die Verkehrslast bestimmter Knotenpunkte auswirkt, wie sich Homeoffice-Trends auf die Auslastung von Pendlerstrecken niederschlagen oder wie kurzfristige Sperrungen infolge von Unwettern kompensiert werden könnten. Diese Simulationsfähigkeit macht den digitalen Zwilling zu einem unverzichtbaren Instrument für proaktive, resiliente und nachhaltige Mobilitätsplanung.

In der Praxis ist die Einführung digitaler Zwillinge für Pendlerströme jedoch mit einigen Herausforderungen verbunden. Technisch müssen Schnittstellen geschaffen werden, die den Austausch zwischen unterschiedlichsten IT-Systemen und Datenformaten ermöglichen. Organisatorisch sind neue Kompetenzen gefragt: Datenanalysten, Stadtplaner und Verkehrsingenieure müssen eng zusammenarbeiten, um die gewonnenen Erkenntnisse in konkrete Maßnahmen zu übersetzen. Nicht zuletzt ist die Frage der Datensicherheit und des Datenschutzes von zentraler Bedeutung, insbesondere wenn Bewegungsdaten von Personen – auch anonymisiert – verarbeitet werden.

Trotz dieser Herausforderungen zeigen Pilotprojekte in europäischen Städten, dass der Aufwand lohnt. In Kopenhagen etwa werden digitale Zwillinge genutzt, um Fahrradströme in Echtzeit zu analysieren und Ampelschaltungen dynamisch anzupassen. In Wien ist ein umfassender Digital Twin im Einsatz, der neben dem städtischen auch den suburbanen Raum abdeckt und so die Grundlage für interkommunale Verkehrsplanung bildet. Diese Beispiele machen deutlich: Wer den Sprung wagt und in digitale Zwillinge investiert, verschafft sich einen entscheidenden Wissens- und Handlungsvorsprung im Wettbewerb um lebenswerte, effiziente und nachhaltige Mobilität.

Suburbaner Raum: Zwischen Wachstumsdruck, Zersiedelung und digitaler Transformation

Die Herausforderungen suburbaner Räume im deutschsprachigen Raum sind mindestens so vielfältig wie ihre Morphologie. Hier treffen Wachstumsschub und Zersiedelung, ein oft fragmentiertes Verkehrsangebot und ein hoher Anteil an Autofahrern auf zunehmende Anforderungen an Klimaschutz, Wohnqualität und Erreichbarkeit. Gerade die Pendlerströme stellen Städte, Gemeinden und Regionen vor enorme Herausforderungen: Tägliche Staus auf Ein- und Ausfallstraßen, überfüllte Bahnhöfe, fehlende Radwege und ein ÖPNV, der an die Grenzen seiner Kapazität stößt, sind vielerorts an der Tagesordnung.

Digitale Zwillinge bieten die Chance, diese komplexen Herausforderungen ganzheitlich und vorausschauend anzugehen. Indem sie den suburbanen Raum nicht als abstrakte Fläche, sondern als dynamisches System begreifen, in dem Menschen, Infrastrukturen und Umweltfaktoren in ständiger Wechselwirkung stehen, ermöglichen sie eine völlig neue Qualität der Planung. Verkehrsflüsse werden nicht mehr als statische Größen betrachtet, sondern als Ergebnis eines Zusammenspiels aus individuellen Entscheidungen, infrastrukturellen Rahmenbedingungen und externen Einflüssen.

Praktisch bedeutet das: Mit Hilfe digitaler Zwillinge können Planer etwa erkennen, welche Pendlerkorridore besonders anfällig für Überlastungen sind, wo Parkdruck herrscht oder wie sich geplante Neubaugebiete auf die Verkehrssituation auswirken werden. Sie können gezielt Maßnahmen entwickeln, um den Anteil nachhaltiger Mobilität zu erhöhen, etwa durch verbesserte Fahrradinfrastruktur, multimodale Mobilitätsstationen oder intelligente Mitfahrsysteme. Und sie können die Wirkung dieser Maßnahmen nicht nur im Nachhinein evaluieren, sondern bereits im Vorfeld simulieren und optimieren.

Ein weiterer Vorteil digitaler Zwillinge im suburbanen Raum liegt in ihrer Fähigkeit, sektorübergreifende Synergien zu identifizieren. So können etwa städtebauliche, verkehrliche und ökologische Fragestellungen miteinander verknüpft werden, um Flächen effizienter zu nutzen, Emissionen zu senken und die Lebensqualität für Bewohner zu steigern. Gerade angesichts der ambitionierten Klimaziele und der Notwendigkeit, Flächenverbrauch und Verkehrsaufkommen zu reduzieren, sind solche integrierten Ansätze von unschätzbarem Wert.

Allerdings dürfen die Risiken nicht unterschätzt werden. Die Abhängigkeit von datengetriebenen Modellen birgt die Gefahr algorithmischer Verzerrungen, wenn etwa bestimmte Nutzergruppen oder Verkehrsmodi systematisch unterrepräsentiert sind. Auch die Gefahr einer Kommerzialisierung städtischer Dateninfrastrukturen ist real, insbesondere wenn private Anbieter zentrale Komponenten digitaler Zwillinge kontrollieren. Deshalb ist es wichtig, von Anfang an auf offene, transparente und partizipative Strukturen zu setzen – damit der digitale Zwilling nicht zur Black Box wird, sondern zum Motor einer inklusiven und demokratischen Stadtentwicklung.

Governance, Partizipation und Transparenz: Die wichtigsten Stellschrauben für den Erfolg

Die erfolgreiche Implementierung digitaler Zwillinge für Pendlerströme im suburbanen Raum ist keine rein technische Aufgabe. Sie erfordert ein neues Verständnis von Governance, Partizipation und Transparenz. Denn nur wenn alle relevanten Akteure – von der Verwaltung über Verkehrsbetriebe und Infrastrukturbetreiber bis hin zu Bürgern, Unternehmen und der Wissenschaft – in die Entwicklung, Nutzung und Weiterentwicklung einbezogen werden, kann das volle Potenzial dieser Technologie ausgeschöpft werden.

Ein zentrales Thema ist die Sicherstellung von Datensouveränität und Datenschutz. Öffentliche Stellen müssen klare Regeln für den Umgang mit sensiblen Mobilitätsdaten definieren, Schnittstellen offenhalten und sicherstellen, dass zentrale Komponenten des digitalen Zwillings unter öffentlicher Kontrolle bleiben. Gleichzeitig gilt es, die Hürden für die Nutzung und Weiterverarbeitung der Daten möglichst niedrig zu halten, um Innovationen zu fördern und die Integration neuer Anwendungen zu erleichtern.

Ein weiteres Schlüsselelement ist die Stärkung der Partizipation. Digitale Zwillinge bieten die Möglichkeit, komplexe Zusammenhänge und Planungsentscheidungen anschaulich und verständlich zu visualisieren – und so Bürgern und Entscheidungsträgern gleichermaßen den Zugang zu relevanten Informationen zu erleichtern. Durch partizipative Formate, digitale Werkzeuge und offene Datenplattformen kann eine neue Qualität der Beteiligung und Mitgestaltung entstehen, die nicht nur die Akzeptanz von Maßnahmen erhöht, sondern auch neue Perspektiven und Lösungsansätze hervorbringt.

Transparenz ist dabei nicht nur eine Frage der Technik, sondern vor allem eine Frage der Haltung. Planer, Entscheider und Entwickler digitaler Zwillinge müssen bereit sein, ihre Modelle, Annahmen und Entscheidungsgrundlagen offen zu legen und sich der öffentlichen Diskussion zu stellen. Nur so kann Vertrauen geschaffen werden – und nur so lassen sich die Risiken von technokratischem Bias und algorithmischer Intransparenz wirksam begrenzen.

Schließlich ist es entscheidend, die Kompetenzen und Ressourcen in den Verwaltungen und bei den Projektpartnern nachhaltig zu stärken. Der Umgang mit digitalen Zwillingen erfordert neue Fähigkeiten – von Datenanalyse über Szenarioentwicklung bis hin zu strategischer Kommunikation. Investitionen in Qualifizierung, Wissenstransfer und interdisziplinäre Zusammenarbeit zahlen sich deshalb langfristig aus und sind der Schlüssel, damit der digitale Zwilling nicht zum Selbstzweck, sondern zum echten Mehrwert für die Stadt- und Verkehrsplanung wird.

Fazit: Der digitale Zwilling als Zukunftslabor für nachhaltige Pendlerströme

Digitale Zwillinge sind weit mehr als ein technologischer Hype – sie markieren einen Paradigmenwechsel in der Analyse, Steuerung und Gestaltung von Pendlerströmen im suburbanen Raum. Indem sie die Komplexität urbaner und suburbaner Mobilität in Echtzeit abbilden, analysieren und simulieren, schaffen sie eine neue Grundlage für evidenzbasierte, resiliente und nachhaltige Planungsentscheidungen. Die Beispiele aus europäischen Metropolen und die ersten Pilotprojekte im deutschsprachigen Raum zeigen: Wer jetzt in offene, partizipative und transparente Digital-Twin-Lösungen investiert, sichert sich nicht nur einen Innovationsvorsprung, sondern gestaltet aktiv die Mobilität und Lebensqualität der Zukunft.

Doch der Weg dorthin ist anspruchsvoll und verlangt mehr als technische Exzellenz. Es braucht Mut zur Veränderung, den Willen zur Zusammenarbeit und die Bereitschaft, neue Governance- und Beteiligungsmodelle zu erproben. Nur wenn alle Akteure an einem Strang ziehen, wenn Daten offen und sicher genutzt werden und wenn der Mensch im Mittelpunkt steht, können digitale Zwillinge ihr volles Potenzial entfalten und zur Blaupause für eine kluge, nachhaltige und demokratische Stadtentwicklung werden. Die Chance ist da – jetzt gilt es, sie zu ergreifen. Denn der digitale Zwilling ist nicht nur ein Modell. Er ist ein neues Denken für das Zeitalter der Echtzeitplanung.

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Die Mitte von Berlin bleibt grün

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Die Perspektive zeigt die geplanten Stufen am Ufer der Spree.

1. Preis an Büro RMP Lenzen: Stufen am Ufer der Spree mit Blick auf Dom (Visualisierung: RMP Lenzen)

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Es geht um eine prominente Fläche in Berlins historischer Mitte: Eingespannt zwischen dem neuen Humboldt-Forum und dem Fernsehturm bekommen das Rathaus- und Marx-Engels-Forum eine neue Gestaltung. Das Büro RMP Stephan Lenzen hat den Wettbewerb für die grüne Mitte von Berlin gewonnen.

Dort wo die Wurzeln der Stadt Berlin liegen, wird demnächst nicht wieder gebaut. Die Freifläche von Rathaus- und Marx-Engels-Forum bleiben Grün. Allerdings erhält das Areal eine neue Gestaltung, die in einer Freitreppe zur angrenzenden Spree mündet. Die Berliner Senatsverwaltung hat im Frühjahr zu einem Wettbewerb eingeladen. Nach einer ersten Phase durften die Bürger*innen mitreden. Daraufhin entwickelten insgesamt 21 Landschaftsarchitekturbüros ihre Ideen in der zweiten Phase des Wettbewerbs weiter. Die Landschaftsarchitek*innen vom Büro RMP Stephan Lenzen überzeugten schließlich die Jury. Sie schlugen ein zentrales Band vor, das denkmalgeschützte Bereiche des Rathausforums mit dem Marx-Engels-Forum verbindet. Dieses grüne Band endet in einer großen Treppe am Ufer der Spree. Gegenüber, auf der anderen Seite des Wasser, strahlt die Ostfassade des neuen Humboldt-Forums.

 

Viel Geschichte inmitten von Berlin

 

Früher hiess die Freifläche inmitten des alten Berlins „Park an der Spree“. Als eine der zentralsten Grünflächen im Ortsteil Mitte geht sie auf den Zweiten Weltkrieg zurück. Der hatte das dortige Heilig-Geist-Viertel beschädigt, was schließlich die DDR-Führung veranlasst hat, es abzureißen. Seitdem ist die Fläche zwischen Karl-Liebknecht-Straße im Norden, dem Park am Fernsehturm im Osten, der Rathausstraße im Süden und der Spree im Westen unbebaut. Mittendrin stand lange ein Denkmalensemble, das jedoch beim Bau der U-Bahn an den nordwestlichen Rand rücken musste. Bereits seit den 1990er-Jahren wird über die Zukunft des Marx-Engels-Forums diskutiert. Die Ideen waren vielfältig. Sie reichten vom Wiederaufbau des Heilig-Geist-Viertels bis zur Gestaltung eines Parks am Marx-Engels-Forum. Letztere hat sich schließlich durchgesetzt. 

Wettbewerbsaufgabe Marx-Engels-Forum

Die Gestaltung eines Parks auf dem Marx-Engels-Forum galt es nun, im Rahmen des Ideen- und Realisierungswettbewerb zu konkretisieren. Die Teilnehmer*innen waren gefragt, sich mit dem Gründungsort Berlins, mit den im Boden verborgenen historischen Schichten und der Umgebung auseinanderzusetzen. Am Ende der langen Debatte um die Zukunft dieses Ortes entstanden Bürgerleitlinien zur künftigen Entwicklung des Rathaus- und des Marx-Engels-Forums. Darin heißt es, dass ein Freiraum zu entwerfen ist, der den Dimensionen und der Bedeutung des Standortes gerecht wird und die Identität des Ortes stärkt. Darüber hinaus soll er die bewegte Geschichte erlebbar machen und gleichzeitig vielfältige und intensive Nutzungen ermöglichen. 

In der ersten Phase fragte der Wettbewerb zunächst nach einer Vision und einer Idee für das gesamte Marx-Engels-Forum. Erst die Teilnehmer*innen der zweiten Phase mussten ihre Vision herleiten. Darüber hinaus skizzierten sie im Ideenteil des Wettbewerbs einen Zwischenzustand für das Jahr 2030. In einem dritten Realisierungsteil war dann die konkrete Umsetzung für 2024 aufzuzeigen. Diese stufenweise Herangehensweise geht auf die angestrebte, schrittweise Realisierung des Projekts zurück. Die wird einen langen Zeitraum in Anspruch nehmen. Entsprechend müssen die Ideen auf einer klaren Haltung basieren und viel Flexibilität für die prozesshafte Umsetzung bieten. 

 

Marx-Engels-Forum: überzeugender Entwurf von RMP Lenzen

 

Die Landschaftsarchitekt*innen vom Büro RMP Lenzen lieferten die überzeugendste Lösung für die neue Gestaltung von Rathaus- und Marx-Engels-Forum. Sie entwarfen einen Freiraum, der von einer markanten Figur geprägt ist. Er sieht vor, das Rathaus- und das Marx-Engels-Forum von Bebauung freizuhalten. Der grüne Raum verspricht eine hohe Aufenthaltsqualität mit Flächen zum Flanieren, zum Ausruhen, zum Genießen von spektakulären Aussichten auf Dom, Humboldt-Forum und Fernsehturm. RMP Lenzen bestückt den neuen Raum mit viel Grün und mit vielen schattenspendenden Bäumen. Aber auch Wasser gehört dazu, das zur Kühlung beiträgt sowie Versickerungsflächen, die zu einem künftigen Regenwassermanagement passen. Insgesamt sieht der Beitrag zum Wettbewerb Marx-Engels-Forum einen modernen, klimaresilienten Stadtraum vor, der vielfältige Nutzungen ermöglicht. 

Gut Ding braucht Weile

Mit der Idee, zunächst einen Grünraum im Herzen des alten Berlin anzulegen, bleiben Chancen für nächste Generationen erhalten. Für die nahe Gegenwart hat das Preisgericht empfohlen, die mit dem ersten Preis ausgezeichnete Arbeit von RMP Lenzen zu realisieren. Damit geht eine kontroverse Debatte zu Ende. Wohl kaum ein Ort in Berlin hat mehr Planungen und Diskussionen erlebt als das Marx-Engels-Forum. Aber für den Bausenator steht fest, dass die Stadt Berlin richtig gehandelt hat. Sie hat hier nach dem Fall der Mauer keine überstürzte Planung realisiert. Nun kann vor dem Hintergrund aktueller Planungen für den Alexanderplatz und den Molkenmarkt und unter dem Vorzeichen von Klimaanpassung und Mobilitätswende in Ruhe gestaltet werden.

Sie möchten mehr über Projekte der Hauptstadt erfahren? Wir haben die nächsten Planungsschritte auf dem ehemaligen Flughafenareal Berlin Tegel für Sie zusammengefasst.

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Wettbewerbsübersicht Dezember 2018 (2/2)

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Bewegung und Begegnung. © KCAP GmbH mit Ramboll Studio Dreiseitl

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Kulturquartier Lagarde-Campus, Bamberg – 1. Preis hutterreimann Landschaftsarchitektur GmbH, Berlin, mit Sauerzapfe Architekten, Berlin

Interessiert an aktuellen Wettbewerbsergebnissen der Landschaftsarchitektur, aber kaum Zeit sich diese richtig anzuschauen? In der Wettbewerbsübersicht der G+L informiert Heike Vossen über die spannendsten Wettbewerbsergebnisse im Dezember.

Straßenräume in Wiehl – 1. Preis Lex-Kerfers Landschaftsarchitekten, Bockhorn

Die Konversion der Lagarde-Kaserne soll in Bambergs Osten einen lebendigen, nutzungsgemischten Stadtteil schaffen – mit dem „Kulturquartier Lagarde“ als attraktive Quartiersmitte. Zwei Stadtplätze prägen zukünftig die neue Mitte und sollen mit ihrer frühzeitigen Schaffung einen wichtigen Baustein zur Entwicklung des Quartiers bilden. Der Siegerentwurf sieht zwei Baumhaine vor, welche die beiden Plätze verbinden, aber jedem einzelnen einen eigenen Charakter zugestehen. Der Lagarde-Platz südlich der Reithalle gestaltet sich als grüner Quartiersplatz, der stellvertretend für das gesamte Quartier, seine Transformation, sowie die nachhaltige Neuausrichtung steht. Der Platz ist Endpunkt der Grünverbindung Richtung Ostpark und zugleich urbanes Entrée des Quartiers. Als belebter Gegenpol dazu präsentiert sich der Kulturhof zwischen Reit- und Posthalle: Er ist unprätentiös und flexibel bespielbar, so die Jury. Außerdem bildet der Stadtplatz einen wichtigen Ankerpunkt für die Stadtverbindung zur Innenstadt.

Planungsdialog Hafner in Konstanz – 1. Preis KCAP, Zürich, mit Ramboll Studio Dreiseitl, Überlingen

Ein Transitraum wird zum Aufenthaltsraum, so die Entwurfsintention von Lex-Kerfers Landschaftsarchitekten für das Zentrum von Wiehl. Ihr Siegerentwurf überwindet die starke Trennung des zergliederten Stadtraums und definiert Rathaus- und Hem-Platz als zentralen Platz am Kreuzungspunkt der Stadtachsen. Zukünftig prägt Naturstein das Zentrum – Farbnuancen und Materialwechsel berücksichtigen dabei die historische Differenzierung von Fahrbahn, Fußgängerbereich und Platzfläche. Der durchgehende Belag ermöglicht es, die angrenzenden Flächen anzubinden. Zusätzlich integriert eine breite winkelförmige Freitreppe die Kirche in den Stadtraum. Ein neuer Weg zwischen Rathaus und Kirche verbindet barrierefrei zur südlich gelegenen Wiehlaue. Um den Blick in die Flussaue zu ermöglichen, stellt der Entwurf die Wiehlbrücke frei. Zusätzliche Treppen und Bastionen vergrößern die Kontaktzone zum Fluss. Die neuen Stadtbäume bilden mit auffälliger Blüte und Herbstfärbung einen spannenden Kontrast zur Aue. Prägende Möblierungselemente wie die Baumbänke entwickeln die Planer in Anlehnung an regionaltypische Gestaltungselemente und Materialien.

In Konstanz soll mit rund 2800 Wohneinheiten der neue Stadtteil Hafner entstehen. Das Planungsteam aus KCAP und Ramboll Studio Dreiseitl überzeugte die Jury mit einer prägnanten Entwurfsidee, dem sogenannten „Hafner-Ring“. Zusätzlich zur großen grünen Mitte bildet das grüne Infrastrukturband eine freiraum- und städtebaulich relevante Struktur für den Stadtteil mit seinen zukünftig rund 8000 Bewohnern. Das grüne Band zieht sich mit robusten und multifunktional nutzbaren Erholungs- und Erlebnisräumen im Bogen durch das neue Stadtquartier und verbindet es mit dem historischen Kern Wollmatingen. Das Siegerteam sieht für das rund 60 Hektar große Areal keine strikte Trennung zwischen Wohnen und Gewerbe vor. Stattdessen mischen die Planer die Nutzungen. Das Quartier ist weitgehend autofrei konzipiert und stellt die Lebensqualität in den Vordergrund. Die Jury sieht in dem Entwurf das größte Innovationspotential, um den Stadtteil zukunftsfähig zu gestalten, sowie an Veränderungen der nächsten Jahre anzupassen.

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