Cyber-Physische Systeme im Stadtbetrieb – digitale Zwillinge treffen Sensorik

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Stadtbild einer belebten Straße mit Verkehr und Wolkenkratzern, fotografiert von Bin White

Digitale Zwillinge sind mehr als ein Gadget für smarte Städte – sie markieren den Paradigmenwechsel in der Stadtplanung: Echtzeit-Sensorik, algorithmische Simulationen und datenbasierte Entscheidungsfindung fusionieren zu einem urbanen Betriebssystem, das das Selbstverständnis von Stadtgestaltern, Ingenieuren und Verwaltungen radikal herausfordert. Wer sich darauf einlässt, bekommt ein Instrument für Transparenz, Klimaresilienz und zukunftsfähige Stadtentwicklung – vorausgesetzt, man scheut weder offene Daten noch kritische Fragen.

  • Definition und Entwicklung cyber-physischer Systeme im urbanen Kontext
  • Funktionsweise, Potenziale und technische Grundlagen digitaler Zwillinge
  • Praxisbeispiele: Internationale Vorreiter und der Stand in Deutschland, Österreich und der Schweiz
  • Herausforderungen: Recht, Governance, Datenethik und kulturelle Hürden
  • Relevanz für Klimaresilienz, Mobilität, Katastrophenschutz und partizipative Stadtentwicklung
  • Risiken: Kommerzialisierung, algorithmische Verzerrungen und Transparenzdefizite
  • Chancen für Planer, Verwaltungen und Bürger durch neue Beteiligungs- und Simulationsmöglichkeiten
  • Der Wandel vom Modell zur dynamischen Prozessarchitektur im Planungsalltag
  • Ausblick: Der digitale Zwilling als Katalysator für nachhaltige, adaptive und resiliente Städte

Cyber-physische Systeme und digitale Zwillinge: Das neue Nervensystem der Stadt

Städte werden längst nicht mehr nur gebaut, sie werden gesteuert, vermessen und analysiert. Cyber-physische Systeme – also die enge Kopplung von Sensorik, Datenverarbeitung und physischer Infrastruktur – sind das Rückgrat einer neuen Generation urbaner Steuerung. Im Zentrum steht der digitale Zwilling: ein digitaler, datenbasierter Klon der realen Stadt, gespeist von Sensoren, Geografischen Informationssystemen (GIS), Echtzeitdaten und KI-gestützten Algorithmen. Solche Systeme sind keine Vision mehr, sondern für viele internationale Metropolen längst Alltag. Sie erlauben die Simulation und Steuerung von Verkehrsflüssen, Energieverbrauch, mikroklimatischen Effekten, Katastrophenschutzmaßnahmen und sogar sozialen Dynamiken – auf Knopfdruck, mit einer Präzision, die klassische Planung nie erreichen konnte.

Das Prinzip ist bestechend einfach, aber technisch komplex: Sensoren erfassen kontinuierlich Daten im urbanen Raum. Diese fließen in ein zentrales System, das die physischen Eigenschaften, Zustände und Prozesse der Stadt in Echtzeit nachbildet. Der digitale Zwilling wird damit zum Schaltpult für Stadtentwickler, Infrastrukturbetreiber, Katastrophenschützer und Stadtplaner gleichermaßen. Während klassische Modelle oft statisch bleiben, ist der digitale Zwilling dynamisch und lernfähig: Er passt sich laufend an, integriert neue Datenquellen und kann sogar Szenarien durchspielen – etwa, wie sich eine neue Buslinie auf den CO₂-Ausstoß, die Passantenströme oder die Lärmbelastung auswirkt.

Diese Integration von cyber-physischen Systemen in den Stadtbetrieb ist ein Quantensprung: Sie transformiert die Stadt vom gebauten Objekt zur prozessualen, intelligenten Plattform. Für Planer bedeutet das: Es reicht nicht mehr, städtebauliche Entwürfe und Visualisierungen zu liefern – gefragt ist die Fähigkeit, mit Datenströmen, Algorithmen und Simulationen zu arbeiten. Das Berufsbild verändert sich fundamental, klassische Disziplinen verschmelzen. Gleichzeitig entstehen neue Schnittstellen: zwischen Technologiefirmen, Verwaltung, Wissenschaft und der Zivilgesellschaft.

Die Komplexität solcher Systeme ist enorm. Neben der Integration verschiedenster Datenquellen – von OpenStreetMap über LoRaWAN-Sensorik bis zu Mobilitätsdaten – stehen Themen wie Datensicherheit, Datenschutz und Interoperabilität im Fokus. Hier entscheidet sich, ob der digitale Zwilling zum offenen städtischen Betriebssystem oder zur geschlossenen Blackbox eines Softwareanbieters wird. Die Governance dieser Systeme ist damit genauso relevant wie ihre technische Exzellenz.

Gerade die Kopplung physischer und digitaler Stadtwelten eröffnet ungeahnte Potenziale: Von der intelligenten Steuerung urbaner Infrastrukturen über die adaptive Anpassung des öffentlichen Raums bis hin zur proaktiven Krisenintervention. Doch jedes System ist nur so gut, wie seine Datenbasis, seine Offenheit und seine Einbindung in demokratische Prozesse. Der digitale Zwilling ist kein Selbstzweck – er ist Werkzeug, Medium und Herausforderung zugleich.

Von der Simulation zur Steuerung: Digitale Zwillinge als Planungs- und Betriebslabor

Der digitale Zwilling hebt die klassische Stadtplanung auf ein neues Level. Was früher in aufwändigen 3D-Renderings und statischen Simulationsstudien endete, wird heute zum permanent aktualisierten, interaktiven Stadtmodell. Dieses Modell ist nicht nur Anschauungsmaterial, sondern avanciert zur Entscheidungsinstanz: Es simuliert Bauvorhaben, analysiert die Auswirkungen von Mobilitätskonzepten oder bewertet klimatische Veränderungen im Quartier – und das alles in Echtzeit. Damit verschieben sich die Rollen in der Planung grundlegend: Statt nachträglicher Evaluation dominiert vorausschauende Szenarienentwicklung.

Internationale Vorreiter demonstrieren eindrucksvoll, wozu diese Systeme fähig sind. Singapur zum Beispiel nutzt seinen digitalen Zwilling zur Steuerung von Verkehrsströmen, Umweltüberwachung und Bürgerbeteiligung. Echtzeitdaten aus Sensoren, öffentlicher Infrastruktur und Mobilitätsplattformen fließen zusammen, um städtische Prozesse nicht nur abzubilden, sondern aktiv zu steuern. Helsinki wiederum verknüpft den Digital Twin mit klimapolitischen Zielen: Hier werden Bauprojekte, Pflanzungen, Mobilitätsstrategien und Energieversorgung synchronisiert und vorab auf ihre Klimaresilienz getestet.

Auch in Wien wächst der digitale Zwilling sukzessive zur urbanen Prozessarchitektur. Hier werden mikroklimatische Effekte neuer Stadtquartiere simuliert, um Hitzeinseln vorzubeugen und Aufenthaltsqualität zu sichern. Quartiersentwicklung wird damit zum datengetriebenen, partizipativen Prozess: Bürger erhalten Einblick in Simulationen, können Vorschläge einbringen und erleben die Auswirkungen geplanter Maßnahmen direkt am Bildschirm. In Zürich wiederum verschmelzen Verkehrsplanung, Umweltmonitoring und Immobilienentwicklung zu einem datengetriebenen Gesamtprozess. Der digitale Zwilling dient dabei als Schnittstelle zwischen Verwaltung, Wirtschaft und Gesellschaft.

Die technische Grundlage all dessen ist eine hochgradig modulare, offene Plattform. Schlüsselbegriffe wie Open Urban Platforms, Interoperabilität und Data Lake prägen die Diskussion. Ein Digital Twin, der nicht offen ist – für neue Datenquellen, externe Akteure und partizipative Nutzung – bleibt ein Innovationshemmnis. Umgekehrt können offene Systeme zum Innovationsmotor werden: Sie fördern Transparenz, ermöglichen schnelle Szenarienentwicklung und senken die Schwelle für Beteiligung und Kooperation.

Doch der Erfolg digitaler Zwillinge steht und fällt mit der Qualität der Sensorik, der Datenintegration und der Algorithmik. Sind die Daten lückenhaft, veraltet oder verzerrt, wird die Simulation zur Fata Morgana. Ebenso kritisch ist die Frage nach der Steuerung: Wer definiert, welche Szenarien gespielt werden? Wer legt die Parameter fest? Wer darf Ergebnisse interpretieren und in politische Entscheidungen übersetzen? Hier beginnt die eigentliche Herausforderung – und die große Chance für eine neue Planungskultur.

Zwischen Pioniergeist und Planungsalltag: Der Stand im deutschsprachigen Raum

Deutschlands Städte tun sich oft schwer mit dem Sprung ins datenbasierte Planungszeitalter. Während internationale Metropolen längst mit Urban Digital Twins operieren, herrscht hierzulande vielerorts noch Experimentierfreude – aber wenig Standardisierung. Pilotprojekte in Hamburg, München, Ulm oder Köln zeigen zwar, wie digitale Zwillinge den Stadtbetrieb bereichern können, doch sie bleiben meist Insellösungen. Unterschiedliche Softwarelösungen, fehlende Schnittstellen und ein Flickenteppich rechtlicher Rahmenbedingungen bremsen die flächendeckende Einführung.

Ein großes Hemmnis ist die Unsicherheit bei Governance, Datenschutz und Datensouveränität. Wer ist Herr über die Daten und Algorithmen? Die Kommune, der Softwareanbieter oder gar ein Konsortium öffentlicher und privater Akteure? Die Antworten variieren, was zu Zurückhaltung und Skepsis führt. Viele Verwaltungen fürchten, mit dem Betrieb des digitalen Zwillings auch Kontrolle und Verantwortlichkeit abzugeben. Nicht zu unterschätzen ist zudem die kulturelle Barriere: Planer und Verwaltungsmitarbeiter müssen lernen, mit Echtzeitdaten und algorithmischen Systemen zu arbeiten – das erfordert neue Kompetenzen, Mut zur Transparenz und eine offene Fehlerkultur.

Österreich und die Schweiz zeigen, dass es auch anders geht: Wien etwa nutzt seinen Digital Twin schon heute für partizipative Stadtentwicklung und Klimaanpassung. Zürich verbindet die Möglichkeiten digitaler Zwillinge mit einer konsequent offenen Datenstrategie. Hier werden Bürger, Unternehmen und Verwaltung als gleichberechtigte Nutzer und Gestalter des Systems verstanden – eine Haltung, die Innovationskraft und Akzeptanz fördert.

Dennoch bleibt der Weg steinig. Technische Standards fehlen, Open-Source-Ansätze sind selten, und die Verzahnung zwischen kommunaler Planung und digitaler Infrastruktur ist oft unzureichend. Hinzu kommt die Gefahr der Kommerzialisierung: Viele Anbieter setzen auf proprietäre Lösungen, die langfristig Abhängigkeiten und Kostensteigerungen bedeuten können. Wer digitale Zwillinge einführt, muss deshalb nicht nur die technische, sondern auch die strategische und ethische Ebene im Blick behalten.

Die entscheidende Frage lautet: Wird der digitale Zwilling zum offenen, demokratischen Instrument oder zur Blackbox? Nur wenn Governance, Datenethik und Partizipation mitgedacht werden, können digitale Zwillinge ihr Potenzial für nachhaltige, resiliente Städte entfalten. Andernfalls droht der Rückfall in technokratische Steuerung und Intransparenz, die das Vertrauen in die digitale Stadt untergraben.

Demokratische Potenziale, ethische Dilemmata und neue Beteiligungskulturen

Die Einführung cyber-physischer Systeme und digitaler Zwillinge ist keine rein technische Frage – sie ist zutiefst politisch. Wer entscheidet, welche Daten gesammelt und wie sie interpretiert werden? Wie lassen sich algorithmische Verzerrungen und technokratischer Bias vermeiden? Und wie kann verhindert werden, dass aus dem Versprechen partizipativer Stadtentwicklung am Ende ein Instrument der Kontrolle und Kommerzialisierung wird?

Transparenz und Nachvollziehbarkeit sind das A und O. Werden digitale Zwillinge als Black Boxes betrieben, bleibt ihre Funktionsweise für Bürger, Politik und oft sogar die Verwaltung undurchschaubar. Je mehr künstliche Intelligenz und algorithmische Entscheidungsfindung ins Spiel kommen, desto größer wird das Risiko von Fehlsteuerungen, Diskriminierung und Vertrauensverlust. Deshalb ist erklärbare KI – also die Möglichkeit, algorithmische Entscheidungen nachzuvollziehen – kein Luxus, sondern eine demokratische Notwendigkeit.

Zugleich bieten digitale Zwillinge enorme Chancen für neue Beteiligungskulturen. Gut gestaltete Systeme machen komplexe Planungsprozesse verständlich und zugänglich. Bürger können Simulationen erleben, eigene Vorschläge einspeisen und Entwicklungen in Echtzeit nachvollziehen. Plattformen wie die Wiener „Stadtmacherei“ oder das Zürcher „Data Lab“ zeigen, wie Beteiligung, Transparenz und Innovation Hand in Hand gehen können – vorausgesetzt, die Systeme sind offen, modular und nutzerfreundlich gestaltet.

Auch für die Verwaltung eröffnen sich neue Horizonte: Entscheidungen werden nachvollziehbarer, Kommunikation wird dialogischer, und Planungsfehler lassen sich frühzeitig erkennen und korrigieren. Planer können Szenarien nicht nur durchspielen, sondern auch gemeinsam mit Bürgern und Politik priorisieren. Die Stadt wird zum Labor, in dem Innovation, Anpassungsfähigkeit und Resilienz zum Alltag werden.

Doch Vorsicht: Ohne klare ethische Leitplanken drohen neue Risiken. Kommerzialisierung, Überwachung, algorithmische Verzerrung und die Ausgrenzung bestimmter Nutzergruppen sind reale Gefahren. Der digitale Zwilling ist keine neutrale Technik – seine Gestaltung spiegelt gesellschaftliche Werte, politische Prioritäten und ökonomische Interessen wider. Wer die Kontrolle über die Systeme hat, kontrolliert letztlich auch die Entwicklung der Stadt.

Fazit: Digitale Zwillinge als Chance und Auftrag für die Stadtentwicklung

Cyber-physische Systeme und digitale Zwillinge revolutionieren Stadtplanung, Betrieb und Verwaltung. Mit ihrer Fähigkeit, urbane Prozesse in Echtzeit zu analysieren, zu simulieren und zu steuern, eröffnen sie neue Perspektiven für nachhaltige, resiliente und adaptive Städte. Sie machen aus klassischen Stadtmodellen lernende Systeme und aus Planern datengetriebene Entscheider, die Szenarien nicht nur visualisieren, sondern aktiv gestalten. Internationale Vorreiter wie Singapur, Helsinki, Zürich und Wien zeigen, wie diese Technologien das Klima schützen, Mobilität steuern, Bürger beteiligen und Infrastrukturen krisensicher machen können.

Doch der Weg dahin ist anspruchsvoll. Technische, rechtliche und kulturelle Hürden verlangen nach Mut, Innovationsgeist und strategischem Weitblick. Ohne offene Daten, transparente Algorithmen und partizipative Governance drohen neue Abhängigkeiten und Vertrauensverluste. Der digitale Zwilling ist deshalb kein Selbstläufer – er ist Auftrag und Chance zugleich. Wer ihn als offenen, demokratischen Prozess versteht, kann die Stadt von morgen resilient, lebendig und inklusiv gestalten. Wer zögert, wird von der Realität überholt, die längst digital tickt.

Die Zukunft der Stadtplanung ist nicht mehr statisch, sondern dynamisch, nicht mehr exklusiv, sondern partizipativ. Digitale Zwillinge sind das Werkzeug, das diesen Wandel möglich macht – vorausgesetzt, sie werden mit Verstand, Offenheit und Mut zum Diskurs eingesetzt. Die Zeit der klassischen Entwürfe ist vorbei: Willkommen im Zeitalter der Echtzeitplanung, in dem Städte nicht nur gebaut, sondern permanent neu gedacht werden.

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Mit seinem einzigartigen Look verbindet der Experimenta-Platz in Heilbronn, gestaltet von uniola AG und von K GmbH, die prägnanten Bauten und die Parkflächen der Kraneninsel. Foto: von K GmbH
Mit seinem einzigartigen Look verbindet der Experimenta-Platz in Heilbronn, gestaltet von uniola AG und von K GmbH, die prägnanten Bauten und die Parkflächen der Kraneninsel. Foto: von K GmbH

Von der repräsentativen Freifläche zur grünen Stadtoase: Seit 2019 entwickelt sich der zentrale Platz auf der Kraneninsel in Heilbronn kontinuierlich weiter. Mit Nebelanlage und Klimawald ist er jetzt ein urbaner Ort zum Durchatmen. Die Büros von K GmbH und uniola AG berichten in ihrer Projektvorstellung über dessen Gestaltung.

Kontinuierliche Weiterentwicklung

Die experimenta im baden-württembergischen Heilbronn gilt mit rund 25 000 Quadratmeter Fläche als das größte Science Center Deutschlands. Menschen aller Alternsgruppen bekommen hier die Möglichkeit, Naturwissenschaft und Technik zu entdecken und zu begreifen. Verortet ist die Lern- und Erlebniswelt mitten im Stadtzentrum von Heilbronn auf der Kraneninsel im Neckaruferpark. Dabei wurde die ursprüngliche Wissensausstellung im historischen Hagenbucher-Speicher im Jahr 2019 zur Bundesgartenschau (BUGA) um einen Neubau – ebenfalls auf der Neckarinsel – erweitert.

Zwischen dem alten und neuen experimenta-Gebäude spannt sich jetzt ein rund 7 000 Quadratmeter großer Platz. Die repräsentative Fläche, die zur Eröffnung der Bundesgartenschau 2019 fertiggestellt wurde, stellt mit ihrer Gestaltung die visuelle Verbindung zwischen dem ursprünglichen Gebäude und dem futuristischen Neubau dar. Seither entwickelt sich der Platz optisch als auch in seiner Funktionalität kontinuierlich weiter, wie die folgende Beschreibung der gestalterischen Etappen zeigt – vom charakteristischen Look bis hin zur klimawirksamen Begrünung.

Architektonisches Bindeglied

Die erste gestalterische Planung des Experimenta-Platzes entwarfen die Landschaftsarchitekt*innen der uniola AG anhand des Wettbewerbskonzeptes, das durch das Büro von K GmbH baulich umgesetzt wurde. Seit der Fertigstellung 2019 hat das Team der von K GmbH die Freianlagen mehrfach auf Basis der ursprünglichen Gestaltung weiterentwickelt. Optisch präsentiert sich der Platz mit Wiedererkennungswert: Als homogener Teppich verbindet er die Parkflächen der Kraneninsel mit den beiden prägnanten Bauten und nimmt mit dem Neckar über terrassierte Sitzstufen Kontakt im Kontext der angrenzenden Wasseranlagen auf. Das Kleinsteinpflaster aus Basanitgestein wurde im wilden Verband (Passe) verlegt und erstreckt sich bis an die westlich angrenzende Kranenstraße, die in enger Abstimmung mit der Stadt umgewidmet wurde. In Anlehnung an die Gebäudeform sind fünfeckige Intarsien aus sandsteinartigem Betonwerkstein in die Pflasterfläche integriert, die der Außenfläche einen eigenständigen Charakter mit Wiedererkennungswert verschaffen. Über den Platz verteilt befinden sich mehrere Bauminseln mit lichten Bäumen. Die polygonalen Randeinfassungen, die gleichzeitig als Sitzgelegenheiten dienen, greifen den architektonischen roten Faden auf und führen ihn stimmig fort. Bei Nacht wird die Außenfläche stimmungsvoll in Szene gesetzt: Unterschiedlich hohe Mastleuchten illuminieren die Gebäude und den gesamten Platz.

Vom blühenden Park zur Dauervegetation

Auch nach der BUGA 2019 haben die Landschaftsarchitekt*innen der von K GmbH maßgeblich an der sukzessiven gestalterischen Weiterentwicklung des experimenta-Geländes und der Kraneninsel mitgewirkt. Das Büro wurde mit der Ausarbeitung der neuen Pflanz- und Pflegekonzepte beauftragt: Es galt, die rund 900 Quadratmeter große Wechselflorflächen auf dem stark frequentierten Platz in eine Daueranlage umzuwandeln und die Arbeiten zu koordinieren. Dazu haben die von-K-Planer*innen die Anordnung der Beete modifiziert und mit naturnahen Gehölzen, Stauden und frühblühenden Blumenzwiebeln bepflanzt. Auch die bestehenden Bauminseln haben sie überarbeitet und die Wege neu strukturiert. Die repräsentative, ökologisch hochwertige Anlage ist dank zentraler Lage auch nach der BUGA ein viel frequentierter Ort in Heilbronn mit hoher Aufenthaltsqualität.

Um den durchschnittlichen Pflegeaufwand zu optimieren, werden die Vegetationsflächen auf dem Experimenta-Platz jetzt mit einem intelligenten System bewässert: Die moderne Steuerung erfolgt nicht über eine gängige Zeitschaltuhr, sondern nutzt meteorologische Wetterdaten. Die Bewässerung der Pflanzen erfolgt somit nur dann, wenn sie wirklich gebraucht wird – also beispielsweise nicht, wenn starke Regenfälle erwartet werden. So wird auch der Wasserverbrauch minimiert.

Weichen neu stellen fürs städtische Klima

Städte und Gemeinden – besonders die dicht bebauten Innenstädte – stellen durch den Klimawandel-bedingten Temperaturanstieg zunehmend Hitzeinseln dar, vor allem in den Sommermonaten. Eine nachhaltige und dynamische Stadtentwicklung braucht deshalb zahlreiche durchdachte Maßnahmen, die den Klimaschutz und die Klimaresilienz im Blick haben: Mehr Grün, mehr Wasser, weniger Asphalt und Beton tragen zu einem besseren Mikroklima bei und sorgen damit für mehr Lebensqualität. Mit der Entscheidung der Bauherren, einen sogenannten AI-Pavillon am Experimanta-Platz zu errichten, konnte auch der gesamte Freiraum mit Fokus auf die klimaresilienten Bedingungen neu gedacht werden. In bewährter Zusammenarbeit zwischen der uniola AG und von K GmbH entstand in kürzester Zeit eine Platzaufwertung, die ihresgleichen sucht. Nach dem Motto „Der Experimenta-Platz soll grüner werden“ trägt die Umgestaltung den klimatischen und nachhaltigen Anforderungen Rechnung und leistet ebenfalls einen Beitrag dazu, das innerstädtische Klima in Heilbronn gesamthaft zu verbessern. Im neuen AI-Pavillon dreht sich jetzt alles rund um das Thema Künstliche Intelligenz (KI). Besucherinnen und Besucher erhalten dort einen spannenden Einblick in die Technologie und können vor Ort KI-Anwendungen testen.

Über den Experimenta-Platz verteilt befinden sich mehrere Inseln mit lichten Bäumen. Foto: von K GmbH
Über den Experimenta-Platz verteilt befinden sich mehrere Inseln mit lichten Bäumen. Foto: von K GmbH

Zukunftsbäume und Blühwiese für mehr Klimaschutz

Die dafür erforderliche Umgestaltung des Platzes basiert erneut auf einem Konzept der Landschaftsarchitekt*innen der uniola AG; die federführende Umsetzung aller Leistungsphasen oblag dem Büro von K in einer Arbeitsgemeinschaft. Um die Lebens- und Luftqualität in der Stadtmitte nachhaltig zu verbessern, wurden die bisherige Belagsfläche weitmöglichst entsiegelt, um Raum zu schaffen für grüne Inseln mit kühlendem Waldcharakter.

Für die bepflanzten Oasen bestand der Wunsch, dass sie mit abwechslungs- und möglichst blütenreicher Optik das ganze Jahr begeistern und eine große Artenvielfalt bieten. Bei der Auswahl der Gehölze galt es zudem zu berücksichtigen, dass sie den extremen Standortfaktoren gewachsen sein müssen: Teile des Experimenta-Platzes sind unterbaut und bieten damit wenig Wurzelraum. Die Versiegelung sowie rückstrahlende Fassadenwände sorgen zudem für eine hohe Hitzeentwicklung besonders in der heißen Jahreszeit. Die beiden Waldoasen wurden deswegen auf modelliertem Gelände erhöht angelegt (rund 1,20 Meter). Ein spezielles Leichtsubstrat versorgt das eingepflanzte Grün zuverlässig dank hoher Wasserhaltekapazität. Bei der Auswahl der Gehölze hatte das Büro von K sowohl die heimische Flora und Fauna als auch den Klimawandel im Blick: In den beiden Baum-Arealen des Platzes wurden sogenannte „Zukunftsgehölze“ gepflanzt – also solche, die sich den wandelnden Klimabedingungen anpassen können oder bekanntermaßen mit extremem Klima wie Trockenheit gut zurechtkommen. Wo es möglich war, fiel die Wahl auf heimische Pflanzen. Entstanden ist ein sogenannter „Klimawald“, in dem sich zum Teil die ursprünglichen Weiden wiederfinden, aber auch Waldkiefern, die Himalaja-Birke, die Mehlbeere oder der Rot-Ahorn für farbliche Akzente. Als Kleingehölze ergänzen beispielsweise die Kupferfelsbirne und die Winter-Heckenkirsche die Bepflanzung sowie trockenheitsresistente Gräser. Immergrüne Gehölze wie die Duftblüte sorgen zudem für Attraktivität im Winter.

Nebelanlage für Abkühlung

Neben der Gehölzpflanzungen wurde auch eine Blühwiese zum Erhalt der Biodiversität angelegt. Die bunten Weiden – teilweise mit Wildblumen sowie mit Kräutern und Gräsern aus heimischer Saat – bieten Insekten und anderen Kleinstlebewesen den dringend benötigten Nist- und Lebensraum sowie ein großes Nahrungsangebot; gleichzeitig sind sie eine Augenweide für Spaziergänger*innen und Passant*innen. Durch die teilweise Entsiegelung des Platzes entstanden zudem mehr offene Flächen, die eine bessere Regenwasserversickerung ermöglichen.

Ebenfalls mit Blick auf die Verbesserung der Klimaresilienz sorgt jetzt eine Nebelanlage für Abkühlung der Passant*innen an heißen Tagen. Auch die Umwelt wird durch die feuchte Luft positiv beeinflusst: Durch den zeitlich gesteuerten Wassernebel können die Außentemperaturen in der direkten Umgebung um mehrere Grade gesenkt werden – gerade in der Nähe von steinernen Oberflächen wie Böden und Fassaden ist der positive Effekt besonders spürbar und nützlich.

Intelligente Zufahrtssteuerung

Im Zuge der Neugestaltung des Experimenta-Platzes hat von K auch die Verkehrsanlagenplanung für die Kraneninsel (Belastungsklasse 3,2) übernommen: Dazu zählt die Planung einer Ampelanlage, die Optimierung der Fahrbahnbreite im Zuge der Entsiegelungsmaßnahmen und die Schaffung von Ausweichstellen für LKW. Die von-K-Landschaftsarchitekt*innen haben in ihrem Konzept zudem eine Stellplatzanlage für autonome Busse integriert und – in Abstimmung mit der Feuerwehr, der Stadt Heilbronn sowie den Betreibern der experimenta – eine sichere Zufahrtskontrolle entwickelt, welche nur den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der experimenta und der Stadtverwaltung die Zufahrt auf die Kraneninsel gestattet. Durch die Nutzung von Senkpollern wird die Zufahrt von Lieferfahrzeugen gesteuert und deren Zugang zur Platzfläche ermöglicht. Wer dorthin möchte, muss sich per Chip authentifizieren oder klingeln. Auch die automatische Erkennung des Fahrzeugkennzeichens ist möglich.

Seit der Einweihung des neugestalteten Experimenta-Platzes im Juni 2024 zeigen die Besucherinnen und Besucher, dass die lokalen Verbesserungen des Klimas gelungen sind und gut ankommen: An den heißen Tagen im Sommer haben sich die Passant*innen in den Sprühnebel gestellt, um die kühle Erfrischung zu genießen. Wer eine kurze Pause zum Ausruhen braucht, findet jetzt einen Sitzplatz im Schatten eines Baumes. Zudem ist eine Langzeitmessung der Temperatur- und Klimaentwicklung auf dem Platz geplant; diese wird neben den subjektiv fühlbaren Verbesserungen auch messbare Ergebnisse zur Abkühlung des Areals ergeben.

Unternehmensporträt

Außenräume nachhaltig gestalten, Grün- und Freiflächen zum Wohlfühlen schaffen sowie individuelle Gärten planen – das macht von K Landschaftsarchitektur mit Leidenschaft und Know-how. Gegründet 2017 im baden-württembergischen Ostfildern, ist das junge Unternehmen auf der Filderebene beheimatet. Von dort aus und remote arbeiten rund 20 Mitarbeitende für Projekte weit über den Ballungsraum Stuttgart hinaus; seit 2024 auch am zweiten Standort in Denkendorf, wo von K Platz geschaffen hat für ein dynamisch wachsendes Team.

Mit einem hohen Anspruch an Qualität, Kreativität und der Liebe zum Detail haben sich die von-K-Landschaftsarchitekt*innen einen Namen gemacht. Auch deren zentralen Werte und ihre Arbeitsweise kommen gut an: Von K punktet mit Zuverlässigkeit, Termintreue, Professionalität und Fairness. Private, gewerbliche und kommunale Bauherren schätzen das Büro als erfahrene Berater*innen und Planer*innen von wirtschaftlich durchdachten und authentischen Landschaftskonzepten. Große Vorzeigeprojekte belegen dies. Dazu gehören beispielsweise die Gestaltung des Bildungscampus und des Platzes rund um die Lern- und Erlebniswelt experimenta in Heilbronn für die Dieter-Schwarz-Gruppe.

Metropolitan Open Space – Freiräume in der wachsenden Stadt

manuel frauendorf fotografie | skyfilmberlin)

Weltweit stehen Metropolen – so auch Berlin – aktuell vor großen Herausforderungen, insbesondere im Hinblick auf ein deutliches Bevölkerungswachstum.

Die sozialen, ästhetischen und ökologischen Qualitäten öffentlicher Räume wie Grünanlagen, Parks, Plätze, Sportflächen oder der Straßenraum prägen den Charakter einer Stadt und tragen maßgeblich zur Lebensqualität bei. Vor allem in wachsenden Städten wird der öffentliche Raum zum Verhandlungs- und Gestaltungsraum der Zukunft.

Die internationale Konferenz metropolitan open space – Freiräume in der wachsenden Stadt anlässlich der IGA Berlin 2017 widmet sich Fragen, die mit dieser Entwicklung einhergehen: Welche Bedeutung haben urbane Freiräume für nachhaltiges Wachstum? Welche Beiträge können Landschaftsarchitektur, Stadt- und Freiraumplanung sowie Gartenkultur leisten, wenn es darum geht, vor Ort Antworten auf globale Herausforderungen zu geben?

Neben einem Abendempfang (18. Mai), Vorträgen und Workshops (19. Mai) bietet die dreitägige Veranstaltung eine Besichtigung der IGA (20. Mai) und Projektexkursionen zu „Grünen Hot Spots“ in Berlin mit den Landschaftsarchitekten (21. Mai).

Veranstalter sind: Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz und die IGA Berlin 2017 GmbH. Kooperationspartner: Bund Deutscher Landschaftsarchitekten (bdla). Garten + Landschaft ist als Medienpartner dabei.

Weitere Informationen, Programm und Online-Anmeldung finden Sie hier.