Digitaler Baumkataster mit Klimaparametern – Bestände planen, nicht raten

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Ein stilvolles blaues Fahrzeug nahe Bäumen, fotografiert von Cyle De Guzman.

Stadtbäume zählen, erfassen und verstehen – das klingt nach fleißiger Handarbeit, nach Datenbanken voller Stammdurchmesser und Standortnummern. Doch der digitale Baumkataster mit Klimaparametern hebt das Management urbaner Gehölze in eine neue Dimension. Schluss mit dem Rätselraten: Modernes Baummanagement bedeutet, Bestände nicht nur zu dokumentieren, sondern ihre Entwicklung, ihr Klima- und Stadtbildpotenzial präzise vorauszuberechnen. Wie das geht, was es wirklich bringt und warum es höchste Zeit ist, die Bäume digital wachsen zu lassen – genau das lesen Sie hier.

  • Definiert: Was ein digitaler Baumkataster mit Klimaparametern heute leisten muss und warum er für nachhaltige Stadtentwicklung unverzichtbar ist.
  • Technische und methodische Grundlagen moderner Baumkataster: Von Georeferenzierung über Sensorik bis zu KI-gestützter Vitalitätsanalyse.
  • Wie Klimaparameter – etwa Trockenstress, Hitzebelastung oder CO₂-Bindung – gezielt in den Kataster integriert werden und die Planung revolutionieren.
  • Best Practices aus Deutschland, Österreich und der Schweiz: Kommunen, die mit digitalen Baumkatastern neue Maßstäbe in Bestandserhaltung und Stadtklima setzen.
  • Rechtliche, organisatorische und kulturelle Hürden: Datenschutz, Zuständigkeiten und der schwierige Weg von der Excel-Tabelle zum urbanen Digital Twin.
  • Innovative Anwendungen: Von automatisierten Pflegeprognosen über smarte Bewässerung bis zur partizipativen Bürgerbeteiligung per App.
  • Risiken und Nebenwirkungen: Technische Fehlerquellen, Datenhoheit, Kommerzialisierung und der schmale Grat zwischen Überwachung und Transparenz.
  • Ein Ausblick: Warum der digitale Baumkataster mit Klimaparametern kein Selbstzweck ist, sondern der Schlüssel für klimaresiliente, lebenswerte Städte von morgen.

Vom Inventar zum Prognosewerkzeug – Die neue Generation städtischer Baumkataster

Der klassische Baumkataster war lange Zeit nicht viel mehr als eine systematisierte Sammlung von Standortdaten und vitalitätsbezogenen Grundinformationen. Wer je in einer Kommune einen Baumkataster gepflegt hat, kennt die Arbeit: Stammdaten erfassen, Standort markieren, Pflegebedarf und Schäden dokumentieren – und hoffen, dass die Daten im nächsten Jahr noch stimmen. Doch die Ansprüche an das städtische Baummanagement sind im Zeitalter der Klimakrise und Digitalisierung rapide gestiegen. Der digitale Baumkataster, erweitert um Klimaparameter, mutiert vom statischen Inventar zum dynamischen Prognosewerkzeug.

Was steckt dahinter? Digitale Baumkataster sind intelligente Datenbanken, die nicht nur die klassischen Parameter wie Art, Alter, Stammumfang und Standort speichern, sondern diese Informationen mit einer Vielzahl von Zusatzdaten anreichern. Dazu gehören etwa Angaben zu Bodenfeuchte, Standortklima, Hitzebelastung, Trockenstress, CO₂-Bindungspotenzial und sogar die individuelle Resilienz eines Baumes gegen Schadfaktoren wie Pilzbefall oder Luftverschmutzung. Möglich wird dies durch die Integration verschiedenster Datenquellen: von Fernerkundung und Drohnenbefliegung über bodengebundene Sensorik bis hin zu Wetter- und Klimamodellen.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Kommunen können nicht nur den aktuellen Zustand ihres Baumbestands präzise erfassen, sondern auch dessen Entwicklung unter verschiedenen Klimaszenarien simulieren. Welche Baumarten überstehen lange Trockenphasen, welche Standorte drohen unter Hitzestress zu leiden, wo ist gezielte Nachpflanzung oder Bewässerung am dringendsten nötig? Der digitale Baumkataster beantwortet diese Fragen datenbasiert und objektiv – und macht die Stadtplanung fit für die Herausforderungen von morgen.

Der Paradigmenwechsel ist fundamental: Statt auf Erfahrungswerte, Bauchgefühl und nachträgliche Schadensbegrenzung zu setzen, können Planer nun mit wissenschaftlicher Präzision vorausschauend agieren. Schnittstellen zu Urban Digital Twins, städtischen GIS-Systemen und urbanen Klimamodellen ermöglichen es, Baumdaten nicht isoliert, sondern im Kontext des gesamten Stadtgefüges zu betrachten. So wird der Baumkataster zum Scharnier zwischen Fachdisziplinen, zur Datenquelle für nachhaltige Stadtentwicklung, zum Werkzeug der Klimaresilienz.

Natürlich ist der Weg dorthin gepflastert mit Herausforderungen: Technische Standards fehlen vielerorts, Datenformate sind nicht interoperabel, und der Integrationsaufwand ist hoch. Doch der Nutzen ist so evident, dass der Rückweg ins analoge Zeitalter schlicht keine Option mehr ist. Wer heute noch mit Papierlisten und Einzeldateien hantiert, plant an der Realität vorbei – und riskiert, dass die grüne Infrastruktur der Stadt unter den Folgen des Klimawandels leidet, statt ihm zu trotzen.

Technik, Daten, Algorithmen – Wie der digitale Baumkataster mit Klimaparametern funktioniert

Die technologische Basis moderner Baumkataster ist ein faszinierendes Zusammenspiel aus Geoinformationssystemen, Sensortechnik, Datenbanken und zunehmend auch Künstlicher Intelligenz. Zunächst erfolgt die Georeferenzierung jedes Einzelbaumes. Dabei werden die exakten Koordinaten in ein städtisches GIS eingebettet, oft ergänzt durch 3D-Modelle der Umgebung. Hierzu kommen klassische Vermessungstechniken ebenso zum Einsatz wie mobile Erfassungsgeräte, Drohnen oder Laserscanning. Das Ergebnis: Jeder Baum ist digital auffindbar, eindeutig identifizierbar und kann im Kontext seiner Umgebung analysiert werden.

Die nächste Ebene ist die sensorische Datenerfassung. Innovative Kommunen und Dienstleister setzen zunehmend auf bodennahe Sensorik, die kontinuierlich Parameter wie Bodenfeuchte, Temperatur, Luftfeuchtigkeit oder sogar Saugspannung im Wurzelraum misst. In Kombination mit Wetterdaten aus städtischen Messnetzen ergibt sich ein hochauflösendes Bild des mikroklimatischen Umfelds jedes Baumes. Pilotprojekte in Städten wie München oder Wien zeigen, dass sich so Trockenstress und Hitzebelastung frühzeitig erkennen lassen – und gezielte Bewässerungsmaßnahmen automatisiert ausgelöst werden können.

Hinzu kommt die Fernerkundung: Multispektralkameras auf Drohnen oder Satelliten liefern wertvolle Informationen über Blattgesundheit, Kronendichte oder den Befall mit Schädlingen. Diese Daten werden zunehmend mithilfe von KI-Algorithmen ausgewertet, die Muster erkennen, Vitalitätsveränderungen detektieren und Prognosen über die Entwicklung des Baumbestands ermöglichen. Die Integration von Klimaparametern erfolgt dabei auf mehreren Ebenen: Einerseits werden lokale Klimadaten direkt in den Kataster eingespeist, andererseits erlauben Simulationsmodelle die Berechnung von Stressfaktoren unter zukünftigen Klimaszenarien.

Das eigentliche Herzstück ist jedoch die Datenintegration. Moderne Systeme sind keine geschlossenen Silos mehr, sondern kommunizieren über standardisierte Schnittstellen mit Urban Digital Twins, Stadtklimamodellen oder Wasserhaushaltsbilanzen. So können etwa die Auswirkungen versiegelter Flächen, die Verschattung durch Gebäude oder die Nähe zu Frischluftschneisen in die Bewertung eines Standortes einfließen. Die Pflegeplanung wird dadurch nicht nur effizienter, sondern auch nachhaltiger: Bäume werden gezielt dort gepflanzt, wo ihr Klimaeffekt am größten ist – und nicht dort, wo sich gerade eine Lücke auftut.

Besonders spannend ist die Entwicklung hin zur partizipativen Nutzung: Immer mehr Kommunen stellen ihre Baumkataster als offene Daten zur Verfügung oder entwickeln Apps, mit denen Bürger Schäden melden, Standorte bewerten oder Baumpatenschaften übernehmen können. Das erhöht nicht nur die Datenqualität, sondern fördert auch das Bewusstsein für die Bedeutung urbaner Bäume – und schafft eine neue, digitale Form der Bürgerbeteiligung im Stadtgrün.

Klimaparameter als Gamechanger – Wie Daten die Stadtgrünplanung revolutionieren

Der eigentliche Quantensprung digitaler Baumkataster liegt in der Integration von Klimaparametern. Was zunächst nach technischem Overkill klingt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als Schlüssel für eine klimaresiliente Stadtentwicklung. Denn die Zeiten, in denen die Wahl der Baumart nach ästhetischen Gesichtspunkten oder schlicht nach Verfügbarkeit erfolgte, sind vorbei. Heute gilt es, Arten zu identifizieren, die auch im Jahr 2050 noch vital wachsen – trotz Hitzeperioden, Trockenstress und neuen Schädlingen.

Klimaparameter sind dabei weit mehr als Temperatur- oder Niederschlagswerte. Sie umfassen etwa die Simulation von Bodenwasserverfügbarkeit, die Prognose von Hitzetagen, die Bewertung von CO₂-Senkenpotenzial und sogar die Abschätzung der Schadstoffbindung durch Blattoberflächen. Der digitale Baumkataster wird so zum Prognoseinstrument: Welche Arten sind zukunftsfähig, welche Standorte besonders exponiert, wo drohen Ausfälle, und wo lohnt sich gezielte Nachverdichtung?

Praxisbeispiele zeigen, wie wertvoll diese Informationen sind. In Leipzig etwa wird der digitale Baumkataster genutzt, um die Verschattungseffekte von Alleen während Hitzewellen vorauszuberechnen – und gezielt für Kühlung in sensiblen Quartieren zu sorgen. In Zürich werden Bewässerungsrouten mithilfe von Trockenstressdaten automatisiert optimiert, sodass Ressourcen gespart und Ausfälle minimiert werden. In Wien wiederum dienen die Klimadaten im Baumkataster als Grundlage für die Auswahl resistenter Arten bei Nachpflanzungen.

Die Integration dieser Parameter erfordert allerdings sowohl technisches Know-how als auch eine enge Zusammenarbeit zwischen Stadtplanung, Umweltamt, Bauhof und externen Dienstleistern. Klimamodelle müssen lokal kalibriert, Datenquellen validiert und Algorithmen kontinuierlich überprüft werden. Fehlerquellen gibt es reichlich: von Messungenauigkeiten über lückenhafte Daten bis zu Modellannahmen, die in der Praxis nicht halten.

Doch der Nutzen überwiegt: Stadtbäume werden nicht mehr als passives Inventar betrachtet, sondern als aktive, dynamische Elemente im urbanen Klimasystem. Die Planung wird vom reaktiven Flickenteppich zur proaktiven, datenbasierten Strategie – und das Stadtgrün zur echten Klima-Infrastruktur.

Best Practices, Stolpersteine und die Zukunft: So gelingt der Sprung ins digitale Baumzeitalter

Die Umsetzung digitaler Baumkataster mit Klimaparametern ist kein Selbstläufer – aber zahlreiche Kommunen zeigen, dass es geht. In Hamburg wurde im Rahmen des Projekts „Stadtgrün 3.0“ der gesamte Straßenbaumbestand digitalisiert, mit Sensorik ausgestattet und in ein stadtweites Klimamodell integriert. Die Folge: Deutlich effizientere Pflegeplanung, gezielte Nachpflanzungen und eine spürbare Verbesserung des Stadtklimas. In Zürich zeigt die Kombination aus Digital Twin und Baumkataster, wie Verkehrs-, Klima- und Grünflächendaten synergetisch genutzt werden können, um hitzegefährdete Quartiere resilienter zu machen.

Doch der Weg ist steinig. Ein zentrales Problem sind fehlende Standards für Datenformate und Schnittstellen. Viele Kommunen arbeiten noch mit proprietären Lösungen, die kaum kompatibel sind. Hinzu kommt die Frage der Datenhoheit: Wer darf welche Daten nutzen, wie werden personenbezogene Informationen geschützt, und wie lässt sich verhindern, dass sensible Infrastrukturinformationen in falsche Hände geraten? Datenschutz und IT-Sicherheit sind keine Nebensache, sondern Grundvoraussetzung für den Erfolg.

Organisatorisch stellen sich neue Fragen der Zuständigkeit. Oft sind Baumkataster historisch gewachsen, werden von unterschiedlichen Ämtern gepflegt oder gar ausgelagert. Die Umstellung auf digitale Systeme erfordert ein Umdenken – weg von Einzelzuständigkeiten, hin zu interdisziplinärer Zusammenarbeit. Auch die Schulung des Personals ist essenziell: Ohne Datenkompetenz bleibt der digitale Baumkataster ein teures Spielzeug.

Nicht zu unterschätzen ist auch die Akzeptanzfrage: Während technikaffine Planer die neuen Möglichkeiten feiern, gibt es vielerorts Skepsis – etwa vor zu viel Überwachung, vor unübersichtlichen Datenmengen oder vor dem Gefühl, dass Algorithmen die Hoheit über das Stadtgrün übernehmen könnten. Hier helfen Transparenz, offene Kommunikation und der Nachweis konkreter Verbesserungen im Alltag.

Die Zukunft gehört hybriden Lösungen: Digitale Baumkataster werden zunehmend als offene, partizipative Plattformen gestaltet, die nicht nur Planer, sondern auch Bürger, Wissenschaft und Verwaltung miteinander vernetzen. Die Integration in Urban Digital Twins ist dabei der nächste logische Schritt – und wird die Stadtgrünplanung auf eine neue Stufe heben. Wer hier frühzeitig investiert, verschafft seiner Stadt einen echten Standortvorteil.

Fazit: Bestände planen, nicht raten – Warum der digitale Baumkataster das Rückgrat klimaresilienter Städte ist

Der digitale Baumkataster mit Klimaparametern ist weit mehr als ein weiteres IT-Tool im Werkzeugkasten der Stadtplanung. Er ist der Schlüssel zu einer neuen, präziseren und zukunftsfähigen Form des Stadtgrünmanagements. Statt Bestände zu schätzen oder nach Bauchgefühl zu handeln, ermöglicht er es, Bäume datenbasiert, vorausschauend und im Kontext des städtischen Klimasystems zu steuern. Die Herausforderungen sind real – von Technikfragen über Datenschutz bis zur interdisziplinären Zusammenarbeit. Aber der Nutzen ist evident: klimaresiliente Städte, effizientere Pflege, weniger Ausfälle und mehr Lebensqualität für alle.

Wichtig ist, dass der digitale Baumkataster nicht zum Selbstzweck wird. Er muss offen, integrativ und transparent gestaltet sein, um sein volles Potenzial zu entfalten. Dann aber wird er zum Herzstück moderner Stadtentwicklung – und macht aus Bäumen nicht nur stumme Zeugen, sondern aktive Akteure der urbanen Transformation. Wer heute den Sprung wagt, plant nicht nur Bestand, sondern gestaltet Zukunft. Und das, ganz ohne Rätselraten.

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Weiße Dächer kühlen laut einer neuen Studie besser als grüne Dächer

pObwohl grüne Dächer viele Vorteile mit sich bringen, könnten weiße Dächer die bessere Wahl sein, um dem Hitzeinseleffekt in Städten entgegenzuwirken. Foto: via unsplash
pObwohl grüne Dächer viele Vorteile mit sich bringen, könnten weiße Dächer die bessere Wahl sein, um dem Hitzeinseleffekt in Städten entgegenzuwirken. Foto: via unsplash

Grüne Dächer sind in aller Munde, doch auch andere Dachfarben wirken sich positiv auf den urbanen Hitzeinseleffekt aus. So hat eine Studie aus Großbritannien bewiesen, dass weiß gestrichene Dächer eine bessere Kühlwirkung haben als grüne Dächer. Sie könnten die Temperaturen in London an heißen Tagen um bis zu 1,2°C senken.

Hitzestau in Städten ist ein immer wichtigeres Thema, das im Rahmen der inzwischen jährlich auftretenden Hitzewellen viel diskutiert wird. Weiße Farbe hilft: Sowohl Dächer als auch andere Flächen speichern weniger Hitze, wenn sie hell sind. Reflektierende Dächer mit weißer oder heller Farbe könnte laut einer Studie die Temperatur in ganzen Stadtteilen um 1,2°C oder sogar bis zu 2°C senken. Die Wissenschaftler*innen haben Computersimulationen am Beispiel der britischen Hauptstadt London durchgeführt. Sie konnten auch zeigen, dass bepflanzte Dächer, Straßengrün und Fotovoltaik-Anlagen nur einen geringen kühlenden Effekt haben.

Grüne Dächer produzieren nachts Wärme

Die neue Studie im Fachjournal „Geophysical Research Letters“, angeleitet von Oscar Brousse vom University College London, analysiert die Auswirkungen verschiedener Maßnahmen auf die Temperaturen im Großraum London. Dafür nutzte das Team Daten vom 26. und 27. Juli 2018, zwei Tage mit Höchsttemperaturen. Mit einer Genauigkeit von einem Kilometer und einer Studie zeigte das dreidimensionale Modell der Wissenschaftler*innen die Temperaturverläufe in den verschiedenen Stadtgebieten. Die Simulation lief in elf Durchgängen.

Kühle Dächer schnitten dabei mit Abstand am besten ab: Sie können die Umgebung um bis zu 2°C kühlen. Dazu gehören Dächer, die weiß gestrichen sind. Auch spezielle Dünnschichtmaterialien sowie heller Beton und helles Metall helfen dabei, die Sonneneinstrahlung zu reflektieren. Auf diese Weise heizen die Dächer nicht stark auf.

Laut der Studie könnte London seine Temperaturen um 0,5°C senken, wenn alle in Frage kommenden Dächer mit Solarzellen bedeckt wären. Bäume und Straßengrün könnten die Temperaturen um 0,3°C senken, begrünte Dächer um 0,5°C – jedoch nur tagsüber. Nachts können grüne Dächer die Temperatur der Umgebung um bis zu 0,5°C erhöhen, denn durch ihre Verdunstung tragen sie zu höherer Luftfeuchtigkeit und damit schwüler Luft bei.

Je nachdem, ob ein Dach hell angestrichen, begrünt oder mit Solarzellen bedeckt ist, hat es einen Einfluss auf die Umgebungstemperatur. Foto: via unsplash
Je nachdem, ob ein Dach hell angestrichen, begrünt oder mit Solarzellen bedeckt ist, hat es einen Einfluss auf die Umgebungstemperatur. Foto: via unsplash

Solardächer können Klimaanlagen antreiben

Darüber hinaus berechneten die Forscher*innen, mit welchen anderen Effekten Städte wie London heiße Temperaturen abmildern können. Sie stellten fest, dass kühle Dächer die beste Möglichkeit darstellen, um selbst an heißen Sommertagen die Umgebung so kühl wie möglich zu halten.

Solarzellen auf Londoner Dächern wären genug, um flächendeckend Klimaanlagen zu betreiben und die Temperatur in Gebäude bei etwa 21°C zu halten. Da diese jedoch Wärme aus dem Gebäude nach außen abführen, würde sich die Durchschnittstemperatur in der Stadt insgesamt sogar erhöhen. Dennoch sind Solarzellen keine schlechte Wahl, da sie weniger Wärme anziehen als andere dunkle Dächer. Denn sie befinden sich über dem Dach und absorbieren einen großen Teil der Sonnenstrahlung, bevor diese das Gebäude aufwärmen kann.

Ähnlich sieht es bei grünen Dächern aus: Sie produzieren zwar nachts Wärme, sorgen aber dafür tagsüber für kühlere Temperaturen. Zudem helfen sie dabei, die Biodiversität zu erhöhen. Sie sind eng mit blauen Dächern verwandt, die vor allem in der Schwammstadt eine Rolle spielen, indem sie  Wasser speichern und dabei helfen, Regenwasser reguliert abfließen zu lassen, um Überschwemmungen zu vermeiden. Der Regenfall kann mithilfe von Dachzisternen wiederverwendet werden, um grüne Dächer zu gießen oder Toilettenspülungen im Gebäude zu betreiben.

Und braune Dächer stellen eine Variante der grünen Dächer dar. Sie konzentrieren sich ganz auf Biodiversität, um zu kompensieren, dass beim Bau von Städten viel Lebensraum verloren geht. Durch Materialien wie Erde und Geröll lassen sich Lebensräume für lokal gefährdete Arten wiederherstellen.

Weiße Dächer sind in Griechenland schon lange üblich, um das Sonnenlicht zu reflektieren. Foto: via unsplash
Weiße Dächer sind in Griechenland schon lange üblich, um das Sonnenlicht zu reflektieren. Foto: via unsplash

Lektionen aus dem Süden

Weiter im Süden weiß man schon lange, dass weiße Dächer eine besonders gute Lösung bei Hitze sind. So sind zum Beispiel in Griechenland viele Dächer und Außenwände weiß gestrichen. Damit ist es möglich, bis zu 85 Prozent des Sonnenlichts zu reflektieren, wodurch das Gebäude kühler bleibt. Auch die Umgebungsluft bleibt kühl. Jedoch bringen diese Dächer keine Vorteile für Flora und Fauna. Sie helfen auch nicht mit der Speicherung von Regenwasser.

Letztendlich gibt es keine perfekte Lösung für kühlere Städte. Grüne Dächer werden immer beliebter und sind in manchen Städten inzwischen sogar bei Neubauten vorgeschrieben. Die Debatte zwischen grünen und weißen Dächern geht weiter, aber fest steht, dass eine Kombination aus grün, weiß, blau und braun viele wertvolle Vorteile für Städte bringt. Daher ist es sinnvoll, innovative Ansätze zu fördern, die das Leben in der Stadt auch im Sommer angenehm machen.

Weiterlesen: Im Juni 2024 drehte sich unsere Printausgabe ganz um das Thema Dach.

Klimawandel Deutschland: Neue Klimawirkungs- und Risikoanalyse des Bundes

Dan Gold

Cluster Land

Am 14. Juni 2021 stellte Bundesumweltministerium und Umweltbundesamt die Ergebnisse der Klimawirkungs- und Risikoanalyse (KWRA) des Bundes vor. Die Message: Wenn es so weiter geht, werden die Risiken durch Hitze, Trockenheit und Starkregen durch den Klimawandel in Deutschland stark ansteigen. Wir haben die wichtigsten Erkenntnisse hier nochmal für Sie zusammengefasst.

Zum zweiten Mal seit 2015 wurden mit der Klimawirkungs- und Risikoanalyse 2021 die durch den Klimawandel in Deutschland verursachten zukünftigen Risiken genauer unter die Lupe genommen. Sind bisher nur wenige Gebiete in Deutschland mit den Auswirkungen des Klimawandels wie Dürren oder Überschwemmungen betroffen, könnte das schon zur Mitte des Jahrhunderts ganz anders aussehen. Im Folgenden fassen wir Ihnen die Erkenntnisse der KWRA in den drei Clustern „Land“, „Wasser“ und „Infrastruktur“ zusammen:

Handlungsfeld Biologische Vielfalt

Der Klimawandel in Deutschland habe für eine Mehrzahl der Lebewesen eine Veränderung der Vegetationsperiode und Phänologie zur Folge. Asynchronitäten dieser Veränderungen zwischen verschiedenen Spezies führen dazu, dass Nahrungsketten durcheinander geraten und dadurch die Bestäubung und das Aufkommen von Schädlingen beeinflussen. Wärmeliebende Invasivarten können sich durch die Folgen des Klimawandels in Deutschland stärker ausbreiten, wovon folglich besonders urbane und verkehrsträgernahe Räume betroffen seien. Auch die Zusammensetzung heimischer Arten werde vom Klimawandel zugunsten der wärmeliebenden beeinflusst. Sowohl Feuchtgebiete, alpine Lebensräume als auch der Wald werden durch die Klimaerwärmung degradiert.

Handlungsfeld Boden

Sich durch den Klimawandel in Deutschland verändernde Niederschlagsmuster mit extremeren Trockenperioden, Starkregen- und Starkwindereignissen verstärken die Bodenerosion und wirken sich negativ auf die Wasserkapazität des Oberbodens aus.

Handlungsfeld Landwirtschaft

Der Klimawandel beeinflusse die landwirtschaftliche Produktionsleistung. Höhe und Qualität des Ertrages hingen davon ab, wie gut das Klima sich innerhalb eines für jedes Lebewesens unterschiedlichen Optimums bewege. Die Milchleistung und -qualität von Kühen ginge schon bei geringem Hitzestress zurück. Ebenso zurück ginge das Wachstum von Schweinen und die Legeleistung von Hühnern. Pflanzen litten sowohl unter Hitzestress als auch unter der folgenden Trockenheit, wohingegen Schädlinge von höheren Temperaturen profitieren würden. Zukünftig könnte der Klimawandel nach der KWRA häufigere Ernteausfälle und eine geringere Qualität mancher landwirtschaftlicher Produkte zur Folge haben.

Handlungsfeld Wald-und Forstwirtschaft

Hitze und Trockenstress erhöhten die Empfindlichkeit von Bäumen gegenüber anderen Stressoren wie Starkwind, Waldbrand oder Schädlingsbefall (mehr zur Situation deutscher Wälder hier). Qualität und Preis von Holz können sich zukünftig durch den Klimawandel negativ verändern. Als immer beliebter werdender Freizeit- und Zufluchtsort bei Hitzetagen könne der Nutzungsdruck auf gesunde Wälder steigen.

Cluster Wasser

Handlungsfeld Fischerei

Als wechselwarme Tiere seien Fische stark von ihrer Umwelt abhängig. Gesundheit und Zuwächse bei fischereilich bedeutenden Arten können durch den Klimawandel in Deutschland beeinflusst werden. Bis zur Mitte des Jahrhunderts könnten einige kälteliebende Arten wie die Bachforelle aus deutschen Gewässern verschwunden sein. Dazu kämen Krankheitserreger und Parasiten, die von steigenden Temperaturen profitieren.

Handlungsfeld Küsten-und Meeresschutz

Der Klimawandel beeinflusse die Temperatur und dadurch auch die Qualität des Wassers. Steigende Nährstoffkonzentrationen im Meer führen zu Sauerstoffmangel und Versauerung mit negativen Folgen auf marine Ökosysteme. Steigende Meeresspiegel erhöhten die Belastung auf Küstenschutzsysteme, küstennahe Siedlungen und Infrastruktur schützen. Kritische Entwässerungssituationen werden künftig häufiger auftreten.

Handlungsfeld Wasserhaushalt, Wasserwirtschaft

Hitze und Trockenheit beeinflussten die Wasserqualität und schränkten die Binnenschifffahrt und die Kühlwassernutzung von Kraftwerken ein. Durch den Klimawandel in Deutschland wird künftig folglich der Bedarf an bewässerten landwirtschaftlichen Flächen steigen. Angesichts der Tatsache dass nur ein Viertel des in Deutschland bezogenen Produktionswassers zur industriellen Produktion dient und der Rest zum Kühlen von KRaftwerken verbraucht wird, seien in diesem Handlungsfeld vor allem politische Entscheidung hinsichtlich der Weiterentwicklung der Industrieproduktion entscheidend.

Cluster Infrastruktur

Handlungsfeld Bauwesen

Durch den Klimawandel bedingte Stark- und Hochwasserereignisse könnten Gebäude häufiger beschädigt werden. Urbane Flächen würden sich demnach weiter verbreiten und so eine Ausdehnung städtischer Wärmeinseln zur Folge haben. Ohne bauliche Anpassung würde der Klimawandel also vermehrt zu höheren Innenraumtemperaturen führen. Künftig könnten Bautätigkeiten durch Starkwind und -regen sowie Hitze und UV-Strahlung erschwert werden.

Handlungsfeld Energiewirtschaft

Künftig seien ein steigender Bedarf an Kühlenergie und ein sinkender Bedarf an Heizenergie zu erwarten. Regional könnten demnach Lieferketten für fossile Energieträger durch Niedrigwasser beeinflusst werden und Kraftwerke müssten bei geringem Kühlwasserangebot ihre Produktion herunterfahren.

Handlungsfeld Verkehr, Verkehrsinfrastruktur

Hoch- und Niedrigwassereignisse könnten die Binnenschifffahrt zukünftig stärker beeinträchtigen. Durch den Meeresspiegelanstieg seien zudem auch Seefahrtsstraßen und maritime Infrastruktur betroffen. Straßen und Schienen sowie Verkehrsleitsysteme und Stromversorgungsanlagen würden folglich durch Hitze und andere Auswirkungen des Klimawandels unter einem höheren Beschädigungsrisiko leiden.

Cluster Wirtschaft

Handlungsfeld Industrie und Gewerbe

Zukünftig könnten bestimmte Rohstoffe, die aus klimavulnerablen Ländern stammen, schwerer für deutsche Unternehmen zu erhalten sein. Zusätzlich könnte der internationale Warenverkehr stärker durch extremes Wetter beeinträchtigt werden. Hitzewellen könnten außerdem zu Leistungseinbußen von Beschäftigten durch Unfälle oder gesundheitliche Belastungen führen.

Handlungsfeld Tourismuswirtschaft

Die Nutzung touristischer Infrastrukturen im Küstenraum oder auch Skigebiete würden außerdem durch den Klimawandel in Deutschland beeinträchtigt. Chancen hingegen ergäben sich zum Beispiel durch die zu erwartende Verlängerung der Badesaison.

Cluster Gesundheit

Handlungsfeld Menschliche Gesundheit

Die Hitzebelastung auf die Bevölkerung nehme künftig zu, ebenso extreme Wetterereignisse wie Starkregen und Hagel. Die Pollensaison beginne früher und dauere länger an. Der Klimawandel würde zudem Krankheitserreger wie Vibrionen und Vektoren wie Mücken und Zecken begünstigen.

Die vollständige KWRA finden Sie auf der Homepage des BMU.

Dem Thema „Klimawandel“ widmete sich die G+L in der Maiausgabe 2018. Hier geht es zum Heft.