Digitales Ampelnetz für klimaadaptive Verkehrsführung

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Ein geschäftiges urbanes Straßenszenario mit dichtem Verkehr und imposanten Hochhäusern, fotografiert von Bin White.

Stellen Sie sich eine Stadt vor, die ihre Verkehrsströme in Echtzeit steuert, Verkehrsampeln vorausschauend anpasst und so nicht nur Staus, sondern auch Hitzeinseln und CO₂-Emissionen intelligent reduziert. Was klingt wie eine Utopie für urbane Mobilität, ist mit digitalen Ampelnetzen und klimaadaptiver Verkehrsführung längst technisch möglich – und steht nun im Mittelpunkt der Transformation zur nachhaltigen Stadt.

  • Definition und Funktionsweise eines digitalen Ampelnetzes im Kontext klimaadaptiver Verkehrsführung
  • Technologische Grundlagen: Sensorik, Echtzeitdaten, Vernetzung und Steuerungsalgorithmen
  • Verbindung von Verkehrsmanagement, Klimaanpassung und Stadtplanung
  • Praxisbeispiele aus Deutschland, Österreich und der Schweiz
  • Herausforderungen: Datenschutz, Interoperabilität, Governance und Akzeptanz
  • Rolle von Urban Digital Twins und offenen Datenplattformen
  • Potenziale für nachhaltige Mobilität, Klimaschutz und urbane Lebensqualität
  • Risiken: technokratischer Bias, gesellschaftliche Teilhabe und die Gefahr der Black Box
  • Ausblick: Warum das digitale Ampelnetz die DNA der Stadt von morgen prägen wird

Digitale Ampelnetze: Smarte Verkehrssteuerung trifft Klimaanpassung

Die konventionelle Ampelsteuerung hat ausgedient. Wer heute durch Metropolen wie Zürich, Wien oder Hamburg fährt, ahnt meist nicht, dass im Hintergrund längst komplexe digitale Netzwerke die grüne Welle orchestrieren – und das nicht mehr allein für Autos, sondern für Fußgänger, Radfahrer, Busse und Lieferverkehr. Das digitale Ampelnetz hebt die klassische Verkehrssteuerung auf ein völlig neues Level. Es setzt auf ein dichtes Netz aus Sensoren, Kameras, Wetterstationen und Mobilitätsdaten, die in Echtzeit ausgewertet werden, um Verkehrsströme dynamisch zu lenken.

Doch das eigentliche Novum liegt in der klimaadaptiven Komponente. Denn der Verkehr ist nicht nur ein Mobilitätsthema, sondern ein zentrales Feld für den urbanen Klimaschutz. Digitale Ampelnetze werden so programmiert, dass sie nicht nur Staus vermeiden, sondern auch lokale Hitzeinseln entschärfen oder Emissionen senken. Sie erkennen, wenn sich die Luft über einer vielbefahrenen Kreuzung aufheizt, und priorisieren dann beispielsweise den Öffentlichen Nahverkehr oder den Radverkehr, um die Schadstoffbelastung zu senken.

Wie funktioniert das konkret? Moderne Systeme nutzen Machine Learning und Künstliche Intelligenz, um aus Wetterprognosen, Sensorwerten, Verkehrsanalysen und sogar sozialen Events zu lernen. Findet etwa ein Straßenfest statt, werden alternative Routen vorgeschlagen und Ampelphasen angepasst. Drohen Starkregen oder Hitzewellen, kann das Netz gezielt Umleitungen schalten, um sensible Quartiere zu entlasten. Die Ampel wird damit von einer starren Schaltuhr zum lernenden Akteur der Stadtentwicklung.

Das digitale Ampelnetz ist also viel mehr als ein technisches Upgrade. Es ist ein urbanes Steuerungsinstrument, das Mobilität, Klimaresilienz und Lebensqualität miteinander verknüpft. Für Planer, Verkehrsingenieure und Stadtverwaltungen eröffnet sich damit ein neues Spielfeld: Statt nachträglicher Schadensbegrenzung ermöglicht das System proaktive Stadtgestaltung auf Basis von Daten und Simulationen.

Bedeutet das das Ende der klassischen Verkehrsplanung? Keineswegs – aber es verschiebt die Gewichte. Das digitale Ampelnetz zwingt alle Akteure, vernetzt zu denken: die Quartiersentwicklung, die Straßenraumgestaltung, das Wassermanagement und die Mobilitätswende sind plötzlich eng miteinander verknüpft. Wer das unterschätzt, wird von der Dynamik digitaler Stadtentwicklung schlicht überholt.

Technologische Grundlagen: Wie das digitale Ampelnetz funktioniert

Herzstück des digitalen Ampelnetzes sind hochvernetzte Sensoren und Datenplattformen. An jeder Kreuzung, an Straßenrändern, in Bussen und sogar in Straßenlaternen erfassen Sensoren Verkehrsdichte, Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Feinstaubwerte und Bewegungsmuster. Die Daten werden in Echtzeit an eine zentrale Urban Data Platform gesendet, die als Gehirn des Systems fungiert. Dort laufen alle Informationen zusammen – von Geoinformationen über Wetterprognosen bis hin zu Baustellenmeldungen.

Die Steuerung erfolgt nicht mehr auf Basis starrer Programme, sondern dynamisch – mithilfe von Algorithmen, die kontinuierlich lernen und sich anpassen. Künstliche Intelligenz erkennt typische Muster, etwa den morgendlichen Pendlerstrom oder besondere Belastungen durch Lieferverkehre. Machine-Learning-Modelle prognostizieren, wie sich das Verkehrsaufkommen bei Wetterumschwüngen, Großveranstaltungen oder Straßensperrungen verändern wird. Diese Prognosen fließen direkt in die Steuerung der Ampelphasen ein.

Ein weiteres zentrales Element ist die offene Schnittstelle zu anderen Systemen. Das digitale Ampelnetz ist kein Solitär, sondern verknüpft sich mit dem ÖPNV, dem Parkraummanagement, der Fahrradverleihinfrastruktur und nicht zuletzt mit den Urban Digital Twins der Stadt. Diese digitalen Zwillinge simulieren in Echtzeit die Auswirkungen veränderter Verkehrsströme auf Klima, Lärm und Aufenthaltsqualität. So kann das System beispielsweise erkennen, wenn eine Umleitung droht, ein Wohnquartier zu überlasten – und frühzeitig gegensteuern.

Die Steuerung selbst erfolgt über Aktuatoren in den Ampelanlagen, die von der zentralen Plattform aus angesteuert werden. Das System prüft kontinuierlich, ob die gewünschten Ziele – etwa die Reduzierung von Schadstoffbelastungen oder die Bevorzugung des Radverkehrs – tatsächlich erreicht werden. Ist das nicht der Fall, passt der Algorithmus die Steuerung an. Das System lernt also ständig dazu und optimiert sich selbst.

Datenschutz und IT-Sicherheit spielen dabei eine zentrale Rolle. Die Sensordaten werden in der Regel anonymisiert und nur aggregiert ausgewertet. Die Plattformen sind als offene urbanistische Infrastrukturen konzipiert, die von Verwaltung, Wissenschaft und – wo sinnvoll – auch von Bürgern genutzt werden können. So wird das digitale Ampelnetz zum gemeinsamen Werkzeug für eine klimaadaptive Stadtentwicklung.

Verkehr, Klima und Stadtentwicklung: Neue Synergien durch digitale Steuerung

Die Verknüpfung von Verkehrsmanagement und Klimaanpassung verlangt ein radikal neues Denken in der Stadtplanung. Bisher wurden Verkehrsströme, Luftqualität, Hitzeinseln und Flächenverbrauch häufig isoliert betrachtet. Mit dem digitalen Ampelnetz wachsen diese Themen zusammen. Der Verkehr wird zum Steuerungshebel für Klimaschutz und Aufenthaltsqualität – und umgekehrt beeinflusst das Klima die Mobilität.

Ein anschauliches Beispiel liefert die Stadt Wien, wo ein Pilotprojekt die Ampelphasen an Hitzetagen zugunsten von Fußgängern und Radfahrern verlängert. Das Ziel: Menschen sollen bei hohen Temperaturen möglichst wenig Zeit auf sonnenexponierten Kreuzungen verbringen. Gleichzeitig werden Hauptverkehrsachsen so gesteuert, dass der motorisierte Individualverkehr in sensiblen Phasen aus Quartieren mit hoher Hitzebelastung ferngehalten wird. Die Stadt Zürich geht ähnlich vor, indem sie während Hitzeperioden Umleitungen für den Durchgangsverkehr aktiviert, um Grünräume und Wohngebiete zu entlasten.

In Deutschland steht Hamburg an der Spitze der Entwicklung. Das Projekt „Green Light District“ nutzt ein lernendes Ampelnetz, das Verkehrsaufkommen, Wetterdaten und Emissionswerte kombiniert. Ziel ist es, den CO₂-Ausstoß im Stadtgebiet aktiv zu steuern und die Aufenthaltsqualität in besonders belasteten Quartieren zu verbessern. In München wird das System genutzt, um bei Starkregenereignissen gezielt Rettungswege freizuschalten und den Verkehrsfluss für Einsatzfahrzeuge zu optimieren.

Die Potenziale für die Stadtentwicklung sind enorm. Durch die intelligente Steuerung können neue Quartiere klimagerecht erschlossen werden, ohne dass zusätzliche Verkehrslasten entstehen. Die Integration mit Urban Digital Twins ermöglicht es, verschiedene Szenarien – etwa zur Umgestaltung eines Straßenzugs oder zur Einführung autofreier Zonen – im Vorfeld zu simulieren und die Auswirkungen auf Klima, Mobilität und soziale Teilhabe sichtbar zu machen.

Das Resultat sind Städte, die nicht nur effizienter, sondern auch gerechter und widerstandsfähiger werden. Denn klimaadaptive Verkehrsführung kann gezielt dazu beitragen, benachteiligte Quartiere zu entlasten, Lärm und Emissionen zu senken und den öffentlichen Raum für alle nutzbar zu machen. Das digitale Ampelnetz wird so zum urbanen Katalysator für eine Mobilitätswende, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt.

Herausforderungen und Risiken: Technik, Transparenz und Teilhabe

So verheißungsvoll die Vision des digitalen Ampelnetzes auch ist – der Weg dorthin ist gepflastert mit Herausforderungen. Technisch stehen viele Kommunen noch am Anfang. Die Integration alter Ampelanlagen, die Standardisierung von Schnittstellen und die Sicherstellung der Interoperabilität zwischen unterschiedlichen Systemen sind Mammutaufgaben. Hinzu kommt der nicht zu unterschätzende Aufwand für die Wartung und Aktualisierung der Sensorik und der Datenplattformen.

Ein zweites großes Thema ist die Governance. Wer kontrolliert die Algorithmen? Wer legt fest, welche Ziele priorisiert werden – Klimaschutz, Mobilität, Sicherheit oder Aufenthaltsqualität? Und wie wird sichergestellt, dass das System nicht zum Selbstzweck wird, sondern tatsächlich den Bedürfnissen der Stadtgesellschaft dient? Hier braucht es klare Regeln, transparente Prozesse und eine Einbindung aller relevanten Akteure – von der Verwaltung über die Wissenschaft bis hin zu zivilgesellschaftlichen Gruppen.

Datenschutz und IT-Sicherheit sind weitere kritische Punkte. Die Erfassung und Verarbeitung von Bewegungsdaten – selbst wenn sie anonymisiert sind – wirft Fragen nach der informationellen Selbstbestimmung auf. Um Vertrauen zu schaffen, müssen die Systeme offen dokumentiert, die Daten möglichst öffentlich zugänglich gemacht und die Algorithmen erklärbar bleiben. Die Gefahr, dass das digitale Ampelnetz zur Black Box wird, ist real – und sie untergräbt die gesellschaftliche Akzeptanz.

Schließlich gibt es auch gesellschaftliche Risiken. Die Gefahr eines technokratischen Bias ist nicht zu unterschätzen: Wenn die Steuerung allein datengetrieben erfolgt, drohen soziale Aspekte wie Barrierefreiheit, Teilhabe oder Sicherheit für besonders schutzbedürftige Gruppen aus dem Fokus zu geraten. Die Einbindung der Stadtgesellschaft – etwa durch partizipative Formate, offene Datenplattformen oder digitale Beteiligungswerkzeuge – ist daher kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit.

Nur wenn es gelingt, die technischen, rechtlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen gemeinsam anzugehen, kann das digitale Ampelnetz sein volles Potenzial entfalten. Es geht nicht um Technik um der Technik willen, sondern um ein Werkzeug für eine klimafreundliche, gerechte und lebenswerte Stadt.

Ausblick: Das digitale Ampelnetz als DNA der Stadt von morgen

Die Zukunft der urbanen Mobilität ist digital, adaptiv und klimabewusst. Digitale Ampelnetze bilden dabei das Rückgrat einer neuen Generation von Städten, die nicht mehr auf lineare Planung, sondern auf dynamische Steuerung setzen. Sie sind das Nervensystem, das alle Bereiche der Stadtentwicklung miteinander verknüpft und in Echtzeit auf neue Herausforderungen reagiert.

Die Integration mit Urban Digital Twins, offenen Datenplattformen und KI-basierten Steuerungsmodellen eröffnet ungeahnte Möglichkeiten: Städte können Szenarien durchspielen, Maßnahmen gezielt testen und die Auswirkungen auf Klima, Mobilität und Lebensqualität transparent machen. Die Stadt wird zum lernenden Organismus, der sich selbst optimiert und anpasst.

Für Planer, Stadtverwaltungen und politische Entscheidungsträger bedeutet das: Wer jetzt investiert, legt die Basis für eine resiliente und attraktive Stadt der Zukunft. Wer weiterhin auf analoge Steuerung und starre Prozesse setzt, wird von der Dynamik smarter Städte abgehängt. Die Digitalisierung ist kein Selbstzweck, sondern der Schlüssel, um die großen urbanen Herausforderungen – Klimawandel, Verkehrsinfarkt, soziale Spaltung – erfolgreich zu meistern.

Doch damit das gelingt, müssen Technik und Teilhabe Hand in Hand gehen. Ein digitales Ampelnetz, das nicht erklärt, nicht partizipativ gestaltet und nicht transparent ist, wird scheitern. Nur wenn die Systeme offen, verständlich und demokratisch kontrolliert werden, können sie ihr volles Potenzial entfalten – und aus der Science-Fiction-Vision gelebte urbane Realität machen.

Die Stadt von morgen ist keine Black Box, sondern ein urbanes Labor, das alle einlädt, mitzudenken und mitzugestalten. Das digitale Ampelnetz ist dabei nicht Ziel, sondern Mittel: ein Werkzeug, um die urbane Transformation sozial, ökologisch und technologisch nachhaltig zu gestalten. Wer das erkennt, wird nicht nur Staus auflösen – sondern die Stadt als Ganzes neu erfinden.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Das digitale Ampelnetz ist weit mehr als eine smarte Verkehrssteuerung. Es ist der Motor einer neuen, klimaadaptiven Stadtentwicklung, die Mobilität, Klimaschutz und Lebensqualität miteinander verschränkt. Die Herausforderungen sind groß – technisch, rechtlich, gesellschaftlich. Doch die Chancen, die sich aus der intelligenten Verknüpfung von Daten, Technologien und urbaner Teilhabe ergeben, sind größer. Städte, die diese Transformation mutig angehen, werden Vorreiter einer nachhaltigen, resilienten Urbanität. Willkommen in der Echtzeit-Stadt, in der die Ampel nicht mehr Rot, Gelb, Grün ist – sondern intelligent, lernend und klimafreundlich.

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Freilichtmuseum Ballenberg: Neuordnung am Eingang

Auf dem Foto ist das Freilichtmuseum eingebettet in die Wälder eines Höhenzugs zu sehen.

Freilichtmuseum eingebettet in die Wälder eines Höhenzugs. (Foto: Ballenberg

Freilichtmuseum Ballenberg

Im Kanton Bern ist Schweizer Vergangenheit erlebbar: im Freilichtmuseum Ballenberg. Nun wird der Eingangsbereich des Museums neu geordnet. Die Testplanung hat einen überzeugenden Entwurf für einen kompakten Neubau hervorgebracht. Der Siegerentwurf von Moeri & Partner Landschaftsarchitekten und Gauer Itten Messerli Architekten wird nun konkretisiert und realisiert.

Das Freilichtmuseum Ballenberg liegt inmitten der Schweiz. Unweit vom Brienzer See ist das Museum in die Wälder eines Höhenzugs eingebettet. Von modernen, urbanen Strukturen entfernt, zeigt das Museum eine ländliche Umgebung. Denn das Freilichtmuseum ist als Dorf angelegt und präsentiert traditionelle ländliche Bauten und ihre typischen Einrichtungen zum Wohnen und Arbeiten. Nun wird der Eingangsbereich zu diesem Museum umgestaltet. Die Testplanung dafür haben die Architekt*innen Gauer Itten Messerli aus Bern zusammen mit den Landschaftsarchitekt*innen Moeri & Partner gewonnen. Auf der Grundlage dieses Studienauftrages – so wie diese Planungsphase in der Schweiz heißt – wird die Neuordnung des Eingangsbereichs konkretisiert.

Das Museum Ballenberg ist eine private Stiftung. Sie verfolgt das Ziel, traditionelle ländliche Bauten aus allen Teilen der Schweiz zu sammeln und zu erhalten. Dazu gehören auch typische Elemente und Gegenstände zum Wohnen und Arbeiten. Sie alle werden auf dem Ballenberg zusammengetragen, erforscht und das Wissen darüber weitergegeben. Der Ballenberg ist aber kein antiquiertes Stück Vergangenheit. Vielmehr ist das Museum ein lebendiges kulturelles Zentrum mit vielfältigen Angeboten. Dazu gehören Veranstaltungen, Kurse, Ausstellungen und Veröffentlichungen. Seitdem das Museum in den späten 1970er-Jahren eröffnete, ist sein Eingangsbereich ständig gewachsen. Nun war es an der Zeit, diese Situation neu zu ordnen.

 

Erneuerungsbedarf in Ballenberg

 

Das Freilichtmuseum Ballenberg hat einen großen Eingangsbereich in Hofstetten bei Brienz. Dieser ist im Laufe der Jahre mit zunehmenden Besucher*innenströmen ständig gewachsen. Dem Besucher*innenaufkommen entsprechend sind auch der Parkplatz und die dazugehörigen Verkehrsflächen immer größer geworden. Aber auch die Kasse und der Shop, das Kurszentrum Ballenberg, ein Werkhof mit Lager und das 2009 fertiggestellte Verwaltungsgebäude prägen den Eingangsbereich. Dieses Sammelsurium wird dazu von einer Verbindungsstraße zerschnitten. Ein Gesamtkonzept für diesen repräsentativen Bereich des einzigen Freilichtmuseums der Schweiz fehlt. Vielmehr verursacht die Konzentration verschiedener Bauten und Anlagen Konflikte. So gibt es beispielsweise weder Warteraum für Gruppen noch separate Zugänge zu den verschiedenen Angeboten. Außerdem fehlt dem Freilichtmuseum Ballenberg ein zentrales Museumsdepot für die Lagerung und Pflege seiner über 45 000 Objekte umfassenden Sammlung. Diese verschiedenen Aufgabenstellungen und Herausforderungen waren Inhalt von Studienauftrag und Testplanung.

Häuser, Objekte, Handwerk und Tiere

Auf dem Ballenberg sind über 100 Wohn- und Wirtschaftsbauten aus der ganzen Schweiz zu sehen. Die Sammlung umfasst stattliche Bauernhäuser, bescheidene Bauten von Tagelöhnern, Alpsiedlungen genauso wie Ställe, Scheunen, Speicher, Waschhäuschen und Dörröfen. Sie alle sind architektonische und sozialgeschichtliche Zeuginnen das Alltagsleben in der ländlichen Schweiz. Sie alle erzählen von der Kultur vergangener Zeiten. Alte Gebäude werden nur in die Ausstellung aufgenommen, wenn sie am ursprünglichen Standort nicht erhalten bleiben können. Nur in diesen Fällen werden sie sorgfältig abgetragen und auf dem 66 Hektar großen Museumsgelände wieder aufgebaut. 

Die Bauten der verschiedenen Hauslandschaften der Schweiz bilden jedoch nur einen Teil des Museums. Der Ballenberg zeigt auch nach historischen Vorbildern angelegte Bauerngärten, Äcker, Felder, Wiesen und Weiden. In den Gebäuden des Museums sind Handwerker*innen aktiv, die mit alten Werkzeugen und Geräten traditionelle Arbeiten zeigen. Darüber hinaus vermitteln thematische Ausstellungen einen Blick hinter die Kulissen des ländlichen Alltags. Dazu gehören auch über 250 Bauernhoftiere, die gesamte Palette der einheimischen Nutztierarten. Auch sie füllen den Ballenberg mit Leben.

 

Kooperativer Planungsprozess für den Ballenberg-Eingang

 

Um den Eingangsbereich des Freilichtmuseum Ballenberg neu zu ordnen, wurden drei Teams zu einem kooperativen Planungsprozess geladen. Nach einer ersten Veranstaltung präsentierte sie zunächst Zwischenergebnisse. Auf diese erhielten die Entwerfer*innen eine schriftliche Rückmeldung. Schließlich fand die Schlusspräsentation mit anschließender Beurteilung statt. Aus dieser ist der Entwurf von Gauer Itten Messerli Architekten AG, Moeri & Partner Landschaftsarchitekten AG und Emch+Berger Verkehrsplanung AG als Sieger hervorgegangen.

 

Mehr Effizienz, mehr Einnahmen

 

Diese Arbeitsgemeinschaft hat einen kompakten Neubau vorgeschlagen, der den westlichen Eingang zum Museum neu strukturiert. In diesem Neubau finden der Eingangsbereich mit Kasse und Shop, die Parkplätze und Depoträume Platz. Der Entwurf besticht durch attraktive Zugänge für alle Verkehrsteilnehmenden. Er bietet flexible Nutzungen mit großem Potenzial für die Zukunft. Darüber hinaus zeigt er eine verkehrstechnisch klare Lösung mit einer Trennung der Verkehrswege von Gästen und internen Nutzer*innen. Das Team um Gauer, Itten, Messerli und Moeri & Partner hat eine Lösung erarbeitet, die nur sehr wenig zusätzliche Fläche beansprucht.

Die Ergebnisse der Testplanung werden nun in eine konkrete Planung überführt. Mit der vorgeschlagenen Neugestaltung des Eingangs werden die Sammlung und ihr Handling vom Betrieb des Museums entflochten. Die Konzentration auf einen Standort vereinfacht darüber hinaus die Pflege der Sammlung. Das neue Besucher*innenzentrum empfängt zukünftig die Besucher*innen und informiert sie über die Angebote im Museum und im Kurszentrum. Durch die verbesserte Führung durch den Museumsshop erhofft sich das Freilichtmuseum auch dringend benötigte Mehreinnahmen. Denn das Museum steht, genau wie das Kurszentrum, unter hohem Kostendruck. Deshalb spielt die Wirtschaftlichkeit bei allen Maßnahmen eine große Rolle.

Sie haben den Plan, das Freilichtmuseum Ballenberg zu besuchen? Dann empfehlen wir einen Stop in Bern. Was Planer*innen in Bern besichtigen sollten, haben wir für Sie zusammengetragen.

Zukunft Stadt@GRÜNBAU“ heißt der Kongress, mit dem die Messe Berlin und Garten + Landschaft am 16. April in Berlin ein Forum für die zukunftsfähige Stadtentwicklung bieten. Im Mittelpunkt des Kongresses stehen praxisnahe Antworten auf die planerischen Herausforderungen in der Stadt im Mittelpunkt.
Die Tagesveranstaltung im Marschall-Haus auf dem Berliner Messegelände beginnt mit einem Vortrag des Stadtplaners Gregor H. Mews über mehr Risikokompetenz beim Spielen Spielraum. Anschließend stellt der frühere Sozialpädagogik-Professor Bernhard Meyer zwei Beispiele vor, wie Städte den öffentlichen Raum für Ältere Menschen und Kinder zurückgewonnen haben.
Mit der Vision einer inklusiven Gesellschaft befasst sich die Landschaftsarchitektin und Professorin an der TU Dresden Irene Lohaus aus Hannover. Sie hat zusammen mit weiteren Fachleuten den „Leitfaden Barrierefreies Bauen“ entwickelt, der beim Bau von Gebäuden und Außenanlagen des Bundes zu berücksichtigen ist. Angesprochen werden auch die Neuerungen der DIN 18040-3, die Planer und Kommunen vor große Herausforderungen stellt.
Der Nachmittag beginnt mit zwei Vorträgen zu Bäumen in der Stadt. Während Philipp Schönfeld von der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau Veitshöchheim die richtige Planung zur Größe der Baumgruben, zum Substrat, der Artenauswahl, Pflanzung und Pflege nach den Regelwerken der FLL und ZTV-Vegtra-Mü erläutert, stellt die Landschaftsarchitektin Kerstin Abicht von der Baumschule Lorenz von Ehren bislang noch größtenteils unbekannte Allee-Baumarten für die Stadt und ihre Ansprüche vor.
Zum Abschluss stellt Dieter Grau vom Atelier Dreiseitl aus Überlingen das Forschungsprojekt Kuras, Konzepte für urbane Regenwasserbewirtschaftung und Abwassersysteme, vor. Ziel des Projektes ist es, integrierte Konzepte eines nachhaltigen Umgangs mit Abwasser und Regenwasser für städtische Standorte zu entwickeln. Dazu sollen für Abwasserentsorger und Kommunen mit gefällearmen Kanalnetzen Handlungsempfehlungen erarbeitet werden, um mit dieser Unterstützung die vorhandene technische Abwasserinfrastruktur langfristig zukunftsorientiert betreiben, erweitern und verändern zu können. Weiterhin sollen Konzepte für eine nachhaltige Regenwasserbewirtschaftung an städtischen Standorten entwickelt werden.
Die Teilnahme an dem Kongress ist kostenlos. Die Veranstaltung ist bei der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen als anerkannte Fortbildung beantragt. Anmeldung unter www.gruenbau-berlin.de möglich.

Zeitplan Zukunft Stadt @Grünbau, 16. April

9.45 Begrüßung
10.00 Risikokompetenz im Spielraum (Gregor H. Mews, Manager Projektentwicklung und Öffentlichkeitsarbeit, SIK-Holzgestaltungs GmbH)

10.45 Der öffentliche Raum als multifunktioneller Ort – die Besitzbare und die Bespielbare Stadt (Bernhard Meyer, emeritierter Professor für Sozialpädagogik an der Ev. Hochschule Darmstadt)

11.30 – 11.45 Pause

11.45 Barrierefrei planen und bauen – die Vision einer inklusiven Gesellschaft (Irene Lohaus, LohausCarl Landschaftsarchitektur, Hannover)

12.30 Kurzvorträge von Unternehmen zur zukunftsfähigen Stadt im Pecha Kucha Format

13.00 – 14.00 Mittagspause

14.00 Den Bäumen eine guten Start geben – Straßenbaumpflanzung nach den Regelwerken der FLL und ZTV-Vegtra-Mü, (Philipp Schönfeld, Sachgebietsleiter Pflanzenökologie und Pflanzenverwendung, Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau Veitshöchheim)

14.45 Stadtbäume der Zukunft – mehr Artenvielfalt für unsere Städte (Kerstin Abicht, Landschaftsarchitektin, Baumschule Lorenz von Ehren, Hamburg)

15.30 – 15.45 Kaffeepause

15.45 Kurzvorträge von Unternehmen zur zukunftsfähigen Stadt im Pecha Kucha Format

16.00 Regen bringt Segen – intelligente Netzbewirtschaftung von Regenwasser und Abwasser (Dieter Grau, Atelier Dreiseitl, Überlingen)

16.45 Ende der Veranstaltung