Digitales Energiemonitoring für öffentliche Gebäude

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Stadtbild mit regem Straßenverkehr und modernen Hochhäusern in der Schweiz. Foto von Bin White.

Stellen Sie sich vor, öffentliche Gebäude würden ihren Energieverbrauch nicht mehr verstecken, sondern ihn auf der digitalen Bühne tanzen lassen – in Echtzeit, für alle sichtbar, als Basis smarter Stadtentwicklung. Digitales Energiemonitoring ist nicht mehr nur ein technischer Luxus, sondern das Rückgrat nachhaltiger, transparenter und wirtschaftlicher Bewirtschaftung kommunaler Immobilien. Wer jetzt noch glaubt, Energieberichte seien eine lästige Pflichtübung, hat das wahre Potenzial dieser digitalen Revolution noch nicht erkannt.

  • Definition und Einordnung von digitalem Energiemonitoring in der öffentlichen Gebäudeplanung
  • Technologische Grundlagen und Infrastruktur für die Erfassung und Auswertung von Energiedaten
  • Relevanz für Nachhaltigkeit, Klimaschutz und den wirtschaftlichen Betrieb kommunaler Immobilien
  • Praxisbeispiele aus Deutschland, Österreich und der Schweiz: vom Rathaus bis zum Schulzentrum
  • Rechtliche Rahmenbedingungen und Herausforderungen im Datenschutz
  • Integration in bestehende Stadtentwicklungsprozesse und Schnittstellen zu Smart City-Strategien
  • Chancen für Transparenz, Nutzerbeteiligung und neue Governance-Modelle
  • Risiken durch Datenmonopolisierung, technische Überforderung und fehlende Standardisierung
  • Ausblick: Warum die Zukunft des öffentlichen Bauens ohne digitales Energiemonitoring undenkbar ist

Digitales Energiemonitoring: Vom Pflichtprogramm zur urbanen Intelligenz

Die Vorstellung, dass Energieverbrauch in öffentlichen Gebäuden ein diskretes Hintergrundrauschen bleibt, ist nicht mehr zeitgemäß. Digitales Energiemonitoring hat sich in den letzten Jahren von einem Nischenthema für Technikaffine zu einem zentralen Baustein nachhaltiger Stadtentwicklung gemausert. Doch was verbirgt sich eigentlich hinter diesem Begriff, der in Leitfäden, Förderrichtlinien und Architektenwettbewerben mittlerweile omnipräsent ist? Im Kern geht es um die kontinuierliche, automatisierte Erfassung und Auswertung sämtlicher Energieflüsse eines Gebäudes – und zwar nicht als jährliche Exceltabelle, sondern als lebendiges, digital vernetztes System.

Statt sich auf nachträgliche Verbrauchsauswertungen oder monatliche Abrechnungen zu verlassen, liefern moderne Monitoringlösungen präzise Live-Daten. Sensoren messen Strom, Wärme, Wasser, CO2-Emissionen, Raumklima und sogar Nutzerverhalten. Diese Daten werden in Echtzeit auf digitalen Dashboards visualisiert. So werden energetische Schwachstellen, Verbrauchsspitzen oder sogar Fehlfunktionen sofort sichtbar – und steuerbar. Die Zeiten, in denen ein überheiztes Klassenzimmer erst nach Beschwerden oder einer saftigen Nachzahlung aufflog, sind vorbei.

Für öffentliche Gebäude ist das nicht nur ein ökologisches Statement, sondern auch ein Gebot der Wirtschaftlichkeit. Die Kommunen stehen unter dem Druck, Klimaziele einzuhalten, Betriebskosten zu senken und Transparenz gegenüber Politik und Öffentlichkeit zu schaffen. Energiemonitoring verbindet all diese Anforderungen auf elegante Weise und macht aus Gebäuden lernende Systeme im Dienste der Stadtgesellschaft. Der Nebeneffekt: Die einst trockene Materie Energieverbrauch wird plötzlich greifbar, diskutierbar und – mit etwas Geschick – sogar zum Gegenstand einer partizipativen Stadtentwicklung.

Die Entwicklung digitaler Monitoringlösungen ist dabei nicht nur eine technologische, sondern auch eine kulturelle Evolution. Sie erfordert, dass alle Akteure – von der Verwaltung bis zum Hausmeister, von der Schulleitung bis zur Politik – den Wert von Daten als Ressource und Steuerungsinstrument begreifen. Erst wenn Energieflüsse als gestaltbare Größe wahrgenommen werden, kann Energiemonitoring sein volles Potenzial entfalten: als Motor für Innovation, Klimaschutz und eine neue Wertschätzung für öffentliche Räume.

Doch so verlockend der digitale Fortschritt klingt, so groß sind auch die Herausforderungen. Technische Fragmentierung, fehlende Schnittstellen, Datenschutzfragen und nicht zuletzt die Überforderung der Nutzer drohen, das Momentum auszubremsen. Damit digitales Energiemonitoring nicht zum Selbstzweck verkommt, braucht es klare Ziele, eine durchdachte Einbettung in die Gesamtstrategie der Kommune und vor allem: Mut zur Veränderung.

Technische Infrastruktur und Datenmanagement: Was hinter den Kulissen passiert

Wer Energiemonitoring als rein grafische Spielerei abtut, unterschätzt die Komplexität der zugrundeliegenden Infrastruktur. Im Zentrum stehen Sensoren und Messsysteme, die heute weit mehr können als nur den Stromverbrauch zählen. Sie erfassen Temperaturen in einzelnen Räumen, die Laufzeiten von Heizungs- und Lüftungsanlagen, den Wasserverbrauch in Sanitärräumen oder die Sonneneinstrahlung auf dem Dach. Moderne Systeme kommunizieren dabei häufig über Funkstandards wie LoRaWAN oder ZigBee, was eine flexible Nachrüstung in Bestandsgebäuden ermöglicht.

Alle erfassten Daten landen in einer zentralen Gebäudeleittechnik oder auf cloudbasierten Plattformen, die von spezialisierten Dienstleistern oder zunehmend auch von kommunalen IT-Abteilungen betrieben werden. Hier beginnt die eigentliche Magie: Durch intelligente Algorithmen werden die Rohdaten aufbereitet, in Beziehung zueinander gesetzt und mit Grenzwerten, historischen Verläufen oder Wetterprognosen abgeglichen. Das Ergebnis ist eine neue Art des Gebäudebetriebs – datengetrieben, lernfähig und vorausschauend.

Die Visualisierung erfolgt in Form von Dashboards, die individuell konfiguriert werden können. Ein Facility Manager interessiert sich vielleicht für die Lüftungszeiten, die Klimabeauftragte für die CO2-Emissionen, die Schulleitung für den Komfort in den Klassenräumen. Dank rollenbasierter Zugriffssteuerung können alle Beteiligten die für sie relevanten Informationen in Echtzeit abrufen. Noch einen Schritt weiter gehen Systeme, die automatisiert Meldungen generieren: Ist der Energieverbrauch in einem Flügel zu hoch, erfolgt eine Warnung per Push-Nachricht. Fällt die Temperatur unter einen kritischen Wert, startet die Heizung automatisch.

Die Integration in bestehende Systeme – von der klassischen Gebäudeautomation bis zur städtischen Energiemanagementplattform – ist dabei eine der größten Herausforderungen. Verschiedene Hersteller, unterschiedliche Standards und historisch gewachsene IT-Landschaften machen die Harmonisierung zur Sisyphusarbeit. Der Trend geht daher zu offenen Schnittstellen und standardisierten Protokollen, wie sie etwa die OpenEMS-Initiative oder das BACnet-Framework vorantreiben. Ziel ist es, Datensilos aufzubrechen und ein durchgängiges, stadtweites Monitoring zu ermöglichen.

Ein nicht zu unterschätzender Aspekt ist die Datensicherheit. Sensible Informationen über die Nutzung und den Zustand öffentlicher Gebäude bedürfen eines besonderen Schutzes. Die DSGVO setzt hier enge Grenzen, insbesondere wenn personenbezogene Daten – etwa bei der Einzelraumüberwachung – ins Spiel kommen. Kommunen sind gefordert, klare Regelungen zu treffen, Verantwortlichkeiten zu definieren und die Akzeptanz bei den Nutzern durch Transparenz und Aufklärung zu sichern. Nur so kann das Vertrauen in die neue Datenkultur wachsen.

Von der Theorie zur Praxis: Erfolgsmodelle aus dem deutschsprachigen Raum

Theorie ist gut, Praxis ist besser – und zum Glück gibt es im deutschsprachigen Raum mittlerweile zahlreiche Leuchtturmprojekte, die zeigen, wie digitales Energiemonitoring im Alltag öffentlicher Gebäude wirkt. München etwa hat in den letzten Jahren ein flächendeckendes Monitoring für alle städtischen Schulen, Kitas und Verwaltungsgebäude etabliert. Über 1.000 Gebäude sind mit Sensorik ausgestattet, die Daten laufen auf einer zentralen Plattform zusammen und werden von einem eigenen Energiemanagement-Team ausgewertet. Das Ergebnis: Spürbare Kosteneinsparungen, eine bessere Steuerbarkeit der Anlagen und – nicht zu unterschätzen – eine neue Kultur des bewussten Umgangs mit Energie.

Auch in Wien setzt man auf die digitale Kontrolle der kommunalen Immobilien. Im Rahmen der Smart City Wien-Initiative wurde ein Energiemonitoringsystem eingeführt, das sowohl den laufenden Gebäudebetrieb optimiert als auch als Planungsinstrument für Sanierungen dient. Besonders spannend ist die Verknüpfung mit den Klimazielen der Stadt: Durch die Visualisierung von CO2-Einsparungen wird der Beitrag jedes einzelnen Gebäudes zum Gesamtziel sichtbar und messbar. Eine willkommene Argumentationshilfe – nicht nur im politischen Raum, sondern auch im Dialog mit den Nutzern vor Ort.

Ein weiteres Beispiel liefert die Stadt Zürich, die ihr Energiemonitoring konsequent mit dem digitalen Gebäudemanagement verbindet. Hier werden nicht nur Energieverbräuche in Echtzeit erfasst, sondern auch Anomalien automatisch erkannt und Störmeldungen direkt an das Facility Management übermittelt. Das entlastet die Mitarbeitenden, erhöht die Betriebssicherheit und schafft Freiräume für strategische Aufgaben wie die Entwicklung von Sanierungsfahrplänen oder die Integration erneuerbarer Energien.

Selbst kleinere Kommunen ziehen nach. Im norddeutschen Elmshorn etwa wurde ein Pilotprojekt gestartet, bei dem das Energiemonitoring mit einer digitalen Bürgerbeteiligungsplattform gekoppelt ist. Interessierte Bürger können den Energieverbrauch des Rathauses live verfolgen und Verbesserungsvorschläge einreichen. Das Ergebnis: ein ganz neuer Dialog über die Nutzung öffentlicher Räume – und ein wachsendes Bewusstsein für die Bedeutung von Transparenz und Teilhabe.

Alle Praxisbeispiele zeigen: Digitales Energiemonitoring ist kein Selbstläufer, sondern verlangt eine konsequente Einbettung in die Prozesse von Verwaltung, Betrieb und Stadtentwicklung. Wer es schafft, technische Exzellenz mit einer offenen, lernbereiten Haltung zu verbinden, wird mit nachhaltigen Erfolgen belohnt – ökologisch, ökonomisch und sozial.

Chancen, Risiken und der Weg zur digitalen Governance

Die Potenziale des digitalen Energiemonitorings sind enorm – das ist unbestritten. Es ermöglicht nicht nur die Optimierung von Energieverbräuchen, sondern auch die frühzeitige Erkennung von Defiziten, die Planung gezielter Investitionen und die Unterstützung politischer Entscheidungsprozesse durch belastbare Daten. In Zeiten steigender Energiepreise und ambitionierter Klimaziele ist das Monitoring damit weit mehr als ein nettes Add-on. Es wird zum strategischen Steuerungsinstrument für Kommunen, die ihre Gebäude intelligent, effizient und zukunftssicher betreiben wollen.

Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Die Monopolisierung von Daten durch einzelne Anbieter oder proprietäre Plattformen birgt das Risiko, Kommunen in digitale Abhängigkeiten zu treiben. Nur wer auf offene Schnittstellen und interoperable Systeme setzt, behält die Hoheit über die eigenen Daten und bleibt handlungsfähig. Ein weiteres Risiko liegt in der technischen Überforderung: Ohne ausreichende Schulung und Ressourcen droht das Monitoring zur reinen Zahlenfriedhof zu verkommen, der mehr Unsicherheit als Nutzen stiftet. Hier sind klare Verantwortlichkeiten, kontinuierliche Weiterbildung und ein niedrigschwelliger Zugang zu den Daten gefragt.

Der Datenschutz ist eine weitere Baustelle, die nicht unterschätzt werden darf. Gerade wenn das Monitoring auf Raumebene erfolgt, können Bewegungsprofile oder Nutzungsgewohnheiten sichtbar werden – ein gefundenes Fressen für Datenschützer. Kommunen müssen deshalb nicht nur die rechtlichen Vorgaben einhalten, sondern auch eine Kultur der Transparenz und Mitbestimmung etablieren. Nur wenn alle Beteiligten wissen, welche Daten warum und wie lange gespeichert werden, kann das notwendige Vertrauen entstehen.

Das Stichwort lautet digitale Governance: Energiemonitoring ist kein Selbstzweck, sondern muss in übergeordnete Strategien eingebettet werden. Das betrifft die Integration in Smart City-Konzepte ebenso wie die Verknüpfung mit Klimaschutzprogrammen, Quartiersentwicklungsprozessen oder Beteiligungsformaten. In Vorreiterkommunen werden Monitoringdaten bereits genutzt, um Bürgerhaushalte, Schulwettbewerbe oder quartiersübergreifende Sanierungskampagnen zu steuern. So wird aus trockenen Zahlen echte Stadtentwicklung.

Langfristig wird sich der Fokus verschieben: von der reinen Verbrauchskontrolle hin zu einer echten lernenden Organisation. Kommunen, die jetzt in eine offene, transparente und partizipative Datenkultur investieren, schaffen die Grundlage für resiliente, anpassungsfähige und klimaneutrale Städte. Und sie setzen ein Signal: Hier ist Digitalisierung kein Selbstzweck, sondern gelebte Verantwortung für die nächste Generation.

Ausblick: Warum ohne digitales Energiemonitoring keine nachhaltige Stadtentwicklung mehr möglich ist

Die Entwicklung ist eindeutig: Digitales Energiemonitoring wird sich in den kommenden Jahren vom technischen Nice-to-have zum unverzichtbaren Bestandteil jeder öffentlichen Bau- und Sanierungsmaßnahme entwickeln. Die Gründe liegen auf der Hand: Ohne belastbare, kontinuierliche Daten bleibt jede energetische Optimierung Stückwerk. Ohne Transparenz über Energieflüsse in öffentlichen Gebäuden lassen sich weder Klimaziele erreichen noch Betriebskosten nachhaltig senken. Und ohne die Einbindung von Nutzern, Verwaltung und Politik in einen datenbasierten Dialog bleibt jede Innovation auf halber Strecke stehen.

Schon heute schreiben zahlreiche Förderrichtlinien und Bauvorgaben in Deutschland, Österreich und der Schweiz die Implementierung digitaler Monitoringlösungen vor. Während einige Kommunen noch zögern, rollen andere die Technologie im großen Stil aus – und machen vor, wie aus Daten gelebte Nachhaltigkeit wird. Die Zukunft gehört Städten, die nicht nur bauen, sondern auch beobachten, lernen und adaptieren. Energiemonitoring ist dafür die Eintrittskarte in eine neue Ära des öffentlichen Gebäudemanagements.

Doch die Technologie allein wird es nicht richten. Entscheidend ist die Fähigkeit, aus Daten echte Handlungskompetenz zu gewinnen: Zielgerichtete Sanierungsfahrpläne, intelligente Steuerung von Anlagen, Beteiligung der Nutzer und eine transparente Kommunikation der Erfolge. Energiemonitoring bietet die Basis, doch der Wandel entsteht erst, wenn alle Akteure ihn als gemeinsame Aufgabe begreifen. Es braucht Mut zum Experimentieren, Offenheit für neue Prozesse und die Bereitschaft, auch Rückschläge als Lernchancen zu sehen.

Die nächsten Jahre werden zeigen, welche Städte den Sprung von der analogen zur digitalen Gebäudebewirtschaftung meistern. Sicher ist: Wer jetzt investiert – in Technik, in Know-how, in Beteiligung – wird mittelfristig belohnt. Mit resilienteren, wirtschaftlicheren und klimafreundlicheren öffentlichen Gebäuden. Und mit einer neuen, datenbasierten Kultur des städtischen Miteinanders, die weit über die Technik hinausreicht.

Digitales Energiemonitoring ist nicht die Antwort auf alle Herausforderungen der Stadtentwicklung, aber es ist ein entscheidender Hebel auf dem Weg zu lebenswerten, verantwortungsvoll geführten Städten. Wer das Potenzial erkennt und klug nutzt, macht aus Gebäuden mehr als nur Hüllen – er macht sie zu aktiven Bausteinen einer nachhaltigen Zukunft.

Zusammenfassung: Digitales Energiemonitoring hat sich vom technischen Randthema zum Herzstück moderner Stadtentwicklung entwickelt. Es liefert kontinuierliche, transparente und steuerbare Daten zu den Energieflüssen öffentlicher Gebäude – und wird damit zur Grundlage für Klimaschutz, Wirtschaftlichkeit und neue Formen der Beteiligung. Die technische Komplexität ist ebenso herausfordernd wie die organisatorische Einbindung und der Datenschutz. Doch die Chancen überwiegen: Kommunen, die in offenes, intelligentes Monitoring investieren, schaffen nicht nur effizientere Gebäude, sondern auch resilientere, lebenswertere Städte. Digitales Energiemonitoring ist kein Selbstzweck, sondern ein zentrales Werkzeug auf dem Weg zur nachhaltigen, datenbasierten Stadtgesellschaft – und wird aus der öffentlichen Baupraxis bald nicht mehr wegzudenken sein.

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„Warnow bietet Rostock eine einmalige Chance“

Advertorial Artikel Parallax Article

Die Stadt Rostock will in wenigen Jahren die BUGA 2025 ausrichten, und ein komplett neuer Stadtteil am Osthafen soll eines ihrer Kernprojekte werden: das Warnowquartier – gefördert mit insgesamt 74,2 Millionen Euro. Vergangenen Sommer haben uns für die Juniausgabe 2020 der Garten+Landschaft mit Anja Epper, Sachgebietsleiterin im Rostocker Amt für Stadtentwicklung, Stadtplanung und Wirtschaft, über die Rostocker Wasserprojekte der Zukunft unterhalten.

Der direkte Austausch fehlt

Anja Epper, starten wir mit einem aktuellen Projekt der Stadt Rostock. Die Hansestadt bemüht sich bereits seit knapp zehn Jahren um die Fortschreibung des Strukturkonzepts für Warnemünde, dem wohl bekanntesten Ortsteil der Stadt. Es hakt aber immer wieder in der Umsetzung. Wieso?

Im Jahr 2011 beschloss die Rostocker Bürgerschaft das Strukturkonzept Warnemünde. Eine regelmäßige Evaluierung wurde bereits im Beschluss verankert. Mit dem Prozess der Fortschreibung hat man 2016/17 begonnen. Eine Reihe von Fragen zu den verschiedenen Handlungsfeldern im Strukturkonzept konnten in der Fortschreibung nicht beantwortet werden, da sowohl politische Entscheidungen zu dem Zeitpunkt nicht vorlagen oder Entscheidungen nicht zu treffen waren.

Dies betraf unter anderem die weitere Entwicklung der Werftflächen im Südosten des Ortsteils, den Umgang mit dem Parkraumkonzept, die weitere Entwicklung eines möglichen Caravanstellplatzes sowie die Entwicklung des Wohnungsmarktes. Zentrales Thema war aber auch die zukünftige Entwicklung der Mittelmole. Hier war zu einigen wenigen, aber wesentlichen Punkten kein Konsens in der Zivilgesellschaft und der Politik, aber auch mit den Eigentümern der Flächen und der Fachverwaltung zu erlangen.

Infolgedessen hat der neue Rostocker Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen vergangenen September die Planungen zur künftigen Nutzung und Bebauung der Warnemünder Mittelmole vorerst gestoppt. Warum ist die Entwicklung der Fläche so schwierig?

Die weitere Planung zur Mittelmole in Warnemünde ruhte vergangenes Jahr. Mit der Entscheidung des Oberbürgermeisters beginnen wir wieder mit dem Arbeitsprozess einschließlich der Beteiligung zur Fortschreibung. An der Mittelmole zeigt sich – wie an vielen Orten – ein klassischer Konflikt: Die Bewohner wünschen sich keine oder eine sehr kleinteilige bzw. geringe Bebauung, die eher historisierend gestaltet ist. Gleichzeitig ist der Wunsch nach gemeinschaftlichen Freiflächen und Orten der Begegnung groß. Investoren wollen die notwendigen Wohnungen und Infrastruktur errichten, die aber auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu betrachten sind. Zudem ist bei Neubauvorhaben in der Regel eine zeitgemäße Architektur gefragt.

Zum Start der Bürgerbeteiligung sollte es vergangenen April eine öffentliche Ausstellung geben. Dann kam die Corona-Pandemie. Wie ist der weitere Plan?

Die Corona-Pandemie hat – gegebenenfalls auch langfristig – starke Auswirkungen auf die Beteiligung der Öffentlichkeit an Planungsprozessen. Daher überlegen wir derzeit, welche Beteiligungsformate wir online durchführen können. Dazu zählt unter anderem eine Ausstellung. Aber bei allen digitalen Lösungen fehlt immer der direkte Austausch. Das ist insbesondere bei der informellen Beteiligung schwierig. Für andere Formate wie Bürgerversammlungen suchen wir ebenso nach entsprechenden Lösungen, die man in dann kleinen Gruppen und dem nötigen Mindestabstand durchführt.

Wasser als Wirtschaftsgrundlage

Als Hansestadt sind Sie im Rostocker Amt für Stadtentwicklung, Stadtplanung und Wirtschaft im besonderen Maße damit konfrontiert, wie man mit Wasser in der Stadt umgeht. Welche Bedeutung hat das Element Wasser für die Stadt Rostock?

Der Bezug zum Wasser war in der Geschichte der Stadt stets von herausragender Bedeutung. Die städtische und wirtschaftliche Entwicklung der Stadt basiert bis heute – und absehbar auch in Zukunft – auf ihrer Lage an der Ostsee/Warnow. Vor allem Häfen, Schiffbau, Marine, Tourismus und Fischfang sind hierbei zu benennen. Gerade die Facetten und Veränderungen in diesen Bereichen treiben die Stadtentwicklung ständig voran. Neben dem steigendem Bedarf an Wohnraum und allen Folgeeinrichtungen für die zahlreichen Beschäftigten sind das die Standortvoraussetzungen im Einzelnen, wie mehr und andere Flächen sowie ihre Ein- und Anbindung, aber auch Verlagerungen oder das Aufgeben von Flächen, was neue planerische Möglichkeiten eröffnet.

Im Grundsatz geht es planerisch darum, das Wasser und alle notwendigen Flächen als Wirtschaftsgrundlage zu sichern und gleichzeitig den Zugang und die Erlebbarkeit des Wassers für die Öffentlichkeit zu verbessern. Natürlich ist in diesem Zusammenhang dabei auch die Vielzahl ökologischer und naturschutzrechtlicher Belange zu beachten.

Meeresspiegelanstieg berücksichtigen

Welchen Herausforderungen müssen Sie sich in Rostock aufgrund der Meeresnähe gesondert stellen?

Eine besondere Herausforderung besteht im Schutz gegen Sturmfluten, also im Hochwasserschutz. Die fachliche Zuständigkeit für den Hochwasserschutz liegt beim Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt, Mittleres Mecklenburg (StALU MM). Das StALU MM ist sowohl für den Schutz der Außenküste als auch den Schutz entlang der Warnow zuständig. Zwischen dem StALU MM und der Stadt (vordergründig Amt für Umweltschutz, aber unter anderem auch Amt für Stadtentwicklung, Stadtplanung und Wirtschaft) findet ein ständiger Abstimmungsprozess statt. Dieser bezieht sich auf grundsätzliche Fragen wie den Verlauf der Hochwasserschutzlinie und das Freihalten gefährdeter Bereiche von baulicher Nutzung, aber auch auf die jeweils konkreten baulichen Einzelmaßnahmen.

Aus stadtplanerischer Sicht liegen die Schwerpunkte in der Sicherung des notwendigen Schutzes für geplante neue Baugebiete (unter anderem in den Höhenlagen von Straßen und Fußböden), aber auch in der Form der Ausführung und Gestaltung von Schutzanlagen (insbesondere in sensiblen Bereichen wie dem Alten Strom in Warnemünde und dem Stadthafen). Ein zusätzliches wichtiges Thema ist die Berücksichtigung des klimawandelbedingten Anstiegs des Meereswasserspiegels.

Rostock: Grüne Stadt am Meer

Sie erarbeiteten seit 2018 den sogenannten „Zukunftsplan Rostock“. Worum geht es hier?

Der „Zukunftsplan Rostock“ ist der Arbeitstitel für den künftigen Flächennutzungsplan der Hanse- und Universitätsstadt Rostock. Der 2006 von der Bürgerschaft beschlossene und 2009 neu bekannt gemachte Flächennutzungsplan hat sich bisher als vorbereitender, generalisierter Plan zur Steuerung der räumlichen Entwicklung der Stadt bewährt. Ausgehend von der künftig zu erwartenden Entwicklungsdynamik in vielen Bereichen zeichnet sich jedoch ab, dass der gegenwärtig rechtswirksame Flächennutzungsplan die zukünftig notwendige Entwicklung nur noch unzureichend abbildet.

Das Schrittmaß, mit dem sich Rostock in den nächsten Jahren entwickeln muss, bedarf einer ganzheitlichen und zusammenhängenden Neubetrachtung. Daher hat die Bürgerschaft bereits 2017 beschlossen, den Flächennutzungsplan neu aufzustellen. In Vorbereitung dieser Aufstellung wurde 2018/19 ein umfangreicher Stadtdialog zum intensiven Austausch der Öffentlichkeit zu den Inhalten des „Zukunftsplans Rostock“ durchgeführt.

Außerdem gibt es noch die Leitlinien von „Rostock 2025“, die Rostock unter anderem als „Grüne Stadt am Meer“ definieren …

Genau, die Leitlinien zur Stadtentwicklung der Hanse- und Universitätsstadt Rostock wurden im Jahr 2012 von der Bürgerschaft beschlossen. Sie stellen den langfristigen strategischen Handlungsrahmen für die Stadt Rostock auf ihrem Weg zu einer nachhaltigen Stadtentwicklung bis zum Jahr 2025 dar. Sie bilden die Grundlage für das Integrative Stadtentwicklungskonzept (ISEK), die Bauleitplanung und alle kommunalen Fachkonzepte und Fachplanungen. Dazu zählt beispielsweise auch der „Zunkunftsplan Rostock“ (Flächennutzungsplan). Der Zukunftsplan zielt auf das übergeordnete Leitbild („Rostock als Regiopole positionieren“) ab und trägt zur Erreichung der in den acht Leitlinien (zum Beispiel der Leitlinie „Grüne Stadt am Meer“) sowie den Querschnittsaufgaben genannten Zielen bei.

Projekte der BUGA 2025

Hamburg hat kürzlich seine Planung für den Stadtteil Grasbrook verkündet. Auf welche Projekte dürfen wir uns in den kommenden Jahren in Rostock freuen? Was planen Sie?

Die Mittelmole in Warnemünde haben Sie ja bereits erwähnt. In Verbindung mit dieser Planung steht der derzeitig in der Planung befindliche Umbau weiterer Kaianlagen im Bereich des ehemaligen Werftbeckens für den Kreuzfahrttourismus und landseitig zusätzliche Gewerbeflächen. Ein für die Stadtentwicklung von Rostock besonders wichtiges Projekt ist die Bewerbung um die Ausrichtung der BUGA 2025, mit vielen weitreichenden Einzelmaßnahmen und unmittelbarem Bezug zur Warnow.

Findet die BUGA 2025 statt?

 

Im Zusammenhang mit der Planung zur BUGA 2025 steht das Landesmuseum für Archäologie, das im Stadthafen errichtet werden soll. Ein weiteres herausragendes Projekt mit unmittelbarem Bezug zum Wasser ist der geplante „Ocean Technology Campus“ (OTC), mit dem Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung (IGD) als Kern sowie einem großflächigen Unterwasser-Testfeld „Digital Ocean Lab“. Das OTC soll im Gebiet des Rostocker Fracht- und Fischereihafens sowie auf dem Gelände des südlich angrenzenden ehemaligen Schlachthofes entstehen.

Außerdem plant die Stadt die Entwicklung eines neuen, gemischt genutzten Quartiers am Ostufer der Unterwarnow. Dem Warnowquartier.

Ja, das Warnowquartier soll als eine grüne Modellstadt der Zukunft entwickelt werden – ein Experimentierquartier, welches beispielhafte Lösungen für drängende Problemlagen unserer heutigen Zeit aufzeigt. Angefangen bei der Entwicklung eines regenerativen Energiekonzepts für das Quartier über die Beantwortung der Frage nach einer zukunftsfähigen Organisation des täglichen Zusammenlebens der Bewohner*innen sowie Überlegungen, welche Aufgaben öffentliche Frei- und Grünräume in den kommenden Jahren übernehmen sollten und wie sich neue Mobilitätskonzepte nachhaltig umsetzen lassen, sollen innovative Ideen sowie bewährte Maßnahmen der Quartiersentwicklung in die Konzeptfindung einfließen.

Es soll ein modernes Quartier für alle mit einer modellhaften Bebauung und vielen Freiräumen entstehen. Ein Ort der Vielfalt und flexiblen Nutzungen mit einer robusten, zukunftsoffenen Grundstruktur. Dabei wird auch das Bauen auf dem Wasser einen besonderen Stellenwert einnehmen und ein architektonisches Highlight bilden. Für die Hanse- und Universitätsstadt Rostock bietet sich mit diesem Vorhaben die einmalige Chance, das Thema Leben auf dem Wasser erstmals in der Stadt umzusetzen und sich dadurch mit originellen, zukunftsweisenden und vorbildhaften Lösungen zu präsentieren. Im Rahmen der BUGA 2025, die in Rostock stattfinden wird, soll ein Hauptaugenmerk der Besucher*innen auf eben dieser Attraktion liegen, womit ein weiterer Beitrag zur maritimen Imagebildung der Stadt geleistet werden kann.

Die BUGA 2025 soll trotz Corona-Pandemie stattfinden.

Anja Epper studierte Architektur mit Schwerpunkt Städtebau an der RWTH Aachen. Im Rostocker Amt für Stadtentwicklung, Stadtplanung und Wirtschaft ist sie seit 1996 Sachgebietsleiterin für das Sachgebiet Bauvorhaben und Stadtgestaltung. Anja Epper ist Mitglied der Architektenkammer Mecklenburg-Vorpommern und Vorstandsmitglied im SRL e.V.

Interessiert an Bundesgartenschauen? Lesen Sie hier mehr zur BUGA Heilbronn.

Das Interview erschien erstmals in der Juniausgabe 2020 der Garten + Landschaft.

Der Pablo-Neruda-Garten in Berlin

Ein Gartenidyll und ein kleiner Sportplatz erwarten seit Herbst diesen Jahres Besucher der Frankfurter Allee 14 im Berliner Stadtteil Friedrichshain. Der neu gestaltete Schul- und Sporthof des Georg-Friedrich-Händel-Gymnasiums und der angrenzende Pablo-Neruda-Garten hinter der Bezirkszentralbibliothek Pablo Neruda liegen etwas versteckt und zugleich in unmittelbarer Nähe des verkehrsreichen Frankfurter Tors. Beide Projekte sind Teil der umfassenden Neugestaltung des Kultur- und Bildungsstandorts an der Frankfurter Allee, die vom Berliner Büro LA.BAR Landschaftsarchitekten seit 2012 geplant und durch das Programm Stadtumbau Ost gefördert wird.

Um eine möglichst hochwertige und einheitlich Gestaltung sicherzustellen, führte der Fachbereich Stadtplanung in Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Grünflächen des Bezirksamts Friedrichshain-Kreuzberg ein Gutachterverfahren unter Beteiligung mehrerer Landschaftsplanungsbüros durch. LA.BAR entwarfen einen Verbund aus Freiflächen mit unterschiedlichen Funktionen. Dazu gehören, neben dem noch zu bauenden repräsentativen Bibliotheksvorplatz und dem ruhigen Vorplatz der Schule, die nun fertiggestellten neue Schulsportanlagen sowie der südlich gelegene Bibliotheksgarten als Ruhezonen.

Pablo-Neruda-Garten soll 2017 fertig werden

Der Umbau der ehemaligen Franz-Fühmann-Schule zur Bezirkszentralbibliothek “Pablo Neruda” brachte nicht zuletzt wegen ihrer hervorstechenden Architektur eine deutliche Aufwertung für das Umfeld des Frankfurter Tors. Nun erhielt das 2010 eröffnete Bibliotheksgebäude ein angemessenes Umfeld in Form einer kleinen, idyllischen Parkanlage. Der 2.200 Quadratmeter große, öffentliche „Pablo-Neruda-Garten“ ist ein Ort zum Entdecken – einziger Hinweis auf seine Existenz ist die große Glasfassade in der Bibliothek, die den Blick auf den Garten freigibt. Die prägenden Elemente sind eine große Rasenfläche mit Sonnenliegen aus Holz, ein Himalaya-Birkenhain und eine lange Gartenbank mit Tischen aus Holz. Der Zaun zum Sportplatz ist hinter hohen Gräsern getarnt. Eine platzartige Aufweitung im Rundweg steht für Lesungen und Veranstaltungen der Bibliothek zur Verfügung. Die versteckte Ruheoase im großstädtischen Umfeld hat 210.000 Euro gekostet.

An das Bibliotheksgebäude grenzen die im Mai 2014 fertiggestellten Sportanlagen und der Schulhof des Georg-Friedrich-Händel-Gymnasiums. Die 3.800 Quadratmeter große Freifläche der Schule verfügen nun über eine 100-Meter-Laufbahn, eine Weitsprunganlage mit Kunststoffbelag sowie einen abwechslungsreichen Kletter-Parcours, eine Motorik-Strecke und eine Tischtennisplatte. Zudem gibt es Bänken und Podesten zum klettern und pausieren. Die gelblichen und grauen Farbtönen und auch die  Materialität orientieren sich an der Umgebung und fügen sich harmonisch in den Bestand ein. In die Erweiterung des Sportbereiches wurden 530.000 Euro investiert.

In den nächsten Bauabschnitten werden die Vorplätze der Bibliothek und der Schule, das Umfeld einer neuen Aula und eine Kita gebaut. Durch eine übergreifende Gestaltung der Freiflächen soll der städtebauliche Zusammenhang der Einrichtungen gestärkt werden. Der Vorplatz der Bibliothek als Ruhezone mit Sitzgelegenheiten soll dabei ein wichtiger Treffpunkt und Identifikationsort für Friedrichshain werden und adäquate Erholungsflächen für die Bibliotheksnutzer und die Schüler bieten. Die Fertigstellung der Gesamtmaßnahme ist für 2017 vorgesehen.

 

Pablo-Neruda-Garten, Berlin-Friedrichshain

Bauherr: Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, FB Grünflächen, FB Hochbau
Landschaftsarchitekten: LA.BAR Landschaftsarchitekten, Berlin
Rüdiger Amend, Eike Richter
Fläche: 2.200 Quadratmeter
Projektzeitraum: 2012 bis 2014
Baukosten: 210.000 Euro

 

Außenanlagen Georg-Friedrich-Händel-Gymnasium, Berlin-Friedrichshain

Bauherr: Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, FB Grünflächen
Landschaftsarchitekten: LA.BAR Landschaftsarchitekten, Berlin
Rüdiger Amend, Eike Richter
Fläche: 3.800 Quadratmeter
Projektzeitraum: 2012 bis 2014
Baukosten: 530.000 Euro

Standort: Google Maps

Auch interessant: Der jüdische Garten für die Gärten der Welt in Berlin. Eine Ausstellung zeigte 2019 den Siegerentwurf vom Atelier le balto.