Digitales Nachhaltigkeits-Scoring für Quartiere

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Harmonisches Miteinander von grüner Natur, moderner Stadt und imposanten Alpen – fotografiert von Daniele Mason

Klimaschutz, Resilienz, soziale Gerechtigkeit – noch nie stand die Bewertung von Nachhaltigkeit in Stadtquartieren so im Fokus wie heute. Doch wie misst man Nachhaltigkeit jenseits von schicken Zertifikaten und Selbstauskünften? Die Antwort: Digitales Nachhaltigkeits-Scoring bringt Transparenz, Geschwindigkeit und Präzision in die Bewertung urbaner Räume – und krempelt die Planungskultur in Deutschland, Österreich und der Schweiz grundlegend um. Wer jetzt noch auf Excel-Tabellen und Bauchgefühl setzt, riskiert nicht nur Fördermittel, sondern auch gesellschaftliche Akzeptanz.

  • Definition und Einordnung: Was ist digitales Nachhaltigkeits-Scoring für Quartiere und warum ist es weit mehr als ein Trend?
  • Technologische Grundlagen: Wie funktionieren Datenerhebung, Indikatorenentwicklung und automatisierte Auswertung?
  • Praxiseinblicke: Welche Tools, Plattformen und Pilotprojekte setzen Standards – und wo liegen ihre Grenzen?
  • Relevanz für Planungspraxis: Wie verbessert digitales Scoring Entscheidungsprozesse, Bürgerbeteiligung und Förderfähigkeit?
  • Risiken und Herausforderungen: Datenschutz, Bias, Standardisierung und der Umgang mit Unsicherheiten.
  • Strategische Einbettung: Wie gelingt die Integration in Planungsprozesse, Governance und kommunale Steuerung?
  • Europäische Perspektiven: Wo steht der DACH-Raum im internationalen Vergleich?
  • Zukunftsausblick: Wie entwickelt sich digitales Nachhaltigkeits-Scoring weiter – und was müssen Planer wissen?

Digitales Nachhaltigkeits-Scoring: Vom Schlagwort zum Steuerungsinstrument

Die Diskussion um nachhaltige Quartiere ist spätestens seit Paris, Green Deal und ESG-Kriterien in der öffentlichen Debatte omnipräsent. Doch während Nachhaltigkeit in der Theorie so griffig klingt wie ein BREEAM-Label, fehlte es der Praxis lange an einem robusten, skalierbaren Werkzeug, um Nachhaltigkeit systematisch zu messen, zu vergleichen und über den gesamten Lebenszyklus von Quartieren zu steuern. Genau hier setzt das digitale Nachhaltigkeits-Scoring an: Es übersetzt komplexe Nachhaltigkeitsanforderungen in messbare, datenbasierte Scores, die Planung, Bau und Betrieb von Stadtquartieren transparent bewertbar machen.

Im Kern funktioniert das Prinzip ähnlich wie moderne Bonitäts- oder Kreditratings: Eine Vielzahl von Einzelindikatoren – von Energieeffizienz über Biodiversität, Mobilität, soziale Mischung bis zur lokalen Wertschöpfung – wird gesammelt, gewichtet, aggregiert und in ein kompaktes, oft visuell aufbereitetes Punktesystem überführt. So wird aus dem diffusen Begriff „nachhaltiges Quartier“ ein konkret vergleichbarer, objektivierbarer Zielwert. Das hebt die Diskussion aus der Welt subjektiver Einschätzungen auf eine nachvollziehbare, überprüfbare Ebene. Und: Es macht Nachhaltigkeit erstmals in Echtzeit und über verschiedene Beteiligte hinweg steuerbar.

Der Clou liegt dabei in der Digitalisierung. Wo früher händisch Daten aus Excel-Dateien zusammengeklaubt wurden, arbeiten heute Sensoren, Geodatenbanken, Schnittstellen zu Energieversorgern, Mobilitätsanbietern oder Wetterdiensten. Die Echtzeitfähigkeit macht den Unterschied: Planer, Investoren, Kommunen und Bewohner erhalten ein stets aktuelles Bild, ob ihre Quartiere auf Zielkurs sind – oder ob nachgesteuert werden muss. Das digitale Scoring ist damit nicht nur Kontrolle, sondern auch Navigationshilfe für die Quartiersentwicklung.

Doch digitales Nachhaltigkeits-Scoring ist keine reine Technikspielerei. Es ist ein gesellschaftliches Versprechen: Mehr Transparenz, mehr Teilhabe, mehr Verantwortlichkeit. Wer den CO₂-Fußabdruck eines Neubauquartiers live verfolgen kann, wer sieht, wie sich soziale Mischung oder Grünflächenanteil entwickeln, der kann fundierter entscheiden – und besser kontrollieren, ob die eigenen Nachhaltigkeitsziele wirklich erreicht werden. Kurz: Digitales Scoring macht Nachhaltigkeit demokratischer – wenn es richtig gemacht wird.

In der DACH-Region sind erste Kommunen und Entwickler längst auf den Zug aufgesprungen. München, Zürich, Wien, aber auch kleinere Städte wie Ulm oder St. Gallen experimentieren mit Scoring-Tools, die über klassische Zertifizierungssysteme wie DGNB oder LEED hinausgehen. Sie setzen auf offene Datenplattformen, automatisierte Indikatoren und KI-gestützte Prognosen. Doch der Weg zum flächendeckenden Einsatz ist noch holprig – und fordert neue Kompetenzen, Schnittstellen und nicht zuletzt einen Kulturwandel in Verwaltung und Planung.

Technologie, Indikatoren und Algorithmen: Wie funktioniert digitales Nachhaltigkeits-Scoring wirklich?

Wer die Magie des digitalen Nachhaltigkeits-Scorings verstehen will, muss einen Blick unter die Haube wagen. Im Zentrum steht die Frage: Wie werden aus Millionen Datenpunkten sinnvolle, vergleichbare Nachhaltigkeitsbewertungen? Zunächst braucht es eine robuste Datengrundlage. Hier kommen moderne IoT-Technologien, Satellitendaten, Mobilitäts-Tracker, Energieverbrauchsmessungen, Umweltsensorik und sogar Social-Media-Analysen ins Spiel. Sie liefern die Rohdaten, die das Scoring erst ermöglichen.

Nicht weniger wichtig ist die Kunst der Indikatorenentwicklung. Während klassische Zertifikate wie BREEAM, DGNB oder HQE mit starren Kriterienkatalogen arbeiten, erlauben digitale Scoring-Systeme eine dynamische Anpassung der Bewertungslogik. Ein Beispiel: In einem innenstadtnahen Quartier spielt die Erreichbarkeit von ÖPNV, Fahrradinfra und Sharing-Angeboten eine größere Rolle als in einem suburbanen Kontext. Smarte Scoring-Systeme gewichten diese Faktoren automatisch höher, während sie in anderen Dimensionen – etwa Biodiversität oder Flächenversiegelung – spezifische lokale Standards berücksichtigen.

Der eigentliche Gamechanger ist jedoch die Automatisierung der Auswertung. Hier kommen Algorithmen und, zunehmend, KI-basierte Modelle ins Spiel. Sie analysieren Muster, erkennen Anomalien, simulieren Szenarien und prognostizieren die Entwicklung zentraler Nachhaltigkeitsparameter. Das schafft eine neue Qualität der Entscheidungsunterstützung: Anstatt auf vergangenheitsorientierte Einzelstudien zu vertrauen, können Planer und Entscheider in Echtzeit sehen, wie sich verschiedene Maßnahmen auf den Gesamt-Score auswirken. Das fördert nicht nur Effizienz, sondern auch Kreativität im Umgang mit Zielkonflikten.

Ein weiterer Schlüssel ist die Visualisierung. Moderne Scoring-Tools setzen auf intuitive Dashboards, Heatmaps und Simulationsumgebungen, die auch für Laien verständlich sind. Damit wird Nachhaltigkeit nicht nur für Experten, sondern für alle Beteiligten greifbar und diskutierbar. Gleichzeitig wächst die Bedeutung von Open-Source-Lösungen und offenen Schnittstellen: Sie erlauben es Kommunen, eigene Indikatoren zu definieren, Daten zu kontrollieren und das Scoring in bestehende Planungsprozesse zu integrieren.

Doch die Technik hat auch ihre Tücken. Der Erfolg eines digitalen Nachhaltigkeits-Scorings steht und fällt mit der Datenqualität, der Validität der Indikatoren und der Transparenz der Bewertungslogik. Wer hier schlampt oder auf intransparente Black-Box-Lösungen setzt, riskiert Fehleinschätzungen, Akzeptanzprobleme und letztlich kontraproduktive Steuerungseffekte. Entsprechende Governance-Strukturen sind deshalb unerlässlich – ebenso wie eine kluge Balance zwischen Automatisierung und menschlicher Kontrolle.

Praxis und Projekte: Zwischen Pilotlabor und Planungsoffensive

Wie sieht digitales Nachhaltigkeits-Scoring im echten Quartiersalltag aus? Ein Blick auf die Praxis zeigt: Die Bandbreite ist enorm – von ambitionierten Pilotprojekten bis zu ersten Roll-out-Strategien auf Stadtebene. In Deutschland etwa hat die Stadt München im Rahmen des Programms „Smarter Together“ für das Quartier Neuaubing-Westkreuz ein digitales Dashboard entwickelt, das mehr als 120 Nachhaltigkeitsindikatoren live abbildet – von Energieverbrauch über Nahversorgung bis zum Grünflächenanteil. Die Daten stammen aus städtischen Sensoren, Mobilitätsdatenbanken und Bürgerbefragungen. Der Clou: Alle Stakeholder – von Planern über Investoren bis zu Bewohnern – können den aktuellen Nachhaltigkeitsstand einsehen und Vorschläge für Verbesserungen einbringen.

Auch Wien setzt Maßstäbe: Im Stadtentwicklungsgebiet aspern Seestadt nutzt die Stadt ein umfassendes digitales Monitoring-System, das die Entwicklung des Quartiers nach mehr als 50 Nachhaltigkeitskennzahlen bewertet. Die Visualisierung erfolgt über eine interaktive Plattform, über die sich die Entwicklung von Energieeffizienz, sozialen Indikatoren, Mobilität und Freiraumqualität in Echtzeit verfolgen lässt. Erste Studien zeigen: Die Transparenz fördert die Akzeptanz der Maßnahmen und erhöht den Innovationsdruck auf die Akteure.

Im schweizerischen St. Gallen läuft mit „Smart Sustainable Districts“ ein umfassendes Scoring-Pilotprojekt, das die Integration von Klimaanpassungsmaßnahmen, sozialer Inklusion und Ressourcenschonung in einem datenbasierten Steuerungsmodell vereint. Besonderer Fokus liegt hier auf der Kombination von Echtzeit-Monitoring und partizipativer Entscheidungsunterstützung: Bürger, Verwaltung und Entwickler steuern gemeinsam die Zielwerte, die das System dann automatisiert verfolgt und bewertet.

Spannend ist auch der Blick auf die eingesetzten Tools. Während große Player wie Siemens, IBM oder Autodesk mit integrierten Plattformen aufwarten, setzen immer mehr Städte auf Open-Source-basierten Lösungen wie FIWARE, die eine flexible, kostengünstige und datensouveräne Steuerung ermöglichen. Diese Offenheit ist entscheidend, um Manipulationen und Abhängigkeiten von einzelnen Anbietern zu vermeiden. Gleichzeitig entstehen neue Berufsbilder: Data Steward, Sustainability Analyst oder Urban Digital Operator avancieren zu gefragten Expertenprofilen in Stadtverwaltungen und Planungsbüros.

Die Praxis zeigt aber auch Grenzen auf. Insbesondere bei der Datenverfügbarkeit, der Definition lokal angepasster Indikatoren und der Integration in bestehende Verwaltungsstrukturen knirscht es oft. Nicht zuletzt braucht es eine konsequente Schulung der Akteure, um die Komplexität der Tools zu meistern und die Potenziale voll auszuschöpfen. Hier sind Bund, Länder und Verbände gefordert, Standards zu setzen und die Entwicklung zu koordinieren – sonst droht ein Flickenteppich aus Insellösungen und Leuchtturmprojekten ohne Wirkung auf das große Ganze.

Chancen, Risiken und strategische Einbettung: Was Planer wissen müssen

Digitales Nachhaltigkeits-Scoring ist kein Allheilmittel – aber ein mächtiges Werkzeug, das die Planungspraxis nachhaltig verändert. Die Chancen sind offensichtlich: Mehr Transparenz, bessere Vergleichbarkeit, schnellere Feedbackschleifen und eine stärkere Einbindung von Bürgern, Investoren und Verwaltung. Der Score wird zum gemeinsamen Nenner, der Zielkonflikte sichtbar macht, Prioritäten setzt und die Steuerung von Maßnahmen erleichtert. Fördermittelgeber und Investoren fordern zunehmend messbare Fortschritte in Sachen Nachhaltigkeit – ein digitaler Score kann hier zum entscheidenden Türöffner werden.

Doch es gibt auch Schattenseiten. Die Abhängigkeit von Daten und Algorithmen birgt das Risiko von Verzerrungen, Manipulationen und technokratischer Übersteuerung. Wer die Bewertungslogik nicht offenlegt oder Zielkonflikte algorithmisch „wegoptimiert“, verspielt Vertrauen und gefährdet die Legitimität der Planung. Besonders kritisch ist der Umgang mit Datenschutz und Datensouveränität: Nur wenn die Kontrolle über die Daten beim Quartier, der Kommune oder einer unabhängigen Instanz bleibt, kann Missbrauch verhindert werden. Offene Schnittstellen, quelloffene Indikatoren und regelmäßige Audits sind deshalb Pflicht.

Ein weiteres Risiko liegt in der Standardisierung. Während internationale Zertifikate auf Harmonisierung drängen, brauchen Quartiere oft individuelle Bewertungsmaßstäbe, die lokale Besonderheiten berücksichtigen. Das digitale Scoring muss also flexibel genug sein, um unterschiedliche Kontexte abzubilden – ohne dabei die Vergleichbarkeit zu verlieren. Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt, um die Balance zwischen Standardisierung und Anpassungsfähigkeit zu wahren.

Strategisch entscheidend ist die Integration des Scorings in bestehende Planungs-, Entscheidungs- und Governance-Prozesse. Das erfordert neue Schnittstellen zwischen IT, Planung, Politik und Zivilgesellschaft – und eine Kultur des Lernens und kontinuierlichen Anpassens. Gerade für Kommunen bedeutet das eine Abkehr vom klassischen Projektdenken hin zu einer Prozessarchitektur, in der Nachhaltigkeit nicht das Sahnehäubchen, sondern das Betriebssystem der Quartiersentwicklung ist.

Für Planer, Entwickler und Kommunalpolitiker heißt das: Digitale Nachhaltigkeits-Scores sind gekommen, um zu bleiben. Wer sie ignoriert, riskiert Relevanzverlust. Wer sie klug einsetzt, kann urbane Nachhaltigkeit messbar, steuerbar und für alle Beteiligten verständlich machen. Das ist nicht weniger als ein Paradigmenwechsel – weg von der Einmal-Zertifizierung, hin zu einer lebendigen, datengetriebenen Nachhaltigkeitskultur.

Ausblick: Die Zukunft des digitalen Nachhaltigkeits-Scorings

Was erwartet uns in den kommenden Jahren? Schon jetzt entwickeln sich Scoring-Ansätze rasant weiter. Der Trend geht zu immer feineren, kontextsensitiven Indikatoren, die nicht nur Umwelt- und Sozialaspekte, sondern auch Resilienz, Innovation und Lebensqualität abbilden. Künstliche Intelligenz wird zum Schrittmacher: Sie erkennt Muster, simuliert Szenarien, prognostiziert Risiken und schlägt gezielte Maßnahmen vor. Gleichzeitig wächst die internationale Zusammenarbeit: Die EU fördert interoperable Standards, Pilotregionen tauschen Erfahrungen aus, und immer mehr Städte vernetzen sich zu „Smart Sustainable Districts“.

Die größte Herausforderung bleibt die Übertragbarkeit auf die Breite. Noch sind viele Projekte Pioniere oder Leuchttürme, getragen von engagierten Einzelpersonen und Pilotförderungen. Entscheidend wird sein, wie es gelingt, die gewonnenen Erfahrungen zu verstetigen, aus Insellösungen Standards zu machen und eine nachhaltige Governance-Struktur zu etablieren. Hierfür braucht es Mut, Offenheit und einen langen Atem – Digitalisierung ist kein Sprint, sondern ein Marathon.

Eine spannende Entwicklung ist die stärkere Einbindung von Bürgern, lokalen Unternehmen und Zivilgesellschaft in die Entwicklung und Steuerung der Scores. Co-Creation, partizipative Indikatorenentwicklung und offene Datenplattformen sind die Schlagworte der Stunde. Sie bergen das Potenzial, Nachhaltigkeit nicht nur zu messen, sondern gemeinsam zu gestalten – demokratisch, transparent und zukunftsgerichtet.

Für Planer und Entscheider ergeben sich neue Rollenprofile und Karrierechancen. Datenkompetenz, interdisziplinäres Denken und die Fähigkeit, technische, soziale und ökologische Fragen zu integrieren, werden zunehmend zum Goldstandard. Die Ausbildung muss darauf reagieren: Hochschulen, Verbände und Fortbildungsanbieter sind gefordert, Curricula und Trainingsprogramme anzupassen und Weiterbildungen zu fördern.

Die Zukunft des digitalen Nachhaltigkeits-Scorings ist offen – aber ihre Relevanz steht außer Frage. Quartiere, die hier frühzeitig investieren, werden zu Vorreitern einer neuen, datenbasierten Urbanität. Sie profitieren von besserer Förderfähigkeit, höherer Akzeptanz und gesteigerter Lebensqualität. Wer zögert, wird von der Entwicklung überrollt. Die Stadt der Zukunft wird nicht nur gebaut, sondern auch gemessen, gesteuert und gemeinsam weiterentwickelt. Willkommen in der Ära des digitalen Nachhaltigkeits-Scorings.

Fazit: Digitales Nachhaltigkeits-Scoring ist mehr als ein Tool – es ist das neue Betriebssystem der Quartiersentwicklung. Es schafft Transparenz, Vergleichbarkeit und Steuerbarkeit, wo früher subjektive Einschätzungen und Papierakten dominierten. Wer die Chancen nutzt, kann Nachhaltigkeit erstmals systematisch messen, steuern und gemeinsam gestalten. Die Herausforderungen sind real – von Datenschutz über Standardisierung bis zur Integration in bestehende Prozesse. Doch der Paradigmenwechsel ist unausweichlich: Die Zukunft urbaner Nachhaltigkeit ist digital, datenbasiert und partizipativ. Garten und Landschaft bleibt am Puls – und liefert die Expertise, die Sie nirgends sonst finden.

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Hochschule auf der Landesgartenschau 2020

Die Hochschule Weihenstephan-Trierdorf wird an der Landesgartenschau in Ingolstadt 2020 einen Themengarten unterhalten. Der Entwurf dazu stammt von Studierenden der landschaftsarchitektonischen Fakultät. 

Die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf wird 2020 auf der Landesgartenschau in Ingolstadt mit einem Ausstellungsbeitrag vertreten sein. Studierende der Fakultät Landschaftsarchitektur erstellten im Rahmen des Wahlpflichtfachs Design and Construction Entwürfe für die Gestaltung des hochschuleigenen Themengartens.

Die Studierenden stellten ihre Entwürfe am 29. Mai der Jury vor. Die Jury, bestehend aus dem Präsidenten Prof. Dr. Eric Veulliet, den betreuenden Professoren Prof. Ingrid Schegk, Prof. Dr. Thomas Brunsch sowie Prof. Dr. Matthias Drösler als Vertreter der forschungsaktiven Professoren wählten den geeignetsten Entwurf für die Umsetzung aus.

Klara Faistauer und Joshua Lenze (Studiengang Landschaftsbau & -Management) überzeugten mit dem Konzept ClimateMove – Applied Sciences for Future.

Leistungsphase 2 Hoai: Bedeutung und Anwendung einfach erklärt

Eine professionelle Planungsszene im Freiraum zum Thema Leistungsphase 2 Hoai
Detailarbeit am Reißbrett: Planung eines Landschaftsprojekts auf Papier. Foto: d_mccullough / Unsplash

Wer ein Gebäude plant, saniert oder betreut, kommt an der Leistungsphase 2 der HOAI nicht vorbei. Sie ist die Phase, in der aus einer Bauaufgabe ein erstes konkretes Konzept wird: Hier entwickeln Landschaftsarchitekten, Architekten und Ingenieure die grundlegenden Lösungsansätze, wägen Varianten ab und legen den inhaltlichen Kurs für das gesamte Projekt fest. Was in der Vorplanung entschieden wird, prägt alle nachfolgenden Phasen bis zur Ausführung.

  • Was die Leistungsphase 2 HOAI inhaltlich umfasst und wie sie sich von benachbarten Phasen abgrenzt
  • Welche Leistungen zur Vorplanung gehören und was als besondere Leistung gilt
  • Welche Rolle die Leistungsphase 2 in der Landschaftsarchitektur und Freiraumplanung spielt
  • Wie das Honorar für die Vorplanung berechnet wird und welche Bewertungsgrundlagen gelten
  • Welche typischen Fehler und Missverständnisse in der Praxis auftreten
  • Wie die Vorplanung mit anderen Fachplanern und Behörden koordiniert wird
  • Welche Dokumente und Ergebnisse am Ende der Leistungsphase 2 vorliegen müssen
  • Wie die Leistungsphase 2 in den größeren Kontext von Planungsrecht und Projektsteuerung eingebettet ist

Was ist die Leistungsphase 2 HOAI? Definition und Einordnung

Die Honorarordnung für Architekten und Ingenieure, kurz HOAI, gliedert die Planungsleistungen für Gebäude, Freianlagen, Ingenieurbauwerke und weitere Objekttypen in neun Leistungsphasen. Die Leistungsphase 2 trägt die Bezeichnung „Vorplanung“ und bildet den Übergang von der konzeptionellen Grundlagenermittlung zur ersten ausgearbeiteten Planungsaussage. Während die Leistungsphase 1, die Grundlagenermittlung, noch der Klärung der Aufgabe und der Zusammenstellung aller relevanten Informationen dient, geht es in der Leistungsphase 2 HOAI darum, auf dieser Basis konkrete Lösungsansätze zu entwickeln, zu vergleichen und zu einem Vorplanungskonzept zu verdichten.

Die HOAI ist in Deutschland eine staatliche Preisrechtsverordnung, die für die dort geregelten Leistungen verbindliche Honorarrahmen vorgibt. Sie gilt für Architekten, Landschaftsarchitekten, Innenarchitekten und verschiedene Ingenieurdisziplinen. Die aktuelle Fassung der HOAI stammt aus dem Jahr 2021 und setzt eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs um, der die zuvor geltenden verbindlichen Mindest- und Höchstsätze als europarechtswidrig eingestuft hatte. Seitdem haben die Honorartafeln der HOAI den Charakter von Orientierungswerten, die als Grundlage für die Honorarvereinbarung dienen, ohne zwingend bindend zu sein. Dennoch bleibt die Struktur der Leistungsphasen und die inhaltliche Beschreibung der Grundleistungen in der HOAI maßgeblich für die Praxis.

Die Leistungsphase 2 HOAI ist für alle Planungsbeteiligten von besonderer strategischer Bedeutung, weil hier die wesentlichen Weichen gestellt werden. Entscheidungen über Erschließung, Materialität, Programmverteilung, Freiraumstruktur oder technische Systeme, die in der Vorplanung getroffen werden, sind in späteren Phasen nur noch mit erheblichem Aufwand zu revidieren. Fachleute sprechen in diesem Zusammenhang vom „Einfrieren“ von Planungsentscheidungen: Je weiter ein Projekt voranschreitet, desto teurer und aufwendiger wird jede grundlegende Änderung.

Grundleistungen der Vorplanung: Was die HOAI konkret fordert

Die HOAI beschreibt für jede Leistungsphase sogenannte Grundleistungen, also den Leistungsumfang, der im Regelfall zum Erreichen des Planungsziels erforderlich ist und dessen Honorar in den Honorartafeln abgebildet wird. Für die Leistungsphase 2 umfassen diese Grundleistungen bei Freianlagen, also dem für Landschaftsarchitekten zentralen Leistungsbild, unter anderem die Analyse der Grundlagen, das Aufstellen eines Planungskonzepts mit zeichnerischer Darstellung, die Klärung der wesentlichen Zusammenhänge, Zumessungen und Abmessungen des Planungsobjekts sowie die Kostenschätzung nach DIN 276.

Die Kostenschätzung nach DIN 276 ist ein zentrales Ergebnis der Leistungsphase 2. Sie liefert eine erste belastbare Aussage über die voraussichtlichen Gesamtkosten des Projekts auf Basis der Vorplanungsunterlagen. Die DIN 276 gliedert Baukosten in Kostengruppen; für Freianlagen sind insbesondere die Kostengruppen 500 (Außenanlagen) und 700 (Baunebenkosten) relevant. Die Kostenschätzung in der Vorplanung hat noch eine vergleichsweise große Bandbreite, weil viele Details noch nicht festgelegt sind. Dennoch ist sie verbindlich genug, um dem Auftraggeber eine Entscheidungsgrundlage zu liefern, ob das Projekt in der geplanten Form wirtschaftlich realisierbar ist.

Zur Vorplanung gehört außerdem die Untersuchung alternativer Lösungsmöglichkeiten. Das ist keine Formalie, sondern ein inhaltlicher Kernauftrag: Der Planer soll dem Auftraggeber zeigen, dass er die Aufgabe von mehreren Seiten durchdacht hat und die gewählte Lösung nicht die einzig denkbare, sondern die fachlich begründet beste ist. In der Landschaftsarchitektur kann das die Gegenüberstellung verschiedener Freiraumtypologien bedeuten, etwa einen naturnahen Wiesencharakter versus eine gestalterisch stärker formalisierte Anlage, oder unterschiedliche Erschließungskonzepte für einen Stadtplatz. Diese Variantenuntersuchung dokumentiert die planerische Sorgfalt und schützt beide Seiten bei späteren Auseinandersetzungen über die Planungsqualität.

Ergänzend sind in der Vorplanung die Ergebnisse mit dem Auftraggeber abzustimmen und dessen Zustimmung einzuholen. Dieser Abstimmungsschritt ist mehr als ein formaler Akt: Er markiert den Übergang von der Konzeptentwicklung zur Planungsvertiefung und schafft die Grundlage für die Beauftragung der Leistungsphase 3, der Entwurfsplanung. Ohne eine dokumentierte Freigabe der Vorplanung durch den Auftraggeber fehlt die vertragliche Basis für die Weiterarbeit.

Leistungsphase 2 in der Landschaftsarchitektur und Freiraumplanung

Für Landschaftsarchitekten hat die Leistungsphase 2 HOAI eine besondere inhaltliche Qualität, weil Freianlagen in dieser Phase noch am stärksten von konzeptionellen Grundsatzentscheidungen geprägt werden. Ob ein Stadtplatz als durchgrünter Aufenthaltsraum oder als hartes, multifunktionales Stadtparkett entwickelt wird, ob ein Schulhof Bewegungsangebote in der Fläche verteilt oder in Zonen gliedert, ob ein Wohnquartier mit linearen Wegeachsen oder mit einem organischen Wegenetz erschlossen wird: All diese Entscheidungen fallen in der Vorplanung und bestimmen Charakter, Nutzbarkeit und Pflegeaufwand einer Anlage für Jahrzehnte.

In der Freiraumplanung kommt hinzu, dass die Leistungsphase 2 häufig eng mit planungsrechtlichen Verfahren verknüpft ist. Bebauungsplanverfahren, städtebauliche Rahmenpläne oder Wettbewerbsergebnisse liefern oft den Ausgangspunkt für die Vorplanung von Freianlagen. Der Landschaftsarchitekt muss in der Leistungsphase 2 prüfen, welche Vorgaben aus diesen übergeordneten Planungen verbindlich sind und welchen Spielraum sie für die freiraumplanerische Ausgestaltung lassen. Das erfordert eine sichere Kenntnis des Bauplanungsrechts, insbesondere des Baugesetzbuchs und der Baunutzungsverordnung, sowie der einschlägigen Regelwerke der Freiraumplanung.

Vegetationstechnische und ökologische Grundsatzentscheidungen werden ebenfalls in der Vorplanung vorbereitet. Ob eine Baumreihe mit großkronigen Stadtbäumen oder mit kleinkronigen Ziergehölzen geplant wird, ob Staudenpflanzungen als pflegeextensive Gesellschaftspflanzungen oder als aufwendigere Schaubepflanzungen konzipiert werden, ob Regenwasser versickert, gespeichert oder abgeleitet wird: Diese Fragen berühren nicht nur die Gestalt, sondern die Funktionalität, die Klimawirksamkeit und die Folgekosten einer Freianlage. Eine sorgfältige Leistungsphase 2 legt hier die Weichen, ohne bereits in die Detailtiefe der Entwurfsplanung zu gehen.

Honorar und Bewertung: Wie die Leistungsphase 2 vergütet wird

Das Honorar für die Leistungsphase 2 HOAI ergibt sich aus dem Anteil, den die Vorplanung am Gesamthonorar hat, multipliziert mit dem Honorar, das sich aus den anrechenbaren Kosten und der Honorarzone ergibt. Für das Leistungsbild Freianlagen weist die HOAI der Leistungsphase 2 einen Prozentsatz am Gesamthonorar zu. Dieser Prozentsatz variiert je nach Leistungsbild; für Freianlagen beträgt er nach der aktuellen HOAI 2021 in der Regel sieben Prozent des Gesamthonorars für Grundleistungen.

Die anrechenbaren Kosten sind die Grundlage der Honorarberechnung und entsprechen im Wesentlichen den Herstellungskosten des Planungsobjekts, also den Baukosten der Freianlagen nach DIN 276. Die Honorarzone gibt an, wie anspruchsvoll eine Planungsaufgabe ist: Sie reicht von Zone I (geringe Anforderungen) bis Zone V (sehr hohe Anforderungen) und beeinflusst das Honorar erheblich. Für Freianlagen in städtischen Kontexten mit hohen gestalterischen, ökologischen und nutzungsbezogenen Anforderungen ist häufig eine Einordnung in die Honorarzonen III oder IV angemessen. Die Einordnung in die richtige Honorarzone ist eine fachliche Entscheidung, die gut begründet und mit dem Auftraggeber abgestimmt sein muss.

Besondere Leistungen, also Leistungen, die über die Grundleistungen der HOAI hinausgehen, werden gesondert vereinbart und vergütet. Für die Leistungsphase 2 können das beispielsweise umfangreiche Variantenuntersuchungen über das übliche Maß hinaus, die Erarbeitung von Machbarkeitsstudien, Beteiligungsverfahren mit Nutzern oder Anwohnern, oder die Entwicklung von Pflegekonzepten als eigenständige Leistung sein. Fachleute empfehlen, besondere Leistungen bereits bei Vertragsschluss klar zu benennen und zu vereinbaren, um spätere Honorarstreitigkeiten zu vermeiden.

Koordination, Abstimmung und typische Fehler in der Praxis

Die Leistungsphase 2 HOAI ist keine isolierte Planungsleistung, sondern ein koordinierter Prozess, der die Beiträge verschiedener Fachplaner zusammenführt. In komplexen Projekten arbeiten Landschaftsarchitekten in der Vorplanung mit Architekten, Tragwerksplanern, Ingenieuren für technische Gebäudeausrüstung, Verkehrsplanern, Bodengutachtern und weiteren Spezialisten zusammen. Die Koordination dieser Beiträge ist eine eigenständige Leistung, die in der HOAI dem Objektplaner zugewiesen wird. Für Freianlagen bedeutet das, dass der Landschaftsarchitekt die Schnittstellen zu Tiefbau, Entwässerung, Beleuchtung und Möblierung frühzeitig klären muss.

Ein häufiger Fehler in der Praxis besteht darin, die Leistungsphase 2 zu früh zu verlassen, also in die Entwurfsplanung überzugehen, bevor die Vorplanung wirklich abgeschlossen und freigegeben ist. Das geschieht oft unter Zeitdruck oder weil Auftraggeber schnelle Ergebnisse sehen wollen. Die Folge ist, dass konzeptionelle Grundsatzfragen, die in der Vorplanung hätten geklärt werden sollen, in die Entwurfsplanung verschleppt werden und dort zu erheblichem Mehraufwand führen. Planungsänderungen in der Leistungsphase 3 oder 4, die auf ungeklärten Vorplanungsfragen beruhen, sind nach HOAI grundsätzlich als Änderungsleistungen zu vergüten, was zu Honorarnachforderungen und Konflikten führen kann.

Ein weiteres Missverständnis betrifft den Detaillierungsgrad der Vorplanung. Die Leistungsphase 2 HOAI verlangt keine Ausführungsdetails, keine Bepflanzungspläne und keine Leistungsverzeichnisse. Sie verlangt ein konzeptionell überzeugendes, maßstäblich dargestelltes Planungskonzept, das die wesentlichen Entscheidungen dokumentiert und eine belastbare Kostenschätzung ermöglicht. Wer in der Vorplanung bereits in die Detailtiefe der Ausführungsplanung geht, verschwendet Ressourcen und riskiert, dass diese Detailarbeit durch spätere Planungsänderungen hinfällig wird.

Behördliche Abstimmungen spielen in der Leistungsphase 2 ebenfalls eine wichtige Rolle. Für viele Freiflächenprojekte sind frühzeitige Gespräche mit der Unteren Naturschutzbehörde, dem Stadtplanungsamt, der Denkmalschutzbehörde oder dem Tiefbauamt notwendig, um zu klären, welche Anforderungen und Restriktionen für das Projekt gelten. Diese Abstimmungen sind zwar nicht explizit als Grundleistung der Leistungsphase 2 aufgeführt, gehören aber zur professionellen Praxis und können als besondere Leistung vereinbart werden, wenn sie einen erheblichen Aufwand darstellen.

Ergebnisse und Dokumentation am Ende der Vorplanung

Am Ende der Leistungsphase 2 HOAI sollte ein klar strukturiertes Vorplanungspaket vorliegen, das dem Auftraggeber eine fundierte Entscheidungsgrundlage bietet. Zu den typischen Ergebnisdokumenten gehören ein zeichnerisch ausgearbeiteter Vorplanungsplan im geeigneten Maßstab, in der Freiraumplanung häufig im Maßstab 1:500 oder 1:200, eine erläuternde Planungsbeschreibung, die Konzept, Lösungsansätze und Begründungen der wesentlichen Entscheidungen darlegt, sowie die Kostenschätzung nach DIN 276 mit einer Gliederung nach Kostengruppen.

Die Planungsbeschreibung ist dabei mehr als ein begleitender Text: Sie ist das argumentative Rückgrat der Vorplanung und dokumentiert, warum bestimmte Lösungen gewählt und andere verworfen wurden. Eine gut geschriebene Planungsbeschreibung schützt den Planer bei späteren Auseinandersetzungen, weil sie zeigt, dass die Entscheidungen auf einer durchdachten fachlichen Grundlage beruhen. Für Landschaftsarchitekten bietet sie außerdem die Möglichkeit, die ökologischen, klimatischen und sozialen Qualitäten eines Entwurfs zu vermitteln, die sich in einer zeichnerischen Darstellung allein nicht vollständig erschließen.

Die Freigabe der Vorplanung durch den Auftraggeber sollte schriftlich dokumentiert werden. Das kann in Form eines Besprechungsprotokolls, einer E-Mail-Bestätigung oder einer formellen Freigabeerklärung geschehen. Diese Dokumentation ist die Voraussetzung für die Beauftragung der nächsten Leistungsphase und schützt beide Seiten vor Missverständnissen darüber, was vereinbart wurde. In der Praxis wird dieser Schritt häufig vernachlässigt, was später zu Streit darüber führen kann, ob bestimmte Planungsänderungen als Umplanung oder als Weiterentwicklung des freigegebenen Konzepts zu werten sind.

Die Leistungsphase 2 im Kontext des gesamten Planungsprozesses

Die Leistungsphase 2 HOAI ist keine isolierte Planungsstation, sondern ein integraler Bestandteil eines kontinuierlichen Prozesses, der von der ersten Idee bis zur fertiggestellten Anlage reicht. Ihre Bedeutung erschließt sich vollständig erst im Zusammenhang mit den anderen Leistungsphasen: Sie baut auf der Grundlagenermittlung der Leistungsphase 1 auf und schafft die Basis für die Entwurfsplanung der Leistungsphase 3. Was in der Vorplanung nicht geklärt wird, kehrt in späteren Phasen als Problem zurück, häufig in einer Form, die teurer und aufwendiger zu lösen ist.

Für Auftraggeber, insbesondere für öffentliche Bauherren und Projektentwickler, ist die Leistungsphase 2 der Moment, in dem sie zum ersten Mal eine belastbare Vorstellung davon bekommen, was ihr Projekt kosten wird und wie es aussehen soll. Die Kostenschätzung der Vorplanung ist oft die erste Zahl, die in Gremien, Ausschüssen oder Investorenrunden präsentiert wird. Sie hat deshalb eine politische und wirtschaftliche Dimension, die über die rein fachliche Planungsarbeit hinausgeht. Planer, die diese Dimension kennen, bereiten ihre Vorplanungsunterlagen entsprechend kommunikativ auf.

Die wachsende Bedeutung von Klimaanpassung, Biodiversität und blaugrüner Infrastruktur in der Stadtentwicklung hat die inhaltlichen Anforderungen an die Leistungsphase 2 in der Freiraumplanung in den letzten Jahren erheblich erweitert. Konzepte für Schwammstadtprinzipien, also die dezentrale Regenwasserbewirtschaftung im Freiraum, Hitzeschutzmaßnahmen durch Begrünung und Beschattung sowie Habitatvernetzung für Stadtbiodiversität: All das muss bereits in der Vorplanung konzeptionell verankert werden, wenn es in der Ausführung wirksam sein soll. Die Leistungsphase 2 HOAI ist damit nicht nur ein planungsrechtliches Instrument, sondern ein zentrales Werkzeug für die Qualitätssicherung im Freiraum der wachsenden und sich wandelnden Stadt.

Wer die Vorplanung ernst nimmt, spart in allen nachfolgenden Phasen Zeit, Geld und Nerven. Wer sie als Pflichtübung behandelt, zahlt den Preis später. Das ist keine Übertreibung, sondern die nüchterne Erfahrung jedes erfahrenen Planers, der weiß, wie viel Arbeit in einer schlecht vorbereiteten Entwurfsplanung steckt und wie selten diese Arbeit angemessen vergütet wird.