Domberg Freising: Neugestaltung von Latz + Partner

Ein gepflasterter Hof, an den Rändern von Häusern umgeben, im Zentrum ein Brunnen; auf dem Platz stehen viele Menschen. Im bayerischen Freising gestaltete das Büro Latz + Partner die Freianlagen auf dem Domberg neu. Im Zentrum des neu gestalteten Domplatzes findet sich nun wieder ein Brunnen. Foto: Latz + Partner
Im bayerischen Freising gestaltete das Büro Latz + Partner die Freianlagen auf dem Domberg neu. Im Zentrum des neu gestalteten Domplatzes findet sich nun wieder ein Brunnen. Foto: Latz + Partner

Im bayerischen Freising gestaltet das Büro Latz + Partner die Freianlagen auf dem Domberg neu. Mit Domplatz und Domhof wurde im Frühling 2024 der erste Bauabschnitt eröffnet. Im Interview zum Projekt erläutern Iris Dupper und Tilman Latz von Latz + Partner, was ihr Projekt ausmacht, welche Ansprüche heutzutage an den Domplatz gestellt werden und wie sie die Anlagen auf dem Domberg Freising inklusiver gestalteten.

Ein einzigartiger Resonanzraum

Redaktion G+L: Im Mai dieses Jahres eröffneten Sie den ersten Bauabschnitt Ihres Projektes auf dem Freisinger Domberg: Domplatz und Domhof, beide jeweils neu gestaltet beziehungsweise weiterentwickelt. Was zeichnet das Projekt aus?

Iris Dupper und Tilman Latz: Das Durchschreiten der Torbögen zu den neuen Freiräumen auf dem Domberg wird durch die Umgestaltungen zu einem besonderen Moment: Mit seiner durchgehenden, hellen Oberfläche erscheint der Domplatz wie eine Augenweide zwischen den umliegenden Fassaden von Dom, Marstall, Residenz, St.-Johannes-Kapelle und den Toren zum Belvedere. Locker verteilte Bänke markieren die Platzränder und erlauben heute lockeren Aufenthalt. Ein Brunnen erhebt sich in der Mitte, Wasser fällt aus größerer Höhe aus einem Füllhorn. Sanft plätscherndes Wasser erfüllt den Raum und untermalt die alltäglichen Geräusche von Passanten, Besuchenden, Musikschule und Kirchenveranstaltungen.

Man erlebt nun den Dom neben Dombrunnen und Residenz, zwischen den hohen Domtürmen, Otto von Freising im Grünen und dem schweifenden Ausblick über die flussbegleitenden Isar- und Moosachauen bis hin zum Alpenrand. Es ist ein einzigartiger Resonanzraum entstanden, der zum Verweilen einlädt. In diesem kommt man zur Ruhe, bevor man weiter in den Dom oder den Marstall geht.

Seit 2022 bearbeitet das Büro Latz + Partner im Auftrag des Erzbischöflichen Ordinariats München am Domberg in Freising den Domplatz, Belvedere, Domhof, Kreuzgarten, Flächen in der Residenz, am Neubau des Kardinal-Döpfner-Hauses, dem Anger und am Diözesanmuseum. Plan: Latz + Partner
Seit 2022 bearbeitet das Büro Latz + Partner im Auftrag des Erzbischöflichen Ordinariats München am Domberg in Freising den Domplatz, Belvedere, Domhof, Kreuzgarten, Flächen in der Residenz, am Neubau des Kardinal-Döpfner-Hauses, dem Anger und am Diözesanmuseum. Plan: Latz + Partner

Zentraler Brunnen am Domberg Freising wiedererrichtet

Wie sind sie zu der Gestaltung der zentralen Freiräume auf dem gekommen?

Drei Entscheidungen waren wesentlich:

Zunächst lässt sich eine konsequent kontextuelle Sprache auf den Domplatz und Domhof mit angemessener Materialität und Formensprache ein. Sie unterstreicht die räumlichen Gegebenheiten, wie unterschiedliche Baustile, Dimensionen und Materialität der begrenzenden Fassaden. Beide Räume haben mit diesem Ansatz eine jeweils in sich stimmige Einheit ausgebildet. Gleichzeitig trägt diese zur neuen Vielfalt von Räumen auf dem Domberg bei. Diese Vielfalt entspricht dem historisch überlieferten Bestand an Bauten und Baustilen.

Dann wurde von einer grob gekiesten Fläche zu einem gepflasterten, fein strukturierten Domplatz gewechselt. Dadurch werden auch die Nutzungsmöglichkeiten zeitlich und qualitativ deutlich erweitert und verbessert. Ein diagonal in Passé gesetztes, helles Pflaster stellt ein zurückhaltendes und gleichzeitig robustes Gleichgewicht zu den Architekturen her. Für das Pflaster kam Wachenzeller Dolomit mit Formaten von 8 x 8 bis 12 x 12 Zentimetern mit fein gekrönter Oberfläche und gespaltenen Seiten zum Einsatz. Es wird von materialgleichen, fächerartig gesetzten Plattenstreifen durchzogen. Diese Streifen führen die asymmetrisch zueinander stehenden Fassaden von Dom und Residenz zusammen. In ihrer Größe abgestufte, halbrunde und runde Fassungen betonen die den Plätzen zugewandten Eingänge und den zentralen Brunnen. Dabei wurden die Hauptakteure – Dom, Residenz und Dombrunnen – repräsentativ in der Fläche herausgearbeitet.

Schließlich erhält der Domplatz über die Wiedererrichtung eines zentral gesetzten Brunnens eine seiner Bedeutung entsprechende, attraktive Mitte zurück.

Im Zentrum des Domplatzes auf dem Domberg in Freising stellten der Bauherr und die Planer*innen den Brunnen mit der historischen Skulptur des „Mohren“ wieder auf. Foto: Latz + Partner
Im Zentrum des Domplatzes auf dem Domberg in Freising stellten der Bauherr und die Planer*innen den Brunnen mit der historischen Skulptur des „Mohren“ wieder auf. Foto: Latz + Partner

Räumliches Gefüge neu wahrnehmbar

Was ist der historische Hintergrund des wieder errichteten Brunnens?

Der neue Brunnen interpretiert die vielen Erscheinungsformen, die diese Wasserstelle bis zu seiner Entfernung in der Säkularisation 1803 hatte: erst Pferdeschwemme, dann barocker Brunnen, aber ab 1857 nur noch ein Pflanzbeet mit einer Skulptur von Otto von Freising. Ein neues Rund aus gespaltenen Flusskieseln fasst einen horizontal eingepassten Sockel. Darauf findet sich der neue Brunnen aus Untersberger Marmor mit einer hohen Säule, an dessen Spitze die historische Figur des „Mohren“ ein Füllhorn als Wasserquelle hält. Die Skulptur ist tatsächlich das Original des Hoheitszeichens des Hochstifts Freising. Gemeinsam mit dem Bauherrn beschlossen wir, den Brunnen wieder auf den Domplatz zu stellen. Die Figur von Otto von Freising von Bildhauer Kaspar Zumbusch sollte in Folge dessen in den stilleren, erstmals grünen Domhof versetzt werden. Von dort blickt er heute auf den Durchgang zum Domplatz und die beiden Domtürme, umgeben von Insekten-umschwärmten, schönen Blumen.

Durch diese Veränderungen entstand eine neue Wahrnehmung der Raumfolgen auf dem Domberg.

Zeitgemäße Gestaltung gefragt

Inwiefern muss ein Domplatz anderen Anforderungen gerecht werden als ein profaner Stadtplatz? Wie zeigt sich das in der Gestaltung am Domberg in Freising?

Historisch standen sowohl bei einem Domplatz als auch bei einem „profanen“ Stadtplatz Repräsentationsmöglichkeiten, Funktionalität und Alltagstauglichkeit gleichermaßen im Vordergrund. Im Detail wies die Symbolik geistlicher und weltlicher Art jedoch oft Unterschiede auf. Kirchliche Auftraggeber formulierten nicht selten einen deutlich höheren Anspruch an gestalterische Setzungen. Zudem beauftragten sie mitunter große Baumeister und Künstler für die Gestaltung öffentlichen Raums.

Heute müssen sich beide in gewisser Weise „neu finden“ und gleichermaßen mit oft überbordenden Rechtsvorschriften und Normen, lokalem Denkmal- und Naturschutz, komplexen technischen Anforderungen auseinandersetzen. Man denke nur an unterirdische Leitungen oder Bauten und zunehmende Herausforderungen des Klimawandels. Eine zunehmende Rolle spielen öffentliche Interessenlagen einer diverseren Freizeitgesellschaft, Platz-Klischees und kurzlebige Moden.

Spezifisch am Domplatz Freising ist die Beauftragung durch einen kulturell hochambitionierten, gleichzeitig verantwortlich handelnden wie gesellschaftlich engagierten, privaten Auftraggeber. Das Erzbischöfliche Ordinariat München (EOM) beauftragte uns 2022 mit der Bearbeitung der öffentlichen Räume auf dem Domberg: Domplatz mit Belvedere, Domhof und Kreuzgarten, Flächen im und um die Residenz, Neubau des Kardinal-Döpfner-Hauses (KDH) und um Diözesanmuseum wie auch langer Anger. Der Domberg ist das geistliche Zentrum der Erzdiözese München und Freising. Es ging der EOM um eine zeitgemäße Gestaltung, die einerseits eine angemessene Antwort auf die komplexe räumliche Situation aus verschiedensten Jahrhunderten anzubieten vermag. Andererseits ging es auch darum, verschiedene öffentliche wie private Nutzungsanforderungen und diffizile Fragen des Denkmalschutzes zu integrieren. Auch die besondere Geschichte des Ortes und Bedeutung für Freising galt es zu berücksichtigen.

Plätze zum Im-Augenblick-Verweilen auf dem Domberg Freising

Worauf mussten Sie bei der Umgestaltung achten und was haben Sie im Zuge Ihres Projektes am Domberg im Freising umgesetzt?

Wichtig waren dem Bauherrn zum einen Sicht- und Wegebeziehungen, vor allem zwischen Residenz und Dom, die zum Beispiel bei Prozessionen wichtig sind. Zum anderen waren Nutzungen für Feste mit Musik, Veranstaltungen und Märkte relevant. Die Lage des Brunnes erklärt sich unter anderem durch die gleichzeitige Bedeutung von direkter Verbindung und Inszenierung solcher Bewegungen. Eine Betonung der Hauptbezugsfassaden aus denkmalpflegerischer Sicht war es am Ende auch, die eine Setzung von Bäumen grundsätzlich problematisch erscheinen ließ. Hinzu kamen schwierige Untergrundverhältnisse, die nachhaltige Baumpflanzungen nicht ermöglichten.

Die Akzentuierung der Haupt- und Nebenakteure in der Fläche forderte eine intensive Auseinandersetzung mit der Topografie und Ausrichtung des Platzes. So entwickelten wir ein regelmäßig-konkave Gestaltung des Platzes, die die Fassaden um den Platz betont und den Brunnen in der Mitte unterstützt. Bei einer deutlich im Gefälle liegenden, unversiegelten Platzfläche – ein wichtiges Nachhaltigkeitsziel – mussten wir daher von einer Punktentwässerung auf eine Linienentwässerung wechseln.
Der zentrale Domplatz, als unter Denkmalschutz stehendes Bodendenkmal und Hauptzugang zum Dom und Residenz, und der Domhof, als Nebeneingang in die Dombibliothek und barrierefreier Zugang zu Sakristei und Kreuzgang, sind zum Start der Bayerischen Landesausstellung am 7. Mai 2024 fertiggestellt worden. Nun gibt es auf dem Domberg Plätze zum Verweilen im Augenblick und ohne Konsumzwang.

Bei der Erstellung des letzten Bauabschnittes wird uns noch die Problematik der zur Parkhauszufahrt führenden Straße beschäftigen, die quer über den oberen Platzbereich verläuft. Deren Integration und die gleichzeitige Sicherung der Platzfläche gegen unkontrolliertes Parken wird aber erst mit Abschluss der Bauarbeiten an der Residenz erfolgen.

Die Skulptur Otto von Freisings, die bislang im Domhof stand, verstzten die Planer*innen im Zuge der Neugestaltung in den Domhof. Foto: Latz + Partner
Die Skulptur Otto von Freisings, die bislang im Domhof stand, verstzten die Planer*innen im Zuge der Neugestaltung in den Domhof. Foto: Latz + Partner

Kleine, aber bedeutsame Schritte

Wer schon einmal auf dem Domberg in Freising war, weiß, dass es dort steil hinauf geht. Ein wichtiger Aspekt Ihres Projektes ist Barrierefreiheit. Wie konnten Sie diese bei der Neugestaltung von Domplatz und Domhof verbessern? Und wo stießen Sie dann doch an Grenzen und warum?

Ein topografisch exponiertes und denkmalgeschütztes Gelände wie der Domberg ermöglicht nur kleine, aber bedeutsame Schritte hin zu einer inklusiv begehbaren Anlage.

Neben der Befestigung von Domhof und Domplatz und weg von einer Rieselfläche sind es vor allem kleine Maßnahmen. Das sind zum Beispiel das Anbringen von Handläufen an allen Treppen, rampenartige Zugänge und ebene Durchwegungen mit maximal 5 Prozent Neigungen in den Einzelflächen. Zur Barrierefreiheit gehören für uns ebenfalls die Bereitstellung öffentlicher Toiletten im Durchgang zum Domhof sowie die Positionierung von ausreichend Bänken zum Ausruhen.

Dennoch wird es auch weiterhin Bereiche geben, die nur über Stufen oder deutlich steilere Rampen erreichbar sein werden, wie zum Beispiel das Erreichen der Domberggasse. Dazu gehört zum einen das Belvedere, dessen Einfriedung nicht verändert werden kann. Auch werden wir keine Rampen in den Anger einfügen, um gegebenenfalls die Erschließung zwischen Domberggasse und den verschiedenen Plätzen zu verbessern. Des Weiteren wirkt der Baumbestand auf das Mikroklima.

Freilich war hierzu die wichtigste Entscheidung der EOM, einen Schrägaufzug auf der Südseite des Domberges anzubringen. Dieser verbindet, gut zwischen Bahnhof und Fußgängerzone gelegen, das allgemeine Stadtniveau direkt mit dem Diözesanmuseum. Tatsächlich kann der Schrägaufzug bereits als weitere Attraktion des Dombergs verstanden werden.

Projektdaten

Auftraggeber: Erzdiözese München und Freising

Konzeption: Latz + Partner Prof. Tilman Latz und Iris Dupper

Projektleitung: Dennis Pytlik, Dörte Dannemann

Mitarbeit: Roland Jakob, Junyue Deng, Vera Margasova

Planung seit 2022, Realisierung BA1 Mai 2024

LPH 6–8: NU Stefan Huber Landschaftsarchitektur

Fläche: circa 1 Hektar

Interviewees

Iris Dupper, Landschaftsarchitektin, ist Partnerin und Geschäftsführerin von Latz + Partner. Zuvor hatte sie Studios Îlot für Landschaftsarchitektur, München, gegründet. 2006 war sie die erste Rompreis-Stipendiatin der Villa Massimo für Landschaftsarchitektur.

Tilman Latz, Landschaftsarchitekt, Architekt und Stadtplaner, ist seit 2011 Inhaber und Chefdesigner von Latz + Partner. Seit 2022 hat er die Professur für Planen und Entwerfen in der Landschaftsarchitektur an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf inne.

 

Anmerkung der Redaktion: Der Begriff des „Mohr“ bzw. des „Freisinger Mohr“, der sich auch im Wappen des Landkreises findet, ist in der Bezeichnung des Brunnens sowie der Berichterstattung zu diesem gängig. Zum Hintergrund des Wappens sowie zur Verwendung des Begriffs findet sich eine Erklärung auf der Webseite des Landkreises Freising.

Andere Quellen schätzen den Begriff kritischer ein, so beispielsweise die Ausführungen des Instituts für Europäische Ethnologie der Humboldt-Universität Berlin zur Umbenennung der „Mohrenstraße“.

Im Zusammenhang mit dem Begriff gibt es immer wieder Debatten um Umbenennungen, wie etwa auch in dem bereits erwähnten Fall der Berliner Straße und gleich benannten U-Bahn-Station „Mohrenstraße“.

 

Weiterlesen: In der Oktoberausgabe 2024 der G+L widmen wir uns Orten des Glaubens. Das Heft ist in unserem Shop erhältlich. Einen ersten Einblick in die Ausgabe gibt Theresa Ramisch in ihrem Editorial.

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Raum als Algorithmus – wie Szenario-Software Entscheidungen vorbereitet

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Luftaufnahme einer Stadt. Foto von Ivan Louis auf Unsplash.

Stellen Sie sich eine Stadt vor, die nicht nur gebaut, sondern in Echtzeit gedacht, simuliert und gesteuert wird – ein urbaner Organismus, der auf Knopfdruck alternative Zukünfte entwirft. Szenario-Software und der algorithmische Blick auf den Raum verändern Planung radikaler als jeder Masterplan. Willkommen in der Welt, in der Raum zum Algorithmus wird – und Entscheidungen plötzlich datenbasiert, dynamisch und demokratischer getroffen werden können als je zuvor.

  • Einführung in das Konzept Raum als Algorithmus: Von statischer Planung zu dynamischer Entscheidungsfindung.
  • Erklärung und Anwendung moderner Szenario-Software im urbanen Kontext – von Digital Twins bis zur KI-gestützten Simulation.
  • Praxisbeispiele: Wie Städte wie Helsinki, Wien und Zürich algorithmische Tools in der Planung einsetzen.
  • Chancen und Herausforderungen: Governance, Transparenz, Partizipation und technologische Hürden.
  • Risiken algorithmischer Entscheidungsprozesse: Bias, Black Box-Effekte und Kontrollverlust.
  • Die Rolle von Open Urban Platforms und der Kampf um Datensouveränität.
  • Wandel im Berufsbild von Planern durch neue digitale Werkzeuge.
  • Potenziale für Klimaresilienz, Mobilitätswende und adaptive Stadtentwicklung.
  • Kritische Reflexion: Wie viel Algorithmus verträgt der Raum?
  • Fazit: Warum algorithmisches Denken die Zukunft der Stadtplanung prägen wird.

Raum als Algorithmus – Die Geburt einer neuen Planungslogik

Die klassische Stadtplanung war jahrzehntelang eine Disziplin der Pläne, Karten und Gutachten. Entscheidungen wurden auf Grundlage statischer Modelle, langwieriger Abstimmungsprozesse und oft veralteter Daten getroffen. Doch mit der Digitalisierung urbaner Systeme hat sich der gesamte Planungskosmos verschoben. Plötzlich stehen nicht mehr starre Flächen oder festgezurrte Nutzungen im Mittelpunkt, sondern dynamische Beziehungen, Prozesse und Szenarien. Raum wird algorithmisch – das heißt, er lässt sich als System von Zuständen, Regeln und Wechselwirkungen begreifen, die sich laufend verändern und simulieren lassen.

Das Zauberwort heißt Szenario-Software. Diese digitalen Werkzeuge übersetzen den Raum in Datenströme, Variablen und Entscheidungsbäume. Ein Algorithmus ist dabei nichts anderes als eine strukturierte Handlungsanweisung, die auf Basis bestimmter Eingangsdaten verschiedene Entwicklungspfade berechnet. In der Stadtentwicklung bedeutet das: Die Software kann auf Knopfdruck durchspielen, wie sich Verkehrsflüsse, Mikroklima, soziale Mischung oder Energieverbrauch verändern, wenn bestimmte Parameter – etwa eine neue Straßenführung, eine Nachverdichtung oder eine Begrünungsmaßnahme – angepasst werden. Damit entsteht eine vollkommen neue Form der Entscheidungsunterstützung.

Die Relevanz dieses Paradigmenwechsels lässt sich kaum überschätzen. Während früher Planer mit Papier und Bleistift zahlreiche Varianten durchdeklinieren mussten, können heute tausende Szenarien in Sekunden berechnet werden. Und das nicht nur im luftleeren Raum: Dank der Integration von Echtzeitdaten aus Sensorik, Geoinformationssystemen und Bürgerfeedback werden die Modelle zum digitalen Zwilling der Stadt – und damit zum Herzstück einer wirklich adaptiven, lernenden Stadtentwicklung. Das bedeutet auch: Fehlentscheidungen, die auf veralteten Annahmen basieren, lassen sich frühzeitig erkennen und verhindern.

Doch Raum als Algorithmus bedeutet mehr als nur technische Spielerei. Es ist ein neues Planungsverständnis, das klassische Hierarchien infrage stellt. Entscheidungen werden nicht mehr nur auf Basis von Expertenwissen oder politischem Willen getroffen, sondern als Resultat transparenter, nachvollziehbarer Simulationen. Die Planungslogik verschiebt sich von der Kontrolle zur Steuerung, von der Prognose zur kontinuierlichen Anpassung. Das eröffnet nicht nur neue Chancen für klimaresiliente und soziale Stadtentwicklung, sondern fordert auch Governance, Verwaltung und Öffentlichkeit heraus, sich auf neue Rollen einzulassen.

Allerdings: Der Weg dorthin ist steinig. Szenario-Software und algorithmische Modelle stellen hohe Anforderungen an Datenqualität, Interdisziplinarität und technisches Know-how. Gleichzeitig wächst die Sorge vor einer „Black Box“-Planung, in der Entscheidungen von undurchsichtigen Algorithmen getroffen werden. Damit steht die Branche vor einer doppelten Herausforderung: Die Möglichkeiten des Algorithmus zu nutzen, ohne demokratische Kontrolle oder planerische Sorgfalt zu verlieren. Doch wer sich dieser Aufgabe stellt, wird mit einer neuen Souveränität in der Stadtplanung belohnt – und mit der Chance, die urbane Zukunft nicht nur zu verwalten, sondern aktiv zu gestalten.

Von Digital Twins zu Szenario-Software: Werkzeuge für die adaptive Stadtplanung

Der digitale Zwilling ist in aller Munde – doch was unterscheidet einfache 3D-Modelle von echten Szenario-Systemen? Während klassische Stadtmodelle vor allem der Visualisierung dienen, sind Urban Digital Twins datengetriebene, vernetzte und kontinuierlich aktualisierte Abbilder der realen Stadt. Sie integrieren Informationen aus unterschiedlichsten Quellen: Verkehrssensoren, Wetterstationen, Gebäudeautomationen, Satellitenbilder, Bürger-Apps oder Energieverbrauchsdaten. Das Ziel: ein möglichst vollständiges, dynamisches Abbild der urbanen Realität zu schaffen, das als Grundlage für Simulationen und Prognosen dient.

Hier kommt die Szenario-Software ins Spiel. Sie ermöglicht es, auf Basis des digitalen Zwillings verschiedene Entwicklungspfade zu modellieren. Planer können beispielsweise prüfen, wie sich der Umbau einer Kreuzung auf den Verkehrsfluss auswirkt, welche Folgen eine neue Grünfläche für das Stadtklima hat oder wie sich eine Umwidmung auf die soziale Mischung im Quartier auswirkt. Die Software rechnet alternative Szenarien in Echtzeit durch und liefert damit Entscheidungsgrundlagen, die weit über klassische Machbarkeitsstudien hinausgehen.

Ein anschauliches Beispiel liefert die Stadt Helsinki, wo ein Urban Digital Twin nicht nur für die Visualisierung genutzt wird, sondern als Plattform für die Simulation von Mobilität, Energie und Klima agiert. Die Stadt kann etwa verschiedene Straßenführungen, Baumstandorte oder Bauvolumina virtuell testen und die Auswirkungen auf Luftqualität, Temperatur, Wind oder Verkehrsdichte unmittelbar ablesen. In Wien wiederum werden Szenario-Systeme eingesetzt, um die Entwicklung neuer Stadtteile auf Hitzestress, Schattenwurf und Luftzirkulation zu optimieren – lange bevor die ersten Bauarbeiten beginnen.

Die technologische Basis dieser Systeme ist anspruchsvoll: Sie erfordert leistungsfähige Datenplattformen, interoperable Schnittstellen, Cloud-Computing und eine enge Verzahnung mit bestehenden Planungsprozessen. Immer häufiger kommen auch Künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen zum Einsatz, um Muster zu erkennen, Prognosen zu verbessern und Vorschläge für optimale Lösungen zu generieren. Damit entsteht eine neue Generation von Planungstools, die nicht nur reaktiv, sondern proaktiv und lernend agieren können.

Für Planer bedeutet das eine echte Revolution. Statt sich auf starre Annahmen oder Bauchgefühl zu verlassen, können sie auf eine evidenzbasierte, transparente Entscheidungsgrundlage zurückgreifen. Gleichzeitig müssen sie aber auch lernen, mit der Komplexität und Unsicherheit solcher Systeme umzugehen. Denn kein Algorithmus ist unfehlbar – und jede Simulation bleibt letztlich ein Modell der Wirklichkeit, das mit Bedacht interpretiert werden muss.

Chancen und Fallstricke: Governance, Transparenz und algorithmische Kontrolle

So faszinierend die Möglichkeiten algorithmischer Stadtplanung auch sind – sie bergen erhebliche Herausforderungen in Sachen Governance und Transparenz. Wer entscheidet eigentlich, welche Daten in die Szenario-Software einfließen? Wer legt die Parameter und Gewichtungen fest, nach denen der Raum simuliert wird? Und wie lässt sich sicherstellen, dass die Algorithmen nicht bestehende Ungleichheiten, Vorurteile oder blinde Flecken reproduzieren?

Eine der zentralen Herausforderungen besteht darin, die Hoheit über Daten und Modelle zu sichern. Viele Szenario-Plattformen werden von privaten Softwareanbietern entwickelt, deren Algorithmen und Datenverarbeitungsprozesse nicht immer offenliegen. Das birgt das Risiko, dass städtische Entscheidungen zunehmend von externen Akteuren beeinflusst werden – oder dass die Stadt ihre digitale Infrastruktur aus der Hand gibt. Die Lösung liegt in offenen, modularen Urban Platforms, die es Kommunen ermöglichen, Kontrolle und Anpassungsfähigkeit zu behalten.

Transparenz ist dabei das A und O. Nur wenn die Funktionsweise der Algorithmen offenliegt und die Ergebnisse nachvollziehbar sind, kann das Vertrauen in die neuen Planungswerkzeuge wachsen. Das gilt besonders für Fragen der Beteiligung: Szenario-Software bietet enorme Chancen, Bürger frühzeitig in die Planung einzubinden, alternative Zukünfte sichtbar zu machen und Konflikte konstruktiv zu bearbeiten. Voraussetzung ist jedoch, dass die Modelle verständlich kommuniziert und ihre Grenzen klar benannt werden.

Gleichzeitig besteht die Gefahr des sogenannten technokratischen Bias. Algorithmen tendieren dazu, das zu optimieren, was messbar ist – während weiche Faktoren wie Lebensqualität, kulturelle Vielfalt oder soziale Beziehungen schwerer zu modellieren sind. Das erfordert eine bewusste Steuerung und regelmäßige Überprüfung der Modelle, um sicherzustellen, dass sie nicht an der Realität vorbeiplanen. Hier sind interdisziplinäre Teams aus Planern, Datenwissenschaftlern, Sozialwissenschaftlern und Bürgervertretern gefragt, um die Balance zwischen Technik und Mensch zu wahren.

Ein weiteres Risiko liegt im sogenannten Black-Box-Effekt: Wenn die Berechnungen und Entscheidungswege der Algorithmen nicht mehr nachvollziehbar sind, droht ein Verlust an demokratischer Kontrolle. Gerade in sensiblen Fragen wie Flächennutzung, Verkehrsführung oder sozialer Durchmischung müssen die Modelle offen und überprüfbar bleiben. Nur so kann Stadtplanung algorithmisch unterstützt, aber nicht entmündigt werden.

Praxis, Potenziale und Perspektiven: Wie Szenario-Software die Planung verändert

Wer die aktuellen Pilotprojekte in europäischen Städten betrachtet, erkennt schnell: Die algorithmische Planung ist längst keine Zukunftsmusik mehr. Städte wie Wien, Helsinki, Rotterdam oder Zürich setzen Digital Twins und Szenario-Software gezielt ein, um komplexe Herausforderungen wie Klimaanpassung, Mobilitätswende oder Quartiersentwicklung anzugehen. Die Resultate sind beeindruckend: Schnellere Entscheidungsfindung, passgenauere Maßnahmen und eine neue Transparenz im Planungsprozess.

Ein besonders großes Potenzial liegt in der Klimaresilienz. Mit Hilfe von Szenario-Software können Städte frühzeitig simulieren, wie sich Hitzewellen, Starkregen oder Luftverschmutzung auf unterschiedliche Quartiere auswirken – und gezielt Gegenmaßnahmen entwickeln. In Wien etwa werden alternative Begrünungsstrategien, neue Wasserflächen oder Verschattungsmaßnahmen virtuell getestet, bevor sie umgesetzt werden. Das spart Zeit, Ressourcen und verhindert teure Fehlplanungen.

Auch im Bereich Mobilitätsmanagement eröffnen sich neue Horizonte. Städte wie Zürich nutzen Digital Twins, um Verkehrsflüsse in Echtzeit zu analysieren und alternative Routen oder Steuerungskonzepte zu simulieren. Das ermöglicht eine adaptive Verkehrslenkung, die Staus reduziert, Emissionen senkt und die Lebensqualität verbessert. Gleichzeitig können Bürger über Online-Plattformen an der Entwicklung teilhaben, eigene Vorschläge einbringen und die Auswirkungen ihrer Ideen direkt nachvollziehen.

Die adaptive Stadtentwicklung profitiert ebenfalls enorm. Szenario-Systeme ermöglichen es, verschiedene Nutzungsvarianten, Bebauungsdichten oder soziale Konzepte durchzuspielen und ihre Folgen für Infrastruktur, Umwelt und Nachbarschaft zu bewerten. Damit wird Planung zum iterativen, lernenden Prozess – und eröffnet neue Chancen für innovative Quartiere, nachhaltige Nachverdichtung und sozial ausgewogene Stadtteile.

Natürlich bleiben Herausforderungen. Die Integration der Systeme in bestehende Verwaltungsstrukturen, die Sicherung der Datenqualität und die Schulung des Fachpersonals sind aufwendig. Hinzu kommen rechtliche Fragen rund um Datenschutz, Haftung und Vergaberecht. Doch der Trend ist unaufhaltsam: Wer sich heute mit Szenario-Software und algorithmischer Planung auseinandersetzt, gestaltet die urbane Zukunft mit – statt ihr hinterherzulaufen.

Fazit: Algorithmischer Raum – eine Revolution mit Risiken und Nebenwirkungen

Die Transformation des Raums zum Algorithmus ist weit mehr als ein technischer Hype. Sie markiert einen Paradigmenwechsel in der Art und Weise, wie Städte geplant, verstanden und gesteuert werden. Szenario-Software und Digital Twins eröffnen ungeahnte Möglichkeiten, Stadtentwicklung dynamisch, datenbasiert und partizipativ zu gestalten. Sie machen es möglich, Alternativen sichtbar zu machen, Fehlentwicklungen frühzeitig zu vermeiden und die Resilienz urbaner Systeme zu stärken.

Doch mit der neuen Macht der Algorithmen wachsen auch Verantwortung und Risiken. Die Kontrolle über Daten, die Transparenz der Modelle und die Einbindung aller relevanten Akteure werden zur zentralen Herausforderung. Wer algorithmische Systeme als reine Black Boxes einsetzt, riskiert Intransparenz, Demokratieverlust und technokratische Verzerrungen. Deshalb braucht es offene Standards, klare Governance-Strukturen und eine bewusste Einbindung von Fachleuten und Öffentlichkeit.

Für Planer, Verwaltungen und Stadtgesellschaften bedeutet das: Es reicht nicht mehr, sich auf Erfahrung, Intuition oder Einzelgutachten zu verlassen. Die Zukunft der Stadtplanung ist hybrid – sie verbindet menschliches Urteilsvermögen mit algorithmischer Unterstützung, klassische Kompetenzen mit digitalen Werkzeugen. Das Berufsbild wandelt sich, neue Fähigkeiten werden gefragt, und die Bereitschaft zur interdisziplinären Zusammenarbeit wird zum Schlüssel für den Erfolg.

Am Ende bleibt die Erkenntnis: Der Raum als Algorithmus ist kein Selbstzweck. Er ist ein Werkzeug – kraftvoll, faszinierend, aber auch fehleranfällig. Wer ihn klug einsetzt, kann Städte resilienter, lebenswerter und gerechter machen. Wer ihn unkritisch übernimmt, läuft Gefahr, die Kontrolle über die eigene urbane Zukunft zu verlieren. Es liegt an uns, das Gleichgewicht zu halten und die Chancen des algorithmischen Denkens für die Stadt von morgen zu nutzen.

Die Revolution ist in vollem Gange. Die Frage ist nicht mehr, ob sich Stadtplanung algorithmisiert – sondern wie wir diese Entwicklung gestalten wollen. Denn eines steht fest: Der Raum denkt mit. Und die spannendsten Szenarien entstehen dort, wo Algorithmen und Menschen gemeinsam entscheiden.

Landschaftsarchitektur-Preis, ein Überblick

Der Deutsche Landschaftsarchitektur-Preis 2021: der Westpark in Augsburg
Der Deutsche Landschaftsarchitektur-Preis 2021: der Westpark in Augsburg, Foto: Eckhart Matthäus

Die Landschaftsarchitektur-Preise, die der Bund Deutscher Landschaftsarchitekt:innen (bdla) auf Bundes- sowie Landesebene auslobt, sind inzwischen zu einer Institution der Landschaftsarchitektur-Profession geworden. Mehr über die Projekte, Landschaftsarchitekturbüros und Themen erfahren Sie hier.

Die Landschaftsarchitektur-Preise des bdla sind sowohl auf Landes- als auch auf Bundesebene ein Spiegelbild der landschaftsarchitektonischen Leistungen in Deutschland. Die Preise küren beispielhafte Projekte mit sozialem und ökologischem Mehrwert in der Siedlungs- und Landesentwicklung sowie in der Freiraumplanung. Insgesamt finden vier Landschaftsarchitektur-Preise regelmäßig statt. Neben dem „Großen“, dem Deutschen Landschaftsarchitektur-Preis, richten ebenfalls die blda-Landesverbände Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Bayern Preise der Art aus.

Von privaten Gärten bis zur freien Landschaft

Der Deutsche Landschaftsarchitektur-Preis lobt der bdla seit 1993 im zweijährigen Turnus aus. Der Preis ist in all den Jahren zu einer Institution der Landschaftsarchitektur-Profession geworden. Wegweisende Projekte wie der Landschaftspark Duisburg Nord von Latz + Partner oder Superkilen in Kopenhagen von Topotek 1 zählen zu den Preisträger*innen. Über 800 Landschaftsarchitekt*innen nahmen laut der Plattform landschaftsarchitektur-heute.de in den vergangenen zwei Jahrzehnten von 2001 bis 2021 an dem Wettbewerb teil.

Der bdla kürte in dem besagten Zeitraum insgesamt 126 Projekte, die die Vielfalt der Landschaftsarchitektur widerspiegeln: von privaten Gärten bis zur freien Landschaft, vom Privaten bis zum Öffentlichem, von realisierten Projekten bis zu Konzepten und Wettbewerbsbeiträgen.

Bayern als Land mit den meisten Landschaftsarchitektur-Preisen

Der Deutsche Landschaftsarchitektur-Preis soll deutsche Landschaftsarchitektur präsentieren und sie in der Öffentlichkeit platzieren. Demnach liegt es auf der Hand, dass die meisten der ausgezeichneten Projekte in deutschen Städten und Gemeinden verortet sind. Nur knapp 10 Prozent befinden sich in anderen Ländern, vor allem in der Schweiz. Im Jahr 2003 gewann zum Beispiel der bekannte MFO-Park in Zürich eine der acht Würdigungen. Die beiden ersten Preise gingen in diesem Jahr an die Stadt Hamburg für ihr städtebauliches, landschaftsplanerisches Strukturkonzept und an das Projekt Stadteingang Aalen des Landschaftsarchitekten Jörg Stötzer.

Im letzten Jahr 2021 gewann das Projekt Westpark in Augsburg den ersten Preis des Deutschen Landschaftsarchitektur-Preises. Der heute 60 Hektar große Park befindet sich auf früheren Kasernenflächen in Augsburg und wurde von den Hannoveraner Landschaftsarchitekten Lohaus · Carl · Köhlmos gestaltet. Dass sich der erste Preis des Jahres 2021 in Bayern befindet, ist keine Seltenheit. In den letzten 20 Jahren erhielten 25 Projekte aus dem Freistaat den Deutschen Landschaftsarchitektur-Preis. Bayern ist damit Spitzenreiter; dicht gefolgt von Nordrhein-Westfalen und Berlin.

Landschaftsarchitektur in der Mitte der Gesellschaft

Der Spitzenreiter unter den ausgezeichneten Landschaftsarchitekturbüros von 2001 bis 2021 ist club L94 landschaftsarchitekten. Das Kölner Büro gewann in den Jahren 2011, 2013, 2015 und 2019 drei Würdigungen und zwei Anerkennungen. Das Büro mit den meisten ersten Preisen ist Atelier Loidl. Die Berliner Landschaftsarchitekt*innen wurden für folgende Projekte geehrt: Lustgarten in Berlin (2001), Park am Gleisdreieck in Berlin (2015) und Baakenpark in Hamburg (2019). Von folgenden Büros wurden mindestens drei Projekte mit dem Deutschen Landschaftsarchitektur-Preis ausgezeichnet.

  • club L94 landschaftsarchitekten (5)
  • Atelier Loidl (4)
  • relais Landschaftsarchitekten (4)
  • TOPOTEK 1 (4)
  • FUGMANN JANOTTA PARTNER (3)
  • Planorama Landschaftsarchitektur (3)
  • WES LandschaftsArchitektur (3)

Insgesamt dürften sich seit 2021 um die 90 Landschaftsarchitekturbüros über einen ersten Preis, eine Anerkennung, eine Würdigung und / oder einen Sonderpreis gefreut haben. Seit 2017 vergibt der bdla Auszeichnungen mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten. Sie reichen von „Digitale Innovation“ über „Partizipation und Planung“ bis zu „Klimaanpassung und Nachhaltigkeit“. Die „neue“ Ausrichtung des Deutschen Landschaftsarchitektur-Preis zeigt: Die Landschaftsarchitektur ist vielfältiger geworden und adressiert Themen aus der Mitte der Gesellschaft.

Landschaftsarchitektur-Preise in NRW, Bayern und Baden Württemberg

Auch die Landschaftsarchitekturpreise auf Landesebene würdigen die Vielfalt der Landschaftsarchitektur. In Nordrhein-Westfalen zum Beispiel wurden 2022 zum ersten Mal auch konzeptionelle, grünordnerische, landschaftsplanerische, städtebauliche, klimawirksame Projekte bewertet, also nicht-gebaute Projekte. Voraussetzung war jedoch: Die Einreichungen müssen im Bundesland Nordrhein-Westfalen realisiert oder bearbeitet worden sein. Ähnliche Vorgaben findet man ebenfalls beim Bayerischen und Baden-Württembergischen Landschaftsarchitektur-Preis. Sie sollen die Landschaftsarchitektur im jeweiligen Bundesland hervorheben.

Während der Landesverband in Nordrhein-Westfalen auf eine zehnjährige Tradition zurückblickt, sind die Wettbewerbe in den anderen Bundesländern noch in Kindesschuhen. Der baden-württembergische Landschaftsarchitektur-Preis lobte der hiesige Landesverband zum ersten Mal im Jahr 2021 aus, der Bayerische findet 2022 zum zweiten Mal statt. Wie sich die Landschaftsarchitektur-Preise als Spiegelbild der Profession entwickeln werden, das erfahren Sie auf der Garten + Landschaft.