Topotek 1 entwickelte in Zusammenarbeit mit Cobe Architects ein neues freiraumplanerisches Konzept für das Quartier Høje Taastrup nahe Kopenhagen. Foto: Hanns Joosten
Topotek 1 entwickelte in Zusammenarbeit mit Cobe Architects ein neues freiraumplanerisches Konzept für das Quartier Høje Taastrup nahe Kopenhagen. Foto: Hanns Joosten

Nahe der dänischen Hauptstadt Kopenhagen liegt das Quartier Høje Taastrup, ein in den 70er-Jahren entstandenes, wenig urban wirkendes Viertel. Für dieses entwickelte Topotek 1 in Zusammenarbeit mit Cobe Architects ein freiraumplanerisches Konzept. Eine zentrale Rolle nimmt dabei das Regenwassermanagement ein. Wie genau Topotek 1 Frei- und Erholungsraum schuf und gleichsam auf ökologische Herausforderungen Antworten fand, berichtet das Büro in seiner Projektvorstellung.

Holistische und nachhaltige Planungsansätze gefragt

In den herausfordernden Zeiten des Klimawandels müssen sich die Städte an die damit einhergehenden Veränderungen anpassen, um ihre Lebensqualitäten zu erhalten, zu stärken und auch für die Zukunft nachhaltige, gesunde und sichere Lebensräume zu schaffen. Um dies zu erreichen, müssen holistische und nachhaltige Planungsansätze der Stadtentwicklung gefunden und umgesetzt werden, die Themen auf unterschiedlichen Ebenen berücksichtigen und in einer zeitgemäßen räumlichen Strategie miteinander verzahnen. Dazu zählen soziale Themen genauso wie ökologische Aspekte, aber auch die Planung innovativer Verkehrskonzepte und ein klimaangepasstes Regenwassermanagement.

Nach dem Konzept von Topotek 1 und Cobe sollte mit einem urbanen Stadtpark ein zentrales grünes Herzstück für das Stadtviertel entstehen. Plan: Topotek 1
Nach dem Konzept von Topotek 1 und Cobe sollte mit einem urbanen Stadtpark ein zentrales grünes Herzstück für das Stadtviertel entstehen. Plan: Topotek 1

Neuer Stadtpark soll starken Niederschlag bewältigen

Mit dem Projekt „Downtown Høje Taastrup“ wurde in dem gleichnamigen Ort unweit der dänischen Hauptstadt Kopenhagen 2011 ein Ideenwettbewerb ausgeschrieben, um ein großes Gebiet der Gemeinde neu zu entwickeln. Das durch verschiedene städtebauliche Experimente zersplittert und wenig urban wirkende Viertel der Stadt entstand  in den 70er-Jahren. Unsere Vision für die Neuentwicklung Høje Taastrups war es, mit einem urbanen Stadtpark ein zentrales grünes Herzstück für das neue Stadtviertel zu schaffen, das die Stadt durch Aktivität und urbane Kultur reaktiviert. Gleichzeitig sollte der Stadtpark das Quartier mit einem gut ausgebauten Wegenetz für Radfahrer*innen und Fußgänger*innen erschließen und darüber hinaus geeignete räumliche Strukturen schaffen, um die künftig zu erwartenden starken Niederschlagsvorkommen zu bewältigen. Ein plötzlicher und außergewöhnlich starker Wolkenbruch hatte Kopenhagen im Sommer 2011 so erheblich belastet, dass es in vielen Bereichen zu Überflutungen gekommen war. Anschließende Bewertungen der örtlichen Gegebenheiten zeigten, dass der bestehende Schutz vor extremen Wetterereignissen nicht ausreichte, um Überschwemmungen in der Region in Zukunft zu verhindern.

Skatepark hält Regenwasser zurück

Das freiraumplanerische Konzept für das Quartier Høje Taastrup erarbeitete unser Büro in Kollaboration mit Cobe Architects aus Kopenhagen. Dieses antwortet mit einem innovativen und beispielhaften Lösungsansatz zur Klimaresilienz auf die heute umfassenden ökologischen Herausforderungen und Anforderungen an urbane Planungen. Mit einem mehrfach kodierten und vielfältig nutzbaren öffentlich-städtischen Freiraum etabliert es vom lokalen Bahnhof kommend über eine Strecke von einem Kilometer ein räumlich konsistentes „Rückgrat“ durch und in das gesamte Quartier. Im öffentlichen Raum der Nachbarschaft entfaltet dieses als ein beeindruckend langer Skatepark, der als attraktiver und einzigartiger Erholungsraum für Bewohner*innen und Besucher*innen dient und gleichzeitig Regenwasser zurückhält. Das Wassermanagement stellt einen zentralen Aspekt des Entwurfs dar: Die gebaute Topografie des Skateparks, die zugleich Wassergräben bildet, erstreckt sich über lange Abschnitte des Geländes, ergänzt von Staubecken und Regengärten. Das in den Gräben und Becken gesammelte Regenwasser wird zur Bewässerung der Grünflächen genutzt. Überschüssiges Wasser leiten zusätzliche, unterhalb des Geländes verlaufende Regen- und Abwasserleitungen weiter in einen offenen Teich. Damit bietet die Anlage ausreichend Kapazitäten, um den heute häufig zu erwartenden Starkregenereignissen mit bis zu 6 500 Kubikmetern standzuhalten.

Spiel und Sport, aber auch ruhiger Aufenthalt und Rückzug

Das neue Zentrum Høje Taastrups verknüpft unterschiedliche Funktionalitäten schlüssig miteinander: Ökologie und Nachhaltigkeit, Grün- und Erholungsräume, ein vielfältiges Spiel- und Aktivitätsangebot. Darüber hinaus fungiert der neu gestaltete Freiraum auch als infrastrukturelle Erschließungsachse für den Rad- und Fußgängerverkehr. Bei trockenen Wetterverhältnissen kann die gesamte Strecke zur Fortbewegung mit dem Fahrrad, mit Rollern, Inlineskates und Skateboards genutzt werden. Die besondere Qualität der Stadt Kopenhagen als Fahrradstadt wird damit in das angrenzende Umland ausgeweitet. Die langgestreckte Anlange dehnt sich zu weiteren Räumen aus und zieht sich an anderen Stellen zu eher linearen Konfigurationen zusammen, sodass sich die unterschiedlichen Aktivitäts- und Erholungsangebote im Sinne einer störungsfreien Nutzung räumlich voneinander separieren können – Spiel, Sport und Bewegung einerseits, ruhiger Aufenthalt, Rückzug und kontemplative Erholung andererseits, aber auch gemeinschaftliches Treffen, Picknick im Freien oder der Besuch eines Straßencafés.

Das gesammelte Regenwasser wird zur Bewässerung der Grünflächen eingesetzt. Hanns Joosten
Das gesammelte Regenwasser wird zur Bewässerung der Grünflächen eingesetzt. Hanns Joosten

Høje Taastrup: Beispiel für räumliche Mehrfachkodierung

Das umgesetzte Planungskonzept findet eine zeitgemäße Antwort auf die drängenden und vielschichtigen Themen unserer Zeit. Vor dem Hintergrund steigenden Bedarfs und höherer Anforderungen an öffentliche Räume und der begrenzten Verfügbarkeit an Flächenressourcen in urbanen Zentren liegt es nahe, infrastrukturelles Raummanagement zukünftig eher integrativ statt additiv zu denken und zu planen. Am Beispiel des Projekts in Høje Taastrup wird deutlich, dass räumliche Mehrfachkodierungen einwandfrei funktionieren und urbane Freiräume durch eine jeweils ganz individuelle örtliche Charakteristik bereichern können. Der dynamische, klima- und wetterbedingte Wechsel, der die parallelen Nutzungen jeweils immer nur temporär verfügbar macht, lehrt die Nutzer*innen mit den klimatischen Gegebenheiten und den sich wandelnden Wetterverhältnissen zu leben. Durch ein ganzheitliches städtebauliches Planungsverständnis und der spielerischen Konzeption eines ganzheitlichen Freiraums ist in Høje Taastrup ein vielfältiges Nutzungsangebot für die Bewohner*innen und Besucher*innen des Quartiers entstanden. Ein Ort der Wechselwirkung zwischen Architektur, Landschaft, Stadtraum und Programmierung, geprägt durch qualitative Besonderheit und identitätsstiftende Einzigartigkeit.

Das könnte Sie auch interessieren
Blick auf den Naschmarkt in Wien, im Vordergrund eine Kreuzung mit mehreren Autos, dahinter die Stände des Markts, im Hintergrund Häuserzeilen. Foto: Politikaner, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
Tatort Naschmarkt Wien – mehr Schein als sein?
ein-auto-das-eine-strasse-neben-hohen-gebauden-entlangfahrt--9y51C2_SVY
Wie Helsinki Mobilitätsflüsse als Planungsparameter in Echtzeit nutzt
hochwinkelfotografie-der-stadt-RvCbIQ0S-Lc
Wie funktionieren Prognosemodelle in der Stadtentwicklung?
luftaufnahme-einer-stadt-durch-die-ein-fluss-fliesst-P2d8SKdbjEE
Räume für mentale Gesundheit – wie Psychologie in die Planung kommt
Grijsen – Flächenentwicklung
Berta Kröger Platz: Alles im Fluss
Eine professionelle Planungsszene im Freiraum zum Thema Hoai Grundleistungen
Hoai Grundleistungen: Grundlagen, Ablauf und Praxis
Die Umweltverbände fordern
Umweltorganisationen kritisieren Symbolpolitik
Das Leuchten der Stille
menschen-die-auf-einer-strasse-gehen-BRo7ry8LL4A
Wie viel Schatten braucht ein Quartier? – Stadtteiltypologien im Test

Hauptrolle für den Hamburger Hafen

An prominenter Stelle hat Hamburg ein neues Stadtmöbelstück mit spektakulärer Beleuchtung bekommen: eine Hafenpromenade als Hochwasserschutzanlage von den Landungsbrücken bis zur Speicherstadt. Das Lichtkonzept zu der prägnanten Architektur von Zaha Hadid Architekten stammt vom Planungsbüro Schlotfeldt Licht. 

Es sieht heute leer aus im Hamburger Hafen. Noch vor wenigen Jahrzehnten tummelten sich auf der Norderelbe Boote, Schlepper, Frachter und Passagierschiffe – jetzt parken hier vor allem  Museums- und Ausflugsschiffe. Das Leben am Nordufer des Flusses hat sich verändert. In den frühen 1930er-Jahren diente das Elbufer an den Vorsetzen in Hamburg dem Güterumschlag. Zwischen Hochbahnviadukt und Kaimauer standen Schuppen und Kräne, wirkten See- und Schauerleute. Hier gab es dunkle Räume und dunkle Gestalten, aber auch lichte Momente und jeden Tag Lohn für Handarbeit.

Nach dem Zweiten Weltkrieg und zwei verheerenden Sturmfluten 1961 und 1978 schloss lange Zeit eine Hochwasserschutzanlage die Stadt vom Hafen und vom Wasser ab. Im Hafen war die Arbeit schmutzig und ölig – in der Stadt wich die produzierende immer mehr der administrativen Arbeit. Seit Container außerhalb des Stadtzentrums umgeschlagen werden und der Stückgutverkehr fast keine Rolle mehr spielt, die Freihafengrenze verlegt ist und die HafenCity mit großen Schritten wächst, gehören auch die alten Hafengebiete am Nordufer der Elbe zur Stadt. Sie wandelten sich vom Hinterhof zum Salon. Die Einfahrt der großen Kreuzfahrt- und Frachtschiffe ist eine Attraktion geworden und längst kein Tagesgeschäft mehr.

Stadt und Hafen

Die Flutschutzanlage hat den Charakter der Grenzlinie eingebüßt. Die Sportboote, Restaurants, Museumsschiffe und Musical-Theater am Südufer der Norderelbe gehören mehr zur Stadt als zum Hafenbetrieb. Dieser ist südlich der Norderelbe förmlich in den Hintergrund getreten. Spätestens 2006, als die Flutschutzanlage im Rahmen einer „Architektur Olympiade“ unter vielen Projekten in der Stadt zum Gegenstand einer architektonischen Neuinterpretation werden sollte, war klar, dass es hier zu einem signifikanten Wandel kommen musste. Zaha Hadid Architekten stellten sich der Aufgabe. Mit den für ihr Büro obligatorisch gerundeten Formen entwarf Hadid eine neue Promenade, die nicht nur flussauf- und -abwärts beschritten, sondern auch gequert werden kann. Der erste Bauabschnitt der Hafenpromenade – in unmittelbarer Nähe der Elbphilharmonie – ist jetzt fertig gestellt worden. Auf der Stadt- wie auf der Hafenseite sind Treppen wie Theaterforen ausgebildet.

Die Stadt hat in ihrem Wohnzimmer ein neues Möbelstück bekommen, dessen Stufen sich zum Sitzen eignen. Stadtflaneure können hier wie auf einem überdimensionierten Sofa verweilen und entweder das Stadtleben oder das Hafengeschehen wie auf einer Bühne verfolgen. Mit dem Unterschied, dass dieses Schauspiel nicht inszeniert wird – jedenfalls nicht im Regelfall. Spätestens bei einer Sturmflut dürften sich die Plätze in der ersten Reihe als ungemütlich erweisen. Die Assoziation vom Wasser ausgespülter Buchten, die dem Entwurfsgedanken der Treppenanlagen zugrunde liegt, fordert das Sicherheitsbedürfnis und die Angst vor der Flut heraus, die hinter dem Bau der Anlage stehen.

In jedem Fall ist hier ein vielfältig kommunikativer Raum entstanden, der Stadt- und Wasserseite miteinander verbindet und als Promenade gut funktioniert. Fast nebenbei dient das Bauwerk dem Hochwasserschutz. […]

Wie die Lichtplanung den Entwurf maßgeblich beeinflusste lesen Sie in Garten+Landschaft 03/2016 – Licht im Freiraum.

Promenade Niederhafen Hamburg
Bauherr: Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer, Hamburg
Architektur: Zaha Hadid Architects, London
Lichtplanung: Schlotfeldt Licht, Hamburg
Zeitraum: 2006 – 2015
Fläche: 625 Quadratmeter

Wettbewerbsübersicht März 2019 (2/2)

Quartierspark Linsingenkaserne in Hameln, 1. Preis hutterreimann Landschaftsarchitektur GmbH, Berlin

Interessiert an aktuellen Wettbewerbsergebnissen der Landschaftsarchitektur, aber kaum Zeit sich diese richtig anzuschauen? In der Wettbewerbsübersicht der G+L informiert Heike Vossen monatlich über die spannendsten Wettbewerbsergebnisse.

Umgestaltung des Marktplatzes in Witzenhausen, 1. Preis impuls Landschaftsarchitektur, Jena

Im Zentrum des geplanten Bildungs- und Gesundheitscampus auf dem ehemaligen Kasernengelände Linsingen soll ein Quartierspark entstehen. Das Planungsbüro hutterreimann Landschaftsarchitektur entwickelt den Park als quartiersverbindendes Element, das die Barriere der bisher abgeschlossenen Kaserne durchkreuzt. Dafür spannen die Planer ein Wegenetz auf und verknüpfen den Park über fünf „Ankerplätze“ an den Eingängen mit den angrenzenden Quartieren und dem Bildungscampus. Das Wegenetz teilt die Parkfläche in vier Grünflächen auf. In der formalen Ausgestaltung zwar ähnlich, weisen sie jeweils einen eigenständigen Charakter auf: Die „Arena“ im Nordwesten nimmt die Topographie des alten Exerzierplatzes auf und bietet sportliche Intensivflächen für Skaten, Streetball, Rollsport und Calisthenics. Extensivere Parkbereiche bilden im Süden die „feuchte Senke“, mit ihrer Retentionsmulde, die freie Wiese als offene Spielfläche, sowie das Wäldchen als Rückzugsort für Naturerlebnis und Rodelfläche im Winter.

 

Regenpromenade und –brücke Mitterdorf in Roding, 1. Preis DKFS Architects, London mit Lex Kerfers Landschaftsarchitekten und Stadtplaner, Bockhorn

impuls Landschaftsarchitektur überzeugte mit einer reduzierten, aber sehr differenzierten und zukunftsorientierten Entwurfsidee, die Ort und Historie berücksichtigt. Der Entwurf arbeitet den Platz als großes zusammenführendes Zentrum heraus. Das Rathaus rückt so in den Mittelpunkt und erhält als raumstarkes Gegenüber das Baumpaket der bestehenden Platanen. Südlich des Rathauses ergänzen zwei weitere Hochstämme die bestehende Platane zu einem Platanendach. Die beiden Baumdächer im Süden und Norden erhalten einen Formschnitt und bieten jeweils kompakte schattenspendende Aufenthaltsbereiche. Eine Reihenpflasterung aus Kleinstein fasst den Platz bis zu seinen Rändern. Der Innenbereich des Platzes hebt sich mit gesägter Oberfläche als Intarsie hervor. Sie nimmt die Fluchten des Rathauses auf und betont die zentrale Stellung des Gebäudes. Parallel der umfassenden Gebäudekanten verlaufen flache Entwässerungsrinnen aus Naturstein. Sie rahmen die Platzfläche zusätzlich, und ermöglichen, den Platz nahezu barrierefrei an die Gebäude anzubinden.

 

Die Stadt Roding will den Uferbereich des Regens im gegenüberliegenden Ortsteil Mitterdorf hochwassergerecht gestalten, sowie eine eigenständige Fuß- und Radwegeverbindung über den Regen schaffen. So wenig Gebautes und Befestigtes wie nötig, und so viel Grün wie möglich, lautet die Zielsetzung des Siegerteams aus DKFS Architects und Lex Kerfers Landschaftsarchitekten. Nicht das Design der Schutzanlagen, sondern deren Integration in die Naturlandschaft steht im Vordergrund. Die Brücke präsentiert sich skulptural anspruchsvoll, fügt sich aber zugleich unaufdringlich in die Landschaft ein. Die Hochwasserschutzmauer verläuft geschwungen, mit vorgelagerten Beetflächen und gliedernden Sitznischen. Die Uferpromenade führt relativ nah am Wasserspiegel entlang und bleibt frei von Einbauten. Die Öffnungen zum Uferraum lassen sich im Hochwasserfall schließen. Die Durchgänge bilden wie die Brücke inszenierte Ausblicke auf die Flusslandschaft und sind über Stufen oder Rampen an die Uferpromenade angebunden.