Echtzeit-Hitzedaten für adaptive Ampelschaltungen

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Verkehrsampel mit Fahrradschild in Deutschland, fotografiert von Tiark Tiwary

Hitzewellen in der Stadt? Die adaptive Ampel weiß schon, wie heiß es wirklich ist – und steuert den Verkehr, bevor Asphalt und Menschen kollabieren. Was bislang nach Zukunftsmusik klang, ist in innovativen Kommunen längst Realität: Mit Echtzeit-Hitzedaten werden Verkehrsströme flexibel, klimaintelligent und stadtverträglich geführt. Wie funktioniert das? Wer profitiert? Und warum ist das Thema in der deutschen Stadtplanung mehr als nur ein Hype?

  • Echtzeit-Hitzedaten: Sensorbasierte Erfassung und Bedeutung für die urbane Verkehrslenkung.
  • Adaptive Ampelschaltungen: Dynamische Steuerung zur Hitzeentlastung im Straßenraum.
  • Technische Grundlagen: Von IoT-Sensorik bis zu Cloud-gestützten Urban Data Platforms.
  • Praxisbeispiele aus Deutschland, Österreich und der Schweiz – und was internationale Vorreiter vormachen.
  • Stadtklima, Gesundheit und Mobilität: Synergien und Zielkonflikte im adaptiven Verkehrsmanagement.
  • Herausforderungen: Recht, Datenschutz, Akzeptanz und Governance.
  • Potenzial für nachhaltige Stadtentwicklung und lebenswerte Quartiere.
  • Fazit: Warum Echtzeit-Hitzedaten die Zukunft der urbanen Verkehrsplanung prägen werden.

Stadt unter Hitzestress: Warum Echtzeitdaten zur neuen Währung der Verkehrsplanung werden

Städte ächzen unter den Folgen des Klimawandels – Hitzetage häufen sich, tropische Nächte machen Betonwüsten zur Belastungsprobe und der Asphalt glüht in der Mittagssonne. Doch während die Meteorologen noch Durchschnittswerte melden, sind die Temperaturunterschiede im Stadtraum längst enorm: Asphaltflächen, enge Straßenschluchten oder sonnenexponierte Plätze heizen sich schneller und stärker auf als begrünte Areale. Was für die Meteorologie eine Nebensache ist, wird für die Stadtplanung zur hochrelevanten Information – vor allem, wenn es um die Steuerung des Verkehrs geht. Wer also den urbanen Hitzestress wirklich verstehen und bekämpfen will, braucht nicht nur historisierte Wetterstatistiken, sondern aktuelle, möglichst kleinteilige Daten direkt aus der Stadt.

Hier kommen Echtzeit-Hitzedaten ins Spiel. Sie werden in immer mehr Städten durch feinmaschige Netzwerke aus Sensoren, Messstationen und mobilen Endgeräten erhoben. Jeder Sensor misst dabei nicht nur die Temperatur, sondern oft auch Feuchte, Windgeschwindigkeit und sogar Oberflächentemperaturen von Straßen und Fassaden. Die Daten werden gebündelt, analysiert und auf digitalen Plattformen in Echtzeit zur Verfügung gestellt. So entsteht ein dynamisches Thermometer für die Stadt, das die tatsächlichen Bedingungen im Straßenraum sekundengenau abbildet.

Warum das relevant ist? Ganz einfach: Die Hitze in der Stadt ist kein gleichförmiges Phänomen, sondern hochdynamisch und ortsabhängig. Während sich eine Straßenseite im Schatten abkühlt, herrscht auf der anderen Seite Gluthitze. Wer mit diesen Unterschieden intelligent umgeht, kann die urbane Lebensqualität massiv verbessern – und vor allem den Verkehr gezielt steuern, um Hotspots zu entlasten. Adaptive Ampelschaltungen sind dabei der Schlüssel: Sie reagieren auf Echtzeit-Hitzedaten, verlängern Grünphasen in besonders belasteten Zonen, reduzieren den Kfz-Durchsatz bei extremer Hitze und priorisieren klimafreundliche Mobilitätsformen.

Die Wissenschaft hat gezeigt, dass Hitze nicht nur das Stadtklima belastet, sondern auch die Gesundheit der Bevölkerung. Hitzestress wirkt sich auf die Leistungsfähigkeit, das Unfallrisiko und sogar auf die Verkehrssicherheit aus. Wer diese Zusammenhänge ignoriert, plant an der Realität vorbei. Die neue Generation der Verkehrsplanung denkt deshalb in Echtzeit, vernetzt Klima- und Mobilitätsdaten und sucht nach dynamischen Lösungen für ein drängendes Problem. Dabei werden Planer zu Datenmanagern, Verkehrsingenieure zu Klimaexperten und Ampeln zu Klimaakteuren.

Die zentrale Frage lautet: Wie lassen sich die enormen Datenmengen aus Sensorik und Wettermodellen praktisch in die Steuerung von Verkehrsflüssen übersetzen? Welche Schnittstellen braucht es? Und wie kann sichergestellt werden, dass nicht nur der Verkehr effizienter, sondern auch das Stadtklima gesünder wird? Die Antworten darauf sind so spannend wie komplex – und sie markieren den Beginn einer neuen Ära der urbanen Prozessarchitektur.

Adaptive Ampelschaltungen: Wie intelligente Signalanlagen den Hitzekollaps verhindern

Adaptive Ampelschaltungen sind das Herzstück der klimaresilienten Verkehrssteuerung. Sie funktionieren wie ein lernfähiges Immunsystem für die Stadt: Sensoren erfassen kontinuierlich Temperatur, Luftfeuchte und andere klimarelevante Parameter an kritischen Punkten im Straßennetz. Diese Daten werden in Steuerzentralen zusammengeführt und in Echtzeit ausgewertet. Das eigentliche Kunststück besteht darin, die daraus abgeleiteten Informationen direkt in die Logik der Signalanlagen einzuspeisen – und so die Lichtsignale dynamisch an die aktuelle Hitze- und Belastungssituation anzupassen.

Ein praktisches Beispiel: Steigt die Temperatur in einem dicht bebauten Straßenzug an einem heißen Nachmittag auf bedenkliche Werte, kann die Ampelschaltung so verändert werden, dass der motorisierte Durchgangsverkehr gebremst wird. Die Grünphasen für den Autoverkehr werden verkürzt, der Durchsatz sinkt, die Aufenthaltsqualität steigt. Gleichzeitig werden Fußgängerüberwege und Radwege bevorzugt, damit Menschen schneller aus der Hitzezone herauskommen oder gar nicht erst unnötig lange auf dem sonnenexponierten Asphalt stehen müssen. Busse und Bahnen könnten in besonders belasteten Korridoren Vorrang erhalten, um die Nutzung des klimafreundlichen öffentlichen Verkehrs attraktiver zu machen.

Die technische Grundlage dafür sind hochverfügbare IoT-Sensoren, smarte Verkehrsleitrechner und cloudbasierte Urban Data Platforms, die alle relevanten Datenströme bündeln und automatisiert auswerten. Maschinelles Lernen und KI-Algorithmen helfen dabei, Muster im Hitzegeschehen zu erkennen und die Schaltlogik der Ampeln fortlaufend zu optimieren. Dabei geht es nicht nur um kurzfristige Anpassungen, sondern auch um die Entwicklung langfristiger Strategien für hitzeangepasste Verkehrsnetze.

Ein weiteres, nicht zu unterschätzendes Potenzial dieser Technologie liegt in der Kommunikation mit den Verkehrsteilnehmern. Digitale Anzeigetafeln, Apps und Navigationssysteme können Echtzeit-Hitzewarnungen ausspielen, alternative Routen vorschlagen oder zu bestimmten Tageszeiten bewusst klimafreundliche Verkehrsmittel empfehlen. So wird die adaptive Ampelschaltung zum Baustein einer umfassenden, partizipativen Hitzestrategie für die Stadt.

Doch adaptive Ampelschaltungen sind kein Selbstzweck – sie müssen in eine ganzheitliche, klimaorientierte Stadtentwicklung eingebettet werden. Nur wenn Stadtklima, Gesundheit und Mobilität als zusammenhängende Systeme begriffen werden, entfaltet die Technik ihr volles Potenzial. Dann wird aus der Ampel ein Klimaakteur – und aus der Stadt ein lernendes, resilienteres System.

Technische Grundlagen und urbane Datenplattformen: Von der Messstation zur intelligenten Stadtsteuerung

Die Grundlage für adaptive Ampelschaltungen auf Basis von Echtzeit-Hitzedaten bildet ein feinmaschiges Netz aus Sensorik, Datenübertragung und Analyseplattformen. Moderne Städte setzen dabei auf ein Zusammenspiel aus stationären Messstationen, mobilen Sensoren an Fahrzeugen, IoT-Geräten in der Straßeninfrastruktur und sogar Crowdsourcing-Ansätzen, bei denen Bürger mit ihren Smartphones Temperaturdaten liefern. Entscheidend ist die räumliche und zeitliche Granularität: Je dichter das Netz, desto genauer das Bild des urbanen Hitzegeschehens.

Die erfassten Daten werden meist über drahtlose Netzwerke wie LoRaWAN oder 5G an zentrale Server übertragen. Dort werden sie in Urban Data Platforms aggregiert, mit anderen Umweltdaten (zum Beispiel Luftqualität, Verkehrsdichte, Lärm) zusammengeführt und für die Analyse und Visualisierung aufbereitet. Diese Plattformen sind das Rückgrat der digitalen Stadtsteuerung: Sie ermöglichen nicht nur die Echtzeitauswertung, sondern auch die Entwicklung von Prognosemodellen, Simulationen und „Was-wäre-wenn“-Szenarien.

Ein zentrales Element ist die Interoperabilität: Die verschiedenen Datenquellen und Systeme müssen nahtlos zusammenarbeiten, um eine kohärente, handlungsrelevante Informationsbasis zu schaffen. Das setzt offene Schnittstellen, standardisierte Datenformate und eine klare Governance voraus. Nur so können die Informationen aus Hitzesensoren tatsächlich in die Steuerzentralen der Verkehrsampeln gelangen – und nicht in proprietären Datensilos versanden.

Die Einbindung von Künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen ermöglicht es, Muster zu erkennen, Vorhersagen zu treffen und die Steuerung der Ampelschaltungen fortlaufend zu optimieren. So können beispielsweise wiederkehrende Hitzemuster, saisonale Schwankungen oder lokale Besonderheiten automatisch berücksichtigt werden. Die Systeme lernen mit jeder Hitzewelle dazu – und machen die Stadtplanung adaptiver und resilienter.

Doch Technik allein reicht nicht. Es braucht auch eine rechtssichere, transparente und akzeptierte Datenarchitektur. Datenschutz, Zugriffsrechte und die Kontrolle über die Infrastruktur sind zentrale Themen. Nur wenn die Governance stimmt, kann die Technik ihr volles Potenzial entfalten – und die Stadt wirklich smarter und klimaresilienter machen.

Von Wien bis Zürich: Praxisbeispiele, internationale Vorbilder und die deutsche Realität

Ein Blick über den Tellerrand zeigt: Internationale Vorreiterstädte setzen bereits heute erfolgreich auf die Integration von Echtzeit-Hitzedaten in die Verkehrssteuerung. In Wien wurde im Rahmen des Projekts „Urban Heat Watch“ ein dichtes Netz aus Hitzesensoren installiert, das in Kombination mit digitalen Zwillingen die Steuerung von Ampeln, Bewässerungsanlagen und sogar temporären Verschattungsmaßnahmen ermöglicht. Hier werden Hitzedaten nicht nur gesammelt, sondern aktiv genutzt, um den Verkehr in kritischen Zonen zu beruhigen und die Aufenthaltsqualität zu verbessern.

Auch Zürich experimentiert mit adaptiven Ampelschaltungen, die auf Basis von Echtzeit-Klimadaten den Verkehrsfluss regulieren. Dabei steht die Gesundheit der Bevölkerung im Mittelpunkt: Besonders belastete Straßenabschnitte werden bei Hitze gezielt entschärft, alternative Mobilitätsformen gefördert und der öffentliche Nahverkehr priorisiert. Die Erfahrungen zeigen: Technisch ist vieles machbar, entscheidend ist jedoch die enge Zusammenarbeit zwischen Planungsämtern, Verkehrsbehörden und IT-Dienstleistern.

In Deutschland sind die Ansätze noch fragmentiert, aber vielversprechend. Hamburg hat im Rahmen des Smart City-Projekts erste Sensoren zur Erfassung von Temperatur und Luftqualität installiert, die perspektivisch auch in die Verkehrssteuerung einfließen sollen. München testet im Umfeld des Hauptbahnhofs adaptive Ampelschaltungen, die auf Umwelt- und Wetterdaten reagieren. In Köln laufen Pilotprojekte zur Integration von Urban Data Platforms, die langfristig auch Hitzedaten für die Verkehrslenkung nutzbar machen wollen.

Es zeigen sich jedoch auch Hürden: Rechtliche Unsicherheiten, Datenschutzfragen und die fehlende Standardisierung bremsen vielerorts die Umsetzung. Zudem ist die Integration der Technik in bestehende Infrastrukturen komplex – viele Ampelanlagen sind noch nicht für die Echtzeitsteuerung ausgelegt. Hinzu kommt die Frage der Akzeptanz: Werden adaptive Ampelschaltungen von den Bürgern als Fortschritt oder als Schikane wahrgenommen? Hier sind transparente Kommunikation und partizipative Ansätze gefragt.

Dennoch ist klar: Der Trend ist nicht aufzuhalten. Städte, die frühzeitig in die Entwicklung und Erprobung von Echtzeit-Hitzedaten und adaptiven Ampelschaltungen investieren, verschaffen sich einen entscheidenden Vorsprung – für die Lebensqualität, die Gesundheit und die Zukunftsfähigkeit ihrer Quartiere.

Stadtklima, Governance und Zukunftsperspektiven: Was jetzt zu tun ist

Die Integration von Echtzeit-Hitzedaten in die Verkehrssteuerung ist mehr als eine technische Herausforderung – sie ist ein Paradigmenwechsel in der Stadtplanung. Es geht darum, die Stadt als dynamisches System zu begreifen, in dem Klima, Mobilität und Lebensqualität untrennbar miteinander verbunden sind. Adaptive Ampelschaltungen auf Basis aktueller Klimadaten sind dabei nur der Anfang: Sie können als Türöffner für eine umfassende, klimaorientierte Prozessarchitektur dienen, in der alle relevanten Datenströme – von der Energieversorgung bis zur Gesundheitsvorsorge – in die Planung einfließen.

Wichtig ist ein klarer Governance-Rahmen: Wer steuert, überwacht und kontrolliert die Systeme? Wie werden Datenschutz und Datensouveränität gesichert? Wer entscheidet über die Prioritäten bei der Verkehrslenkung? Hier braucht es neue Formen der Zusammenarbeit zwischen Verwaltung, Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Offene Datenplattformen, transparente Entscheidungsprozesse und partizipative Gremien können helfen, das Vertrauen in die Technologie zu stärken und die Akzeptanz zu erhöhen.

Auch die Ausbildung und Weiterbildung der Fachkräfte ist entscheidend: Stadtplaner, Verkehrsingenieure und IT-Spezialisten müssen gemeinsam an neuen Lösungen arbeiten, interdisziplinär denken und handeln. Die Zeit der siloartigen Planung ist vorbei – gefragt sind Netzwerker, Datenmanager und Klimaexperten in Personalunion.

Die Zukunftsperspektive ist klar: Städte, die Echtzeit-Hitzedaten konsequent nutzen, werden resilienter, lebenswerter und wettbewerbsfähiger. Sie können gezielt auf Hitzewellen reagieren, vulnerable Gruppen schützen, die Aufenthaltsqualität steigern und den Verkehr nachhaltiger gestalten. Dabei werden nicht nur kurzfristige Anpassungen möglich, sondern auch langfristige Strategien für eine klimaangepasste Stadtentwicklung.

Doch der Weg dorthin ist steinig: Neben technischen und rechtlichen Herausforderungen sind auch kulturelle Barrieren zu überwinden. Es braucht Mut, Experimentierfreude und den Willen zur Veränderung – von der Verwaltung bis zur Politik, von der Fachplanung bis zur Bürgerschaft. Erst dann wird aus der Vision einer klimaresilienten, adaptiven Verkehrssteuerung gelebte Realität.

Fazit: Echtzeit-Hitzedaten und adaptive Ampeln – das Update für die urbane Zukunft

Echtzeit-Hitzedaten sind keine Spielerei, sondern ein elementarer Baustein der zukunftsfähigen Stadtentwicklung. Sie machen die unsichtbaren Belastungen der Hitze sichtbar, ermöglichen eine intelligente, adaptive Verkehrssteuerung und schaffen die Grundlage für eine klimaresiliente, lebenswerte Stadt. Adaptive Ampelschaltungen sind dabei das sichtbare Zeichen eines Paradigmenwechsels: Sie zeigen, dass technische Innovation und nachhaltige Stadtentwicklung kein Widerspruch sind – sondern sich gegenseitig bedingen.

Die Praxisbeispiele aus Wien, Zürich und ersten deutschen Pilotprojekten machen Mut: Wo Echtzeitdaten und adaptive Steuerung zusammenspielen, profitieren Stadtklima, Gesundheit und Mobilität gleichermaßen. Die Herausforderungen sind groß, aber lösbar – vorausgesetzt, Verwaltung, Politik und Bürgerschaft ziehen an einem Strang und begreifen die Digitalisierung als Chance zur Transformation.

Wer jetzt handelt, verschafft seiner Stadt einen echten Vorsprung: Für mehr Lebensqualität, Gesundheit und nachhaltige Mobilität. Wer zögert, wird von der Klimawirklichkeit überrollt – und von den digitalen Vorreitern abgehängt. Die Botschaft ist klar: Die Zukunft der Verkehrsplanung ist adaptiv, datengestützt und klimaintelligent. Willkommen im Zeitalter der Echtzeitstadt!

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Öffentlicher Raum: Symposium “RAUMaufZEIT”

In den vergangenen zehn Jahren ist in Praxis, Forschung und Lehre eine Konjunktur des Vorübergehenden zu verzeichnen. Temporäre Zwischennutzungen im Stadtraum, ephemere Stadtentwicklung, das scheinbar Ungeplante, das Experimentelle, Formen des Informellen, Provisorischen, performativer Urbanismus, selfmade city, urban gardening, Mikroplanung, hands-on- und handmade urbanism sind nur einige Stichworte, die diesen Trend beschreiben. Gelegentlich sind daher gewisse Ermüdungserscheinungen zu vernehmen, verbunden mit der Frage, ob sich das Thema nicht langsam abgearbeitet habe, da es zum allgemeinen fachlichen Wissens- und Planungskanon geworden ist. Dass dies nicht so ist, hat das Symposium RAUMaufZEIT bewiesen, das am 19. September an der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter stattfand. Initiiert wurde diese Tagung von Ulrich Berding, Florian Kluge und Willem-Jan Beeren, die sich seit langem mit öffentlichen Räumen beschäftigen. Ein immer wiederkehrendes Arbeitsprinzip war dabei die temporäre Intervention. Projekte und Denkweise haben sie in dem Buch „RAUMaufZEIT. Temporäre Interventionen im öffentlichen Raum“ in den Bänden 1 und 2 dokumentiert.

Mehr Information zum Projekt “kistenweise”: www.raumaufzeit.eu/kistenweise

 

Das Symposium RAUMaufZEIT sollte nun einen Schritt weitergehen. Gemeinsam wollten sie ihre Arbeit in einem Expertenkreis reflektieren und weiterentwickeln. Mittel- und langfristig soll über mehrere Schritte ein Expertennetzwerk aufgebaut werden, das sich in losem Verbund interdisziplinär austauscht, Projekte initiiert und weitere gemeinsame Symposien veranstaltet.

Eingeladen waren Experten aus diversen Disziplinen: Architekten, Stadtplaner, Landschaftsarchitekten, Kulturtheoretiker, Kuratoren, Bildungs- und Kunstwissenschaftler waren ebenso vertreten wie eine Reihe von (Aktions-) Künstlern, Filmemachern und Aktivisten partizipativer Kunst. Der Begriff RAUMaufZEIT spielt mit dem Moment des Augenblicks nicht nur als Beschreibung einer kurzen Zeitspanne, sondern immer in ihrer Wechselbeziehung mit Räumen. Insofern ist er klar umrissen, lässt zugleich aber genügend Spielraum für unterschiedliche Anwendungen und Erklärungsmuster. Genau dies spiegelte auch die Bandbreite der Zugänge wider, theoretisch-wissenschaftlich und praktisch-künstlerisch. Um dieses heterogene Spektrum unter einen Hut zu bekommen, wählten die Initiatoren probate Kommunikationsmittel: Zunächst stellten sich die beteiligten Experten mit einem Kurzvortrag im Pecha-Kucha-Modus (5 Minuten, 10 Folien im 30-Sekunden-Rhythmus) vor. Diese Methode stellte sich als sehr fruchtbar heraus, um die Polyphonie des Themas, seiner Methoden, Praktiken, Ziele und Fachsprachen zu verdeutlichen. Am Nachmittag stand dann die gemeinsame Arbeit im Vordergrund. In drei Gesprächsrunden im World-Café-Modus mit den Schwerpunkten „Projekte“, „Formate“ und „Forschung“ wurden gemeinsame Ansätze, Themen und Fragen identifiziert, diskutiert und weiterentwickelt.

Mehr Information zum Projekt “Spacemaker”: www.raumaufzeit.eu/spacemaker

 

Das Symposium zeigte, dass das Thema nicht aus der Mode kommt, sondern einer weiteren Beschäftigung bedarf: Anstehende Aufgaben sind die Qualifizierung, Differenzierung und Auseinandersetzung mit Interventionen als methodisches Handwerkszeug in Forschung und Planung (jenseits einer Festivalisierung öffentlicher Räume) sowie eine weitere theoretische Durchdringung. Der dritte Band der RAUMaufZEIT-Reihe wird die Expertenbeiträge unter dem Titel „Reflektionen – Positionen  – Haltungen“ publizieren. Ein guter Anfang, um weitere Prozesse anzuschieben. Weitere Informationen: www.raumaufzeit.eu

Weitere Wettbewerbsergebnisse im November 2020

Stadtpark auf ehemaliger Deponie, Rostock; 1. Preis RMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten, Köln

Interessiert an aktuellen Wettbewerbsergebnissen der Landschaftsarchitektur, aber kaum Zeit sich diese richtig anzuschauen? In der Wettbewerbsübersicht der G+L informiert Heike Vossen monatlich über die spannendsten Wettbewerbe. Hier die Wettbewerbsergebnisse im November 2020 – Teil 2.

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Rostock wandelt eine ehemalige Deponie zum Stadtpark um und schafft damit eine multifunktionale Grün- und Veranstaltungsfläche für die BUGA 2025. Der Siegerentwurf von RMP Stephan Lenzen sieht ein zentrales Freizeitplateau vor, mit sportlichen und spielerischen Aktivangeboten. Richtung Warnowufer fällt das Gelände in Terrassen und gibt den Blick frei zur gegenüberliegenden Altstadt. Die nutzungsintensive Mitte bettet sich in einen extensiv gestalteten Landschaftspark, der sogenannten Parkschale.

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Der Brüder-Grimm-Platz hatte im Laufe seiner Geschichte bereits viele Namen, bislang erinnert nur ein Denkmal an das märchenerzählende Brüderpaar, das hier mal gelebt haben soll. Mit „Grimms Wald“ knüpft der Siegerentwurf des Teams aus Landschaftsarchitekten club L94 und Verkehrsplanern Röver direkt an die Epik an, schafft aber dennoch einen zeitgenössischen Kontext. Mit einer kompakten Pflanzmitte aus Waldstauden, Farnen und Waldbäumen vermittelt der Entwurf spielerisch aber dennoch klar die starke Assoziation eines Märchenwaldes. Zusätzlich überrascht er mit der bepflanzten Kreisform – ein Rückgriff auf die frühere Platzgestalt vor über 100 Jahren, ein mit Bäumen gesäumtes Rondell. Gemeinsam mit der pentagonförmigen Platzkante entsteht so eine spannungsvolle Platzdynamik mit großzügigen Vorbereichen für die historischen Randbauten. Der Verkehrsraum zerschneidet zwar das Rund, wird in seiner Dimensionierung aber von den Planern stark reduziert.

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