Edge Computing in der Verkehrsinfrastruktur – kurze Wege, schnelle Daten

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Bahnhofsszene mit wartenden Reisenden in einer deutschen Stadt. Foto von Norbert Braun.

Edge Computing in der Verkehrsinfrastruktur ist weit mehr als nur ein Schlagwort für Technikbegeisterte: Es ist der Schlüssel zu Städten, in denen Verkehrsflüsse, Mobilitätsdaten und Infrastruktursteuerung in Echtzeit orchestriert werden. Wer wissen will, wie kurze Datenwege und schnelle Reaktionszeiten unsere Mobilität revolutionieren – und warum deutsche Städte dabei nicht länger zögern dürfen –, findet hier die Antworten, die anderswo fehlen.

  • Definition und Grundlagen von Edge Computing speziell im Kontext urbaner Verkehrsinfrastrukturen
  • Technologische Entwicklung: Von zentralen Rechenzentren zu dezentralen Edge-Lösungen
  • Relevanz und Anwendungsszenarien: Verkehrsmanagement, intelligente Ampeln, autonome Fahrzeuge und mehr
  • Chancen für klimaresiliente, nachhaltige und sichere Mobilität in Städten
  • Risiken, Herausforderungen und die besondere Situation im deutschsprachigen Raum
  • Governance, Datenhoheit und neue Rollen für Städte, Verwaltung und Planer
  • Zukunftsausblick: Wie Edge Computing das klassische Verständnis von Stadtplanung und Infrastrukturtransparenz verändert
  • Empfehlungen für Stadtplaner, Landschaftsarchitekten und Entscheidungsträger

Edge Computing: Kurze Wege, schnelle Daten – Das neue Nervensystem urbaner Mobilität

Wer heute einen Blick auf die Innovationslandschaft der Verkehrsinfrastruktur wirft, trifft zwangsläufig auf das Buzzword Edge Computing. Doch hinter diesem Schlagwort verbirgt sich weit mehr als ein weiteres Kapitel im fortlaufenden Digitalisierungsmärchen. Edge Computing ist das technische Rückgrat für urbane Systeme, die in Echtzeit auf Veränderungen reagieren müssen. Im Kern steht die Idee, Rechenleistung und Datenverarbeitung von zentralen Serverfarmen an den Rand – oder eben die „Edge“ – des Netzwerks zu verlagern. Was für IT-Architekten nach einer logischen Weiterentwicklung klingt, ist für Stadt- und Verkehrsplaner ein Paradigmenwechsel. Denn: Wo bislang Daten kilometerweit durch Netze und ins Rechenzentrum reisten, werden sie nun direkt an der Ampel, im Fahrbahnsensor oder an der Bushaltestelle verarbeitet – und ermöglichen so Reaktionszeiten, die mit klassischen Architekturen schlicht nicht erreichbar wären.

Der Vorteil? Er liegt auf der Hand – und auf der Straße: Verkehrsströme lassen sich nicht erst nachträglich auswerten, sondern im Moment der Entstehung analysieren und steuern. Wenn Sensoren an Kreuzungen, Fahrzeugen oder Bordsteinen Daten erfassen und diese direkt vor Ort verarbeiten, entstehen Steuerungsimpulse für Verkehrsampeln, Warnsysteme für autonome Fahrzeuge oder Hinweise für das städtische Leitsystem, noch bevor überhaupt ein zentrales System informiert wird. Das Ergebnis: Reduzierte Staubildung, mehr Sicherheit, optimierte Routen für den öffentlichen Nahverkehr – und nicht zuletzt eine deutlich geringere Belastung der zentralen IT-Infrastruktur.

Aber Edge Computing ist nicht einfach ein bisschen „dezentrale IT“, sondern eine hochgradig spezialisierte Architektur. Es geht um robuste, ausfallsichere Mini-Rechenzentren, die Wind, Wetter und Vandalismus trotzen, während sie unter Volllast Daten sortieren, analysieren und verschlüsseln. In der Praxis bedeutet das: Jede Kreuzung kann zum digitalen Hotspot werden, jeder Laternenmast zum Datenaggregator. Die Anforderungen an Planung, Betrieb und Wartung steigen – aber auch die Chancen.

Besonders spannend wird es, wenn man die Dimension der Echtzeit ins Spiel bringt. Verkehrsinfrastruktur war traditionell träge: Ampelphasen werden nach festen Plänen geschaltet, Störungen erst mit Verzögerung erkannt, Planungsdaten monatelang nachbearbeitet. Mit Edge Computing mutieren Städte zu dynamischen Ökosystemen: Sensoren erkennen ein erhöhtes Verkehrsaufkommen, passen die Ampelphasen in Sekundenschnelle an, informieren parallel die städtische Verkehrsleitstelle und liefern anonymisierte Daten für die langfristige Planung. Alles in Sekundenbruchteilen – und ohne dass die Daten erst durch das Nadelöhr zentraler Server schleichen müssen.

Für Stadtplaner und Landschaftsarchitekten eröffnet sich damit ein neues Spielfeld: Die Verkehrsfläche wird zur Datenfläche, die Gestaltung des Stadtraums zur Gestaltung digitaler Infrastrukturen. Wer künftig Plätze, Straßen oder Parks plant, muss wissen, wie Edge-Komponenten integriert, gewartet und gestalterisch eingebunden werden. Denn das neue Nervensystem der Stadt ist nicht mehr unsichtbar – es ist Teil des öffentlichen Raums.

Technologien, Praxisbeispiele und Anwendungsszenarien: Edge Computing im Einsatz

Was bedeutet Edge Computing konkret für die Verkehrsplanung in Städten? Die Technologie ist keine abstrakte Vision, sondern längst Realität in innovativen Metropolen. Intelligente Ampeln, die Verkehrsströme nicht mehr nach starren Zeitplänen, sondern auf Basis von Echtzeitdaten schalten, sind das prominenteste Beispiel. In Kopenhagen etwa steuern Edge-basierte Systeme die Lichtsignalanlagen und priorisieren Radfahrer oder Rettungsfahrzeuge, sobald entsprechende Sensordaten eintreffen.

Ein weiteres Feld sind smarte Parkraumsysteme: Sensoren in Parkbuchten erkennen freie Plätze, leiten diese Information via Edge-Geräten in lokale Apps und Verkehrssteuerungen weiter. Die Daten werden vor Ort aggregiert, gefiltert und anonymisiert, sodass sensible Informationen gar nicht erst die Stadtgrenzen verlassen. In Barcelona kommt ein solches System bereits auf mehreren tausend Stellplätzen zum Einsatz – und spart nachweislich Suchverkehr, Emissionen und Frust.

Autonome Fahrzeuge setzen auf Edge Computing, um sicher und effizient durch den urbanen Dschungel zu navigieren. Bordcomputer analysieren Umgebungsdaten, erkennen Fußgänger, Radfahrer oder Baustellen und treffen in Millisekunden Entscheidungen – unterstützt von Edge-Geräten, die an den Straßenrändern als digitale Verkehrswächter agieren. Hier zeigt sich: Ohne Edge Computing wären autonome Flotten im dichten Stadtverkehr eine Hochrisikotechnologie.

Auch im Bereich des Verkehrsmanagements auf Makroebene bringt Edge Computing neue Möglichkeiten: Sensoren in Asphalt, Brücken oder Tunnelwänden liefern permanente Zustandsdaten an lokale Edge-Knoten, die Materialermüdung, Wetterextreme oder Überlastung erkennen – und bei Bedarf sofortige Warnungen an Wartungsteams oder Verkehrsmanagementzentralen auslösen. Das spart nicht nur Kosten, sondern kann im Ernstfall Leben retten.

Ein weiteres Beispiel ist die intelligente Steuerung von öffentlichem Nahverkehr: Busse, Bahnen und Haltestellen werden mit Edge-Geräten ausgestattet, die Verspätungen, Auslastungen und Fahrgastströme erfassen und in Echtzeit anpassen. In Singapur und Seoul sind solche Systeme bereits Alltag – in Deutschland noch die Ausnahme, aber erste Pilotprojekte in Hamburg oder München zeigen, dass der Trend auch hier ankommt.

Chancen für nachhaltige, resiliente und sichere Städte

Edge Computing ist kein Selbstzweck – es ist ein Instrument, um urbane Herausforderungen intelligenter und nachhaltiger zu bewältigen. Einer der größten Vorteile liegt in der Möglichkeit, Verkehrsflüsse ökologisch zu optimieren. Wenn Staus in Echtzeit erkannt und umgeleitet werden, wenn Ampelschaltungen den ÖPNV oder den Radverkehr bevorzugen, sinken Emissionen und Lärmbelastung messbar. Für Städte, die Klimaziele erreichen wollen, ist das ein Gamechanger.

Auch die Resilienz urbaner Systeme profitiert: Edge Computing ermöglicht es, kritische Infrastrukturen dezentral zu überwachen und zu steuern. Fällt ein zentraler Server aus, läuft der lokale Verkehr weiter – abgesichert durch die Intelligenz vor Ort. Bei Extremereignissen wie Starkregen, Glätte oder Großveranstaltungen können Edge-Geräte flexibel reagieren, Informationen bündeln und gezielt an die richtigen Stellen weitergeben. Das macht die Stadt widerstandsfähiger gegen Störungen und Angriffe.

Ein weiteres Plus: Der Datenschutz. Während zentrale Systeme oft Unmengen personenbezogener Daten erfassen und speichern, erlaubt Edge Computing die lokale Anonymisierung und Auswertung. Sensible Informationen müssen gar nicht erst global verteilt werden – ein wichtiger Punkt, gerade in Deutschland, wo Datenschutz und Datensouveränität zu Recht hoch im Kurs stehen. Das stärkt das Vertrauen der Bürger in smarte Mobilitätsangebote und öffnet die Tür für neue Beteiligungsformate.

Für die Sicherheit im Straßenverkehr ist Edge Computing ein echter Quantensprung. Gefahrenstellen, Unfälle oder gefährliche Wetterlagen können blitzschnell erkannt und kommuniziert werden. Fußgängerüberwege werden automatisch gesichert, wenn Kinder am Straßenrand stehen, Notbremsassistenten erhalten in Echtzeit Warnungen aus der Infrastruktur. Das ist keine Science-Fiction, sondern bereits in Pilotversuchen nachgewiesen.

Nicht zuletzt schafft Edge Computing neue Möglichkeiten für die Entwicklung urbaner Räume. Dynamische Verkehrssteuerung, flexible Nutzung von Straßenräumen, temporäre Umnutzungen – all das wird durch die Kombination aus lokalen Daten und schnellen Entscheidungswegen erst praktikabel. Planer können auf aktuelle Nutzungsdaten reagieren und den Stadtraum an wechselnde Bedürfnisse anpassen. Das ist die Basis für eine wirklich adaptive, menschenzentrierte Stadtgestaltung.

Herausforderungen, Risiken und die besondere Rolle deutscher Städte

So verheißungsvoll Edge Computing klingt – die Umsetzung in der Fläche ist alles andere als trivial. Deutsche Städte stehen vor einer Reihe von Hürden, die technischer, organisatorischer und kultureller Natur sind. Ein zentraler Knackpunkt ist die Interoperabilität: Edge-Systeme verschiedener Hersteller müssen nahtlos zusammenarbeiten, offene Schnittstellen sind Pflicht. Doch vielerorts herrscht noch Insellösung statt Plattformdenken, Standards fehlen, und die Abstimmung zwischen Verkehrsplanung, IT-Abteilungen und Stadtwerken ist oft mühsam.

Auch datenschutzrechtlich ist Vorsicht geboten. Zwar erlaubt Edge Computing die lokale Verarbeitung, doch wer garantiert, dass Daten nicht doch missbraucht oder unzureichend anonymisiert werden? Kommunen benötigen klare Governance-Strukturen, technische Audits und transparente Kommunikationsstrategien. Der schlichte Einbau von Sensorik reicht nicht – es braucht eine bewusste, reflektierte Integration in die gesamte städtische Infrastrukturpolitik.

Die Finanzierung ist ein weiteres Thema: Edge-Infrastruktur ist teuer, Wartung und Betrieb erfordern spezialisierte Fachkräfte. Förderprogramme existieren, etwa im Rahmen der Smart City Initiativen des Bundes, aber häufig fehlt es an langfristiger Planungssicherheit. Viele Städte starten Pilotprojekte, die nach Ablauf der Förderperiode wieder einschlafen – das ist weder nachhaltig noch innovativ.

Hinzu kommt die kulturelle Herausforderung. Edge Computing ist mehr als nur eine technische Innovation – es ist ein Kulturwandel. Stadtplanung muss sich öffnen für neue Rollen: IT-Experten, Datenspezialisten, Verkehrsanalysten und Designer arbeiten künftig Hand in Hand. Die klassische Trennung zwischen Planung und Betrieb, zwischen Hardware und Gestalt, weicht auf. Nicht jede Verwaltung ist darauf vorbereitet – und nicht jeder Planer bereit, sich auf die neue Komplexität einzulassen.

Zuletzt besteht die Gefahr, dass die Steuerung urbaner Mobilität zu stark von Algorithmen und proprietären Systemen dominiert wird. Wer entscheidet, wie Ampeln geschaltet werden? Wer überprüft, dass Fairness und Nachhaltigkeit nicht der Effizienz geopfert werden? Städte müssen ihre Souveränität bewahren, strategische Kompetenzen aufbauen und bei der Auswahl von Partnern und Technologien auf Offenheit und Transparenz bestehen. Nur dann wird Edge Computing zum demokratischen Werkzeug – und nicht zum trojanischen Pferd privater Interessen.

Fazit: Edge Computing als Chance für eine neue Stadtplanungskultur

Edge Computing ist gekommen, um zu bleiben – und es wird die Stadtplanung, Verkehrssteuerung und Infrastrukturentwicklung tiefgreifend verändern. Wer heute noch glaubt, es handele sich um eine technische Spielerei, unterschätzt das Potenzial radikal. Kurze Wege und schnelle Daten ermöglichen es, Mobilität in Echtzeit zu gestalten, Räume flexibel zu nutzen und auf Herausforderungen sofort zu reagieren. Für Planer, Stadtentwickler und Landschaftsarchitekten ist Edge Computing damit kein Nice-to-have, sondern ein Muss, wenn Städte nachhaltig, resilient und lebenswert bleiben sollen.

Natürlich ist der Weg dorthin gepflastert mit Herausforderungen: Technische Standards müssen geschaffen, Datenschutz gesichert, neue Kompetenzen aufgebaut werden. Doch die Chancen überwiegen klar: Für eine adaptive, klimaresiliente Stadt, für mehr Transparenz und Partizipation, für eine Mobilität, die sich an den Menschen und nicht an der Technik orientiert. Wer jetzt in Edge Computing investiert, gestaltet die Zukunft urbaner Infrastruktur – und sorgt dafür, dass unsere Städte nicht nur smarter, sondern auch lebenswerter werden.

Zusammengefasst: Edge Computing ist kein weiteres Technik-Gadget, sondern der missing link zwischen digitaler Innovation und urbaner Lebensqualität. Es ist die Einladung an alle Planer, sich auf neue Wege einzulassen, alte Routinen zu hinterfragen und gemeinsam an einer Stadt der kurzen Wege und schnellen Daten zu bauen. Denn eines ist sicher: Die Zukunft wartet nicht – sie wird am Rand entschieden.

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Mit seinem einzigartigen Look verbindet der Experimenta-Platz in Heilbronn, gestaltet von uniola AG und von K GmbH, die prägnanten Bauten und die Parkflächen der Kraneninsel. Foto: von K GmbH
Mit seinem einzigartigen Look verbindet der Experimenta-Platz in Heilbronn, gestaltet von uniola AG und von K GmbH, die prägnanten Bauten und die Parkflächen der Kraneninsel. Foto: von K GmbH

Von der repräsentativen Freifläche zur grünen Stadtoase: Seit 2019 entwickelt sich der zentrale Platz auf der Kraneninsel in Heilbronn kontinuierlich weiter. Mit Nebelanlage und Klimawald ist er jetzt ein urbaner Ort zum Durchatmen. Die Büros von K GmbH und uniola AG berichten in ihrer Projektvorstellung über dessen Gestaltung.

Kontinuierliche Weiterentwicklung

Die experimenta im baden-württembergischen Heilbronn gilt mit rund 25 000 Quadratmeter Fläche als das größte Science Center Deutschlands. Menschen aller Alternsgruppen bekommen hier die Möglichkeit, Naturwissenschaft und Technik zu entdecken und zu begreifen. Verortet ist die Lern- und Erlebniswelt mitten im Stadtzentrum von Heilbronn auf der Kraneninsel im Neckaruferpark. Dabei wurde die ursprüngliche Wissensausstellung im historischen Hagenbucher-Speicher im Jahr 2019 zur Bundesgartenschau (BUGA) um einen Neubau – ebenfalls auf der Neckarinsel – erweitert.

Zwischen dem alten und neuen experimenta-Gebäude spannt sich jetzt ein rund 7 000 Quadratmeter großer Platz. Die repräsentative Fläche, die zur Eröffnung der Bundesgartenschau 2019 fertiggestellt wurde, stellt mit ihrer Gestaltung die visuelle Verbindung zwischen dem ursprünglichen Gebäude und dem futuristischen Neubau dar. Seither entwickelt sich der Platz optisch als auch in seiner Funktionalität kontinuierlich weiter, wie die folgende Beschreibung der gestalterischen Etappen zeigt – vom charakteristischen Look bis hin zur klimawirksamen Begrünung.

Architektonisches Bindeglied

Die erste gestalterische Planung des Experimenta-Platzes entwarfen die Landschaftsarchitekt*innen der uniola AG anhand des Wettbewerbskonzeptes, das durch das Büro von K GmbH baulich umgesetzt wurde. Seit der Fertigstellung 2019 hat das Team der von K GmbH die Freianlagen mehrfach auf Basis der ursprünglichen Gestaltung weiterentwickelt. Optisch präsentiert sich der Platz mit Wiedererkennungswert: Als homogener Teppich verbindet er die Parkflächen der Kraneninsel mit den beiden prägnanten Bauten und nimmt mit dem Neckar über terrassierte Sitzstufen Kontakt im Kontext der angrenzenden Wasseranlagen auf. Das Kleinsteinpflaster aus Basanitgestein wurde im wilden Verband (Passe) verlegt und erstreckt sich bis an die westlich angrenzende Kranenstraße, die in enger Abstimmung mit der Stadt umgewidmet wurde. In Anlehnung an die Gebäudeform sind fünfeckige Intarsien aus sandsteinartigem Betonwerkstein in die Pflasterfläche integriert, die der Außenfläche einen eigenständigen Charakter mit Wiedererkennungswert verschaffen. Über den Platz verteilt befinden sich mehrere Bauminseln mit lichten Bäumen. Die polygonalen Randeinfassungen, die gleichzeitig als Sitzgelegenheiten dienen, greifen den architektonischen roten Faden auf und führen ihn stimmig fort. Bei Nacht wird die Außenfläche stimmungsvoll in Szene gesetzt: Unterschiedlich hohe Mastleuchten illuminieren die Gebäude und den gesamten Platz.

Vom blühenden Park zur Dauervegetation

Auch nach der BUGA 2019 haben die Landschaftsarchitekt*innen der von K GmbH maßgeblich an der sukzessiven gestalterischen Weiterentwicklung des experimenta-Geländes und der Kraneninsel mitgewirkt. Das Büro wurde mit der Ausarbeitung der neuen Pflanz- und Pflegekonzepte beauftragt: Es galt, die rund 900 Quadratmeter große Wechselflorflächen auf dem stark frequentierten Platz in eine Daueranlage umzuwandeln und die Arbeiten zu koordinieren. Dazu haben die von-K-Planer*innen die Anordnung der Beete modifiziert und mit naturnahen Gehölzen, Stauden und frühblühenden Blumenzwiebeln bepflanzt. Auch die bestehenden Bauminseln haben sie überarbeitet und die Wege neu strukturiert. Die repräsentative, ökologisch hochwertige Anlage ist dank zentraler Lage auch nach der BUGA ein viel frequentierter Ort in Heilbronn mit hoher Aufenthaltsqualität.

Um den durchschnittlichen Pflegeaufwand zu optimieren, werden die Vegetationsflächen auf dem Experimenta-Platz jetzt mit einem intelligenten System bewässert: Die moderne Steuerung erfolgt nicht über eine gängige Zeitschaltuhr, sondern nutzt meteorologische Wetterdaten. Die Bewässerung der Pflanzen erfolgt somit nur dann, wenn sie wirklich gebraucht wird – also beispielsweise nicht, wenn starke Regenfälle erwartet werden. So wird auch der Wasserverbrauch minimiert.

Weichen neu stellen fürs städtische Klima

Städte und Gemeinden – besonders die dicht bebauten Innenstädte – stellen durch den Klimawandel-bedingten Temperaturanstieg zunehmend Hitzeinseln dar, vor allem in den Sommermonaten. Eine nachhaltige und dynamische Stadtentwicklung braucht deshalb zahlreiche durchdachte Maßnahmen, die den Klimaschutz und die Klimaresilienz im Blick haben: Mehr Grün, mehr Wasser, weniger Asphalt und Beton tragen zu einem besseren Mikroklima bei und sorgen damit für mehr Lebensqualität. Mit der Entscheidung der Bauherren, einen sogenannten AI-Pavillon am Experimanta-Platz zu errichten, konnte auch der gesamte Freiraum mit Fokus auf die klimaresilienten Bedingungen neu gedacht werden. In bewährter Zusammenarbeit zwischen der uniola AG und von K GmbH entstand in kürzester Zeit eine Platzaufwertung, die ihresgleichen sucht. Nach dem Motto „Der Experimenta-Platz soll grüner werden“ trägt die Umgestaltung den klimatischen und nachhaltigen Anforderungen Rechnung und leistet ebenfalls einen Beitrag dazu, das innerstädtische Klima in Heilbronn gesamthaft zu verbessern. Im neuen AI-Pavillon dreht sich jetzt alles rund um das Thema Künstliche Intelligenz (KI). Besucherinnen und Besucher erhalten dort einen spannenden Einblick in die Technologie und können vor Ort KI-Anwendungen testen.

Über den Experimenta-Platz verteilt befinden sich mehrere Inseln mit lichten Bäumen. Foto: von K GmbH
Über den Experimenta-Platz verteilt befinden sich mehrere Inseln mit lichten Bäumen. Foto: von K GmbH

Zukunftsbäume und Blühwiese für mehr Klimaschutz

Die dafür erforderliche Umgestaltung des Platzes basiert erneut auf einem Konzept der Landschaftsarchitekt*innen der uniola AG; die federführende Umsetzung aller Leistungsphasen oblag dem Büro von K in einer Arbeitsgemeinschaft. Um die Lebens- und Luftqualität in der Stadtmitte nachhaltig zu verbessern, wurden die bisherige Belagsfläche weitmöglichst entsiegelt, um Raum zu schaffen für grüne Inseln mit kühlendem Waldcharakter.

Für die bepflanzten Oasen bestand der Wunsch, dass sie mit abwechslungs- und möglichst blütenreicher Optik das ganze Jahr begeistern und eine große Artenvielfalt bieten. Bei der Auswahl der Gehölze galt es zudem zu berücksichtigen, dass sie den extremen Standortfaktoren gewachsen sein müssen: Teile des Experimenta-Platzes sind unterbaut und bieten damit wenig Wurzelraum. Die Versiegelung sowie rückstrahlende Fassadenwände sorgen zudem für eine hohe Hitzeentwicklung besonders in der heißen Jahreszeit. Die beiden Waldoasen wurden deswegen auf modelliertem Gelände erhöht angelegt (rund 1,20 Meter). Ein spezielles Leichtsubstrat versorgt das eingepflanzte Grün zuverlässig dank hoher Wasserhaltekapazität. Bei der Auswahl der Gehölze hatte das Büro von K sowohl die heimische Flora und Fauna als auch den Klimawandel im Blick: In den beiden Baum-Arealen des Platzes wurden sogenannte „Zukunftsgehölze“ gepflanzt – also solche, die sich den wandelnden Klimabedingungen anpassen können oder bekanntermaßen mit extremem Klima wie Trockenheit gut zurechtkommen. Wo es möglich war, fiel die Wahl auf heimische Pflanzen. Entstanden ist ein sogenannter „Klimawald“, in dem sich zum Teil die ursprünglichen Weiden wiederfinden, aber auch Waldkiefern, die Himalaja-Birke, die Mehlbeere oder der Rot-Ahorn für farbliche Akzente. Als Kleingehölze ergänzen beispielsweise die Kupferfelsbirne und die Winter-Heckenkirsche die Bepflanzung sowie trockenheitsresistente Gräser. Immergrüne Gehölze wie die Duftblüte sorgen zudem für Attraktivität im Winter.

Nebelanlage für Abkühlung

Neben der Gehölzpflanzungen wurde auch eine Blühwiese zum Erhalt der Biodiversität angelegt. Die bunten Weiden – teilweise mit Wildblumen sowie mit Kräutern und Gräsern aus heimischer Saat – bieten Insekten und anderen Kleinstlebewesen den dringend benötigten Nist- und Lebensraum sowie ein großes Nahrungsangebot; gleichzeitig sind sie eine Augenweide für Spaziergänger*innen und Passant*innen. Durch die teilweise Entsiegelung des Platzes entstanden zudem mehr offene Flächen, die eine bessere Regenwasserversickerung ermöglichen.

Ebenfalls mit Blick auf die Verbesserung der Klimaresilienz sorgt jetzt eine Nebelanlage für Abkühlung der Passant*innen an heißen Tagen. Auch die Umwelt wird durch die feuchte Luft positiv beeinflusst: Durch den zeitlich gesteuerten Wassernebel können die Außentemperaturen in der direkten Umgebung um mehrere Grade gesenkt werden – gerade in der Nähe von steinernen Oberflächen wie Böden und Fassaden ist der positive Effekt besonders spürbar und nützlich.

Intelligente Zufahrtssteuerung

Im Zuge der Neugestaltung des Experimenta-Platzes hat von K auch die Verkehrsanlagenplanung für die Kraneninsel (Belastungsklasse 3,2) übernommen: Dazu zählt die Planung einer Ampelanlage, die Optimierung der Fahrbahnbreite im Zuge der Entsiegelungsmaßnahmen und die Schaffung von Ausweichstellen für LKW. Die von-K-Landschaftsarchitekt*innen haben in ihrem Konzept zudem eine Stellplatzanlage für autonome Busse integriert und – in Abstimmung mit der Feuerwehr, der Stadt Heilbronn sowie den Betreibern der experimenta – eine sichere Zufahrtskontrolle entwickelt, welche nur den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der experimenta und der Stadtverwaltung die Zufahrt auf die Kraneninsel gestattet. Durch die Nutzung von Senkpollern wird die Zufahrt von Lieferfahrzeugen gesteuert und deren Zugang zur Platzfläche ermöglicht. Wer dorthin möchte, muss sich per Chip authentifizieren oder klingeln. Auch die automatische Erkennung des Fahrzeugkennzeichens ist möglich.

Seit der Einweihung des neugestalteten Experimenta-Platzes im Juni 2024 zeigen die Besucherinnen und Besucher, dass die lokalen Verbesserungen des Klimas gelungen sind und gut ankommen: An den heißen Tagen im Sommer haben sich die Passant*innen in den Sprühnebel gestellt, um die kühle Erfrischung zu genießen. Wer eine kurze Pause zum Ausruhen braucht, findet jetzt einen Sitzplatz im Schatten eines Baumes. Zudem ist eine Langzeitmessung der Temperatur- und Klimaentwicklung auf dem Platz geplant; diese wird neben den subjektiv fühlbaren Verbesserungen auch messbare Ergebnisse zur Abkühlung des Areals ergeben.

Unternehmensporträt

Außenräume nachhaltig gestalten, Grün- und Freiflächen zum Wohlfühlen schaffen sowie individuelle Gärten planen – das macht von K Landschaftsarchitektur mit Leidenschaft und Know-how. Gegründet 2017 im baden-württembergischen Ostfildern, ist das junge Unternehmen auf der Filderebene beheimatet. Von dort aus und remote arbeiten rund 20 Mitarbeitende für Projekte weit über den Ballungsraum Stuttgart hinaus; seit 2024 auch am zweiten Standort in Denkendorf, wo von K Platz geschaffen hat für ein dynamisch wachsendes Team.

Mit einem hohen Anspruch an Qualität, Kreativität und der Liebe zum Detail haben sich die von-K-Landschaftsarchitekt*innen einen Namen gemacht. Auch deren zentralen Werte und ihre Arbeitsweise kommen gut an: Von K punktet mit Zuverlässigkeit, Termintreue, Professionalität und Fairness. Private, gewerbliche und kommunale Bauherren schätzen das Büro als erfahrene Berater*innen und Planer*innen von wirtschaftlich durchdachten und authentischen Landschaftskonzepten. Große Vorzeigeprojekte belegen dies. Dazu gehören beispielsweise die Gestaltung des Bildungscampus und des Platzes rund um die Lern- und Erlebniswelt experimenta in Heilbronn für die Dieter-Schwarz-Gruppe.

Ungenutzte Brückenkonstruktionen können im urbanen Umfeld ungeahnte Möglichkeiten bieten. Berühmtestes Vorbild für eine aufgeständerte Nachnutzung ist wohl der New Yorker High Line Park, gelegen auf einer stillgelegten Hochbahntrasse. Eine ähnliche Strategie verfolgt die Stadtverwaltung von Seoul: ein groß angelegtes Stadtentwicklungsprogramm soll die Stadt grüner und für Fußgänger attraktiver gestalten. Herzstück der Planung ist dabei der kürzlich eröffnete Seoullo 7017 Skygarden von MVRDV.

Transformation einer Hochstraße zum Park

Freiräume sind in Seoul ein seltenes Gut. Die Bevölkerungsdichte ist rund viermal so hoch wie in Berlin und das Zentrum ist von versiegelten Verkehrsflächen geprägt. Nach der Umsetzung des städtischen Programms, wurde eine rund einen Kilometer lange Hochstraße vom Verkehr befreit. Die Architekten des niederländischen Büros MVRDV gewannen die Ausschreibung im Jahr 2015 und verwandelten die ehemalige Stadtautobahn in einen attraktiven städtischen Park. Das verästelte, geschwungene Brückenbauwerk stellt damit eine wichtige Fußgängerverbindung im unmittelbaren Umfeld des Hauptbahnhofs dar.

Pflanzenbibliothek aus 24 000 Pflanzen

Der Seoullo 7017 Skygarden zieht seine Besucher in erster Linie durch seine einzigartigen Blickbeziehungen aus 16 Metern Höhe an. 228 verschiedenen Pflanzenarten sind nach dem südkoreanischen Alphabet sortiert und verdeutlichen die Vielfalt heimischer Gewächse. Die insgesamt 24 000 Pflanzen sind in mehreren kleinen Gärten zusammengefasst, welche jeweils einen eigenen Charakter haben. Die Zahlenkombination „7017“ bezieht sich auf die Eröffnungsjahre der Stadtautobahn 1970 und des Parks 2017.