Elektromobilität: Chancen und Herausforderungen

Elektromobilität spielt eine wichtige Rolle in der Stadtplanung. Foto von Vlad B auf Unsplash

Die Elektromobilität spielt eine zentrale Rolle in der Entwicklung nachhaltiger urbaner Verkehrssysteme. Doch der Ausbau erfordert umfangreiche Anpassungen in Stadtplanung, Infrastruktur und Verkehrsfluss. Intelligente Konzepte sind erforderlich, um Elektromobilität effizient in das städtische Gefüge zu integrieren.

Herausforderungen der Elektromobilität

Ladeinfrastruktur: Das Rückgrat der Mobilitätswende

Eine flächendeckende Ladeinfrastruktur ist essenziell für die Akzeptanz von Elektrofahrzeugen. In dicht bebauten Städten stellt sich jedoch die Frage, wo Ladesäulen sinnvoll platziert werden können, ohne den Verkehrsfluss oder das Stadtbild zu beeinträchtigen. Kommunen müssen Ladepunkte strategisch an stark frequentierten Standorten wie Parkhäusern, Einkaufszentren oder Bahnhöfen integrieren.

Ein Beispiel für eine erfolgreiche Umsetzung liefert Amsterdam. Hier wurden flächendeckende Lademöglichkeiten geschaffen, wobei Bewohner bei Bedarf neue Ladestationen in ihrer Umgebung beantragen können. Dieses flexible Konzept verhindert Engpässe und stellt sicher, dass sich die Infrastruktur am realen Bedarf orientiert.

Stadtplanung: Elektromobilität als Teil eines ganzheitlichen Konzepts

Die Integration der Elektromobilität sollte nicht isoliert betrachtet werden, sondern in umfassende Konzepte eingebunden sein. Neue Wohnquartiere bieten die Chance, Ladepunkte von Beginn an einzuplanen. Ein gelungenes Beispiel ist die Lincolnsiedlung in Darmstadt, wo Carsharing und Elektromobilität Teil des Mobilitätskonzepts sind.

Gleichzeitig sollten bestehende Stadtstrukturen so angepasst werden, dass E-Mobilität gefördert wird. Dazu gehört unter anderem die Umwidmung von Parkplätzen zu Ladehubs oder die Bereitstellung von Schnellladestationen entlang wichtiger Verkehrsadern.

Verkehrsfluss: Intelligente Steuerung für eine reibungslose Integration

Elektrofahrzeuge tragen zur Reduktion von Lärm und Emissionen bei. Dennoch ist es wichtig, den Verkehrsfluss nicht durch ungeschickt platzierte Ladepunkte oder überlastete Stromnetze zu behindern. Intelligente Verkehrsmanagementsysteme können Ladezeiten und -orte dynamisch steuern.

Oslo setzt hier bereits auf digitale Lösungen: Die Stadt kombiniert Ladeinfrastruktur mit Verkehrssteuerungssystemen, sodass Ladevorgänge gezielt in Zeiten geringerer Verkehrsdichte fallen. Diese Strategie reduziert Staus und optimiert die Auslastung der Infrastruktur.

Erfolgreiche Beispiele aus der Praxis

Oslo: Vorreiter in der Elektromobilität

Oslo verfolgt eine konsequente Strategie zur Förderung der Elektromobilität. Neben einem dichten Netz an Ladestationen profitieren E-Autos von kostenlosen Parkplätzen und der Erlaubnis, Busspuren zu nutzen. Das Ergebnis: Bereits heute sind über 80 % der Neuwagenzulassungen in Norwegen elektrisch.

Amsterdam: Eine Stadt mit Weitblick

Amsterdam setzt auf eine hohe Dichte an Ladepunkten und integriert Elektromobilität in bestehende Mobilitätskonzepte. Neben privaten Lademöglichkeiten werden öffentliche Ladehubs strategisch in der Stadt verteilt. Das Konzept funktioniert: Die Stadt verzeichnet einen stetigen Anstieg an E-Fahrzeugen, ohne dass es zu infrastrukturellen Engpässen kommt.

Lincolnsiedlung Darmstadt: Ein Modellquartier

Die Lincolnsiedlung in Darmstadt zeigt, wie Elektromobilität in einem urbanen Quartier konsequent integriert werden kann. Die Bewohner setzen auf Carsharing mit Elektroautos, wodurch sich die Anzahl der benötigten Fahrzeuge reduziert. Gleichzeitig wurden ausreichende Ladepunkte und alternative Mobilitätsangebote geschaffen, um eine nachhaltige Fortbewegung zu ermöglichen.

Elektrokleinfahrzeuge: E-Roller als neue urbane Mobilitätsform

Neben Elektroautos gewinnen auch kleinere elektrische Fahrzeuge wie E-Roller und E-Bikes zunehmend an Bedeutung. Sie bieten eine flexible Lösung für kurze Distanzen und tragen zur Entlastung des städtischen Verkehrs bei.

E-Roller, die in vielen Städten als Sharing-Modelle zur Verfügung stehen, ermöglichen eine schnelle Fortbewegung auf der sogenannten „letzten Meile“. Dennoch gibt es Herausforderungen:

  • Verkehrssicherheit: Falsch genutzte oder unsachgemäß abgestellte Roller können das Unfallrisiko erhöhen.
  • Abstellproblematik: In vielen Städten entstehen Konflikte durch wild abgestellte Roller auf Gehwegen und Plätzen.
  • Nachhaltigkeit: Die kurze Lebensdauer der Batterien sowie die logistische Herausforderung beim Einsammeln und Laden beeinflussen die Umweltbilanz.

Städte wie Paris haben daher strengere Regulierungen eingeführt, beispielsweise festgelegte Abstellzonen für E-Roller. Auch digitale Lösungen wie Geo-Fencing können helfen, problematische Abstellpraktiken zu vermeiden und die Integration von E-Rollern in den urbanen Raum zu optimieren.

Politische Rahmenbedingungen und Maßnahmen

Deutschland: Förderprogramme und gesetzliche Vorgaben

Die Bundesregierung unterstützt die Elektromobilität mit verschiedenen Förderprogrammen. Neben Kaufprämien für Elektrofahrzeuge gibt es Zuschüsse für den Ausbau der Ladeinfrastruktur. Zudem müssen neue Wohn- und Gewerbegebäude mit Ladepunkten ausgestattet werden. Kommunen sind gefordert, diese Maßnahmen auf lokaler Ebene umzusetzen.

Internationale Vorbilder

Viele Länder gehen bereits weiter: In Norwegen sollen ab 2025 keine neuen Verbrenner mehr zugelassen werden. Frankreich plant ein engmaschiges Netz an Schnellladestationen entlang aller Autobahnen. Solche politischen Weichenstellungen beeinflussen langfristig auch die Stadtplanung und die Entwicklung des urbanen Verkehrs.

Fazit: Elektromobilität als integraler Bestandteil nachhaltiger Stadtentwicklung

Die Elektromobilität bietet zahlreiche Chancen für die nachhaltige Stadtentwicklung. Eine erfolgreiche Umsetzung erfordert jedoch ein durchdachtes Gesamtkonzept. Kommunen, Stadtplaner und Landschaftsarchitekten sind gefordert, Elektromobilität strategisch zu integrieren und mit anderen Mobilitätsformen zu verknüpfen. Nur so kann der urbane Verkehr langfristig effizient, umweltfreundlich und zukunftsfähig gestaltet werden.

 

Mehr zur Kampagne Move to Improve hier. 

Das könnte Sie auch interessieren
Das finale Poster zum Smart City Konzept in Münster. Grafik: © M. Jakobi
Smart City Münster mit 9,5 Millionen Euro
Innenstadt mit Demonstrationszug als Symbol für räumliche Gerechtigkeit und systematische Verankerung in der Stadtentwicklung.
Räumliche Gerechtigkeit systematisch verankern – ein Handlungsrahmen
Aus Alt wird Neu
Skyline von Jakarta mit Hochhäusern, Symbol für Stadtstress, Überflutung und politische Transformation.
Jakarta’s Exodus – wie eine Megastadt ihren Regierungssitz klimaangepasst verlegt
Jan Gehl: Der Anti-Architekt
Wettbewerbsübersicht Mai 2019 (2/2)
eine-stadtstrasse-voller-verkehr-neben-hohen-gebauden-L7RbsRIG7DQ
Wie globale Krisen lokale Planung beeinflussen – ein systemischer Blick
:terra nova: Sichtbare Bezüge in der Braunkohlelandschaft
Das Buchcover zeigt den Titel "Schwarzer Rolli, Hornbrille" in großen Lettern auf rosa Grund ©JOVIS
Schwarzer Rolli, Hornbrille – Buchrezension
München Olympiapark Jubiläum
München Olympiapark Jubiläum – 50 Jahre
darüber drei bunte Blumen
Bundesgartenschau Welterbe Kulturlandschaft Oberes Mittelrheintal

BUGA 2029: Kulturlandschaft Oberes Mittelrheintal

Schon jetzt wird über die BUGA 2029 am Mittelrhein nachgedacht. Zur Vorbereitung der Schau haben die Hochschulen der Region nun einen Kooperationsvertrag unterzeichnet. Denn der Entwicklungsprozess auf dem Weg zur BUGA stellt auch für die Hochschulen eine besondere Chance dar.

Es sind noch sieben Jahre Zeit. Erst 2029 lädt das Welterbe Oberes Mittelrheintal zu einer Bundesgartenschau ein. Dennoch startet schon heute die Vorbereitung. Denn mit der BUGA 2029 stehen Entwicklungen im Mittelrheintal an, die auch für die Hochschulen vor Ort relevant sind. Vor dem Hintergrund haben die Technische Hochschule Bingen, die Hochschule Koblenz, die Universität Koblenz-Landau und die Hochschule Geisenheim einen Kooperationsvertrag unterzeichnet. In diesem vereinbaren die vier Institutionen den Weg bis zur BUGA gemeinsam zu gestalten.

Die Bundesgartenschau 2029 wird in die Kulturlandschaft des Oberen Mittelrheintals eingebettet sein. Da sie auf einer Strecke von 67 Kilometern den Rhein begleitet, lebt die Schau von dezentralen Schwerpunkten. Diese liegen zwischen Koblenz im Norden und Bingen sowie Rüdesheim im Süden. Bereits die Machbarkeitsstudie für die BUGA 2029 sah in der Erneuerung der touristisch nutzbaren Infrastruktur eine große Chance. Neben Erneuerungen und Sanierungen zum Beispiel am Loreley-Plateau sollen auch Burggärten zu attraktiven Touristenzielen werden. Aber auch technische Infrastrukturen, wie Breitband-Anschlüsse und mobiles Internet müssen in der Region gestärkt werden. Und da Digitales und BUGA im Jahr 2029 garantiert zusammen hängen werden, soll die Bundesgartenschau auch die erste komplett digital erlebbare Schau werden.

Gemeinsam vorbereiten

Der Vertrag der vier Hochschulen sieht vor, dass sich die Bildungseinrichtungen gemeinsam an der Vorbereitung der BUGA 2029 beteiligen. Darüber hinaus haben sie entschieden, auf der BUGA selber zusammen aufzutreten. Ein gemeinsamer Auftritt ist dabei mehr als nur ein Stand. Eine gemeinsame Präsenz zeigt sich auch in vielfältigen Kooperationen in Lehre und Forschung. Die wird schon seit Jahren in verschiedenen, kooperativen Studiengängen gelebt. Darüber hinaus denken die Hochschulen der Region über gemeinsame Veranstaltungen wie Tagungen, Vortragsreihen und Workshops nach. Aber auch Ausstellungsbeiträge und Beteiligungsprojekte stehen an. Für den Vizepräsidenten der Hochschule Koblenz und der Universität Koblenz-Landau ist auch eine gemeinsame Dachmarke mit Logo, Internetauftritt und breit aufgestellter Öffentlichkeitsarbeit auf der BUGA 2029 von Belang. Aus seiner Sicht ist es nicht nur die fachlich-inhaltliche Ebene, die Synergien bietet. In allen Bereichen ist Kooperation von Vorteil und hilft Ressourcen zu bündeln und Wirksamkeiten zu erhöhen.

BUGA 2029 als Chance für die Hochschulen

Da eine Bundesgartenschau immer erhöhte Sichtbarkeit mit sich bringt, beschert sie auch den Hochschulen vor Ort besondere Chancen. Vor diesem Hintergrund sehen auch die vier Institutionen im Mittelrheintal die BUGA 2029 als gute Gelegenheit auf sich und ihre Arbeit, ihre Forschung und Lehre aufmerksam zu machen. Dabei haben die vier Einrichtungen mit einer Vielfalt an inhaltlichen Ausrichtungen und Studiengängen vieles Interessantes zu bieten, wovon die Öffentlichkeit nicht immer weiß. Und dabei richtet sich der Blick nicht nur in die Region. Die BUGA 2029 wird auch ein internationales Publikum ansprechen, wovon auch die Technische Hochschule Bingen, die Hochschule Koblenz, die Universität Koblenz-Landau und die Hochschule Geisenheim profitieren werden. Wenn sie gemeinsam auftreten und die Potenziale der BUGA 2029 wirkungsvoll ausschöpfen, helfen sie das Profil der Hochschullandschaft im Oberen Mittelrheintal zu stärken. Sie helfen auch, sie über die Grenzen der Region hinaus bekannt zu machen.

Zusammenarbeit hat Tradition

Ganz neu ist die Zusammenarbeit der Technische Hochschule Bingen, die Hochschule Koblenz, die Universität Koblenz-Landau und die Hochschule Geisenheim nicht. Bereits in den vergangenen drei Jahren haben die Bildungseinrichtungen einen regelmäßigen Austausch miteinander gepflegt. Darüber hinaus haben sie mit der Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz schon zusammen gearbeitet. Aus dieser Agentur ist mittlerweile die BUGA Koblenz 2029 GmbH hervorgegangen. Und als solche wird sie die Entwicklungen rund um die BUGA 2029 auch weiterhin intensiv begleiten. Bisher lag die Basis in gemeinsamen Lehr- und Forschungsprojekten im Oberen Mittelrheintal. So wurde beispielsweise die Studie „Kommunale Klimaanpassung im Welterbe Oberes Mittelrheintal“ zusammen erarbeitet. Sie wurde bereits 2020 von der Hochschule Koblenz, der Technischen Hochschule Bingen und der Hochschule Geisenheim veröffentlicht.

Sieben kurze Jahre

Obwohl eine Vorbereitungszeit von sieben Jahren bis zur BUGA 2029 derzeit sehr lang klingt, stehen bereits jetzt Weichenstellungen an. Schon jetzt sind die Wettbewerbe in Vorbereitung, die im Jahr 2023 ausgeschrieben werden. Parallel dazu arbeiten die kooperierenden Hochschulen an einer eigenen Vision für die Region Mittelrheintal. Nur wenn alle Konzept zeitgleich entwickelt werden, haben sie die Chance in den zügig ablaufenden Prozess einzufließen. Vor dem Hintergrund ist es den Hochschulen wichtig, die Chancen auf Mitgestaltung schon in dieser frühen Phase zu nutzen. Nur wenn sie handlungsfähig sind, können sie sich als Kooperationspartner etablieren. Nur dann kann der Austausch untereinander noch intensivier werden und ein gemeinsames Leitbild wachsen. Für diesen nächsten Schritt, steht im Frühjahr ein Workshop an der Hochschule Koblenz an. Dieser wird die fachlich-inhaltliche Ausrichtung der wissenschaftlichen Beiträge und den Beitrag der Hochschulen zur BUGA 2029 weiter konkretisieren.

Ebenfalls interessant: 2023 steht die nächste BUGA an. Und zwar in Mannheim. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, so nachhaltig wie möglich zu werden. Mehr über die BUGA 2023 in Mannheim erfahren Sie hier.

Landesgartenschau Bad Windsheim – Wettbewerb entschieden

„Gesund, urban, traditionell“ – so lautet das Motto der Landesgartenschau Bad Windsheim
„Gesund, urban, traditionell“ – so lautet das Motto der Landesgartenschau Bad Windsheim, Abbildung: Büro RMP Stephan Lenzen, Köln

Wettbewerb zur Landesgartenschau in Bad Windsheim: 2027 wird die bayerische Landesgartenschau in Bad Windsheim stattfinden. Im Juli konnte RMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten die Jury überzeugen. Diese lobte die Verbindung zwischen historischer Altstadt und freier Landschaft.

RMP Stephan Lenzen gewinnt

Bad Windsheim ist eine kleine Stadt im Westen Nürnbergs. Unter anderem wegen seiner Mineralquellen wird der fränkische Kurort gerne besucht. Und er hat große Pläne. Denn im Jahre 2027 wird die Landesgartenschau Bad Windsheim ausgetragen. Die Planungen dazu laufen bereits seit vielen Monaten. Um allen Ansprüchen gerecht zu werden, lobte Bad Windsheim einen freiraumplanerischen Wettbewerb aus. Das Münchner Büro mahl.gebhardt begleitete diesen über den gesamten Prozess hinweg. Landschaftsarchitekt*innen aus ganz Deutschland reichten ihre Vision der Landesgartenschau Bad Windsheim ein. Zuletzt tagte die Jury aus Fach- und Sachpreisrichter*innen. Nun stehen die erstplatzierten Projekte fest. Auf Platz eins überzeugte das Büro RMP Stephan Lenzen aus Köln. Ihm nach folgten die Planer*innen von lohrer.hochrhein auf Platz zwei und Greenbox auf Platz drei. Die 17 stimmberechtigten Mitglieder des Preisgerichts hatten sich letztlich jedoch einstimmig für den Entwurf von RMP Stephan Lenzen entschieden. 

(v.l.) LGS-Geschäftsführer Robert Sitzmann, Jiachen Li und Sabelo Jeebe von RMP Stephan Lenzen, Aufsichtsratsvorsitzender Jürgen Heckel, Prokurist Jürgen Boier, LGS-Geschäftsführerin Jennifer Münch und Prokuristin Melanie Greifenstein.
(v.l.) LGS-Geschäftsführer Robert Sitzmann, Jiachen Li und Sabelo Jeebe von RMP Stephan Lenzen, Aufsichtsratsvorsitzender Jürgen Heckel, Prokurist Jürgen Boier, LGS-Geschäftsführerin Jennifer Münch und Prokuristin Melanie Greifenstein.

Herausforderungen vor Ort

Der Bürgermeister der Stadt, Jürgen Heckel, zeigte sich nach der Entscheidung sehr zufrieden: „Die Wettbewerbsarbeit hat einfach eine hohe Qualität und die Planer haben erkannt, dass Bad Windsheim etwas Besonderes ist.“ Die Aufgabe war keine einfache. Gesund, urban, traditionell. So lautete das Motto für die Landesgartenschau Bad Windsheim. Bad Windsheim will die Tradition als Ort der Gesundheit wahren. Gleichzeitig möchte die Stadt Flächen im Einklang mit dem Naturschutz neu inszenieren. Bisher erscheint der Norden der Stadt als zusammenhangloses Gewerbegebiet. Eine mehrreihige Kurpark-Allee verläuft zwar von Norden nach Süden. Doch ein durchgehender Grünraum ist nicht erkennbar. Durch die Landesgartenschau 2027 erhoffen sich alle Beteiligten vor Ort eine Verbesserung.

Im Wettbewerb galt es zum einen die Daueranlagen um den Kurpark, das Kurviertel und die östliche Fläche bis Külsheim zu beplanen. Zum anderen sollten die städtebauliche Entwicklung um den Bahnhof, die Erkenbrechtallee und den Neubau eines Parkhauses bedacht werden.

Ein Kulturboulevard als Zentrum der Landesgartenschau Bad Windsheim

Das Büro RMP Stephan Lenzen fand in seinem Entwurf Antworten auf die Bestandssituation. Als bestimmendes Element plant RMP zunächst auf der West-Ost-Achse einen dauerhaften Kulturboulevard. Er knüpft an bestehende Sportflächen im Westen an und zieht sich zukünftig bis nach Külsheim. Entlang des Boulevards werden anschließend unterschiedliche Raumcharaktere ausgebildet. So dominiert im Westen beispielsweise der ruhige, historische Kurpark. Während demgegenüber im Westen der neu gestaltete Aktiv-Landschaftspark entsteht. Dazwischen wird der Boulevard zum Zentrum der Landesgartenschau Bad Windsheim. Hier etablieren sich Aufenthalts- und Nutzungsangebote. So wird zum Beispiel der See um das Gradierwerk vergrößert. Er bietet das Potential zum identitätsstiftenden Element im Kurviertel zu werden. Den auf der Hand liegenden Vorteilen dieses Planungsschritts  stehen einige Herausforderungen in der Realisierung gegenüber. So kritisierte die Jury, dass natürliche Frischwasserzuläufe fehlten und das Gewässer im Heilwasserschutzbereich liege. Nichtsdestotrotz überzeugte die Vision einer großzügigen Seeterrasse zum Verweilen und Flanieren.

Zukunftsaussichten für die Landesgartenschau Bad Windsheim

Dem Team von RMP Stephan Lenzen gelingt es, eine klare Grundstruktur aufzubauen. Innerhalb dieser finden sich detailliert ausgearbeitet Teilbereiche mit unterschiedlichen Qualitäten. Bürgermeister Jürgen Heckel ist sich in der Wahl des ersten Platzes deshalb ganz sicher: „Ich bin happy, dass wir so ein gutes Landschaftsarchitekturbüro an der Seite haben.“
Bis zum Herbst soll nun das Ausschreibungsverfahren des Realisierungswettbewerbes abgeschlossen sein. Anschließend stehen die nächsten Planungsschritte an. Es wird voraussichtlich noch mindestens zwei Jahre dauern, bis erste Baumaßnahmen begonnen werden. Der lange Zeitraum bis zur Realisierung trübt die Vorfreude jedoch kaum. Denn die Landesgartenschau Bad Windsheim ist nicht nur ein publikumswirksames Event. Vielmehr bietet sie der Region und damit auch den Anwohner*innen langfristige Entwicklungsperspektiven ökologischer und sozialer Art.

Die weiteren Austragungsorte für Landesgartenschauen in Bayern finden Sie hier.