Wenn der Algorithmus die Lichtfarbe bestimmt – emotionale KI in der Stadtbeleuchtung

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Nachtaufnahme einer Menschengruppe während der Überquerung einer Brücke in Kaunas, fotografiert von Ed Wingate.

Kann künstliche Intelligenz tatsächlich entscheiden, ob Straßenlaternen in kühlem Blau oder warmem Bernstein schimmern? Städte weltweit testen derzeit, wie emotionale Algorithmen nicht nur Lichtverhältnisse, sondern auch das Wohlbefinden ihrer Bewohner beeinflussen können. Die Frage ist nicht mehr, ob, sondern wie wir die Kontrolle über unsere nächtlichen Stadträume teilen – mit Systemen, die unsere Gefühle lesen und in Licht verwandeln. Willkommen in der Ära der emotionalen KI in der Stadtbeleuchtung.

  • Die Rolle von Algorithmen und emotionaler KI in der modernen Stadtbeleuchtung
  • Wie Lichtfarbe das Wohlbefinden, die Sicherheit und die soziale Interaktion beeinflusst
  • Technische Hintergründe: Sensoren, Datenströme und lernende Systeme
  • Pilotprojekte und Vorreiterstädte in Deutschland, Europa und weltweit
  • Ethik, Datenschutz und die Herausforderung der algorithmischen Transparenz
  • Risiken und Chancen: Von smarter Lichtsteuerung bis zu digitaler Gentrifizierung
  • Praktische Relevanz für Planer, Architekten, Kommunen und Lichtdesigner
  • Zukunftsausblick: Wie sich Städte durch KI-gesteuertes Licht verändern werden

Stadtlicht im Wandel: Von statischer Beleuchtung zur emotionalen Intelligenz

Die klassische Straßenlaterne, jener treue Begleiter von Passanten und Nachteulen, war jahrzehntelang Sinnbild für Kontinuität. Gelbes Natriumdampflicht hier, weißes LED-Licht da – zuverlässig, aber uninspiriert. Doch spätestens seit der Digitalisierung urbaner Infrastrukturen ist Licht nicht mehr nur Funktion. Es ist Medium, Kommunikationsschnittstelle und Stimmungsbarometer. Die große Transformation begann mit der Umstellung auf LED-Technologie. Plötzlich ließ sich nicht mehr nur die Intensität, sondern auch die Farbtemperatur steuern. Aus Lichtmanagement wurde Lichtinszenierung. Das war der Einstieg, die eigentliche Revolution beginnt jedoch jetzt: durch den Einzug emotionaler KI in die Stadtbeleuchtung.

Emotionale künstliche Intelligenz, auch als Affective Computing bezeichnet, beschreibt Systeme, die menschliche Emotionen erkennen, interpretieren und darauf reagieren können. In der urbanen Lichtplanung bedeutet das: Sensoren erfassen Umgebungsparameter wie Geräuschpegel, Passantenbewegungen oder sogar Gesichtsausdrücke; Algorithmen analysieren diese Daten in Echtzeit; das Beleuchtungssystem passt daraufhin Lichtfarbe und Intensität dynamisch an. Das Ziel? Die emotionale Resonanz im öffentlichen Raum gezielt zu beeinflussen. Ein belebter Platz nach Einbruch der Dunkelheit? Warmes Licht für Geborgenheit und soziale Interaktion. Ein leerer Gehweg am Stadtrand? Kühleres Licht für erhöhte Wachsamkeit und Sicherheit. Die Stadt wird zum emotionalen Resonanzkörper, gesteuert von Algorithmen.

Diese Entwicklung hat weitreichende Implikationen für die Stadtplanung. Denn Licht lenkt nicht nur Blicke, sondern auch Bewegungen, Verhaltensweisen und letztlich das subjektive Sicherheitsempfinden. Studien belegen, dass Lichtfarbe und Beleuchtungsstärke direkt mit Stresslevel und sozialer Interaktion korrelieren. Emotionale KI verspricht, diese Zusammenhänge nicht nur zu berücksichtigen, sondern aktiv zu steuern. Die Frage ist: Wer steuert eigentlich wen? Sind es die Planer, die mit neuen Werkzeugen arbeiten – oder sind es Algorithmen, die den urbanen Rhythmus vorgeben?

Vor dem Hintergrund dieser Transformation stehen Planer und Kommunen vor neuen Herausforderungen. Die Auswahl einer Technologie ist längst keine rein technische Angelegenheit mehr, sondern eine hochpolitische. Es geht um Kontrolle, Zugänglichkeit, Datenschutz und nicht zuletzt um die Frage, ob und wie Stadtbewohner an der Lichtgestaltung beteiligt werden. Die Vorstellung, dass eine KI entscheidet, welche Lichtfarbe zu welcher Tageszeit oder in welchem Quartier vorherrscht, wirft grundlegende Fragen nach Transparenz und demokratischer Teilhabe auf.

Dennoch: Der Trend ist nicht aufzuhalten. Städte wie Eindhoven, Lyon und Kopenhagen experimentieren bereits mit adaptiven, KI-gesteuerten Lichtsystemen. In Deutschland gibt es erste Pilotprojekte in Hamburg, Berlin und München. Die Ergebnisse sind vielversprechend – und doch werfen sie einen langen Schatten auf die Frage, wie wir als Gesellschaft urbane Räume künftig erleben und gestalten wollen. Die Lichtfarbe der Zukunft ist nicht mehr statisch – sie ist dynamisch, emotional und algorithmisch bestimmt.

Wie Algorithmen Gefühle messen und Lichtfarben steuern

Das Herzstück emotionaler Stadtbeleuchtung sind lernende Algorithmen, die Umgebungsdaten auswerten und daraus Handlungsempfehlungen ableiten. Technisch basiert das System auf einem Netzwerk aus Sensoren, Kameras und IoT-Geräten, die fortwährend Informationen sammeln: Bewegungssensoren erfassen Passantenströme, Mikrofone detektieren Lautstärke und Lärmquellen, Licht- und Wettersensoren liefern Kontextdaten zur Tageszeit und Witterung. In fortgeschrittenen Systemen kommen sogar Kameras mit computerbasiertem Emotion-Tracking zum Einsatz, die Mimik und Körpersprache analysieren – natürlich stets unter Einhaltung strenger Datenschutzbestimmungen.

Die gesammelten Daten werden von der KI analysiert und mit Modellen menschlicher Emotionen verknüpft. Hier kommt das sogenannte Affective Computing ins Spiel: Mittels Deep Learning werden Muster erkannt, die auf bestimmte Stimmungen hindeuten, etwa Unruhe, Freude oder Unsicherheit. Die KI berechnet daraufhin in Echtzeit, welche Lichtfarbe und Intensität die gewünschte emotionale Wirkung erzielen könnte. Dabei orientieren sich die Systeme an Erkenntnissen aus Psychologie, Neurowissenschaften und Lichtdesign. So ist etwa bekannt, dass warmes Licht (zwischen 2700 und 3000 Kelvin) Geborgenheit, Sozialität und Entspannung fördert, während kühles Licht (über 4000 Kelvin) Konzentration, Wachsamkeit und ein erhöhtes Sicherheitsgefühl vermittelt.

Die eigentliche Steuerung erfolgt meist über vernetzte Lichtpunkte, die individuell oder gruppenweise angesprochen werden können. Moderne Leuchten sind dazu mit drahtlosen Schnittstellen ausgerüstet, die eine zentrale oder dezentrale Kontrolle ermöglichen. Die KI gibt Steuerbefehle an das Lichtnetzwerk, das daraufhin die Lichtfarbe, Helligkeit und manchmal sogar die Lichtverteilung anpasst. Das System lernt stetig dazu: Feedback-Schleifen aus anonymisierten Umfragen, Social-Media-Analysen oder direkten Rückmeldungen fließen in die Weiterentwicklung der Algorithmen ein.

Ein entscheidender Aspekt ist die Kontextsensitivität. Die KI muss nicht nur auf aktuelle Situationen reagieren, sondern auch langfristige Muster erkennen und vorhersagen können. Beispielsweise kann sie an einem Freitagabend im Ausgehviertel andere Lichtstimmungen erzeugen als an einem verregneten Dienstagmorgen. In sensiblen Quartieren kann sie gezielt auf Hinweise zu Angst- oder Unsicherheitsgefühlen reagieren und die Beleuchtung entsprechend anpassen. Gleichzeitig müssen Fehlinterpretationen vermieden werden, etwa wenn laute Musik nicht auf Unsicherheit, sondern auf ein fröhliches Straßenfest hindeutet.

Die technische Komplexität solcher Systeme ist enorm – und sie erfordert interdisziplinäre Expertise. Informatiker, Psychologen, Designer, Stadtplaner und Ethiker müssen gemeinsam Standards entwickeln, um die Algorithmen nicht nur funktional, sondern auch gesellschaftlich verträglich zu gestalten. Nur so wird das Versprechen emotionaler Stadtbeleuchtung eingelöst: Licht, das nicht nur sieht, sondern auch fühlt.

Pilotprojekte, Pioniere und die Lehren aus der Praxis

Die Implementierung emotionaler KI in der Stadtbeleuchtung ist kein theoretisches Zukunftsszenario mehr, sondern wird bereits in zahlreichen Städten getestet. Eindhoven in den Niederlanden gilt als Vorreiter: Im Rahmen des Projekts „Smart Urban Lighting“ werden seit einigen Jahren ausgewählte Quartiere mit KI-gesteuerten Lichtsystemen ausgestattet. Das System analysiert Bewegungsmuster, Wetterdaten und soziale Aktivitäten, um die Lichtatmosphäre dynamisch anzupassen. Die Ergebnisse sind beeindruckend: Anwohner berichten von verbessertem Sicherheitsgefühl und erhöhter Aufenthaltsqualität, während die Stadt von sinkenden Energiekosten und einer Reduktion von Lichtverschmutzung profitiert.

Auch in Deutschland gibt es spannende Ansätze. In Hamburg wurde im Stadtteil Wilhelmsburg ein Pilotprojekt realisiert, bei dem Sensoren und KI-Modelle gemeinsam die Lichtsteuerung übernehmen. Besonderes Augenmerk lag auf der Einbindung der Bewohner: In Workshops konnten sie ihre Wünsche äußern, die Algorithmen wurden daraufhin entsprechend kalibriert. Erste Auswertungen zeigen eine deutliche Steigerung der Zufriedenheit mit der nächtlichen Beleuchtung sowie eine verbesserte soziale Interaktion im öffentlichen Raum.

In Kopenhagen setzt man auf ein dezentrales System: Hier werden einzelne Lichtpunkte von lokalen Sensoren gesteuert, die jeweils eigenständig auf Umgebungsreize reagieren. Die KI aggregiert die lokalen Daten und passt die Gesamtbeleuchtung an das städtische Stimmungsbild an. Interessant ist dabei der Umgang mit Fehlinterpretationen: Durch kontinuierliche Evaluation und maschinelles Lernen werden Fehlalarme und unangemessene Lichtreaktionen sukzessive reduziert.

Ein weiteres lehrreiches Beispiel liefert das französische Lyon, das seit Jahren mit dynamischer Lichtgestaltung experimentiert. Hier wird die nächtliche Beleuchtung gezielt zur Förderung kultureller und sozialer Aktivitäten eingesetzt. Die KI analysiert Veranstaltungspläne, Besucherzahlen und sogar Social-Media-Stimmungen, um die Lichtinszenierung optimal anzupassen. Die Stadt versteht Licht dabei als Werkzeug urbaner Kommunikation – der Algorithmus ist nicht Selbstzweck, sondern Mittel zur Aktivierung öffentlicher Räume.

Diese Beispiele zeigen: Die Einführung emotionaler KI in der Stadtbeleuchtung gelingt nur, wenn Technik, Beteiligung und Evaluation Hand in Hand gehen. Die Systeme müssen transparent, adaptiv und erklärbar bleiben – und die Bewohner müssen als aktive Mitgestalter ihrer nächtlichen Umgebung eingebunden werden. Nur dann entsteht nicht nur smarter, sondern auch lebenswerter Stadtraum.

Zwischen Utopie und Dystopie: Ethik, Kontrolle und die Grenzen der KI

So verheißungsvoll die Potenziale emotionaler KI in der Stadtbeleuchtung sind, so groß sind auch die Herausforderungen und Risiken. Die zentrale Frage lautet: Wer kontrolliert und verantwortet die Algorithmen, die über unsere nächtliche Erfahrung bestimmen? Die Gefahr einer Black Box ist real: Wenn Algorithmen autark Entscheidungen treffen, ohne dass deren Funktionsweise nachvollziehbar ist, entsteht ein Machtgefälle zwischen Entwicklern, Stadtverwaltungen und Nutzern. Transparenz ist daher nicht nur ein technisches, sondern ein demokratisches Gebot.

Datenschutz ist ein weiterer kritischer Punkt. Systeme, die Emotionen erkennen, benötigen Daten – und zwar sensible. Gesichtsausdrücke, Bewegungsprofile, sogar Stimmungsanalysen aus Social Media: All das ist potenziell angreifbar. Es gilt, strikte Datenschutzstandards einzuhalten und die Erhebung personenbezogener Daten auf ein absolutes Minimum zu beschränken. Anonymisierung, Pseudonymisierung und die Möglichkeit zur Opt-Out-Option sind unerlässlich, um das Vertrauen der Stadtbewohner zu gewinnen und Missbrauch vorzubeugen.

Ein oft unterschätztes Risiko ist die algorithmische Verzerrung, auch als Bias bekannt. Wenn Trainingsdaten einseitig sind oder bestimmte Bevölkerungsgruppen unterrepräsentieren, kann die KI falsche Schlüsse ziehen – mit gravierenden Folgen. Licht, das auf Basis verzerrter Daten gesteuert wird, kann Ängste verstärken oder soziale Gruppen ungewollt stigmatisieren. Hier sind regelmäßige Audits, offene Standards und eine kontinuierliche Überprüfung der Algorithmen erforderlich, um Fairness und Inklusion zu gewährleisten.

Die Gefahr der Kommerzialisierung ist ebenfalls nicht zu unterschätzen. Wenn private Anbieter die Kontrolle über städtische Lichtsysteme gewinnen, droht eine schleichende Privatisierung öffentlicher Räume. Monetarisierungsmodelle – etwa durch personalisierte Beleuchtung oder datenbasierte Werbung – könnten das Gemeinwohl gefährden. Die Stadt als demokratischer Ort muss daher auch bei der Lichtsteuerung handlungsfähig und souverän bleiben.

Schließlich stellt sich die Frage nach der Rolle des Menschen im KI-gesteuerten Stadtraum. Algorithmen sind Werkzeuge, keine Ersatzplaner. Sie müssen so gestaltet werden, dass sie menschliche Werte und Bedürfnisse widerspiegeln – und nicht umgekehrt. Die ethische Leitplanke lautet: Technik dient der Stadt, nicht die Stadt der Technik. Nur wenn diese Maxime beherzigt wird, entfaltet die emotionale KI ihr Potenzial als Werkzeug einer lebenswerten, inklusiven und demokratischen Stadt.

Ausblick: Die Zukunft der Stadtbeleuchtung ist emotional, adaptiv und partizipativ

Blicken wir in die nahe Zukunft, wird klar: Die emotionale KI ist gekommen, um zu bleiben – und sie wird die Stadtbeleuchtung grundlegend verändern. Licht wird nicht mehr nur eingeschaltet, sondern orchestriert. Die Algorithmik schafft neue Möglichkeiten der Gestaltung, trägt aber auch neue Verantwortlichkeiten in sich. Für Planer und Architekten eröffnet sich ein erweitertes Spielfeld: Sie müssen nicht nur Räume, sondern auch Stimmungen und soziale Dynamiken designen. Die Zusammenarbeit mit Informatikern, Psychologen und Soziologen wird zum neuen Standard, wenn es darum geht, KI-Systeme verantwortungsvoll zu implementieren.

Für Kommunen bedeutet die Entwicklung einen Paradigmenwechsel in der Stadtgestaltung. Beteiligung und Transparenz werden zur Pflicht, nicht zur Kür. Wer die Akzeptanz der Bevölkerung gewinnen will, muss Prozesse offenlegen, Feedback einholen und die Algorithmen fortlaufend evaluieren. Die Stadt der Zukunft ist ein lernendes System – und die Stadtbewohner sind Teil dieses Systems, nicht bloß Objekte algorithmischer Steuerung.

Technologisch ist das Potenzial enorm: Vernetzte Lichtsysteme könnten künftig nicht nur auf Emotionen, sondern auch auf Umweltparameter wie Feinstaub, Hitzeinseln oder Mobilitätsströme reagieren. Die Integration von Licht in das Gesamtsystem „Smart City“ ist der nächste logische Schritt. Adaptive Beleuchtung wird so zum Werkzeug der Klimaresilienz, der sozialen Kohäsion und der urbanen Lebensqualität.

Gleichzeitig bleibt die Herausforderung, die Balance zwischen technischer Innovation und gesellschaftlicher Kontrolle zu wahren. Die Versuchung, immer mehr Verantwortung an Algorithmen zu delegieren, ist groß – doch echte Smartness entsteht erst durch die Verknüpfung von Technik, Ethik und Partizipation. Die Zukunft der Stadtbeleuchtung ist hybrid: Mensch und Maschine gestalten gemeinsam, jeder mit seinen Stärken.

Das Fazit ist eindeutig: Wenn der Algorithmus die Lichtfarbe bestimmt, entscheidet er auch über das emotionale Klima der Stadt. Die Verantwortung, diese Technologien klug, fair und transparent einzusetzen, liegt bei uns. Der Weg zur emotional intelligenten Stadtbeleuchtung ist anspruchsvoll – aber er lohnt sich. Denn am Ende steht eine Stadt, die nicht nur funktioniert, sondern berührt.

Zusammenfassung: Die emotionale KI revolutioniert die Stadtbeleuchtung, indem sie Lichtfarbe und -intensität dynamisch an die Bedürfnisse und Stimmungen der Stadtbewohner anpasst. Technisch basiert diese Entwicklung auf lernenden Algorithmen, die eine Vielzahl von Sensordaten auswerten und daraus in Echtzeit Handlungsempfehlungen ableiten. Pilotprojekte in ganz Europa zeigen das Potenzial für mehr Sicherheit, Lebensqualität und Nachhaltigkeit – sie machen aber auch deutlich, wie wichtig Datenschutz, algorithmische Fairness und demokratische Kontrolle sind. Für Planer, Architekten und Kommunen eröffnet sich ein neues Gestaltungsfeld, das technische, ethische und soziale Kompetenzen erfordert. Die Stadt der Zukunft leuchtet nicht nur heller, sondern auch intelligenter – wenn wir die Kontrolle nicht aus der Hand geben.

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Neuer Geschäftsführer für IBA Hamburg

Foto: hh oldman via Wikimedia Commons
Foto: hh oldman via Wikimedia Commons

Die IBA Hamburg bekommt einen neuen Geschäftsführer. Zum 1. Mai 2023 übernimmt der SPD-Politiker Kay Gätgens den Führungsposten. Das hat der Aufsichtsrat der städtischen Stadtentwicklungsgesellschaft am 4. April beschlossen und bekanntgegeben.

Wahl der neuen Geschäftsführung

Um den Führungsposten der IBA Hamburg neu zu besetzen, hatte die Stadtentwicklungsbehörde eine öffentliche Findungskommission ausgerufen. Auf die ausgeschriebene Stelle haben sich, laut der Stadtentwicklungsbehörde, insgesamt 57 potenzielle Kandidat*innen beworben. Das Rennen machte schließlich der SPD-Politiker Kay Gätgens, der bis Januar 2023 noch Bezirksamtsleiter von Eimsbüttel war. Mit seiner Position als neuer Geschäftsführer der IBA Hamburg löst er nun seine Vorgängerin Karen Pein ab. Kritik an der Wahl zum neuen IBA-Geschäftsführer gab es unter anderem von der CDU. Die Stellenausschreibung sei, so die Meinung der CDU, von vornherein auf ein bestimmtes Profil zugeschnitten worden. Doch die Stadtentwicklungsbehörde weist die Vorwürfe der CDU entschieden zurück.

Zur Person Kay Gätgens

Durch seine langjährige Erfahrung in der Stadtentwicklung konnte sich Kay Gätgens als idealer Kandidat im Bewerbungsverfahren um den Führungsposten der IBA Hamburg beweisen. Gätgens studierte Architektur und Stadtplanung in Hamburg und New York. Neben seiner Tätigkeit als Fachamtsleiter für Stadt- und Landschaftsplanung arbeitete er außerdem bereits als Leiter des Dezernats für Wirtschaft, Bauen und Umwelt. Sechs Jahre lang, von 2017 bis 2023, war Gätgens zuletzt als Bezirksamtsleiter des Bezirks Eimsbüttel tätig. Da die Grünen einen Kooperationsvertrag mit der SPD allerdings im letzten Augenblick ablehnten, und es somit keine Mehrheit für seine Wiederwahl als Bezirksamtsleiter gab, wurde Kay Gätgens am 5. Januar 2023 aus seinem Amt als Bezirksleiter verabschiedet. Sonja Böseler hat die Nachfolge von Kay Gätgens angetreten und übernimmt nun die Leitung des Bezirksamt Eimsbüttel. Kay Gätgens wird seinen neuen Job als Geschäftsführer der IBA Hamburg zum 1. Mai antreten.

Die IBA Hamburg

Die IBA Hamburg GmbH wurde ursprünglich als Projektgesellschaft gegründet und war in den Jahren von 2006 bis 2013 mit der Konzeption und Durchführung der Internationalen Bauausstellung (IBA) Hamburg beschäftigt. Nach Abschluss der Ausstellung blieb die Gesellschaft weiterhin bestehen. Seit 2014 ist die IBA Hamburg als städtische Entwicklungsgesellschaft der Stadt Hamburg tätig und für die Planung, Entwicklung, Vermarktung und Realisierung neuer Quartiere in Hamburg verantwortlich. Zurzeit beträgt das Auftragsspektrum der IBA Hamburg 10 Gebiete mit einer Gesamtfläche von rund 440 Hektar. Ein aktuelles Projekt der IBA Hamburg ist der neue Stadtteil Oberbillwerder. Auf 118 Hektar sollen hier bis zu 7 000 Wohneinheiten entstehen. In Oberbillwerder zeigt ein Realisierung- und Ideenwettbewerb mittels Mobility-Hubs außerdem, wie Mobilität in Zukunft aussehen kann. Mehr über das Projekt der Mobility-Hubs in Hamburg lesen Sie hier.

Außerdem interessant: Dieses Jahr findet die Abschlusspräsentation der IBA Thüringen statt. 

Gärten des Jahres 2024 – Gewinner*innen

„Stege an den Feuchtwiesen“ Foto: Ferdinand Graf Luckner
„Stege an den Feuchtwiesen“ Foto: Ferdinand Graf Luckner
Auch dieses Jahr zeichnete der Callwey-Verlag im Wettbewerb „Gärten des Jahres“ wieder Privatgärten aus. Die Preisträger*innen stehen nun fest. Welche Projekte die Jury auswählte und welche Produkte als „Lösungen des Jahres“ gewürdigt werden, erfahren Sie hier. 

Sechs aus 50 Projekten ausgezeichnet

Zum neunten Mal lobte der Callwey Verlag im vergangenen Jahr den Wettbewerb „Gärten des Jahres“ aus. Nun stehen die Gewinner*innen fest: Die Preisverleihung fand am Abend des 20. Februars statt.

In dem jährlich stattfindenden Wettbewerb werden die schönsten von Landschaftsarchitekt*innen, Garten- und Landschaftsbauer*innen gestalteten Privatgärten im deutschsprachigen Raum gesucht. Dafür konnten Planer*innen bis Juli vergangenen Jahres über ein Onlinetool private Gartenprojekte einreichen, die nicht älter als drei Jahre waren.

Die Jury des Wettbewerbs wählte 50 Gartenprojekte aus, aus denen sie anschließend einen Preisträger benannte und fünf der Projekte je eine Anerkennung verlieh. Wichtig waren der Jury dabei ganzheitliche Konzepte, die einen Garten individuell zum erweiterten Wohn- und Genussraum machen, sowie eine starke Idee.

„Eine ästhetisch anspruchsvolle Gartenanlage“

Den ersten Preis erhielt das Büro Naturwohnraum für das Projekt „Stege an den Feuchtwiesen“ im nordrhein-westfälischen Velen im Münsterland. Den naturnahen Garten gestaltete Landschaftsarchitektin Christina Schnelting für sich und ihre Familie. Das Grundstück mit Wohnhaus – ein Bau von 1911 – und Nebengebäuden liegt nahe dem Fluss Bocholter Aa und grenzt an Feuchtwiesen. Die Aspekte Wasser und Feuchtwiesen seien in das Konzept integriert worden, so die Landschaftsarchitektin in der Publikation zum Wettbewerb Gärten des Jahres. Lineare Elemente wie ein 45 Meter langer Steg, Wege und Beete liegen zwischen üppigen Stauden und Gräsern. Auch alte Baumbestände wurden in die Gestaltung des Gartens integriert, darunter eine circa 120 Jahre alte Blutbuche. Nahe der Scheune auf dem Grundstück findet sich ein altes, zum Sandkasten umfunktioniertes Holzboot; Rasenstufen aus Cortenstahl überbrücken hier Höhenunterschiede. Laut Landschaftsarchitektin und Jurymitglied Irene Burkhardt habe das verwilderte Grundstück ein großes naturräumliches und geschichtliches Potenzial geboten. In ihrer Laudatio auf das ausgezeichnete Gartenprojekt schreibt sie weiter: „Dieses [Potenzial] wurde mit Einfühlungsvermögen, zurückhaltend und gestalterisch sicher, in eine atmosphärisch dichte, naturnahe und ästhetisch anspruchsvolle Gartenanlage umgesetzt.“

Projekt mit Upcycling unter den ausgezeichneten Projekten

Neben dem ersten Preis vergab die Jury im Rahmen von Gärten des Jahres 2024 Anerkennungen an fünf Projekt. Davon ging eine an HORTVS – Peter Janke Gartenkonzepte für das Projekt „Elegante Ökologie in der Stadt“, einen Hausgarten in der Innenstadt Kölns. Jurymitglied Jens Spanjer beschreibt diesen in seiner Laudation als „ein herausragendes Beispiel für einen zeitgemäßen und an das sich wandelnde Stadtklima angepassten Garten.“

Ebenfalls mit einer Anerkennung geehrt wird „Upcycling Landhausgarten“, ein Projekt von Paus Gartendesign in Schermbeck, Nordrhein-Westfalen. Der Garten eines sanierten Bauernhofs inklusive Backhaus gestaltete und realisierte Gartendesigner Daniel Paus hauptsächlich mit wiederverwendeten Materialien.

Auch unter den Auszeichnungen: Der Freiraum eines Winzerhofs

Die Hariyo Freiraumgestaltung GmbH erhält im Wettbewerb Gärten des Jahres 2024 eine Anerkennung für ihr Projekt „Gartenlandschaft in Bewegung“ in Jenins im Schweizer Kanton Graubünden. Hier wurden zwei Bereiche des Freiraums eines Winzerhofs gestaltet – ein Aufenthaltsbereich für Gäste und Mitarbeitende sowie ein privater Teil der Winzerfamilie. Die Gestaltung nimmt Bezug auf die umliegende (Berg-)Landschaft.

Noch ein weiteres ausgezeichnetes Projekt findet sich in Nordrhein-Westfalen: Der Garten „In dubio pro natura“ von Peter Berg Gartendesign in Bonn erhielt einer Anerkennung. In der Neugestaltung des Gartens eines Hauses, das saniert wurde, kombinierte der Gartendesigner alte und neue Gehölze und setzte Naturstein ein.

Auch ein Fotografiepreis vergeben

Das in Jegenstorf im Kanton Bern zu findende Projekt „Abenteuerland Garten“ der Gartenkultur AG erhielt von der Jury ebenfalls eine Anerkennung. In dem schweizerischen Dorf gestalteten die Planer*innen den Garten, in dem auch eine Sauna und ein Hühnerhaus stehen, mit Kiefern und Eichen, einem naturnah geformten Gewässer aus Pool und Teich sowie Felsen.

Der ebenfalls im Rahmen des Wettbewerbs Gärten des Jahres 2024 vergebene Fotografiepreis geht an Sibylle Pietrek. Mit diesem wird ihr Schaffen als Fotografin gewürdigt.

Wer bei den „Lösungen“ gewann

Neben Gartenprojekten wurden auch Produktinnovationen gewürdigt: Dieses Jahr zum sechsten Mal wurden die „Lösungen des Jahres“ ausgezeichnet. Fachredakteur*innen aus dem Bereich Landschaftsarchitektur und Gartengestaltung wählten die sechs Produktinnovationen aus. In einem Onlinevoting wurde über den ersten Preis entschieden. Er geht in diesem Jahr an die Simon Rüegg Landschaftsarchitektur AG für die Brunnenschale M aus der Kategorie Gartenmobiliar. Dasselbe Unternehmen erhielt zudem eine weitere Auszeichnung in der Kategorie Accessoires, für das Pflanzgefäß LUZERN 110/130. In der Kategorie Tinyhouse wurde das Tiny AlpHouse Deluxe der Alpholz by GartenHaus GmbH ausgezeichnet sowie in der Kategorie Pool der Betonpool SALAM des Herstellers tantan Outdoor-Betonmöbel. Zwei Auszeichnungen der Lösungen des Jahres gingen an die FinnTherm by GartenHaus GmbH, beide in der Kategorie Sauna & Wellness: für die Fasssauna ScandiCube Space sowie für die Outdoor und Indoor Sauna Serie Ellipso.

Lösung des Jahres von Simon Rüegg Landschaftsarchitektur AG für die Brunnenschale M, Foto: Simon Rüegg Landschaftsarchitektur AG
Lösung des Jahres von Simon Rüegg Landschaftsarchitektur AG für die Brunnenschale M, Foto: Simon Rüegg Landschaftsarchitektur AG

50 Privatgärten im Porträt

Im Callwey Verlag erscheint die Dokumentation zum Wettbewerb Gärten des Jahres 2024. Die Autor*innen der 296 Seiten umfassenden Publikation sind Nico Wissing und Konstanze Neubauer. Das Buch stellt in Porträts, mit Farbabbildungen und Gartenplänen, 50 Privatgärten vor, darunter auch die Preisträger*innen des Wettbewerbs. Die ausgezeichneten Lösungen des Jahres sind in dem Buch ebenfalls zu finden.

Nico Wissing / Konstanze Neubauer
Gärten des Jahres
Die 50 schönsten Privatgärten 2024
296 Seiten, über 400 farbige Abbildungen und Pläne
23 x 30 cm, gebunden
€ [D] 59,95; € [A] 61,70; sFr. 80,00

ISBN 978-3-7667-2679-7

Hier geht es zum Buch.

Die Dokumentation zum Wettbewerb Gärten des Jahres erscheint im Callwey Verlag. Coverfoto: Ulrike Romeis
Die Dokumentation zum Wettbewerb Gärten des Jahres erscheint im Callwey Verlag. Coverfoto: Ulrike Romeis

Die Ausstellung zu den Gärten des Jahres 2024 wird vom 13. bis 17. März 2024 auf der Messe Giardina sowie vom 5. bis 7. April auf der Messe Blühendes Österreich zu sehen sein.

Auch im vergangenen Jahr zeichnete der Callwey-Verlag die Gärten des Jahres aus. Wer 2023 gewann, können Sie hier nachlesen.