Englischer Garten Stil: Grundlagen, Geschichte und Bedeutung

Eine gestaltete Garten- und Parkanlage zum Thema Englischer Garten Stil
Violett blühende Blumen im Tageslicht – ein stimmungsvoller Anblick für Gartenplanung und Freiraumgestaltung. Foto: erdaest

Kaum ein Gestaltungsprinzip hat die europäische Gartenkunst so nachhaltig verändert wie der englische Gartenstil. Was im frühen 18. Jahrhundert auf den Landsitzen der britischen Aristokratie entstand, war keine bloße Modeerscheinung, sondern ein fundamentaler Bruch mit dem geometrischen Ordnungsdenken des Barock: eine neue Vorstellung davon, wie Natur, Raum und menschliche Erfahrung in Beziehung treten können. Der englischer Garten Stil, auch als Landschaftsgarten oder Landschaftspark bezeichnet, ist bis heute eine der wirkungsmächtigsten Quellen der modernen Freiraumplanung und des öffentlichen Grüns in der Stadt.

  • Was den englischen Gartenstil definiert und von anderen Stilepochen abgrenzt
  • Welche historischen, philosophischen und gesellschaftlichen Kräfte seinen Ursprung prägten
  • Welche gestalterischen Prinzipien und Kompositionsmittel ihm zugrunde liegen
  • Welche Schlüsselwerke und Protagonisten die Entwicklung des Landschaftsgartens vorantrieben
  • Wie der Stil sich von England nach Europa und in die Stadtplanung verbreitete
  • Welche Vegetationsstrategien und Raumstrukturen charakteristisch sind
  • Welche Fehler bei der Pflege und Weiterentwicklung historischer Landschaftsparks typisch sind
  • Welche Bedeutung der englische Gartenstil für die zeitgenössische Landschaftsarchitektur besitzt

Definition und Einordnung: Was ist der englische Gartenstil?

Der englische Gartenstil bezeichnet eine Gestaltungsweise von Gärten und Parkanlagen, die auf formale Symmetrie, geometrische Achsen und die strenge Beherrschung der Pflanzenwelt verzichtet und stattdessen eine idealisierte, scheinbar natürliche Landschaft inszeniert. Geschwungene Wege, fließende Rasenflächen, unregelmäßig geformte Gewässer, malerisch gruppierte Gehölze und strategisch platzierte Blickpunkte sind die wesentlichen Gestaltungsmittel. Der Begriff Landschaftsgarten (englisch: landscape garden) ist im deutschen Fachdiskurs die gebräuchlichste Entsprechung, während der Begriff Landschaftspark häufig für großmaßstäbliche Anlagen verwendet wird, die über den privaten Hausgarten hinausgehen.

Entscheidend für das Verständnis des englischen Gartenstils ist, dass er keine Nachahmung wilder Natur darstellt, sondern deren künstlerische Interpretation. Die Natur wird nicht kopiert, sondern nach ästhetischen Prinzipien komponiert, ähnlich wie ein Landschaftsmaler eine Szene nicht fotografisch abbildet, sondern nach Kompositionsregeln ordnet. Dieser Unterschied zwischen naturalistisch und natürlich ist grundlegend: Ein Landschaftsgarten ist immer ein Kunstwerk, das seinen Kunstcharakter bewusst verbirgt. Fachleute sprechen von einer „dissimulation of art“, einer Verschleierung der gestalterischen Absicht, die zu den zentralen ästhetischen Programmen des Stils gehört.

Abzugrenzen ist der englische Gartenstil vom formalen Garten (auch Barockgarten oder Renaissancegarten), der durch strenge Geometrie, Achsensymmetrie, Parterres, Heckenarchitektur und die Unterwerfung der Pflanzenwelt unter geometrische Formen geprägt ist. Ebenso unterscheidet er sich vom Cottage Garden, der kleinteiligen, blumenreichen Hausgartentradition, sowie vom Wildgarten im Sinne William Robinsons, der auf weitgehend sich selbst überlassene Vegetation setzt. Der englische Gartenstil ist eine Kompositionsdisziplin, keine Pflegeabstinenz.

Historischer Ursprung: Philosophie, Malerei und gesellschaftlicher Wandel

Die Entstehung des englischen Gartenstils im frühen 18. Jahrhundert ist ohne den intellektuellen Kontext der Aufklärung nicht zu verstehen. Die britische Aristokratie, geprägt durch Grand Tour-Reisen nach Italien, durch die Lektüre antiker Dichter wie Vergil und Horaz sowie durch die Landschaftsmalerei der Römer Claude Lorrain und Nicolas Poussin, entwickelte ein neues Naturideal. Die arkadische Landschaft, eine idealisierte Hirtenwelt mit sanften Hügeln, Baumgruppen, Tempelchen und spiegelnden Gewässern, wurde zum ästhetischen Leitbild. Gleichzeitig wandte sich die englische Philosophie, insbesondere durch John Locke und Anthony Ashley Cooper, den dritten Earl of Shaftesbury, dem Gedanken zu, dass natürliche Schönheit moralisch erhebend wirke und der gezähmten Natur des Barock vorzuziehen sei.

Der Dichter und Essayist Alexander Pope war einer der ersten, der diese Ideen in eine konkrete Gartenkritik übersetzte. In seinen Schriften wandte er sich gegen die „topiary tyranny“, die Tyrannei des Formschnitts, und plädierte für eine Gartengestaltung, die der Natur folge statt sie zu vergewaltigen. Sein eigener Garten in Twickenham, angelegt ab etwa 1719, gilt als frühes Experiment im neuen Stil. Wenig später formulierte der Schriftsteller und Politiker Joseph Addison in seinem einflussreichen Aufsatz im Spectator (1712) das Ideal eines Gartens, der wie ein ganzes Land wirken solle, mit Feldern, Wäldern und Wiesen statt mit Heckenlabyrinthen und Parterres.

Parallel dazu veränderte sich die gesellschaftliche Struktur des englischen Landbesitzes. Die Enclosure-Bewegung, die Einhegung von Gemeinland, schuf großflächige private Güter, deren Besitzer ihre weitläufigen Ländereien als repräsentative Landschaft gestalten konnten und wollten. Der Landschaftsgarten war also auch ein Ausdruck von Besitz und Macht, der diese Macht jedoch durch den Schein der Natürlichkeit verschleierte. Die Sichtbarkeit des Reichtums verlagerte sich vom geometrischen Aufwand des Barockgartens zur scheinbar mühelosen Weite einer gepflegten Naturlandschaft.

Protagonisten und Schlüsselwerke: Von Bridgeman bis Repton

Die Geschichte des englischen Gartenstils lässt sich an einer Reihe von Schlüsselfiguren und ihren Werken ablesen. Charles Bridgeman gilt als einer der frühen Wegbereiter: Er arbeitete noch mit geometrischen Elementen, führte aber den Ha-ha ein, einen versenkten Graben, der die Gartengrenze unsichtbar macht und den Blick in die umgebende Landschaft freigibt, ohne dass Tiere eindringen können. Dieser technische Eingriff hatte eine enorme gestalterische Konsequenz: Er hob die Grenze zwischen Garten und Landschaft optisch auf und schuf jene fließende Raumkontinuität, die zum Markenzeichen des Stils wurde.

William Kent, ursprünglich Maler und Bühnenbildner, übertrug die Kompositionsprinzipien der Landschaftsmalerei direkt in den Gartenraum. In Rousham (Oxfordshire), einem der am besten erhaltenen frühen Landschaftsgärten, schuf er eine Folge von Szenen, die wie Gemälde komponiert sind: Wasserkaskaden, antike Skulpturen, Baumgruppen und geschwungene Wege erzeugen eine Abfolge von Stimmungen und Bildern. Kent wird oft der Satz zugeschrieben, die Natur verabscheue gerade Linien, was als programmatische Formel für den gesamten Stil stehen kann.

Lancelot „Capability“ Brown war die prägende Figur der Hochphase des englischen Landschaftsgartens in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Er schuf oder überformte mehr als 170 Parkanlagen in England, darunter Blenheim Palace, Chatsworth und Petworth. Browns Stil ist durch eine extreme Reduktion auf wenige Grundelemente gekennzeichnet: geschwungene Rasenflächen, die bis ans Herrenhaus heranreichen, unregelmäßige Gehölzgruppen und Solitärbäume, sowie künstliche Seen mit organisch geformten Ufern. Jede dekorative Kleinteiligkeit, jeder Blumengarten, jedes Parterre wurde von Brown konsequent beseitigt. Sein Beiname „Capability“ soll daher rühren, dass er seinen Auftraggebern stets die „capabilities“, die Möglichkeiten ihres Geländes, aufzeigte.

Humphry Repton, Browns Nachfolger und zugleich sein Kritiker, brachte wieder mehr Kleinteiligkeit, Blumengärten und architektonische Elemente in den Landschaftsgarten zurück. Er entwickelte die sogenannten Red Books, aufwendig illustrierte Präsentationshefte mit Klappbildern, die den Zustand vor und nach der geplanten Umgestaltung zeigten, ein frühes Instrument der Visualisierung für Bauherren. Repton unterschied zwischen dem Landschaftspark als großräumigem Rahmen und dem Hausgarten als intimem, blumenreichem Vorbereich, eine Differenzierung, die bis in die heutige Freiraumplanung nachwirkt.

Gestaltungsprinzipien: Raum, Licht, Vegetation und Bewegung

Der englische Gartenstil arbeitet mit einer kleinen Zahl von Grundprinzipien, die in ihrer Kombination eine große Bandbreite von Raumwirkungen erzeugen. Das erste und grundlegendste ist das Prinzip der Raumfolge: Der Besucher bewegt sich durch eine Abfolge von Räumen, die sich öffnen und schließen, von engen Gehölzpassagen zu weiten Wiesenflächen, von schattigen Hainbereichen zu sonnigen Aussichtspunkten. Diese Dramaturgie des Raumes ist kein Zufall, sondern sorgfältig geplant. Die Wegeführung steuert, was wann sichtbar wird, und erzeugt Spannung, Überraschung und Erholung.

Licht und Schatten spielen eine zentrale Rolle. Die Abwechslung von lichten Rasenflächen und dichten Gehölzmassen erzeugt nicht nur visuelle Kontraste, sondern auch thermische und atmosphärische Unterschiede, die das Erleben des Raumes körperlich erfahrbar machen. Gehölzgruppen werden so positioniert, dass sie Schatten in den Raum werfen, Sichtachsen rahmen oder bestimmte Blickpunkte verdecken, um sie an anderer Stelle umso wirkungsvoller freizugeben. Der Solitärbaum auf der Rasenfläche ist dabei nicht nur ein botanisches Objekt, sondern ein räumliches Ereignis, das den Maßstab der Fläche definiert und den Blick verankert.

Die Vegetation des englischen Landschaftsgartens folgt einer klaren Hierarchie. Großkronige Laubbäume, in England vor allem Eiche (Quercus robur), Buche (Fagus sylvatica), Esche (Fraxinus excelsior) und Kastanie (Aesculus hippocastanum), bilden das strukturelle Gerüst. Immergrüne Gehölze wie Stechpalme (Ilex aquifolium), Eibe (Taxus baccata) und Rhododendron wurden im 18. und 19. Jahrhundert zunehmend als Unterpflanzung und zur Raumbildung eingesetzt, wobei der Rhododendron, ursprünglich aus dem Kaukasus und dem Himalaya eingeführt, heute in vielen historischen Parks als invasive Art problematisch geworden ist. Der Rasen, gepflegt durch Schafe oder später durch Rasenmäher, ist die verbindende Grundfläche, die alle anderen Elemente zusammenhält.

Wasser ist im englischen Gartenstil ein unverzichtbares Element, das jedoch stets in naturnaher Form erscheint. Kanäle und Fontänen des Barock weichen geschwungenen Teichen, mäandernden Bächen und unregelmäßig geformten Seen. Die Uferlinie ist nie gerade, sondern buchtig und variiert, sodass der Eindruck eines natürlich entstandenen Gewässers entsteht. Reflektionen von Bäumen und Himmel auf der Wasseroberfläche verdoppeln den Raum visuell und verstärken die Tiefenwirkung von Ausblicken. Brücken, Kaskaden und Inseln sind typische Elemente, die das Wasser gestalterisch aktivieren.

Verbreitung in Europa und die Entstehung des öffentlichen Stadtparks

Der englische Gartenstil verbreitete sich im Laufe des 18. und frühen 19. Jahrhunderts rasch über die britischen Grenzen hinaus. In Deutschland entstanden bedeutende Landschaftsparks wie der Wörlitzer Park (Sachsen-Anhalt), der als frühestes und bedeutendstes Beispiel des englischen Landschaftsgartens auf dem europäischen Kontinent gilt und heute zum UNESCO-Welterbe gehört. Fürst Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau ließ ihn ab 1764 anlegen, inspiriert von eigenen Englandreisen. Der Dessau-Wörlitzer Gartenreich verbindet landschaftliche Gestaltung mit aufklärerischen Bildungsprogrammen und landwirtschaftlicher Nutzung zu einem Gesamtkunstwerk von europäischem Rang.

In Frankreich entstand der Jardin anglais als Gegenbewegung zum Versailler Formalismus, zunächst in aristokratischen Privatgärten, später auch in öffentlichen Anlagen. Der Parc Monceau in Paris, ursprünglich als pittoresker Lustgarten mit exotischen Fabriques angelegt, ist ein Beispiel für die französische Interpretation des englischen Stils, die häufig stärker auf dekorative Staffagebauten setzte als das englische Original. In Russland entstanden unter Katharina der Großen ausgedehnte Landschaftsparks in Zarskoje Selo und Pawlowsk, die englische Gartenkunst mit russischer Weite verbanden.

Die folgenreichste Transformation des englischen Gartenstils war seine Übertragung auf den öffentlichen Stadtpark des 19. Jahrhunderts. Mit der Industrialisierung und dem Wachstum der Städte entstand ein neues Bedürfnis nach zugänglichem Grün für die städtische Bevölkerung. Der Birkenhead Park in Liverpool (1847), entworfen von Joseph Paxton, gilt als erster öffentlich finanzierter Stadtpark der Welt und übertrug die Prinzipien des Landschaftsgartens auf eine demokratisch zugängliche Anlage. Frederick Law Olmsted besuchte Birkenhead Park und ließ sich von ihm für den Central Park in New York inspirieren, der ab 1858 gemeinsam mit Calvert Vaux entworfen wurde und die Ideen des englischen Gartenstils in den amerikanischen Kontext übersetzte.

In Deutschland wurde der Englische Garten in München, angelegt ab 1789 nach Plänen von Friedrich Ludwig von Sckell und Benjamin Thompson (Graf Rumford), zu einem Modell des öffentlichen Landschaftsparks. Sckell, der in England ausgebildet worden war und die Prinzipien des Landschaftsgartens aus erster Hand kannte, schuf eine Anlage, die bis heute zu den größten innerstädtischen Parks der Welt zählt und das Prinzip des demokratisch zugänglichen Naturraums in der Stadt exemplarisch verkörpert.

Pflege, Erhalt und häufige Fehler bei historischen Landschaftsparks

Historische Landschaftsparks stellen besondere Anforderungen an die Denkmalpflege und die Freiraumplanung. Anders als ein Gebäude ist ein Landschaftspark ein lebendiges System, das sich durch das Wachstum und den Verfall seiner Gehölze kontinuierlich verändert. Die Bäume, die im 18. oder frühen 19. Jahrhundert gepflanzt wurden, haben heute ihr biologisches Alter erreicht oder überschritten. Ihre Kronen haben sich geschlossen, Sichtachsen sind zugewachsen, Raumstrukturen haben sich verändert. Die Pflege eines historischen Landschaftsparks ist deshalb immer auch eine Interpretationsaufgabe: Welcher Zustand soll erhalten oder wiederhergestellt werden, und mit welchen Mitteln?

Ein typischer Fehler ist die Überalterung des Gehölzbestands ohne gezielte Verjüngung. Wenn alte Bäume absterben und keine Nachpflanzungen erfolgen, verliert der Park seine räumliche Struktur. Gleichzeitig ist eine undifferenzierte Nachpflanzung gefährlich: Werden Bäume ohne Kenntnis der ursprünglichen Kompositionsabsicht gesetzt, entstehen neue Raumstrukturen, die der historischen Intention widersprechen. Gartendenkmalpfleger arbeiten deshalb mit historischen Quellen, Gemälden, Plänen und Beschreibungen, um die ursprüngliche Raumwirkung zu rekonstruieren und als Grundlage für Pflegekonzepte zu nutzen.

Ein weiteres Problem ist die Ausbreitung invasiver Gehölze, insbesondere des Pontischen Rhododendrons (Rhododendron ponticum), der in vielen britischen und deutschen Landschaftsparks des 19. Jahrhunderts massenhaft gepflanzt wurde und sich heute unkontrolliert ausbreitet. Er beschattet den Boden so stark, dass keine Naturverjüngung der standorttypischen Gehölze mehr möglich ist und die Bodenvegetation vollständig unterdrückt wird. Seine Bekämpfung ist aufwendig und kostspielig, aber in vielen historischen Parks unumgänglich, um die ursprüngliche Raumstruktur und die ökologische Vielfalt zu erhalten.

Die Rasenpflege ist ein weiterer kritischer Punkt. Der charakteristische englische Parkrasen, kurz gehalten und von gleichmäßiger Textur, ist das Ergebnis intensiver Pflege. In öffentlichen Parks mit begrenzten Budgets wird er häufig durch Hochschnitt oder durch Umwandlung in Blühwiesen ersetzt, was ökologisch sinnvoll sein kann, aber die ursprüngliche Raumwirkung verändert. Eine differenzierte Pflegestrategie, die Rasenflächen in Sichtachsen und Haupträumen kurz hält, während Randbereiche extensiver gepflegt werden, ist ein gangbarer Kompromiss, der ökologische und denkmalpflegerische Ziele verbindet.

Der englische Gartenstil in der zeitgenössischen Landschaftsarchitektur

Die Relevanz des englischen Gartenstils für die zeitgenössische Landschaftsarchitektur ist nicht historisch, sondern strukturell. Seine Kernprinzipien, die Komposition von Raum durch Vegetation, die Dramaturgie des Weges, die Integration von Wasser, die Inszenierung von Licht und Schatten, sind Grundlagen des freiraumplanerischen Entwurfs, die unabhängig von Stilfragen gelten. Wer heute einen Stadtpark, eine Parkanlage oder einen Freiraum im urbanen Kontext entwirft, arbeitet bewusst oder unbewusst mit Mitteln, die der englische Gartenstil entwickelt und kodifiziert hat.

Die Diskussion um naturnahe Stadtbegrünung, Biodiversität und klimaangepasste Freiraumgestaltung hat dem Landschaftsgarten neue Aktualität gegeben. Seine Betonung von Gehölzstrukturen, offenen Rasenflächen und Gewässern entspricht in weiten Teilen dem, was heute als grüne Infrastruktur bezeichnet wird: ein Netz von Grünflächen, das ökologische Funktionen wie Kühlung, Wasserrückhalt, Biodiversitätsförderung und Aufenthaltsqualität miteinander verbindet. Der Landschaftspark ist in diesem Sinne kein veraltetes Modell, sondern ein bewährtes Raumkonzept, das mit zeitgemäßen ökologischen Anforderungen kompatibel ist.

Gleichzeitig ist eine kritische Auseinandersetzung mit dem Erbe des englischen Gartenstils notwendig. Seine Entstehung war untrennbar mit Landbesitz, sozialer Exklusion und kolonialer Ressourcennutzung verbunden. Die Pflanzensammlungen vieler historischer Parks speisten sich aus dem botanischen Imperialismus des 18. und 19. Jahrhunderts, der Pflanzenarten aus aller Welt nach Europa brachte, oft unter fragwürdigen Umständen. Eine reflektierte Praxis der Gartendenkmalpflege und der zeitgenössischen Landschaftsarchitektur schließt diese historische Dimension ein, ohne das gestalterische Erbe pauschal zu verwerfen.

Der englische Gartenstil bleibt eine der produktivsten Quellen der Landschaftsarchitektur, weil er eine Antwort auf eine Frage gibt, die aktueller ist denn je: Wie kann der Mensch Natur so gestalten, dass sie sowohl ästhetisch überzeugt als auch ökologisch funktioniert, sowohl individuell erlebbar als auch gesellschaftlich zugänglich ist? Die Antwort, die der Landschaftsgarten seit drei Jahrhunderten gibt, ist keine endgültige, aber sie ist eine, die immer wieder neu gelesen und weiterentwickelt werden kann.

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Studentische Arbeiten II: Die G+L im September 2021

Aurelia Ibach
Aurelia Ibach

Das Heft als Teaser: weitere studentische Arbeiten online

Im September 2019 veröffentlichten wir die erste G+L mit dem Titel „Studentische Arbeiten“. Hier stellten wir außergewöhnliche Projekte vor, die im Jahr zuvor in den Landschaftsarchitektur­studiengängen deutscher Universitäten entstanden sind. Nun, zwei Jahre später und unter ganz anderen Studienbedingungen (die Corona-Pandemie lässt grüßen), setzen wir die Ausgabe zur Reihe fort (und denken im Übrigen bereits jetzt schon wieder voller Begeisterung über das Folgeheft „Studentische Arbeiten III“ nach).

Damit alles fair bleibt, konzentrieren wir uns im vorliegenden Heft auf Abschluss- und Projektarbeiten, die an Hochschulen und ­Uni­versities of Applied Sciences entstanden sind. Unser Ziel: heraus­ragenden studentischen Arbeiten und den Nachwuchs­talenten, die dahinter stehen, eine Plattform zu geben und Sicht­barkeit für ­Ausnahmetalente zu schaffen.

Bei unseren Vorgesprächen mit Professor*innen und Studierenden mussten wir in der G+L-Redaktion schnell akzeptieren: Ein Heft mit 66 Seiten reicht in keinem Fall aus, die vielen, wirklich guten und spannenden Projekte angemessen vorzustellen, die aktuell an unseren Hochschulen gemacht werden. In diesem Sinne: Sehen Sie das vorliegende Heft bitte als Teaser. Denn: Noch mehr studentische Projekte veröffentlichen wir in den kommenden September-Tagen – Projekt für Projekt – hier, bei uns auf der Webseite.

Was sollten Berufsanfänger*innen anders machen?

Abgesehen von den Projekten aus den Häusern TH Ostwestfalen-Lippe, Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, FH Erfurt und BTU Cottbus-Senftenberg bietet das Heft zudem ein paar sehr persön­liche Insights in das Hochschulleben: Eine Absolventin fasst für uns zusammen, was sie gerne vor ihrem Landschaftsarchitekturstudium gewusst hätte, fünf HSWT-Professor*innen sagen frei heraus, was Studierende aus ihrer Sicht nicht wissen (bzw. nicht checken), eine Landschaftsarchitektin blickt zurück auf ihre ersten Monate im Berufsleben und René Rheims von KRAFT.RAUM erörtert, was Berufsanfänger*innen anders machen sollten.

In diesem Sinne: Viel Freude beim Lesen und Stöbern sowie schon mal einen guten Start ins neue Semester (vielleicht diesen Herbst doch tatsächlich wieder ein bisschen in Präsenz?!).

Die G+L 09/21 ist bei uns im Shop erhältlich.

Buga 2029: Wettbewerb für Bacharach entschieden

Blick auf den Münzbach. Quelle: Buga2029/urbanegestalt Köln
Blick auf den Münzbach. Quelle: Buga2029/urbanegestalt Köln

Die Bundesgartenschau 2029 findet im Welterbe Oberes Mittelrheintal statt. Dies verläuft auf 67 Rheinkilometern und circa 620 Quadratkilometern von Bingen/Rüdesheim bis nach Koblenz. Mit dem Arbeitstitel „Willkommen am Wasser“ will man dort Menschen, Welterbe-Tal und BUGA verbinden. Die BUGA 2029 findet dabei an mehreren Orten gleichzeitig statt. Für einen der drei Schwerpunktbereiche, Bacharach im Kreis Mainz-Bingen, steht nun der Wettbewerbssieger fest. Aus zehn Entwürfen überzeugte das Landschaftsarchitekturbüro urbanegestalt (Köln) zusammen mit Hille und Tesch Architekten (Ingelheim). Lesen Sie hier mehr zum freiraumplanerischen Gestaltungswettbewerb.

Buga 2029 - Projektteam und Motto. Quelle: Buga2029/urbanegestalt Köln
Buga 2029 – Projektteam und Motto. Quelle: Buga2029/urbanegestalt Köln

Vom Kleinod zum Versprechen für die Zukunft

Bacharach ist eine historische Stadt mit Burg, Kloster und Fachwerkhäusern. Sie hat sich bereits einen Namen als poetischen, weltoffenen Treffpunkt gemacht. Doch nicht nur die Architektur und Kulturgeschichte des Ortes ist einen Besuch wert, sondern auch die Natur. So setzt sich die Stadt und die Buga 2029 das gemeinsame Ziel, die Verbindung zwischen Rheinanlagen und Altstadt stärker zu verknüpfen. Den Einheimischen und Besuchenden soll ein entschleunigtes Erlebnis geboten werden. Das 10 Hektar große Planungsgebiet verläuft dabei vom Werth bis zum Strand beim Campingplatz. Hier kommt also vieles zusammen: Altstadtcharme, Landschaftspark, Sport- und Freizeitmöglichkeiten, Strandbad sowie Camping. 

Die Landesbeauftragte für die Buga 2029, Staatssekretärin Simone Schneider, ist begeistert: „Ich freue mich, dass die Buga in Bacharach weiter Gestalt annimmt. Der Siegerentwurf verkörpert das erklärte Ziel der Buga, den Fluss erlebbar zu machen und kombiniert dies mit der einzigartigen mittelalterlichen Innenstadt und vielen kreativen Ideen aus der Stadt selbst“. Und laut Stadtbürgermeister Philipp Rahn beinhaltet der Siegerentwurf genau die eingebrachten Ideen der Bürger*innen Bacharachs. Insofern sagt er: „So können wir das Kleinod Bacharach bis zur Buga 2029 nicht nur im Hinblick auf unsere Geschichte, sondern auch für künftige Generation weiterentwickeln“.

So idyllisch ist Bacharach. Quelle: Buga2029/urbanegestalt Köln
So idyllisch ist Bacharach. Quelle: Buga2029/urbanegestalt Köln

Robuster Rahmen für Poesie

Der Siegerentwurf bietet für die Ausstellungen und Veranstaltungen der Buga 2029 einen robusten Rahmen. So sagt der Geschäftsführer der Deutschen Bundesgartenschau-Gesellschaft, Jochen Sandner: „Die Buga-Konzeption baut auf den Grundlagen der dauerhaften Neugestaltung des Geländes auf. Künftige Buga-Besucher werden sich sicherlich auf viele farbenfrohe und fantasievolle Überraschungen freuen können, die von der Grünen Branche für die Besuchserlebnisse beim Sommerfestival Bundesgartenschau 2029 geschaffen werden“.

Der Arbeitstitel des Entwurfs zur Buga 2029 lautet dabei „Inseln der Poesie“. Auf den Inseln sollen besondere Orte mit verschiedenen, inspirierenden Funktionen geschaffen werden. Unter dem Überbegriff Poesie führt man verschiedene Themen zusammen: Kreativität mit Malerei und Ästhetik sowie Naturerlebnis mit Reise und Aufbruch. Das Gewinnerteam unterteilt die „Inseln der Poesie“ dabei in „Auenufer“, „Park“ und „B(e)acharach“.

Drei Freiraumtypologien für das Areal

Urbanegestalt und ihr Team gliedern den Bearbeitungsbereich der Buga 2029 in drei Freiraumtypologien: Auenpark, Landschaftspark sowie Sport- und Freizeitpark mit Strandbad. Jede dieser Typologien verspricht dabei eine andere Atmosphäre. Währenddessen verknüpft die am Rhein verlaufende Uferpromenade die Freiräume miteinander. 

Auenufer

Im Norden ist das „Auenufer“ zu finden. Hier wandelt man einen Teil der Landschaft in eine Auenlandschaft um. Der Weg schlängelt sich durch eine naturnahe Bepflanzung und kreiert so Nischen und Rückzugsorte. Die entspannte Atmosphäre ergänzt der Tonnenhof als gastronomisches Angebot.

Klimagarten samt Gewächshaus

Der Weg führt weiter zum sogenannten Klimagarten samt Gewächshaus. Der Bereich besteht aus Rasenflächen und trockenheitsresistenten Pflanzungen. Die Uferpromenade läuft entlang eines Fähranlegers. Hier kann man zum Bacharacher Werth übersetzen. Die Münzbachlagune verbindet dabei das „Auenufer“ mit dem Holzdeck am Fähranleger. Auf großen Steinen kann man hier über den Rhein laufen. Allgemein plant man einen aneignungsbaren Uferbereich entlang der Promenade — zum Beispiel mit Sitzstufen.

Landschaftsgarten

Der nächste Abschnitt führt in den sogenannten Landschaftsgarten. Hier, im historischen Teil des Parks, werden die ursprünglichen Wegeverbindungen der Rheinanlagen übernommen. Außerdem entsiegelt man den bisherigen Parkplatz, um den Landschaftspark fortzuführen. Dabei bieten Sitzgelegenheiten entlang der Wege idyllische Aussichten auf den Rhein beziehungsweise die Stadt.

Planausschnitt Nord. Quelle: Buga2029/urbanegestalt Köln
Planausschnitt Nord. Quelle: Buga2029/urbanegestalt Köln

Camping mit Gruppenzeltplätzen oder Tiny Houses

Die zentrale Wiese im Planunsggebiet dient Sport und Veranstaltungen. Zusätzlich könnten Beachvolleyball Felder und eine Calisthenics Anlage den Bereich ergänzen. Und am Ufer gibt es einen mobilen Weinpavillon.

Im südlichen Planabschnitt entsteht ein großzügiger Bereich mit Aktivitäten für alle Altersgruppen. Die Fläche grenzt an das Standbad und den Campingplatz an. Sie hat demnach das Potential, Besuchende und insbesondere die jüngeren Generationen von Bacharach auch nach der Buga 2029 anzusprechen. Hier könnte der Campingplatz auf innovative Elemente setzen. Gruppenzeltplätze oder Tiny Houses würden eine vielfältige und nachhaltige Campingerfahrung ermöglichen.

Planausschnitt Mitte. Quelle: Buga2029/urbanegestalt Köln
Planausschnitt Mitte. Quelle: Buga2029/urbanegestalt Köln
Planausschnitt Süd. Quelle: Buga2029/urbanegestalt Köln
Planausschnitt Süd. Quelle: Buga2029/urbanegestalt Köln

Wie es weiter geht

Der Realisierungsteil des freiraumplanerischen Wettbewerbs umfasst nur die Rheinanlagen. Der Übergang zur Altstadt und der B9 gehört zum Ideenteil. Dieser dient lediglich als stadtplanerischer Vorschlag. Hier berücksichtigt das Siegerteam weitestgehend die Vorgaben gemäß der Planung des Landesbetriebs Mobilität. Sie schlagen beispielsweise vor, beim künftigen Edeka-Markt mittels eines Mobilitäts-Hubs die Parkmöglichkeiten zu optimieren.

Die eigentliche Arbeit beginnt aber erst jetzt. Buga-Geschäftsführer Sven Stimac sagte hierzu: „Gemeinsam mit der Stadt Bacharach und den Preisträgern werden wir intensiv beraten, welche Vorschläge aus dem Entwurf finanziert, umgesetzt und nachhaltig betrieben werden können. Wir freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit“. Auch lobte man bereits zwei weitere Wettbewerbe für Abschnitte der Buga 2029 aus.

Schon gewusst? Die BUGA 2031 findet in Wuppertal statt. Mehr dazu hier.