Ein grünes Gebäude mit vielen Bäumen
Der Grünbunker vom Hamburg is grün und hat gewonnen. Foto: blab

Der Europäische Gartenpreis 2024 ging in diesem Jahr an insgesamt zehn Projekte. Dabei stand das Thema „Grüne Oase“ im Vordergrund. Insbesondere in der Kategorie „Maßnahmen zur Klimaanpassung“ gibt es viele Lektionen.

Das Europäische Gartennetzwerk (EGHN) hat Partner in 15 europäischen Ländern. Gemeinsam mit der Stiftung Schloss Dyck, einem Zentrum für Gartenkunst und Landschaftskultur in Jüchen, vergibt das Netzwerk seit 2010 jedes Jahr den Europäischen Gartenpreis. Dieser bewertet mehr als nur spektakuläre und traditionelle Gartenelemente: Der Preis ist breit angelegt und querschnittsorientiert. Er zeichnet innovative Konzepte mit städtebaulichen und nachhaltigen Aspekten aus, die besondere Angebote für Besuchende bieten und Wert auf bürgerschaftliches Engagement legen.
Aber auch die Qualität der Neuanlage oder des wiederhergestellten Gartens oder Parks spielt dabei natürlich eine Rolle. Die Nominierten und die Gewinnerprojekte sollen als Inspiration und Modell für andere Gartenprojekte dienen. Jedes Jahr gibt es zwei Standardkategorien, „Management oder Entwicklung eines historischen Parks oder Gartens“ sowie „Design oder Konzept eines zeitgenössischen Parks oder Gartens“. Hinzu kommen weitere Kategorien, die das Spektrum ergänzen. Am 28. Juni 2024 wurde der Europäische Gartenpreis 2024 in Schloss Dyck an insgesamt zehn Preisträger vergeben.

Maßnahmen zur Klimaanpassung

In der Kategorie „Maßnahmen zur Klimaanpassung“ gab es gleich drei erste Europäische Gartenpreise 2024. Zum einen erhielt das Anwesen mit Park Mount Stewart in Großbritannien einen ersten Preis. Dieses vom National Trust verwaltete Ensemble aus Schloss, Garten und Park liegt am Ostufer des Strangford Lough in Nordirland. Schon seit dem frühen 19. Jahrhundert gibt es hier die „Sea Plantation“, die als Puffer gegen Winde dient und das lokale Klima verändert, indem sie die Temperaturen erhöht, die Salzablagerungen der Gischt auffängt und die Windgeschwindigkeit verringert. Derzeit messen Sensoren die Temperatur, die Luftfeuchtigkeit, die Bodentemperatur und -feuchte sowie den Niederschlag, um die Sea Plantation besser auf die Zukunft vorzubereiten.
Auch die Waterdunen in Breskens in den Niederlanden haben einen ersten Preis erhalten. Sie stellen eine Gegenmaßnahme zum Verlust der Gezeitennatur in der Region dar und sind gleichzeitig ein wichtiges Natur- und Erholungsgebiet. Das Wasser zwischen den Dünen kommt aus der Nordsee und hilft dabei, die Gezeiten zu dämpfen. Zudem bietet es Nahrung für Würmer, Krebse und Garnelen, die wiederum Vögel anziehen. So entwickeln sich die seltenen, wertvollen Salzwiesen, auf denen Meeresgemüse und Austern wachsen.
Der Grüne Bunker in St. Pauli in Hamburg erhielt ebenfalls einen ersten Preis in dieser Kategorie. Dieser frühere Flakbunker ist mit einer Grundfläche von 75 x 75 Metern einer der größten Hochbunker Deutschlands. Fünf pyramidenförmige Geschosse haben seine Höhe auf insgesamt 58 Meter aufgestockt. Ein 560 Meter langer grüner Bergweg führt über Rampen und Treppen auf das Dach, wo über 7.600 Quadratmeter öffentliche Grünflächen entstanden sind. Hinzu kommen 1.700 Quadratmeter Fassadenbegrünung. Das Hamburger Büro Landschaftsarchitektur+ hat das Projekt entworfen.

Grünber Wald omg. Foto blab
Grünber Wald omg. Foto blab

Management historischer Anlagen

Für das Management historischer Anlagen ging ein erster Preis beim Europäischen Gartenpreis 2024 an das Walmer Castle and Gardens in Deal, Großbritannien. Das Schloss zeichnet sich durch seine Vielfalt aus: Strand, Wald, Wiesen, formale Gärten, ein Küchengarten und außergewöhnliche Staudenrabatten kommen zusammen. English Heritage verwaltet den Garten und sieht ihn als Auftakt für ein ganzes Programm weiterer zeitgenössischer Gärten. Zuletzt wurde auch eine Wildblumenwiese wiederhergestellt.
Ein zweiter Preis ging an die Gärten des Manoir d’Eyrignac in Salignac-Eyvigues in Frankreich. Das Haus und seine Gärten sind schon seit 22 Generationen in Familienbesitz und seit 1987 ist der Garten öffentlich zugänglich. Er wurde ursprünglich im 18. Jahrhundert als formaler französischer Garten angelegt und im 19. Jahrhundert im englischen Stil umgestaltet. Heute verbindet der Garten Aspekte eines Renaissance-Gartens mit mittelalterlichen Nutzgärten und einer zeitgenössischen immergrünen Gestaltung. Über 300 Buchsbaum- und Eibenskulpturen säumen die großen Alleen und demonstrieren die Kunst des Formschnitts mit Schere, Schnur und Lot.
Auch der Schlosspark Lednice in Tschechien erhielt einen 2. Preis. Das Schloss stammt in seiner heutigen Form aus dem 19. Jahrhundert. 1811 wurde die Umgestaltung des Parks abgeschlossen, die englischen Vorbildern erhielt. Unter anderem wurden Inseln im See modelliert und künstliche Erhebungen geschaffen. In den letzten Jahren erhielt der Park eine Neugestaltung, in deren Rahmen unter anderem das Palmenhaus mit seinem halbrunden Dach erneuert wurde.

Gestaltung zeitgenössischer Anlagen

In der Kategorie „Entwurf oder Konzept eines zeitgenössischen Parks oder Garten“ ging ein 1. Preis beim Europäischen Gartenpreis 2024 an das Festival International de Jardins / Hortillonages in Amiens, Frankreich. Dieses sommerliche Event bietet Gärten, Landschaften und Kunstwerke auf den schwimmenden Hortillonages-Inseln, die sowohl zu Fuß als auch per Boot zugänglich sind. Das Gartenfestival gibt es seit 2010. Es hat das Ziel, die Verbindungen zwischen zeitgenössischen Gärten und Kunstwerken, Ökologie, sozialer Integration und nachhaltiger regionaler Entwicklung zu stärken.
Ein 2. Preis ging nach Zürich für den Atmos Dachgarten von Studio Vulkan Landschaftsarchitektur und EM2N Architekten. Das Atmos-Areal schafft öffentlichen Raum und bietet dabei einen grünen Garten. Auf 1.500 Quadratmetern ist Platz für Ruhe und Inspiration. Zudem ist der stark begrünte Dachgarten mit seinen Hochbeeten Teil des Wassermanagementsystems: Er dient als Wasserspeicher und sammelt ausreichend Bewässerung für seine eigenen Pflanzen.
Ebenfalls einen 2. Preis erhielt der Hepworth Wakefield Garden in Großbritannien von Tom Stuart-Smith. Es handelt sich um einen Skulpturengarten am Calder River. Freiflächen, stufenlose Wege und Sitzgelegenheiten ermöglichen es, den Garten in Rue zu erkunden. Mit über 14.000 Stauden, 120 Metern Buchenhecke, 60.000 Blumenzwiebeln sowie 52 Bäumen und Sträuchern ist der Garten zu jeder Jahreszeit attraktiv. Zudem sind viele der gewählten Pflanzen trockenheitsresistent.

Sonderpreis der Stiftung Schloss Dyck beim Europäischen Gartenpreis 2024

Anlässlich ihres 25-jährigen Bestehens hat die Stiftung Schloss Dyck ihren Sonderpreis an ein Gartenprojekt vergeben, das sich den üblichen Kategorien entzieht und Besonderes leistet: „Nad Dzherelom“ ist eine grüne Oase der Ruhe in der ukrainischen Stadt Lviv. Früher war dieser Ort ein Steinbruch, nun ist er eine Oase der Ruhe für Binnenflüchtlinge, die leider dringend nötig ist. Dabei zeigt der Park auch, wie es möglich ist, mit geringem Ressourceneinsatz einen unwirtlichen, verlassenen Steinbruch in einen Park zu verwandeln. Ein neuer See stellt das Herzstück des Parks dar. Er bietet Erholung und sammelt zudem das Regenwasser der Umgebung. Um das Ökosystem so wenig wie möglich zu stören, wurde die Topographie des Geländes nicht verändert. Unter anderem hat das Projekt auch einen Preis von New European Bauhaus 2024 erhalten. Es zeigt, wie man mit kostengünstigen, schnell wirksamen Maßnahmen vernachlässigte Naturräume wiederbeleben kann.

Die Jurymitglieder des Europäischen Gartenpreises im Jahr 2024 waren Roswitha Arnold (Vorsitzende/ Deutschland), Kerstin Abicht (Deutschland), Ed Bennis (Großbritannien), Gunnar Ericson (Schweden), Jacob Fischer (Dänemark), Davorin Gazvoda (Slowenien), Johanna Leissner (Deutschland), Philipp Sattler (Deutschland), Jens Spanjer (Deutschland), Lieneke van Campen (Niederlande) und Michael Walker (Großbritannien).

Mehr über den Europäischen Gartenpreis erfahren Sie hier.

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Formeln gegen den Regen

In der südchinesischen Küstenstadt Shenzhen wurden noch bis 1980 Fische gezüchtet und Reis angebaut. Doch dann entstand, in unmittelbarer Nähe zu Hong Kong, Chinas erste Sonderwirtschaftszone. Die gesamte Zone wurde in kürzester Zeit bebaut, und auch das Umland urbanisierte sich – allerdings trotz zahlreicher Masterpläne informell und ungeplant. Heute, nicht mal dreißig Jahre nach Gründung der Sonderwirtschaftszone, zählen Shenzhen und die angrenzenden Städte im südchinesischen Perlflussdelta zu den größten und am schnellsten wachsenden urbanisierten Regionen der Welt.

Transformation der Landschaft

Dieser Urbanisierungsprozess veränderte die Morphologie und die Wassersysteme der ursprünglichen Landschaft drastisch. Flüsse wurden kanalisiert und unter die Oberfläche verlegt, das hügelige Terrain eingeebnet. An der Küste und zur Grenze Hong Kongs drängen sich die Gebäude dicht an dicht. Weil es keine bebaubaren Flächen mehr gibt, wurde an der Küste Land aufgeschüttet. Steigende Wohnungspreise treiben diese Entwicklung immer weiter voran. Schon lange können die natürlichen Flussläufe den Wasserbedarf der Städte im Perlflussdelta nicht mehr decken. Niederschläge gäbe es genug, doch die Wasserqualität der Flüsse ist zu schlecht. Daher wurden an den Ausläufern der großen, noch bestehenden Berge große Wasserreservoirs gebaut, um die Menschen mit ausreichend Trinkwasser zu versorgen.

Städtebaulicher Wandel

In den Stadtteilen Bao’an und Longgang prägten zunächst kleinere Fabriken und sogenannte Urban Villages das Stadtbild. Häuser stehen dort so dicht, dass man auch von „Handshake-Buildings“ spricht. Nur selten findet man in diesen Vierteln unbebaute Restflächen, auf denen Platz für einen Baum oder zumindest eine Palme wäre. Je nach Entwicklungsstatus der Villages fehlt den Bewohnern jeglicher Komfort. Viele der Wohnungen sind schlecht belüftet, bieten wenig Licht und sind überbelegt. Da das Kanalsystem nicht ausreicht, stehen die Viertel bei Starkregen sofort unter Wasser. Bisher sind die Urban Villages daher fast ausschließlich Wohnort der Armen, der Wanderarbeiter, die ihr Geld für ihre Familien in der Heimat benötigen. Häufig leben in den Urban Villages größere Gruppen von Menschen, die aus dem gleichen Dorf stammen. Die Urban Villages sind zwar die erste Anlaufstelle, doch aufgrund der Lebensverhältnisse meist nur als Übergangslösung vorgesehen. Zu den Vierteln selbst bestehen nur selten Bindungen, stattdessen wünscht man sich den sozialen Aufstieg und eine Wohnung in einem der neuen Wohnhochhäuser.

Trend: Gated Communities

Diese neuen Wohntürme mit fünfzehn bis fünfzig Stockwerken, findet man überall in der Stadt. Meistens sind mehrere Türme zu einer Gated Community zusammengeschlossen – große, unzugängliche Inseln der Mittelschicht. Während ältere Gebiete durch Mauern vom Stadtraum abgeschottet sind, stehen neuere auf erhöhten Erdgeschossplatten, die neben der Tiefgarage bei entsprechend guter Lage auch Supermärkte und Restaurants bieten. Derartige Gated Communties und hochwertige Wohnhochhäuser entstanden in Bao’an und Longgang erst nach 2005. Doch seitdem entstehen sie überall. Zeitgleich werden die Stadtstraßen ausgebaut. Zog Shenzhen zuvor vor allem Wanderarbeiter an, hat sich die Stadt mittlerweile zu einem wichtigen Standort für große Firmen entwickelt, die gut ausgebildetes Fachpersonal benötigen. Für die Mittelschicht bietet die Innenstadt der ersten Sonderwirtschaftszone nicht mehr genügend bezahlbaren Wohnraum. Große Immobilienentwickler drängen immer stärker in die bisherigen Randlagen. Urban Villages und Fabriken werden zugunsten von Großprojekten abgerissen, man schafft Platz für neue Gated Communities und neue Vehrkehrsachsen. Weil die Gated Communities privaten Rückzugsbereiche sind, verkommt der verbleibende Freiraum zu rein funktionalen Bereichen ohne eigene Qualität.

Viele der Fabriken wandern in günstigere Randlagen oder in Nachbarländer ab. Wenn aber Urban Villages abgerissen werden, hat das zugleich einen Verlust günstigen Wohnraums zur Folge. Haus- oder Wohnungsbesitzer erhalten zwar in einem der neuen Wohntürme eine Ersatzwohnung und werden finanziell entschädigt. Die Mieter jedoch, die Wanderarbeiter, werden aus dem Stadtteil verdrängt. Viele haben inzwischen einen Job in Restaurants, in einer der zahlreichen Shopping Malls oder bei den Immobilienentwicklern. Sie werden lange Pendelwege auf sich nehmen müssen. Denn sie werden immer weiter an den Stadtrand gedrängt, während die Mittelschicht in den neuen Wohnkomplexen lebt. Der Stadtumbau führt letztendlich zu einer Segregation der Stadtgesellschaft.

Gegentrend: Erhalten

Doch es gibt einen Gegentrend: das Urban Village Restoration Programm. Urban Villages sind zu einer Eigenart Shenzhens geworden, die durch die Tabula-Rasa-Planungen verlorengeht. Dynamisch gewachsene Strukturen wie die der Urban Villages ermöglichen ein punktuelles Um- und Anbauen, weil sie im Gegensatz zu den Typologien der großen Wohnungsbauunternehmen kleinteilig und erweiterbar sind. Sie bieten auch kleinen selbstständigen Betrieben gute Geschäftslagen. Auf lange Sicht könnten sie sich in beliebte Viertel wandeln. Beispiele dafür sind der studentische Global Schindler Award 2015 oder der Urban Regeneration Masterplan of Sungang and Qingshuihe von KCAP. Auch Projekte der Shenzhen Bi-City Biennale of Urbanism/Architecture zeigen unter dem Motto „Re-Living the City“, dass ein Umbau ressourcenschonender ist als Neubau und nach Jahren des Wachstums nun vor allem der Bestand aufgewertet werden muss. Das ist ein wichtiger Schritt, damit die Stadt eine Art von Permanenz entwickeln kann und ihre historischen Schichten ablesbar bleiben. Auch den alten Dorfkernen in Shenzhen, die heute oft unbeachtet verfallen, könnte bald schon wieder zu neuer Prominenz verholfen werden. Durch behutsame Erneuerungsprojekte im Bestand und Nachverdichtungsmöglichkeiten in ehemaligen Fabrikarealen kann Shenzhen eine stärkere Eigenart entwickeln als bisher, die eine eigene Form von Urbanität hervorbringt.

Mehr zum Thema lesen Sie in Garten+Landschaft 11/2016 – Planen mit Regenwasser.

In Chicago, the new Maggie Daley Park and Chicago Riverwalk exemplify the trend for cities to build high-profile works of landscape architecture to spur reinvestment in historic urban cores. In this era of decreased federal and municipal funding for such projects, private investment is increasingly called upon. As a result, and as a range of new spaces in Chicago demonstrate, the landscape architect has emerged as a mediator between commercial interests and civic responsibilities. 

High-profile landscape architecture projects are by now obligatory tools for American municipal governments seeking to attract investment dollars and jobs. The narrative of outmoded infrastructure or former industrial land turned park is by now well established and the discipline of landscape architecture has emerged as a leader in their design. Catalyzed by these new public spaces, American downtowns and nearby neighborhoods are experiencing what the popular press and scholars alike herald as a “return to the city” or an “urban renaissance.”

But whose renaissance is it? Who is returning? It is urgent to frame these spaces historically and geographically to take stock of the effects recent works are having on the spatial, social, and ecological dimensions of American cities. Reframing the urban as a multi-scalar process producing historically specific moments of urbanization, not just a politically bounded aggregation of individual objects, helps productively complicate this popular narrative.

The Right to Open Space

Chicago typifies the aforementioned changes. However, when considered against the backdrop of the city’s civic-minded 19th- and 20th-century public open space and infrastructure projects, its recent landscape transformations beg questions regarding agency, equity, and design. From the city’s very inception, Chicago’s citizens and civic leaders demonstrated a precocious awareness of the value of open space. On an 1839 map drawn up by Canal Commissioners, a portion of the Lake Michigan lakefront was set aside as open space and labeled “Public ground forever to remain vacant of buildings.”

It eventually became Grant Park and its status as an open and free space is protected by law. Likewise, an ethos of publicness pervades Burnham and Bennett’s 1909 Plan of Chicago, which to this day has an astonishing influence on local planning and design decisions.

With its legacy of equitable open space and strong record of consistently building infrastructure, parkland, and architecture of significance, the latest era of Chicago parks is a locally specific version of national trends. […]

Read more in Topos 94 – City Visions.