Fallschutz Spielplatz: Material, Detail und Praxis

Ein Detail von Belag und Freiraummaterial zum Thema Fallschutz Spielplatz
Rostiger, bemalter Untergrund mit Fischmotiven – ein Detail zwischen Verwitterung und Kunst. (Foto: ghisini / Unsplash)

Spielplätze sind Orte des Risikos, und das ist gut so. Kinder brauchen Bewegung, Herausforderung und die Erfahrung körperlicher Grenzen. Doch zwischen einem kalkulierten Risiko und einer vermeidbaren schweren Verletzung liegt der Fallschutz: jene Schicht aus Materialien, Konstruktionen und Planungsentscheidungen, die den Aufprall eines stürzenden Kindes so weit abmildert, dass aus einem Sturz kein Schädel-Hirn-Trauma wird. Fallschutz Spielplatz ist damit kein bürokratisches Anhängsel der Spielplatzplanung, sondern deren sicherheitstechnisches Fundament.

  • Was Fallschutz auf Spielplätzen bedeutet und welche normativen Grundlagen gelten
  • Wie die kritische Fallhöhe definiert wird und was sie für die Planung bedeutet
  • Welche Fallschutzmaterialien es gibt, wie sie sich unterscheiden und wann welches geeignet ist
  • Welche Detailanforderungen an Einbau, Tiefe und Flächenausdehnung bestehen
  • Wie Fallschutz gewartet, geprüft und dokumentiert werden muss
  • Welche typischen Planungs- und Ausführungsfehler in der Praxis auftreten
  • Wie Fallschutz mit Gestaltung, Ökologie und Stadtklima vereinbar ist
  • Welche Haftungsfragen Betreiber kennen müssen

Grundlagen: Was Fallschutz auf Spielplätzen bedeutet und welche Normen gelten

Fallschutz bezeichnet im Kontext des Spielplatzbaus alle Maßnahmen und Materialien, die den Aufprall eines Kindes nach einem Sturz von einem Spielgerät so dämpfen, dass schwere Kopfverletzungen vermieden werden. Die zentrale Kenngröße ist dabei der HIC-Wert (Head Injury Criterion), ein biomechanischer Grenzwert, der beschreibt, ab welcher Aufprallbelastung das Risiko einer lebensbedrohlichen Kopfverletzung statistisch signifikant ansteigt. Normativ ist ein HIC-Wert von 1000 als Grenzwert definiert; Fallschutzmaterialien müssen nachweisen, dass sie diesen Wert bei der jeweils relevanten Fallhöhe nicht überschreiten.

Die maßgebliche Norm für Spielplätze in Deutschland und dem gesamten europäischen Raum ist die DIN EN 1176 (Spielplatzgeräte und Spielplatzböden), ergänzt durch die DIN EN 1177 (Stoßdämpfende Spielplatzböden), die spezifisch die Anforderungen an Fallschutzmaterialien und deren Prüfung regelt. Die DIN EN 1176 gliedert sich in mehrere Teile, die unterschiedliche Gerätekategorien abdecken, von Schaukeln über Rutschen bis hin zu Seilbahnen und Wasserspielgeräten. Für Planer und Betreiber ist das Zusammenspiel beider Normen entscheidend: Die DIN EN 1176 definiert, welche Fallhöhe ein Gerät aufweist und welche Fallschutzfläche erforderlich ist; die DIN EN 1177 legt fest, wie der Boden diese Anforderungen zu erfüllen hat.

Neben den europäischen Normen sind in Deutschland die Unfallverhütungsvorschriften der gesetzlichen Unfallversicherungsträger relevant, insbesondere die DGUV-Regelwerke für Kindertageseinrichtungen und Schulen. Diese können über die Normanforderungen hinausgehen und sind für bestimmte Betreiberkategorien verbindlich. Wer als Landschaftsarchitekt oder Freiraumplaner Spielplätze entwirft, muss beide Regelwerksebenen kennen und im Planungsprozess berücksichtigen.

Kritische Fallhöhe: Definition, Messung und planerische Konsequenzen

Die kritische Fallhöhe (KFH) ist die maximale Höhe, aus der ein Kind auf den Fallschutzboden stürzen kann. Sie ist nicht identisch mit der Gesamthöhe eines Spielgeräts, sondern wird für jedes Gerät und jede Nutzungsposition gesondert ermittelt. Bei einer Schaukel beispielsweise ergibt sich die kritische Fallhöhe aus der maximalen Höhe, die der Schwerpunkt des Kindes beim Schaukeln erreicht, zuzüglich eines Sicherheitszuschlags. Bei Klettergerüsten wird die höchste begehbare Plattform herangezogen; bei Rutschen ist es die Abgangshöhe am Rutschbeginn.

Die DIN EN 1176 unterscheidet zwischen der freien Fallhöhe und der kritischen Fallhöhe. Die freie Fallhöhe beschreibt den vertikalen Abstand vom höchsten Aufenthaltspunkt bis zum Boden. Die kritische Fallhöhe ist der Wert, der für die Auswahl des Fallschutzmaterials und die erforderliche Einbautiefe maßgeblich ist. In der Praxis beträgt die kritische Fallhöhe bei vielen Standardgeräten auf öffentlichen Spielplätzen zwischen einem und drei Metern; bei großen Kletter- und Abenteuerspielgeräten kann sie bis zu drei Meter erreichen, was erhebliche Konsequenzen für die Materialwahl und die Einbautiefe hat.

Für Planer ergibt sich aus der kritischen Fallhöhe unmittelbar die Anforderung an den Fallschutzboden: Je höher die KFH, desto dicker muss die stoßdämpfende Schicht sein, und desto anspruchsvoller sind die Anforderungen an das Material. Gleichzeitig definiert die Norm eine Mindestfläche, die als Fallschutzbereich um das Gerät herum freigehalten werden muss, den sogenannten Fallraum. Dieser Bereich darf keine harten Kanten, Hindernisse oder anderen Spielgeräte aufweisen und muss vollständig mit geeignetem Fallschutzmaterial belegt sein. Die Dimensionierung dieses Fallraums hängt von der Geräteart und der Fallhöhe ab und ist in der DIN EN 1176 detailliert geregelt.

Fallschutzmaterialien im Vergleich: Schüttgüter, Beläge und Kunststoffsysteme

Die Palette der zugelassenen Fallschutzmaterialien ist breit und reicht von natürlichen Schüttgütern über gebundene Beläge bis hin zu industriell gefertigten Kunststoffsystemen. Jede Materialgruppe hat spezifische Stärken und Schwächen, die für die Planungsentscheidung ausschlaggebend sind.

Lose Schüttgüter: Sand, Kies, Holzhäcksel und Rindenmulch

Sand ist das älteste und verbreitetste Fallschutzmaterial auf Spielplätzen. Er ist preisgünstig, leicht verfügbar, ökologisch unbedenklich und bietet Kindern einen hohen Spielwert durch seine Formbarkeit. Als Fallschutzmaterial muss Sand jedoch bestimmte Qualitätsanforderungen erfüllen: Er muss ausreichend fein und frei von Steinen und Fremdkörpern sein, darf nicht zu feucht oder zu trocken sein, da beide Zustände die Stoßdämpfung verschlechtern, und muss in ausreichender Tiefe eingebaut werden. Die DIN EN 1177 gibt für Sand Einbautiefen vor, die je nach kritischer Fallhöhe zwischen 20 und 30 Zentimetern liegen. Entscheidend ist, dass diese Tiefe im Betrieb erhalten bleibt, denn Sand verteilt sich durch Spielaktivität und muss regelmäßig nachgefüllt und aufgelockert werden.

Holzhäcksel und Rindenmulch sind ebenfalls als Fallschutzmaterialien zugelassen und bieten gegenüber Sand den Vorteil einer geringeren Verschmutzungsneigung durch Tiere sowie einer besseren Wasserdurchlässigkeit. Rindenmulch hat jedoch den Nachteil, dass er im Laufe der Zeit verrottet, sich setzt und seine stoßdämpfenden Eigenschaften verliert. Die Einbautiefe muss daher regelmäßig kontrolliert und das Material bei Bedarf erneuert werden. Holzhäcksel aus unbehandeltem Holz sind ökologisch verträglich und können in naturnahen Spielbereichen gestalterisch gut integriert werden. Beide Materialien erfordern eine sorgfältige Qualitätskontrolle beim Einbau, da Fremdkörper wie Nägel oder Glasscherben im angelieferten Material ein ernstes Sicherheitsrisiko darstellen.

Kies und Splitt werden seltener eingesetzt, da sie bei Stürzen weniger gut dämpfen als Sand oder organische Schüttgüter und zudem als Wurfgeschosse missbraucht werden können. Für Fallschutzzwecke kommen sie nur in bestimmten Körnergrößen und Einbautiefen in Frage und sind in der Praxis auf Spielplätzen weitgehend durch bessere Alternativen verdrängt worden.

Gebundene und industriell gefertigte Beläge

Fallschutzplatten aus Gummirezyklat, auch als Gummigranulatplatten oder Fallschutzmatten bezeichnet, sind vorgefertigte Elemente, die in definierten Dicken geliefert und verlegt werden. Ihre stoßdämpfenden Eigenschaften sind werkseitig geprüft und zertifiziert, was die Planungssicherheit erhöht. Die erforderliche Plattendicke ergibt sich direkt aus der kritischen Fallhöhe und ist den Herstellerangaben zu entnehmen, die auf Prüfberichten nach DIN EN 1177 basieren müssen. Gummiplatten sind robust, wartungsarm und beständig gegen Witterungseinflüsse; sie eignen sich besonders für stark frequentierte Spielbereiche und für Standorte, an denen lose Schüttgüter aus hygienischen oder gestalterischen Gründen nicht erwünscht sind.

Fallschutzbeläge aus Gummigranulat, die direkt vor Ort eingebaut werden (sogenannte In-situ-Beläge oder Fallschutzguss), bieten den Vorteil einer fugenfreien, nahtlosen Oberfläche und können in nahezu beliebige Formen gegossen werden. Sie eignen sich für komplexe Grundrisse und ermöglichen eine gestalterische Integration durch Farbgebung und Musterung. Ihr Nachteil liegt im höheren Einbauaufwand, in der Notwendigkeit einer fachgerechten Untergrundvorbereitung und in der Empfindlichkeit gegenüber unsachgemäßer Verarbeitung. Schlechte Einbauqualität kann die Stoßdämpfungseigenschaften erheblich beeinträchtigen, weshalb eine Abnahmeprüfung nach Einbau dringend empfohlen wird.

Kunstrasenbeläge mit integrierter Fallschutzschicht werden zunehmend auf multifunktionalen Spielflächen eingesetzt, die sowohl als Spielplatz als auch als Sportfläche genutzt werden. Sie bieten eine natürliche Optik, sind pflegeleicht und können je nach Aufbau erhebliche Fallhöhen abdecken. Ihre Stoßdämpfungseigenschaften hängen jedoch stark vom Zustand der Füllstoffe und der Trägerschicht ab und nehmen mit zunehmender Nutzung und Alterung ab. Regelmäßige Prüfungen sind daher auch bei diesem Belagstyp unerlässlich.

Einbau, Flächenausdehnung und häufige Detailfehler

Die korrekte Ausführung des Fallschutzes ist mindestens ebenso wichtig wie die richtige Materialwahl. In der Praxis entstehen die meisten Sicherheitsmängel nicht durch falsche Materialentscheidungen, sondern durch Fehler im Detail: zu geringe Einbautiefe, unzureichende Flächenausdehnung, fehlende Randeinfassungen oder mangelhafter Untergrundaufbau.

Die Einbautiefe von Schüttgütern muss im eingebauten und leicht verdichteten Zustand den Normvorgaben entsprechen. Ein häufiger Fehler besteht darin, die Tiefe beim Einbau korrekt herzustellen, aber keine Vorkehrungen für die unvermeidliche Materialverlagerung durch Spielaktivität zu treffen. Besonders unter Schaukeln und am Auslauf von Rutschen sammelt sich Material an, während es an anderen Stellen fehlt. Hier helfen tiefere Einfassungen, die das Schüttgut am Austreten hindern, sowie regelmäßiges Nachfüllen und Umverteilen als Teil der Betriebspflicht.

Die Fallschutzfläche muss den gesamten Fallraum um das Gerät herum abdecken. Die DIN EN 1176 definiert diesen Bereich für jede Gerätekategorie präzise. Bei Schaukeln beispielsweise erstreckt sich der Fallraum nach vorne und hinten über eine Distanz, die von der Aufhängehöhe abhängt, und seitlich über einen Mindestabstand von der Geräteachse. Ein typischer Planungsfehler besteht darin, den Fallschutzbereich zu knapp zu bemessen, weil der verfügbare Platz begrenzt ist oder weil die Fallraumberechnung nicht korrekt durchgeführt wurde. Das Ergebnis ist ein Gerät, dessen Fallraum an einer Seite auf einen harten Belag oder eine Wegebefestigung trifft, was die gesamte Sicherheitskonzeption untergräbt.

Randeinfassungen aus Holz, Cortenstahl, Beton oder Kunststoff begrenzen den Fallschutzbereich und verhindern das Austreten von Schüttgütern. Sie müssen so gestaltet sein, dass sie selbst kein Verletzungsrisiko darstellen: keine scharfen Kanten, keine Klemm- oder Einklemmstellen, keine Stolperkanten im Übergangsbereich. Holzeinfassungen sind gestalterisch attraktiv, erfordern aber eine regelmäßige Kontrolle auf Fäulnis und Splitterbildung. Cortenstahl ist dauerhaft und wartungsarm, muss aber in der Detailausbildung so geplant werden, dass keine scharfen Schnittkanten zugänglich sind.

Der Untergrundaufbau unter Schüttgütern wird häufig unterschätzt. Ein wasserdurchlässiger, stabiler Unterbau ist Voraussetzung dafür, dass das Schüttgut nicht in den Boden einsinkt und seine Tiefe dauerhaft erhalten bleibt. Geotextile Trennlagen verhindern das Einmischen von Bodenmaterial in das Schüttgut, was bei Sand besonders wichtig ist, da Bodeneintrag die Spielqualität und die Hygiene beeinträchtigt. Gleichzeitig darf die Trennlage die Wasserdurchlässigkeit nicht so stark einschränken, dass sich Staunässe bildet, die das Schüttgut verdichtet und seine Stoßdämpfungseigenschaften verschlechtert.

Wartung, Prüfpflichten und Betreiberverantwortung

Ein korrekt geplanter und eingebauter Fallschutz verliert seinen Schutzcharakter, wenn er nicht regelmäßig gewartet und geprüft wird. Die DIN EN 1176 unterscheidet drei Prüfebenen: die regelmäßige Sichtprüfung (in der Regel wöchentlich), die operative Inspektion (monatlich bis vierteljährlich) und die jährliche Hauptinspektion durch eine sachkundige Person. Alle drei Ebenen umfassen auch die Kontrolle des Fallschutzbodens.

Bei der Sichtprüfung werden offensichtliche Mängel erfasst: Fremdkörper im Schüttgut, sichtbare Verdichtungen oder Vertiefungen, beschädigte Randeinfassungen oder fehlende Materialmengen. Die operative Inspektion prüft die Einbautiefe mit einem Messgerät, kontrolliert die Flächenausdehnung und bewertet den Zustand von Belägen auf Risse, Ablösungen oder Verformungen. Die Hauptinspektion durch eine sachkundige Person umfasst eine vollständige Dokumentation des Zustands und kann eine messtechnische Überprüfung der Stoßdämpfungseigenschaften nach DIN EN 1177 einschließen, was bei älteren oder stark beanspruchten Belägen dringend empfohlen wird.

Die Betreiberpflicht ist in Deutschland durch das Produktsicherheitsgesetz, das BGB und die einschlägigen Unfallverhütungsvorschriften geregelt. Betreiber, also Kommunen, Wohnungsbaugesellschaften, Schulen, Kindertageseinrichtungen oder private Eigentümer, tragen die Verkehrssicherungspflicht für den Spielplatz. Diese Pflicht umfasst ausdrücklich den Fallschutz. Wer die Prüfpflichten vernachlässigt und es zu einem Unfall kommt, riskiert zivilrechtliche Haftung und strafrechtliche Konsequenzen. Eine lückenlose Dokumentation aller Prüfungen, Wartungsmaßnahmen und Mängelbeseitigungen ist deshalb nicht nur fachlich geboten, sondern rechtlich unerlässlich.

Gestaltung, Ökologie und Integration in den Freiraum

Fallschutz muss kein gestalterisches Opfer sein. Die Materialwahl und die Detailausbildung des Fallschutzbereichs sind integrale Bestandteile des Freiraumdesigns und können erheblich zur Qualität eines Spielplatzes beitragen oder sie mindern. Monotone Gummigranulatflächen in Einheitsbraun prägen leider noch immer viele öffentliche Spielplätze, obwohl die gestalterischen Möglichkeiten weit darüber hinausgehen.

Sand als Fallschutzmaterial ist nicht nur sicherheitstechnisch bewährt, sondern bietet einen eigenständigen Spielwert, der durch kein anderes Material vollständig ersetzt wird. Die Integration von Sandspielzonen in den Fallschutzbereich ist deshalb nicht nur ökonomisch sinnvoll, sondern pädagogisch begründet. Holzhäcksel und Rindenmulch fügen sich in naturnahe Spielbereiche harmonisch ein und unterstützen ein gestalterisches Konzept, das auf organische Materialien und naturhafte Formen setzt. Gummibeläge können durch Farbgebung, Musterung und Reliefgestaltung in das Spielkonzept integriert werden und selbst zum Spielelement werden.

Aus ökologischer Sicht sind wasserdurchlässige Fallschutzlösungen gegenüber versiegelten Belägen klar zu bevorzugen. Lose Schüttgüter und wasserdurchlässige Gummibeläge ermöglichen die Versickerung von Niederschlagswasser und tragen zur Reduzierung des Oberflächenabflusses bei. In Zeiten zunehmender Starkregenereignisse und der Notwendigkeit einer dezentralen Regenwasserbewirtschaftung ist dieser Aspekt bei der Fallschutzmaterialwahl nicht zu vernachlässigen. Auch das Stadtklima profitiert: Flächen mit organischen Schüttgütern oder Kunstrasen erwärmen sich weniger stark als versiegelte Gummibeläge, was in der Hitzeperiode für die Aufenthaltsqualität auf dem Spielplatz relevant ist.

Die Einbindung des Fallschutzbereichs in das Gesamtgefüge des Spielplatzes und des umgebenden Freiraums erfordert eine sorgfältige Planung der Übergänge. Harte Übergänge von Fallschutzflächen zu Wegen, Rasenflächen oder Pflasterflächen sind nicht nur gestalterisch unbefriedigend, sondern können Stolperfallen darstellen. Weiche, fließende Übergänge mit abgeschrägten Randeinfassungen oder eingebetteten Übergangsstreifen sind sowohl sicherheitstechnisch als auch gestalterisch die bessere Lösung.

Fallschutz Spielplatz als planerische Gesamtaufgabe

Fallschutz auf Spielplätzen ist keine nachgelagerte technische Pflichtübung, sondern eine Planungsaufgabe, die von Beginn an in den Entwurfsprozess integriert sein muss. Die Wahl der Spielgeräte, ihre Anordnung im Raum, die verfügbare Fläche, das gestalterische Konzept und die Betriebsressourcen des Betreibers sind allesamt Parameter, die die Fallschutzlösung beeinflussen und von ihr beeinflusst werden. Wer Spielgeräte mit hoher kritischer Fallhöhe auf beengtem Raum plant, schafft Fallraumkonflikte, die sich nachträglich kaum lösen lassen. Wer Schüttgüter wählt, ohne die Wartungskapazitäten des Betreibers zu kennen, riskiert, dass der Fallschutz im Betrieb nicht aufrechterhalten wird.

Die normative Grundlage aus DIN EN 1176 und DIN EN 1177 bietet Planern einen verlässlichen Rahmen, ersetzt aber nicht das planerische Urteilsvermögen. Normen definieren Mindestanforderungen; gute Spielplatzplanung geht darüber hinaus und fragt, welches Material für diesen Ort, diese Nutzergruppe, dieses Pflegebudget und dieses gestalterische Konzept wirklich das richtige ist. Die Antwort ist selten eindeutig und erfordert eine Abwägung zwischen Sicherheit, Spielwert, Gestaltung, Ökologie und Wirtschaftlichkeit.

Letztlich schützt guter Fallschutz nicht nur Kinder vor Verletzungen, sondern auch Betreiber vor Haftungsrisiken und Planer vor Regressansprüchen. Er ist die materielle Grundlage dafür, dass Spielplätze das sein können, was sie sein sollen: Orte, an denen Kinder sich austoben, Grenzen erfahren und die Welt begreifen, ohne dass ein Sturz zur Katastrophe wird. Diese Schutzfunktion verdient eine Planung, die ihr gerecht wird.

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Buchcover: Die neue Völkerwanderung: Arrival City (Bild: Pantheon Verlag)

Aktuell leben über die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten. Jedoch wird die Menschheit schon bald eine rein urbane Spezies sein. Mit diesem Phänomen beschäftigt sich Doug Saunders in seinem Buch „Die neue Völkerwanderung – Arrival Cities“. Das Buch untersucht die Problematik der Ankunftsstädte auf einer journalistischen und subjektiven Art. Ob dies dem Autor gelingt, diskutiert die Studentin Katharina von Unhold in ihrer Rezension.

Gegen Ende des Jahrhunderts wird die Menschheit eine rein urbane Spezies sein. Mehr als die Hälfte der Weltbewohner*innen befindet sich in einer letzten Völkerwanderung vom Land über Ankunftsstädte in die Stadt. Doug Saunders, kanadisch-britischer Autor und Journalist, bereist über 22 Städte, ob in China, Großbritannien, den USA oder im Iran, und nimmt seine Leser*innen auf eine Reise zum Phänomen der Ankunftsstadt mit.

Inhalt und Aufbau

„Ankunftsstädte“, oder „Arrival City“, sind Siedlungen oder „Dörfer in städtischer Umgebung“ mit sozialen Verbindungen zur Herkunftsgemeinde ihrer Bewohner*innen. Diese lassen sich in den „dauerhaften Ansammlungen“ nicht lebenslang nieder, sondern befinden sich in einem wiederkehrenden Rhythmus von Ankommen und Weiterziehen in die Stadt. Die meist als Elendsviertel wahrgenommenen Orte sozialer Ausgrenzung sind als „Durchlauferhitzer“ des sozialen Aufstiegs in die Mittelschicht oft erfolgreich. Selbst geschaffene, aus der Gemeinschaft hervorgehende Organisation generiert eine substanzielle Entwicklungskraft. Die Untersuchung der Entwicklungen von Ankunftsstädten ist relevant, um deren Erfolg oder ihr Scheitern dennoch zu lenken. In diesem Spannungsfeld von Selbstständigkeit und notwendiger Unterstützung, Ankunft und Abreise, Dorf und Stadt spielen Stadtplaner*innen eine wichtige Rolle. In zehn Kapiteln, auf 541 Seiten, beschreibt Saunders Beispiele von Ankunftsstädten und menschlichen Einzelschicksalen. Er vergleicht seine Beobachtungen auf Grundlage bereits erforschter Theorien in Ankunftsstädten der ganzen Welt.

Arrival City: Empfehlenswert?

Saunders’ Buch, original in Englisch verfasst, ist eher journalistisch als wissenschaftlich geschrieben. Zwar liegen ihm einige Quellen zugrunde, jedoch werden viele subjektive Behauptungen aufgestellt, deren Tragfähigkeit unbewiesen scheinen. Die gewählten Einzelschicksale sind spannend beschrieben und lassen Leser*innen in das Leben des jeweiligen Ortes eintauchen. Die Verallgemeinerung dieser Schicksale und der Vergleich mit anderen Ankunftsstädten, ohne Rücksicht auf kontextuelle Unterschiede, lassen Themenfremde jedoch an der Glaubwürdigkeit der Argumente zweifeln. Zahlreiche interessante Fakten sind für Leser:innen, die die dahinterstehenden Phänomene nicht kennen, nicht zusammenhängend genug geschildert. Durch die Verallgemeinerung und unklare Struktur der Kapitel fällt es schwer, Wesentliches von Unwesentlichem zu trennen. Die auf Reisen gesammelten Erfahrungen des Autors sind zwar Hauptbestandteil der Argumentation, jedoch könnten wichtige Erkenntnisse sachlich wirkungsvoller vermittelt werden. Fotos und Pläne würden helfen, die Orte besser zu verstehen.

Das Buch ist eine längst überfällige Manifestation schon erforschter Phänomene und bietet eine Reise durch die Welt, die eher chaotisch als nach Plan verläuft. Nichtsdestotrotz verändert Saunders den Blickwinkel auf vorschnell negativ bewertete Räume, schafft somit ein besseres Verständnis von Ankunftsstädten und bietet viel Inspiration für Planer*innen und Politiker*innen.

Hintergrund dieses Artikels: In einem Seminar von Professor Udo Weilacher, Lehrstuhl für Landschaftsarchitektur und Transformation (LAT) an der TU München konnten Studierende im Sommersemester 2021 in das Feld des Fachjournalismus hineinschnuppern. Dabei schrieben Masterstudent*innen der Landschaftsarchitektur der Technischen Universität München in einer „Schreibwerkstatt” Buchrezensionen zu selbst ausgewählter Fachliteratur. Wir stellen auf unserer Seite ausgewählte Rezensionen vor.

Eine Übersicht zu weiteren Buchrezensionen aus dem Seminar finden Sie hier.

Auch interessant: Hier geht es zu der Rezension von Aimee Neff zum Buch „Unbestimmte Räume in Städten: Der Wert des Restraums“.

Nachwuchs – die G+L im Januar 2023, Coverbild: Majharul Islam via Unsplash
Nachwuchs – die G+L im Januar 2023, Coverbild: Majharul Islam via Unsplash

Wie will die nächste Generation von Landschaftsarchitekt*innen künftig arbeiten? Das fragen wir in der Januarausgabe 2023. Welche Erwartungen haben junge Planer*innen an ihre Arbeitgeber*innen, ihr Gehalt, ihre Arbeitszeiten, und welche Verantwortung wollen sie in diesem Zuge übernehmen? Das Ziel: Wir wollen wissen, ob diese Wünsche mit dem tatsächlichen Büroalltag in Einklang zu bringen sind und wie Planungsbüros heute agieren müssen, um nicht an Attraktivität bei der jüngeren Generation einzubüßen. Chefredakteurin Theresa Ramisch stellt das Heft im Editorial vor.

Übrigens: Goldene Zeiten oder schwindende Chancen? Wie blicken Landschaftsarchitekt*innen und Architekt*innen im Studium oder am Beginn ihrer Karriere in die Zukunft? Wie will die nächste Generation künftig arbeiten? Zusammen mit jungen Planer*innen haben die G+L und der BAUMEISTER je ein Heft zu diesen und weiteren Fragen erarbeitet. Entstanden sind zwei spannende Ausgabe, die gemeinsam einen umfassenden Einblick in die Welt junger Planer*innen gibt – und im Bundle zum Vorteilspreis noch attraktiver sind.

Was ist dem Landschaftsarchitektur-Nachwuchs wichtig?

Wie will der Nachwuchs künftig arbeiten? Diese Frage haben wir in einer großangelegten G+L-Onlineumfrage insgesamt 447 Berufsanfänger*innen und Studierenden der Landschaftsarchitektur gestellt. Was ist den jüngeren Generationen wichtig? Das Gehalt, die Arbeitszeit, der Dienstwagen? Für das vorliegende Heft haben wir versucht, alles herauszufinden.

Ein Büroleiter eines renommierten deutschen Landschaftsarchitekturbüros beschrieb uns jüngst die Wünsche junger Bewerber*innen folgendermaßen: das Gehalt, das man in der Region sonst so verdient, möglichst bald ein Projekt verantworten wollen, das aber nur bei 80 Prozent Arbeitszeit – ohne Überstunden, insbesondere keine am Wochenende. Was denken Sie, liebe Leser*innen, wenn Sie das lesen? „Das muss heute doch möglich sein.“ Oder eher: „Wer soll das bezahlen?“

Work-Life-Balance an erster Stelle

Unsere jüngeren Generationen haben andere Erwartungen an ihren Arbeitsplatz als die vor ihnen. An allererster Stelle steht die Work-Life-Balance. Das ergab unsere Onlineumfrage. Auf die Frage, was ein moderner Arbeitgeber unseren Befragten heutzutage bieten muss, nannten 95 Prozent der Befragten eine gute Work-Life-Balance. Ein angemessenes Gehalt folgte erst an zweiter Stelle. Kann und soll ein Büro dieses klare Statement ignorieren? Und gleich hinterhergefragt: Wie kann ein Büro eine bessere „Work-Life-Balance“ überhaupt möglich machen?

Alle Seiten zu Wort kommen lassen

Es sind komplexe Fragen, hinter deren Antworten Individuen stecken. Klar, man vereinfacht gerne, verallgemeinert. Es ist leicht, von „dem Nachwuchs“ zu reden, oder „der Gen Y“, „der Gen Z“. Wir versuchen deshalb im vorliegenden Heft, sowohl die Menge als auch das Individuum zu Wort kommen zu lassen. So stehen nicht nur Berufsanfänger*innen und Studierende in diesem Heft Rede und Antwort – sondern auch Büropartner*innen und bdla-Präsident Stephan Lenzen. Und liebe Bürochef*innen, eine Umfrage für Euch – so als Gegencheck – ist auch schon in der Mache.

G+L im neuen Design

Und zum Schluss: Ja, stimmt. Das Design der G+L hat sich verändert. Warum? Weil sich auch die G+L weiterentwickelt und veränderte Ansprüche hat. Unsere Wurzeln verlieren wir aber dadurch nicht, versprochen.

Die G+L 01/2023 erhalten Sie bei uns im Shop.

In unserer Dezemberausgabe 2022 haben wir uns mit der Frage beschäftigt, was Stadtplätze heute können müssen. Mehr dazu hier.