Auwiesenquartier Wangen: Im Rahmen der Landesgartenschau 2024 revitalisiert und mit dem Flächenrecyclingpreis 2025 ausgezeichnet – ein Vorzeigeprojekt nachhaltiger Stadtentwicklung. Foto: Thorsten Jochim, München
Auwiesenquartier Wangen: Im Rahmen der Landesgartenschau 2024 revitalisiert und mit dem Flächenrecyclingpreis 2025 ausgezeichnet – ein Vorzeigeprojekt nachhaltiger Stadtentwicklung. Foto: Thorsten Jochim, München

Der Flächenrecyclingpreis 2025 setzt neue Maßstäbe für nachhaltige Stadtentwicklung und Innenverdichtung in Baden-Württemberg. Die diesjährige Auszeichnung würdigt herausragende städtebauliche Projekte, die nicht nur ökologische Aspekte berücksichtigen, sondern auch soziale und wirtschaftliche Faktoren in Einklang bringen. Mit dem Glücksteinquartier in Mannheim und der Landesgartenschau in Wangen im Allgäu wurden zwei Vorzeigeprojekte prämiert, die exemplarisch für die Zukunft der urbanen Gestaltung stehen.

Urbane Symbiose von Wohnen und Arbeiten

Das Glücksteinquartier in Mannheim repräsentiert die Quintessenz moderner Stadtplanung. Mit seinem ganzheitlichen Ansatz schafft es eine harmonische Verbindung zwischen Wohn-, Arbeits- und Freizeiträumen, die den Anforderungen einer sich wandelnden Gesellschaft gerecht wird.

Innovative Raumnutzung: Auf einer Fläche, die zuvor brachliegende Potenziale barg, entstanden 750 Wohneinheiten und 4.600 Arbeitsplätze. Diese Verdichtung folgt dem Prinzip der „Stadt der kurzen Wege“ und reduziert den Flächenverbrauch signifikant.

Nachhaltiges Mobilitätskonzept: Die Integration eines durchdachten Verkehrskonzepts fördert umweltfreundliche Fortbewegungsmittel und minimiert den motorisierten Individualverkehr. Fußgänger- und Fahrradfreundlichkeit stehen im Vordergrund und tragen zur Lebensqualität bei.

Architektonische Vielfalt: Die moderne Architektursprache des Quartiers schafft eine visuelle Identität, die Funktionalität mit ästhetischem Anspruch verbindet. Die Gebäudeensembles fügen sich harmonisch in das städtische Gefüge ein und schaffen gleichzeitig Raum für Individualität.

Grüne Lunge: Besonders hervorzuheben ist die extensive Durchgrünung des Areals. Grünflächen und Freiräume fungieren als ökologische Nischen und soziale Treffpunkte, die das Mikroklima verbessern und zur Biodiversität in der Stadt beitragen.

Moderne Stadtvilla am Glückstein-Park in Mannheim: Nachhaltige Architektur und urbane Wohnqualität im ausgezeichneten Flächenrecyclingprojekt Glücksteinquartier. Foto: Stadt Mannheim
Moderne Stadtvilla am Glückstein-Park in Mannheim: Nachhaltige Architektur und urbane Wohnqualität im ausgezeichneten Flächenrecyclingprojekt Glücksteinquartier. Foto: Stadt Mannheim

Renaissance eines Industrieareals

Die Transformation des ehemaligen Industriegeländes in Wangen im Allgäu zur Landesgartenschau demonstriert eindrucksvoll, wie brachliegende Flächen revitalisiert werden können. Das Projekt setzt neue Standards in der Konversion von Industriebrachen und zeigt, wie historisches Erbe mit zukunftsweisender Stadtentwicklung verschmelzen kann.

Masterplan mit Weitblick: Über 80 Einzelprojekte fügen sich zu einem kohärenten Gesamtkonzept zusammen. Diese Herangehensweise ermöglicht eine schrittweise, aber zielgerichtete Entwicklung des Areals, die flexibel auf sich ändernde Bedürfnisse reagieren kann.

Flusslandschaft als Lebensader: Die Integration der Argen in das Stadtbild schafft nicht nur ästhetische Qualitäten, sondern auch ökologische Mehrwerte. Die Öffnung zur Flusslandschaft verbessert das Stadtklima und schafft Erholungsräume für die Bevölkerung.

Kulturelles Erbe bewahren: Die Umnutzung der ehemaligen Baumwollspinnerei zeigt exemplarisch, wie industrielles Kulturerbe in moderne Nutzungskonzepte integriert werden kann. Dies stärkt die lokale Identität und schafft einzigartige Orte mit Geschichte.

Wangen im Allgäu aus der Luft: Die Landesgartenschau 2024 und das prämierte Auwiesenquartier als Musterbeispiel für nachhaltige Stadtentwicklung durch Flächenrecycling. Foto: Thorsten Jochim, München
Wangen im Allgäu aus der Luft: Die Landesgartenschau 2024 und das prämierte Auwiesenquartier als Musterbeispiel für nachhaltige Stadtentwicklung durch Flächenrecycling. Foto: Thorsten Jochim, München

Stuttgart-Freiberg: Modell für nachhaltige Verdichtung

Das mit einem Sonderpreis ausgezeichnete Wohnquartier Adalbert-Stifter-Straße in Stuttgart-Freiberg zeigt, dass Flächenrecycling nicht nur auf Industriebrachen beschränkt ist. Die maßvolle Nachverdichtung eines bestehenden Quartiers demonstriert, wie auch in gewachsenen Strukturen neuer Wohnraum geschaffen werden kann, ohne den Charakter des Viertels zu beeinträchtigen.

Multifunktionale Nutzung: Neben zusätzlichem Wohnraum entstanden Pflege-Wohngemeinschaften und eine Kindertagesstätte. Diese Mischung fördert den generationenübergreifenden Austausch und stärkt den sozialen Zusammenhalt im Quartier.

Infrastrukturelle Aufwertung: Die Integration einer Tiefgarage entlastet den öffentlichen Raum und schafft Platz für Begegnungsflächen und Grünanlagen. Dies verbessert die Lebensqualität für alle Bewohner und wertet das gesamte Umfeld auf.

Wohnquartier Adalbert-Stifter-Straße in Stuttgart-Freiberg: Nachhaltige Nachverdichtung und Flächenrecycling im prämierten Stadtentwicklungsprojekt. Foto: EMT-Architekten
Wohnquartier Adalbert-Stifter-Straße in Stuttgart-Freiberg: Nachhaltige Nachverdichtung und Flächenrecycling im prämierten Stadtentwicklungsprojekt. Foto: EMT-Architekten

Flächenrecycling als Schlüssel zur nachhaltigen Stadtentwicklung

Die Bedeutung des Flächenrecyclings für eine zukunftsfähige Stadtentwicklung kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Staatssekretärin Andrea Lindlohr vom Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen Baden-Württemberg unterstrich bei der Preisverleihung: „Brachflächen zu aktivieren, anstatt neue Flächen zu versiegeln, ist eine der wichtigsten Aufgaben nachhaltiger Stadtentwicklung.“

Der Flächenrecyclingpreis 2025, der bereits zum achten Mal vergeben wurde, setzt wichtige Impulse für die Stadtplanung der Zukunft. Die hochkarätig besetzte Jury unter Leitung von Albrecht Reuß von der Architektenkammer Baden-Württemberg würdigte Projekte, die nicht nur ökonomisch erfolgreich sind, sondern auch ökologische und soziale Aspekte in den Vordergrund stellen.

Innovative Ansätze für die Zukunft

Die nominierten Projekte, darunter die Illenauwiesen in Achern, die Klosterarkaden Weißenau in Ravensburg und das Steingauquartier in Kirchheim unter Teck, zeigen die Bandbreite innovativer Ansätze im Flächenrecycling. Von der Umnutzung ehemaliger Militärstandorte über die sensible Nachverdichtung historischer Anlagen bis hin zur Konversion großflächiger Industrieareale – die Vielfalt der Projekte spiegelt die Komplexität der Herausforderungen wider, denen sich moderne Stadtplanung stellen muss.

Mit insgesamt 23 eingereichten Projekten wird deutlich, dass das Bewusstsein für die Notwendigkeit nachhaltiger Flächennutzung in der Fachwelt und der Öffentlichkeit wächst. Der Flächenrecyclingpreis 2025 fungiert dabei als Katalysator für innovative Ideen und fördert den Wissenstransfer zwischen Kommunen, Planern und Investoren.

Die ausgezeichneten Projekte in Mannheim, Wangen und Stuttgart-Freiberg setzen Maßstäbe für zukünftige Entwicklungen. Sie zeigen, dass durch interdisziplinäre Zusammenarbeit, kreative Planung und den Mut zu neuen Lösungsansätzen urbane Räume geschaffen werden können, die nicht nur den aktuellen Bedürfnissen gerecht werden, sondern auch für kommende Generationen lebenswert bleiben.

Der Flächenrecyclingpreis 2025 unterstreicht die Bedeutung einer ganzheitlichen Herangehensweise an die Stadtentwicklung. Er ermutigt Kommunen und Planer, brachliegende Potenziale zu erkennen und zu nutzen, um lebenswerte, nachhaltige und zukunftsfähige Städte zu gestalten. Die prämierten Projekte sind Leuchttürme einer Entwicklung, die den sorgsamen Umgang mit der Ressource Boden in den Mittelpunkt stellt und damit einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz und zur Verbesserung der Lebensqualität in unseren Städten leistet.

 

Lesen Sie mehr zum Thema Klimaschutz Dank Kleingartenanlagen hier.

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Religion und Stadt

Religion ist in die öffentliche Debatte zurückgekehrt. Kruzifixe gehören – zumindest in Bayern– auch in öffentlichen Gebäuden zum Inventar. Gleichzeitig lehnen manche Bürger Religionen, wie den Islam, als Teil der modernen deutschen Identität ab. Mit diesen Debatten muss sich die Architektur moderner Sakralbauten auseinandersetzen.

Religion beeinflusst seit je Stadtbilder auf der ganzen Welt. Heute prägen vor allem mehrere Religionszugehörigkeiten die deutschen Großstädte. Diese sind nicht mehr zwingend mit geografischen Gegebenheiten oder nationale Grenzen verknüpft. Bewohner sehen bestehende Sakralbauten als gegebener Teil des Stadtbildes, als angenommen Realität. Neue Sakralbauten hingegen, wie die „Zentralmoschee“ in Köln, lösen nicht selten hitzige gesellschaftliche und politische Debatten aus. Ein günstiger Moment also, für eine Publikation, die den Zusammenhang zwischen Religion und Stadt erörtert.

Ein persönlicher Sichtwinkel

In dem Buch „Religion und Stadt“ stellen die Leipziger Architekten Ansgar und Benedikt Schulz fünf Positionen zeitgenössischer Sakralbauten in Deutschland vor. Dafür führen sie Gespräche mit den Architekten Paul Böhm, Jost Haberland, Wilfried Kühn und Andreas Meck. Ein persönliches Vorwort der beiden Herausgeber leitet die Auswahl ein und beschreibt ihren Weg zu „Religion und Stadt“. Die Architekten sprechen über ihre Kindheit in einer katholischen Gemeinde und über professionelle Erfolge, wie die Realisierung der Probsteikirche in Leipzig 2015. Ansgar und Benedikt Schulz kommen unter anderem zu dem Schluss, dass das Sakrale innerhalb eines Typus nicht eindeutig bestimmbar ist. Stattdessen haben alle untersuchten Projekte ein gemeinsames Merkmal: Sie spielen eine bedeutende Rolle für Geschichte und Identität der jeweiligen Stadt.

Verschiedene Gotteshäuser

Anschaulich führen Ansgar und Benedikt Schulz den Leser anhand von Visualisierungen und Zeichnungen von Kuehn Malvezzi’s religionsübergreifendes Konzept „House of One“, welches in Berlin Mitte realisiert werden soll. Außerdem stellen sie die Kirche „Seliger Rupert Mayer“ in Poing bei München von Meck Architekten vor. Außerdem wird das nicht realisierte Projekt „Neue Synagoge“ in Potsdam des Berliner Büros Haberland Architekten vorgestellt, sowie kürzlich viel diskutierte „Zentralmoschee“ der Architekten Gottfried und Peter Böhm in Köln. Auch die „Probsteikirche“ in Leipzig, geplant von Ansgar und Benedikt Schulz selbst, findet mit einem anerkennenden Beitrag des Schweizer Architekt Mario Botta seinen Weg in das Buch.

Begleitet von anschaulichen Perspektiven, technischen Zeichnungen und Fotografien gibt das Buch einen spannenden Einblick in die Vielfalt zeitgenössischer Sakralbauten in Deutschland. Ansgar und Benedikt Schulz illustrieren einprägsam, wie Architektur dazu beitragen kann, Religion wieder zu einem öffentlichen Thema zu machen. Die Projekte prägen auf verschiedene Arten die Identität ihrer Städte. So vollendet die Kirche „Seliger Rupert Mayer“ in Poing das Bild eines neuen Ortszentrums und wird zu einem beliebten Anlaufpunkt der Ortschaft. Weniger städtebaulich als symbolisch prägt die „Zentralmoschee“ in Köln städtische Identität. Der Bau einer Moschee in Innenstadtlage wird zu einem Symbol für den Beginn, weitere Religionen in die lokale Identität zu integrieren. Grund genug, dass Mario Botta moderne Sakralbauten ganz anders bezeichnet: „Zeichen unserer Zeit“ eben.

Wasserkraft birgt viel Potenzial, leidet aber auch unter den Folgen des Klimawandels.
Wasserkraft birgt viel Potenzial, leidet aber auch unter den Folgen des Klimawandels. Foto: Cedric Dhaenens via Unsplash

Die Kraft des Wassers zu nutzen, hat eine lange Tradition. Als erneuerbare Energiequelle wird Wasserkraft geschätzt. Zugleich gibt es nicht wenig Kritik an den Folgen, die ein Wasserkraftwerk samt Stauraum mit sich bringen. Alles, was Sie über die Vor- und Nachteile von Wasserkraftwerken wissen sollten, erfahren Sie hier.

Wie wird aus Wasser Strom erzeugt?

Menschen nutzen schon seit jeher die Kraft des Wassers. Früher gab es dafür Wassermühlen, aber diese sind fast überall modernen Wasserkraftwerken gewichen, die grünen Strom erzeugen.

Dies funktioniert über die Wasserkraft oder Hydroenergie. Damit ist die Umwandlung mechanischer Energie in elektrische Energie gemeint. Turbinen kommen zum Einsatz, um die kinetische Energie oder Bewegungsenergie von fließendem Wasser in nutzbare Energie umzuwandeln. Wichtig ist auch die potenzielle Energie oder Lageenergie, die gestautes Wasser besitzt.

Ein Wasserkraftwerk besteht im Wesentlichen aus Turbinen, die im Inneren des Kraftwerks bestehen. Sie drehen sich durch die Kraft des Wassers. Dabei entsteht Energie, die an einen Generator geleitet wird. Dieser wandelt die Bewegungs- oder Rotationsenergie in elektrische Energie um. Je nach Größe des Kraftwerks können die Turbinen mehrere Meter Durchmesser haben.

Neben den Turbinen und Generatoren haben Wasserkraftwerke auch ein angegliedertes Umspannwerk. Dieses hilft dabei, die gewonnene Energie in das lokale Hochspannungsstromnetz einzuspeisen. Somit findet der Strom seinen Weg zum*zur Verbraucher*in.

Der Inguri-Damm in Georgien. Foto: Alex Bagirov via Unsplash
Der Inguri-Damm in Georgien. Foto: Alex Bagirov via Unsplash

Welche Arten von Wasserkraftwerken gibt es?

Es gibt unterschiedliche Arten an Wasserkraftwerken. Je nach der Lage erzeugen sie auf unterschiedliche Art und Weise elektrische Energie. Entscheidende Faktoren sind zum Beispiel die Fallhöhe des Wassers, der Druck des Wassers sowie die Frage, ob die Energieumwandlung auf natürliche oder künstliche Weise geschieht.

Dies sind die wichtigsten Arten von Wasserkraftwerken:

  • Laufwasserkraftwerk: Diese Art von Wasserkraftwerk kommt besonders häufig zum Einsatz. Sie befindet sich an Flüssen und nutzt die Fließbewegung des Wassers. Entsprechend müssen die Flüsse eine hohe Fließgeschwindigkeit sowie einen großen Wasserdurchfluss aufweisen. Jedes Laufwasserkraftwerk hat einen Staudamm, um die Energie zu maximieren. Diese Kraftwerke liefern 24 Stunden am Tag Strom und bieten eine Grundlast.
  • Speicherkraftwerk: Beim Speicherkraftwerk gibt es ein Becken oder einen See, in dem Wasser gesammelt wird. Erst, wenn die Röhren geöffnet werden, strömt das Wasser in das Kraftwerk, wodurch sich die Energieproduktion gut verfolgen lässt. Diese Kraftwerke kommen typischerweise bei erhöhtem Energiebedarf zum Einsatz.
  • Pumpspeicherkraftwerk: Wenn erhöhter Energiebedarf herrscht, kommen oft auch Pumpspeicherkraftwerke zum Einsatz, die eine Verbesserung der Speicherkraftwerke darstellen. Denn hier kann Wasser aus dem unteren See wieder nach oben gepumpt werden, falls mehr Strom erzeugt wird, als nötig ist.
  • Gezeitenkraftwerk: Das Gezeitenkraftwerk nutzt die Kraft von Ebbe und Flut. Es funktioniert ähnlich wie das Laufwasserkraftwerk, nutzt aber stattdessen das Meerwasser mit seiner potentiellen oder Höhenenergie. Die Turbine wechselt je nachdem, ob Ebbe oder Flut herrscht, ihre Drehrichtung.
  • Wellenkraftwerk: Auf dem Meer gibt es Wellenkraftwerke. Sie nutzen die potentielle Energie von Wellen mithilfe einer hydraulischen Kammer. Aktuell befinden sie sich aber noch in der Testphase.

Vorteile

In Deutschland macht Wasserkraft etwa sieben Prozent aller erneuerbaren Energien aus. Aufgrund geographischer Bedingungen haben Onshore-Windkraft (42 Prozent), Photovoltaik (20 Prozent), Biomasse und Hausmüll (20 Prozent) sowie Offshore-Windkraft (11 Prozent) hierzulande höhere Anteile am Strommix.

Dennoch lohnt es sich, sich weiter mit der Wasserkraft zu beschäftigen. Denn ihr großer Vorteil besteht darin, dass Wasser eine erneuerbare Energiequelle darstellt. Die Stromproduktion ist hier also sehr umweltfreundlich und CO2-neutral. Außerdem sind Wasserkraftwerke sehr effizient. Sie wandeln knapp 90 Prozent der empfangenen Energie in elektrische Energie um.

Anders als Solar- und Windenergie ist Wasserkraft zudem gut planbar. Sie steht das ganze Jahr über zur Verfügung und lässt sich vor allem in Form von Speicherkraftwerken leicht steuern. Die erzeugte Energie lässt sich gut regeln. Somit ist es möglich, die Produktion an die Nachfrage anzupassen und ressourceneffizient zu arbeiten.

Viele Speicherkraftwerke sind gleichzeitig in den Hochwasserschutz eingebunden. Sie helfen dabei, bei starken Regenfällen sowie bei Dürren, Flüsse besser schiffbar zu machen. Durch die Aufstauung ist eine Regulierung des Wasserstands möglich.

Nachteile

Auf der anderen Seite stehen die Nachteile von Wasserkraft. Die Kraftwerke haben teils negative ökologische Auswirkungen. Insbesondere bei Stauseen und Sperrwerken sind Überflutungsflächen nötig. Diese greifen in die Landwirtschaft sowie in die lokale Flora und Fauna ein. Außerdem benötigen Wasserkraftwerke sehr viel Fläche, weisen also einen hohen Landschaftsverbrauch auf.

Die Standortwahl von Wasserkraftwerken ist aufgrund dieses Nachteils besonders wichtig. Da der Bau der Kraftwerke kostspielig ist, können sie nur an gut geeigneten Standorten erbaut werden. Sie greifen immer in den natürlichen Lauf eines Gewässers ein und beeinflussen das Ökosystem, weshalb vor dem Bau ausführliche Studien und Konsultationen nötig sind. Dies kann ein langer, komplizierter Prozess sein. Ökologische Ausgleichsflächen und Organismenwanderanlagen sind mögliche Lösungen.

Weitere Kritikpunkte an Wasserkraftwerken sind die manchmal nötige Umsiedlung von Anwohner*innen, der Verlust von Erholungsraum sowie die Unterbindung von Überschwemmungen. Letztere kann für landwirtschaftliche Flächen wichtig sein. Zugleich können Stauseen hohe CO2- und Methan-Emissionen verursachen, wenn Landflächen mit einem hohen Anteil an Kohlenstoff im Boden überflutet werden.

Der Glen Canyoun Damm mit Wasserkraftwerk in den USA. Foto: John Gibbons via Unsplash
Der Glen Canyoun Damm mit Wasserkraftwerk in den USA. Foto: John Gibbons via Unsplash

Wie hängt Wasserkraft mit dem Klimawandel zusammen?

Wasserkraft ist eine der wichtigsten erneuerbaren Energiequellen, denn dieser Rohstoff speist sich aus natürlichen Vorgängen. Im Gegensatz zu Kohle oder Gas reduziert sich die Menge an Wasser bei der Stromerzeugung nicht. Entsprechend handelt es sich hier um eine wichtige Möglichkeit, um umweltfreundlich Strom zu produzieren. Wenn Risiken wie Verletzungen des Ökosystems berücksichtigt werden, entsteht unbedenklicher Ökostrom.

Allerdings beeinflussen heiße, trockene Sommer das Potenzial von Wasserkraft negativ. Der Sommer 2022 zeigte zum Beispiel in Frankreich, dass wichtige Wasserkraftwerke nicht arbeiten konnten. Denn wenn weniger Wasser fließt, lässt sich weniger Strom produzieren. Im Sommer 2018 produzierten Schweizer Wasserkraftwerke weniger als 25 Prozent des erwarteten Stroms. Und in Österreich brach die Wasserkraftproduktion in diesem Jahr sogar teilweise um über 40 Prozent ein.

Das Forschungsvorhaben „Klimafolgen für die Wasserkraftnutzung in Deutschland und Aufstellung von Anpassungsstrategien für die nähere Zukunft“ erwartet ein Minus bei der Stromerzeugung durch Wasserkraftanlagen. Es weist auf verwandte Probleme wie etwa Seegras-Wachstum und verstopfte Filter hin, was zu hohen Kosten für die Werkbetreiber*innen führen kann.

Auf der anderen Seite lässt sich durch Klimawandelfolgen wie das Abschmelzen der Gletscher in Ländern wie der Schweiz mehr Wasserkraft produzieren. Einige Kantone profitieren davon, aber bei trockenen Sommern lässt sich der Verlust an Wasserkraft nur schwer auffangen.

Auch der Paraná-Fluss in Brasilien, Paraguay und Argentinien weist historisches Niedrigwasser auf, was zu niedrigen Wasserständen führt. Somit sind die Stauseen in Ländern wie Brasilien weniger gefüllt, was zu Stromausfällen führen kann. Es besteht die Sorge, dass Ausfälle von Wasserkraftwerken einen Rückfall auf fossile Energien befördern könnten. In afrikanischen Ländern wie Äthiopien, die teils 80 Prozent ihrer Energie aus Wasserkraft beziehen, ist ebenfalls mit Problemen durch die Folgen des Klimawandels zu rechnen.

Was sind die größten Wasserkraftwerke in Deutschland und der Welt?

In Deutschland gibt es über 400 große Wasserkraftwerke und Tausende kleinere Anlagen. Laut einer Analyse des Bundesumweltministeriums nutzt Deutschland bereits 80 Prozent des gegebenen Potenzials für Wasserkraft. Dazu gehören rund 80 Prozent Laufwasserkraftwerke und 20 Prozent Speicherkraftwerke. Die Flüsse Inn, Donau, Rhein, Isar, Lech, Main, Mosel, Neckar und Iller sind am wichtigsten für die Wasserkraft.

Das größte Wasserkraftwerk in Deutschland ist das Pumpspeicherwerk Goldisthal in Thüringen, das seine Kraft vom Fluss Schwarza erhält, einem Zufluss der Saale. Das Kraftwerk gehört Vattenfall. Auch das zweitgrößte Wasserkraftwerk des Landes gehört zu Vattenfall: Das Pumpspeicherwerk Markersbach in Sachsen. Nennenswert ist außerdem das baden-württembergische Schluchseewerk der Hotzenwaldgruppe. Hier befinden sich gleich mehrere große Kraftwerke.

Dies sind die zehn größten Wasserkraftwerke der Welt:

  1. Drei-Schluchten-Talsperre in China
  2. Baihetan-Wasserkraftwerk in China
  3. Itaipú-Kraftwerk in Brasilien
  4. Xiluodu-Kraftwerk in China
  5. Belo Monte Wasserkraftwerk in Brasilien
  6. Guri-Kraftwerk in Venezuela
  7. Wudongde-Kraftwerk in China
  8. Tucuruí-Kraftwerk in Brasilien
  9. Grand Coulee Kraftwerk in den USA
  10. Xiangjiaba-Kraftwerk in China

Übrigens: Solarstrom hat im Rekordsommer 2022 deutliche Fortschritte gemacht. Während die Wasserkraft litt, konnten Solarmodule mehr Strom produzieren – hier mehr erfahren.