Antananarivo entwickelt Flood-Proof Zoning – ein neues Paradigma für Tropenstädte

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Zeitgenössische Wohnhäuser am Kanal in Oslo, Norwegen. Foto von Transly Translation Agency.

Hochwassersichere Stadtplanung? In Antananarivo wird aus dem Albtraum tropischer Regenfälle eine Blaupause für urbane Resilienz: Flood-Proof Zoning. Was wie ein Buzzword klingt, ist ein radikaler Paradigmenwechsel – und könnte tropischen Städten weltweit den Weg in eine sichere Zukunft ebnen. Zeit, das neue Denken zu verstehen, das klassische Planungsdogmen auf den Kopf stellt und die tropische Megacity zur Vorreiterin macht!

  • Einführung in die urbanen Herausforderungen Antananarivos: Topografie, Klima und rasantes Bevölkerungswachstum.
  • Entstehung und Ziele des Flood-Proof Zoning – von der Risikoanalyse bis zur Umsetzung.
  • Innovative Planungsinstrumente für Flutresilienz: Zonenplanung, Infrastruktur, grüne Korridore und multifunktionale Flächen.
  • Wechselwirkungen zwischen sozialer Gerechtigkeit, informeller Stadtentwicklung und flutresilienter Planung.
  • Technische und regulatorische Werkzeuge zur Integration von Flood-Proofing in das bestehende Planungsrecht.
  • Erfahrungen aus Antananarivo: Pilotprojekte, Community-Beteiligung und Governance-Herausforderungen.
  • Lektion für Fachleute im deutschsprachigen Raum: Übertragbarkeit, Risiken und Chancen von Flood-Proof Zoning.
  • Fazit: Flood-Proof Zoning als neues Paradigma für klimaangepasste, nachhaltige Stadtentwicklung in den Tropen.

Antananarivo als Labor: Urbane Herausforderungen im tropischen Kontext

Antananarivo, die Hauptstadt Madagaskars, ist nicht nur die größte Stadt des Landes, sondern auch ein Paradebeispiel für die komplexen Herausforderungen der Stadtplanung in tropischen Regionen. Die Stadt liegt inmitten eines von Sümpfen und Reisfeldern durchzogenen Hochlands, das sich während der Regenzeit in eine Arena für Überschwemmungen verwandelt. Mit über drei Millionen Einwohnern, von denen viele in informellen Siedlungen am Rand des Flusstals leben, ist Antananarivo ein Brennpunkt für urbane Vulnerabilität. Die rasante Urbanisierung führt zu einer Verdichtung der Bebauung in hochwassergefährdeten Gebieten, während der Klimawandel die Niederschlagsmengen immer weniger berechenbar macht. Was einst als Jahrhundertflut galt, ist inzwischen fast jährlicher Alltag.

Die Topografie ist dabei Fluch und Segen zugleich. Während die steilen Hänge der Stadt spektakuläre Ausblicke bieten, leiten sie das Regenwasser in kürzester Zeit in die tiefergelegenen Täler und urbanen Senken. Diese hydrologische Dynamik macht Antananarivo besonders anfällig für Überschwemmungen, die nicht nur Infrastruktur, sondern auch Lebensgrundlagen bedrohen. Viele Bewohner nutzen die sumpfigen Niederungen für den Anbau von Reis, was wiederum die natürliche Durchlässigkeit des Bodens verringert und die Drainage erschwert. Das Resultat: Ein Teufelskreis aus Überflutungen, Gesundheitsrisiken und Urbanisierung ohne ausreichende Kontrolle.

Die klassische Stadtplanung ist mit diesen Herausforderungen schlicht überfordert. Traditionelle Flächennutzungspläne ignorieren die Hydrologie weitgehend und folgen meist ökonomischen oder politischen Zwängen. Die informelle Stadtentwicklung, getrieben von Armut und Landmangel, verschärft die Problematik zusätzlich. Illegale Bebauungen in Überschwemmungsgebieten sind die Regel, nicht die Ausnahme. Gleichzeitig ist die öffentliche Hand oft zu schwach, um effektive Kontrollen oder Umsiedlungen durchzusetzen. Das Ergebnis: Eine hochgradig fragmentierte Stadtstruktur, in der jedes Starkregenereignis zu humanitären und ökonomischen Katastrophen führen kann.

Doch die Katastrophe hat Antananarivo zum Experimentierfeld für neue Ansätze gemacht. Die Stadtverwaltung, unterstützt von internationalen Organisationen, hat erkannt, dass nur ein radikaler Wandel der Planungsphilosophie nachhaltige Lösungen bieten kann. Im Zentrum steht die Frage: Wie kann eine Stadt so gestaltet werden, dass sie mit dem Wasser lebt, anstatt gegen es zu kämpfen? Die Antwort: Flood-Proof Zoning.

Damit eröffnet sich ein neuer Horizont für das Verständnis von Urbanität in den Tropen. Es geht nicht länger um die nachträgliche Reparatur von Schäden, sondern um die proaktive Gestaltung eines Stadtraums, der Fluten nicht nur aushält, sondern aktiv integriert. Flood-Proof Zoning wird so zum Synonym für klimaangepasste Stadtentwicklung – ein Begriff, der auch für europäische Planer zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Flood-Proof Zoning: Konzept, Instrumente und Umsetzung

Flood-Proof Zoning ist mehr als ein weiteres Buzzword im ohnehin überfüllten Wörterbuch der Stadtplanung. Es steht für einen Paradigmenwechsel, der die Wassergefahren von Beginn an in alle Ebenen der Stadtentwicklung integriert. Herzstück des Konzepts ist die systematische Zonierung der Stadt nach ihrem Überflutungsrisiko. Statt sich mit „100-jährlichen“ Flutereignissen zufrieden zu geben, arbeitet Flood-Proof Zoning mit dynamischen, datenbasierten Risikoanalysen, die alle hydrologischen, topografischen und klimatischen Faktoren berücksichtigen. Ziel ist es, Flächen mit hohem Überschwemmungsrisiko konsequent von sensibler Nutzung auszuschließen und stattdessen für multifunktionale, wasserverträgliche Nutzungen vorzusehen.

Die praktische Umsetzung beruht auf einem Mix aus technischen, planerischen und sozialen Werkzeugen. Zunächst werden Risikokarten erstellt, die auf Geodaten, Modellierungen und historischen Flutereignissen basieren. Diese Karten bilden die Grundlage für die räumliche Gliederung der Stadt in Hoch-, Mittel- und Niedrigrisikozonen. In Hochrisikogebieten ist jegliche Bebauung tabu; stattdessen werden diese Flächen als Retentionsräume, Parks oder landwirtschaftliche Nutzflächen ausgewiesen. In Zonen mit mittlerem Risiko wird die Bebauung nur unter strengen Auflagen erlaubt, etwa mit erhöhten Fundamenten, wasserdichten Materialien und Notfallwegen. Niedrigrisikoflächen hingegen bieten Potenzial für dichtere, urbane Entwicklungen.

Ein zentraler Bestandteil des Flood-Proof Zoning ist die Integration von grüner Infrastruktur. Regenwassergärten, Feuchtgebiete, begrünte Kanäle und urbane Sumpfgebiete dienen als Pufferzonen, die Niederschläge aufnehmen und langsam abgeben. Dieser Ansatz vereint ökologische und technische Ziele: Er verbessert das Mikroklima, erhöht die Lebensqualität und trägt gleichzeitig zur Flutprävention bei. Multifunktionale Flächen, die im Alltag als Sport- oder Erholungsräume genutzt werden und im Ernstfall als Überflutungsflächen dienen, sind ein weiteres Schlüsselelement. Damit wird die Stadt nicht nur resilienter, sondern auch attraktiver.

Regulatorisch erfolgt die Umsetzung durch Anpassung der Bauvorschriften und Flächennutzungspläne. Die Stadtverwaltung Antananarivos hat spezielle Flood-Proofing-Guidelines entwickelt, die Bauherren, Investoren und Planer verpflichten, das Überflutungsrisiko bereits in der Entwurfsphase zu bewerten. Die Genehmigung von Bauvorhaben hängt nun explizit von der Risikominderung ab. Gleichzeitig werden finanzielle Anreize für die Umwidmung hochwassergefährdeter Flächen geschaffen – ein politisch nicht immer einfacher, aber langfristig unverzichtbarer Prozess.

Kein Flood-Proof Zoning ohne Beteiligung der Bevölkerung. In Antananarivo wurden umfassende Community-Workshops und Informationskampagnen durchgeführt, um das Bewusstsein für die Risiken zu schärfen und Akzeptanz für Umsiedlungen oder Nutzungsänderungen zu schaffen. Die aktive Einbindung der Bewohner ist entscheidend, um Konflikte zu vermeiden und das neue Paradigma in der städtischen DNA zu verankern. Flood-Proof Zoning ist damit weit mehr als eine technische Maßnahme – es ist ein gesellschaftliches Projekt.

Soziale Gerechtigkeit und informelle Entwicklung: Das Dilemma der Tropenstädte

Eine der größten Herausforderungen bei der Umsetzung von Flood-Proof Zoning ist die Verknüpfung von sozialer Gerechtigkeit und informeller Stadtentwicklung. In Antananarivo leben viele Menschen aus wirtschaftlicher Not heraus in Überschwemmungsgebieten, weil dort Land günstig oder überhaupt erst verfügbar ist. Die Umsiedlung dieser Bewohner in sichere Gebiete ist nicht nur logistisch anspruchsvoll, sondern wirft auch Fragen der sozialen Fairness auf. Wer trägt die Kosten? Wer entscheidet über die neuen Standorte? Wie werden bestehende soziale Netzwerke erhalten?

Flood-Proof Zoning setzt daher auf einen Mix aus Anreizen und klaren Regeln. Einerseits werden Programme zur Unterstützung von Umsiedlungen entwickelt, die nicht nur neue Wohnflächen bereitstellen, sondern auch Infrastruktur, Arbeitsplätze und soziale Dienstleistungen integrieren. Andererseits wird die illegale Bebauung in Hochrisikozonen konsequenter sanktioniert – allerdings mit Fingerspitzengefühl, um soziale Härten zu vermeiden. Die Stadtverwaltung arbeitet eng mit NGOs, Kirchen und Nachbarschaftsinitiativen zusammen, um die Akzeptanz für Veränderungen zu erhöhen. Transparenz und Partizipation sind dabei essenziell, um Vertrauensverluste zu verhindern.

Ein weiteres Dilemma ergibt sich aus der Tatsache, dass viele informelle Siedlungen in Antananarivo nicht nur Wohnraum, sondern auch wichtige soziale Strukturen bieten. Schulen, Märkte, Handwerksbetriebe – all das ist oft eng mit dem jeweiligen Standort verwoben. Umsiedlungsprogramme müssen daher darauf achten, dass diese Funktionen nicht verloren gehen. In einigen Pilotprojekten wurde versucht, ganze Nachbarschaften gemeinsam in neue, sichere Gebiete zu verlagern. Die Ergebnisse zeigen: Je stärker die Betroffenen in den Prozess eingebunden werden, desto höher ist die Akzeptanz und die Nachhaltigkeit der Maßnahmen.

Soziale Gerechtigkeit bedeutet im Kontext von Flood-Proof Zoning auch, dass die Kosten und Nutzen der Maßnahmen fair verteilt werden. Wer von den Vorteilen profitiert, sollte auch einen Beitrag zur Finanzierung leisten. In Antananarivo wurden hierfür innovative Finanzierungsmodelle entwickelt, etwa eine Umlage auf neue Bauprojekte in Niedrigrisikozonen oder öffentlich-private Partnerschaften für den Bau von Resilienz-Infrastruktur. Diese Ansätze könnten auch für andere Städte als Vorbild dienen, insbesondere dort, wo die öffentliche Hand finanziell überfordert ist.

Abschließend zeigt die Erfahrung in Antananarivo, dass Flood-Proof Zoning nur dann erfolgreich sein kann, wenn soziale Fragen nicht ausgeklammert, sondern zum integralen Bestandteil der Planung gemacht werden. Flutresilienz ist am Ende immer auch eine Frage von Teilhabe, Gerechtigkeit und sozialem Ausgleich. Nur so kann das neue Paradigma Akzeptanz finden und dauerhaft Bestand haben.

Technische, regulatorische und governancebezogene Innovationen

Die technische Umsetzung von Flood-Proof Zoning in Antananarivo basiert auf modernsten GIS-Tools, hydrologischen Modellen und einer engen Kooperation zwischen Planern, Geografen und Ingenieuren. Besonders innovativ ist der Einsatz von Echtzeitdaten zur Überwachung von Niederschlagsmengen, Wasserständen und Bodenfeuchte. Diese Informationen fließen nicht nur in die langfristige Stadtplanung ein, sondern ermöglichen auch kurzfristige Anpassungen im Krisenfall. Die Integration von digitalen Stadtmodellen – Urban Digital Twins im tropischen Kontext – erlaubt es, verschiedene Szenarien durchzuspielen und die Auswirkungen von Baumaßnahmen auf das Überflutungsrisiko exakt zu berechnen.

Regulatorisch stellt Flood-Proof Zoning hohe Anforderungen an die Konsistenz und Verbindlichkeit der Planungsinstrumente. Die Stadt Antananarivo arbeitet mit einem gestuften System von Flächennutzungs- und Bebauungsplänen, die jeweils spezifische Vorgaben für die einzelnen Risikozonen enthalten. Begleitet wird dies durch eine Reihe von technischen Richtlinien, die Mindeststandards für die Flutresilienz von Gebäuden, Infrastrukturen und Freiflächen definieren. Dazu gehören etwa Höhenvorgaben für Fundamente, Anforderungen an die Durchlässigkeit von Oberflächen oder die Verpflichtung zur Schaffung von Notfallwegen und Rückzugsflächen.

Die Governance-Struktur für Flood-Proof Zoning ist auf Kooperation und Transparenz ausgelegt. Ein zentrales Koordinationsgremium, in dem Stadtverwaltung, Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft vertreten sind, überwacht die Umsetzung und Weiterentwicklung der Maßnahmen. Entscheidungsprozesse werden dokumentiert und öffentlich zugänglich gemacht, um das Vertrauen der Bevölkerung zu stärken. Zudem wurden spezielle Ombudsstellen eingerichtet, die Beschwerden aufnehmen und Konflikte moderieren – ein wichtiger Schritt, um den sozialen Frieden zu sichern.

Ein besonders spannender Aspekt ist die Verknüpfung von Flood-Proof Zoning mit anderen städtischen Entwicklungszielen. Antananarivo nutzt das Konzept, um Synergien mit der Klimaanpassung, der Förderung von Biodiversität und der Verbesserung der Lebensqualität zu schaffen. Grüne Korridore, die als Überflutungsflächen dienen, werden gezielt mit Radwegen, Spielplätzen und urbanen Gärten kombiniert. Dadurch entstehen multifunktionale Räume, die nicht nur Sicherheit bieten, sondern auch das soziale Miteinander stärken und das Stadtbild aufwerten.

Schließlich zeigt die Erfahrung aus Antananarivo, dass technische und regulatorische Innovationen nur dann Wirkung entfalten, wenn sie von einer offenen, lernfähigen Planungskultur getragen werden. Flood-Proof Zoning ist kein starres Regelwerk, sondern ein dynamischer Prozess, der kontinuierlich angepasst und weiterentwickelt werden muss. Der Austausch mit internationalen Experten, Pilotprojekte und das konsequente Monitoring der Ergebnisse sind daher unverzichtbare Bestandteile des Erfolgs.

Lehren für den deutschsprachigen Raum – und das neue Paradigma für Tropenstädte

Was können Städte in Deutschland, Österreich und der Schweiz aus dem Beispiel Antananarivo lernen? Auf den ersten Blick scheint die Situation kaum vergleichbar: Andere klimatische Bedingungen, ein anderes Maß an Urbanisierung, eine andere Governance-Struktur. Doch der Klimawandel macht auch vor Mitteleuropa nicht halt – Starkregen, urbane Sturzfluten und überlastete Entwässerungssysteme werden auch hier zur neuen Normalität. Flood-Proof Zoning bietet deshalb wertvolle Impulse, wie Städte proaktiv mit diesen Risiken umgehen können.

Ein zentraler Aspekt ist die konsequente Integration von Risikodaten in die Flächenplanung. Während in Mitteleuropa Hochwassergefahren oft noch als Ausnahme betrachtet werden, zeigt Antananarivo, dass nur eine vorausschauende, zonenbasierte Stadtplanung nachhaltige Lösungen ermöglicht. Die Kombination aus technischer Analyse, rechtlicher Verbindlichkeit und gesellschaftlicher Beteiligung ist dabei der Schlüssel zum Erfolg. Auch die konsequente Vernetzung von grüner und grauer Infrastruktur – sprich: Parks, Retentionsflächen und technische Entwässerungssysteme – gewinnt in der deutschsprachigen Planung zunehmend an Bedeutung.

Flood-Proof Zoning lehrt zudem, dass soziale Gerechtigkeit und Resilienz keine Gegensätze sein müssen. Im Gegenteil: Nur wenn die Betroffenen aktiv in die Planung einbezogen werden und von den Maßnahmen profitieren, entsteht eine nachhaltige, akzeptierte Stadtentwicklung. Antananarivo zeigt, wie Umsiedlungen sozialverträglich gestaltet und multifunktionale Räume geschaffen werden können, die Sicherheit und Lebensqualität gleichermaßen verbessern.

Technisch betrachtet bietet die Erfahrung aus Antananarivo einen Vorgeschmack auf die Zukunft der Stadtplanung: Digitale Modelle, Echtzeitdaten und simulationsbasierte Szenarien werden auch in Europa immer wichtiger. Die Herausforderung liegt darin, diese Werkzeuge nicht als Selbstzweck zu begreifen, sondern gezielt zur Risikominderung und Qualitätssteigerung einzusetzen. Flood-Proof Zoning ist dabei weniger ein fertiges Produkt als ein lernendes System – anpassungsfähig, offen für Innovationen und bereit, Fehler zu korrigieren.

Das neue Paradigma, das aus Antananarivo in die Welt ausstrahlt, ist letztlich ein Plädoyer für eine Stadtplanung, die Wasser nicht als Feind, sondern als integralen Bestandteil der Urbanität begreift. Flood-Proof Zoning steht für eine radikale, aber notwendige Umkehr: Weg von der reaktiven Schadensbegrenzung, hin zu einer proaktiven, resilienten und sozial gerechten Stadtgestaltung. Ein Ansatz, der nicht nur in den Tropen, sondern überall dort Schule machen sollte, wo die Urbanisierung an ihre natürlichen Grenzen stößt.

Fazit: Flood-Proof Zoning ist kein Planungsdetail, sondern ein Paradigmenwechsel – und Antananarivo der Vorreiter. Die madagassische Hauptstadt zeigt, wie innovative Zonierung, technische Intelligenz und soziale Teilhabe eine Stadt nicht nur sicherer, sondern auch lebenswerter machen. Die Lehren sind klar: Wer in Zeiten des Klimawandels auf klassische Planung setzt, plant die nächste Katastrophe gleich mit ein. Flood-Proof Zoning ist das Rezept für eine urbane Zukunft, in der Resilienz, Gerechtigkeit und Lebensqualität keine Gegensätze mehr sind. Wer jetzt damit beginnt, kann seine Stadt zum Vorbild machen – nicht nur in den Tropen, sondern weltweit.

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Hans-Hollein-Kunstpreis – erstmals für Landschaft und Städtebau

Der Hans-Hollein-Kunstpreis für Architektur ging dieses Jahr an Auböck + Kárász Landscape Architects. Das Büro war unter anderem auch an der Rekonstruktion und Gestaltung der Belvedere-Gärten in Wien beteiligt. Gugerell, CC0, via Wikimedia Commons
Der Hans-Hollein-Kunstpreis für Architektur ging dieses Jahr an Auböck + Kárász Landscape Architects. Das Büro war unter anderem auch an der Rekonstruktion und Gestaltung der Belvedere-Gärten in Wien beteiligt. Foto: Gugerell, CC0, via Wikimedia Commons

Jedes Jahr vergibt das österreichische Bundesministerium für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport (BMKÖS) den Hans-Hollein-Kunstpreis für Architektur. 2023 können sich Auböck + Kárász Landscape Architects über den mit 15.000 Euro dotierten Staatspreis freuen. 

Hochwertige Räume für Mensch und Natur

Ihre Arbeiten reicherten den Städtebau mit ökologischen Fragestellungen an und sorgten so für eine Erweiterung des Gestaltungs- und Handlungshorizonts der Architektur, betont die Jury in der Begründung. Erstmals öffnet sich der Preis in Richtung Gestaltung der Landschaft und Städtebau. Immer wichtiger werde es, gerade im Hinblick auf die Klimakrise, auf die wir zusteuern, qualitativ hochwertige Räume sowohl für den Mensch als auch die Natur zu schaffen und neue Formen des Dialogs zwischen beiden zu ermöglichen. 

Eine umfassende Perspektive

Mehr denn je sei es wichtig, eine umfassende Perspektive einzunehmen, wie Auböck und Kárász es in ihren Arbeiten umsetzen. Bestehende und zukünftige urbane Strukturen profitierten vom projektiven Umgang des Studios mit dem tiefgreifenden historischen Wissen seiner Gründer*innen. Kontinuierlich, so die Jury, engagierten sich Auböck und Kárász für den Umgang mit dem architektonischen und landschaftsarchitektonischen Erbe und trügen gleichzeitig wichtige Impulse zu aktuellen Diskursen in der Lehre oder im Rahmen der ZV – Zentralvereinigung für Architekt:innen bei. 

Hans-Hollein-Kunstpreis: Anerkennung und Wertschätzung

Andrea Mayer, Kunst- und Kulturstaatssekretärin im BMKÖS zeigt sich zufrieden: „Die österreichische Kunst und Kultur ist essentielles Element unserer Gesellschaft. Sie bereichert, regt an und auf und bietet uns einen Spiegel zur eigenen Reflexion. Ohne diese schöpferische Kraft wäre Österreich nicht die Kunstnation, für die unser Land international wahrgenommen wird. Der Österreichische Kunstpreis ist Anerkennung und Wertschätzung der außerordentlichen Leistungen unserer Künstlerinnen und Künstler. Ich gratuliere allen Preisträgerinnen und Preisträgern sehr herzlich.“ 

Hans-Hollein-Kunstpreis für Architektur für Projekte von internationaler Bedeutung

Der österreichische Hans-Hollein-Kunstpreis für Architektur wird seit 2016 jährlich an umfangreiche Projekte von internationaler Bedeutung vergeben. Die Auswahl der Preisträger erfolgt ausschließlich durch eine Expertenjury; es ist nicht möglich, sich für den Preis zu bewerben. 

Das Büro Auböck + Kárász Landscape Architects mit Sitz in Wien wurde von der Landschaftsarchitektin und Hochschulprofessorin Maria Auböck und dem Architekten und Sozialwissenschaftler János Kárász gegründet. Mehr können Sie auf der Webseite des Büros erfahren.

Schon gewusst? Wir haben ein ganzen Heft über Österreich gemacht, denn wenig andere Länder machten in den letzten Jahren mit so vielen, scheinbar sehr guten und mutigen planerischen Impulsen auf sich aufmerksam. Die Städte Graz, Innsbruck, Linz und Wien haben wir hierfür genauer unter die Lupe genommen. Mehr über die Februarausgabe 2022 erfahren Sie im Editorial. 

Der Xiaoxita Forest Park in Yichang, China, verbindet nachhaltige Landschaftsarchitektur mit konsequentem Naturschutz: Alle bestehenden Bäume wurden erhalten und behutsam in die neue Parkgestaltung integriert. Foto: HID via v2com
Der Xiaoxita Forest Park in Yichang, China, verbindet nachhaltige Landschaftsarchitektur mit konsequentem Naturschutz: Alle bestehenden Bäume wurden erhalten und behutsam in die neue Parkgestaltung integriert. Foto: HID via v2com

Mit dem Xiaoxita Forest Park ist in der chinesischen Millionenstadt Yichang ein herausragendes Beispiel für zukunftsweisende Landschaftsarchitektur entstanden. Das vom Planungsbüro HID Landscape Architecture entwickelte Projekt zeigt eindrucksvoll, wie sich ein bestehender Stadtwald durch behutsame Eingriffe ökologisch aufwerten und zugleich als hochwertiger öffentlicher Freiraum neu erschließen lässt. Statt einer umfassenden Neugestaltung stand der respektvolle Umgang mit der vorhandenen Natur im Mittelpunkt – ein Ansatz, der international zunehmend als Vorbild für resiliente Stadtlandschaften gilt.

Stadtwald wird zum nachhaltigen Erholungsraum

Der rund 89 Hektar große Xiaoxita Forest Park liegt im Zentrum des Stadtteils Yiling in Yichang, entlang des Huangbai-Flusses. Über Jahre hinweg litt das Waldgebiet unter unübersichtlichen Wegen, veralteter Infrastruktur und einer zunehmenden Zerschneidung der Landschaft. Ziel der Neugestaltung war es daher, den Wald als wichtige ökologische Grünfläche zu erhalten und gleichzeitig seine Aufenthaltsqualität deutlich zu steigern.

Das Planungsteam folgte dabei konsequent der Leitidee Touching the Earth Lightly“ – die Landschaft sollte möglichst schonend weiterentwickelt werden, ohne ihre natürlichen Strukturen zu beeinträchtigen.

100 Prozent Baumerhalt als Planungsgrundsatz

Ein zentrales Merkmal des Projekts ist der vollständige Erhalt des vorhandenen Baumbestands. Sämtliche heimischen Bäume blieben während der Bauarbeiten erhalten. Neue Wege und Aufenthaltsbereiche wurden ausschließlich in bereits vorhandene Lichtungen integriert, wodurch umfangreiche Erdarbeiten vermieden werden konnten.

Auch bei den verwendeten Materialien setzte das Büro konsequent auf Nachhaltigkeit. Wasserdurchlässige Beläge aus regional gewonnenem Naturstein sowie begrünte Pflasterflächen ermöglichen die natürliche Versickerung von Regenwasser und unterstützen den lokalen Wasserkreislauf.

Renaturierung statt versiegelter Flächen

Ein wesentlicher Bestandteil der Umgestaltung war die ökologische Wiederherstellung zuvor technisch geprägter Bereiche. In enger Abstimmung mit den beteiligten Akteuren wurden ein stillgelegtes Pumpenhaus sowie kaum genutzte Parkplatzflächen zurückgebaut.

Dadurch konnten mehr als 1.200 Quadratmeter versiegelte Fläche wieder in durchlässige Grünflächen umgewandelt werden. Gleichzeitig entstand ein neuer Lebensraumkorridor für Tiere, während sich die Sichtbeziehungen zwischen Stadt und Wald deutlich verbesserten.

Architektur schont Wurzeln und Lebensräume

Auch die neu geschaffenen Bauwerke folgen dem Prinzip minimaler Eingriffe. Besonders markant ist die Mid-Hill Rest Stop, eine erhöhte Aussichtsplattform, die auf schlanken Punktfundamenten ruht. Dadurch werden Bodenverdichtungen vermieden und die empfindlichen Wurzelbereiche der Bäume dauerhaft geschützt.

Von der Plattform eröffnet sich den Besucherinnen und Besuchern ein weiter Blick über die bewaldete Tallandschaft. Selbst die Beleuchtung übernimmt mehrere Funktionen: Die Leuchten wurden zugleich als Nisthilfen für heimische Vogelarten gestaltet und fördern so die Artenvielfalt im Park.

Regionale Natursteine prägen darüber hinaus Wege, Sitzmauern und weitere Gestaltungselemente und stärken die Identität des Ortes.

Ein Park für Natur, Bildung und Gemeinschaft

Heute präsentiert sich der Xiaoxita Forest Park als vielschichtiger Landschaftsraum mit Uferpromenaden, Waldlichtungen und erhöhten Aussichtspunkten. Über 95 Prozent der Vegetation bestehen aus heimischen Pflanzenarten, wodurch die ökologische Qualität des Stadtwaldes langfristig gesichert wird.

Mit mehr als 2.000 Besucherinnen und Besuchern pro Tag erfüllt der Park zugleich wichtige soziale Funktionen. Spaziergänge, Freizeitaktivitäten und Naturerlebnisse finden hier ebenso Platz wie Umweltbildung. Informationstafeln wurden dezent in Natursteinmauern integriert und vermitteln Wissen über Flora, Fauna und ökologische Zusammenhänge, ohne das Landschaftsbild zu beeinträchtigen.

Modellprojekt für resiliente Stadtlandschaften

Der Xiaoxita Forest Park verdeutlicht, dass hochwertige Landschaftsarchitektur nicht zwangsläufig durch spektakuläre Neubauten entsteht. Vielmehr zeigt das Projekt, wie sich vorhandene Naturräume durch sensible Planung, minimale Eingriffe und konsequenten Ressourcenschutz nachhaltig weiterentwickeln lassen.

Mit seinem ganzheitlichen Ansatz verbindet der Park Biodiversität, Klimaanpassung und Aufenthaltsqualität auf beispielhafte Weise. Damit liefert HID Landscape Architecture ein überzeugendes Modell für die Zukunft urbaner Grünräume – eine Landschaft, in der menschliche Nutzung und ökologische Prozesse nicht im Widerspruch stehen, sondern sich gegenseitig stärken.