Landschaft als Klimaanlage – Planungsintegration von Frischluftschneisen

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Urbaner Gehweg zwischen Gebäuden mit Natur und Blumen, fotografiert von Alex Skobe

Stadtklima zum Selbermachen? Frischluftschneisen sind die unterschätzten Superhelden der urbanen Planung – und spätestens seit den letzten Hitzesommern ein Muss für jede zukunftsfähige Stadtentwicklung. Wer Landschaft als natürliche Klimaanlage begreift, plant nicht nur schöner, sondern auch klüger. Doch wie werden diese grünen Korridore systematisch integriert, welche Tools und Methoden stehen zur Verfügung, und warum ist die richtige Balance zwischen Freiraum und Verdichtung dabei so entscheidend? Willkommen im Maschinenraum der Stadtluft – hier wird Frischluft zur Ressource und Landschaft zur Hightech-Infrastruktur.

  • Vertiefte Einführung in die Rolle von Frischluftschneisen als städtische Klimaanlagen
  • Klimawandel, Urbanisierung und die neue Bedeutung urbaner Kaltluftentstehung
  • Grundlagen, Typologien und Wirkungsweisen von Frischluftschneisen
  • Analyse bewährter Planungsinstrumente und deren rechtliche Verankerung im DACH-Raum
  • Innovative Ansätze und digitale Tools zur Integration von Freiraumkorridoren in Stadtentwicklung
  • Best-Practice-Beispiele aus Deutschland, Österreich und der Schweiz
  • Zusammenspiel zwischen Landschaftsarchitektur, Stadtplanung und Klimaanpassung
  • Herausforderungen bei Partizipation, Flächenkonkurrenz und Governance
  • Kritische Reflexion zu Mythen, Fallstricken und Zukunftsperspektiven
  • Fazit: Warum Frischluftschneisen Stadtentwicklung neu definieren – und wie Profis sie richtig auf Kurs bringen

Landschaft als Klimaanlage: Frischluftschneisen zwischen Mythos und Machbarkeit

Wer sich in die Geschichte der Stadtklimatologie vertieft, entdeckt schnell: Frischluftschneisen sind keine modische Erfindung der Klima-Angstjahre, sondern seit Jahrzehnten fester Bestandteil ambitionierter Stadtplanung. Doch erst die steigende Zahl von Hitzetagen, Tropennächten und urbanen Hitzeinseln hat ihnen den Status verliehen, den sie heute genießen – als unverzichtbare Elemente einer klimaresilienten Stadtentwicklung. Grundsätzlich versteht man unter Frischluftschneisen offene, durchgrünte Korridore, die den Luftaustausch zwischen Umland und Stadtinnerem ermöglichen. Sie wirken als natürliche Ventilatoren, transportieren kühlere Luftmassen in verdichtete Quartiere und tragen so zur Temperatursenkung und Luftreinhaltung bei. Was in der Theorie nach ökologischer Romantik klingt, ist in der Praxis jedoch ein hochkomplexes Zusammenspiel aus Topographie, Vegetation, Bebauungsstruktur und Mikroklima.

Die Entstehung und Funktion von Frischluftschneisen ist eng mit der nächtlichen Kaltluftbildung verbunden. Während sich versiegelte und bebaute Flächen tagsüber aufheizen und nachts nur langsam abkühlen, fungieren Parks, Wälder, landwirtschaftliche Flächen und Flussauen als Kaltluftgeneratoren. Die so entstehende Kaltluft beginnt in den späten Abendstunden zu strömen, folgt dem Relief und bewegt sich entlang weniger widerstandsreicher Wege in Richtung der wärmeren Stadtkerne. Genau hier setzt die planerische Herausforderung an: Korridore so zu gestalten, dass sie den Luftstrom nicht behindern, sondern gezielt lenken oder beschleunigen. Blockaden durch dichte Bebauung, Barrieren wie Bahntrassen oder falsch positionierte Baumreihen können die Wirkung empfindlich stören.

Die Diskussion um Frischluftschneisen ist heute auch eine Debatte um die Zukunft städtischer Lebensqualität. Mit dem Klimawandel verschärfen sich die Zielkonflikte zwischen Nachverdichtung, Wohnraumschaffung und Flächensicherung für Freiräume. Gleichzeitig wächst das Verständnis, dass grüne Korridore nicht nur mikroklimatisch, sondern auch sozial-ökologisch wirksam sind: Sie bieten Lebensraum für Flora und Fauna, dienen als Erholungsachsen und verbinden Quartiere. Die Planung von Frischluftschneisen ist damit immer auch eine Querschnittsaufgabe, die Landschaftsarchitektur, Stadtplanung, Verkehrsplanung und Naturschutz an einen Tisch zwingt.

Mythen ranken sich dennoch viele: Von der pauschalen Übertragbarkeit historischer Schneisen bis zur Frage, wie „dicht“ eine Bebauung sein darf, ohne die Frischluftwirkung zu verlieren. Auch die oft zitierte „Frischluftautobahn“ ist in der Realität meist eine fein austarierte Mischung aus Offenland, lockerem Baumbestand und durchlässigen Quartieren. Die Rolle digitaler Simulationsmethoden, die in anderen Bereichen der Stadtplanung längst Standard sind, wird dabei bislang noch unterschätzt. Wer Frischluftschneisen heute konzipiert, sollte mit GIS-basierten Strömungsmodellen, Klimaanalysekarten und Szenarienrechnungen arbeiten – sonst bleibt das Konzept schnell in der Theorie stecken.

Fazit dieser ersten Annäherung: Frischluftschneisen sind kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit – und eine der wenigen Maßnahmen, die Klimaresilienz, Biodiversität und Aufenthaltsqualität gleichzeitig fördern. Sie sind das Paradebeispiel dafür, wie Landschaft zur Klimaanlage der Stadt werden kann. Die Kunst liegt darin, sie nicht als statische Freiräume, sondern als dynamische Systeme zu verstehen, die mitwachsen, sich anpassen und (richtig geplant) zum Rückgrat urbaner Klimaadaption avancieren.

Planungsintegration: Werkzeuge, Methoden und rechtliche Rahmenbedingungen

Wer Frischluftschneisen in die Stadtentwicklung integrieren will, braucht mehr als guten Willen. Es bedarf tragfähiger Werkzeuge, verlässlicher Daten und eines klaren Verständnisses der komplexen Wechselwirkungen zwischen Bebauung, Topographie und Atmosphäre. Im deutschsprachigen Raum hat sich hierfür ein beeindruckendes Arsenal an Planungsinstrumenten etabliert, von klassischen Klimaanalysekarten bis zu High-End-Simulationsplattformen. Doch wie funktioniert die Integration im Detail? Zunächst einmal steht die Grundlagenanalyse: Hier werden meteorologische Daten, Bodennutzungskarten, Geländemodelle und Vegetationsdaten verknüpft, um Frischluftentstehung, Strömungswege und Blockaden zu identifizieren. Spezialisierte Software wie ENVI-met oder PALM ermöglicht die feingliedrige Simulation von Luftbewegungen und Temperaturverläufen auf Quartiersebene.

Ein Schlüsselinstrument ist dabei die Stadtklimaanalyse nach den Standards der Deutschen Wetterdienstes (DWD) und den Empfehlungen der VDI-Richtlinie 3787. Dieses Verfahren liefert nicht nur belastbare Karten zu Kaltluftentstehungsgebieten, sondern auch konkrete Handlungsempfehlungen für Stadtplaner. Darauf aufbauend werden sogenannte Planungshinweiskarten entwickelt: Sie definieren Vorrangzonen für Frischluftschneisen, zeigen Konfliktflächen und machen Vorschläge zur Priorisierung im Bauleitplanverfahren. Besonders relevant ist die Verankerung im Flächennutzungs- und Bebauungsplan: Hier werden die Korridore als „besondere stadtklimatische Funktionsräume“ ausgewiesen, was ihre Sicherung vor Bebauung oder Versiegelung rechtlich absichert.

Auf Landesebene existieren mittlerweile zahlreiche Vorgaben und Leitfäden, die Kommunen bei der Integration unterstützen. Das Klimaanpassungsgesetz Baden-Württemberg, die „Grün- und Freiraumstrategie“ der Stadt Wien oder die „Richtlinie zur Berücksichtigung des Stadtklimas“ in Zürich sind prominente Beispiele. Sie alle fordern eine systematische Berücksichtigung von Frischluftschneisen in der Stadtentwicklung – und bieten zugleich einen methodischen Werkzeugkasten für die praktische Umsetzung. Besonders spannend sind hier die Entwicklungen im Bereich digitaler Zwillinge: Städte wie Hamburg oder München koppeln urbane Klimamodelle mit 3D-Geodaten und ermöglichen so die Simulation von Kaltluftströmen in Echtzeit. Das eröffnet völlig neue Perspektiven für die Integration in laufende Planungsprozesse.

Die Herausforderung liegt jedoch nicht nur im Technischen. Oft sind es Governance-Fragen, die über Erfolg oder Scheitern entscheiden. Wer ist zuständig? Das Umweltamt, die Stadtplanung, externe Gutachter? Wie werden Zielkonflikte zwischen Baurecht, Verkehrsinteressen und Klimaschutz aufgelöst? Und wie gelingt die dauerhafte Sicherung von Frischluftschneisen angesichts des enormen Flächendrucks? Hier sind kreative Instrumente wie Grünordnungspläne, Entwicklungssatzungen oder sogar Flächentauschmodelle gefragt. Ohne eine starke politische Rückendeckung und einen klaren rechtlichen Rahmen bleibt die Integration oft Stückwerk.

Ein unterschätztes Thema ist die Monitoring- und Evaluationspraxis. Nur wenn die Wirkung von Frischluftschneisen regelmäßig überprüft, nachjustiert und kommuniziert wird, bleibt ihre Funktion langfristig gewährleistet. Hier bieten sich Citizen Science-Ansätze, Sensorik und partizipative Kartierung als moderne Ergänzungen klassischer Fachgutachten an. Am Ende steht eine Erkenntnis: Die Integration von Frischluftschneisen ist kein einmaliges Planungsereignis, sondern ein fortlaufender Prozess, der technisches Know-how, rechtliche Klarheit und gesellschaftliche Akzeptanz in Einklang bringen muss.

Best Practice und Innovation: Wie Städte im DACH-Raum Frischluftschneisen neu denken

Wie sieht die Praxis aus, wenn Theorie und Realität aufeinandertreffen? Ein Blick auf Vorreiterprojekte im deutschsprachigen Raum zeigt: Erfolgreiche Frischluftschneisen entstehen dort, wo interdisziplinäre Teams, digitale Tools und partizipative Prozesse zusammenkommen. Die Stadt Stuttgart gilt seit Jahrzehnten als Pionier – nicht zuletzt wegen ihrer topographischen Lage. Hier entstanden bereits in den 1970er Jahren die ersten systematischen Stadtklimaanalysen, und bis heute ist das „Stuttgarter Klimamodell“ internationaler Maßstab. Die Kaltluftschneisen zwischen den Talkesseln sind als Grünzüge im Flächennutzungsplan gesichert, und selbst große Infrastrukturprojekte müssen sich an die Vorgaben der Stadtklimatologie halten. Besonders innovativ ist die Nutzung von Drohnen- und Satellitendaten, um Kaltluftströme in Echtzeit zu überwachen und bei Bedarf nachzusteuern.

Ein weiteres Beispiel liefert Wien mit seiner „Grün- und Freiraumstrategie 2030“. Hier werden Frischluftschneisen nicht isoliert betrachtet, sondern als Teil eines gesamtstädtischen Netzwerks aus Parks, Wasserläufen und begrünten Straßenräumen. Die Stadt setzt auf eine Mischung aus klassischen Freihalteflächen und flexiblen „grünen Fingern“, die in bestehende Quartiere greifen. Innovative Beteiligungsformate wie Stadtspaziergänge, digitale Klimakarten und Open-Data-Portale sorgen dafür, dass die Bevölkerung aktiv in Planung und Monitoring eingebunden wird. So entsteht eine breite Akzeptanz für Flächensicherung auch dort, wo Nutzungskonflikte auf den ersten Blick unlösbar scheinen.

In Zürich wiederum zeigt sich, wie Frischluftschneisen mit nachhaltiger Mobilität und Blau-Grüner Infrastruktur verzahnt werden können. Die Freiraumplanung setzt konsequent auf Durchlässigkeit: Fahrradachsen, Retentionsflächen und grüne Plätze werden so verteilt, dass sie den Luftaustausch befördern, Versiegelung minimieren und gleichzeitig attraktive Aufenthaltsräume schaffen. Digitale Simulationsmodelle, die die Auswirkungen neuer Bauprojekte auf lokale Windstrukturen und Temperaturverläufe in Echtzeit abbilden, sind dabei Standard. Die Verwaltung arbeitet eng mit Universitäten, Tech-Start-ups und Bürgerinitiativen zusammen, um das System ständig weiterzuentwickeln.

Auch kleinere Städte wie Freiburg oder Linz beweisen, dass Innovation nicht an die Größe gebunden ist. Hier werden Frischluftschneisen als „Multifunktionsräume“ konzipiert, die neben Klimafunktion auch Biodiversitätsförderung, Naherholung und Stadtlandwirtschaft verbinden. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei der Resilienz: Die Korridore sind so gestaltet, dass sie auch bei Extremwetterereignissen wie Starkregen oder Trockenperioden ihre Funktion behalten. Flexible Pflegekonzepte, saisonale Anpassungen und adaptive Bepflanzung sorgen für maximale Wirksamkeit bei minimalem Pflegeaufwand.

Diese Beispiele zeigen: Die Zukunft der Frischluftschneisen liegt in der intelligenten Vernetzung von Daten, Disziplinen und Akteuren. Wer sich auf starre Leitbilder verlässt, verliert schnell den Anschluss. Die besten Lösungen entstehen dort, wo klassische Planung auf digitale Intelligenz trifft, wo Partizipation als Chance und nicht als Risiko verstanden wird – und wo Landschaftsarchitektur endlich als das begriffen wird, was sie sein kann: Die Hightech-Klimaanlage der Stadt.

Herausforderungen, Missverständnisse und die Zukunft der urbanen Klimakorridore

So überzeugend das Konzept der Frischluftschneisen auch sein mag – die Praxis hält einige Fallstricke bereit. Ein zentrales Problem ist der stetig steigende Druck auf urbane Freiräume. Die Nachfrage nach Wohnraum, Gewerbeflächen und Infrastruktur lässt die Konkurrenz um jeden Quadratmeter wachsen. Nicht selten geraten Frischluftschneisen ins Visier von Investoren oder geraten gegenüber anderen städtischen Zielen ins Hintertreffen. Hier braucht es mehr als wohlmeinende Appelle: Nur eine klare Verankerung im Baurecht und eine konsequente Flächensicherung schützen die Korridore langfristig vor Überbauung.

Ein weiteres Missverständnis betrifft die Wirkung von Frischluftschneisen: Es reicht nicht, ein paar Grünflächen zu vernetzen oder Straßen zu begrünen. Entscheidend ist die Durchgängigkeit und Durchlässigkeit – sowohl in Bezug auf Bebauung als auch auf Vegetation. Schon wenige Engstellen oder Barrieren können den Luftstrom empfindlich stören. Die Planung muss daher auf der Basis präziser Daten und Simulationen erfolgen, die lokale Besonderheiten berücksichtigen. Pauschale Vorgaben oder überholte Leitbilder führen oft zu Fehlplanungen, die die gewünschte Klimawirkung verfehlen.

Der Erfolg von Frischluftschneisen hängt auch von der Akzeptanz in Politik und Bevölkerung ab. Viele Bürger unterschätzen die Bedeutung der unsichtbaren Klimafunktion und sehen in den Korridoren eher ungenutzte Brachflächen. Hier ist Aufklärung gefragt: Klima- und Freiraumkommunikation muss verständlich, visuell ansprechend und partizipativ gestaltet werden. Digitale Zwillinge, Klimawandel-Apps und partizipative Stadtmodelle bieten neue Möglichkeiten, die Wirkung von Frischluftschneisen erlebbar zu machen und so die Akzeptanz für Schutzmaßnahmen zu erhöhen.

Die Governance von Frischluftschneisen ist ein weiteres Minenfeld. Wer besitzt, wer pflegt, wer entwickelt die Korridore weiter? Unterschiedliche Zuständigkeiten, knappe Kassen und wechselnde politische Mehrheiten können die Umsetzung ausbremsen. Hier helfen innovative Kooperationsmodelle, etwa öffentlich-private Partnerschaften, Quartiersinitiativen oder regionale Verbünde. Klar ist: Die Sicherung und Weiterentwicklung von Frischluftschneisen ist eine Daueraufgabe, die flexible Strukturen und einen langen Atem erfordert.

Ein Blick in die Zukunft zeigt: Die Rolle von Frischluftschneisen wird angesichts der zu erwartenden Klimaextreme weiter an Bedeutung gewinnen. Neue Technologien, wie KI-gestützte Klimasimulationen, Drohnenmonitoring und adaptive Bepflanzungskonzepte, eröffnen spannende Perspektiven. Dennoch bleibt die entscheidende Frage: Wie gelingt es, die verschiedenen Interessen – von Wohnungsbau bis Artenschutz, von Mobilität bis Klimaresilienz – so zu balancieren, dass Frischluftschneisen nicht zur Randnotiz, sondern zum Leitmotiv urbaner Entwicklung werden? Die Antwort darauf entscheidet maßgeblich über die Lebensqualität in unseren Städten von morgen.

Fazit: Landschaft als Klimaanlage neu denken – und konsequent umsetzen

Frischluftschneisen sind weit mehr als grüne Korridore im Stadtplan – sie sind die atmenden Lebensadern urbaner Räume, die Klimafunktion, Biodiversität und Lebensqualität miteinander verweben. Wer Landschaft als Klimaanlage versteht, entwirft Städte, die mit dem Klimawandel nicht nur Schritt halten, sondern ihn aktiv gestalten. Die Integration von Frischluftschneisen erfordert tiefes technisches Verständnis, interdisziplinäre Zusammenarbeit und eine gehörige Portion Innovationsfreude. Es geht nicht um statische Leitbilder, sondern um adaptive, datengestützte Systeme, die Planung, Betrieb und Monitoring neu definieren.

Die Beispiele aus Stuttgart, Wien, Zürich und Co. zeigen: Erfolgreiche Frischluftschneisen entstehen dort, wo digitale Tools, rechtliche Sicherung und gesellschaftliche Teilhabe klug zusammenspielen. Herausforderungen wie Flächendruck, Governance und Kommunikation sind real – aber lösbar, wenn Fachleute, Verwaltung und Bürgerschaft an einem Strang ziehen. Die Zukunft urbaner Klimaanpassung liegt in einer neuen Wertschätzung für das Unsichtbare: für den Luftstrom, der Städte kühlt, für die Landschaft, die zur Infrastruktur wird, und für die Planung, die beides intelligent verbindet.

Garten und Landschaft bleibt am Puls der Zeit – und lädt ein, Frischluftschneisen nicht als Randnotiz, sondern als Herzstück der Stadt von morgen zu begreifen. Wer heute klug plant, schafft Freiräume, die auch in dreißig Jahren noch kühlen. Und das ist mehr als ein netter Nebeneffekt – es ist die wichtigste Investition in unsere urbane Zukunft.

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Die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf wird 2020 auf der Landesgartenschau in Ingolstadt mit einem Ausstellungsbeitrag vertreten sein. Studierende der Fakultät Landschaftsarchitektur erstellten im Rahmen des Wahlpflichtfachs Design and Construction Entwürfe für die Gestaltung des hochschuleigenen Themengartens.

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Klara Faistauer und Joshua Lenze (Studiengang Landschaftsbau & -Management) überzeugten mit dem Konzept ClimateMove – Applied Sciences for Future.

Leistungsphase 2 Hoai: Bedeutung und Anwendung einfach erklärt

Eine professionelle Planungsszene im Freiraum zum Thema Leistungsphase 2 Hoai
Detailarbeit am Reißbrett: Planung eines Landschaftsprojekts auf Papier. Foto: d_mccullough / Unsplash

Wer ein Gebäude plant, saniert oder betreut, kommt an der Leistungsphase 2 der HOAI nicht vorbei. Sie ist die Phase, in der aus einer Bauaufgabe ein erstes konkretes Konzept wird: Hier entwickeln Landschaftsarchitekten, Architekten und Ingenieure die grundlegenden Lösungsansätze, wägen Varianten ab und legen den inhaltlichen Kurs für das gesamte Projekt fest. Was in der Vorplanung entschieden wird, prägt alle nachfolgenden Phasen bis zur Ausführung.

  • Was die Leistungsphase 2 HOAI inhaltlich umfasst und wie sie sich von benachbarten Phasen abgrenzt
  • Welche Leistungen zur Vorplanung gehören und was als besondere Leistung gilt
  • Welche Rolle die Leistungsphase 2 in der Landschaftsarchitektur und Freiraumplanung spielt
  • Wie das Honorar für die Vorplanung berechnet wird und welche Bewertungsgrundlagen gelten
  • Welche typischen Fehler und Missverständnisse in der Praxis auftreten
  • Wie die Vorplanung mit anderen Fachplanern und Behörden koordiniert wird
  • Welche Dokumente und Ergebnisse am Ende der Leistungsphase 2 vorliegen müssen
  • Wie die Leistungsphase 2 in den größeren Kontext von Planungsrecht und Projektsteuerung eingebettet ist

Was ist die Leistungsphase 2 HOAI? Definition und Einordnung

Die Honorarordnung für Architekten und Ingenieure, kurz HOAI, gliedert die Planungsleistungen für Gebäude, Freianlagen, Ingenieurbauwerke und weitere Objekttypen in neun Leistungsphasen. Die Leistungsphase 2 trägt die Bezeichnung „Vorplanung“ und bildet den Übergang von der konzeptionellen Grundlagenermittlung zur ersten ausgearbeiteten Planungsaussage. Während die Leistungsphase 1, die Grundlagenermittlung, noch der Klärung der Aufgabe und der Zusammenstellung aller relevanten Informationen dient, geht es in der Leistungsphase 2 HOAI darum, auf dieser Basis konkrete Lösungsansätze zu entwickeln, zu vergleichen und zu einem Vorplanungskonzept zu verdichten.

Die HOAI ist in Deutschland eine staatliche Preisrechtsverordnung, die für die dort geregelten Leistungen verbindliche Honorarrahmen vorgibt. Sie gilt für Architekten, Landschaftsarchitekten, Innenarchitekten und verschiedene Ingenieurdisziplinen. Die aktuelle Fassung der HOAI stammt aus dem Jahr 2021 und setzt eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs um, der die zuvor geltenden verbindlichen Mindest- und Höchstsätze als europarechtswidrig eingestuft hatte. Seitdem haben die Honorartafeln der HOAI den Charakter von Orientierungswerten, die als Grundlage für die Honorarvereinbarung dienen, ohne zwingend bindend zu sein. Dennoch bleibt die Struktur der Leistungsphasen und die inhaltliche Beschreibung der Grundleistungen in der HOAI maßgeblich für die Praxis.

Die Leistungsphase 2 HOAI ist für alle Planungsbeteiligten von besonderer strategischer Bedeutung, weil hier die wesentlichen Weichen gestellt werden. Entscheidungen über Erschließung, Materialität, Programmverteilung, Freiraumstruktur oder technische Systeme, die in der Vorplanung getroffen werden, sind in späteren Phasen nur noch mit erheblichem Aufwand zu revidieren. Fachleute sprechen in diesem Zusammenhang vom „Einfrieren“ von Planungsentscheidungen: Je weiter ein Projekt voranschreitet, desto teurer und aufwendiger wird jede grundlegende Änderung.

Grundleistungen der Vorplanung: Was die HOAI konkret fordert

Die HOAI beschreibt für jede Leistungsphase sogenannte Grundleistungen, also den Leistungsumfang, der im Regelfall zum Erreichen des Planungsziels erforderlich ist und dessen Honorar in den Honorartafeln abgebildet wird. Für die Leistungsphase 2 umfassen diese Grundleistungen bei Freianlagen, also dem für Landschaftsarchitekten zentralen Leistungsbild, unter anderem die Analyse der Grundlagen, das Aufstellen eines Planungskonzepts mit zeichnerischer Darstellung, die Klärung der wesentlichen Zusammenhänge, Zumessungen und Abmessungen des Planungsobjekts sowie die Kostenschätzung nach DIN 276.

Die Kostenschätzung nach DIN 276 ist ein zentrales Ergebnis der Leistungsphase 2. Sie liefert eine erste belastbare Aussage über die voraussichtlichen Gesamtkosten des Projekts auf Basis der Vorplanungsunterlagen. Die DIN 276 gliedert Baukosten in Kostengruppen; für Freianlagen sind insbesondere die Kostengruppen 500 (Außenanlagen) und 700 (Baunebenkosten) relevant. Die Kostenschätzung in der Vorplanung hat noch eine vergleichsweise große Bandbreite, weil viele Details noch nicht festgelegt sind. Dennoch ist sie verbindlich genug, um dem Auftraggeber eine Entscheidungsgrundlage zu liefern, ob das Projekt in der geplanten Form wirtschaftlich realisierbar ist.

Zur Vorplanung gehört außerdem die Untersuchung alternativer Lösungsmöglichkeiten. Das ist keine Formalie, sondern ein inhaltlicher Kernauftrag: Der Planer soll dem Auftraggeber zeigen, dass er die Aufgabe von mehreren Seiten durchdacht hat und die gewählte Lösung nicht die einzig denkbare, sondern die fachlich begründet beste ist. In der Landschaftsarchitektur kann das die Gegenüberstellung verschiedener Freiraumtypologien bedeuten, etwa einen naturnahen Wiesencharakter versus eine gestalterisch stärker formalisierte Anlage, oder unterschiedliche Erschließungskonzepte für einen Stadtplatz. Diese Variantenuntersuchung dokumentiert die planerische Sorgfalt und schützt beide Seiten bei späteren Auseinandersetzungen über die Planungsqualität.

Ergänzend sind in der Vorplanung die Ergebnisse mit dem Auftraggeber abzustimmen und dessen Zustimmung einzuholen. Dieser Abstimmungsschritt ist mehr als ein formaler Akt: Er markiert den Übergang von der Konzeptentwicklung zur Planungsvertiefung und schafft die Grundlage für die Beauftragung der Leistungsphase 3, der Entwurfsplanung. Ohne eine dokumentierte Freigabe der Vorplanung durch den Auftraggeber fehlt die vertragliche Basis für die Weiterarbeit.

Leistungsphase 2 in der Landschaftsarchitektur und Freiraumplanung

Für Landschaftsarchitekten hat die Leistungsphase 2 HOAI eine besondere inhaltliche Qualität, weil Freianlagen in dieser Phase noch am stärksten von konzeptionellen Grundsatzentscheidungen geprägt werden. Ob ein Stadtplatz als durchgrünter Aufenthaltsraum oder als hartes, multifunktionales Stadtparkett entwickelt wird, ob ein Schulhof Bewegungsangebote in der Fläche verteilt oder in Zonen gliedert, ob ein Wohnquartier mit linearen Wegeachsen oder mit einem organischen Wegenetz erschlossen wird: All diese Entscheidungen fallen in der Vorplanung und bestimmen Charakter, Nutzbarkeit und Pflegeaufwand einer Anlage für Jahrzehnte.

In der Freiraumplanung kommt hinzu, dass die Leistungsphase 2 häufig eng mit planungsrechtlichen Verfahren verknüpft ist. Bebauungsplanverfahren, städtebauliche Rahmenpläne oder Wettbewerbsergebnisse liefern oft den Ausgangspunkt für die Vorplanung von Freianlagen. Der Landschaftsarchitekt muss in der Leistungsphase 2 prüfen, welche Vorgaben aus diesen übergeordneten Planungen verbindlich sind und welchen Spielraum sie für die freiraumplanerische Ausgestaltung lassen. Das erfordert eine sichere Kenntnis des Bauplanungsrechts, insbesondere des Baugesetzbuchs und der Baunutzungsverordnung, sowie der einschlägigen Regelwerke der Freiraumplanung.

Vegetationstechnische und ökologische Grundsatzentscheidungen werden ebenfalls in der Vorplanung vorbereitet. Ob eine Baumreihe mit großkronigen Stadtbäumen oder mit kleinkronigen Ziergehölzen geplant wird, ob Staudenpflanzungen als pflegeextensive Gesellschaftspflanzungen oder als aufwendigere Schaubepflanzungen konzipiert werden, ob Regenwasser versickert, gespeichert oder abgeleitet wird: Diese Fragen berühren nicht nur die Gestalt, sondern die Funktionalität, die Klimawirksamkeit und die Folgekosten einer Freianlage. Eine sorgfältige Leistungsphase 2 legt hier die Weichen, ohne bereits in die Detailtiefe der Entwurfsplanung zu gehen.

Honorar und Bewertung: Wie die Leistungsphase 2 vergütet wird

Das Honorar für die Leistungsphase 2 HOAI ergibt sich aus dem Anteil, den die Vorplanung am Gesamthonorar hat, multipliziert mit dem Honorar, das sich aus den anrechenbaren Kosten und der Honorarzone ergibt. Für das Leistungsbild Freianlagen weist die HOAI der Leistungsphase 2 einen Prozentsatz am Gesamthonorar zu. Dieser Prozentsatz variiert je nach Leistungsbild; für Freianlagen beträgt er nach der aktuellen HOAI 2021 in der Regel sieben Prozent des Gesamthonorars für Grundleistungen.

Die anrechenbaren Kosten sind die Grundlage der Honorarberechnung und entsprechen im Wesentlichen den Herstellungskosten des Planungsobjekts, also den Baukosten der Freianlagen nach DIN 276. Die Honorarzone gibt an, wie anspruchsvoll eine Planungsaufgabe ist: Sie reicht von Zone I (geringe Anforderungen) bis Zone V (sehr hohe Anforderungen) und beeinflusst das Honorar erheblich. Für Freianlagen in städtischen Kontexten mit hohen gestalterischen, ökologischen und nutzungsbezogenen Anforderungen ist häufig eine Einordnung in die Honorarzonen III oder IV angemessen. Die Einordnung in die richtige Honorarzone ist eine fachliche Entscheidung, die gut begründet und mit dem Auftraggeber abgestimmt sein muss.

Besondere Leistungen, also Leistungen, die über die Grundleistungen der HOAI hinausgehen, werden gesondert vereinbart und vergütet. Für die Leistungsphase 2 können das beispielsweise umfangreiche Variantenuntersuchungen über das übliche Maß hinaus, die Erarbeitung von Machbarkeitsstudien, Beteiligungsverfahren mit Nutzern oder Anwohnern, oder die Entwicklung von Pflegekonzepten als eigenständige Leistung sein. Fachleute empfehlen, besondere Leistungen bereits bei Vertragsschluss klar zu benennen und zu vereinbaren, um spätere Honorarstreitigkeiten zu vermeiden.

Koordination, Abstimmung und typische Fehler in der Praxis

Die Leistungsphase 2 HOAI ist keine isolierte Planungsleistung, sondern ein koordinierter Prozess, der die Beiträge verschiedener Fachplaner zusammenführt. In komplexen Projekten arbeiten Landschaftsarchitekten in der Vorplanung mit Architekten, Tragwerksplanern, Ingenieuren für technische Gebäudeausrüstung, Verkehrsplanern, Bodengutachtern und weiteren Spezialisten zusammen. Die Koordination dieser Beiträge ist eine eigenständige Leistung, die in der HOAI dem Objektplaner zugewiesen wird. Für Freianlagen bedeutet das, dass der Landschaftsarchitekt die Schnittstellen zu Tiefbau, Entwässerung, Beleuchtung und Möblierung frühzeitig klären muss.

Ein häufiger Fehler in der Praxis besteht darin, die Leistungsphase 2 zu früh zu verlassen, also in die Entwurfsplanung überzugehen, bevor die Vorplanung wirklich abgeschlossen und freigegeben ist. Das geschieht oft unter Zeitdruck oder weil Auftraggeber schnelle Ergebnisse sehen wollen. Die Folge ist, dass konzeptionelle Grundsatzfragen, die in der Vorplanung hätten geklärt werden sollen, in die Entwurfsplanung verschleppt werden und dort zu erheblichem Mehraufwand führen. Planungsänderungen in der Leistungsphase 3 oder 4, die auf ungeklärten Vorplanungsfragen beruhen, sind nach HOAI grundsätzlich als Änderungsleistungen zu vergüten, was zu Honorarnachforderungen und Konflikten führen kann.

Ein weiteres Missverständnis betrifft den Detaillierungsgrad der Vorplanung. Die Leistungsphase 2 HOAI verlangt keine Ausführungsdetails, keine Bepflanzungspläne und keine Leistungsverzeichnisse. Sie verlangt ein konzeptionell überzeugendes, maßstäblich dargestelltes Planungskonzept, das die wesentlichen Entscheidungen dokumentiert und eine belastbare Kostenschätzung ermöglicht. Wer in der Vorplanung bereits in die Detailtiefe der Ausführungsplanung geht, verschwendet Ressourcen und riskiert, dass diese Detailarbeit durch spätere Planungsänderungen hinfällig wird.

Behördliche Abstimmungen spielen in der Leistungsphase 2 ebenfalls eine wichtige Rolle. Für viele Freiflächenprojekte sind frühzeitige Gespräche mit der Unteren Naturschutzbehörde, dem Stadtplanungsamt, der Denkmalschutzbehörde oder dem Tiefbauamt notwendig, um zu klären, welche Anforderungen und Restriktionen für das Projekt gelten. Diese Abstimmungen sind zwar nicht explizit als Grundleistung der Leistungsphase 2 aufgeführt, gehören aber zur professionellen Praxis und können als besondere Leistung vereinbart werden, wenn sie einen erheblichen Aufwand darstellen.

Ergebnisse und Dokumentation am Ende der Vorplanung

Am Ende der Leistungsphase 2 HOAI sollte ein klar strukturiertes Vorplanungspaket vorliegen, das dem Auftraggeber eine fundierte Entscheidungsgrundlage bietet. Zu den typischen Ergebnisdokumenten gehören ein zeichnerisch ausgearbeiteter Vorplanungsplan im geeigneten Maßstab, in der Freiraumplanung häufig im Maßstab 1:500 oder 1:200, eine erläuternde Planungsbeschreibung, die Konzept, Lösungsansätze und Begründungen der wesentlichen Entscheidungen darlegt, sowie die Kostenschätzung nach DIN 276 mit einer Gliederung nach Kostengruppen.

Die Planungsbeschreibung ist dabei mehr als ein begleitender Text: Sie ist das argumentative Rückgrat der Vorplanung und dokumentiert, warum bestimmte Lösungen gewählt und andere verworfen wurden. Eine gut geschriebene Planungsbeschreibung schützt den Planer bei späteren Auseinandersetzungen, weil sie zeigt, dass die Entscheidungen auf einer durchdachten fachlichen Grundlage beruhen. Für Landschaftsarchitekten bietet sie außerdem die Möglichkeit, die ökologischen, klimatischen und sozialen Qualitäten eines Entwurfs zu vermitteln, die sich in einer zeichnerischen Darstellung allein nicht vollständig erschließen.

Die Freigabe der Vorplanung durch den Auftraggeber sollte schriftlich dokumentiert werden. Das kann in Form eines Besprechungsprotokolls, einer E-Mail-Bestätigung oder einer formellen Freigabeerklärung geschehen. Diese Dokumentation ist die Voraussetzung für die Beauftragung der nächsten Leistungsphase und schützt beide Seiten vor Missverständnissen darüber, was vereinbart wurde. In der Praxis wird dieser Schritt häufig vernachlässigt, was später zu Streit darüber führen kann, ob bestimmte Planungsänderungen als Umplanung oder als Weiterentwicklung des freigegebenen Konzepts zu werten sind.

Die Leistungsphase 2 im Kontext des gesamten Planungsprozesses

Die Leistungsphase 2 HOAI ist keine isolierte Planungsstation, sondern ein integraler Bestandteil eines kontinuierlichen Prozesses, der von der ersten Idee bis zur fertiggestellten Anlage reicht. Ihre Bedeutung erschließt sich vollständig erst im Zusammenhang mit den anderen Leistungsphasen: Sie baut auf der Grundlagenermittlung der Leistungsphase 1 auf und schafft die Basis für die Entwurfsplanung der Leistungsphase 3. Was in der Vorplanung nicht geklärt wird, kehrt in späteren Phasen als Problem zurück, häufig in einer Form, die teurer und aufwendiger zu lösen ist.

Für Auftraggeber, insbesondere für öffentliche Bauherren und Projektentwickler, ist die Leistungsphase 2 der Moment, in dem sie zum ersten Mal eine belastbare Vorstellung davon bekommen, was ihr Projekt kosten wird und wie es aussehen soll. Die Kostenschätzung der Vorplanung ist oft die erste Zahl, die in Gremien, Ausschüssen oder Investorenrunden präsentiert wird. Sie hat deshalb eine politische und wirtschaftliche Dimension, die über die rein fachliche Planungsarbeit hinausgeht. Planer, die diese Dimension kennen, bereiten ihre Vorplanungsunterlagen entsprechend kommunikativ auf.

Die wachsende Bedeutung von Klimaanpassung, Biodiversität und blaugrüner Infrastruktur in der Stadtentwicklung hat die inhaltlichen Anforderungen an die Leistungsphase 2 in der Freiraumplanung in den letzten Jahren erheblich erweitert. Konzepte für Schwammstadtprinzipien, also die dezentrale Regenwasserbewirtschaftung im Freiraum, Hitzeschutzmaßnahmen durch Begrünung und Beschattung sowie Habitatvernetzung für Stadtbiodiversität: All das muss bereits in der Vorplanung konzeptionell verankert werden, wenn es in der Ausführung wirksam sein soll. Die Leistungsphase 2 HOAI ist damit nicht nur ein planungsrechtliches Instrument, sondern ein zentrales Werkzeug für die Qualitätssicherung im Freiraum der wachsenden und sich wandelnden Stadt.

Wer die Vorplanung ernst nimmt, spart in allen nachfolgenden Phasen Zeit, Geld und Nerven. Wer sie als Pflichtübung behandelt, zahlt den Preis später. Das ist keine Übertreibung, sondern die nüchterne Erfahrung jedes erfahrenen Planers, der weiß, wie viel Arbeit in einer schlecht vorbereiteten Entwurfsplanung steckt und wie selten diese Arbeit angemessen vergütet wird.