Gabionen Fundament: Material, Detail und Praxis

Ein Detail von Belag und Freiraummaterial zum Thema Gabionen Fundament
Moderne Strukturen mit Gabionenwänden und Holzdächern – eine ungewöhnliche architektonische Lösung. (Foto: stadinstudio/Unsplash)

Gabionen gehören zu den ältesten Konstruktionsprinzipien im Ingenieur- und Landschaftsbau: mit Steinen gefüllte Drahtkörbe, die durch ihr Eigengewicht Stabilität erzeugen. Doch so robust das fertige Bauwerk auch wirkt, seine Dauerhaftigkeit hängt entscheidend von einem Element ab, das nach der Fertigstellung vollständig unsichtbar ist: dem Gabionen Fundament. Wer die Gründung einer Gabionenwand unterschätzt, riskiert Setzungen, Neigungen und strukturelle Schäden, die sich oft erst nach Jahren zeigen, dann aber kostspielig und aufwendig zu beheben sind.

  • Was ein Gabionen Fundament ist und welche statischen Aufgaben es erfüllt
  • Welche Fundamenttypen für Gabionenkonstruktionen geeignet sind und wann welcher Typ zum Einsatz kommt
  • Welche Materialien und Schichtaufbauten für die Gründung maßgeblich sind
  • Wie Frostschutz, Drainage und Lastableitung konstruktiv gelöst werden
  • Welche Planungsgrundlagen, Normen und Richtwerte relevant sind
  • Wie die Ausführung Schritt für Schritt funktioniert und welche Fehler in der Praxis häufig auftreten
  • Wie Gabionenfundamente in unterschiedlichen Geländesituationen und Bodenklassen geplant werden
  • Welche Rolle das Gabionen Fundament im Kontext von Hangbefestigungen, Stützmauern und Einfriedungen spielt

Was ist ein Gabionen Fundament und warum ist es unverzichtbar?

Eine Gabionenwand ist eine Schwergewichtskonstruktion: Sie leitet Lasten nicht über Zugkräfte oder Verbindungsmittel ab, sondern ausschließlich über ihr Eigengewicht und die Reibung zwischen den Körben und dem Untergrund. Das Gabionen Fundament ist jene Schicht oder jener Baukörper, der diese Lasten gleichmäßig in den tragfähigen Baugrund überträgt und gleichzeitig verhindert, dass Frost, Wasser oder Setzungen die Konstruktion destabilisieren. Ohne eine sachgerecht geplante und ausgeführte Gründung ist jede Gabionenwand, unabhängig von ihrer Höhe oder ihrem Füllmaterial, auf Dauer gefährdet.

Der Begriff Gabionen Fundament bezeichnet dabei nicht zwingend ein Betonfundament im klassischen Sinne. In der Praxis des Landschafts- und Tiefbaus wird darunter der gesamte Gründungsaufbau verstanden: die Aushubtiefe, die Tragschicht aus frostfreiem Material, gegebenenfalls eine Betonplatte oder ein Betonsockel sowie die Entwässerungsebene. Je nach Wandhöhe, Bodenklasse und Geländesituation kann dieser Aufbau sehr einfach oder erheblich aufwendig ausfallen. Die Entscheidung darüber ist keine handwerkliche Ermessensfrage, sondern eine ingenieurmäßige Planungsaufgabe.

Gabionenwände werden im Außenraum für sehr unterschiedliche Zwecke eingesetzt: als Stützmauern zur Hangsicherung, als Einfriedungen und Sichtschutzwände, als Lärmschutzwände entlang von Verkehrswegen, als Terrassierungselemente in Garten- und Freiraumanlagen sowie als gestalterische Raumteiler in öffentlichen Freiräumen. Für jeden dieser Anwendungsfälle gelten spezifische Anforderungen an das Gabionen Fundament, weil sich Höhe, Belastung, Wasserverhältnisse und Geländebedingungen erheblich unterscheiden.

Bodenklassen, Tragfähigkeit und geotechnische Grundlagen

Jede Fundamentplanung beginnt mit der Kenntnis des Baugrundes. Die DIN 18300 klassifiziert Böden nach ihrer Lösbarkeit und ihren bautechnischen Eigenschaften in Bodenklassen, die für die Ausführung des Aushubs relevant sind. Für die Tragfähigkeitsbewertung sind darüber hinaus die Kennwerte der Bodenmechanik maßgeblich: der Reibungswinkel, die Kohäsion und der zulässige Sohldruckwert. Letzterer gibt an, welche Last pro Flächeneinheit ein Boden aufnehmen kann, ohne unzulässige Setzungen zu erfahren.

Bindige Böden wie Tone und Lehme sind besonders problematisch, weil sie bei Feuchtigkeitsveränderungen ihr Volumen ändern, bei Frost auffrieren und bei Auftauen nachgeben. Auf solchen Böden ist ein Gabionen Fundament ohne ausreichende Frostschutzschicht und Drainage nicht dauerhaft standsicher. Nicht bindige Böden wie Kies und Sand sind drainageaktiv und frostsicher, sofern sie ausreichend verdichtet werden. Gewachsener Fels bietet die höchste Tragfähigkeit, erfordert aber unter Umständen besondere Maßnahmen für die Entwässerung, da Wasser auf Fels nicht versickern kann.

Für Gabionenwände bis zu einer Höhe von etwa einem Meter, wie sie häufig als Einfriedungen oder Terrassierungselemente in Privatgärten und öffentlichen Freiräumen vorkommen, genügt in vielen Fällen eine sorgfältig hergestellte Schotterschicht als Gründungsebene. Ab einer Wandhöhe von einem Meter und bei ungünstigen Bodenverhältnissen empfehlen Fachplaner in der Regel eine Gründungstiefe unterhalb der örtlichen Frosttiefe sowie eine Lagestabilisierung durch ein Betonfundament oder eine bewehrte Betonplatte. Die örtliche Frosttiefe beträgt in Deutschland je nach Region zwischen achtzig Zentimetern und einem Meter zwanzig; in exponierten Lagen kann sie höher liegen.

Fundamenttypen für Gabionenwände: Schotter, Beton und Kombinationslösungen

Das einfachste Gabionen Fundament ist die Schottergründung: Der Boden wird auf die erforderliche Tiefe ausgehoben, der Aushub wird durch verdichtetes Schottermaterial ersetzt, und die unterste Gabionenlage wird direkt auf dieser Schicht aufgestellt. Diese Lösung ist kostengünstig, gut drainageaktiv und für leichte Konstruktionen auf tragfähigem, nicht bindigem Untergrund geeignet. Voraussetzung ist eine ausreichende Verdichtung des Schotters, die mit einem Rüttelplatten-Verdichter in Lagen von maximal zwanzig Zentimetern Dicke erfolgen sollte. Ein nicht ausreichend verdichteter Schotterkörper setzt sich unter Last nach, was zu Neigungen und Fugenöffnungen in der Gabionenwand führt.

Das Betonfundament ist die robustere und für höhere Wände sowie ungünstige Bodenverhältnisse geeignetere Lösung. Es wird als Streifenfundament unter der gesamten Wandlänge oder als Plattenstreifen ausgeführt. Die Breite des Betonfundaments sollte die Breite der untersten Gabionenlage um mindestens zehn bis fünfzehn Zentimeter auf jeder Seite überragen, um eine gleichmäßige Lastverteilung zu gewährleisten. Die Betonqualität entspricht in der Regel einem Außenbeton der Expositionsklasse XF (frostbeansprucht), da das Fundament dauerhaft Feuchtigkeit und Frost ausgesetzt ist. Bewehrung ist bei Streifenfundamenten für Gabionenwände bis zu einer Höhe von etwa zwei Metern häufig nicht zwingend erforderlich, sollte aber bei ungleichmäßigem Untergrund, bei Stützmauern mit Erddruckbelastung und bei größeren Wandlängen eingesetzt werden.

Eine in der Praxis bewährte Kombinationslösung verbindet die Drainagefunktion des Schotters mit der Lagestabilität des Betons: Auf dem verdichteten Schotterbett wird eine dünne Betonplatte oder ein Magerbetonsockel hergestellt, der als ebene, stabile Auflage für die unterste Gabionenlage dient. Diese Lösung ist besonders dann sinnvoll, wenn der Untergrund leicht uneben oder inhomogen ist, da die Betonschicht Unebenheiten ausgleicht und eine definierte Auflageebene schafft. Der Schotter unterhalb des Betons übernimmt weiterhin die Drainagefunktion und verhindert, dass Stauwasser unter dem Fundament entsteht.

Sonderfall Hanglagen und Stützmauern

Gabionen als Stützmauern in Hanglagen sind statisch anspruchsvoller als freistehende Einfriedungen, weil sie neben dem Eigengewicht der Konstruktion auch den aktiven Erddruck des dahinterliegenden Geländes aufnehmen müssen. Das Gabionen Fundament muss in diesem Fall so tief und breit angelegt werden, dass die Resultierende aus Eigengewicht und Erddruck innerhalb der Fundamentfläche bleibt und Kippen sowie Gleiten der Konstruktion ausgeschlossen sind. Für Stützmauern ab etwa einem Meter fünfzig Höhe ist eine ingenieurmäßige Berechnung nach den Grundsätzen der Geotechnik erforderlich; die Regeln der Technik verweisen hier auf die DIN EN 1997 (Eurocode 7) als normative Grundlage für geotechnische Bemessungen.

In Hanglagen ist die Entwässerung hinter und unter der Gabionenwand besonders kritisch. Drückendes Hangwasser erhöht den Erddruck erheblich und kann selbst eine korrekt dimensionierte Konstruktion destabilisieren. Hinter der Gabionenwand wird deshalb in der Regel eine Drainageschicht aus Kies oder Schotter eingebaut, die das Hangwasser seitlich ableitet und den Wasserdruck auf die Wandrückseite minimiert. Diese Drainageschicht wird durch ein Geotextil (Filtervlies) vom anstehenden Boden getrennt, um das Einwandern von Feinkorn in den Drainagekörper zu verhindern. Das Gabionen Fundament selbst sollte in Hanglagen auf der Talseite tiefer gegründet werden als auf der Bergseite, um Unterspülung und Erosion unter dem Fundament auszuschließen.

Materialien für das Gabionen Fundament: Schotter, Beton und Geotextilien

Die Materialwahl für das Gabionen Fundament folgt klaren funktionalen Anforderungen. Frostschutzschotter, auch als Frostschutzkies bezeichnet, besteht aus gebrochenem oder natürlichem Kies-Sand-Gemisch mit einer definierten Korngrößenverteilung, die eine gute Verdichtbarkeit und gleichzeitig ausreichende Wasserdurchlässigkeit sicherstellt. Geeignete Körnungen liegen typischerweise im Bereich von null bis sechzehn Millimetern oder null bis zweiunddreißig Millimetern. Entscheidend ist, dass das Material frostunempfindlich ist, also weniger als fünfzehn Prozent Feinanteile unter null komma zero sieben fünf Millimetern enthält, da Feinanteile kapillar Wasser aufnehmen und bei Frost auffrieren.

Für das Betonfundament wird in der Regel ein Normalbeton der Festigkeitsklasse C16/20 oder C20/25 verwendet. Bei direktem Bodenkontakt und Frostbeanspruchung sollte die Expositionsklasse XF2 oder XF3 gewählt werden, die einen erhöhten Frost-Tausalz-Widerstand sicherstellt. Der Beton wird in der Regel als Ortbeton eingebaut; bei kleineren Projekten und einfachen Verhältnissen ist auch Transportbeton geeignet. Die Betonoberfläche sollte nach dem Erhärten eben und maßhaltig sein, um eine gleichmäßige Auflage für die unterste Gabionenlage zu gewährleisten.

Geotextilien spielen im Gründungsaufbau eine wichtige, aber häufig unterschätzte Rolle. Als Trennlage zwischen dem gewachsenen Boden und der Schotterschicht verhindern sie das Einmischen von Bodenmaterial in den Schotter, was langfristig die Drainagefähigkeit und die Tragfähigkeit der Schotterschicht erhalten würde. Als Filtervlies hinter Gabionenwänden trennen sie den Drainagekörper vom anstehenden Erdreich. Die Auswahl des Geotextils richtet sich nach dem Öffnungsweiten-Kriterium: Die charakteristische Öffnungsweite des Vlieses muss kleiner sein als die dominante Korngröße des zu filternden Bodens, um Suffosion (das Auswaschen von Feinkorn) zu verhindern.

Ausführung Schritt für Schritt: Vom Aushub bis zur ersten Gabionenlage

Die Ausführung eines Gabionen Fundaments beginnt mit der genauen Absteckung der Fundamentachse und der Festlegung der Aushubtiefe. Die Aushubtiefe richtet sich nach der örtlichen Frosttiefe, der erforderlichen Schotterschichtdicke und der Fundamentdicke. In der Praxis liegt die Gesamtaushubtiefe für eine einfache Gabionenwand bis einem Meter Höhe auf frostfreiem Untergrund häufig zwischen fünfzig und achtzig Zentimetern; für höhere Wände und ungünstige Böden kann sie einen Meter und mehr betragen.

Nach dem Aushub wird der Planum, also die Aushubsohle, sorgfältig geprüft. Weiche, organische oder inhomogene Bereiche müssen ausgetauscht werden. Auf dem verdichteten Planum wird das Geotextil verlegt, das seitlich mindestens zwanzig Zentimeter über den Fundamentbereich hinausgeführt und an den Rändern mit Erdnägeln oder Steinlagen gesichert wird. Danach folgt der lagenweise Einbau und die Verdichtung des Frostschutzschotters. Jede Lage wird mit einem geeigneten Verdichtungsgerät bearbeitet, bis der geforderte Verdichtungsgrad erreicht ist. Ein Proctor-Versuch oder eine Lastplattendruckprüfung kann bei größeren Projekten zur Qualitätssicherung eingesetzt werden.

Wenn ein Betonfundament vorgesehen ist, wird nach der Schotterschicht eine Sauberkeitsschicht aus Magerbeton hergestellt, auf der die Schalung und gegebenenfalls die Bewehrung des Streifenfundaments aufgebaut werden. Der Beton wird eingebracht, verdichtet und bis zur ausreichenden Festigkeit nachbehandelt. Erst wenn der Beton die erforderliche Festigkeit erreicht hat, was je nach Witterung drei bis sieben Tage dauern kann, wird die erste Gabionenlage aufgestellt und befüllt. Die unterste Lage wird besonders sorgfältig gesetzt, da sie die Grundlinie für alle weiteren Lagen vorgibt: Ungenauigkeiten in der Horizontalität und Fluchtung der ersten Lage pflanzen sich nach oben fort und sind nachträglich kaum zu korrigieren.

Häufige Fehler bei der Fundamentherstellung

Zu den verbreitetsten Fehlern in der Praxis gehört die unzureichende Aushubtiefe. Wer das Gabionen Fundament nur wenige Zentimeter tief anlegt, spart kurzfristig Zeit und Material, riskiert aber Frostschäden und Setzungen. Ein weiterer häufiger Fehler ist das Weglassen des Geotextils: Ohne Trennlage wandert Feinboden in den Schotter, reduziert dessen Drainagefähigkeit und Tragfähigkeit, und die Schotterschicht verliert langfristig ihre Funktion. Auch die unzureichende Verdichtung des Schotters ist ein klassisches Problem: Ein nicht verdichteter Schotterkörper setzt sich unter der Last der Gabionen nach, was zu ungleichmäßigen Setzungen und Neigungen der Wand führt.

Besonders in Hanglagen wird die Entwässerung hinter der Wand häufig vernachlässigt. Fehlt die Drainageschicht, staut sich Hangwasser hinter der Gabionenwand, erhöht den Erddruck und kann die Konstruktion im Extremfall zum Kippen bringen. Schließlich wird die Frostschutztiefe oft unterschätzt, besonders in Regionen mit strengen Wintern. Ein Gabionen Fundament, das nicht frostfrei gegründet ist, wird durch Frostbewegungen im Boden angehoben und nach dem Auftauen ungleichmäßig abgesenkt, was zu bleibenden Verformungen der Wand führt.

Das Gabionen Fundament im Kontext nachhaltiger Freiraumplanung

Gabionenkonstruktionen gelten in der Landschaftsarchitektur und im Ingenieurbau als vergleichsweise ressourcenschonend, weil sie lokales Steinmaterial verwenden können, keine energieintensiven Bindemittel benötigen und am Ende ihrer Nutzungsdauer vollständig rückbaubar und recycelbar sind. Diese Qualitäten entfalten sich jedoch nur dann vollständig, wenn das Gabionen Fundament ebenfalls nachhaltig und dauerhaft ausgeführt wird. Ein Fundament, das nach wenigen Jahren Setzungsschäden verursacht und eine aufwendige Sanierung erfordert, konterkariert die ökologischen Vorteile der Konstruktion.

Im Kontext der Regenwasserbewirtschaftung und der Versickerungsplanung bieten Gabionenfundamente auf Schotterbasis einen weiteren Vorteil: Sie sind wasserdurchlässig und fördern die Versickerung von Niederschlagswasser in den Untergrund, anstatt es oberflächlich abzuleiten. Das entspricht den Zielen der dezentralen Regenwasserbewirtschaftung, wie sie in der DIN 1986-100 und in zahlreichen kommunalen Entwässerungssatzungen verankert sind. Für Freiraumplaner, die Gabionenwände in versickerungsrelevanten Bereichen einsetzen, ist dieser Aspekt bei der Fundamentplanung ausdrücklich zu berücksichtigen.

Die Qualität eines Gabionen Fundaments entscheidet letztlich darüber, ob eine Gabionenkonstruktion die ihr zugedachten Jahrzehnte überdauert oder schon nach wenigen Jahren Probleme bereitet. Wer die geotechnischen Grundlagen kennt, die richtigen Materialien wählt, die Entwässerung konsequent plant und die Ausführung sorgfältig kontrolliert, schafft die Voraussetzung für ein Bauwerk, das seinen Zweck dauerhaft, sicher und mit minimalem Unterhaltungsaufwand erfüllt. Das ist keine Selbstverständlichkeit, aber es ist mit dem richtigen Wissen und der nötigen Sorgfalt zuverlässig erreichbar.

Das könnte Sie auch interessieren
Preisverleihung: Gärten des Jahres 2019
hochwinkelfotografie-der-stadt-RvCbIQ0S-Lc
Hanoi entwickelt klimaresiliente Märkte als urbane Ankerpunkte
Was ist die essbare Stadt?
Frauen in der Gartenkultur: Tagung in Osnabrück macht weibliche Perspektiven sichtbar
AIV-Schinkel-Wettbewerb: Berlin 2070
Die Datenjongleure
Zwei Park-Projekte von le balto
Parkikonen – Die neue G+L im Dezember 2024!
Januarausgabe: Wagnis Landschaft
Flughafensee Tegel – ein Entwicklungskonzept

Baumeister Topos Cities Initiative

von 9.15 bis 19.00 Uhr

„City as Project“ – Konferenz am 22. Mai von 9.15 bis 18.30 Uhr, City Cube Berlin, Saal A1

Die Zukunft unserer Städte ist eines der Kernthemen des 21. Jahrhunderts. Garten + Landschaft befasst sich mit Fragen von Urbanisierung und Stadtentwicklung, ebenso wie unsere Schwesterzeitschriften Topos und Baumeister. In diesem Zusammenhang steht auch die „Baumeister & Topos Cities Initiative“, eine internationale und disziplinübergreifende Plattform, die die Kernkompetenz der Magazine verknüpft: Landschaftsarchitektur, Architektur und Städtebau, immer mit Bezug zum sozialen Kontext. Im Zentrum der Initiative steht die Frage, welchen Beitrag die unterschiedlichen Disziplinen für eine lebenswerte und funktionierende Urbanität in den Ballungszentren dieser Welt leisten können.
Die erste Veranstaltung des Events ist eine eintägige englischsprachige Konferenz mit hochkarätigen internationalen Gästen unter dem Titel „City as Project“. Wir beleuchten vier Facetten funktionierender Urbanität, die jeweils aufzeigen, wie viele unterschiedliche Akteure am Gelingen des Großprojekts Stadt beteiligt sind:

Resilient City: Wie kann man die Belastbarkeit von Städten stärken?

Mobile City: Wie bewegen sich die Stadtbewohner von morgen? Wie bleibt die Infrastruktur auch in den rasant wachsenden Megastädten funktionabel?

Creative City: Wie wird eine Stadt zu einem kreativen Cluster?

Open City: Wie schaffen wir einen urbanen Raum, in dem sich jeder Mensch frei verwirklichen kann?

 

Die Konferenz “City as Project” ist Teil der Plattform „Metropolitan Solutions“, die sich mit der Zukunft der Stadt auseinandersetzt und vom 20. bis 22. Mai in Berlin stattfindet. Der Besuch der Konferenz ist für Messebesucher kostenlos, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Informationen zum Veranstaltungsort finden Sie unter www.metropolitansolutions.de.

 

Programm „City as Project“
22. Mai von 9.15 bis 18.30 Uhr
9.15 Greeting: Alexander Gutzmer, Chefredakteur Baumeister

Resilient City
9.30-10.15
Martin Knuijt, OKRA Landscape Architects, Utrecht
10.15-11.00
Gena Wirth, SCAPE / LANDSCAPE ARCHITECTURE, New York

11.00-11.20
Break

Mobile City
11.20-11.30
Pecha Kucha, Obermeyer
11.30-13.00
Panel discussion “Future of Mobility”
Kees Christiaanse, ETH Zürich, FCL Singapur, KCAP
Nicola Brüning, BMW Group
Stephan Jentsch, OBERMEYER China (OEC) in Beijing
Malgorzata Wiklinska, ZF, Think Tank

Alexander Gutzmer, Chefredakteur Baumeister
Peter Zöch, Redakteur Topos

13.00-14.30
Break

Creative City
14.30-15.00
Karsten Schmitz, initiator creative quarter Leipzig
15.00-15.30
Urs Kumberger, Teleinternet Cafe, Berlin
15.30-16.00
Freek Persyn, 51N4E Architects, Brüssel
16.00-16.45
Clark Parsons, Berlin School of Creative Leadership

16.45-17.15
Break

Open City
17.15-18.30
Kees Christiaanse
, ETH Zürich, FCL Singapur, KCAP

 

Sponsored by ZF, OBERMEYER Planen + Beraten GmbH

Advertorial Artikel Parallax Article

Der demografische Wandel ist eine der zentralen Herausforderungen für Deutschlands Stadtplanung. Was viele dabei vergessen: Der demografische Wandel ist nicht allein mit Überalterung gleichzusetzen. Vielmehr definiert er sich durch eine Vielzahl von Veränderungen in unserer Bevölkerungsstruktur – unter anderem durch die Größe der privaten Haushalte. Also: Wie viele Menschen wie und wo zusammenwohnen. Das BBSR, das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung, stellte im Mai 2021 die Ergebnisse der jüngsten Haushaltsprognose vor. Demnach nehmen bis zum Jahr 2040 die Zahl der Singlehaushalte weiter zu. Was bedeutet das für Deutschlands Stadtplanung?

Singlehaushalte wachsen auf 19,3 Millionen

Die Folgen und Herausforderungen des demografischen Wandels haben wir in der Stadt Spezial-Reihe 2021 der Garten + Landschaft rauf und runter diskutiert. Thema der ersten Ausgabe war „Städtewachstum“, während die zweite Ausgabe die Zukunft des ländlichen Raums untersuchte. Die dritte Ausgabe, die Juniausgabe 2021, analysierte wie wir als Planer*innen mit dem zunehmenden Lebenskonzepten umgehen – und das anhand der LGBTIQ-Community. Queere Lebenskonzepte stehen in dieser Ausgabe stellvertretend für die zunehmende Vielfalt in unseren Städten.

Was uns die Juniausgabe 2021 vor Augen führt, ist, dass die alternativen Lebensformen allgemein – weit über gleichgeschlechtliche Partnerschaften hinaus – zunehmen. Die klassischen Rollen- oder Familienbilder werden aufgebrochen. Zahlen und Fakten bestätigen das. So gingen laut dem Bundesamt für Statistik in den letzten 50 Jahren die Eheschließungen in Deutschland zurück. Paare heirateten im höheren Alter, und die Ehen, in denen einer und eine schon mal verheiratet war, auch die nahmen nachweislich zu. Aber ebenso die aktuellen Zahlen des Bundesamtes für Statistik zu der Entwicklung der einzelnen Haushalte bestätigten die demografischen Veränderungen. So sollen laut der letzten Prognose bis 2040 die Zahl der Einpersonenhaushalte von 17,3 Millionen im Jahr 2018 auf 19,3 Millionen wachsen. Als Gründe hierfür werden der Rückgang von Eheschließungen sowie Geburten angeführt. Zudem würde laut dem Bundesamt hier reinspielen, dass zunehmend mehr Paare getrennt und mehr und mehr Senior*innen alleine leben würden.

Knapp die Hälfte aller Haushalte aktuell Singlehaushalte

Nun legte das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) am 27. Mai 2021 gesondert die Ergebnisse der jüngsten Haushaltsprognose für 2040 vor. Diese macht deutlich: Die Zahl der Singlehaushalte wird bis zum Jahr 2040 weiter steigen – und dass, obwohl die Bevölkerungszahl insgesamt leicht abnimmt. So sollen laut der Haushaltsprognose 2040 des BBSR die Zahl der kleinen Haushalte bis 2040 um 3,8 Prozent auf insgesamt 33 Millionen zunehmen. Als kleine Haushalte werden dabei die Haushalte mit ein bis zwei Personen definiert. Die Zahl der großen Haushalte – mit drei oder mehr Personen – soll wiederum um 6,4 Prozent auf 9,6 Millionen Haushalte sinken.
Jedoch bereits zum Zeitpunkt 2021 sind Einpersonenhaushalte die häufigste Haushaltsform in Deutschland. Im Jahr 2019 verzeichnete das Statistische Bundesamt insgesamt 17,6 Millionen Singlehaushalte. Das entspricht einem Anteil von 42 Prozent. Dieser Anteil wiederum wird sich laut den BBSR-Berechnungen bis ins Jahr 2040 auf 44 Prozent erhöhen.

Singlehaushalte & Stadtplanung

Im offiziellen Statement sagt BBSR-Leiter Markus Eltges hierzu, dass der Anstieg von kleinen Haushalten die Wohnungsnachfrage und das -angebot verändere. Man bräuchte nun viele kleinere Wohnungen für ein und zwei Personen. Zusätzlich würden immer mehr ältere Menschen alleine leben. Markus Eltges prognostiziert auch eine erhöhte Nachfrage nach mehr barrierefreien Wohnungen in Neubau und Bestand. Gleichzeitig werden laut ihm die haushaltsnahen Pflege- und Gesundheitsdienstleistungen mehr gefragt sein. In Stadt und Land bräuchte es zudem mehr soziale Angebote. Zudem betont er das Bedürfnis nach stärkeren Netzwerke in den Nachbarschaften, um den alleinlebenden Menschen ein Angebot gegen die Vereinsamung unterbreiten zu können.

Demografischer Wandel ist nicht gleich Überalterung

Im Gespräch mit Nina Schuster in der Juniausgabe 2021 der G+L bestätigt die Soziologin, dass sich die Herausforderungen des demografischen Wandels nicht allein auf Geburten, Sterbefälle und Wanderungssaldo reduzieren lassen. Nina Schuster forscht und lehrt an der TU Dortmund zu queeren und feministischen Raumtheorien, Intersektionalität sowie zur sozialen Ungleichheit. Sie sieht ein essenzielles Problem darin, dass viele Planer*innen den demografischen Wandel mit Überalterung gleichsetzen. Dabei würden diese vergessen, dass sie Räume für Menschen mit sehr unterschiedlichen Bedürfnissen gestalten würden.

Planung muss sich Unterschiedlichkeit bewusst machen

Die Stadtplanung hätte die Tendenz, in Entwürfen von eigenen, oftmals heteronormativen Bedürfnissen auszugehen. Aber die Welt würde sich verändern und damit auch die Raumansprüche der Menschen in Deutschland, so Nina Schuster. Hätte die Soziologin einen Wunsch bei den deutschen Stadtplanungsämtern frei, dann würde sie sich wünschen, dass man sich dort nochmal der Unterschiedlichkeit der Menschen bewusst mache.

Zum Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung

Die Haushaltsprognose des Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung ist Teil der Raumordnungsprognose 2040, die das BBSR im März 2021 vorstellte. Diese analysiert wie sich die Bevölkerungs-, Haushalts- und Erwerbspersonenzahlen deutschlandweit und nach Regionen zugeordnet bis 2040 ändern werden.
Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung beschäftigt sich mit den Themen Bauen, Wohnen, Städtebau und Stadtentwicklungspolitik sowie Raumordnung und Raumentwicklungspolitik. Mit insgesamt 200 Planstellen unterstützt das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung als Ressortforschungseinrichtung das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat sowie andere Ressorts durch Forschungs- und Entwicklungsleistungen.

Die Ergebnisse der Haushaltsprognose 2040 des BBSR nach Raumordnungsregionen, Bundesländer, Ost/West/Deutschland gesamt sowie Stadt/Land können Sie hier runterladen.

Und den ganzen Artikel mit dem Gespräch mit Nina Schuster lesen Sie ab Seite 12 in der Juniausgabe 2021 der Garten + Landschaft.