Gabionensäule Einbetonieren: Eigenschaften, Verlegung und Einsatz

Ein Detail von Belag und Freiraummaterial zum Thema Gabionensäule Einbetonieren
Weißes Gebäude mit Blatt-Mural an einer Felswand – ein Beispiel für urbane Begrünungsästhetik. (Foto: yi2026)

Eine Gabionensäule ist kein einfacher Pfosten und kein gewöhnliches Fundament. Sie verbindet die tektonische Wirkung des Steingefüges mit der statischen Verlässlichkeit einer einbetonierten Verankerung und schafft damit eine Konstruktionsform, die im Außenraum gleichermaßen ästhetisch überzeugt und technisch funktioniert. Wer Gabionensäulen einbetonieren will, muss die Logik dieser hybriden Konstruktion verstehen: Steinkorb und Betonverankerung sind kein Widerspruch, sondern ein aufeinander abgestimmtes System.

  • Was eine Gabionensäule ist und wie sie sich von anderen Gabionenkonstruktionen unterscheidet
  • Welche statischen und gestalterischen Eigenschaften Gabionensäulen auszeichnen
  • Warum das Einbetonieren des Tragrohrs oder Pfostens die entscheidende Grundlage der Konstruktion ist
  • Wie die Fundamentgrube, die Betonmischung und die Ausrichtung fachgerecht ausgeführt werden
  • Welche Füllmaterialien, Maschenweiten und Drahtstärken für Säulen geeignet sind
  • Wie Gabionensäulen in Zaunfelder, Pergolen, Beleuchtung und Sichtschutzanlagen integriert werden
  • Welche Fehler bei Planung und Ausführung typisch sind und wie sie vermieden werden
  • Wie Gabionensäulen in den größeren Kontext der Freiraumgestaltung eingeordnet werden

Was ist eine Gabionensäule? Definition, Aufbau und Abgrenzung

Eine Gabionensäule ist ein vertikal aufgestellter, allseitig geschlossener Drahtgitterkorb, der mit Steinen oder anderen Füllmaterialien befüllt wird und im Außenraum als freistehendes oder reihenweise angeordnetes Bauelement dient. Der Begriff leitet sich vom italienischen „gabbione“ ab, was so viel wie großer Käfig bedeutet, und bezeichnet ursprünglich mit Erde oder Steinen gefüllte Drahtkörbe, die im Ingenieur- und Wasserbau zur Böschungssicherung und Uferbefestigung eingesetzt werden. Die Säulenform ist eine gestalterische Weiterentwicklung dieses Prinzips für den Hochbau und die Freiraumgestaltung.

Im Unterschied zur flächigen Gabionenwand, die aus mehreren nebeneinander und übereinander gestapelten Körben besteht und ihre Standsicherheit über Eigengewicht und Flächenausdehnung gewinnt, steht die Gabionensäule als schlankes, aufrechtes Element. Ihr Verhältnis von Höhe zu Grundfläche ist deutlich größer als bei einer Wandkonstruktion, was besondere Anforderungen an die Verankerung stellt. Eine freistehende Gabionensäule ohne Einbetonierung wäre bei üblichen Abmessungen von 30 mal 30 Zentimetern Grundfläche und einer Höhe von 150 bis 200 Zentimetern gegen Windlast, Stoßbelastung und Setzungen nicht dauerhaft standsicher. Deshalb ist das Einbetonieren eines zentralen Tragrohrs oder Pfostens die konstruktive Grundbedingung jeder fachgerecht ausgeführten Gabionensäule.

Typische Anwendungen sind Torpfosten für Einfahrten und Gartentore, Zaunpfosten als Träger von Gabionenzaunfeldern, Pergolenstützen, Beleuchtungspfosten mit integrierter Kabelführung sowie freistehende Solitärelemente zur Raumgliederung in Gärten, Plätzen und Außenanlagen. In allen diesen Fällen übernimmt das einbetonierte Tragrohr die statische Funktion, während der Steinkorb die gestalterische und schützende Hülle bildet.

Statische und gestalterische Eigenschaften der Gabionensäule

Die Tragfähigkeit einer Gabionensäule beruht nicht auf dem Steinkorb selbst, sondern auf dem einbetonierten Innenpfosten. Dieser Pfosten, in der Regel ein Vierkantrohr aus feuerverzinktem Stahl mit Wandstärken von mindestens drei Millimetern, übernimmt alle einwirkenden Kräfte: Vertikallast aus dem Eigengewicht des Steinkorbsystems, Horizontalkräfte aus Wind und Stoß sowie Torsionskräfte bei Torflügeln. Der Steinkorb selbst ist kein tragendes Element im statischen Sinne, er gibt dem Pfosten jedoch seitlichen Halt und schützt ihn vor mechanischer Beschädigung und Witterungseinflüssen.

Das Eigengewicht einer befüllten Gabionensäule ist erheblich. Ein Korb mit 30 mal 30 Zentimetern Grundfläche und 150 Zentimetern Höhe enthält bei einer Schüttdichte von rund 1.500 Kilogramm pro Kubikmeter etwa 200 Kilogramm Steinmaterial. Dieses Gewicht wirkt stabilisierend auf das Fundament und reduziert die Kipptendenz. Gleichzeitig bedeutet es, dass das Fundament und das einbetonierte Rohr die Gesamtlast aufnehmen müssen, ohne dass der Boden darunter nachgibt. Auf weichen, bindigen oder setzungsempfindlichen Böden ist deshalb eine sorgfältige Gründungsplanung unerlässlich.

Gestalterisch bieten Gabionensäulen eine Materialsprache, die im Außenraum außerordentlich vielseitig eingesetzt werden kann. Die Sichtbarkeit des Füllmaterials durch das Drahtgeflecht erzeugt eine lebendige, texturreiche Oberfläche, die je nach Steinwahl von roh-industriell bis hin zu warm-natürlich variieren kann. Granit, Basalt, Kalkstein, Schiefer, Quarzit und Porphyr sind gebräuchliche Füllmaterialien, die unterschiedliche Farbwirkungen und Texturen erzeugen. Auch Recyclingmaterialien wie Ziegelbruch, Glassteine oder Betonbruch werden eingesetzt, wobei die Dauerhaftigkeit und Witterungsbeständigkeit des Materials stets zu prüfen ist. Die Maschenweite des Drahtgeflechts muss auf die Korngröße des Füllmaterials abgestimmt sein: Als Faustregel gilt, dass die kleinste Steinfraktion mindestens das Eineinhalbfache der Maschenweite betragen sollte, um Ausrieseln zu verhindern.

Gabionensäule einbetonieren: Fundament, Tragrohr und Ausführung Schritt für Schritt

Das Einbetonieren des Tragrohrs ist der handwerklich und statisch entscheidende Schritt bei der Errichtung einer Gabionensäule. Die Tiefe der Fundamentgrube richtet sich nach der Säulenhöhe, der Bodenart und den klimatischen Bedingungen. Als Richtwert gilt, dass das Tragrohr mindestens ein Drittel der oberirdischen Säulenhöhe in den Boden einbinden sollte, mindestens jedoch 60 bis 80 Zentimeter. In frostgefährdeten Regionen Mitteleuropas muss die Einbindetiefe die örtliche Frosttiefe unterschreiten, die je nach Region zwischen 60 und 120 Zentimetern liegen kann. Wird das Fundament oberhalb der Frosttiefe gegründet, entstehen durch Frostbewegungen des Bodens Hebungen und Setzungen, die die Säule langfristig aus der Lotrechten drücken.

Die Fundamentgrube wird mit einem Erdbohrer oder durch Aushub hergestellt. Ihr Durchmesser sollte mindestens das Dreifache des Rohrdurchmessers betragen, um ausreichend Beton einbringen und verdichten zu können. Für ein Vierkantrohr mit 60 mal 60 Millimetern empfiehlt sich eine Grube mit mindestens 25 bis 30 Zentimetern Durchmesser. Der Boden der Grube sollte von losem Material befreit und gegebenenfalls mit einer Schicht Magerbeton oder Schotter verdichtet werden, um eine gleichmäßige Lastverteilung zu gewährleisten.

Für das Einbetonieren selbst wird ein Beton der Festigkeitsklasse C16/20 oder höher verwendet, der ausreichend fließfähig ist, um alle Hohlräume um das Rohr zu füllen, ohne zu entmischen. Das Rohr wird in die Grube gestellt, mit einer Wasserwaage in zwei Richtungen ausgerichtet und durch provisorische Abstützung fixiert. Dann wird der Beton lagenweise eingefüllt und mit einem Stab oder Rüttler verdichtet. Besonders wichtig ist, dass das Rohr während des Betonierens nicht verrutscht und die Ausrichtung bis zum Abbinden des Betons gehalten wird. Der Beton sollte mindestens 48 Stunden, bei kühler Witterung länger, aushärten, bevor der Steinkorb aufgesteckt und befüllt wird.

Das Tragrohr ragt nach oben über die Betonoberkante hinaus und bildet den Kern der Gabionensäule. Der Steinkorb wird über das Rohr gestülpt oder seitlich um das Rohr herum montiert, je nach Konstruktionsprinzip des verwendeten Systems. Viele Hersteller bieten Gabionensäulen als Bausatz an, bei dem der Korb aus einzelnen Gitterpaneelen zusammengesetzt wird, die durch Verbindungsringe oder Spiralverbinder miteinander verbunden werden. Diese Verbindungselemente sollten ebenfalls aus feuerverzinktem oder edelstahllegiertem Draht bestehen, um Korrosion an den Verbindungsstellen zu vermeiden.

Befüllung und Abschluss der Gabionensäule

Die Befüllung des Steinkorbsystems erfolgt lagenweise von unten nach oben. Dabei ist darauf zu achten, dass die Sichtflächen sorgfältig von Hand gesetzt werden, während der Kernbereich mit Schüttgut gefüllt werden kann. Handversetzte Sichtflächen erzeugen eine gleichmäßigere, ästhetisch überzeugendere Oberfläche und verhindern, dass unförmige oder gebrochene Stücke sichtbar werden. Die Befüllung sollte nicht zu locker erfolgen, da Setzungen im Laufe der Zeit unvermeidlich sind und ein zu locker befüllter Korb nach einigen Jahren sichtbare Hohlräume und Verformungen zeigt.

Der obere Abschluss der Gabionensäule wird durch einen Deckel aus demselben Drahtgeflecht wie der Korb gebildet, der mit Verbindungsringen gesichert wird. Alternativ können Abdeckplatten aus Naturstein, Beton oder Stahl aufgelegt werden, die dem Element einen definierten oberen Abschluss geben und das Eindringen von Regenwasser in den Kernbereich reduzieren. Bei Säulen, die als Torpfosten dienen, werden Torscharniere und Toranschläge direkt am Tragrohr befestigt, nicht am Steinkorb. Das Rohr muss dafür entsprechende Wandstärken und Schweißeignung aufweisen.

Materialwahl, Drahtqualität und Dauerhaftigkeit

Die Lebensdauer einer Gabionensäule hängt entscheidend von der Qualität des verwendeten Drahts ab. Gabionendraht wird nach europäischen Normen klassifiziert, wobei die Zinkauflage und gegebenenfalls eine zusätzliche Kunststoffbeschichtung die Korrosionsbeständigkeit bestimmen. Einfach verzinkter Draht mit geringer Zinkauflage ist für dauerhaft im Freien stehende Konstruktionen nicht ausreichend. Fachgerecht ausgeführte Gabionensäulen verwenden Draht mit einer Zinkauflage von mindestens 245 Gramm pro Quadratmeter, wie sie in der europäischen Norm EN 10244 für stark korrosionsbeanspruchte Anwendungen vorgesehen ist, oder Draht mit einer zusätzlichen Polyesterbeschichtung (PVC- oder PE-Ummantlung), die die Lebensdauer erheblich verlängert.

Die Drahtstärke der Gitterpaneele liegt bei Gabionensäulen typischerweise zwischen 3 und 5 Millimetern für die Flächen und 4 bis 6 Millimetern für die Randdrähte, die die Paneele einfassen und die Formstabilität sichern. Dünnere Drähte sind zwar leichter zu verarbeiten, aber anfälliger für Verformungen durch den Fülldruck des Steinmaterials und durch mechanische Einwirkungen. Bei Säulen, die als Torpfosten oder stark beanspruchte Zaunpfosten eingesetzt werden, sollten die Randdrähte mindestens 5 Millimeter stark sein.

Das Füllmaterial sollte frostbeständig, witterungsbeständig und formstabil sein. Weiche Gesteine wie Sandstein oder Muschelkalk neigen unter Frost-Tau-Wechseln zur Absplitterung und verlieren ihre Oberfläche. Harte Gesteine wie Granit, Basalt oder Quarzit sind deutlich dauerhafter. Die Korngröße sollte für Säulen mit üblichen Maschenweiten von 50 bis 100 Millimetern zwischen 60 und 150 Millimetern liegen. Zu kleine Steine rieseln durch das Geflecht aus, zu große Steine lassen sich nicht sauber in den Korb einbringen und erzeugen unerwünschte Hohlräume.

Integration in Zaunfelder, Tore und Außenraumsysteme

Gabionensäulen werden selten als Einzelelemente geplant. In der Regel sind sie Teil eines größeren Außenraumsystems, das Zaunfelder, Tore, Mauern oder Pergolen umfasst. Die Koordination zwischen Gabionensäule und den angeschlossenen Elementen erfordert eine sorgfältige Planung der Anschlusspunkte bereits vor dem Einbetonieren des Tragrohrs. Torscharniere, Zaunriegel, Beleuchtungsanschlüsse und Kabelführungen müssen in der Rohrkonstruktion vorgesehen werden, bevor der Steinkorb montiert wird, da nachträgliche Eingriffe in den befüllten Korb aufwendig und optisch unbefriedigend sind.

Bei Gabionenzäunen, die aus Säulen und dazwischen gespannten oder eingehängten Zaunfeldern bestehen, ist der Achsabstand der Säulen auf die Feldlänge der Zaunpaneele abzustimmen. Übliche Feldlängen liegen zwischen 150 und 250 Zentimetern. Die Befestigung der Zaunfelder erfolgt über Klemmbügel oder Schraubanschlüsse am Tragrohr, nicht am Steinkorb. Werden die Felder am Korb befestigt, entstehen Punktlasten auf dem Drahtgeflecht, die zu Verformungen führen können.

Gabionensäulen als Pergolenstützen erfordern besonders sorgfältige Planung der Lastableitung. Die Pergolenkonstruktion überträgt Dachlasten, Windlasten und gegebenenfalls Schneelasten auf die Stützen. Diese Lasten müssen über das Tragrohr in das Fundament abgeleitet werden. Das Rohr muss entsprechend dimensioniert und das Fundament auf die Gesamtlast ausgelegt sein. Für Pergolen mit größeren Spannweiten oder in Regionen mit hoher Schneelast empfiehlt sich eine statische Berechnung durch einen Fachingenieur.

Beleuchtungsanlagen, die in Gabionensäulen integriert werden, nutzen das Tragrohr als Kabelkanal. Das Rohr wird vor dem Einbetonieren mit einer Kabeldurchführung am Fuß versehen, durch die das Erdkabel eingeführt wird. Oben am Rohr wird die Leuchte oder der Leitungsanschluss befestigt. Diese Lösung ist technisch elegant, erfordert aber, dass die Kabelführung bereits bei der Fundamentplanung berücksichtigt wird. Nachträgliches Verlegen von Kabeln durch einen befüllten Steinkorb ist praktisch nicht möglich.

Typische Fehler und wie sie vermieden werden

Der häufigste Fehler beim Gabionensäulen einbetonieren ist eine zu geringe Einbindetiefe des Tragrohrs. Pfosten, die nur 40 oder 50 Zentimeter tief einbetoniert werden, stehen im ersten Winter nach dem Frostaufgang schief oder haben sich durch Windlast gelockert. Die Einbindetiefe ist keine Frage des Aufwands, sondern der Standsicherheit, und sollte nie zugunsten von Arbeitszeit unterschritten werden.

Ein weiterer verbreiteter Fehler ist die Verwendung von zu kleinem Füllmaterial. Steine, die kleiner als die Maschenweite des Geflechts sind, rieseln nach und nach aus dem Korb heraus und hinterlassen Hohlräume, die die Formstabilität der Säule beeinträchtigen. Auch die Verwendung von nicht frostbeständigem Gestein führt nach wenigen Wintern zu einem unschönen Zerfall der Sichtflächen.

Häufig werden Verbindungselemente aus einfach verzinktem Draht verwendet, der schneller korrodiert als das Geflecht der Paneele selbst. Roststellen an den Verbindungsringen sind optisch störend und können die strukturelle Integrität des Korbsystems langfristig schwächen. Alle metallischen Verbindungselemente sollten aus demselben Korrosionsschutzstandard wie das Geflecht bestehen.

Schließlich wird die Bedeutung der Ausrichtung beim Einbetonieren unterschätzt. Ein Pfosten, der nur um wenige Grad aus der Lotrechten steht, erzeugt eine schiefe Säule, die sich durch das Gewicht des Steinkorbsystems weiter neigt. Die Ausrichtung mit der Wasserwaage in zwei Achsen und die Fixierung bis zum vollständigen Abbinden des Betons sind unverzichtbare Arbeitsschritte.

Gabionensäulen im Kontext der Freiraumgestaltung

Gabionensäulen sind mehr als ein handwerkliches Konstruktionselement. Sie stehen für eine Materialsprache, die im zeitgenössischen Freiraum- und Landschaftsarchitekturverständnis eine klare Position einnimmt: sichtbares Material, ehrliche Konstruktion, Bezug zur Geologie des Ortes. Die Wahl des Füllgesteins kann eine Verbindung zur regionalen Geologie herstellen und dem Ort eine spezifische Identität geben, die mit industriell gefertigten Betonpfosten oder Holzpalisaden nicht erreichbar ist.

In der Freiraumplanung werden Gabionensäulen zunehmend nicht nur im privaten Gartenbereich, sondern auch in der Gestaltung öffentlicher Außenanlagen, Schulhöfe, Unternehmensgelände und Verkehrsbegleitgrün eingesetzt. Ihre Robustheit gegenüber Vandalismus, ihre Langlebigkeit bei fachgerechter Ausführung und ihre Wartungsarmut machen sie für diese Anwendungen attraktiv. Gleichzeitig erfordert ihre korrekte Ausführung handwerkliche Sorgfalt und planerisches Vorausdenken, das über das bloße Aufstellen eines Steinkorbsystems hinausgeht.

Wer Gabionensäulen einbetonieren will, sollte die Konstruktion von Anfang an als System begreifen: Fundament, Tragrohr, Korb und Füllmaterial sind keine unabhängigen Komponenten, sondern ein aufeinander abgestimmtes Ganzes. Die Qualität des Ergebnisses entscheidet sich nicht beim Befüllen des Steinkorbsystems, sondern bereits beim Ausheben der Fundamentgrube und beim Einrichten des Tragrohrs. Eine sorgfältig einbetonierte, gut ausgerichtete und mit dauerhaftem Material gefüllte Gabionensäule ist eine Konstruktion, die Jahrzehnte überdauert und dabei nichts von ihrer gestalterischen Wirkung verliert.

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Lesen Sie hier mehr zum PETER-JOSEPH-LENNÉ-PREIS 2022.

 

Bezahlbar Wohnen in Deutschland

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Mit fast zehn Sozialwohnungen pro 1 000 Einwohner*innen steht Hamburg im bundesweiten Vergleich von 26 Städten laut einer Studie von Bulwiengesa ganz vorn da. Doch Sozialwohnungen werden in Deutschland trotzdem in erstaunlicher Geschwindigkeit knapper und immer weniger Menschen können sich Wohnraum in Ballungsgebieten leisten. So hat sich sozialer Wohnungsbau in Deutschland verändert.

Sozialer Wohnungsbau: frühes Vorbild Deutschland

 

2002 lag die Zahl der Sozialwohnungen in Deutschland ungefähr bei 2,6 Millionen. 2018 waren es nur noch etwa 1,2 Millionen, also weniger als die Hälfte. Das hat der GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen in einer Auswertung 2019 festgestellt.

Mit anderen Worten: Zwischen 2002 und 2018 verloren jeden Tag durchschnittlich rund 230 Wohnungen ihren Status als Sozialwohnung. Netto, trotz Neubauten. Ihre Vermieter*innen unterliegen dann nicht mehr der Bindung an staatlich vorgeschriebene Mietpreise und lassen sich mit Mieterhöhungen – verständlicherweise – nicht lange bitten. Unterm Strich geht es mit Deutschlands Sozialwohnungen also abwärts. Nicht gerade rühmlich, wenn man bedenkt, das Deutschland früher als internationaler Spitzenreiter sozialen Wohnungsbaus galt.

Vor etwa 100 Jahren befand sich Deutschland in der Zeit der Novemberrevolution. Der erste Weltkrieg neigte sich dem Ende, die Deutschen stürzten ihre Monarchie und riefen die Republik aus. Auf ihre schlechte Wohnsituation versuchten sie schon in der Kaiserzeit, mitunter in Krawallen auswachsend, aufmerksam zu machen. Doch erstmals in der Zeit der Weimarer Republik fanden die Stimmen der Arbeiterbewegung das Gehör und die Bereitschaft vor, jenen mit kleinen Einkommen bezahlbaren und lebenswürdigen Wohnraum zu schaffen.

Die Berliner Hufeisensiedlung ging als vielleicht bekanntestes Beispiel aus dieser Epoche hervor. Sie ist heute UNESCO-Welterbe und architektonische Ikone. Allein im damaligen Groß-Berlin entstanden in den 20er-Jahren insgesamt 17 solcher verdichteter Sozialwohnsiedlungen, die optisch nicht alle so herausragen mögen wie die Hufeisensiedlung, aber ein gemeinsames Ziel verfolgten: leistbaren Wohnraum guter Qualität zu schaffen.

Nach dem Ende des zweiten Weltkriegs sorgten in Schutt liegende Städte und die zurückkehrenden Heimatvertriebenen für eine grassierende Wohnungsnot, auf den in sowohl in Ost als auch in West mit dem Bau staatlich finanzierter Wohnungen begegnet wurde. Der Trend zum öffentlichen Wohnungsbau fand schließlich ab den 80er-Jahren seine Wende, als der Staat sich aus dessen Finanzierung zurückzog und immer mehr Kommunen aus Geldmangel damit begannen, ihre geförderten Wohnflächen zu privatisieren.

Sozialer Wohnungsbau seit den 80ern privatisiert

Die neuen Eigentümer*innen wurden in Verträgen von üblicherweise 30 Jahren Dauer dazu verpflichtet, die Wohnungen als Sozialwohnungen für berechtigte Interessent*innen bereitzustellen und dafür vom Staat finanziell entschädigt. Nach diesen 30 Jahren entfällt dann die sogenannte Sozialbindung und die Eigentümer*innen dürfen die Wohnungen wieder am freien Markt anbieten. Die Renditen, die dort mittlerweile zu erzielen sind, lässt sich kaum jemand entgehen, der Wohnraum anzubieten hat. Wer sich heute eine Wohnung in Ballungsgebieten leisten will, muss häufig entweder weit über dem Durchschnitt verdienen, sich mit sehr wenig Platz zufriedengeben oder aber einen ungesunden Anteil des Haushaltseinkommens für die Wohnkosten einplanen.

Dennoch, das zeigt wie groß die Wohnungsnot anscheinend wieder geworden ist, finden sich heute in deutschen Großstädten schon mal 50 Bewerber*innen zur Massenbesichtigung des sanierungsbedürftigen Wohnklos ein und eine*r von ihnen darf sich anschließend der Ehren einer gepickten Rosine erfreuen.

Der jahrelang vernachlässigte soziale Wohnungsbau wird sich nicht schnell beheben lassen. Das liegt schon an der Gestaltung von Baugenehmigungsverfahren, die regelmäßig ein Vielfaches der reinen Bauzeit eines Objekts in Anspruch nehmen. Was heute angestoßen wird, kann, auch aufgrund des Mangels an Personal, das Bauverfahren in den Kommunen zu bearbeiten in der Lage ist, erst in Jahren zum ersten Spatenstich gelangen. Dazu kommt, dass erst einmal Baugrund vorhanden sein muss, und der wurde an vielen Orten während der Privatisierung verkauft.

Dass Hamburg jetzt statistisch gut dasteht im Bereich sozialer Wohnungsbau ist eine schöne Nachricht, aber die Tatsache, dass sich insgesamt viel zu wenig beim Thema tut, transportiert sie nicht. Immer noch, selbst einschließlich der geplanten Neubauten in den Bundesländern, werden Sozialwohnungen in den nächsten Jahren effektiv weniger werden und solange es sich für Investor*innen nicht lohnt, sie zu bauen, wird sich daran von selbst auch nichts ändern.

Mehr Initiative gefordert

Deutschland ist spät dran ist mit der Thematik, da hilft auch Meckern nichts mehr. Staat und Länder müssen jetzt aber weitaus unternehmen, als bisher. Das Hannoveraner pestel-Institut kam in einer Kurzstudie 2019 zum Fazit, dass der Bestand an Sozialwohnungen als „Minimalziel“ zur Entspannung deutscher Wohnungsmärkte bis 2030 wieder auf zwei Millionen angehoben werden sollte. Um das zu erreichen, schätzt das Institut einen Finanzbedarf von jährlich über sechs Milliarden Euro über mehr als zehn Jahre.

Das sind weit mehr, als die 2,4 Milliarden, die laut der Studie 2018 für den sozialen Wohnungsbau in den Haushalten des Bundes und der Länder bereitgestellt wurden. Auch die Finanzhilfen des Bundes für den sozialen Wohnungsbau, die 2020 mit einem Volumen von einer Milliarde Euro bis 2024 beschlossen wurden, sehen da eher aus wie ein Tropfen auf den heißen Stein.

Vorschläge zur Bekämpfung der Wohnungskrise gibt es. Bundeseigene Liegenschaften wie Parkplätze an Bahnhöfen beispielsweise könnten den Baugrund für neuen Wohnraum darstellen. Auf Stelzen gebaut, wie nach einer Idee eines Bad Aiblinger Architekten, würden sie mit den parkenden Autos nicht einmal um den begehrten Platz konkurrieren. Um schneller auf den Bedarf reagieren zu können, wäre es aber auch nötig, das Baurecht zu verschlanken, und sozialen Wohnungsbauer*innen nicht noch zusätzliche Verwaltungsarbeit aufzubürden.

Über sozialen Wohnungsbau und über den Flächendruck in Berlin ganz allgemein sprachen wir mit Berlins Bausenator Sebastian Scheel im Interview.

Und alles zum Mietendeckel Berlin lesen Sie hier.