Gamification in Mobilitätslenkung – Motivation trifft Planung

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Starker Stadtverkehr und hohe Gebäude im modernen Zürich – Foto von Bin White

Wer hätte gedacht, dass Verkehrsplanung einmal Spaß machen kann? Willkommen in einer Welt, in der Motivation und Mobilitätslenkung kein Widerspruch mehr sind: Gamification begegnet uns längst nicht mehr nur im Freizeitbereich. Sie dringt in die DNA moderner Städte ein, motiviert Bürger zu nachhaltigem Verhalten und macht aus Mobilitätsdaten spielerische Erfolgsstories. Aber was steckt dahinter, wenn Planung plötzlich zum urbanen Multiplayer-Game wird? Und wie können Städte im deutschsprachigen Raum diese Dynamik für sich nutzen?

  • Definition und Grundlagen von Gamification in der Mobilitätslenkung
  • Psychologische Mechanismen: Warum Gamification wirkt
  • Praxisbeispiele aus Europa und dem deutschsprachigen Raum
  • Chancen und Risiken für Städte, Kommunen und Planer
  • Technische, soziale und rechtliche Rahmenbedingungen
  • Integration von Gamification in bestehende Mobilitätskonzepte
  • Potenziale für nachhaltige Stadtentwicklung und Verhaltensänderung
  • Professionelle Empfehlungen für die Planung und Umsetzung
  • Zukunftsausblick: Wie Gamification die urbane Mobilität prägen kann

Gamification in der Mobilitätslenkung: Mehr als nur ein Spieltrieb?

Gamification klingt auf den ersten Blick nach verspielten Punkten, Badges und Ranglisten – ein Hauch Silicon Valley, der durch die deutschen Amtsstuben weht. Doch wer hier nur an hippe Start-ups und lustige Apps denkt, unterschätzt das Potenzial dieser Methode erheblich. Im Kern bedeutet Gamification die Übertragung spieltypischer Elemente auf spielfremde Kontexte – in diesem Fall die Lenkung urbaner Mobilität. Der Gedanke ist so einfach wie genial: Menschen lieben Herausforderungen, Belohnungen und das Gefühl, Teil einer Geschichte zu sein. Warum also nicht diese intrinsischen Motivationsquellen nutzen, um Verkehrsverhalten zu beeinflussen?

Die Urbanisierung bringt nicht nur Dichte und Hektik, sondern auch komplexe Herausforderungen für Mobilität und Nachhaltigkeit. Planer stehen vor der Aufgabe, Verkehrsflüsse zu optimieren, Emissionen zu senken und gleichzeitig Akzeptanz für neue Mobilitätsangebote zu schaffen. Gamification bietet einen Ansatz, der weit über die klassische Steuerung hinausgeht. Es geht nicht mehr darum, Bürger zu belehren oder zu sanktionieren, sondern sie auf eine Reise mitzunehmen – eine Reise, auf der jeder Schritt zählt, jeder Umstieg belohnt und jede nachhaltige Entscheidung sichtbar gemacht wird.

Wie funktioniert das konkret? Stellen wir uns eine Stadt vor, in der die Nutzung des Fahrrads nicht nur mit gesundem Gewissen, sondern auch mit digitalem Applaus belohnt wird. Kilometer sammeln, Herausforderungen meistern, Teams bilden – und plötzlich konkurrieren ganze Straßenzüge darum, wer den größten Beitrag zur Verkehrswende leistet. Das ist keine Science-Fiction, sondern längst Realität in Pilotprojekten von Kopenhagen bis München. Die Dynamik entsteht aus der Verbindung von Echtzeitdaten, digitalen Schnittstellen und einer Prise Spielwitz, die selbst eingefleischte Autofahrer neugierig macht.

Natürlich ist Gamification kein Allheilmittel. Wer glaubt, man müsse nur eine App mit ein paar Punkten aufsetzen, um das Mobilitätsverhalten einer Stadt grundlegend zu verändern, irrt gewaltig. Es braucht Fingerspitzengefühl, psychologisches Know-how und vor allem eine solide technische und rechtliche Basis. Aber richtig eingesetzt, entfaltet Gamification eine verblüffende Kraft: Sie macht Mobilitätslenkung erlebbar, individuell und – ja, manchmal sogar unterhaltsam.

Die Frage ist also nicht, ob Gamification in die Mobilitätsplanung gehört, sondern wie sie intelligent, nachhaltig und fair in bestehende Strukturen integriert werden kann. Denn eines ist sicher: Wer heute noch Mobilität plant, als wäre die Bevölkerung ein passiver Akteur, wird von den urbanen Realitäten überholt – und von neuen, spielerisch-innovativen Ansätzen abgehängt.

Psychologie und Technik: Warum Gamification Menschen bewegt

Um zu verstehen, warum Gamification in der Mobilitätslenkung wirkt, lohnt ein Blick in die Psychologie. Menschen reagieren auf Belohnungen, Feedback und soziale Vergleichbarkeit – das ist keine Marotte, sondern tief in unserem Belohnungssystem verankert. Dopamin, das „Glückshormon“, wird ausgeschüttet, wenn wir ein Ziel erreichen, einen Fortschritt sehen oder Anerkennung bekommen. Genau hier setzt Gamification an: Sie übersetzt nachhaltiges Verkehrsverhalten in sichtbare Erfolge, kleine Siege und gemeinsame Erlebnisse.

Technisch basiert Gamification auf der Verknüpfung von Mobilitätsdaten mit digitalen Plattformen. Sensorbasierte Systeme, Apps und Wearables erfassen Bewegungsdaten, Verkehrsflüsse und individuelle Mobilitätsentscheidungen. Diese werden in Echtzeit ausgewertet und in spielerische Elemente übersetzt: Strecken, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückgelegt werden, bringen Punkte, Bonusaktionen oder virtuelle Medaillen. Städte können so gezielt Anreize setzen – und zwar dort, wo sie die größte Wirkung entfalten.

Ein entscheidender Erfolgsfaktor ist die Individualisierung. Gamification funktioniert am besten, wenn die Herausforderungen auf die Lebensrealität der Nutzer zugeschnitten sind. Für den einen ist der tägliche Arbeitsweg die größte Hürde, für den anderen die Wochenendtour mit der Familie. Intelligente Systeme erkennen diese Muster und bieten passende Anreize. Gamification wird so zum maßgeschneiderten Motivator, der nicht bevormundet, sondern begleitet.

Darüber hinaus spielt der soziale Aspekt eine zentrale Rolle. Team-Challenges, Nachbarschaftswettbewerbe oder firmeninterne Mobilitäts-Challenges fördern das Gemeinschaftsgefühl und machen die Verkehrswende zu einem kollektiven Erlebnis. Städte profitieren doppelt: Sie senken nicht nur Emissionen, sondern stärken auch soziale Bindungen und die Identifikation mit der eigenen Nachbarschaft.

Doch Vorsicht: Gamification ist kein Selbstläufer. Ohne Datenschutz, Transparenz und zugängliche Schnittstellen droht sie, zur digitalen Spielerei für wenige zu verkommen. Professionelle Mobilitätsplanung muss daher sicherstellen, dass Datensouveränität, Fairness und Barrierefreiheit gewährleistet sind. Nur so wird aus Gamification ein echter Mehrwert für alle – und nicht nur für die technikaffine Elite.

Praxisbeispiele: Wenn Städte zum Spielfeld werden

Gamification ist längst mehr als ein Trendbegriff in Innovationsworkshops – sie wird in europäischen Städten bereits ausprobiert und weiterentwickelt. Kopenhagen etwa setzte mit dem Projekt „Cycling Without Age“ und dem stadtweiten „Bike to Work“-Wettbewerb Maßstäbe. Hier wird Fahrradfahren zum Event: Wer regelmäßig in die Pedale tritt, sammelt nicht nur Kilometer, sondern bekommt individuelle Ziele, kann Teams bilden und mit anderen Stadtteilen konkurrieren. Die Folge: messbar mehr Radverkehr und ein neues Selbstbewusstsein für die nachhaltige Mobilität.

Auch in Deutschland gibt es spannende Ansätze. München startete mit „RadlChallenge“ ein Pilotprojekt, bei dem Bürger über eine App ihre Fahrradkilometer dokumentieren. Die gesammelten Kilometern werden visualisiert, Erfolge werden gefeiert und Stadtviertel treten im freundlichen Wettbewerb gegeneinander an. Die Auswertung zeigt: Die Teilnahmebereitschaft steigt, sobald es um mehr als reine Information geht – nämlich um Anerkennung, Gemeinschaft und einen spielerischen Umgang mit Alltagsmobilität.

Ein weiteres Beispiel liefert Zürich mit seiner Initiative „Urban Hunt“. Hier werden Bürger motiviert, neue Mobilitätsangebote auszuprobieren, indem sie digitale Schnitzeljagden durch die Stadt absolvieren. Wer verschiedene Verkehrsmittel nutzt, erhält Punkte, schaltet neue Strecken frei und lernt die Stadt aus ungewohnten Perspektiven kennen. Die Integration von ÖPNV, Carsharing und Mikromobilität wird so zum echten Abenteuer – und die Stadt selbst zum urbanen Spielfeld.

Doch auch jenseits von Apps und Wettbewerben entfaltet Gamification ihre Wirkung. In Wien experimentiert das Verkehrsministerium mit spielerischen Informationskampagnen, die das Umsteigen auf den öffentlichen Nahverkehr attraktiv machen. Geschichten, Figuren und kleine Belohnungseffekte machen aus nüchternen Mobilitätsdaten erlebbare Geschichten. Das Ziel: Hemmschwellen senken, Neugier wecken und nachhaltiges Verhalten belohnen – ohne erhobenen Zeigefinger.

Diese Beispiele zeigen: Gamification ist so vielfältig wie die Städte selbst. Sie funktioniert im großen Maßstab ebenso wie im Quartier, sie motiviert Einzelne und ganze Gemeinschaften. Entscheidend ist der Mut, neue Wege zu gehen, Experimente zuzulassen und aus Erfolgen wie Misserfolgen zu lernen. Denn eines ist klar: Die Verkehrswende braucht mehr als Technik – sie braucht Begeisterung, Identifikation und eine Prise urbanen Spielwitz.

Chancen, Risiken und die Integration in die professionelle Planung

Gamification verspricht viel – aber hält sie auch, was sie verspricht? Für Stadtplaner, Verkehrsplaner und Landschaftsarchitekten ist die Methode ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite bietet sie die Möglichkeit, komplexe Mobilitätsziele niedrigschwellig zu vermitteln, Verhaltensänderungen herbeizuführen und die Bevölkerung in Planungsprozesse einzubinden. Besonders spannend ist das Potenzial, Zielgruppen zu erreichen, die klassischen Beteiligungsformaten oft fernbleiben – etwa junge Menschen, Berufspendler oder Migranten.

Doch Gamification birgt auch Risiken. Wer sie nur als Marketing-Tool missversteht oder die psychologischen Mechanismen unterschätzt, riskiert Enttäuschungen. Schnell verpufft die Wirkung, wenn Belohnungen inflationär werden oder Wettbewerb in sozialen Druck umschlägt. Zudem besteht die Gefahr, dass Gamification zur Spielwiese für datengetriebene Unternehmen wird, die kommerzielle Interessen über das Gemeinwohl stellen. Hier ist eine klare Governance ebenso gefragt wie technische Standards und transparente Prozesse.

Rechtlich stellen sich Fragen des Datenschutzes, der Datensouveränität und der Teilhabe. Wer welchen Zugriff auf Mobilitätsdaten erhält, wie Anonymisierung und Pseudonymisierung sichergestellt werden und wie Manipulation und Missbrauch verhindert werden können, muss im Vorfeld geklärt werden. Kommunen sollten keine Experimente auf Kosten der Bürger wagen, sondern auf bewährte Systeme und offene Plattformen setzen – idealerweise in Zusammenarbeit mit Forschungseinrichtungen und unabhängigen Institutionen.

Die Integration von Gamification in bestehende Mobilitätskonzepte erfordert ein Umdenken. Planung wird zum iterativen Prozess, bei dem Daten, Feedback und Motivationsschleifen kontinuierlich ausgewertet und angepasst werden. Die klassische Trennung zwischen Planung und Betrieb löst sich auf – Mobilitätsmanagement wird zum permanenten Dialog zwischen Stadt, Bürgern und Technik. Wer diese Dynamik beherrscht, kann nicht nur Verkehrsflüsse steuern, sondern auch städtische Lebensqualität nachhaltig verbessern.

Professionelle Akteure sind dabei gefragt, nicht nur technische Lösungen zu entwickeln, sondern auch kommunikative und soziale Kompetenzen einzubringen. Gamification ist kein Selbstzweck, sondern ein Werkzeug – und wie jedes Werkzeug muss es mit Bedacht, Verantwortung und Kreativität eingesetzt werden. Nur dann entfaltet es seine volle Wirkung: als Katalysator für nachhaltige Mobilität und als Brücke zwischen Planung, Politik und Bevölkerung.

Ausblick: Wie Gamification die Zukunft der urbanen Mobilität prägen kann

Die nächsten Jahre werden zeigen, wie stark Gamification die Mobilitätslenkung in Deutschland, Österreich und der Schweiz verändern kann. Schon jetzt ist absehbar, dass die Methode nicht nur als Add-on, sondern als integraler Bestandteil moderner Stadtplanung an Bedeutung gewinnt. Digitale Zwillinge, urbane Datenplattformen und Smart-City-Konzepte bieten ideale Voraussetzungen, um spielerische Elemente direkt in die Steuerung von Verkehrsflüssen, Infrastruktur und Nutzerverhalten zu integrieren.

Die Vision: Städte, in denen nachhaltige Mobilität nicht nur möglich, sondern attraktiv, belohnend und sozial anschlussfähig wird. Gamification kann dazu beitragen, Hemmschwellen abzubauen, unterschiedliche Zielgruppen einzubeziehen und neue Formen der Beteiligung zu etablieren. Sie macht Mobilität sichtbar, messbar und gestaltbar – und verleiht der Verkehrswende ein menschliches, lebendiges Gesicht.

Für Planer bedeutet das eine neue Rolle: Sie werden zu Kuratoren urbaner Spiele, zu Moderatoren von Motivation und Innovation. Die Kunst besteht darin, technische Möglichkeiten, psychologische Erkenntnisse und partizipative Prozesse so zu verbinden, dass nachhaltige Mobilität nicht nur geplant, sondern gelebt wird. Gamification eröffnet dabei Räume für Experimente, Fehler und Lernen – und macht aus der Stadt ein Labor für die Zukunft.

Natürlich bleiben Herausforderungen. Die Gefahr von Manipulation, Kommerzialisierung und sozialer Ausgrenzung ist real. Deshalb braucht es klare ethische Leitplanken, offene Standards und eine kontinuierliche Evaluation. Gamification darf kein Selbstzweck sein, sondern muss immer auf die Verbesserung der urbanen Lebensqualität und die Erreichung gemeinsamer Ziele ausgerichtet bleiben.

Der größte Gewinn aber liegt in der Möglichkeit, Mobilität neu zu denken – als gemeinschaftliches Abenteuer, als Quelle von Stolz und Identität. Wer diesen Weg einschlägt, macht aus der Verkehrswende keine Pflichtübung, sondern ein kollektives Spiel mit offenem Ausgang. Und das ist vielleicht die größte Chance für unsere Städte: dass sie nicht mehr nur geplant, sondern gemeinsam erspielt werden.

Zusammenfassung:
Gamification revolutioniert die Mobilitätslenkung, indem sie Motivation, Technik und Planung auf neue Weise verbindet. Sie nutzt psychologische Anreize, um nachhaltiges Verkehrsverhalten sichtbar und belohnend zu machen. Praxisbeispiele aus ganz Europa zeigen, wie Städte von spielerischen Ansätzen profitieren – und welche Herausforderungen sie dabei meistern müssen. Für professionelle Planer eröffnet Gamification neue Möglichkeiten, aber auch neue Verantwortlichkeiten: Sie müssen technische Innovationen, soziale Dynamik und ethische Standards zusammenführen. So wird aus Mobilitätslenkung ein urbanes Abenteuer, das alle mitnimmt – und unsere Städte fit für die Zukunft macht.

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Bundesgartenschau Welterbe Kulturlandschaft Oberes Mittelrheintal

BUGA 2029: Kulturlandschaft Oberes Mittelrheintal

Schon jetzt wird über die BUGA 2029 am Mittelrhein nachgedacht. Zur Vorbereitung der Schau haben die Hochschulen der Region nun einen Kooperationsvertrag unterzeichnet. Denn der Entwicklungsprozess auf dem Weg zur BUGA stellt auch für die Hochschulen eine besondere Chance dar.

Es sind noch sieben Jahre Zeit. Erst 2029 lädt das Welterbe Oberes Mittelrheintal zu einer Bundesgartenschau ein. Dennoch startet schon heute die Vorbereitung. Denn mit der BUGA 2029 stehen Entwicklungen im Mittelrheintal an, die auch für die Hochschulen vor Ort relevant sind. Vor dem Hintergrund haben die Technische Hochschule Bingen, die Hochschule Koblenz, die Universität Koblenz-Landau und die Hochschule Geisenheim einen Kooperationsvertrag unterzeichnet. In diesem vereinbaren die vier Institutionen den Weg bis zur BUGA gemeinsam zu gestalten.

Die Bundesgartenschau 2029 wird in die Kulturlandschaft des Oberen Mittelrheintals eingebettet sein. Da sie auf einer Strecke von 67 Kilometern den Rhein begleitet, lebt die Schau von dezentralen Schwerpunkten. Diese liegen zwischen Koblenz im Norden und Bingen sowie Rüdesheim im Süden. Bereits die Machbarkeitsstudie für die BUGA 2029 sah in der Erneuerung der touristisch nutzbaren Infrastruktur eine große Chance. Neben Erneuerungen und Sanierungen zum Beispiel am Loreley-Plateau sollen auch Burggärten zu attraktiven Touristenzielen werden. Aber auch technische Infrastrukturen, wie Breitband-Anschlüsse und mobiles Internet müssen in der Region gestärkt werden. Und da Digitales und BUGA im Jahr 2029 garantiert zusammen hängen werden, soll die Bundesgartenschau auch die erste komplett digital erlebbare Schau werden.

Gemeinsam vorbereiten

Der Vertrag der vier Hochschulen sieht vor, dass sich die Bildungseinrichtungen gemeinsam an der Vorbereitung der BUGA 2029 beteiligen. Darüber hinaus haben sie entschieden, auf der BUGA selber zusammen aufzutreten. Ein gemeinsamer Auftritt ist dabei mehr als nur ein Stand. Eine gemeinsame Präsenz zeigt sich auch in vielfältigen Kooperationen in Lehre und Forschung. Die wird schon seit Jahren in verschiedenen, kooperativen Studiengängen gelebt. Darüber hinaus denken die Hochschulen der Region über gemeinsame Veranstaltungen wie Tagungen, Vortragsreihen und Workshops nach. Aber auch Ausstellungsbeiträge und Beteiligungsprojekte stehen an. Für den Vizepräsidenten der Hochschule Koblenz und der Universität Koblenz-Landau ist auch eine gemeinsame Dachmarke mit Logo, Internetauftritt und breit aufgestellter Öffentlichkeitsarbeit auf der BUGA 2029 von Belang. Aus seiner Sicht ist es nicht nur die fachlich-inhaltliche Ebene, die Synergien bietet. In allen Bereichen ist Kooperation von Vorteil und hilft Ressourcen zu bündeln und Wirksamkeiten zu erhöhen.

BUGA 2029 als Chance für die Hochschulen

Da eine Bundesgartenschau immer erhöhte Sichtbarkeit mit sich bringt, beschert sie auch den Hochschulen vor Ort besondere Chancen. Vor diesem Hintergrund sehen auch die vier Institutionen im Mittelrheintal die BUGA 2029 als gute Gelegenheit auf sich und ihre Arbeit, ihre Forschung und Lehre aufmerksam zu machen. Dabei haben die vier Einrichtungen mit einer Vielfalt an inhaltlichen Ausrichtungen und Studiengängen vieles Interessantes zu bieten, wovon die Öffentlichkeit nicht immer weiß. Und dabei richtet sich der Blick nicht nur in die Region. Die BUGA 2029 wird auch ein internationales Publikum ansprechen, wovon auch die Technische Hochschule Bingen, die Hochschule Koblenz, die Universität Koblenz-Landau und die Hochschule Geisenheim profitieren werden. Wenn sie gemeinsam auftreten und die Potenziale der BUGA 2029 wirkungsvoll ausschöpfen, helfen sie das Profil der Hochschullandschaft im Oberen Mittelrheintal zu stärken. Sie helfen auch, sie über die Grenzen der Region hinaus bekannt zu machen.

Zusammenarbeit hat Tradition

Ganz neu ist die Zusammenarbeit der Technische Hochschule Bingen, die Hochschule Koblenz, die Universität Koblenz-Landau und die Hochschule Geisenheim nicht. Bereits in den vergangenen drei Jahren haben die Bildungseinrichtungen einen regelmäßigen Austausch miteinander gepflegt. Darüber hinaus haben sie mit der Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz schon zusammen gearbeitet. Aus dieser Agentur ist mittlerweile die BUGA Koblenz 2029 GmbH hervorgegangen. Und als solche wird sie die Entwicklungen rund um die BUGA 2029 auch weiterhin intensiv begleiten. Bisher lag die Basis in gemeinsamen Lehr- und Forschungsprojekten im Oberen Mittelrheintal. So wurde beispielsweise die Studie „Kommunale Klimaanpassung im Welterbe Oberes Mittelrheintal“ zusammen erarbeitet. Sie wurde bereits 2020 von der Hochschule Koblenz, der Technischen Hochschule Bingen und der Hochschule Geisenheim veröffentlicht.

Sieben kurze Jahre

Obwohl eine Vorbereitungszeit von sieben Jahren bis zur BUGA 2029 derzeit sehr lang klingt, stehen bereits jetzt Weichenstellungen an. Schon jetzt sind die Wettbewerbe in Vorbereitung, die im Jahr 2023 ausgeschrieben werden. Parallel dazu arbeiten die kooperierenden Hochschulen an einer eigenen Vision für die Region Mittelrheintal. Nur wenn alle Konzept zeitgleich entwickelt werden, haben sie die Chance in den zügig ablaufenden Prozess einzufließen. Vor dem Hintergrund ist es den Hochschulen wichtig, die Chancen auf Mitgestaltung schon in dieser frühen Phase zu nutzen. Nur wenn sie handlungsfähig sind, können sie sich als Kooperationspartner etablieren. Nur dann kann der Austausch untereinander noch intensivier werden und ein gemeinsames Leitbild wachsen. Für diesen nächsten Schritt, steht im Frühjahr ein Workshop an der Hochschule Koblenz an. Dieser wird die fachlich-inhaltliche Ausrichtung der wissenschaftlichen Beiträge und den Beitrag der Hochschulen zur BUGA 2029 weiter konkretisieren.

Ebenfalls interessant: 2023 steht die nächste BUGA an. Und zwar in Mannheim. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, so nachhaltig wie möglich zu werden. Mehr über die BUGA 2023 in Mannheim erfahren Sie hier.

Landesgartenschau Bad Windsheim – Wettbewerb entschieden

„Gesund, urban, traditionell“ – so lautet das Motto der Landesgartenschau Bad Windsheim
„Gesund, urban, traditionell“ – so lautet das Motto der Landesgartenschau Bad Windsheim, Abbildung: Büro RMP Stephan Lenzen, Köln

Wettbewerb zur Landesgartenschau in Bad Windsheim: 2027 wird die bayerische Landesgartenschau in Bad Windsheim stattfinden. Im Juli konnte RMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten die Jury überzeugen. Diese lobte die Verbindung zwischen historischer Altstadt und freier Landschaft.

RMP Stephan Lenzen gewinnt

Bad Windsheim ist eine kleine Stadt im Westen Nürnbergs. Unter anderem wegen seiner Mineralquellen wird der fränkische Kurort gerne besucht. Und er hat große Pläne. Denn im Jahre 2027 wird die Landesgartenschau Bad Windsheim ausgetragen. Die Planungen dazu laufen bereits seit vielen Monaten. Um allen Ansprüchen gerecht zu werden, lobte Bad Windsheim einen freiraumplanerischen Wettbewerb aus. Das Münchner Büro mahl.gebhardt begleitete diesen über den gesamten Prozess hinweg. Landschaftsarchitekt*innen aus ganz Deutschland reichten ihre Vision der Landesgartenschau Bad Windsheim ein. Zuletzt tagte die Jury aus Fach- und Sachpreisrichter*innen. Nun stehen die erstplatzierten Projekte fest. Auf Platz eins überzeugte das Büro RMP Stephan Lenzen aus Köln. Ihm nach folgten die Planer*innen von lohrer.hochrhein auf Platz zwei und Greenbox auf Platz drei. Die 17 stimmberechtigten Mitglieder des Preisgerichts hatten sich letztlich jedoch einstimmig für den Entwurf von RMP Stephan Lenzen entschieden. 

(v.l.) LGS-Geschäftsführer Robert Sitzmann, Jiachen Li und Sabelo Jeebe von RMP Stephan Lenzen, Aufsichtsratsvorsitzender Jürgen Heckel, Prokurist Jürgen Boier, LGS-Geschäftsführerin Jennifer Münch und Prokuristin Melanie Greifenstein.
(v.l.) LGS-Geschäftsführer Robert Sitzmann, Jiachen Li und Sabelo Jeebe von RMP Stephan Lenzen, Aufsichtsratsvorsitzender Jürgen Heckel, Prokurist Jürgen Boier, LGS-Geschäftsführerin Jennifer Münch und Prokuristin Melanie Greifenstein.

Herausforderungen vor Ort

Der Bürgermeister der Stadt, Jürgen Heckel, zeigte sich nach der Entscheidung sehr zufrieden: „Die Wettbewerbsarbeit hat einfach eine hohe Qualität und die Planer haben erkannt, dass Bad Windsheim etwas Besonderes ist.“ Die Aufgabe war keine einfache. Gesund, urban, traditionell. So lautete das Motto für die Landesgartenschau Bad Windsheim. Bad Windsheim will die Tradition als Ort der Gesundheit wahren. Gleichzeitig möchte die Stadt Flächen im Einklang mit dem Naturschutz neu inszenieren. Bisher erscheint der Norden der Stadt als zusammenhangloses Gewerbegebiet. Eine mehrreihige Kurpark-Allee verläuft zwar von Norden nach Süden. Doch ein durchgehender Grünraum ist nicht erkennbar. Durch die Landesgartenschau 2027 erhoffen sich alle Beteiligten vor Ort eine Verbesserung.

Im Wettbewerb galt es zum einen die Daueranlagen um den Kurpark, das Kurviertel und die östliche Fläche bis Külsheim zu beplanen. Zum anderen sollten die städtebauliche Entwicklung um den Bahnhof, die Erkenbrechtallee und den Neubau eines Parkhauses bedacht werden.

Ein Kulturboulevard als Zentrum der Landesgartenschau Bad Windsheim

Das Büro RMP Stephan Lenzen fand in seinem Entwurf Antworten auf die Bestandssituation. Als bestimmendes Element plant RMP zunächst auf der West-Ost-Achse einen dauerhaften Kulturboulevard. Er knüpft an bestehende Sportflächen im Westen an und zieht sich zukünftig bis nach Külsheim. Entlang des Boulevards werden anschließend unterschiedliche Raumcharaktere ausgebildet. So dominiert im Westen beispielsweise der ruhige, historische Kurpark. Während demgegenüber im Westen der neu gestaltete Aktiv-Landschaftspark entsteht. Dazwischen wird der Boulevard zum Zentrum der Landesgartenschau Bad Windsheim. Hier etablieren sich Aufenthalts- und Nutzungsangebote. So wird zum Beispiel der See um das Gradierwerk vergrößert. Er bietet das Potential zum identitätsstiftenden Element im Kurviertel zu werden. Den auf der Hand liegenden Vorteilen dieses Planungsschritts  stehen einige Herausforderungen in der Realisierung gegenüber. So kritisierte die Jury, dass natürliche Frischwasserzuläufe fehlten und das Gewässer im Heilwasserschutzbereich liege. Nichtsdestotrotz überzeugte die Vision einer großzügigen Seeterrasse zum Verweilen und Flanieren.

Zukunftsaussichten für die Landesgartenschau Bad Windsheim

Dem Team von RMP Stephan Lenzen gelingt es, eine klare Grundstruktur aufzubauen. Innerhalb dieser finden sich detailliert ausgearbeitet Teilbereiche mit unterschiedlichen Qualitäten. Bürgermeister Jürgen Heckel ist sich in der Wahl des ersten Platzes deshalb ganz sicher: „Ich bin happy, dass wir so ein gutes Landschaftsarchitekturbüro an der Seite haben.“
Bis zum Herbst soll nun das Ausschreibungsverfahren des Realisierungswettbewerbes abgeschlossen sein. Anschließend stehen die nächsten Planungsschritte an. Es wird voraussichtlich noch mindestens zwei Jahre dauern, bis erste Baumaßnahmen begonnen werden. Der lange Zeitraum bis zur Realisierung trübt die Vorfreude jedoch kaum. Denn die Landesgartenschau Bad Windsheim ist nicht nur ein publikumswirksames Event. Vielmehr bietet sie der Region und damit auch den Anwohner*innen langfristige Entwicklungsperspektiven ökologischer und sozialer Art.

Die weiteren Austragungsorte für Landesgartenschauen in Bayern finden Sie hier.