Gartenkunst Ausstellung: Respiration kommt nach Stuttgart

Credit: Architekturgalerie am Weißenhof
Credit: Architekturgalerie am Weißenhof

Im Mai stehen Gärten in voller Entwicklung: Knospen öffnen sich, erste Blüten leuchten, das Wachstum ist überall sichtbar. Doch ein Garten ist nie ein fertiges Produkt – er ist ein fortlaufender Prozess. Genau diese Dynamik greift die Ausstellung „Respiration“ des Berliner Landschaftsarchitekturbüros atelier le balto auf, die im Mai 2026 in Stuttgart eröffnet wird.

Gartenkunst als Prozess statt fertiges Bild

Gartenkunst lässt sich nicht auf einen Moment festhalten. Pflanzen wachsen, verändern sich, verschwinden und kehren zurück. Gärtner und Landschaftsarchitekt schaffen die Bedingungen – doch die eigentliche Gestaltung übernimmt die Zeit.

Mit ihrem Wissen über Formen, Farben, Dichte und Standortfaktoren wie Licht, Boden und Wasser entwickeln sie lebendige Kompositionen. Der Garten beginnt erst dann wirklich, wenn sie sich zurückziehen und die Natur ihren Lauf nimmt.

„Respiration“: Eine Ausstellung über Wandel

Die Ausstellung „Respiration“, die zuvor ein Jahr lang in Berlin zu sehen war, widmet sich genau diesem Gedanken: Wie lässt sich etwas ausstellen, das sich ständig verändert?

Anstatt einzelne Projekte hervorzuheben, zeigt sie die grundlegenden Elemente der Landschaftsarchitektur: Bäume, Beete, Schatten und Böden erscheinen als Linien, Flächen und Punkte – als visuelle Sprache der Gartenkunst. So verbinden sich unterschiedliche Projekte zu einem großen Ganzen, bei dem nicht das Ergebnis, sondern der Prozess im Mittelpunkt steht.

Auch das gärtnerische Handwerk selbst wird sichtbar gemacht. Werkzeuge, Materialien und Arbeitsweisen werden Teil der Ausstellung und geben Einblick in die Entstehung von Gärten und Landschaften.

Stuttgart als nächste Station

Ganz im Sinne ihres Themas bleibt auch die Ausstellung in Bewegung: Nach Berlin reist „Respiration“ weiter nach Stuttgart und wird dort neu inszeniert.

Die Eröffnung (Vernissage) findet am 13. Mai 2026 in der Architekturgalerie am Weißenhof statt. Die Ausstellung läuft anschließend vom 14. Mai bis 12. Juli 2026.

Besonders spannend: Obwohl die Ausstellung im Frühling stattfindet, zeigt sie winterliche Gartenbilder. Reduzierte Formen, klare Linien und helle Grautöne machen die grundlegenden Strukturen der Landschaftsarchitektur sichtbar – das Gerüst, auf dem alles zukünftige Wachstum aufbaut.

atelier le balto: Gestaltung mit Zeit

Seit 2001 realisiert atelier le balto Gärten und Freiräume in ganz Europa. Ihr Ansatz ist geprägt von Wandel, Vergänglichkeit und Atmosphäre. Statt statischer Anlagen entstehen Orte, die sich stetig verändern und oft bewusst ruhig und zurückhaltend wirken.

Selbst unscheinbare oder vernachlässigte Stadträume verwandeln sie in lebendige, dichte Landschaften. Ihre Projekte sind weniger als fertige Ergebnisse zu verstehen, sondern als Prozesse, die sich über Jahre entwickeln.

Ausstellungstermine im Überblick

Vernissage
13. Mai 2026, 19 Uhr

Ausstellung
14. Mai bis 12. Juli 2026

Ort
Architekturgalerie am Weißenhof, Stuttgart

Öffnungszeiten
Dienstag bis Freitag: 14–18 Uhr
Samstag, Sonntag & Feiertage: 12–18 Uhr

Eintritt
Kostenfrei

Finissage
12. Juli 2026, 16 Uhr (mit Galeriegespräch)

Die Ausstellung „Respiration“ zeigt, dass Gartenkunst nicht im fertigen Bild existiert, sondern im Wandel. Sie lädt dazu ein, Landschaft neu zu denken – als lebendigen, atmenden Prozess.

Für alle, die sich für Gartenkunst und Landschaftsarchitektur interessieren, ist diese Gartenkunst Ausstellung in Stuttgart ein vielversprechender Termin im Frühjahr und Sommer 2026.

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Raum-Resilienz als Leitkategorie – neue Bewertungssysteme für urbane Robustheit

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Hochwinkel-Stadtansicht mit Fokus auf nachhaltiges, urbanes Design. Foto von Markus Spiske.

Resiliente Städte sind die neuen Superhelden der Urbanistik – und Raum-Resilienz avanciert zur Leitkategorie, die Wettbewerbsfähigkeit, Lebensqualität und Zukunftsfähigkeit urbaner Räume bestimmt. Doch wie misst man diese vielschichtige Robustheit? Und warum brauchen wir dringend neue Bewertungssysteme, um unsere Städte gegen Klimawandel, Krisen und soziale Spannungen zu wappnen? Wer die Zukunft der Stadtgestaltung mitgestalten will, kommt an den Paradigmenwechseln der Raum-Resilienz nicht vorbei.

  • Definition und Bedeutung von Raum-Resilienz als Leitkategorie moderner Stadt- und Landschaftsplanung
  • Historische Entwicklung der Resilienzkonzepte und deren Relevanz für die heutige Stadtentwicklung
  • Vorstellung und kritische Analyse neuer Bewertungssysteme zur Messung urbaner Robustheit
  • Praktische Anwendungsbeispiele aus dem deutschsprachigen Raum – von Hamburg bis Zürich
  • Chancen und Herausforderungen für Planer, Kommunen und Entwickler bei der Integration von Resilienzmetriken
  • Interdisziplinäre Ansätze: Wie Ökologie, Technik und Gesellschaft zusammenspielen müssen
  • Rolle von Governance, Partizipation und digitalen Tools für eine resiliente Stadtgestaltung
  • Zukunftsausblick: Raum-Resilienz als Innovationsmotor und Wettbewerbsfaktor für Städte

Raum-Resilienz – Von der Krisenfestigkeit zur Leitkategorie der Stadtplanung

Wer heute auf einem Städtetag oder einem Kongress für Landschaftsarchitektur das Wort „Resilienz“ nicht zumindest im Nebensatz fallen lässt, riskiert fast schon einen Fauxpas. Denn Resilienz hat sich vom sperrigen Fachbegriff zur omnipräsenten Leitkategorie der urbanen Entwicklung gemausert. Doch was meint Raum-Resilienz eigentlich und was unterscheidet sie von den klassischen Begriffen wie Nachhaltigkeit oder Anpassungsfähigkeit?

In der Fachwelt beschreibt Resilienz die Fähigkeit eines Systems, externe Schocks und Stressoren nicht nur auszuhalten, sondern gestärkt daraus hervorzugehen. Übertragen auf den Stadtraum bedeutet das: Eine resiliente Stadt kann auf klimatische Extremereignisse, gesellschaftliche Umbrüche oder infrastrukturelle Krisen flexibel reagieren, ohne dabei ihre Funktionalität, Identität oder Lebensqualität einzubüßen. Raum-Resilienz umfasst also weit mehr als nur Hochwasserschutz oder Notfallpläne – sie ist das ganzheitliche Vermögen eines urbanen Systems, Unsicherheiten aktiv zu begegnen.

Der Paradigmenwechsel ist deutlich: Während sich klassische Stadtplanung vor allem an festen Leitbildern, Masterplänen oder Wachstumsprognosen orientierte, bedeutet Resilienzplanung ein permanentes Austarieren von Stabilität und Wandel. Es geht nicht mehr um das Errichten von Bollwerken gegen jede denkbare Katastrophe, sondern um die intelligente Vernetzung, Diversifizierung und Adaptivität städtischer Strukturen. Städte werden als lebendige, dynamische Organismen verstanden, deren Robustheit aus der Fähigkeit zur Selbstorganisation resultiert.

Diese Sichtweise hat Konsequenzen für alle Maßstabsebenen: Von der robusten Quartiersgestaltung über multifunktionale Freiräume bis zur flexiblen Infrastrukturplanung – Resilienz wird zur Klammer für zahlreiche Disziplinen. Sie zwingt Planer, Architekten und Landschaftsgestalter dazu, in Szenarien zu denken, Unsicherheiten zu akzeptieren und Redundanzen bewusst einzuplanen. Was früher als „Überdimensionierung“ galt, wird heute als vorausschauende Resilienzstrategie gefeiert.

Doch trotz aller Popularität bleibt Raum-Resilienz ein komplexes, vielschichtiges Konzept, dessen konkrete Mess- und Steuerbarkeit eine der größten Herausforderungen für die Praxis darstellt. Genau an diesem Punkt setzen innovative Bewertungssysteme an, die den Begriff mit Leben füllen und Resilienz zur handhabbaren Planungsgröße machen wollen.

Neue Bewertungssysteme: Wie misst man urbane Robustheit wirklich?

Die Suche nach geeigneten Bewertungsinstrumenten für Raum-Resilienz gleicht der Quadratur des Kreises – schließlich sind Städte alles andere als Labors mit klar definierten Parametern. Dennoch haben sich in den letzten Jahren international wie im deutschsprachigen Raum spannende Methoden etabliert, die versuchen, die vielschichtige Robustheit urbaner Räume messbar zu machen.

Ein zentrales Instrument ist der sogenannte Resilienz-Index, der auf Basis unterschiedlichster Indikatoren ein Gesamtbild der Anpassungsfähigkeit städtischer Strukturen zeichnet. Dazu gehören beispielsweise die Diversität von Mobilitätsangeboten, die Durchlässigkeit von Freiräumen, die Redundanz kritischer Infrastrukturen oder die soziale Kohäsion im Quartier. Der Clou dieser Systeme: Sie erfassen nicht nur technische Kennzahlen, sondern integrieren auch soziale, ökologische und kulturelle Dimensionen, wie sie etwa im „Urban Resilience Assessment Framework“ oder im „City Resilience Index“ der Rockefeller Foundation zu finden sind.

In Deutschland setzen Städte wie Hamburg, Mannheim oder München zunehmend auf eigens entwickelte Resilienzmetriken, die lokale Besonderheiten und spezifische Risiken berücksichtigen. Diese Bewertungssysteme kombinieren GIS-gestützte Analysen, partizipative Workshops und Big-Data-Auswertungen zu einem ganzheitlichen Picture der städtischen Belastbarkeit. So lassen sich beispielsweise Hitzeinseln, Überschwemmungsgefährdungen oder soziale Segregation auf einer gemeinsamen Bewertungsgrundlage analysieren und gezielt adressieren.

Eine besondere Rolle spielen digitale Tools wie Urban Digital Twins, die auf der Basis von Echtzeitdaten und Simulationen die Auswirkungen von Planungsszenarien auf die Resilienz eines Quartiers oder einer Stadt sichtbar machen. Hier verschmelzen klassische Stadtplanung, Geoinformatik und Künstliche Intelligenz zu einem neuen, dynamischen Bewertungssystem, das nicht nur den Status quo abbildet, sondern auch zukunftsorientierte Anpassungspfade aufzeigt.

Doch so faszinierend diese Methoden auch sind, sie werfen neue Fragen auf: Wie lassen sich komplexe Resilienzmetriken transparent und verständlich kommunizieren? Wer legt die Gewichtung der einzelnen Indikatoren fest – und nach welchen Kriterien? Und wie wird verhindert, dass die Messung von Resilienz zum Selbstzweck oder gar zum bürokratischen Monster mutiert? Antworten darauf geben die Pioniere der Praxis, die mit neuen Bewertungsansätzen auch neue Formen des urbanen Dialogs initiieren.

Praxiserfahrungen: Raum-Resilienz in der Anwendung – Chancen und Stolpersteine

Der Sprung von der Theorie zur Praxis ist im urbanen Kontext bekanntlich kein Spaziergang. Während die Resilienzforschung bereits zahlreiche Indikatoren und Methoden hervorgebracht hat, zeigt sich im kommunalen Alltag oft eine erhebliche Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Dennoch gibt es überzeugende Beispiele, wie neue Bewertungssysteme zu echten Innovationsschüben in der Stadtgestaltung führen können.

Hamburg etwa nutzt seit einigen Jahren ein eigens entwickeltes Resilienzscreeing, um die Robustheit von Quartieren gegenüber Extremwetterlagen, Versorgungsausfällen und sozialen Spannungen zu bewerten. Die Ergebnisse fließen nicht nur in die Stadtentwicklungsplanung ein, sondern auch in die Priorisierung öffentlicher Investitionen. So werden etwa besonders verwundbare Stadtteile gezielt mit grüner Infrastruktur, Schatten spendenden Freiräumen und sozialer Infrastruktur aufgewertet – ein Paradebeispiel für die Integration von Bewertung und Handlung.

In Zürich wiederum ist die Raum-Resilienz zum zentralen Kriterium für den städtebaulichen Wettbewerb avanciert. Hier werden nicht nur architektonische Entwürfe, sondern auch deren Resilienzpotenziale anhand eines standardisierten Fragebogens und digitaler Simulationsdaten bewertet. Das Ergebnis: Mehr Vielfalt, mehr Redundanz, mehr Anpassungsfähigkeit – und vor allem eine kontinuierliche Lernkurve für alle Beteiligten.

Ein weiteres Lehrstück liefert die Stadt Wien, die mit ihrem „Resilient City Framework“ gezielt auf die partizipative Entwicklung von Bewertungskriterien setzt. Bürger, Experten und Verwaltung erarbeiten gemeinsam Indikatoren und Zielwerte, die regelmäßig überprüft und weiterentwickelt werden. So entsteht nicht nur eine hohe Akzeptanz, sondern auch ein dynamisches, lernendes System, das Resilienz als Prozess und nicht als statische Zielgröße versteht.

Doch die Praxis kennt auch ihre Schattenseiten: Fehlende Datengrundlagen, unklare Verantwortlichkeiten und ein manchmal überbordender Indikatorendschungel erschweren die Umsetzung. Besonders kritisch sind die Fragen nach Governance, Datensouveränität und Partizipation. Wer entscheidet über die Auswahl der Bewertungsmaßstäbe? Wie werden Interessenkonflikte ausgeglichen? Und wie lässt sich verhindern, dass Resilienz zum Feigenblatt für technokratische Stadtplanung wird? Genau hier sind innovative Governance-Strukturen und ein neues Selbstverständnis der Planer gefragt – und zwar dringend.

Governance, Partizipation und Digitalisierung: Die Stadt als lernendes System

Wenn Resilienz die neue Leitkategorie der Stadtplanung ist, dann ist Governance ihr konzeptioneller Motor. Denn Raum-Resilienz ist per Definition ein Querschnittsthema, das klassische Silo-Denke sprengt und interdisziplinäre Kooperation zur Pflicht macht. In der Praxis bedeutet das: Planung, Verwaltung, Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Forschung müssen an einem Strang ziehen, um Bewertungssysteme zu entwickeln, zu testen und weiterzuentwickeln.

Ein Schlüssel zum Erfolg liegt in der transparenten, partizipativen Entwicklung von Resilienzmetriken. Nur wenn Betroffene und Beteiligte einbezogen werden, entstehen Bewertungsmaßstäbe, die Akzeptanz und Wirksamkeit gleichermaßen gewährleisten. Digitale Tools wie Urban Digital Twins, partizipative Plattformen und offene Datenportale schaffen neue Möglichkeiten, komplexe Zusammenhänge sichtbar und diskutierbar zu machen. Sie eröffnen einen neuen, demokratischen Raum für das Aushandeln von Zielkonflikten und Prioritäten.

Gleichzeitig gilt es, die Risiken der Digitalisierung zu adressieren: Wer die Kontrolle über Bewertungsalgorithmen und Datenströme hat, verfügt über erhebliche Macht in der Stadtentwicklung. Daher braucht es klare Regeln für Datensouveränität, Datenschutz und algorithmische Transparenz. Offene Standards, unabhängige Kontrollinstanzen und eine breite Debatte über die gesellschaftlichen Ziele von Resilienzmetriken sind unerlässlich, um die Stadt als lernendes, anpassungsfähiges System zu etablieren.

Die Rolle der Planer verändert sich dadurch fundamental: Sie sind nicht mehr alleinige Experten und Gestalter, sondern Moderatoren, Übersetzer und Vermittler zwischen unterschiedlichen Wissensbeständen und Interessen. Raum-Resilienz als Leitkategorie verlangt einen neuen Typus von Stadtgestaltern, die nicht nur in Szenarien denken, sondern auch bereit sind, sich auf Unsicherheiten, Zielkonflikte und dynamische Anpassungsprozesse einzulassen.

Und noch ein Punkt ist entscheidend: Resilienz darf nicht als kurzfristiger Trend oder als technokratische Modeerscheinung missverstanden werden. Sie ist ein langfristiges, strategisches Leitbild, das Flexibilität, Innovationsfähigkeit und soziale Kohäsion in den Mittelpunkt der Stadtentwicklung rückt. Wer diesen Ansatz ernst nimmt, macht seine Stadt nicht nur krisenfester, sondern auch zukunftsfähiger und lebenswerter.

Ausblick: Raum-Resilienz als Innovationsmotor und Wettbewerbsvorteil

Die neue Aufmerksamkeit für Raum-Resilienz ist kein akademischer Selbstzweck, sondern Ausdruck einer fundamentalen Transformation der Stadtentwicklung. Angesichts von Klimawandel, Ressourcenknappheit und gesellschaftlicher Polarisierung wird die Fähigkeit zur robusten, anpassungsfähigen Stadtgestaltung zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor im internationalen Städtevergleich. Wer es schafft, Resilienz als integratives Leitmotiv in Bewertungssysteme, Planungsprozesse und Governance-Strukturen zu integrieren, verschafft sich nachhaltige Vorteile – für Bewohner, Wirtschaft und Umwelt gleichermaßen.

Die Erfahrung der letzten Jahre zeigt: Raum-Resilienz funktioniert nur als kollektive, interdisziplinäre Aufgabe. Sie verlangt Mut zum Experiment, Offenheit für neue Bewertungsansätze und die Bereitschaft, Fehler als Chance zum Lernen zu begreifen. Innovative Städte wie Hamburg, Zürich oder Wien beweisen, dass sich Resilienzmetriken in konkrete Strategien und Maßnahmen übersetzen lassen – vorausgesetzt, man verlässt die alten Denkmuster und setzt auf Kooperation, Transparenz und partizipative Entwicklung.

Digitale Tools wie Urban Digital Twins, offene Datenplattformen oder KI-gestützte Analysen werden in den nächsten Jahren zentrale Rollen bei der Operationalisierung von Raum-Resilienz spielen. Sie machen die Komplexität urbaner Systeme sichtbar, ermöglichen Echtzeitsimulationen und eröffnen neue Formen der Bürgerbeteiligung. Gleichzeitig bleibt die Herausforderung, technologische Innovationen mit sozialer Verantwortung und ökologischer Weitsicht zu verbinden.

Abschließend bleibt festzuhalten: Raum-Resilienz ist weit mehr als ein neuer Hype in der Stadtplanung. Sie ist die Antwort auf eine Welt im permanenten Wandel, auf Unsicherheiten und Zielkonflikte, auf die Notwendigkeit, urbane Lebensräume widerstandsfähig, flexibel und gerecht zu gestalten. Die Entwicklung neuer Bewertungssysteme ist dabei kein Selbstzweck, sondern der Schlüssel zu einer neuen, proaktiven Planungskultur, die Zukunft nicht voraussagt, sondern aktiv gestaltet.

Wer heute die richtigen Weichen stellt, kann seine Stadt fit machen für die Herausforderungen von morgen – und dafür sorgen, dass Resilienz nicht nur auf dem Papier existiert, sondern gelebte Realität in Quartieren, Parks und Straßen wird. Es ist an der Zeit, Raum-Resilienz als das zu begreifen, was sie ist: Die ultimative Leitkategorie für die Stadt der Zukunft.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Raum-Resilienz weit über klassische Konzepte wie Nachhaltigkeit oder Anpassungsfähigkeit hinausgeht. Sie fordert Planer, Kommunen und Gesellschaft dazu auf, Unsicherheiten anzunehmen und urbane Systeme ganzheitlich auf Robustheit auszurichten. Neue Bewertungssysteme machen Resilienz endlich mess- und steuerbar – und eröffnen innovative Wege zur Gestaltung krisenfester, lebenswerter Städte. Entscheidend ist dabei eine Governance, die auf Partizipation, Transparenz und digitale Innovation setzt. Wer Resilienz als Leitkategorie ernst nimmt, investiert nicht nur in Sicherheit, sondern in Lebensqualität und Zukunftsfähigkeit urbaner Räume.

Helene Hölzl, Foto © Arion Kruja
Helene Hölzl, Foto © Arion Kruja

Gärten, Pflanzen und schöne Landschaftsräume aber auch Kunst, Musik und Gesang waren Helene Hölzls Leben. Ein Nachruf von Marlene Dolar Doná und Antonia Gresser.

Werdegang von Helene Hölzl

Mit dem Waldpark in Potsdam hat Helene vor über 20 Jahren – damals noch für das Amsterdamer Landschaftsarchitekturbüro B&B – ihr erstes großes Projekt entworfen. Dieses spiegelt den für sie typischen, sensiblen Umgang mit dem Ort wider. Es war Teil der Bundesgartenschau 2001 und wurde in der Architekten-Welt viel beachtet und häufig publiziert.
Später im Jahr 2005, als wir unseren Verein ‚LAS – Landschaftsarchitektur in Südtirol‘ gründeten, wussten wir darum, dass Helene in Holland und zuvor in Deutschland weilte und arbeitete, und dass sie an der TU München, in Berlin und Rom studierte. Zudem hatte sie Lehraufträge als Universitätsdozentin am Politecnico Mailand und Politecnico Turin. Einige Male kam sie als Gast zu uns, präsentierte sich in Kolloquien als weltoffene und ideenreiche Diskussionsteilnehmerin bis sie schließlich 2006 Mitglied der LAS wurde und sich sehr für deren Themen engagierte.
So dauerte es nicht lange, bis Helene einfiel, eine Wanderausstellung zum Thema ‚Grün planen‘ zu initiieren. Wir anderen waren schon fast müde, unseren Landsleuten, den Gemeinden und Landesbeamten die Inhalte unseres Berufes vorzutragen, denn das war nicht einfach. Helene Hölzl hatte viele Ideen und einen riesigen Elan, uns alle mitzureißen um eine tolle Ausstellung aufs Parkett zu bringen, die wir 2008 in allen interessierten Gemeinden Südtirols einrichten und vortragen konnten.

Landschaft und Straßenbau

Einige Zeit danach startete Helene im Landhaus Bozen wieder einen Workshop. Diesmal ging es um das Thema Straßen. Etliche Vertreter der einzelnen Ressorts, die mit dem Thema zu tun hatten, waren zugegen und jeder trug seine Gedanken dazu vor. Nachdem alle angehört wurden, ergriff Helene das Wort. Die Ruhe und Sachlichkeit, mit der sie ihre Ansichten ausdrückte, ließ alle aufhorchen und es wurde still im Saal. Sie hatte eine ganz eigene, besonnene und gleichzeitig sehr überzeugende Herangehensweise ans Thema und verstand es, alle ins Gespräch einzubinden und bei den Teilnehmern Enthusiasmus für die Sache zu erzeugen. Es war keine leichte Sache, das Thema ‚Landschaft‘ mit den Beamten des Straßenbaues auf Augenhöhe zu diskutieren. Helene schaffte auch diese Hürde. Mitwirkende haben konstruktiv und zielführend miteinander kommuniziert.
Helene hat sich in den vergangenen Jahren ehrgeizig für die Inhalte der Landschaftsarchitektur und – Landschaftsplanung im neuen Raumordnungsgesetz als aktives Mitglied der Kammer der Architekten, Landschaftsplaner, Raumplaner und Denkmalpfleger in Südtirol eingesetzt und einiges erreichen können.

Leider haben ihre körperlichen Kräfte manchmal ausgesetzt und so ist sie heuer an einem sonnigen Frühlingsnachmittag unerwartet im Alter von 51 Jahren verstorben.
Wir trauern um unsere engagierte und liebenswerte Kollegin, deren Gedankengut und Gefühlswelt wir zwar einige Jahre erleben durften, welches uns aber jetzt umso mehr fehlen wird.
So erinnere ich mich an gemeinsame Begehungen ihrer Gartengestaltungen, in denen sie aufzeigte, wie sie den umgebenden Lebensraum und die Vegetation in ihre Entwürfe mit einbezog bzw. wie sie die Wünsche ihrer Kunden in ihren Werken einfließen ließ. Sie zeichnete Skizzen von den Lebensräumen, die eine Parallele zu ihren Entwürfen darstellten. Ich denke hier z.B. an die Entwürfe der Neuen Volksbank in Bozen, die Außen- und Dachflächen beim Milchverarbeitungskonsortium Mila in Bozen oder beim Hotel Cristall in Obereggen.

Foto © Arion Kruja
Foto © Arion Kruja

Berufliche Meilensteine von Helene Hölzl

Den Abschluß ihres Schaffens bilden die Aussenanlagen des Manna Resorts in Montan – ein wunderschöner weitläufiger Hotelgarten, dessen Fertigstellung im vergangenen Herbst erfolgte.
Aus Helenes früher Zeit sind in Südtirol herausragende Werke wie der Eingangsbereich des Botanischen Gartens in Trauttmansdorff mit den hohen Metallvasen im Schotterfeld oberhalb der Mauerkrone und deren Durchfahrt auf der Straße nach Schenna zu nennen. Solch mutige Gestaltungen waren vor dem Jahr 2000 sehr innovativ und richtungsweisend für die Landschaftsarchitektur in Südtirol. Auffallend ist auch der Eingangsbereich des Hotel ‚Four Point by Sheraton‘ in Bozen mit den überhohen rot-quadratischen Vasen vor der Lounge.
Nicht nur Gärten, auch städtebauliche Projekte wie das Wohnbauviertel ‚Casa Nova‘ in Bozen gehörten um das Jahr 2000 zu Helenes beruflichem Meilenstein. 10 Hektar Obst- und Weinbaufläche sollten dieser Bebauung geopfert werden. Für die Planungsaufgabe dieses Viertels wurde das holländische Team um Frits van Dongen, dem Helene angehörte direkt beauftragt aufgrund von Titeln, Curricula und erbrachten Leistungen. Daraus ging die Idee hervor, eine hohe Bebauungsdichte durch Aneinanderfügen von burgenartigen Wohnbauten zu erzielen, die über intensive Grüngestaltungen mit dem ländlichen Kontext kommunizieren sollten. Helenes Aufgabe dabei war es, diese landschaftlichen Einbindung durch grüne Höfe, Weingärten als Grün dazwischen, Baumpflanzungen, Grünverbindungen, Gründächer und grüne Fassaden zu konzipieren.

Das Empfinden zwischen Kunst und Natur

Helene hat sich schon immer – auch in ihrer frühen Zeit als große Entwerferin und Landschaftskünstlerin hervorgetan. Ihre Stärke war es, das Empfinden zwischen Kunst und Natur in ihren Entwürfen zur Geltung zu bringen. Sie beherrschte Kunstinstallationen genauso wie der umgebenden Natur nachempfundene Pflanzungen und verstand beide Elemente je nach Situation und Auftrag geschickt in Szene zu setzen.
Ihre Gestaltungen sind sehr farbenfroh, kontrastreich und trotzdem harmonisch. So wurde Helene Hölzl in einem Buch des Callwey-Verlages zum Thema ‚Gärten des Jahres – die 50 schönsten Privatgärten‘ geehrt, wo ein von ihr gestalteter Garten von 1 500 Quadratmeter Fläche an einem Gutshof in Andrian veröffentlicht wurde.

Helene Hölzls Plan für Wunnebad Winnenden – Saunagarten mit PEYKER Landschaftsarchitektur © Arion Kruja
Helene Hölzls Plan für Wunnebad Winnenden – Saunagarten mit PEYKER Landschaftsarchitektur © Arion Kruja

Helene Hölzl war nicht nur Landschaftsarchitektin. Durch ihre Ausbildung am Konservatorium war sie auch Musikerin und Sängerin, was zu einer ihrer weiteren Leidenschaften gehörte. Ich habe sie einmal im Kreise ihrer Familie singen gehört und war beeindruckt. Ihre Stimme war sehr gut gebildet und kräftig. Sie hat oft in der Kirche ihres Heimatortes Orgel gespielt und in einem Gospelchor gesungen.
Am 30. April 2022 wurde Helene in Andrian zu Grabe getragen. Der Andrianer Kirchenchores hat den Trauergottesdienst feierlich umrahmt.
Helene verstarb am 27. April 2022 – mitten aus dem Leben gerissen. Sie hatte noch viel vor. Projekte, die sie mit Leidenschaft bearbeitete, konnte sie nicht mehr zu Ende führen.
Liebe Helene, du bist nicht mehr hier!
Dein Schaffen aber hat Spuren hinterlassen und dein Geist wird in deinen Werken weiterleben.

Marlene Dolar Doná, Landschaftsarchitektin LAS