Parkgestaltung durch generative KI – schön oder standardisiert?

ein-hohes-gebaude-an-dessen-seite-viele-pflanzen-wachsen-Mdawwgwkau8
Ein begrüntes Hochhaus in Amsterdam, fotografiert von Dmitrii E.

Was passiert, wenn künstliche Intelligenz die Gestaltung unserer Parks übernimmt? Sind die Ergebnisse visionär, überraschend und vielfältig – oder droht uns eine Welle standardisierter, seelenloser Grünanlagen? Zwischen digitalem Zauber und algorithmischer Eintönigkeit stellt sich die Frage: Wird die Parkgestaltung durch generative KI zum Quantensprung für die Landschaftsarchitektur oder zum Einheitsbrei für unsere Städte? Willkommen im neuen Zeitalter der digitalen Landschaftsgestaltung – mit allen Chancen, Risiken und einer gehörigen Portion Diskussionsstoff.

  • Erklärung, wie generative KI in der Parkgestaltung eingesetzt wird und welche Technologien dabei dominieren.
  • Chancen und Potenziale: Effizienzgewinne, neue Designansätze, Biodiversitätsförderung durch KI-basierte Planungstools.
  • Risiken und Grenzen: Gefahr der Standardisierung, kulturelle Verarmung, ethische Fragen der Verantwortung.
  • Praktische Beispiele aus dem deutschsprachigen Raum und internationale Leuchtturmprojekte.
  • Diskussion über ästhetische Qualität: Können KI-generierte Parks überraschen und inspirieren?
  • Relevanz für nachhaltige Stadtentwicklung und Klimaanpassung.
  • Rechtliche und planerische Herausforderungen bei der Integration von KI in Planungsprozesse.
  • Die Rolle von Planern und Landschaftsarchitekten im Zusammenspiel mit KI.
  • Zukunftsausblick: Wie sieht der „Park von morgen“ aus, wenn Algorithmen und Kreativität zusammenspielen?

Generative KI in der Parkgestaltung: Visionen, Algorithmen und das Ende des Zufalls?

Die Landschaftsarchitektur erlebt einen Paradigmenwechsel: Künstliche Intelligenz, genauer gesagt generative KI, hält Einzug in die Entwurfs- und Planungsprozesse von Parks und Grünanlagen. Was vor wenigen Jahren noch als Spielerei digitalaffiner Büros galt, ist heute ernstzunehmendes Werkzeug in immer mehr Planungsabteilungen – und das nicht nur bei Tech-Startups in Kalifornien oder experimentierfreudigen Architekturbüros in Asien. Auch im deutschsprachigen Raum werden Algorithmen inzwischen eingesetzt, um Gestaltungsvarianten zu generieren, Flächen optimal auszunutzen, Biodiversität zu fördern oder die Aufenthaltsqualität zu steigern.

Doch was genau verstehen wir unter generativer KI? Im Kern handelt es sich um Systeme, die mit Hilfe von Deep Learning, neuronalen Netzen und großen Datensätzen in der Lage sind, eigenständig Vorschläge für räumliche Strukturen, Wegesysteme, Pflanzkonzepte oder Sitzplatzanordnungen zu entwickeln. Dabei werden nicht nur klassische Entwurfskriterien wie Nutzungsvielfalt, Barrierefreiheit oder Klimaanpassung einbezogen, sondern auch ästhetische Parameter, die sich aus hunderten, teils historischen und aktuellen Beispielen speisen. Die KI analysiert, kombiniert, simuliert – und liefert binnen Sekunden Entwürfe, die sich mit wenigen Klicks weiterentwickeln oder anpassen lassen.

Die große Verheißung: Nie war es so einfach, Variantenreichtum zu generieren, selten konnten so viele Kriterien gleichzeitig in die Planung einfließen. Wer als Planer einen Park für ein neues Quartier entwirft, kann per Knopfdruck Dutzende differenzierte Konzepte erzeugen und diese nach CO₂-Bindungspotenzial, Aufenthaltsqualität oder Pflegeaufwand filtern lassen. KI-Tools wie Stable Diffusion, DALL-E oder spezifische Landschaftsarchitektur-Plugins für Grasshopper und Rhino bieten Visualisierungen, Simulationen und sogar automatisierte Pflanzpläne, die den klassischen Entwurfsprozess revolutionieren.

Doch das Ende des Zufalls ist damit keineswegs eingeläutet. Vielmehr stellt sich die Frage: Was bedeutet es für die Kreativität, wenn Entwürfe nicht mehr aus der Hand eines Designers stammen, sondern aus den Black Boxes der Algorithmen? Wird die Rolle des Landschaftsarchitekten marginalisiert, wenn die Maschine scheinbar mühelos Komplexität bewältigt? Oder entstehen auf diese Weise ganz neue kreative Spielräume, weil der Planer sich von Routinen befreien und stärker auf strategische und kuratorische Aufgaben konzentrieren kann?

Antworten darauf gibt es bislang nur wenige – aber die Debatte ist eröffnet. Schon heute berichten Planungsbüros in Zürich, Wien und Berlin von ersten Erfahrungen mit KI-generierten Entwürfen. Die Ergebnisse reichen von überraschend originellen Parkanlagen bis hin zu Modellen, die erschreckend generisch und austauschbar wirken. Die entscheidende Frage bleibt: Wer steuert eigentlich wen – der Mensch die KI, oder die KI den Menschen?

Auch in der Ausbildung zum Landschaftsarchitekten zeichnet sich ein Wandel ab. Während früher vor allem Freihandzeichnung, Pflanzenkenntnis und Modellbau dominierten, gehören heute Programmierkenntnisse, Datenmanagement und das Verständnis algorithmischer Prozesse zunehmend zum Handwerkszeug. Wer künftig Parks gestalten will, muss nicht nur die Botanik, sondern auch die Syntax der KI beherrschen – und im Zweifel wissen, wann es Zeit ist, einen Algorithmus auszubremsen oder zu korrigieren.

Chancen und Potenziale: Effizienz, Vielfalt und Nachhaltigkeit

Die Potenziale generativer KI in der Parkgestaltung sind immens – zumindest, wenn man den Verfechtern der Technologie glaubt. Einer der größten Vorteile liegt zweifellos in der Geschwindigkeit: Wo früher monatelange Planungsphasen nötig waren, können heute binnen Tagen oder gar Stunden zahllose Varianten entwickelt werden. Das spart nicht nur Zeit und Geld, sondern eröffnet auch Möglichkeiten für partizipative Prozesse, in denen Bürger, Verwaltung und Fachplaner gemeinsam unterschiedliche Szenarien diskutieren und bewerten können.

Ein weiterer Pluspunkt: Die Fähigkeit der Algorithmen, große Datenmengen simultan zu verarbeiten. Ob Bodenbeschaffenheit, Mikrotopografie, Sonneneinstrahlung oder historische Nutzungsdaten – die KI analysiert jedes Detail und kann darauf basierend maßgeschneiderte Lösungen entwickeln, die weit über das hinausgehen, was ein menschliches Team in vertretbarer Zeit leisten könnte. Besonders im Hinblick auf Klimaanpassung und Nachhaltigkeit ist das ein enormer Vorteil: Wasserretention, Baumartenwahl, Verschattung und Biodiversität lassen sich nicht nur simulieren, sondern in Echtzeit optimieren.

Auch die gestalterische Vielfalt profitiert, zumindest theoretisch. KI kann Stilbrüche wagen, ungewöhnliche Kombinationen ausprobieren oder aus kulturell unterschiedlichen Vorbildern schöpfen. Während menschliche Planer oft auf ihren Erfahrungshorizont beschränkt sind, schöpft die KI aus einer globalen Datenbank von Parkanlagen, Gärten, Innenhöfen und Landschaftsbildern. So entstehen mitunter Vorschläge, die traditionelle Vorstellungen von Parkgestaltung sprengen und neue ästhetische Horizonte eröffnen – vorausgesetzt, die Datengrundlage ist ausreichend divers und die Algorithmen sind entsprechend trainiert.

Für die nachhaltige Stadtentwicklung kann der Einsatz generativer KI zum echten Gamechanger werden. In der Quartiersplanung etwa lassen sich Grünräume so anordnen, dass sie Klimaachsen bilden, Frischluftschneisen erhalten und urbane Hitzeinseln minimieren. Die KI simuliert die Wirkung von Bäumen auf das Mikroklima, optimiert Wasserläufe für Starkregenereignisse oder platziert Aufenthaltsflächen so, dass sie maximalen sozialen Mehrwert bieten. Gerade angesichts der Herausforderungen des Klimawandels und des zunehmenden Nutzungsdrucks auf urbane Grünflächen ist diese Form der datengetriebenen Planung ein entscheidender Vorteil.

Und nicht zuletzt: Partizipation bekommt eine neue Dimension. Bürger können, unterstützt durch KI-generierte Visualisierungen, zwischen verschiedenen Gestaltungsvarianten wählen, ihre Wünsche einbringen und so aktiv an der Stadtentwicklung mitwirken. Das schafft Transparenz, Vertrauen und letztlich eine stärkere Akzeptanz für die geplanten Maßnahmen. Die Parkgestaltung wird so zum Aushängeschild einer demokratischen, offenen Stadtgesellschaft – sofern die Prozesse offen und nachvollziehbar gestaltet werden.

Natürlich bleibt abzuwarten, wie nachhaltig und resilient KI-generierte Parks tatsächlich sind. Erste Pilotprojekte in Kopenhagen, Basel und Amsterdam zeigen jedoch: Mit intelligenter Daten- und Sensortechnik lassen sich Pflegeaufwand, Artenvielfalt und Nutzerzufriedenheit nicht nur voraussagen, sondern auch langfristig steuern und verbessern.

Risiken, Grenzen und die Gefahr der Standardisierung

So verheißungsvoll die neuen Möglichkeiten auch erscheinen – die Risiken und Grenzen des KI-Einsatzes in der Parkgestaltung sollten nicht unterschätzt werden. Die wohl größte Gefahr: Standardisierung und kulturelle Verarmung. Denn Algorithmen sind so kreativ wie ihre Datengrundlage – und wenn diese vor allem aus globalisierten, bereits bestehenden Parkanlagen gespeist wird, droht die Wiederholung des Immergleichen. Was als „Best Practice“ in New York oder Shanghai funktioniert, muss nicht automatisch zum Maßstab für München oder Graz taugen.

Hinzu kommt das sogenannte „Modekollaps-Problem“: KI neigt dazu, auf häufig vorkommende Muster und Lösungen zurückzugreifen, selbst wenn diese für den konkreten Standort wenig Sinn ergeben. So entstehen Parks, die zwar optisch ansprechend, aber wenig identitätsstiftend oder ortsspezifisch sind. Die vielzitierte „Seele des Ortes“ droht im Datendschungel verloren zu gehen – und mit ihr die kulturelle Vielfalt, die gerade europäische Städte so lebenswert macht.

Ein weiteres Problem: Die Black-Box-Natur vieler KI-Systeme. Wer versteht noch, wie ein bestimmtes Wegesystem oder eine Pflanzenauswahl zustande kam, wenn Dutzende Algorithmen im Hintergrund an den Rädchen drehen? Für Planer, Behörden und Bürger wird es zunehmend schwierig, die Herkunft und Logik der Vorschläge nachzuvollziehen – von der rechtlichen Haftung im Schadensfall ganz zu schweigen.

Auch ethische Fragen drängen sich auf. Wer trägt die Verantwortung, wenn eine KI-basierte Planung zu sozialen Konflikten, unzureichender Barrierefreiheit oder ökologischen Fehlentwicklungen führt? Und wie lässt sich sicherstellen, dass Algorithmen nicht bestehende Ungleichheiten oder Diskriminierungen fortschreiben? Die Diskussion um algorithmische Fairness, Transparenz und partizipative Kontrolle wird deshalb auch in der Landschaftsarchitektur immer wichtiger.

Nicht zuletzt stehen Datenschutz und IT-Sicherheit auf dem Prüfstand. Die Menge an verarbeiteten Standort- und Nutzungsdaten ist enorm – und damit steigt das Risiko von Missbrauch, Datenlecks oder gezielter Kommerzialisierung. Wer garantiert, dass sensible Informationen nicht in die Hände privater Anbieter geraten oder für Zwecke genutzt werden, die mit der ursprünglichen Planung nichts zu tun haben?

All diese Aspekte machen deutlich: Die Parkgestaltung durch generative KI ist kein Selbstläufer. Sie erfordert klare ethische Leitplanken, offene und nachvollziehbare Prozesse sowie die ständige Reflexion darüber, was Technologie leisten kann – und was besser in der Hand des Menschen bleiben sollte.

Praxisbeispiele und Perspektiven: Wie KI die Parkgestaltung verändert

Trotz aller Herausforderungen zeigt sich in der Praxis ein differenziertes Bild. In Wien etwa wurde im Rahmen eines Forschungsprojekts der TU Wien ein KI-gestütztes Tool entwickelt, das aus Luftbildern und Bodenanalysen automatisch Vorschläge für Baumarten und Pflanzstrukturen generiert. Die Ergebnisse flossen in die Neugestaltung mehrerer innerstädtischer Parks ein – mit dem Ziel, die Resilienz gegenüber Hitzewellen zu steigern und die Artenvielfalt zu erhöhen. Die Rückmeldungen der Nutzer waren überwiegend positiv: Die neuen Parks wirken nicht nur grüner, sondern auch überraschend abwechslungsreich.

In Zürich experimentiert eine Arbeitsgemeinschaft aus Landschaftsarchitekten und Informatikern mit KI-basierten Wegesystemen, die auf tatsächlichen Laufwegen, Bewegungsdaten und Aufenthaltsmustern beruhen. Das Ziel: Wege, die nicht nur funktional, sondern auch intuitiv und nutzerfreundlich sind. Erste Tests zeigen, dass die KI in der Lage ist, ungewöhnliche, aber effektive Verbindungen zu schaffen – vorausgesetzt, die eingespeisten Daten sind aktuell und repräsentativ.

Auch in Deutschland gibt es erste Pilotprojekte. In Hamburg wurden im Rahmen der „Digitalen Stadt“ KI-Tools eingesetzt, um Pflegeaufwand und Biodiversität im Parkmanagement zu optimieren. Dabei zeigte sich: Die KI kann helfen, Pflegerouten effizienter zu planen und seltene Pflanzen gezielt zu fördern – allerdings nur, wenn menschliches Fachwissen die Ergebnisse kritisch überprüft und ergänzt.

Ein Blick über den Tellerrand lohnt sich ebenfalls: In Singapur setzt die Stadtverwaltung auf KI-gestützte Simulationen zur Steuerung von Bewässerungssystemen, Pflanzenauswahl und Wegenetzwerken in den „Gardens by the Bay“. In Barcelona wiederum helfen KI-Modelle, urbane Hitzeinseln frühzeitig zu erkennen und gezielt mit Schattenstrukturen und Wasserflächen gegenzusteuern. Die Ergebnisse sind beeindruckend: Deutlich angenehmere Mikroklimata, mehr Artenvielfalt und eine höhere Nutzerzufriedenheit.

Was zeigt uns das? KI kann – richtig eingesetzt – nicht nur Effizienz und Nachhaltigkeit steigern, sondern auch für gestalterische Überraschungen sorgen. Entscheidend ist jedoch die Qualität der Daten, die Offenheit der Planungsprozesse und die enge Zusammenarbeit zwischen Technikern, Planern und Nutzern. Nur so entstehen Parks, die den Spagat zwischen Innovation und Identität meistern.

Für die Zukunft zeichnet sich ab: Die Rolle des Landschaftsarchitekten wandelt sich. Er wird zum Kurator, Moderator und Kritiker der KI – jemand, der Algorithmen steuert, hinterfragt und mit menschlicher Erfahrung ergänzt. Die besten Parks entstehen dort, wo Mensch und Maschine Hand in Hand arbeiten, wo Datenintelligenz und gestalterische Sensibilität sich gegenseitig befruchten.

Ausblick: Der Park der Zukunft – Einheitsgrün oder kreative Avantgarde?

Wie sieht sie also aus, die grüne Zukunft im Zeitalter generativer KI? Werden unsere Städte von austauschbaren Musterparks durchzogen, die sich kaum noch voneinander unterscheiden? Oder erleben wir einen Innovationsschub, der neue Formen, Farben und Nutzungsqualitäten hervorbringt? Die Wahrheit liegt – wie so oft – irgendwo dazwischen.

Fest steht: Die KI allein macht keinen guten Park. Sie ist ein mächtiges Werkzeug, das Planungsteams entlasten, Prozesse beschleunigen und neue Horizonte öffnen kann. Aber sie braucht Kontext, menschliches Urteilsvermögen und die Fähigkeit, das Einzigartige eines Ortes zu erkennen und zu bewahren. Nur dann entstehen Grünanlagen, die nicht nur funktional, sondern auch atmosphärisch, sozial und kulturell überzeugen.

Für die nachhaltige Stadtentwicklung ist die Integration von KI ein Segen – sofern sie nicht als Selbstzweck, sondern als Mittel zum Zweck verstanden wird. Klimaanpassung, soziale Inklusion und Biodiversität lassen sich datenbasiert präziser steuern als je zuvor. Doch jede noch so perfekte Simulation bleibt Theorie, solange sie nicht im Dialog mit den Menschen vor Ort entwickelt und umgesetzt wird.

Die große Herausforderung für Planer, Verwaltungen und Politik besteht darin, den Spagat zwischen Innovation und Identität zu meistern. Es gilt, die Chancen der KI zu nutzen, ohne die Seele unserer Städte zu opfern. Transparenz, Partizipation und die Bereitschaft, Technik als Werkzeug und nicht als Ersatz für Kreativität zu begreifen, sind dabei die wichtigsten Leitplanken.

Bleibt die Frage: Wird Parkgestaltung durch generative KI schön oder standardisiert? Die Antwort hängt davon ab, wie mutig, kritisch und verantwortungsvoll wir mit den neuen Möglichkeiten umgehen. Die Zukunft der Parks ist offen – und sie gehört denen, die Technik und Gestaltungskunst klug zu verbinden wissen.

Abschließend lässt sich sagen: Die Parkgestaltung durch generative KI eröffnet beeindruckende Perspektiven für die Landschaftsarchitektur. Sie kann Prozesse demokratisieren, Kreativität beflügeln und Nachhaltigkeit vorantreiben. Gleichzeitig birgt sie Risiken der Vereinheitlichung, Intransparenz und kulturellen Verarmung. Die Aufgabe der Planer bleibt es, als kritischer Kompass zu fungieren, Technik zu hinterfragen, zu steuern und mit menschlicher Intuition zu ergänzen. Nur so entstehen Parks, die uns auch in Zukunft überraschen, inspirieren – und ein Stück Heimat bieten.

Das könnte Sie auch interessieren
In Frankreich blüht der Oktober
Ideen und Impulse für IBA München gesucht: Räume der Mobilität
Die Rue Vaugirard führt durch das sechste und 15. Arrondissement. Hier sollen Radwege ausgebaut werden. VI­SUA­LI­SIE­RUNG: Céline Orsingher
Die 15-Minuten-Stadt in Paris – Mais oui?
Das Deutsche Institut für Urbanistik hat eine neue Broschüre zum Thema “Klimaschutz & Fläche” herausgegeben.
Klimaschutz & Fläche
luftaufnahme-einer-stadt-durch-die-ein-fluss-fliesst-GLnZNGNCqj4
Hitze-Einträge durch Fassadenreflexion – Simulation in der Planung
G + L 11/17: Junge Talente
Hyperloop
Hyperloop in Deutschland
Hamburger Wallanlagen – Buchrezension
Der gemeinsame Bundeskongress der grünen Fachverbände und die GALK-Mitgliederversammlung fanden dieses Jahr in Kiel statt. Das Foto zeigt eine Ansicht aus der Vogelperspektive auf eine Stadt, im Vordergrund rechts ein Park mit Bäumen und links eine Wasserfläche, dahinter ein Rathaus mit Turm und weitere Häuser. Stadtansicht von Kiel, Foto: Marvin Radke via Unsplash
GALK und Bundeskongress der grünen Fachverbände 2022
graustufenfotografie-von-hochhausern-jmCEVmTD_FE
KI-gesteuerte ÖPNV-Taktung auf Kiez-Ebene
Die Sphäre „Wasser“

Die Sphäre „Wasser“ (Visualisierung: bloomimages Berlin GmbH)

In zwei Jahren lädt Kirchheim in Bayern zur Landesgartenschau ein. Dann ist der neue, zehn Hektar große Park fertig, der Raum für Erholung und Spiel im Grünen bieten soll. Darüber hinaus soll der neue Ortspark die bislang räumlich getrennten Gemeindeteile Kirchheim und Heimstetten miteinander verbinden.

Der neue Ortspark in Kirchheim wird Heimat für viele heimische Baumarten sein, die im Wechsel mit sogenannten Klimabäumen stehen. Letztere sind den Herausforderungen des Klimawandels besonders gut gewachsen und entsprechend resilient. Das ist wichtig. Denn der neue Park, der im Rahmen der Landesgartenschau Kirchheim derzeit wächst, wird ein dauerhaftes grünes Band bilden. Dieses wird die Gemeindeteile Kirchheim und Heimstetten miteinander verbinden. Zukünftig kommen hier also viele Generationen aus beiden Ortsteilen zusammen. Sie wachsen regelrecht zusammen.

Die Pflanzen auf der Landesgartenschau

Die Pflanzkonzept für den neuen Park in Kirchheim haben die Landschaftsarchitetkt*innen vom Büro SINAI erarbeitet. Dabei war ihnen wichtig, dass klimaresiliente und heimische Bäume in Balance stehen. Sie nennen ihr Konzept für die Landesgartenschau Kirchheim: Gemischtes Doppel. Damit verweist SINAI darauf, dass jede klassische, heimische Baumart ein Gegenüber aus dem Repertoire der Klimabaumarten bekommt. Insgesamt wachsen im neuen Ortspark demnächst mehr als 700 Bäume.

Neben den Bäumen werden in Kirchheim Rasenflächen für Spiel und Bewegung und Wiesen neu angelegt. Darüber hinaus kommen Sträucher, Stauden, Hecken, Schilf und Gräser dazu. Im Bereich der sogenannten Sphäre „Wildnis“ und in der Sphäre „Wald“ bleibt auch viel Bestandsgrün erhalten.

Die Sphäre „Garten

Den Auftakt der Landesgartenschau Kirchheim bildet die sogenannte Sphäre „Garten“. Sie beherbergt die Bürgergärten, eine Streuobstwiese und eine bestehende Fliederhecke. In diesem Areal steht die gemeinschaftliche Bewirtschaftung im Vordergrund. Deshalb werden hier vor allem Gehölze mit essbaren Früchten zu finden sein. Darüber hinaus entstehen im Garten drei neue Jahrgangswäldchen mit jeweils 100 Zierapfelbäumen. Dieser neue Apfelhain ist ein Geschenk der Gemeinde Kirchheim und der Landesgartenschau an den Kirchheimer Nachwuchs der Jahrgänge 2021, 2022 und 2023. Der Hain steht dabei symbolisch für das Motto der Landesgartenschau Kirchheim „Zusammen.Wachsen“.

Herzstück in der Sphäre „Wasser“

In der Sphäre „Wasser“ bildet ein neuer Parksee den Mittelpunkt. Mit knapp 7400 Quadratmetern bildet er eine große Wasserfläche. Darüber hinaus bildet sein naturnaher Ufersaum Tieren und Pflanzen neuen Lebensraum in Kirchheim. Die Liegewiese am Westufer des Sees wird mit Auenbäumen bepflanzt. Und für die Wasser- und Uferzonen werden, je nach Wassertiefe, passende Wasser- und Schwimmblattpflanzen ausgewählt. Sie allen bereichern das Areal der Landesgartenschau Kirchheim um vielfältige neue Lebensräume für Insekten und andere Kleintiere.

In der Sphäre „Wildnis“ in Kirchheim

Die Sphäre „Wildnis“ verdankt ihre Bezeichnung dem Bestand. Die bestehende Vegetation wird hier durch Lichtungen und neu angelegte Wege erlebbar. Sie werden aber nicht überall begehbar werden.

In der Vorbereitung für die Landesgartenschau Kirchheim wurden mehrere Bäume gefällt und bestehender Aufwuchs entfernt. Dafür werden an anderer Stelle in der Wildnis 73 Bäume neu gesetzt. In Vorbereitung der Landesgartenschau Kirchheim wurde im vergangenen Jahr bereits bestehender Bewuchs entfernt. Dafür wachsen in der Sphäre „Wald“ demnächst 67 neue Bäume.

Die Sphäre „Wiese“ auf der Landesgartenschau

Im südlichen Bereich der Landesgartenschau Kirchheim liegt der Schwerpunkt auf großen, autochthonen Blühwiesen. Diese bieten idealen Lebensraum für zahlreiche Insekten- und Schmetterlingsarten. Dieser besondere Wiesenbereich lebt außerdem von großen Solitärbäumen, von einzelnen Baumreihen, Fliederhecken und Stauden. Sie allen fassen den Wiesenbereich ein und geben ihm Struktur.

Bänke im Ortspark

Neben den vielen neuen Bäumen auf dem Areal der Landesgartenschau Kirchheim werden etwa 200 Bänke im Ortspark aufgestellt. Die bieten den Menschen die Möglichkeit sich auszuruhen und zu entspannen. Genauso wie für die neuen Bäume vergibt die Landesgartenschau Kirchheim 2024 GmbH auch Patenschaften für die Bänke. Auf einer eigenen Website können die ab Frühjahr 2022 erworben werden. Auf diese Weise können interessierte Bürger*innen und Unternehmen sich persönlich einbringen und die Entstehung der Landesgartenschau Kirchheim fördern.

Energieholz auf temporären Flächen

Während der Landesgartenschau in Kirchheim wächst das Veranstaltungsgelände um weitere vier Hektar Grünfläche. Diese ergänzen im Jahr 2024 also den neuen, zehn Hektar großen Ortspark. Hier werden temporäre Ausstellungsflächen eingerichtet, die Platz für etwa 50 Aussteller*innen bieten. Sie alle informieren die Besucher*innen der Landesgartenschau zu Themen wie Gartengestaltung, Umweltschutz, Klimaschutz, nachhaltige Energie und grüne Mobilität. Auf diesen Ausstellungsflächen sind die Baumpflanzungen von Anfang an als Energieholzplantage vorgesehen und dem Thema nachhaltige Energie verpflichtet. Die ersten Bäume sind schon im März 2022 gepflanzt worden. Nach Abschluss der Landesgartenschau Kirchheim werden sie dann zu Energieholz weiterverarbeitet.

Im Bereich der Gewinnung erneuerbarer Energie spielt Holz eine wichtige Rolle. Denn anders als bei Wind- und Sonnenenergie kann Holz zu jedem Zeitpunkt verfügbare Energie liefern. Auf diese Weise kann Energieholz dabei helfen, den Umstieg von fossilen auf alternative Energieträger zu beschleunigen. Es kann helfen, die Energieversorgung langfristig sicherzustellen. Das ist schon jetzt wichtiger denn je und ein guter Ausblick auf die bayrische Landesgartenschau in Kirchheim im Jahr 2024.

Das könnte Sie auch interessieren: Die BUGA Mannheim findet 2023 statt.

S
BürosSINAI

COP15 in Montreal, Biodiversität im Fokus

Die COP15 findet vom 7. bis 19. Dezember in Montreal statt. Bildquelle: Unsplash
Die COP15 findet vom 7. bis 19. Dezember in Montreal statt. Bildquelle: Unsplash

COP27 ist gerade vorbei und schon startet die nächste COP am 7. Dezember: Bei der COP15 in Montreal geht es um Biodiversität. Das Ziel der UN-Konferenz besteht darin, ein neues Regelwerk zum verbesserten Schutz der Biodiversität weltweit zu entwickeln. Lesen Sie hier alles über die Konferenz.

Die Bedeutung der Biodiversitäts-COP

Laut dem Living Planet Report 2022 ist die Biodiversität unseres Planeten in den letzten Jahrzehnten drastisch gesunken. Die durchschnittliche Populationsgröße von Wildtieren ist weltweit seit 1970 um etwa 69% gefallen. Umso wichtiger ist es, sich mit dieser Krise zu beschäftigen. Bei der COP15, an der die gleichen Vertragsparteien teilnehmen wie an der Klimakonferenz (zuletzt COP27 im November 2022), geht es vom 7. bis 19. Dezember in Montreal, Kanada, um einen neuen globalen Vertrag zur Förderung der Biodiversität.

Der lang erwartete Gipfel, der ähnlich wie die Klimakonferenzen regelmäßig stattfindet, musste mehrfach verschoben werden. Ursprünglich war er für das Jahr 2020 in Kunming, China, geplant. Durch die Corona-Pandemie kam es stattdessen zu einer zweiteiligen Veranstaltung. Der erste Teil fand im Oktober 2021 statt, gefolgt von einem zweiten Teil im Frühjahr 2022. Jedoch kam es dabei zu keiner Einigung. Daher setzte die UN Interims-Besprechungen in Nairobi an. Aufgrund der steigenden Corona-Zahlen in China findet das Treffen nun in Kanada statt.

Die Hoffnung besteht darin, eine globale Einigung zum Schutz und zur Verbesserung der Biodiversität zu treffen, die dem Pariser Klimaabkommen ähneln soll. Dabei stehen jedoch Habitats, Ökosysteme, Pflanzen, Tiere und Mikroorganismen im Vordergrund. Der Verlust der Biodiversität bedroht auch Menschen, da er den Klimawandel beschleunigt und unter anderem Ernährungsgrundlagen zerstört.

Bei der COP15 geht es darum, den Verlust der Biodiversität aufzuhalten und die natürliche Vielfalt zu schützen. Bildquelle: Unsplash
Bei der COP15 geht es darum, den Verlust der Biodiversität aufzuhalten und die natürliche Vielfalt zu schützen. Bildquelle: Unsplash

Die Erwartungen für COP15

Derzeit ist die UN Convention on Biological Diversity (CBD) das wichtigste Regelwerk zur Biodiversität. 196 Länder – die COP-Vertragsparteien – haben es ratifiziert. Der erste Entwurf stammt aus dem Jahr 1992. Es folgte ein Beschluss im Jahr 2010 zu Biodiversitäts-Zielen, die in der Dekade der Biodiversität von 2010 bis 2020 umgesetzt werden sollten. Jedoch konnte keines dieser Ziele erfüllt werden. Noch dazu hat die Pandemie den Fortschritt aufgehalten.

Daher geht es bei der COP15 zur Biodiversität nun darum, die CBD auf den neuesten Stand zu bringen und neue Ziele für die aktuelle Dekade zu formulieren. Teilnehmende hoffen auf einen „Deal for Nature”, der ein Ende des Biodiversitätsverlusts vorschreibt und dazu beiträgt, Bemühungen zur Verbesserung von Ökosystemen und Habitats zu unterstützen, zu beschleunigen und auf politische Agenden zu setzen. Die Deadline für das Ende des Biodiversitätsverlusts ist dabei das Jahr 2030, wobei einige Umweltgruppen für ein früheres Datum plädieren.

Maßnahmen zum Schutz der Biodiversität

Anders als die COP-Klimakonferenzen erhalten die Biodiversitätskonferenzen weniger mediale Aufmerksamkeit. Regierungschefs nehmen nicht an der Konferenz teil. Rufe danach, die COP15 mit der COP27 zu kombinieren, waren nicht erfolgreich, da beide Konferenzen ohnehin schon zahlreiche Themen in kurzer Zeit bearbeiten. Delegierte werden ab dieser Woche die folgenden Maßnahmen zum Schutz der Biodiversität diskutieren:

  • Schutz- und Erhaltungsprogramme für 30% der Lebensräume an Land und im Wasser
  • Strengere Vorschriften zur Eindämmung von invasiven Arten
  • Verpflichtung von Unternehmen zur Berichterstattung über Auswirkungen auf die biologische Vielfalt
  • Verpflichtung zur Reduzierung des Pestizideinsatzes in der Landwirtschaft
  • Reformierung oder Streichung von Subventionen für Industrien, die die Natur ausbeuten
  • Kooperation mit privaten Geldgebern, um umweltschadende Finanzströme umzulenken
  • Bereitstellung von Internationalen Finanzmitteln für biologische Vielfalt sowie Aufstockung der Mittel für einkommensschwache Länder (jährliche Erhöhung um 200 Mrd. US-Dollar)

Bisher haben sich Länder wie China, Russland, die USA und Indien bei den Biodiversitäts-COPs zurückgehalten. Ein großer Gewinn für das Vorhaben der COP15 ist jedoch bereits jetzt die Wiederwahl des früheren brasilianischen Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva. Er spricht sich für den Schutz des brasilianischen Regenwalds aus.

Übrigens: Bei der Gartenschau in Lindau im Jahr 2021 gab es viele spannende Ausstellungen zum Thema Biodiversität.