Gewinner des Carlo Scarpa Prize for Gardens 2024

Der Espacio Escultórico in Mexiko-Stadt, Gewinner des Carlo Scarpa Prize for Gardens 2024, ein beeindruckendes Kunstwerk aus Lava und Beton, das Natur, Geschichte und Kunst vereint. Foto: Andrés Cedillo
Der Espacio Escultórico in Mexiko-Stadt, Gewinner des Carlo Scarpa Prize for Gardens 2024, ein beeindruckendes Kunstwerk aus Lava und Beton, das Natur, Geschichte und Kunst vereint. Foto: Andrés Cedillo

Im Februar 2024 wurde der diesjährige Carlo Scarpa Prize for Gardens vergeben. Preisträger ist der Espacio Escultórico im Pedregal de San Ángel in Mexiko-Stadt. Mehr über den 33. Preis für Gärten im Folgenden.

Die italienische Fondazione Benetton Studi Ricerche konzipiert und verwaltet den Carlo Scarpa Preis, benannt nach dem italienischen Architekten und Designer (1906-1978). Alle zwei Jahre erhält ein Ort mit außergewöhnlichen natürlichen, historischen und kreativen Werten diesen Preis. Für die 2023-2024-Ausgabe kehrt der Preis zum ersten Mal seit seiner ersten Verleihung im Jahr 1990 in die Amerikas zurück: Damals gewann Roberto Burle Marx mit dem Sítio Santo Antônio da Bica in Brasilien. Dieses Jahr ist mit dem Espacio Escultórico ein monumentales, kollektives Kunstwerk aus Lava der Preisträger.

Eine Landschaft des Widerstands

Der Espacio Escultórico in Mexiko-Stadt stammt aus der gleichen Lavaoberfläche, die bereits Ende der 1940er Jahre als Grundlage für neue Wohnviertel und für den Bau der Universitätsstadt rund um die Universidad Nacional Autónoma de México (UNAM) diente. Das große Kunstwerk nimmt die Form eines gezackten Rings aus 64 Betonprismen an. Diese stehen auf einem kreisförmigen Sockel mit einem Durchmesser von 120 Metern. Als Beispiel für „intakte“ Lava unterstreicht die Struktur die Ausdruckskraft dieser besonderen Landschaft sowie ihren fragilen, sich ständig verändernden Zustand.

Schon im Jahr 1979 hat die UNAM den beauftragten Espacio Escultórico eingeweiht. Er dient dem Dialog zwischen der Universitätsstadt und der mexikanischen Kultur, Gesellschaft und Ökologie. Die Landschaft rund um Pedregal de San Ángel stammt aus einem Vulkanausbruch und hat eine suggestive Kraft. Mit der Skulptur entsteht eine Resonanzfläche, die auch ein Kommentar zu den Konflikten der städtischen Expansion in Mexiko-Stadt ist.

Rektor Guillermo Soberón Acevedo mit Mitgliedern seines Teams und einigen der Künstler, die an der Schaffung des Espacio Escultórico beteiligt waren, während der Besichtigung, bei der der Standort des Werks festgelegt wurde. Im Hintergrund links ist der Konzertsaal von Nezahualcóyotl zu sehen. Foto: Archiv Javier Jiménez Espríu, 1977.
Rektor Guillermo Soberón Acevedo mit Mitgliedern seines Teams und einigen der Künstler, die an der Schaffung des Espacio Escultórico beteiligt waren, während der Besichtigung, bei der der Standort des Werks festgelegt wurde. Im Hintergrund links ist der Konzertsaal von Nezahualcóyotl zu sehen. Foto: Archiv Javier Jiménez Espríu, 1977.

Der Espacio Escultórico ist ein wichtiges Kapitel in dieser besonderen Landschaft. Geformt wurde diese vom Vulkan Xitle, der vor etwa 1.500 bis 2.000 Jahren zuletzt ausbrach. Daraus entstand der heutige Lavaboden mit grün bewachsenen Felsen, der eine wichtige Erinnerung an die vor-spanische Geschichte darstellt. Die UNAM sieht die Skulptur als eine „Landschaft des Widerstands“.

Ein Sinn für Geschichte

Der Preisträger des Carlo-Scarpa-Preises 2023-2024 steht auch für die reiche Geschichte von Mexiko-Stadt. Früher war die Pedregal-Landschaft etwa 80 Quadratkilometer groß, aber inzwischen hat sich der größte Teil dieser Oberfläche verändert. Künstler wie Luis Barragán mit seinem Jardines del Pedregal-Projekt – einem modernen Wohnprojekt mit explizitem Schutz des Ökosystems – und Diego Rivera, der 1955 das nahegelegene Anahuacalli-Museum gründete, prägten die Umgebung ebenso wie die UNAM und die Cuicuilco-Pyramide, deren Ruinen noch zu sehen sind.

Die Struktur spiegelt den Wechsel von Regen- und Trockenzeiten wider. Sie stellt eine moderne Interpretation der Geschichte dar und fängt das Gefühl von Raum und Leere ein. Damit spielt sie auch auf soziale Widersprüche, wissenschaftliche Erkundungen und baulichen Entwicklungsdruck an. „Der abstrakte Charakter des Entwurfs und sein offensichtlicher Appell an den Geist der Moderne lassen uns einen Sinn für die Geschichte entdecken, und dass der Blick auf die Landschaft bedeutet, ihr zuzuhören und mit einer Entschlossenheit Verantwortung zu übernehmen“, so das Preisgericht.

Eine kollektive Arbeit

Neben der Landschaft und der Botschaft ist auch die Arbeitsweise des Carlo-Scarpa-Preisträgers erwähnenswert. Sechs Künstler*innen der Escuela Nacional de Artes Plásticas erhielten den Auftrag, ein kollektives Werk zu schaffen. Dieses sollte nicht den Charakter einer einzelnen Person widerspiegeln, sondern sich auf die kollektive Interaktion der Landschaft mit ihrem historischen Erbe konzentrieren.

Die Gruppe aus Künstler*innen bestand aus Helen Escobedo, Manuel Felguérez, Mathias Goeritz, Hersúa, Sebastián und Federico Silva. Ihr Werk ist offen für ökologische Merkmale, anstatt rein anthropozentrisch zu wirken. Entsprechend ging es nach Fertigstellung der Skulptur darum, die Umgebung zu schützen, was 1983 in der offiziellen Gründung der von der UNAM ausgewiesenen Reserva Ecológica del Pedregal de San Ángel mündete.

„... nie zuvor hatte eine Gruppe von Künstlern die Gelegenheit, sich mit einer geschützten Natur auseinanderzusetzen, um durch deren Bewahrung ihr außergewöhnliches Material zu stärken“, Helen Escobedo, Manuel Felguérez, Mathias Goeritz, Hersúa, Sebastián und Federico Silva, 1978. AHUNAM/IISUE, Sammlung Armando Salas Portugal, ASP-CU-0177, Foto: Armando Salas Portugal, 1979
„… nie zuvor hatte eine Gruppe von Künstlern die Gelegenheit, sich mit einer geschützten Natur auseinanderzusetzen, um durch deren Bewahrung ihr außergewöhnliches Material zu stärken“, Helen Escobedo, Manuel Felguérez, Mathias Goeritz, Hersúa, Sebastián und Federico Silva, 1978. AHUNAM/IISUE, Sammlung Armando Salas Portugal, ASP-CU-0177, Foto: Armando Salas Portugal, 1979

Die Jury des Carlo-Scarpa-Preises begründete ihre Wahl damit, dass der Espacio Escultórico sowohl zur persönlichen Meditation als auch zum kollektiven Handeln einlädt: „Seine Geschichte regt zum Nachdenken über die Beziehung zwischen künstlerischer Geste und ökologischem Bewusstsein an; die chorische Dimension seines Konzepts lädt dazu ein, den Platz des Individuums in der Landschaftsgestaltung zu überdenken und neue Koordinaten und neue Rollen in der gestalterischen Haltung festzulegen.“

Wiederbelebung eines verlassenen Ortes

Von April bis Juni 2024 fand in Treviso eine Ausstellung statt, die dem Espacio Escultórico und seinem Umfeld gewidmet war. Zudem hat die Stiftung ein Buch und einen Dokumentarfilm über den preisgekrönten Ort veröffentlicht. In einer öffentlichen Zeremonie am 13. April 2024 erhielt Leonardo Lomelí Vanegas, Rektor der UNAM, das „Carlo-Scarpa-Siegel“, das Symbol des Preises. Auch Silke Cram und Louise Noelle erhielten Auszeichnungen: Sie sind für die Pflege und Verwaltung des preisgekrönten Ortes zuständig.

Der beeindruckende Lavaboden des Espacio Escultórico in Mexiko-Stadt, umgeben von Betonprismen – eine einzigartige Landschaft. Foto: Andrés Cedillo
Der beeindruckende Lavaboden des Espacio Escultórico in Mexiko-Stadt, umgeben von Betonprismen – eine einzigartige Landschaft. Foto: Andrés Cedillo

Mit seinem vulkanischen Boden und der Interpretation von Formen erinnert der diesjährige Preisträger an das Werk von César Manrique auf der Insel Lanzarote, den Jardín de Cactus, der 2017 den Carlo Scarpa Prize for Gardens erhielt. Und auch der 2022-Preisträger, der Naturpark Südgelände in Berlin, zeigt das Experimentieren mit einem als steril und unbeteiligt wahrgenommenen Gelände, das von einem verlassenen Ort zu einer blühenden Landschaft geworden ist.

 

 

 

Alles rund um den Carlo Scarpa Preis 2022 lesen Sie hier.

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Render of the Year: Church in Nomine Patris Tom Burkewitz
Render of the Year: Church in Nomine Patris Tom Burkewitz

Der Siegerentwurf

Zum zweiten Mal hat Arch Out Loud die Auszeichnung „Render of the Year“ vergeben. Lesen Sie hier mehr über den Gewinner-Render von Tom Burkewitz.

2015 wurde die Wettbewerbsplattform Arch Out Loud mit dem Ziel gegründet, aktuelle Entwicklungen in der Architektur zu entdecken und zu würdigen. Seitdem veranstaltet die Plattform jedes Jahr mehrere Wettbewerbe, die Architekt*innen und Architekturstudierenden die Möglichkeit bieten, sich mit aktuellen Themen auseinanderzusetzen.

Der Preis „Render of the Year“ geht nun in sein zweites Jahr. Gesucht werden überzeugende Bilder, die die Geschichte von Architektur, Innenräumen, Städten und Welten, wie sie sein könnten, erzählen. Der Preis wird in der allgemeinen Render-Kategorie sowie in den Kategorien Interior, Exterior und Young Designer vergeben. Zusätzlich gibt es in jeder Kategorie drei lobende Erwähnungen, die von den Direktoren Nick Graham und Kyle Zook ausgewählt werden.

Die Jury

Die Jury für den Wettbewerb Render of the Year besteht aus einer Gruppe internationaler Architekt*innen. Im Jahr 2021 gehören ihr Melike Altinisik (Istanbul), Katherine Chia und Arjun Desai (Desai Chia Architecture, New York) und Linna Choi (Oualalou+Choi, Paris) an.

Der Siegerentwurf des diesjährigen „Render of the Year“: „Church in Nomine Patris“ von Tom Burkewitz
Der Siegerentwurf des diesjährigen „Render of the Year“: „Church in Nomine Patris“ von Tom Burkewitz

Render of the Year: „Church in Nomine Patris“ von Tom Burkewitz

Tom Burkewitz gewann den Preis für den Render des Jahres 2021 mit seinem Entwurf der „Church in Nomine Patris“. Er ist ein österreichischer Konzeptkünstler und Architekt, der als Architekturillustrator arbeitet. Sein Rendering zeigt einen strengen Kirchenbau mit dunklen Fassaden inmitten einer Wiese, die in den wolkenverhangenen Himmel ragt. Dem Künstler gelingt es, eine traumartige, fast unheimliche Atmosphäre zu schaffen, die die Jury überzeugte. Mehr dazu hier.

Sein Rendering nutzt 3D-Modellierungstechniken, um einen sehr hohen Grad an Realismus zu erreichen. Die Kirche von Burkewitz wirkt hyperrealistisch und gleichzeitig fast surreal. Der Entwurf erinnert an die Prärie und hat sich gegen andere nostalgische, emotionsgeladene Renderings durchgesetzt.

Laut Arch Out Loud „müssen Designer*innen erkennen, wie die Menschen ihre Bilder interpretieren. Sie müssen mit den Gefühlen arbeiten, die ein Bild hervorruft. Sie müssen verstehen, wie sie ohne Worte zu ihrem Publikum sprechen können.“

Andere Gewinner*innen des Render of the Year 2021

Tom Burkewitz hatte es mit starker Konkurrenz zu tun. Witchaya Jingjits Bild eines Astronauten, der in einer dystopischen, posthumanen Welt neues Land entdeckt, und Zoe Russion Morenos Rendering „Remembrance“ rufen ähnliche Gefühle hervor wie das Siegerbild.

In der Hauptkategorie wurden von der Jury des Render of the Year Award 2021 drei lobende Erwähnungen bekannt gegeben: „Mass Laminated Timber“ von Eric Meyer, „7th Element“ von Okdraw Studio und „Sake brewery Museum“ von Henrique Driessen.

Der Preis in der Kategorie Junger Designer ging an Vincenzo Sardone für „The Day After Participants“. Lobende Erwähnungen gingen an Joseph Perry für „Work in Progress“, an Sanket Gunjal für „Bold and Brutal“ und an Vincenzo Sardone für „06:36 a.m.“. Die Jury-Mitglieder zeichneten außerdem Witchaya Jingjit für „Finding a New Land“, Dennis Grimm für „Fainted Hope“ und Rui Oliveira für „The Quarry Hotel“ aus.

Der Preis für das beste Innenrendering ging an Zoe Russian Moreno für „Remembrance“, und den Preis für das beste Außenrendering erhielt Eric Meyer mit „Mass Laminated Timber“.

Render of the Year: „Sake brewery Museum“ von Henrique Driessen
Render of the Year: „Sake brewery Museum“ von Henrique Driessen

Die Kunst des Renderns

Rendering war schon immer eine große Herausforderung. Designer*innen und Architekt*innen müssen sich auf der Grundlage einer groben Idee auf Papier oder in einer Software vorstellen, wie der endgültige Entwurf aussehen soll. Diese Visualisierung eines ganzen Gebäudes hilft zu verstehen, wie es sich in die umgebende Landschaft einfügt und wie es mit Grünflächen harmoniert. Viele Gebäude beeinflussen auch die Skyline einer Stadt oder das Aussehen eines Viertels, weshalb das Rendering von entscheidender Bedeutung ist.

Mit Software wie AutoCAD ist das Rendering in mancher Hinsicht einfacher, andererseits aber auch anspruchsvoller geworden: Die Software hilft bei der Erstellung eines realistischen Bildes, Aber die Künstler*innen müssen in der Lage sein, komplexe Faktoren zu verstehen, um ein überzeugendes Rendering zu erstellen.

Die nächste Runde des Render of the Year Award wird im Frühjahr 2022 starten. Junge Designer*innen und Architekt*innen, die noch studieren oder deren Abschluss nicht älter als fünf Jahre ist, können sich für die Teilnahme an dem Wettbewerb bewerben. Arch Out Loud erhebt eine Gebühr pro Bild während des Bewerbungsverfahrens.

Mehr Informationen zum Render of the Year finden Sie hier.

Im Mai wurden zwei Masterarbeiten von der Karl Foerster-Stiftung ausgezeichnet. Mehr zum Ulmer-Preis 2021.

Jana Leoni studierte Landschaftsarchitektur an der TU Dresden und Urban Design an der TU Berlin. Sie war unter anderem für Albert Speer + Partner tätig, bevor sie zur Stadt Frankfurt wechselte. Hier leitete sie zwei Jahre stellvertretend das Sachgebiet Stadtklima/Klimawandel im Umweltamt Frankfurt und wechselte mit Gründung in das Klimareferat Frankfurt.
Jana Leoni studierte Landschaftsarchitektur an der TU Dresden und Urban Design an der TU Berlin. Sie war unter anderem für Albert Speer + Partner tätig, bevor sie zur Stadt Frankfurt wechselte. Hier leitete sie zwei Jahre stellvertretend das Sachgebiet Stadtklima/Klimawandel im Umweltamt Frankfurt und wechselte mit Gründung in das Klimareferat Frankfurt.

Klimaneutral bis 2035 – die Stadt Frankfurt hat sich hohe Ziele gesetzt und um diese zu erreichen ein eigenes Klimareferat gegründet. Das startete im Januar 2023 mit seiner Arbeit. Jana Leoni ist Teil des 21-köpfigen Klimareferat-Teams. Wir sprachen mit der Stadtplanerin über Bürokratie in der Planung und fragten sie, wie gut Frankfurt ihrer Meinung nach in Sachen kommunale Instrumente aufgestellt ist.

 

Das Interview wurde im Juni 2023 geführt und veröffentlicht!

Klimaangepasstes bauen

Jana Leoni, Anfang des Jahres setzen die Frankfurter Stadtverordneten mit der Begrünungspflicht von Fassaden und Dächern bei Neu- und Umbauten national ein deutliches Zeichen. Auch den Schottergärten wurde dabei der Kampf angesagt. Ein Erfolg? Oder braucht es Ihrer Meinung nach noch mehr?

Mit der Gestaltungssatzung „Freiraum und Klima“ und der dazugehörigen Informationsbroschüre soll nicht nur Baurecht gestaltet werden, es soll vielmehr auch eine Hilfe zum klimaangepassten Bauen geschaffen werden. Denn genauso wie ein Schottergarten, stellt auch ein unbegrüntes Flachdach, eine unbepflanzte Fassade oder ein baumloses, in den Kanal entwässerndes Grundstück eine vertane Chance auf ein besseres Stadtklima dar. Und genau das muss kommuniziert und allen am Bauvorhaben Beteiligten bewusst werden. Natürlich bedarf es auch Veränderungen im Bestand. Hier hilft Frankfurt mit dem Förderprogramm „Frankfurt Frischt auf – 50 % Klimabonus“ den privaten Antragsteller:innen die klimaangepasste Gestaltung ihrer Grundstücke so einfach und attraktiv wie möglich zu gestalten.

unkompliziertes verfahren

In Augen vieler erschweren komplexe bürokratische Abläufe in Deutschlands Kommunen oftmals die schnelle Umsetzung innovativer Projekte. Wie sehen Sie das? Brauchen wir weniger Bürokratie, um Klimawandel und Hitze die Stirn zu bieten?

Bei der Kritik wird oft die Komplexität der Anforderungen übersehen. In Frankfurt laufen die Prozesse aber nichtsdestotrotz schleunig ab. Die Bauaufsicht ist bei der Vorhabengenehmigung schnell und effizient. Bei Interesse findet sich auch die Möglichkeit zur Klimaberatung mit unserem Team, kurzfristig und unbürokratisch. Die Abwicklung der Beratungen und Mittelzuwendungen in unserem Förderprogramm unterliegt ebenfalls einem schlanken, unkomplizierten Verfahren. Der Prozess wird stets optimiert und, so der Plan, digitalisiert.

Die Themenkomplexität trifft noch mehr auf den öffentlichen Raum zu. Dennoch, wenn sich eine Maßnahme oder ein Programm einmal bewähren, läuft es i.d.R. sehr gut. Zum Beispiel das Trinkbrunnenprogramm, das nach längerer Anlaufphase Fahrt aufgenommen hat und nun Brunnen um Brunnen realisiert werden. Im Straßenraum sind vermehrt Blühinseln auf ehemaligen Verkehrsflächen vorzufinden und das Thema Schwammstadt wird bei allen Neuplanungen berücksichtigt. Die Erfahrung sagt also, „dranbleiben“. Und für eine möglichst unbürokratische Umsetzung toller innovativer Ideen setzen wir im Klimareferat uns höchstpersönlich ein.

 

Leitfaden Grundlagen

Wie viele technische Möglichkeiten hat denn die Kommune Frankfurt, um dem Wärmeinseleffekt vorzubeugen? Heißt: Wie gut ist Frankfurt in Sachen kommunale Instrumente aufgestellt? Wo sehen Sie Verbesserungsbedarf?

Es gibt bereits eine Reihe von vorhandenen Instrumenten, wie die „Frankfurter Anpassungsstrategie 2.0“ oder der Leitfaden „Klimaangepasste Stadtplatzgestaltung“. Als Grundlage für den Leitfaden diente die Planung für die Umgestaltung des Paul-Arnsberg-Platzes, der nun der erste Platz in Frankfurt ist, der zur Zeit klimaangepasst umgebaut wird. Ein weiterer ist derzeit in Planung. Als Stadt und auch gemeinsam mit den Privaten können wir mit Instrumenten wie diesen viel bewegen.

Klimawandelaktionsplan

Das Land Hessen veröffentlichte diesen Februar den Hessischen Hitzeaktionsplan. Wie wichtig ist dieser für Ihre Arbeit?

Der Hessische Hitzeaktionsplan zeigt auf, dass die langfristige Vorbereitung für ein Hitzeereignis ebenso essenziell ist, wie konkrete Maßnahmen bei akuten Hitzeereignissen. In Frankfurt werden die langfristigen Maßnahmen in der Anpassungsstrategie geregelt. Den Akutmaßnahmen soll sich ein „Klimawandelaktionsplan“ (KWAP) widmen. Die Stadt will damit auf alle Extremwettersituationen – Hitze, Trockenheit, Sturm und Hochwasser – umfänglich vorbereitet sein, um so die Menschen, Tiere, Pflanzen und Infrastruktur in Frankfurt zu schützen.

Frankfurt am Main will bis 2035 klimaneutral sein. Ihr Referat wurde mitunter dafür eingerichtet das Ziel zu unterstützen. Wo steht Frankfurt Ihrer Meinung nach aktuell in puncto Klimaneutralität? Was sind die größten Herausforderungen?

Auch ohne die tagesaktuellen Zahlen zu nennen steht eines fest: Vor uns liegt noch ein langer Weg, der in einer kurzen, intensiven Zeit zurückgelegt werden soll. Eine große, aber dabei auch positive Herausforderung ist, die Potenziale zu erkennen und die wirksamsten Maßnahmen zu bestimmen und umzusetzen. Solaranlagen auf Gebäuden und Freiflächen, eine Mobilitätswende sowie eine Wende im Bau- und Immobiliensektor, die Nutzung von Erneuerbaren Energien und Abwärme sind der aktuellen Einschätzung nach die wirksamsten Strategien, die in den kommenden Jahren prioritär umgesetzt werden müssen. Zur „rechnerischen Klimaneutralität“ gehört auch das Ziel einer lebenswerten, klimawandelresilienten Stadt Frankfurt. Unser aktuell 21-köpfiges Team unter der Leitung von Hans-Georg Dannert freut sich auf diese Herausforderungen und steht voller Tatendrang bereit, gemeinsam mit der Verwaltung sowie der Stadtgesellschaft insgesamt diesen Weg zu gehen.

 

Mehr zu diesem Thema in G+L 06/23.

Veröffentlicht im Rahmen der internationalen Initiative Beat the Heat.