Gräser im Staudenbeet: Planung, Arten und Praxis

Eine durchdachte Pflanzung im Freiraum zum Thema Gräser im Staudenbeet
Makroaufnahme einer rot-gelben Blüte – ein filigranes Naturdetail. (Foto: ember_n / Unsplash)

Gräser im Staudenbeet gehören zu den wirkungsvollsten, aber auch anspruchsvollsten Gestaltungsmitteln der modernen Freiraumplanung. Sie bringen Bewegung, Transparenz und eine jahreszeitliche Tiefe in Pflanzungen, die kein anderes Pflanzenmaterial in dieser Form erzeugt. Wer sie jedoch ohne Kenntnis ihrer ökologischen Ansprüche, ihrer Wuchsdynamik und ihrer gestalterischen Logik einsetzt, riskiert Pflanzungen, die entweder verkümmern, ihre Nachbarn verdrängen oder schlicht ihren Charakter verlieren. Professionelle Planung mit Gräsern beginnt deshalb nicht mit der Artenliste, sondern mit dem Verständnis dessen, was Gräser im Staudenbeet leisten können und was von ihnen verlangt wird.

  • Was Gräser im Staudenbeet von anderen Stauden unterscheidet und wie sie botanisch einzuordnen sind
  • Welche Planungsgrundlagen und Standortanforderungen für den erfolgreichen Einsatz entscheidend sind
  • Wie Gräser nach Wuchsform, Wuchsrhythmus und ökologischem Profil klassifiziert werden
  • Welche Arten für welche Situationen in der Freiraumplanung geeignet sind
  • Wie Gräser gestalterisch mit Stauden kombiniert werden und welche Prinzipien dabei gelten
  • Was bei Pflanzung, Pflege und Schnitt zu beachten ist
  • Welche häufigen Fehler bei der Planung und Ausführung auftreten
  • Wie Gräser im Kontext naturnaher und klimaangepasster Pflanzkonzepte einzuordnen sind

Botanische Einordnung: Was sind Gräser im Kontext der Staudenpflanzung?

Der Begriff „Gräser im Staudenbeet“ fasst in der Planungspraxis mehrere botanisch unterschiedliche Gruppen zusammen, die sich im Erscheinungsbild ähneln, in Biologie und Anspruch jedoch erheblich voneinander abweichen. Echte Gräser gehören zur Familie der Poaceae (Süßgräser) und umfassen die meisten der in der Freiraumplanung verwendeten Arten wie Calamagrostis, Molinia, Pennisetum oder Stipa. Daneben werden in der Praxis häufig Sauergräser aus der Familie der Cyperaceae (Seggen, Binsen) sowie Binsengewächse der Juncaceae unter dem Sammelbegriff „Gräser“ geführt, obwohl sie botanisch klar abzugrenzen sind. Für die Planung ist diese Unterscheidung relevant, weil Sauergräser wie Carex-Arten oft andere Standortansprüche haben als die Süßgräser und sich in Pflege und Dynamik anders verhalten.

Im Unterschied zu den meisten krautigen Stauden besitzen Gräser keine auffälligen Blütenblätter. Ihre Ästhetik entsteht aus Blattstruktur, Halm, Ähre oder Rispe sowie aus der Beweglichkeit des gesamten Pflanzenkörpers im Wind. Diese Eigenschaften machen sie zu einem Strukturelement, das in der Pflanzplanung eine eigene Kategorie bildet: Sie sind weder Leitstaude noch Füllpflanze im klassischen Sinne, sondern häufig das verbindende, rhythmisierende Element zwischen blühenden Stauden. In der deutschsprachigen Planungspraxis hat sich für diese Funktion der Begriff „Gerüstpflanze“ etabliert, also eine Pflanze, die der Pflanzung Halt, Wiederholung und Jahreszeit übergreifende Präsenz verleiht.

Planungsgrundlagen: Standort, Boden und Klimaansprüche richtig einschätzen

Die wichtigste Planungsentscheidung beim Einsatz von Gräsern im Staudenbeet ist die präzise Standortanalyse. Gräser reagieren auf Fehlstandorte oft mit langsamer Vitalitätsminderung, die sich erst nach zwei bis drei Vegetationsperioden deutlich zeigt, dann aber kaum noch korrigierbar ist. Licht, Bodenfeuchte, Bodenreaktion und Nährstoffversorgung sind die vier Schlüsselparameter, die für jede Art einzeln geprüft werden müssen.

Die meisten Süßgräser der Freiraumplanung sind Sonnen- oder Halbschattenpflanzen und verlangen mindestens vier bis sechs Stunden direkte Sonneneinstrahlung täglich. Arten wie Stipa tenuissima (Mexikanisches Federgras), Nassella pulchra oder Pennisetum-Arten sind ausgesprochene Sonnenpflanzen und reagieren auf Schatten mit schwacher Halm- und Rispenbildung sowie erhöhter Anfälligkeit für Pilzerkrankungen. Für schattige Standorte eignen sich dagegen bestimmte Carex-Arten wie Carex morrowii oder Carex pendula sowie Hakonechloa macra, ein Waldgras aus Japan, das schattige Hanglagen mit hoher Zuverlässigkeit besiedelt.

Die Bodenfeuchte ist der zweite kritische Parameter. Viele der dekorativsten Gräser der Planungspraxis stammen aus Trockenstandorten und reagieren auf Staunässe mit Wurzelfäule. Stipa, Festuca, Helictotrichon und Sesleria verlangen durchlässige, eher magere Böden. Auf der anderen Seite des Spektrums stehen Gräser der Feuchtstandorte: Molinia caerulea und ihre Sorten, Calamagrostis canescens oder Carex acutiformis tolerieren zeitweise Vernässung und sind für Retentionsmulden, Regenbeete oder Gewässerränder geeignet. Zwischen diesen Polen liegt eine breite Gruppe von Gräsern mit mittlerem Feuchtebedarf, darunter Calamagrostis x acutiflora-Sorten, Deschampsia cespitosa oder Panicum virgatum, die auf frischen bis mäßig trockenen Böden gedeihen und in der Freiraumplanung am häufigsten eingesetzt werden.

Nährstoffreiche, humusreiche Böden sind für die meisten Planungsgräser weniger geeignet, als Planer ohne Erfahrung oft annehmen. Auf gut versorgten Gartenböden wachsen viele Gräser zwar üppig, verlieren aber ihre charakteristische Halm- und Rispenstruktur, lagern sich um oder werden durch konkurrenzkräftige Stauden verdrängt. Magere Substrate fördern dagegen kompakte, standfeste Wuchsformen und intensivere Herbstfärbungen. Dieser Zusammenhang ist für die Substratplanung in Neubausituationen direkt relevant: Ein gezielt abgemagertes Pflanzsubstrat kann die Pflegestabilität einer Grasbepflanzung erheblich verbessern.

Klassifikation nach Wuchsrhythmus: Kalt- und Warmjahresgräser

Eine der wichtigsten, aber in der Praxis häufig vernachlässigten Unterscheidungen betrifft den Wuchsrhythmus. Gräser lassen sich in Kaltjahresgräser (C3-Gräser) und Warmjahresgräser (C4-Gräser) einteilen, benannt nach ihrem photosynthetischen Stoffwechselweg. Diese Unterscheidung hat unmittelbare Konsequenzen für Erscheinungsbild, Pflegezeitpunkt und gestalterische Verwendung.

Kaltjahresgräser (C3-Gräser) treiben früh im Jahr aus, oft schon im Februar oder März, und erreichen ihre volle Blüte im Frühjahr bis Frühsommer. Sie machen im Hochsommer häufig eine Ruhephase durch, in der das Laub vergilbt oder sich einrollt, und treiben im Herbst erneut aus. Typische Vertreter sind Festuca-Arten, Sesleria autumnalis, Carex-Arten sowie Helictotrichon sempervirens. Für die Planung bedeutet das: Diese Gräser liefern früh im Jahr Struktur, können aber im Hochsommer optisch schwächer werden und sollten daher mit Stauden kombiniert werden, die in dieser Phase die Pflanzung tragen.

Warmjahresgräser (C4-Gräser) treiben spät aus, oft erst im Mai oder sogar Juni, und entfalten ihre volle Wirkung im Hochsommer und Herbst. Ihre Blüten, Rispen und Herbstfärbungen sind häufig besonders spektakulär. Panicum virgatum, Miscanthus sinensis, Pennisetum alopecuroides und Andropogon gerardii gehören zu dieser Gruppe. Sie bleiben oft bis weit in den Winter hinein dekorativ und sollten erst im späten Winter oder frühen Frühjahr zurückgeschnitten werden. Der späte Austrieb kann in der Pflanzplanung als Vorteil genutzt werden, indem früh blühende Stauden die Lücke füllen, die diese Gräser bis in den Frühsommer hinterlassen.

Die Kombination beider Gruppen in einer Pflanzung ist eine bewährte Strategie, um über das gesamte Vegetationsjahr hinweg Struktur und Interesse zu erzeugen. Sesleria autumnalis als Kaltjahresgras bildet im Frühjahr bereits dichte Horste, während Panicum virgatum daneben noch kaum sichtbar ist; im Herbst übernimmt das Panicum mit seiner Rotfärbung die gestalterische Führung, während Sesleria in den Hintergrund tritt.

Geeignete Arten für die Freiraumplanung: Auswahl und Charakterisierung

Die Artenauswahl für Gräser im Staudenbeet sollte sich an Standort, Funktion und gestalterischer Absicht orientieren. Die folgende Auswahl beschreibt bewährte Arten mit ihren wesentlichen Eigenschaften aus Planungsperspektive.

Strukturgräser für sonnige, trockene bis frische Standorte

Calamagrostis x acutiflora, das Garten-Reitgras, ist eines der am häufigsten eingesetzten Gräser der Freiraumplanung und das aus gutem Grund. Es bildet aufrecht stehende, schmale Horste, die auch ohne Stützung standfast bleiben, und blüht früh im Sommer mit aufrechten, zunächst rötlichen Rispen, die sich im Herbst in Silber verwandeln. Die Sorte ‚Karl Foerster‘ ist seit Jahrzehnten ein Standardelement naturnaher Pflanzkonzepte. Calamagrostis toleriert eine breite Palette von Bodenverhältnissen, verträgt kurze Trockenheit ebenso wie zeitweise Feuchte und ist in der Pflege unkompliziert.

Panicum virgatum (Rutenhirse) ist ein nordamerikanisches Präriegras, das in der Freiraumplanung vor allem wegen seiner Herbstfärbung geschätzt wird. Je nach Sorte reicht die Rotfärbung von leuchtendem Orangerot (‚Shenandoah‘) bis zu tiefem Weinrot (‚Rotstrahlbusch‘). Panicum ist trockenheitstolerant, wächst auf durchlässigen Böden besonders kompakt und eignet sich für Pflanzungen mit Präriecharakter. Auf zu nährstoffreichen Böden lagert es sich um.

Stipa tenuissima (Mexikanisches Federgras, heute korrekt Nassella tenuissima) ist eines der zartesten und beweglichsten Gräser der Planungspraxis. Seine feinen, haardünnen Halme erzeugen selbst bei leichtem Wind eine fließende Bewegung, die in der Pflanzplanung kaum zu ersetzen ist. Es verlangt volle Sonne und sehr durchlässige, eher trockene Böden. In milden Lagen ist es winterhart, in kontinentalen Klimaregionen mit starken Frösten ohne Schneedecke kann es ausfallen. Zu beachten ist seine Tendenz zur Selbstaussaat, die in manchen Situationen erwünscht, in anderen kontrollbedürftig ist.

Gräser für Schatten und Halbschatten

Hakonechloa macra, das Japanische Waldgras, ist für schattige bis halbschattige Standorte mit frischen, humosen Böden eine erste Wahl. Es bildet überhängende, leuchtend grüne bis goldgelbe Horste (je nach Sorte) und bringt eine fast bambus-artige Eleganz in schattige Pflanzungen. Die Sorte ‚Aureola‘ mit ihrer gelbgrünen Streifenzeichnung ist besonders dekorativ, verlangt aber mehr Licht als die Grundart. Hakonechloa ist ein Kaltjahresgras und treibt früh aus.

Carex morrowii und ihre Sorten sind immergrüne Seggen für schattige bis halbschattige Lagen mit frischen bis feuchten Böden. Sie sind in der Pflege anspruchslos, bilden dichte, niedrige Horste und eignen sich für Unterpflanzungen unter Gehölzen, für Böschungssicherungen oder als Bodendecker in schwierigen Lagen. Carex pendula, die Hängesegge, ist für feuchte Schattenstandorte geeignet und bildet große, imposante Horste mit langen, überhängenden Ähren, neigt aber zur Selbstaussaat.

Gräser für Feuchtstandorte und Retentionsbereiche

Molinia caerulea und die großwüchsigere Molinia arundinacea sind Moorschmielen, die auf feuchten bis wechselfeuchten, sauren bis neutralen Böden gedeihen. Sie sind Kaltjahresgräser mit hervorragender Herbstfärbung in Gold und Orange. Besonders wertvoll für die Planung ist ihre Eigenschaft, im Winter vollständig abzubrechen und keine verholzten Halme zu hinterlassen, was den Rückschnitt vereinfacht. Molinia eignet sich für naturnahe Pflanzungen, Moorbeete und Gewässerränder.

Gestalterische Kombination mit Stauden: Prinzipien und Praxis

Die gestalterische Stärke von Gräsern im Staudenbeet entfaltet sich erst in der Kombination. Gräser allein ergeben selten eine befriedigende Pflanzung; sie brauchen die Farbe, Form und Blüte der Stauden als Kontrast und Ergänzung. Umgekehrt gewinnen Staudenpflanzungen durch Gräser Transparenz, Bewegung und Winterpräsenz, die ohne sie fehlen würden.

Ein bewährtes Gestaltungsprinzip ist der Kontrast zwischen der aufrechten, linearen Textur der Grashalme und der runden, flächigen Form vieler Staudenblüten. Calamagrostis x acutiflora ‚Karl Foerster‘ mit seinen senkrechten Rispen bildet einen klassischen Kontrast zu den horizontalen Schirmblüten von Achillea-Arten oder den runden Köpfen von Echinacea purpurea. Panicum virgatum mit seiner transparenten, wolkigen Rispe eignet sich als Hintergrund für kräftig gefärbte Stauden wie Rudbeckia, Helenium oder Persicaria amplexicaulis.

Die Wiederholung ist ein weiteres Grundprinzip. Gräser wirken in Pflanzungen am stärksten, wenn sie rhythmisch wiederholt werden, also in Gruppen von drei bis sieben Pflanzen, die in unregelmäßigen Abständen durch die Pflanzung verteilt sind. Diese Wiederholung erzeugt visuelle Kohärenz und verhindert, dass eine Pflanzung unruhig und zufällig wirkt. In großflächigen Pflanzungen, wie sie im öffentlichen Freiraum üblich sind, kann ein einzelnes Grasmuster die gesamte Fläche strukturieren.

Für die Jahreszeiten übergreifende Wirkung ist die Kombination von Warm- und Kaltjahresgräsern mit entsprechend abgestimmten Stauden entscheidend. Frühjahrsblüher wie Geranium, Salvia nemorosa oder Nepeta übernehmen die Pflanzung, wenn die Warmjahresgräser noch kaum sichtbar sind. Im Hochsommer führen Echinacea, Phlox oder Agastache, begleitet von den aufgehenden Rispen der Warmjahresgräser. Im Herbst übernehmen Aster, Sedum (Hylotelephium) und die Herbstfärbungen von Panicum oder Molinia. Im Winter bleiben die Skelette der Gräser als Strukturelemente stehen und verleihen der Pflanzung auch unter Frost und Schnee Würde.

Pflanzung, Pflege und Rückschnitt: Was in der Praxis zählt

Der Pflanzzeitpunkt beeinflusst den Anwachserfolg erheblich. Kaltjahresgräser werden am besten im Frühjahr oder Herbst gepflanzt; Warmjahresgräser, die einen warmen Boden für den Austrieb benötigen, sollten nicht vor Ende April in den Boden. Containerware ist ganzjährig pflanzbar, solange Frost und extreme Trockenheit ausgeschlossen sind. Ballenware aus Freilandanzucht ist robuster, erfordert aber sorgfältigere Wässerung in der Anwachsphase.

Die Pflanzabstände richten sich nach der Endgröße der jeweiligen Art. Für mittelgroße Gräser wie Calamagrostis oder Panicum gelten in der Regel Abstände von fünfzig bis siebzig Zentimetern; für großwüchsige Arten wie Miscanthus sinensis oder Molinia arundinacea sind neunzig bis hundertzwanzig Zentimeter angemessen. Zu enge Pflanzung führt zu Konkurrenzstress und Vitalitätsverlust; zu weite Pflanzung lässt die Fläche in den ersten Jahren lückig wirken und fördert Verunkrautung.

Der Rückschnitt ist der wichtigste Pflegeeingriff und gleichzeitig der am häufigsten falsch ausgeführte. Warmjahresgräser werden erst im späten Winter oder frühen Frühjahr zurückgeschnitten, kurz bevor der neue Austrieb beginnt, in der Regel zwischen Februar und März. Zu früher Rückschnitt im Herbst nimmt der Pflanzung ihren Winterschmuck und kann die Frosttoleranz der Horste beeinträchtigen. Kaltjahresgräser, die im Sommer eine Ruhephase durchmachen, können nach dieser Phase zurückgeschnitten werden, um den Herbstaustrieb zu fördern. Immergrüne Seggen wie Carex morrowii werden nicht zurückgeschnitten, sondern nur ausgelichtet, indem abgestorbene Blätter herausgekämmt werden.

  • Warmjahresgräser (Miscanthus, Panicum, Pennisetum): Rückschnitt im späten Winter, kurz vor dem Austrieb
  • Kaltjahresgräser mit Sommerruhe (Festuca, Stipa): Rückschnitt nach der Sommerruhe oder im frühen Frühjahr
  • Kaltjahresgräser ohne ausgeprägte Ruhe (Calamagrostis, Sesleria): Rückschnitt im frühen Frühjahr
  • Immergrüne Seggen (Carex morrowii, Carex oshimensis): Auskämmen abgestorbener Blätter, kein Rückschnitt
  • Molinia: Rückschnitt im Winter möglich, da Halme von selbst abbrechen

Teilung und Verjüngung sind bei vielen Gräsern nach fünf bis acht Jahren notwendig, wenn die Horste von innen heraus verkahlten. Besonders Miscanthus und Calamagrostis neigen dazu, im Zentrum abzusterben. Die Teilung erfolgt im Frühjahr mit einem scharfen Spaten; die Außenteile des Horstes werden neu gepflanzt, der verholzte Kern entfernt. Dieser Eingriff verjüngt die Pflanzung und ist gleichzeitig eine Gelegenheit, die Pflanzkomposition zu überarbeiten.

Häufige Fehler und Missverständnisse in der Planungspraxis

Einer der verbreitetsten Fehler ist die Unterschätzung der Endgröße. Miscanthus sinensis kann je nach Sorte zwei bis drei Meter Höhe erreichen und einen Horst von einem Meter Durchmesser bilden. Wer diese Art in einem kleinen Beet mit dreißig Zentimeter Abstand zu anderen Pflanzen setzt, schafft in wenigen Jahren Platzkonflikte, die nur durch Rodung zu lösen sind. Die Sortenauswahl muss die Standortgröße berücksichtigen; für kleine Beete eignen sich kompakte Sorten wie Miscanthus sinensis ‚Kleine Fontäne‘ oder ‚Yaku-Jima‘ besser als großwüchsige Sorten wie ‚Silberfeder‘.

Ein weiterer Fehler ist die Verwendung von Gräsern auf ungeeigneten Böden ohne Bodenverbesserung oder Substratanpassung. Stipa tenuissima auf einem schweren, lehmigen Boden mit Staunässetendenz wird innerhalb weniger Jahre ausfallen; Molinia caerulea auf einem trockenen, alkalischen Sandboden wird nie ihre volle Schönheit entfalten. Standortgerechte Artenwahl ist kein Kompromiss, sondern die Voraussetzung für eine dauerhaft stabile Pflanzung.

Schließlich wird die Konkurrenzfähigkeit mancher Gräser unterschätzt. Carex pendula, Deschampsia cespitosa oder Phalaris arundinacea können in günstigen Lagen aggressive Ausbreiter sein, die schwächere Stauden verdrängen. Diese Arten sollten nur dort eingesetzt werden, wo ihre Ausbreitung erwünscht ist oder kontrolliert werden kann. Für kleinere, gepflegte Beete sind horstbildende, nicht ausläufertreibende Arten die sicherere Wahl.

Gräser im Staudenbeet im Kontext naturnaher und klimaangepasster Planung

Gräser im Staudenbeet sind heute nicht mehr nur ein gestalterisches Mittel, sondern ein integraler Bestandteil ökologisch orientierter und klimaangepasster Freiraumplanung. Ihre Trockenheitstoleranz, ihre Winterhärte, ihre Bedeutung als Lebensraum für Insekten und Vögel sowie ihre Fähigkeit, auch auf mageren, wenig gepflegten Standorten stabile Bestände zu bilden, machen sie zu einem unverzichtbaren Element zeitgemäßer Pflanzkonzepte.

Die Bewegung hin zu naturnahen Pflanzungen, wie sie durch Konzepte wie die Neue Perennials-Bewegung (Piet Oudolf, Henk Gerritsen) oder die deutschen Sichtungsgärten und Staudenverwendungskonzepte geprägt wurde, hat Gräsern eine neue Bedeutung gegeben. Sie sind nicht mehr Dekorelement, sondern strukturgebende Komponente in Pflanzungen, die Ökosystemleistungen erbringen: Lebensraum, Nahrungsquelle, Kohlenstoffspeicherung im Boden, Regenwasserrückhalt durch dichte Bodenbedeckung. Besonders in urbanen Hitzeinsellagen, wo Trockenheit und Wärme zunehmen, sind trockenheitstolerante Gräser wie Stipa, Festuca oder Panicum robuster als viele traditionelle Staudenarten.

Für die Freiraumplanung bedeutet das: Gräser im Staudenbeet sind kein Modetrend, sondern eine planungstechnisch fundierte Antwort auf die Anforderungen an Pflegeextensivierung, ökologische Aufwertung und klimatische Resilienz. Wer sie mit dem nötigen Wissen um Standort, Wuchsrhythmus und gestalterische Logik einsetzt, erhält Pflanzungen, die über viele Jahre stabil bleiben, sich mit den Jahreszeiten wandeln und gleichzeitig ökologische Funktionen erfüllen, die kein anderes Pflanzenmaterial in dieser Kombination bietet.

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Zwei unterschiedliche, durch eine Bundesstraße voneinander getrennte Areale verbinden, und einen großen See schaffen – die Herausforderungen der Landesgartenschau in Lahr meisterte das Büro club L94 ohne große Hindernisse. Burkhard Wegener führt uns vor Ort durchs Gelände.

Herr Wegener, was war Ihre Motivation, 2011 am Wettbewerb zur Landesgartenschau in Lahr teilzunehmen?
Es war die Auslobung mit der Aufgabe, einen existierenden Park zu überarbeiten und Ackerflächen eine neue Identität zu geben, sie zu einem Park zu entwickeln. Und darüber hinaus: beide Teilbereiche über zwei Bundesstraßen hinweg mit einer Brücke zu verbinden – alles in allem eine komplexe Aufgabe. Zudem hat es in unseren Kalender gepasst …

Haben Sie die Vorgaben im Planungsprogramm als einengend empfunden – etwa den Wunsch nach einem See, neuen Kleingärten und einem Landschaftspark, in den ein bestehendes Pappelwäldchen mit Krähenhabitat integriert werden sollte?
Eigentlich nicht, eher als Herausforderung. Zumal wir viel Freiraum bei der Ideenfindung hatten und angehalten wurden, Neues zu entwickeln, das sich mit Vorhandenem verbinden sollte.

Woran hatten Sie am meisten zu knabbern? Was hat Ihnen die größten Probleme beim Planen und Bauen gemacht?
Das war der See. Er sollte mehrere Hektar groß werden, aber wir konnten ihn nicht – wie anfangs gedacht – durch den Aushub von Boden realisieren. Es stellte sich schnell heraus, dass es Probleme mit dem Grund­wasser gegeben hätte. So kamen wir auf die Idee, den See auf das bestehende Gelände aufzusetzen. Als Landschaftssee konzipiert, ist er nun rund 2,7 Hektar groß, aber nur zwei bis drei Meter tief. Insgesamt haben wir rund 100 000 Kubikmeter Füllboden im Gelände verarbeitet.

Der See wird diagonal von einem Steg gequert, dadurch scheint er zweigeteilt. Hat das eine tiefere Bedeutung?
Ja. Offziell ist der See ein Badesee und braucht dazu eine entsprechend hohe Wasserqualität. Das erreichen wir, indem wir das Wasser umwälzen, über eine Pflanzenkläranlage filtern und fehlendes Wasser über Pumpen aus dem Grundwasser zuführen. Der Steg über den See sitzt wiederum auf einer Mauer auf, die den Badesee vom Landschaftssee trennt und ihn aus einer anderen Perspektive als von den Ufern aus erlebbar macht. Die Ufer sind bewusst unterschiedlich gestaltet: im Badebereich mit einer harten, urbanen Kante samt Badestrand, im Landschaftsteil mit weichen Übergängen, die sich aus der Bepflanzung der Uferbereiche mit Röhricht und Wasserpflanzen ergeben.

Gab es noch andere Themen, die Ihnen beim Entwurf der Landesgartenschau besonders wichtig waren?
Zum Beispiel, dass auf der langen Seite des Sees eine Promenade entstehen sollte. Diese haben wir mit einer einreihigen Allee aus Trauerweiden bepflanzt, deren hängende Zweige wir lieben.

Alle Fotos: Karl H.C. Ludwig.

Sie haben noch nicht das Krähennest angesprochen, das ja auch eine Besonderheit darstellt …
Genau, das war uns auch von Anfang an wichtig. Zwar in etwas anderer Form als es nach dem dafür ausgelobten Wett­bewerb geworden ist, aber wir finden es dennoch gut. Es steht vor dem Pappel­wäldchen, in dem zahlreiche Krähennester zu finden sind, die den Anstoß zur Idee gegeben haben. Konkret liegt es in dem neuen Auenwäldchen, in dem sich Lichtungen, Pfade aus Rindenmulch und Farninseln finden, die die Basis für ökologische Vielfalt und Lebensräume für Pflanzen und Tiere darstellen und zeigen.

Was waren die Maximen und Ziele für die Überarbeitung des Bürgerparks? Der kam in unserer Unterhaltung bislang etwas zu kurz …
Der Bürgerpark liegt direkt am Schul­quartier und wurde von uns konzeptionell als Teil der Stadt interpretiert. Im Gegensatz zum landschaftlichen Seepark ist der Spiel-­ und Sportpark urban gestaltet. Die Konzeptionen für die neuen Gebäude dort – Kita, römisches Streifen­haus und Sporthalle – entwickelten wir in der städtebaulichen Findungsphase zusammen mit dem Architekturbüro Aldinger. Die neue Kita mit der tonnen­förmigen Dachstruktur, die ich mitsamt den Spielbereichen für sehr gelungen halte, markiert den Parkzugang im Osten. Zu einem besonderen gestalterischen Element wurde auch die „via ceramica“, die sich – obwohl sprachlich nicht ganz korrekt – auf die keramischen Funde der Römer in Lahr bezieht.


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Blick über den See.

12 Via Ceramika Image club
Via Ceramica.

08 Seeprromenade01
Seepromenade.

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Blick über den See.

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Via Ceramica.

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Seepromenade.

Das alles klingt nach dem Ergebnis einer guten Zusammenarbeit mit anderen Planern und der Stadt.
Die Zusammenarbeit war – von einzelnen Ausnahmen abgesehen – in der Tat ganz gut. Das gilt sowohl für die Verantwort­lichen der Stadt, als auch für die LGS GmbH und andere Architekten und Planer. Grundsätzlich hätten wir uns gewünscht, dass sich die Ausstellungsbei­träge – vor allem im Seepark – etwas mehr in die Grundkonzeption der Daueranlage eingefügt und einen etwas weniger lauten Auftritt gemacht hätten. Im Kleingartenpark am jetzigen Haupteingang der LGS wurden sie mit dem Landschaftsbau und dessen Gärten deutlich besser in die Grund­struktur der Anlage integriert.

Zum Interviewpartner: Burkhard Wegener ist einer der vier Gründer und Geschäftsführer des Kölner Büros club L94 Landschaftsarchitekten. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Objektplanung und Wettbewerbe. Am FB Architektur der Hochschule Bochum lehrt er als Honorarprofessor.

 

 

Alle Fotos: Karl H.C. Ludwig.

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Seepromenade.

Das alles klingt nach dem Ergebnis einer guten Zusammenarbeit mit anderen Planern und der Stadt.
Die Zusammenarbeit war – von einzelnen Ausnahmen abgesehen – in der Tat ganz gut. Das gilt sowohl für die Verantwort­lichen der Stadt, als auch für die LGS GmbH und andere Architekten und Planer. Grundsätzlich hätten wir uns gewünscht, dass sich die Ausstellungsbei­träge – vor allem im Seepark – etwas mehr in die Grundkonzeption der Daueranlage eingefügt und einen etwas weniger lauten Auftritt gemacht hätten. Im Kleingartenpark am jetzigen Haupteingang der LGS wurden sie mit dem Landschaftsbau und dessen Gärten deutlich besser in die Grund­struktur der Anlage integriert.

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Die Deutsche Akademie für Städtebau und Landesplanung und die Wüstenrot Stiftung schreiben seit fast 40 Jahren den Deutschen Städtebaupreis aus. Alle zwei Jahre zeichnet der Preis nachhaltige und innovative Gestaltungsvorschläge für den öffentlichen Raum aus. Dieses Jahr ist es wieder soweit.

Architekten, Landschaftsarchitekten und Städteplaner können bis zum 15. April Projekte einreichen, die seit dem 1. Januar 2013 in der Bundesrepublik Deutschland realisiert worden sind. Am 27. September 2018 werden die Wettbewerbsgewinner bekannt gegeben. Den Preisträger erwartet ein Preisgeld von 15 000 Euro und wird in einer Wanderausstellung präsentiert.

Der parallel dazu ausgelobte Sonderpreis widmet sich dem Thema ‚Orte der Bildung und Kultur im städtebaulichen Kontext‘. Im Rahmen des ‚European Year of Cultural Heritage 2018‘ werden Projekte ausgezeichnet die städtebauliche Ensembles zwischen 1949 und 1989 behandeln. Der Sonderpreis ist mit 5 000 Euro dotiert.

Weitere Informationen zu dem Deutschen Städtepreis findet ihre hier.